Wie durchsteht man den Beruf?

Hallo, wie viele andere auch, möchte ich auch meine ganz persönlichen Probleme hier schildern. Ich hoffe das ist nicht all zu schlimm, bei der ganzen Flut an Problemen hier, wirkt es als wären es eh schon zu viele.

Dennoch möchte ich mich gerne einfach mal halbwegs anonym auslassen, sodass ich mich wenigstens mal mitteilen kann, ohne die Angst haben zu müssen anderen vor den Kopf zu stoßen, nicht ernst genommen zu werden oder mir selbst weitere Probleme einzufangen.

Das Problem, welches ich also habe, ist meine (vermutete) ADS im Berufsleben.
Vorab: Mein ADS wurde in der Kindheit diagnostiziert und im September habe ich einen Termin beim Psychater, für eine frische Diagnose, von dem ich mir große Hoffnungen mache.

Ich habe einfach das Gefühl, dass mein ADS mich einfach komplett an der Arbeit hindert. Ich arbeite am PC und das auch noch von Zuhause aus. Aufgrund meiner nicht vorhandenen Schulabschlüsse (welche ja vielleicht auch auf ADS zurückzuführen sind), fiel es mir lange Zeit schwer den lange angestrebten Job zu bekommen, den ich nun endlich habe. Aber laufen tut es gar nicht gut.
Ich kann mich einfach überhaupt nicht konzentrieren und bin deshalb auch mittlerweile völlig Motivationslos. Dass ich mich nicht konzentrieren kann, spiegelt sich auch in meiner Performance wieder, die von meinem AG bereits stark (aber nett gemeint) kritisiert wurde. Ich bekomme hier bereits große Chancen, aber den bereits niedrigen Erwartungen werde ich nicht gerecht. Ich habe auch gelernt, dass ich besser arbeiten kann, wenn ich vor Ort, bei der Firma bin. Leider ist das keine Dauermöglichkeit.

Ich habe deshalb einfach eine riesige Angst aufgebaut. Zu der Unruhe im Inneren, kommt dieser immense Druck und die Angst(störung?) einfach noch dazu. Ich hatte gehofft, dass es nach der Probezeit besser werden würde, wurde es aber nicht.
Ehrlichkeit währt ja am längsten. Ich überlege daher, mit meinen Ängsten und mit meiner (wahrscheinlichen) Erkrankung meinem AG gegenüber offen zu werden, in der Hoffnung, dass Verständnis und Unterstützung gezeigt wird. Allerdings kann der Schuss auch nach hinten losgehen und ich verliere dann meine Arbeit, was einfach ein riesiger Schlag ins Gesicht wäre. Sowas kann ich momentan einfach nicht gebrauchen.

Ich wüsste auch gar nicht, wie man sowas ansprechen sollte, ohne dass es falsch rüber kommt. Auch wenn man dann sagt, im September habe ich einen Termin, da wird es dann vielleicht diagnostiziert, vielleicht bekomme ich dann eine Behandlung und vielleicht wirken Medikamte, die ich vielleicht bekomme, nach einer Einlaufzeit. Also selbst wenn ich sagen könnte „Ich arbeite aber bereits an einer Lösung“, dann heißt das nur, dass ich mich vielleicht in so 6 Monaten dann auch mal bessere.
Ich würde mich selbst kündigen, wenn ich mein Chef wäre.
Und das ist total traurig, ich habe bereits seit Jahren versucht einen Job in dieser Branche zu bekommen. Wenn ich nach nicht mal einem Jahr rausfliege, wars das. Und dabei ist mein Chef bereits sehr zuvorkommend und gibt mir sehr viele Chancen und Möglichkeiten.
Soll ich es also lieber verschweigen und hoffen, dass ich bis zur Behandlung da bleibe? Und erst falls sich meine Performance sichtlich bessert, ansprechen woran es gelegen hat? Ich bin einfach völlig verzweifelt.

