Wie verhalte ich mich im praktischen Teil meiner Ausbildung weniger "dumm"

Hallo. Ich bin gerade auf dieses forum gestoßen und dachte ich versuche hier mal mein Glück.

Ich befinde mich momentan in meiner zweiten Ausbildung und habe wirklich gehofft dass ich mich dieses Mal besser anstelle. In der Schule hatte ich kaum Probleme. Ab der 8. Klasse hatte ich ein vorzeige Zeugnis. Schon bei meiner ersten Ausbildung war der schulische Teil überhaupt kein Problem, aber in der Praxis war ich da irgendwie schon ein bisschen „doof“ ich konnte die leichtesten Sachen von der Theorie nicht in die Praxis umsetzen. Es war total schwer für mich. Ich habe die Ausbildung abgeschlossen mit dem Kommentar meiner Ausbilder dass sie nicht glauben dass das für mich der richtige Beruf ist. Trotzdem habe ich ein 1,5 Jahre in dem Beruf gearbeitet, dabei habe ich 3 mal die Stelle gewechselt, auf Grund von Kündigungen. (von beiden Seiten)
Das hat mich alles psychisch ziemlich fertig gemacht, so sehr dass ich nur noch Alpträume hatte als ich mir vorgestellt habe weiter in dem Beruf zu arbeiten. Nach langen Überlegen habe ich mich entschieden eine zweite Ausbildung zu machen und habe diese mit viel bedacht an meine Interessen und Fähigkeiten gewählt. Schulische lief wieder alles top, aber sobald es zum zum Praxis Teil kam habe ich mich wieder richtig doof angestellt. Ich habe so riesige Angst zu versagen dass ich wahrscheinlich noch mehr Fehler mache als sowieso schon durch mein adhs. Ich frage zu oft unnötige Fragen (manchmal auch mehrmals) und vergesse häufig abläufe wieder auch wenn sie mir gezeigt wurden. Außerdem bin ich häufig einfach zerstreut. Ich gebe mir sehr viel Mühe und versuche wirklich gut zu sein. Ich habe sogar angefangen Medikamente zu nehmen um in der Ausbildung klar zu kommen. Aber es scheint nicht zu reichen. Ich möchte nicht als dumm wahrgenommen werden, und möchte wirklich gut sein und auch arbeiten. Ein Teil von mir hat angst dass ich auf dem ersten Arbeitsmarkt nie klar kommen werde trotz Abi.
Jeden tag gehe ich nachhause und habe angst dass die anderen mich als Last empfinden

Hat jemand da Tipps an mich?

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Guten Abend, willkommen im Forum :grin:. Ich habe exakt das gleiche Problem. Ich stehe auch vor dem Berufsleben und bin als Theoretiker viel besser (noch!)… Gerne kann ich dir meine Gedanken mitteilen. Ich vermute, dass es bei mir ein Zusammenspiel aus AD(H)S und schwachem Selbstbewusstsein (+Angststörung) ist. Zuallererst, du hast, wie du schreibst, gute Zeugnisse hinterlegt und das Abitur geschafft. Hut ab. Für viele von uns ist das durch ADHS eine schwere Bürde.

Du schreibst, dass du im Übergang von theoretisch zu praktisch verloren wirkst und viele Fehler machst. Ich würde sagen, dass kann seinen Ursprung in verschiedenen Dingen haben,

  1. Sprich mit deinem Psychiater über deine Medikamentation; du sagst ja selbst, dass sie nicht so doll helfen. Warum unternimmst du da nichts? Die Symptome, die du hier beschreibst, sind 1:1 wie bei mir, einem noch nicht Diagnostiziertem/Unbehandeltem. Das sollte bei dir zumindest einige Besserungen haben. Was nimmst du denn aktuell? Könntest ja mal deine Erfahrung diesbezüglich hier äußern.
  2. Hält dich dein Selbstbewusstsein davon ab? Wenn man theoretisch sehr gut ist, praktisch hingegen gar nicht, liegt das wahrscheinlich am Selbstbewusstsein. Wie selbstsicher bist du? Bist du nervös? Ich hatte mal ein Praktikum in der Metallindustrie gemacht und das war auch ein echter Albtraum. Mir musste man auch alles 10x erklären und die Abläufe wollten trotzdem nicht in meinen Schädel. Das schlimme daran war, dass ich mit einem Partner zusammenarbeiten musste und den somit belastet habe. War ein richtiger Zusammenbruch für mich, als mich alle hin- und hergeschickt haben, weil sie meine Hilfe nicht wollten. Zugegeben, das ganze Praktikum hat mich auch gar nicht interessiert. Anweisungen und Erklärungen habe ich null aufgenommen. Ging nicht. Nada.

