Vollzeit arbeiten

Hallo
Mal eine Frage:
Wie schafft Ihr es, Vollzeit zu arbeiten?
Ich habe in der letzten Woche sechs Tage gearbeitet, weil der Kollege im Urlaub war und andere krank. Ich war 8 bis 18:00 Uhr bei der Arbeit, und von 6:30 Uhr bis 18:30 Uhr unterwegs kann man sagen.
Es war die Hölle los, und ich war allein am Schalter. Abends konnte ich mich wegwerfen, ich konnte am Feierabend kein Wort mehr reden und war nicht mal mehr im Stande etwas zu essen.
Sonst arbeite ich immer drei Tage die Woche und habe zwischendrin Erholungspausen dadurch.
Jetzt frage ich mich, wie bewältigt man überhaupt eine Vollzeittätigkeit, das ist ja Hammer, vor allem wenn viel los ist und man sich viel konzentrieren muss?

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Für mich hat schon als Jugendliche Vollzeit arbeiten zu müssen bedrohlich gewirkt und die ersten drei Jahre geregelte Vollzeit war für mich echt schwer zu stemmen.
Dann war ich im schichtdienst, das bekam mir besser, weil ich immer mal wieder Tage frei hatte und mal viel mal wenig und mal am Wochenende . Da habe ich die volle Stelle nicht so gespürt. Jedoch hatte ich da schon eine Stelle mit weniger Stunden und immer nur Phasenweise mal Voll.
Dann zurück in den geregelten Dienst , zunächst mit weniger Stunden , dann ne ganze Ziet Vollzeit und habe selber wieder reduziert . Nach dem Burnout auf ¾ Stelle und komme damit besser klar , auch wenn es finanzielle weniger ist. Ob ich nochmal wieder aufstocke ??? Das weis ich noch nicht.

Ich bin für Vollzeit nicht geeignet, bin dann immer am Limit und mich macht das depressiv.

Mir sind die Vollzeitmenschen ein Wunderrätzel , vor allem wenn die dann auch noch Kind , Haus und Hobby haben und auch noch alles irgendwie mal so geregelt kriegen . So Haushalt, Papierkram und so.

Mir war Vollzeit von Anfang an zu viel und ich bin immer mehr ausgebrannt, schon ohne Kinder, dabei hatte ich noch nicht mal einen langen Arbeitsweg, also etwa eine halbe Stunde, teilweise sogar nur 10 Minuten.

Gar nicht. Ich habe von vornherein Teilzeit anvisiert und zum Glück auch gekriegt. Allerdings bin ich nach fünf Stunden schon für den Rest des Tages erledigt, so dass ich manchmal denke, ich könnte ebensogut Vollzeit machen.

Oft arbeite ich aber doch bis 18h durch, wegen Zeitblindheit. Dann gibt es ein vertracktes Problem zu lösen, und ehe ich’s merke, sind drei Stunden um und die Vollzeit-Kollegin wundert sich, dass ich noch da bin. Manchmal gehe ich auch nur nach hause, weil ich denke, das wird von mir erwartet.

Ich denke, es ist leichter, wenn man an einer großen Aufgabe arbeitet, vorausgesetzt, die ist interessant genug. Es ist ja bei ADHS oft nicht die Arbeit, die schlaucht, sondern die Umstellung zwischen Aufgaben. An Tagen, wo ich viele Kleckeraufgaben habe, spüre ich die fünf Stunden deutlich schneller.

Aber im Grunde finde ich eh, dass der Mensch einfach nicht für Vollzeit geschaffen ist und sowas abgeschafft gehört. Es gibt diese Ideologie, dass nur ein tätiges Leben wertvoll ist und dass nur ein volles Arbeitsleben als tätiges Leben zu gelten hat. Weg damit!