Habe hier jetzt auch einige male gelesen, dass man solche Probleme nur für sich behalten sollte und höchstens enge Familienmitglieder oder Freunde einweihen sollte. Einem Kollegen, mit ich bereits eine gute Freundschaft aufgebaut habe, habe ich es auch bereits erzählt, da kam auch reines verständnis. Allerdings ist das nur ein Kollege, welcher keinen direkten Bezug auf meine Arbeit hat und es ihm daher „egal“ sein kann, wie ich performe.
Gibt es vielleicht irgendwelche Rezeptfreien Medikamente, die wenigstens etwas Symptomlindernd sind?

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Hallo Wunderlich,
Es gibt auch das Mittelding: Sollte bei einem Mitarbeitergespräch Deine mangelnde Performance thematisiert werden, kannst Du immer noch sagen, dass Dir das aufgefallen sei und dass Du Schritte eingeleitet hast.
Mehr dazu eher nicht.Dann weiß man, dass Du es auf dem Schirm hast und nicht einfach ignorierst. Damit gewinnst Du Zeit… und wenn es dann tatsächlich nicht besser wird, kannst Du es immer noch ansprechen.

Denk immer auch daran, dass wir Menschen mit AD(H)S gerne dazu neigen, Aussagen anderer eher ungenau zu interpretieren, oft eher zum eigenen Nachteil auslegen, dann zeitlich verallgemeinern und katastrophisieren…

Was die Arbeit von Zuhause aus betrifft, das kann sich ungünstig auswirken. Evtl. ist es einfacher, sich in einen Coworkingspace einzubuchen zwecks sozialer Kontrolle. Außerdem hat man da einen Arbeitsweg, was u.U. den Tag besser gliedert. Ich habe 25 Jahre lang von zuhause aus gearbeitet und wurde immer „wunderlicher“, ängstlicher und unsicherer.
Jetzt bin ich angestellt und sehe, wie andere so arbeiten. Das kann sehr erhellend sein…
Eine andere Möglichkeit ist virtuelle Tandemarbeit.

Für Deine akuten zusätzlichen Konzentrationsprobleme sollte Dein erster Gang zum Hausazt gehen: Blutbild mit Speichereisen, Schilddrüsenwerten, Vit. D3 usw. Oftmals kommt zum ADHS noch Fehlernährung, Bewegungs- und sonstiger Mangel hinzu - diesen zusätzlichen Leidensdruck kann man sich nehmen.

Da geht was. Und es gibt - wenn die Therapie anschlägt - viele Möglichkeiten, sich das Berufsleben zu gestalten. Muss halt ADS-gerecht bzw. Wunderlich-gerecht sein. Neben der Medikation gibt es noch einige Stellschrauben.

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Hallo,

ich kann es nachvollziehen. Weil ich mich (obwohl es ein Wenig anders vom Verlauf ist) in Deiner Erzählung wiederfinden kann.

Um es kurz zu fassen… zu den rezeptfreien Medikamenten gehören (welche auch nach der Medikamentengabe erhalten bleiben sollen):

  • Bewegung/Sport
  • ausgewogene Ernährung/ Flüssigkeitszufuhr
  • Schlaf

Und vielleicht hilft Dir dieses Buch, welches mir persönlich vom Kapitel 1 etwas gebracht hat: „vom Aufscheieber zum Lernprofi“. (Habe im Moment extreme Motivationsprobleme und Angst).

Ich persönlich habe gemischte Erfahrungen bzgl. „Erzählen von der Diagnose“ bei der Schule/Studium/Arbeit und würde es letztendlich nie wieder so offen kommunizieren.

Versuche dein Kopf freizubekommen z.B. mit dem Sport. Akzeptiere, dass du im Moment nicht so effizient bist, wie du es gerne hättest und sehe „das Minimum“ in der Arbeit als Erfolg. Mache dir klar, dass du die Stelle nicht einfach so bekommen hast und in Dir etwas steckt, was dazu geführt hat, dass du dort angestellt wurdest.