Wie man Selbstvertrauen aufbaut, weiß ich leider nicht. So weit bin ich im Leben noch nicht. Sich physisch und psychisch weiterzuentwickeln wäre wohl mein Tipp. Halte deine Erfolge fest. Dinge durchzuziehen ist wohl der beste Boost, was das angeht. Den inneren Schweinehund zu besiegen ist jedermanns Aufgabe. Aber um so schwieriger wird das mit den falschen Karten. Mach dir das Leben dahingehend nicht schwerer, als es ist und kümmere dich deswegen um deine Meds. Hier gibt es übrigens sehr gute Leute mit noch viel mehr Erfahrung, die dir besser helfen können. Alles Gute.

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Das ist doch das Problem. Du versuchst zwanghaft Fehler zu vermeiden, Angst baut sich auf und dann passieren sie erst recht.
In was für einem Umfeld praktizierst du denn? Wie wird mit Fehlern umgegangen, habt ihr einen wertschätzenden Umgang miteinander?
Das ist enorm wichtig und entscheidet darüber wie gut man lernen kann.

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Hallo @Unicorn und herzlich willkommen!

Ich persönlich würde bei dir von zwei Problemen ausgehen: 1) Perfektionismus (gehört oft zu Adxs) und 2) Keine Berufserfahrung.

Ich mutmaße mal, dass du vor deiner Ausbildung nie gearbeitet hast und logischerweise Anfangsschwierigkeiten hast. Ging mir selbst nicht anders, ich musste mehrere Nebenjobs machen und war am Anfang total überfordert und habe mit den gleichen Schwierigkeiten gekämpft wie du.
Daher könntest du ein Jahr Pause machen und in deinem Bereich eine Hilfstätigkeit suchen, um ohne Druck und Theorie/Praxis Zusammenhänge versuchen, die Abläufe zu verstehen. Oder du versuchst im praktischen Teil die Abläufe auf deine Art und Weise zu verstehen ohne auf die gelernte Theorie zu sehr zu verharren.

Mit Medikamente kann vieles besser gehen, aber es müssen natürlich die Richtigen in der passenden Dosierung sein, dazu auch Zeit und Geduld.

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Danke für die Antworten.
Man fühlt sich direkt verstanden.

Also um auf ein paar Fragen und Anmerkungen einzugehen:

Ja mein Selbstwertgefühl ist furchtbar und ich habe große Angst um Umgang mit autoritären und Leute die über mich werten könnten. Ich habe dauerhaft Angst abgelehnt zu werden. Es liegt vielleicht an sehr suboptimalen Familienverhältnissen und Erfahrungen die ich in der Kindheit gemacht habe
Da kann ich auch anknüpfen mit dem Perfektionismus. Dazu muss ich sagen, jein… Ein angelernter/selektiver Perfektionismus ist schon irgendwie vorhanden weil ich zuhause immer hören musste „du musst funktionieren“ das war gefühlt die Bedienung um sich geliebt und wertgeschätz zu fühlen. Und spoiler: „funktionieren“ war nicht so meine Stärke. Ich habe bis heute Schwierigkeiten mit den leichten Haushaltstätigkeiten (bin da also eher kein perfektionist, auch wenn ich wirklich möchte dass es läuft) aber in der Schule und Ausbildung bin ich schon ein perfektionist, weil ich Angst habe dass ich sonst nicht weiter komme.

Ich habe mich lange gegen die ADHS Medikamente gesträubt, da sie unter das Betäubungsmittel gesetzt fallen und sowas für mich nicht ganz ohne ist, erst recht da ich weiter Psychopharmaka einnehmen muss gegen Depressionen und zur stimmungsstabiliesierung. Ich werde gerade auf methylphenidat eingestellt. Insgesamt 20 mg (2 mal 10) mit retard Wirkung. Ich bin immer noch zwiegespalten was die Medis angeht. Also sie machen das grübeln ein bisschen weniger schlimm. Also die innere unruhe. Ob sie mir bei der Konzentration helfen weiß ich nicht. Ich kann nur ruckmelden was mein Partner sagt. Er meint ich wirke mit den Medis um einiges ausglichener und entspannter. Aber manchmal fühlt es sich so an als hätte man einfach nur Watte im Kopf.