Das allerdings ist, soweit ich gehört habe, normal. Ich kenne das Vollzeit-Arbeitsleben nur vom Hörensagen, aber nach dem, was ich da sagen hörte, steckt man alle Energie für den Tag in die Arbeit, ist danach durchgerockt, und dann hat man Wochenende. Viele scheinen ihre Wochenenden auch so zu füllen wir die Arbeitswoche, nur halt mit Party. Haben’s wahrscheinlich nicht anders gelernt.

Wenn Du schon aus meinem Tagebuch abschreibst (s.o.)…

traue ich mich, eine Frage (ggf. „in den Raum“) zu stellen, die ich gerne einer Alternativversion von mir stellen würde:

Ehrlich gesagt klingt Deine Beschreibung wie Vollzeit (und mehr als das).

Nach meiner Erfahrung führt die Zeitblindheit auch dazu, dass man sich Unterbrechungen viel mehr ankreidet. So im Sinne von „Ich habe ja auch mal bei Spiegel Online reingeguckt… und Kaffee geholt … und dies, das… und überhaupt habe ich ja auch ADxS und werde daher nie fertig und da ziehe ich besser mal 30 % meines Zeiteinsatzes ab, damit „Arbeit pro Zeit = Leistung“ sich einigermaßen gerecht bezahlt anfühlt.“

Ich habe mir in mehreren Coachings sagen lassen, dass das Neurotypische angeblich auch tun mit dem „mal im Netz surfen“. Und sich das nur nicht so massiv ankreiden, sondern eben „ganz normal“ finden. Und auch „nie fertig werden“.

Könnte es sein, dass Du Vollzeit+ arbeitest für Teilzeitbezahlung? Und - vor allem - das dann noch einem schrägen Gefühl, weil das ja auch alle sehen und sich fragen, wann Du endlich heimgehst und warum Du das machst und dass Du die Tarife vermasselst…

Eine andere Frage:

Ist Nachtschichtdienst bei Adxs nicht kontraproduktiv ?

@Elementary Meine Überstunden kriege ich zum Glück bezahlt oder kann sie abfeiern. Aber das mit dem Ankreiden kenne ich gut, wenn es darum geht, die Arbeitszeiten den Kunden und Projekten zuzuordnen. Waren das wirklich zwei Stunden? Habe ich nicht den größten Teil davon damit verbracht, mögliche Lösungen zu googlen? Gerade in einem Feld, in dem Probleme lösen oft darin besteht, das Problem von allen Seiten zu betrachten, einige Fehlversuche zu machen und dann die eigentliche Lösung innerhalb von fünf Minuten zu produzieren, ist das oft schwer abzugrenzen.

Welcome to my life.

„Immerhin“ hilft die Erfahrung zunehmend dabei, solchen (vermeintlichen) „5 Minuten Lösungen“ zu vertrauen.

Wie schon Rudi Carrell so oder ganz ähnlich sagte: „Will man ein Ass aus dem Ärmel ziehen, so muss man erst eines hineingoogeln.“

Wie wäre das eigentlich wenn wir von Kindheit Anfang an in unserer Arbeitsweise bestärkt worden wären?

Schön das du das noch mal gegoogelt hast
schön das du noch dreimal abgewichen bist
schön das du dich zunächst verzettelt hast
gut das du noch einmal mit der Kirche ums Dorf gedacht hast
gut das du nebenbei noch mal so im Internet gesurft hast um ne kleine Pause zu machen
etc…
ppp…
ihr wisst schon was ich meine :wink:
—und am Ende ein fettes Lob für das tolle Ergebniss

und der Banknachbar nebenan bekommt ständig einen auf den Deckel weil er sich so neurotypisch anstellt . :mrgreen: :wink:

und auf dem Zeugniss steht „der kleine Karl Heinz blockiert ständig kreative Ergebnisse mit seiner neurotypischen Denkweise.!“ :mrgreen:

Also wenn alles umgekehrt wäre, hätte wir dann überhaupt einen Hauch von „schlechtem“ Gewissen mal wieder die Arbeitszeit „vertrödelt“ zu haben???