Suche nach „Büroalternativen“, indem du auch berücksichtigst, ob Dir Menschen gut tun oder eher nicht. Also z.B. Bibliothek, Cafeteria etc.

Gruß

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@wunderlich leider kann ich persönlich das glaube ich nur schwer beantworten, die richtigen Worte finden, oder vorallem richtige Tipps geben, ist da einfach schwer.
Zunächst mal wäre es in Deiner Situation wahrscheinlich das beste wenn Du Kontakt zu einer auf Adhs spezialisierten Fachperson aufnehmen könntest, erst dann kann eine gründliche Abklärung darüber stattfinden was die Ursachen für Deine Hemmung ist, heisst Du Dich nicht auf die Arbeit konzentrieren kannst, obwohl Du das doch eigentlich möchtest, ausserdem die Frage beantworten ob Medikamente helfen könnten, und wenn ja welche.
Auch eine Therapie könnte eventuell helfen, die Ursache Deines eventuell innerlichen Knotens zu finden und aufzulösen.
Wie gesagt, dass alles kannst Du nur mit einer Fachperson raus finden.
Medikamente, oder auch Naturmittel kann und darf ich keine empfehlen, könnte Dir höchstens darüber berichten, dass mir persönlich ein Ausgleich zwischen Sport und Entspannungsübungen, wie zum Beispiel bewusstes Ein und Ausatmen, oder auch die Beschäftigung mit meinem Balkon Garten sehr gut tut.
Ausserdem zu Trainieren mir für alles was ich tue bewusst Zeit zu nehmen und mich mit positiven Gedanken und Menschen zu umgeben.
Auch abwechslungsreiche gesunde Ernährung wirkt sich bei mir sehr positiv aus, ich achte zum Beispiel auch darauf, dass ich bestimmte Vitamine, Mineralien und Spurenelemente ect. über meiner Ernährung erhalte und/oder zusätzlich durch Vitamin Präperate zuführe.
Allerdings möchte ich darauf hinweisen, dass man dabei aufpassen muss, dass man Vitamine ect. auf keinen Fall überdosiert einnehmen darf.
Aber auch hierbei sollte man idealerweise erst bei einer Fachperson Rat einholen und vielleicht mal ein Blutbild machen lassen um zum Beispiel den Eisenspiegel sowie Vitamin D Gehalt checken zu lassen.
Ansonsten kann es auch helfen wenn man probiert, dass was einen blockiert oder hemmt mal zu Papier zu bringen und dann zu überlegen was einem gut tun würde um diese Blockade zu lösen, sozusagen in sich hinein zu hören.
Hoffentlich konnte ich Dir damit weiterhelfen, auf jeden Fall wünsche ich Dir alles Gute. :four_leaf_clover:

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Ah ja, was mir noch einfällt, ein Onkel von mir ging zum Beispiel täglich Schwimmen als Ausgleich zum Job, kann mir vorstellen das einem das Schwimmen sehr gut tun kann, in vielfacher Hinsicht, jetzt im Sommer natürlich erst Recht, Schwimmen macht ja auch einfach viel Spass, oder?.
:swimming_man:

Hallo an Alle, danke für eure Antworten. Leider war ich am Wochenende sehr beschäftigt und konnte daher nicht antworten.

@Hibbelanna Genau, erklären, dass man vom Problem weiß und dran arbeitet. Aber eigentlich habe ich das schon getan. Im Mitarbeitergespräch habe ich schon gesagt, dass mir bewusst ist, dass ich ein Problem habe und ich habe bereits gesagt, dass ich dran arbeite. Aber irgendwann zieht diese Aussage nicht mehr, wie soll der AG einem auch glauben, wenn sich nach Monaten dann trotzdem nichts ändert? So einen scheiß Termin zu kriegen, dauert ja eben ewig.