Der Umgang auf der Arbeit ist recht wertschätzend, was an sich gut ist. Allerdings haben alle irgendwie ihre Grenzen. Und manchmal sind sie frustriert wenn ich nach dem 10. Mal es immer noch nicht gut hinbekomme. Kann ich auch nachvollziehen

Und zu dem Vorschlag ein Jahr Pause zu machen und Hilfstätigkeiten nachzugehen. In einigen Fällen ist das bestimmt die beste Lösung. In meinem leider nicht. Ich habe jetzt schon das Gefühl dass ich zu viel Zeit meines Lebens damit verschwendet habe etwas zu machen was mich nicht direkt ans Ziel gebracht hat. Mein Selbstwert hängt davon ab dass ich es schaffe. Außerdem fehlt uns die finanzielle Unterstützung dafür dass ich das machen könnte. Meine Familie ist da leider keine große Hilfe und hat auch was sowas angeht wenig Verständnis. Sie möchten einfach dass ich endlich meinen Weg finde ohne ständige Rückschläge.

Danke für die tollen Rückmeldungen :slightly_smiling_face:

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Immer wieder sehenswert: Lachenmeier, ADHS und Beruf
[Livestream Dr. med. Heiner Lachenmeier - ADHS und Beruf | By Kolleg-DAT e.V. | Facebook]

und hier
http://www.kvl-freiburg.de/docs/Handout-ADHS-Freiburg-151117.pdf
S. 4, ab Slide 15

@Unicorn das mit dem Selbstvertrauen kommt mir auch schwer bekannt vor.

Allerdings kann ich dir verraten was mir damals geholfen und zu einer gewissen Erkenntnis gebracht hat (zumindest rückblickend betrachtet).

Ich habe (allerdings bereits im Abi) einen Nebenjob in einem etwas ruppigeren, dennoch sehr wertschätzenden, Bereich gemacht und war dort (mit der Zeit) über viele Jahre sehr erfolgreich.

Mein Selbstwertgefühl sowie mein Selbstvertrauen konnte ich dadurch zumindest in einem gewissen Maß aufbauen und ich habe gelernt dass ich Grade unter besonders schwierigen / absolut nicht alltäglichen Bedingungen (wie sie leider sonst viel zu oft auftreten) im Grunde perfekt funktioniere.

Mittlerweile arbeite ich schon lange nicht mehr in dem Job den ich ursprünglich Mal gelernt habe. Jedoch hilft mir das in dem Nebenjob erlangte Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein dabei mich in meinem jetzigen Job durchaus zu behaupten weil ich weiß was ich kann :wink:

Vielleicht ist ein Nebenjob am Wochenende wo du nicht Grade Zeitungen austragen musst sondern Verantwortung trägst bzw dort lernst Verantwortung zu tragen ja eine Option für dich.
Und bevor du sagst „nein, das kann ich nicht“… Im Normalfall bekommst du dort alles nötige beigebracht :slight_smile:

Lass es dir einfach Mal durch den Kopf gehen…

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Hi, danke für die Antwort.
Es ist momentan so dass ich eine 40 Stunden Woche habe. Mir ist eine ausgewogene work-life-balance sehr wichtig. Mir sind ehrlich gesagt die 40 Stunden schon zu viel, aber das werde ich so gut es geht für den Rest der Ausbildung durchziehen. Ich merke einfach dass ich einfach nur müde und erschöpft bin. Der Haushalt kommt im Moment etwas zu kurz und Freizeit/sozialleben sowieso. Meine Batterie ist leider sehr schnell aufgebraucht, und ich bin einfach nur froh am Wochenende Zeit für mich, meinen Partner und meine Freunde zu haben. An sich finde ich den Vorschlag aber gut.

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Probleme mit der Praxis.
Hm, du schreibst nicht um welche Art der Tätigkeit es sich handelt.
Sind es handwerkliche Tätigkeiten und hast du dabei motorische Schwierigkeiten?
Oder sind es eher administrative Tätigkeiten (Büro) und du verzettelst dich da?
Hast Probleme damit einen Ablauf hinzubekommen, also was zuerst und was nachher kommt? Oder alles auf dem Schirm zu haben was zu dem Ablauf gehört, also du vielleicht Schritt 3 vergisst und das erst bei Schritt 6 merkst?
Oder kannst du dir irgendwelche Einstellungen, Zahlen oder Mengen nicht merken um z.B. eine Maschine auf das erforderliche einzustellen?
Liegt es an der Tätigkeit selbst oder ist vielleicht die räumliche, dingliche oder soziale Situation was dich in der Praxis so beeinträchtigt (Leute, Lärm, große Maschine, ständig wechselnde Umstände, …Halle, Kälte, …), denn wenn du in der Theorie gut bist, vielleicht liegts dann ja (auch) an solchen Umgebungs-Faktoren?