Am meisten Energie verbrate ich glaube ich damit mein ADHS in gesundem Maße zu halten und mich neurotypisch anzupassen inc. erhötem Reizfilter.

Ausgerechnet im Matheunterricht war es ja irgendwann so. Naja, ein Stück weit: Zumindest gab es Punkte für den richtigen Lösungsweg, selbst wenn das Ergebnis mal nicht stimmte. Ich weiß aber nicht, ob es auch Punkte für einen anderen ebenfalls richtigen Lösungsweg gegeben hätte als den vorgegebenen.

Es gibt bereits Bestrebungen, in Schulen mehr das wissenschaftliche Denken in den Vordergrund zu stellen statt nur Fakten rüberzuschaufeln. Wie ich das Bildungssystem einschätze, ist es nur noch eine Frage von Jahrzehnten, bis das umgesetzt wird…


Klingt bekannt. Natürlich ergibt sich da die Frage, ob Neurotypisch Anpassen noch ein gesundes Maß ist…

Das wäre sehr bitter. Denn Karl Heinz würde ja von seinen neurotypischen Eltern zum Abitur alle Zeugnisse in einem Ordner mit Klarsichthüllen überreicht bekommen… Für später. Klarsichthüllen vergessen nicht und kennen keine Gnade.

… Wohingegen unsereiner Schwierigkeiten hat, die Grundschulzeugnisse überhaupt noch zu finden später. So gesehen ist es gnädiger, wie es ist.

Wenn ich so drüber nachdenke, ist es vielleicht eh besser, das Anpassen eher von denen zu erwarten, die geistig flexibler und fantasievoller sind. Muss natürlich klar sein, dass es nicht darum geht, ein eigenes Defizit zu beheben, sondern den anderen auch eine Chance zu geben. Später gibt es dann statt Gymnasium, Haupt- und Realschulen (also gut/schlecht/schlechter - aber alle nach demselben Maßstab) Schulzweige nach Neigung: eher gut in Kreativität, eher gut im Befolgen von Anweisungen…

Damit meine ich nicht immer dazwischen zu reden, halbwegs Termine und Fristen einhalten, versuchen nicht so viel Chaos auflaufen zu lassen. All das wo auch die Medis bei helfen. Also da „anpassen“ wo es mir dann auch besser mit geht aber eben auch den Raum für ADHS lassen.

Meine allgemeine Fragestellung zielte eher darauf hin, also wenn man quasi eine Studie von Kindheit an machen könnte , wo eben neurodivers vorrangig ist, wie sich das dann später auf das Berufsleben , Selbstwert und Selbsteinschätzung auswirken würde.


Schaffe ich auch überhaupt nicht. Bereits mein erster versuch eine Ausbildung zu absolvieren ist mit daran gescheitert. Nach zehn Stunden (inklusive Mittagspause und Anfahrt) konnte man mich nur noch in die Tonne kloppen. Habe mich damals schon gefragt, wie andere es schaffen, dann abends noch Berichte zu schreiben und zu lernen.
Danach habe ich nur noch Teilzeit gearbeitet.


Bei mir in der Schule musste es immer der vorgegebene Lösungsweg sein. Alles andere wurde so gewertet, als hätte man gar nichts getan. Nur stumpfes Gradeausdenken wurde belohnt.


Hört sich traumhaft an. :lovedumb
Damit hätten wir sicher mehr Selbstvertrauen und würden uns nicht ständig selbst Fehler unterstellen.

So stelle ich mir die perfekte Schule vor, dass von Anfang an verschiedene Denk-, Handlungs- und Herangehensweisen akzeptiert und gefördert werden.
Die neurotypischen Schüler dürfen gradlinig arbeiten, wir kreativ an die Sache heran gehen und alle Anderen halt auf ihre weise.