Was die Arbeit von Zuhause aus betrifft, das kann sich ungünstig auswirken.

Genau, im Büro, neben Kollegen sitzend, kann ich durchaus besser arbeiten. Allerdings verquatscht man sich dann auch viel länger die Zeit. Ich wohne auf nem Dorf, einen Co-Working Space hier in der Gegend kenne ich nicht. Öffentliche Räume oder anderes wäre aber eh keine Möglichkeit. Ich kann nicht auf einen kleinen Laptop arbeiten, das wär sehr ineffizient und ich kann natürlich auch nicht meine 2 großen Bildschirm und alles andere irgendwo hin mitnehmen. Ich fahre mittlerweile jeden Monat 300 Km, nur um 2 Tage mal Vor Ort sein zu können und da merke ich dann eben, dass die Konzentration dann durchaus etwas besser ist.

Für Deine akuten zusätzlichen Konzentrationsprobleme sollte Dein erster Gang zum Hausazt gehen

Ein Blutbild zu machen, klingt nach eine guten Idee. Leider komme ich mir so blöd vor, da ich so häufig beim Arzt bin.

@überfordert Leider sind alle 3 Punkte aus meiner Perspektive so schwierig, aufgrund der hohen Antriebslosigkeit. Schlaf bekomme ich in der Regel zu wenig, weil ich länger wach bleiben, weil ich ja noch Arbeit zu erledigen habe, die ich dann aber auch nicht erledige.

Ich persönlich habe gemischte Erfahrungen bzgl. „Erzählen von der Diagnose“ bei der Schule/Studium/Arbeit und würde es letztendlich nie wieder so offen kommunizieren.

Hattest Du bereits Probleme mit einem AG, nachdem du davon berichtet hast?

Also z.B. Bibliothek, Cafeteria etc.

Ist aus den oben genannten Gründen halt leider nicht möglich. Ich brauche halt einen richtigen Schreibtisch mit den richtigen Arbeitsgeräten, ansonsten ist es so, wie wenn ein Mechatroniker mit nem alten Werkzeugkoffer in ner kleinen Garage nen Pick Up reparieren muss.

@AbrissBirne Ich habe ja bereits einen Termin zur Diagnose vereinbart. Je nachdem, was dabei heraus kommt, kann ich mir weitere Schritte wie eine Therapie überlegen. Ich glaube auch, dass ich mich relativ ausgewogen ernähre, zumindest nicht einseitig. Es ist für mich auch sehr schwierig sowas wie Regelmäßigen Sport einzuhalten.

Leider ist es so, dass ich mir auf der Arbeit so wenig konzentrieren kann, dass ich wirklich gar nichts schaffe. Ich schaffe nicht zu wenig, sondern brauche einen Monat für Dinge, die man in 3 Tagen machen kann. Die ich auch in 3 Tagen machen könnte…

@Hibbelanna Habe gerade beim Arzt angerufen, da wurde mir gesagt, dass ein Blutbild nicht einfach so gemacht wird. Das müsste der Arzt erstmal erlauben und eine Diagnose müsse das begründen. Aber eben die Diagnose fehlt mir ja noch. Und vor allem - das verstehe ich nicht - kann man doch keine Diagnose abgeben, ohne eben das Blutbild zu kennen. Man kann also nicht mal selbst entscheiden, ob man ein Blutbild machen darf. Das ist ein Schock für mich.

@wunderlich Du darfst schon ein Blutbild machen lassen. Aber dann musst du es selbst, also privat, bezahlen. Es ist sinnfrei, ein „Blutbild“ einfach so anzufertigen (zumal du sicher auch die Blutchemie dazu willst): Man hat schon konkrete Gründe dafür, bei einem bestimmten Patienten bestimmte Werte untersuchen zu lassen, und interpretiert sie auch vor dem Hintergrund der Fragestellung und der Symptome, um eine Verdachtsdiagnose zu bestätigen oder auszuschließen. Also ja: Eine Verdachtsdiagnose oder eine Diagnose mit einer bestimmten Behandlungsoption, deren Unbedenklichkeit man abklären muss, ist Voraussetzung. Dieses strukturierte Vorgehen ist auch sinnvoll, denn diese Untersuchungen kosten Geld, das alle Krankenkassenmitglieder solidarisch aufbringen müssen (Kassenbeitrag), und die Krankenkassen müssen Regeln dafür schaffen, dass effizient damit gewirtschaftet wird.