Du schreibst von beiderseitiger Kündigung und dass die Eignung bezweifelt wurde. Und du dir jetzt einen neuen Beruf gesucht hast, der besser passen sollte. Welche Kriterien haben dich zum neuen Ausbildungsberuf gebracht, was unterscheidet ihn vom ersten? Konntest du dich in bestimmten Bereichen „verbessern“ also passt es für dich nun besser als im ersten Beruf?

Zum Konfus-Sein in der Arbeit und ADHS, aus meiner Erfahrung:

  • Medis helfen
  • Checklisten helfen
  • und selbstgemachte Arbeitsanleitungen für wiederkehrende Abläufe
  • deinen „Lerntyp“ kennen, also wie sieht die für dich ideale Arbeitsanleitung aus
  • wissen was das Problem ist (Konzentration, Angst vor Fehlern, Desinteresse, …) und daran ansetzen
  • nochmal: welche Krücken brauchst du, wie kannst du dir die basteln (ganz konkret)
  • Erholungspausen machen hilft
  • Reaktive Tätigkeiten sind einfacher als selbstorganisierte längere Tätigkeiten
    Reaktiv: es kommt was auf mich zu, ich erledige es und fertig. Im Gegensatz zu länger: hier ist eine Aufgabe und ich muss dabei hundert Sachen beachten, auf manches warten und kann erst später weitermachen und vielleicht muss ich auch noch was recherchieren dafür. Tresenkraft, Verkäuferin und Notarzt sind am Punkt aktiv und fertig. Projektmanager, Sachbearbeiter und Unternehmer haben ständig viele Dinge gleichzeitig laufen und auf dem Schirm zu haben - Verzettelungsgefahr, hohe mental load, nie ist man mit was fertig, die nie enden wollende Mühle, Prokrastinationsgefahr, und vielleicht übersieht man, dass man mehr auf dem Tisch hat als zu schaffen ist.
  • 40 Stunden sind zu viel, ja. Ist Scheiße, aber das zu wissen hilft auch. Vielleicht geht ja perspektivisch Teilzeit.
  • auf ein gutes Rundherum achten: Haushalt, Ernährung, Schlaf, …
  • Entlastung organisieren: Staubsaugerroboter, Lieferservice, …
  • Wissen, dass die eigene Konfusheit eine Tatsache ist und nach Wegen suchen, damit „draußen“ irgendwie klarzukommen. Ich denke dann immer an die vielen (funktionalen) Analphabeten, die sich auch irgendwie durchs Leben „mogeln“
  • So tun als ob. Möglichkeiten finden, in der Arbeit so zu tun als ob ich es kann. Jedenfalls die eigenen Schwächen nicht raushängen lassen.
  • In der Arbeitswelt tun viele so als ob. Und das gehört zu Professionalität zum Teil auch dazu. Da muss man nicht „authentisch“ sein und allen alles auf die Nase binden.
  • also ein Rollenverständnis. Was ist meine Rolle, was ist mein Job.
  • Es gibt ein Arbeits-Ich und ein Privat-Ich. Vor der Arbeit schalte ich auf mein selbstbewusstes Arbeits-Ich. Das selbstbewusste Verhalten meine Arbeits-Ichs wirkt dann auch auf mein Inneres zurück
  • unter dem Radar bleiben. Nicht auffallen, nicht dauernd mit allem was mir einfällt rausplatzen. Mir dabei an den vielen anderen unauffälligen Kollegen, die durchaus ein gutes Leben zu führen scheinen, ein Beispiel nehmen :slight_smile:
  • mir selbst jeden Tag gut zureden. z.B. " wenn das jetzt schiefgeht, geht davon die Welt unter? Nein!", „Andere machen auch Fehler“, „ich tue halt mein Bestes - Ohmmmm“.
  • Wenn ich Fragen habe, überlegen wen ich frage. Habe ich Verbündete? Mit anspruchsvollen/„klugen“ Fragen zum Chef gehen um damit „anzugeben“, mit Fragen von denen es mir peinlich ist, dass ich es nicht weiß, zu Verbündeten gehen oder zu Kollegen, die vllt. auch nicht die Top-Streber sind :wink:
  • Wenn ich mir unsicher bin: zu den Verbündeten-Kollegen gehen und fragen: wie machst du das? Wie hast du das gelernt? Hast du einen Tipp für mich?
  • bevor ich mich aus dem Fenster lehne: schauen wie der Hase läuft, das Terrain checken, die anderen beobachten. Zuhören, zuhören, zuhören. Und beobachten und meine Schlüsse ziehen.
  • auf die Arbeitsbedingungen achten, was stört mich, was hilft mir (Ruhe, Musik, Pausen mit oder ohne Kollegen, …)

Vielleicht ist ja was dabei für dich :slight_smile:

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Hi. Ich arbeite in einem recht vielseitigen Abwechslungsreichen Beruf. (wenn du mehr darüber wissen möchtest, schreib mich gerne privat an) ich bin von Natur aus paranoid und habe Angst dass wenn ich mich im Internet „oute“ dass das die falschen Leute sehen könnten und es negative Konsequenzen für mich haben könnte aufgrund der Stigmatisierung. Aber es liegt häufig an den Abläufen und den verschiedenen Schritten. Aber natürlich auch an der sozialen Situation dass ich dauerhaft Angst habe dass die anderen mich für dumm und unfähig halten könnten

Was mich zum neuen Beruf gebracht hat: ein ziemlich schlimmer psychischer Zusammenbruch und der Rat meiner Freunde und meines partners. Ich habe mich gefühlt mit jedem Beruf den ich auch nur ansatzweise in Erwägung ziehen konnte in der Berufsunfähigkeit auseinander Gesetz und habe geschaut was mir zusagt und was nicht. Habe dabei mini Praktika gemacht und bin nach fast jedem frustriert nachhause gekommen da es nicht das richtige für mich war. Es war keine leichte Zeit, da ich offensichtlich arbeiten will und auch eine Aufgabe brauche um mich vollständig zu fühlen

Danke für die guten Tipps. Das mit dem „fake it till you make it“ wird mir von der Familie auch häufiger gesagt. Ich bin leider ein viel zu offener Mensch der das Herz auf der Zunge trägt und verstanden werden will. Ich bin überhaupt nicht gut darin Sachen für mich zu behalten (classic oversharing) ich bin ein sehr freundlicher, hilfsbereiter und empatischer Mensch. Ich denke das spricht für mich, aber das ist im Berufsleben leider nicht alles. Ich muss lernen das Schweigen und die Stille auszuhalten. Ich wünschte ich könnte Arbeit und privates leichter trennen. Aber ich nehme die Arbeit immer mit nachhause mental und will dann nur noch in mein Bett.

Zum Stunden reduzieren: Das werde ich machen wenn ich mit der Ausbildung fertig bin. Ich bin kein Mensch der 40 Stunden arbeiten kann. So 30 sind denke ich mal Grenze bei mir. Das ist auch ein Streit Thema in der Familie. Die fangen alle an mit „du musst für deine Rente vorsorgen“ und „40 Stunden sind normal“ ich meinerseits bin überhaupt froh wenn ich arbeiten kann und meinen Beitrag leisten kann ohne dabei komplett auf zu sein

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Hi @Unicorn

ich lese heraus, dass Du an der AD(H)S-Diagnose zweifelst. Dann sollten wir das einmal kurz checken, bevor wir das stillschweigend voraussetzen.
Hast Du mal den ADxS.org-Symptomtest gemacht?
Wenn ja, was kam raus?