Eigentlich hätte ich am liebsten einen neurotypischen Begleiter an meiner Seite :wink:

Ich glaube da muss man schon den perfekten Job gefunden haben. Ich zb liebe meine Arbeit. Ich habe hart dafür gearbeitet in meine gewünschte Führungsposition zu kommen. Mir lag der Job schon immer und deshalb fiel mir das auch nicht allzu schwer viel zu arbeiten. Ich bin sehr schnell aufgestiegen. Jeden Tag mind 10 Stunden waren keine Seltenheit. Zusätzlich habe ich mich privat noch sehr viel damit beschäftigt. Ich habe so viel spass an meiner Arbeit, helfe anderen, kann herum wurschteln, sehr viel körperlich arbeiten, mich auspowern, man arbeitet mit Zahlen, sieht sehr schnell Ergebnisse. Der Nachteil darin ist, man weiß irgendwann nicht mehr wann auch mal gut ist. Es gab auch Zeiten da habe ich um 4 Uhr morgens angefangen und bin erst abends um 18 Uhr heim gegangen. Ich wollte mehr und mehr und mehr…ich konnte mich jobmäßig verwirklichen, hatte meine Freiheiten mit all meinen Ideen. Also man muss da sein Mittelmaß finden.
Hätte ich jetzt einen anderen Job in einem anderen Bereich, könnte ich glaube auch nicht Vollzeitjob arbeiten.

Danke für Eure Antworten.
Hat mir sehr geholfen im Sinne von „Ich stehe nicht alleine damit“.
Früher habe ich vom Exmann und Familie oft gehört, wie faul ich sei, weil ich weniger arbeite und belastbar bin.
Mein Selbstwertgefühl ist dadurch immer noch angekratzt und ich bin getriggert, wenn z.B. der Kollege blöde Bemerkungen macht, um sich besser hinzustellen oder in den Wettbewerb zu gehen.
Ich merke auch immer mehr, wie wichtig mir der Ausgleich in der Freizeit ist und ich Dinge mache, die mir guttun und mich wieder aufladen und in die Mitte bringen.
Haushalt ist dann nicht mehr so wichtig .
Liebe Grüße

bin mitte 30… bald steht nach dem studium wieder das berufsleben an… ich hatte ein halbes jahr ein praktiukum im büro. 9-17. ich war nach 2 wochen depressiv und hab jeden tag nur weinen können… ich frage mich wie es weitergehen soll. und ob sich das wieder wiederholt.

Hallo @Munichboy
Es spielt auch eine große Rolle was für Arbeitszeiten man hat. Bei einer Schicht von 9 bis 17 Uhr hast du auch nicht mehr wirklich Zeit fürs Privatleben, ein Ausgleich für die Arbeit und das muss man haben, trotz Vollzeitarbeitsstelle. Vor 9 Uhr kannst du nicht wirklich was machen und wenn du um 17 Uhr Feierabend hast bist du vllt um 17:30uhr zu Hause, was willst du da noch groß machen.
Ich bin ein Frühaufsteher und nehme gerne die Schichten ab 4:30uhr, da ich eh kurz nach dem Aufstehen voll Power habe. Andere stehen gerne spät auf oder nutzen lieber den Vormittag für ihre sportkurse etc.
Natürlich kann man sich seine Schichten nicht aussuchen, aber zumindest mal ein wenig darauf achten zu welcher Firma man geht und welche Arbeitszeiten dort geregelt sind. Viele bieten auch einen freien Tag an, sodass man dann zwar an 4 oder 5 Tagen mehr Stunden arbeitet, aber zusätzlich einen Tag in der Woche frei machen kann, finde ich auch super. Oder man macht einen Tag in der Woche statt 8 Stunden nur 4 Stunden und holt die fehlenden Stunden wieder auf.
Funktioniert leider nicht überall, ich hatte bis jetzt immer sehr viel Glück damit.