Ergänzung: Für die ADHS-Diagnose selbst braucht man kein Blutbild, man kann anhand des Blutbildes (und auch nicht anhand der Chemie) kein ADHS erkennen. Die Blutuntersuchung soll ebenso wie das EKG vor allem dazu dienen, zu schauen, ob eine Medikation mit ADHS-Medikamenten mit einem vertretbaren Risiko einhergeht. Also reicht es völlig, den ersten Termin zur ADHS-Diagnostik abzuwarten.

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Aber dann musst du es selbst, also privat, bezahlen.

Auch dann, laut Telefonfrau, bleibt das Entscheidung des Arztes, nachdem ich sagte, dass ich alles selbst bezahlen möchte.

@wunderlich Dann hat der halt keine Lust, seine knappe Zeit für medizinisch sinnfreie Aktivitäten zu verwenden. Ruf einen anderen an - irgendeinen wirst du finden, der das macht - im Zweifelsfalle einen Arzt, der eh nur Privatpatienten behandelt. Lass dir aber vorher genau sagen, was dich das kostet. 2,3facher Satz und mehr plus Laborkosten sind schon einiges.

Jo, auf die Idee jemand anders anzurufen, bin ich auch gekommen. Da müsse ich erst ein Kennlerngespräch mit dem Arzt haben und außerdem verteilen die keine Termine im Voraus. Man kann immer nur einen Termin am gleichen Tag machen.

Ja, dass das mit etwas Aufwand verbunden ist, ist klar. Derartige Dienstleistungen gehören jetzt nicht so zum Kerngeschäft und beruflichen Selbstverständnis eines Arztes.

Ist doch eigentlich bei starken und langanhaltenden Konzentrationsstörungen und dem ganzen Kladderadatsch die erste und angebrachteste Aktion?

@wunderlich ich weiß nicht, wie alt Du bist, aber ab 35 zahlt die Kasse den Checkup, da gehört ein Blutbild mit daz. Die zusätzlichen Werte musst dann selbst zahlen.

Hallo,

ich verstehe jetzt nicht, was ihr mit dem Blutbild habt? @wunderlich, du hattest doch eine ADHS-Diagnose als Kind, da liegt es doch nahe dass das im Erwachsenenalter auch vorliegt. Vor Beginn der eventuellen Medikation wäre eine Blutuntersuchung vorteilhaft, aber das besprichst du dann mit deinem Psychiater, und der wird dir auch eine Begründung schreiben, falls dein Hausarzt das ohne nicht macht.

Aber eben erst dann und nicht früher, warum auch.

Mal ne andere Frage, ist denn der Psychiater, bei dem du den Termin im September hast, ein ADHS-Spezialist, und hast du explizit eine ADHS-Diagnose vereinbart?

Ob sich die Behandlung auf deine Arbeit positiv auswirkt sollte so sein, aber du weißt es natürlich vorher nicht und wenn dann nicht wann, von daher wäre ich sehr vorsichtig mit Ankündigungen am Arbeitsplatz.