Hallo Unicorn
Du schreibst von Problemen, die Du Dir durch Dein Nachdenken über Gedanken von anderen Leuten selbst erzeugt hast, davon, von den belastenden Gedanken der anderen, solltest Du Dich unbedingt befreien. Denke nicht darüber nach, was andere über Dich denken, und versuche auch nicht, es den anderen recht zu machen, und schon gar nicht, ob sie Dich als Last empfinden, denn das ist letztendlich nur deren Problem, mögen sie damit klarkommen.
Du tust oder sagts etwas, was anderen vielleicht nicht passt, dann bitte sollen sie fragen, erkläre dann etwas, wenn es Dir gefällt, doch gib gleich acht darauf, ob sie überhaupt in der Lage sind, zu verstehen, was Du sagst, denn leider ist es nun einmal so, daß es die meisten gar nicht können. Das liegt jedoch nicht an Dir, sondern am nicht begreifen können der anderen, und Du wirst sehen, daß Du bei den meisten beim kleinen „Einmaleins“ anfangen müßtest, tu Dir das nicht an, sage denen, wo sie Bücher darüber finden können, das reicht.
Selbstwertgefühl? Falls Dir so etwas wichtig erscheint, dann nimm ein Foto von Dir und hänge an die Wand, stelle ein paar Kerzen davor, knie nieder und bete Dich an, so in etwa tun das die vielen anderen, die sich für ach so wichtig halten und auch noch stolz auf ihre Dummheit sind, bedauerlicherweise ist das wahr. Was sind wir denn schon? Nicht mehr als „Fastnichtse“! Wir bestehen zu 99,999…% aus Zwischenraum, aus Leere in den Atomen, so wie die gesamte restliche Welt, die sich auch nur in einem Innehalten der Ewigkeit befindet, und das nennen wir „Zeit“, vergänglich wie alles Sonstige. Selbstwertgefühl ist letztendlich nicht mehr als ein künstlich erzeugtes Bedürfnis, das es zu befriedigen gilt, niemals kann man damit fertig werden, fängt man damit an, kann man daran zugrunde gehen. Denke am besten gar nicht darüber nach.
Perfektionismus ist etwas, an dem nur ziemlich intelligente Menschen leiden, sei froh, daß Du dazugehörst. Versuche lediglich zu tun, was Du für richtig hältst, perfekt kann niemand etwas machen, denn immer kann ein anderer etwas daran verbessern, quäle Dich doch nicht selbst. Ich spreche dabei aus Erfahrung, denn eben das kenne ich auch bestens. Seit über 50 Jahren mache ich Musik und spiele verschiedene Instrumente, und immer musste ich es besser machen, nie war ich zufrieden mit dem Klang, dem Tönchen, bis ich es endlich begriffen hatte, heute kann ich über meine Dummheit nur noch lachen.
Dein Selbstvertrauen machst Du Dir auch nur durch Deine eigene Kritik an Dir kaputt, Du machst das, Deine eigene innere Stimme, die nie mit Dir zufrieden ist, ganz egal was Du auch tust oder weißt, immer sagt sie Dir, daß Du an Dir zu arbeiten hast, immer mehr, immer besser, und am Ende gar, daß Du zu gar nichts taugst. Richtig, abzustellen ist diese Stimme nicht, es liegt jedoch an Dir, dieser Stimme zu erklären, daß sie endlich mit dieser Quälerei aufhören soll, und habe keine Angst vor Selbstgesprächen.
Hoffentlich haben wir noch viel Zeit, um unsere Probleme zu lösen, weil, na ja, Du siehst ja, was so los ist. Sei einfach ehrlich zu Dir und anderen gegenüber, man braucht ja auch nicht immer alles zu sagen. Das Leben ist viel zu kurz, um es mit Lügen zu verschwenden, das nur nebenbei gesagt.
Ein kluger Mensch kann seine Weltanschauung jederzeit ändern, nur die Toren fürchten sich davor, und zu denen gehörst Du ganz sicher nicht.
Nun höre ich auf damit, und wünsche Dir alles Gute! :wave:

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Klar, verstehe ich absolut. War auch bei mir n Beziehungskiller. Dazu kommt dass ich damals noch etwa 15 Jahre von meiner Diagnose entfernt war.

Ich weiß auch dass 7 Tage Wochen, wie ich sie damals freiwillig hatte, echt nicht für jeden was sind.

Ehrlich gesagt wäre das heute auch nicht mehr mein Fall.

Muss aber fairerweise dazu sagen dass mich damals der enorme positive Stress am Laufen gehalten hat :wink:

Das könnte man jetzt aber auch ganz arg missverstehen…

Bei AD(H)S ist oft das Selbstwertgefühl unterentwickelt. Das quält natürlich.
Eine passende Medikation behebt auch das zu einem guten Teil. Da hat Atomoxetin übrigens mal einen Vorteil gegenüber Stimulanzien.

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Hallo @UlBre. Ich zweifle absolut nicht. Ich habe die Diagnose seit der Kindheit. Es wurde immer wieder bestätigt. Habe auch schon mehrere Tests gemacht. Sowohl beim Psychiater/als auch bei der offiziellen adhs Diagnostik. Das letzte Mal vor 3 Jahren. Ich zweifle nicht dran. Ich wollte nur nicht dass mich Leute von der Arbeit über diesen Beitrag finden indem ich teile was ich für eine Ausbildung mache. Das ich adhs habe ist für mich klar.

@Ukulelefreund
Danke für die lieben Worte. Ich möchte sehr gerne an den punkt ankommen wo es mir egal ist was andere von mir denken. Hast du da vielleicht ein paar Tipps wie ich das hinbekommen kann?

@ZappelPhilipp
Das kann ich gut verstehen. Wie gesagt an einer 7 Tage Woche würde ich kaputt gehen

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Hallo Unicorn
Du fragst, wie Du es hinbekommen kannst, Dich von Gedanken der anderen zu befreien? Die Antwort ist sehr einfach. Du brauchst nur damit aufzuhören, Dir Gedanken über Gedanken der anderen zu machen, denn schließlich bist Du es selbst, der sich diese Gedanken macht, Du selbst stellst Dir vor, was andere über Dich oder über wer weiß was denken, es ist also nichts anderes als Deine eigene Vorstellung, die Du Dir selbst machst. Die Gedanken anderer kennst Du nämlich erst dann, wenn sie darüber reden oder schreiben, dann brauchst Du Dir auch keine Gedanken mehr über deren möglichen Gedanken zu machen. Nur Du selbst bist es, der sich etwas denkt, was gar nicht so ist. So machst Du Dir selbst Angst, mit und vor Deinen eigenen Gedanken, eben das ist eine Belastung, die absolut unnötig ist, und tatsächlich nur eine Eselei. Verstehe mich jetzt bitte nicht falsch, denn Dummheit macht auch vor dem Intelligentesten nicht Halt, vor Dir nicht, vor mir nicht, vor niemand! Man braucht das nur zu wissen, und vorsichtig sein. Darum kannst auch nur Du Dich selbst davon befreien. Nimm Dir die Zeit und denke darüber einmal etwas länger nach, diese Sache ist wirklich wichtig. Wenn Du das nämlich nicht kannst, dann quälst Du Dich Dein ganzes Leben damit herum, es immer den anderen recht machen zu müssen, das hört nie auf, tut immer weh, und es bist nur Du selbst, der das macht. Also, aufhören damit, am besten sofort!
Übrigens, es könnte auch durchaus möglich sein, daß andere nur gut über Dich denken, und Du machst das selbst bei Dir kaputt, bist traurig und fühlst Dich elend. Das hat auch nichts mit ADS zu tun, denn diesen Fehler begehen sehr viele andere auch, sich mit ihren eigenen Gedanken über die Denkerei anderer zu belasten, Du teilst dieses selbstgemachte Problem also mit sehr vielen Menschen. Und wenn Du damit aufgehört hast, wirst Du selbst sehen, wie einfach das war. Dann kannst Du es auch weitererzählen :wink:

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Natürlich könnte man das, doch ich bin mir sicher, daß das hier jeder so versteht, wie es gemeint ist. Nur, ist es denn notwendig, einen ganzen Artikel darüber zu schreiben? Oder über Stolz und Eitelkeit und was sonst noch dazugehört? Wo fängt man am besten an, zu erklären? Wie sage ich etwas richtig? So, daß sich keiner an irgendwelchen Wörtchen stört? Sagst man vielleicht besser überhaupt nichts? Soll ich, soll ich nicht? So meine ich, wer sich gestört fühlt, der möge sich melden.
Vielleicht sollte ich ganz am Anfang einer Antwort dazuschreiben, daß sie nur gutgemeint ist, vielleicht.
Schöne Grüße aus dem Tal der Ahnungslosen :slight_smile:

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Hm :thinking: wenn ich das alles so lese frage ich mich ernsthaft ob halt erstens die Berufswahl von Dir @Unicorn im Grunde schon mal ganz falsch war, denn Du schreibst ja das Du im theoretischen Teil immer gut warst aber beim praktischen Teil Mühe hast, Schade das Du nicht schreibst in welcher Branche Du tätig bist, dann wäre es ein wenig leichter sich eine Vorstellung davon zu machen.
Ich weiss nur das ich mal sehr ähnliche Probleme hatte und die Ausbildung dann innerhalb der Probezeit gleich abgebrochen hatte, weil ich einerseits sofort gemerkt hatte das der Job an sich nicht wirklich mein Ding ist das ich bis ins Rentenalter „gerne“ machen würde, und zweitens der Chef und einige der Mitarbeiter ehrlich gesagt ziemliche Hornochsen waren, immer keine Geduld um was ausführlich zu erklären oder vorzuzeigen, schnell wegen jedem bisschen aus dem Häuschen, Hauptsache dummes Gewäsch über Privatkram labern, dafür hatten die immer Zeit, aber die Arbeit wurde meistens recht schlampig ausgeführt, und ich bin halt jemand wo etwas richtig machen will, was denen halt dann immer zu lang ging, und dann habe ich mir halt gesagt „F*ck off, ich suche mir was anderes“, weil ich einfach gewusst habe das wird so nichts, warum sollte ich mich da weiter damit rum quälen?, dass blöde dabei ist, ist man ein Perfektionist hält man es nirgends lange aus.
Naja genug von mir gelabert, jedenfalls erscheint es mir definitiv so, dass das eigentliche Hauptproblem nicht Du bist, sondern wenn dann Dein Beruf, dass es schlicht und einfach der falsche Job für Dich ist.
Wenn Deine Stärke im theoretischen Bereich liegt, heisst Du ehr der Kopftyp bist, dann solltest Du Dir auch eine Arbeit suchen wo Du Dein Köpfchen einsetzen kannst.