Eben gerade dann!
Muss man ja nicht mit rumlaufen, wenn man ewig auf eine Diagnose / Therapie warten muss und es kann durchaus helfen. Besser als nichts.
Aber gut, wenn Ihr das besser wisst und Quitte wohl vom Fach ist, dann lass das mit der sinnfreien Blutuntersuchung…

Wenn man denn zum Hausarzt geht und sagt, dass man diese Probleme hat und diese gerne von ihm abgeklärt haben möchte, dann wird er nach weiteren Symptomen insbesondere körperlicher Art fragen. Sollten sich aus der Anamnese Hinweise auf ein möglicherweise internistisches Problem ergeben, wird ein Arzt die entsprechenden Untersuchungen einleiten.
Wenn man aber anruft und sagt „Ich hab wahrscheinlich ADHS und warte auf den Diagnostiktermin beim Facharzt und hätte gerne zwischendurch schon mal ein Blutbild, weil ich gelesen habe, dass man das dann machen soll, wenn man die Diagnose gestellt bekommt“, dann ist der Fall etwas anders gelagert. Wenn dann aber die Diagnose vom Facharzt gestellt wird und er eine Medikation erwägt und daher um entsprechende Untersuchungen bittet, oder wenn er bei der Anamnese den Eindruck gewinnt, dass nicht oder nicht allein ADHS ursächlich für die Konzentrationsstörungen ist, und er daher um entsprechende Abklärung an den Hausarzt verweist, sieht die Situation wieder anders aus…

Ich habe bei einem Klinikum einen Termin gemacht und gesagt, dass ich eine AD(H)S Diagnose haben möchte. Der „Raum“ sei erst im September frei. Denke also mal, dass die durchaus in der Lage sind, das zu diagnostizieren. Aber ich habe keine Ahnung, was „der Raum“ sein soll. Ich würde eigentlich eine Reihe psychologischer Tests + einem Gespräch vermuten, damit der Arzt die Diagnose stellen kann.

Übrigens: Ich war bereits beim Neurologen, da wurden meine Gehirnströme gemessen, da wurden aber angeblich keine Auffälligkeiten entdeckt. Das möchte ich stark anzweifeln, aber okay.

Noch eine Frage: Ist das richtig, dass Neurologen auch Metylphenidat verschreiben können? Heißt das, ich könnte auch nochmal einen Termin bei einem Neurologen machen und somit vielleicht etwas eher die Medikamente bekommen?

Ui, na wenigstens wurde dir schon Mal ein ungefährer Termin mitgeteilt. Ich warte nun seit über 6 Monaten auf eine Rückmeldung, in der mir dann erst Mal ein Termin mitgeteilt wird… Sind alle sehr voll was Terminvergaben oder Wartelisten betrifft.

Termine sind ja sowieso gerade sehr schwer zu bekommen. Selbt bei privaten Ärzten oder eben Fachärzten. Ich drücke dir trotzdem die Daumen!

Kurz zu deinem ursprünglichen Post: Mir geht es fast genau so, wie dir. Bekomme nichts (mehr) hin im Job, arbeite aktuell viel von zu Hause, kann mich nicht mehr konzentrieren. Ich mache viele Pausen, aber meine Gedanken sind IMMER beim Job. Kann meine Freizeit oder meinen Urlaub nicht genießen.

Habe das Problem seit Eintritt in die Arbeitswelt (vor knapp 6 Jahren). Habe schon sehr oft den AG gewechselt. Anfangs war immer alles super, da alles neu war und man sich intensiv einarbeiten konnte. Danach wurde es überall schnell „langweilig“, sehr bürokratisch und man wurde überhäuft mit Arbeit. Dazu noch das Telefon, was ständig klingelte, Mails, die aufploppten, Kollegen, die was wissen wollten, etc. (zumindest seit dem Home-Office entfiel Letzteres).

Dennoch komme ich einfach nicht mehr klar. Ich fange 10 Mal am Tag dieselbe Aufgabe an, starre den Monitor an, versuche mir einzureden, dass das doch nicht so schwer sein kann und breche dann doch wieder ab. Gehe raus, setze mich kurz auf den Balkon, räume dir Spülmaschine aus, setze mich wieder vor den PC, neuer Versuch… Beim 11. Mal klappt es dann tatsächlich (wenn nicht wieder zwischendrin das Telefon klingelt oder die Software abgeschmiert ist). Aufgabe erledigt. Juhu. Ab an die nächste. Stehen ja nur noch 73 weitere in der Warteschlange.