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Ich weiß, danach folgt ein Absatz den man evtl. kognitiver Umstrukturierung zuordnen könnte, aber das Zitierte ist mir ein wenig zu vereinfachend anmutend. Um sich von Gedanken anderer zu befreien, braucht es oftmals mehr als es ganz rational zu reframen. Gerade wenn es sich so tief verwurzelt hat. Wenn es bei dir so sehr einfach klappte, Ukulelefreund, dann good for you. :smiley:
Uffz, Selbstwert und Stolz und Eitelkeit? Ich schreib da nun auch keinen Artikel zu, verlink aber gern hier und hier. Unicorns Probleme auf der Arbeit sind selbstwertbedrohend und klassisch bei ADHS, Depressionen und Co., bitte also nicht Selbstwert durch Begriffe wie „Eitelkeit“ und „Stolz“ abwerten.

Bin auch kein Fan von fake-it-till-you-make-it oder neben nem Vollzeitjob noch n Nebenjob anzufangen um sich zu Bewähren, ersteres grenzt für mich zu sehr an toxische Positivität (ich weiß, es war nur ein Tipp von vielen andere und für manche kanns auch super klappen) und Scheuklappen, letzteres klingt mir zu sehr nach dem Druck zu funktionieren und ja nicht lockerzulassen (ich will mir nicht vorstellen, wie Nebenjob und Privatleben noch mehr drunter leiden würden, wenn man schon 40h macht und davon sehr gebeutelt ist). Kann auf Dauer nicht gut gehen, denk ich mir. Aber manche fahren gut damit, jahrelang, also, jeder wie er mag. :slight_smile: Lösungen, skills und all das sind total individuell und ein bisschen trial and error schadet manchmal nicht. Manche Lösungen klappen auch eine zeitlang gut und dann nicht mehr, auch ok.
Kurz gesagt, es empfiehlt halt jeder das, was für ihn gut klappte. :slight_smile:

Meine Ideen:
Hör auf dein Gefühl, @Unicorn. Mach was sich richtig anfühlt für dich (hast eh work-life-balance erwähnt, sehr gut), denn klar muss man auch mal über seine Komfortzone hinaus, aber nicht 24/7. Wenn dich deine (Versagens-)Ängste zu sehr lähmen und dich die Arbeit schlaucht, das versteh ich, dann hol dir weitere Hilfe. Bevor es zu viel wird, meld dich krank. Ich will dir nicht sagen, dass es jetzt bereits zu viel wäre (das weiß ich ja nicht), sondern, dass du nicht zu lang mit Reservetank fährst. Dass du stattdessen früh genug in dich reinhörst und es dann auch ok ist, wenn man nicht mehr kann. Man kann nichts erzwingen. Das wollte ich nur für den Fall mal gesagt haben. Mir kommt aber eh vor, dass du gut in dich reinhörst, aber dann von außen Meinungen kommen die dich verunsichern evtl.
Auch kann ich Elementarys Links von weiter oben wärmstens empfehlen, wirklich. Allein das Handout kann vieles erklären in kurzer Zeit.
Du schreibst von ADs und Stimmungsstabilisierern, da ist also noch mehr im Busch. Gut, dass du schon mal so weit kamst bisher, trotz aller Niederschläge, und nun auch mit MPH eingestellt wirst. Dass du nun damit angefangen hast, kann schon mal echt ein guter Anfang sein. Lass dich da ganz genau einstellen. Watte im Kopf solls nicht sein, ich hoff das gibts keine Wechselwirkungen mit den anderen Medikamenten. Aber es ging ja gerade erst los.
Und: nimm bitte evtl. noch weitere Hilfe in Anspruch, wenn irgendwie möglich (Psychotherapie, Coaching). Manchmal braucht es mehrere Anläufe, sei es bei Ausbildungen, Medikamenten, Therapien und was es sonst noch so gibt im Leben. Das ist anstrengend, aber nicht ungewöhnlich. Das ganze Forum ist voll damit - wir sind Stehaufmännchen und man lernt leider am besten vom Hinfallen, so schmerzhaft es ist. Manchmal bleibt man auch länger liegen und manchmal hilft einem jemand auf durch liebe Worte.
Du schaffst das.

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Ich schreibe dir gerne privat darüber was ich mache. Alles kein Problem.
Das mit dem Perfektionismus trifft den Nagel auf den Kopf. Ich würde überall meine Probleme haben. Aber ich lerne einen Beruf wo man auch seinen Kopf einsetzen kann. Halt aber auch anderes
Aber es tut mir gerade echt nicht gut dass man mir sagt es wäre der falsche Beruf für mich. Ich bin Feuer und Flamme dafür und es interessiert mich sehr. Ich denke wenn dieser Beruf jetzt nicht zu mir passt dann tut es keiner. Ich will nicht aufgeben und ich will auch nicht schon wieder was neues anfangen. Daran würde ich kaputt gehen

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