Mittlerweile gibt es für mich nur noch love it, change it oder leave it. Wobei ich immer alle drei Stufen durchlaufe. Erst liebe ich „das Neue“, dann versuche ich, mich damit abzufinden oder zu arrangieren (klappt nur sehr kurz), danach verlasse ich das Umfeld und suche mir was Anderes. Letzter Punkt findet immer dann statt, wenn ich total am Boden bin und selbst mein Umfeld mitbekommt, dass etwas nicht stimmt.

Angesprochen habe ich meine Situation nur bei meinem vorletzten AG. Der hat zwar Verständnis gezeigt, aber auch direkt gesagt, dass ich nach einer „kurzen“ Auszeit (er hat mir 2 Monate unbezahlten Urlaub angeboten, was ich ihm hoch anrechne) wieder zum normalen Leistungspensum zurückfinden müsse. Habe dann aber dankend abgelehnt und mir einen anderen, vermeintlich entspannteren Job, gesucht. Tja, Satz mit X, das war wohl nix :smile: Ich hoffe jetzt auf nen baldigen Termin zum Erstgespräch, was meine eventuelle Diagnose angeht…

Genau! Und es ist auch eigentlich nicht schwer. Man bekommt einfachste Sachen nicht hin - nicht weil man nicht weiß wie, sondern weil sich der Kopf einfach weigert.

Ich habe sogar einen genauen Termin im September, tatsächlich bin ich anscheinend sehr sehr glücklich mit einem Termin davon gekommen, 4 Monate Wartezeit „nur“.

Ich habe genau das auch schon überlegt, aber 3 Monate auszeit wären einfach zu viel für den AG und natürlich auch für mich. Oder was ist, wenn der AG es nicht versteht… Gibt ja, wir wissen, so einige Leute die dann einfach davon ausgehen, dass man kein Bock hätte und dass ADHS einfach nur Faulheit bedeute…

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@wunderlich Sorry wenn ich mich nochmals zu Wort melde, ich verstehe und akzeptiere und respektiere total das Du Dich total beschissen fühlst, und ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Dir hoffentlich schon in nicht zu ferner Zukunft Stimulanzien dabei helfen, wieder konzentrierter usw. zu werden, denn es scheint wirklich dringend nötig zu sein, dass Du diese „Krücke“ für Dich richtig nutzen kannst, denn vielen hilft es wirklich, auch mir haben Stimulanzien geholfen um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, um den Anforderungen des täglichen Lebens wieder besser gewachsen zu sein.
Aber bis zu Deinem Termin, würde ich persönlich Dir jetzt mal ganz dringend so viel wie möglich Entspannung in Deiner Freizeit empfehlen.
Achte darauf das Du genug Schlaf hast, grüble nicht stundenlang über Dinge, die möglicherweise weit über Deine „eigentlichen“ Probleme hinaus gehen und die Du jetzt, oder vorläufig nicht, noch nicht ändern kannst, oder ähnliches.
Kurz gesagt, erhole Dich körperlich und geistig so gut Du es kannst, verfalle nicht in unnötige Grübeleien, fahre Dich so weit als möglich herunter.
Konzentriere Dich nur auf diese einen Sachen die Du momentan erledigen musst, wenn Dir das möglich ist, lade Dir zum Beispiel in Deiner Freizeit nicht zusätzliche Aufgaben auf, die Dich momentan überfordern.
P.s. und den Tipp weniger zu grübeln kommt von einer Grübel Experin par Exellance namens AbrissBirne im Quadrat, manchmal. :wink:
Glaube mir zu viel Grübelei, oder sich selbst ständig anzuzweifeln, hat keine gute Wirkung auf das Allgemein Befinden, also schone Dich so gut Du kannst. :heart:

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