Wirkstoffverlauf Ritalin Adult im Vergleich

Hallo zusammen,

mich verwundert der hier dargestellte Wirkstoffverlauf von Ritalin Adult sehr: Datei:Methylphenidat-Spiegelverlauf.jpg – ADHSpedia

Dort ist auch Medikinet Adult eingezeichnet, was für mich deutlich logisch sinnvoller wirkt.

Meine Fragen dazu:

  1. Wirkt Ritalin Adult tatsächlich nach 6h fast doppelt so stark wie nach 2-4h?

  2. Falls ja: Ergibt das Sinn? Schließlich benötigt man doch eher morgens die höhere Dosis als Nachmittags? Erst Recht wenn man nach 6h doch meist wieder nachnehmen soll.

  3. Wie würdet ihr die Wirkungsstärke von Ritalin Adult zeitlich einordnen?

  4. Nehmt ihr Ritalin Adult 1x oder 2x am Tag?

  5. Ist Medikinet Adult tatsächlich so viel konstanter? Bei Ritalin Adult sieht man ja richtige Maxima, während Medikinet Adult auch weniger rapide fällt. Spürt man das dann mehr?

Vielen Dank für eure Infos!

Liebe Grüße

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Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Kann mir die Frage aber selber nicht beantworten (Obwohl auf Ritalin Adult eingestellt). Mir kam dann auch der Gedanke, dass die Spitze eine kurzzeitige Überdosierung verursachen könnte und dies als Rebound gedeutet werden kann.

Ich nehme es 2x täglich, da die 8h bei mir definitiv nicht hinkommen. Somit ist das sogar schon grenzwertig um den Tag optimal abzudecken.

Zu Punkt 3 und 5 fehlt mir der Vergleich, da ich Medikinet Adult noch nicht probiert habe. Habe das aber schon mal in Erwägung gezogen, da ich mir damit eine konstantere Wirkung erhofft hätte.

Ritalin LA/Adult wird nachgesagt, dass es wohl sanfter als Medikinet retard/adult wirkt.

Grüße,

bernard

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@bernard Interessant…danke für deine Antwort! „Sanfter“ macht durchaus Sinn, wenn man erst nach Ewigkeiten die eigentliche Wirkspitze erreicht :sweat_smile:. Wann würdest du denn sagen merkst du die Wirkung von Ritalin Adult am stärksten und bemerkst du mehrere Wirkspitzen? Falls ja: Welche ist stärker?

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denke schon, die meisten nehmen denke ich auch morgens die grössere dosis. also bspw: 20:10
die kleinere Dosis am nachmittag führt dann auch nicht zu so einem starken rebound am ende der wirkzeit

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@Hagbard Interessant, danke für die Antwort! Allerdings bräuchte ich es am stärksten am Vormittag…wenn bspw. ich das vor dem / zum Frühstück nehmen würde und es wirkt erst kurz vor dem Mittagessen am stärksten, passt das überhaupt nicht…

@UlBre Deine Meinung würde mich an der Stelle auch stark interessieren (bzgl. der Fragen ganz am Anfang).

wieviel mg nimmst du denn wann ein?

@Hagbard Aktuell Elvanse, das war nur ein Gedankenexperiment. Die mg sind in dem Fall ja egal, du kannst aber auch gern 30-20 annehmen, wenn dir das hilft. Geht mir nur um die Wirkspitzen.

Ein Verlauf wie bei Medikinet wirkt auf den Papier einfach so viel sinnvoller: Einnahme → Beginnt schnell zu wirken → Wirkungsmaximum → flaut konstant und langsam ab ohne ein zweites Maximum was gar höher ist als das erste.

Bei Ritalin nimmt man eine Tablette und erhält erst einen halben Tag später die volle Wirkung? Das ergibt so wenig Sinn für mich…

So ist das ja auch nicht unbedingt. Der serumspiegel muss ja nicht 1 zu 1 der Wirkung entsprechen. Der Wirkstoff muss ja auch noch in den Synapsenspalt zu den Dopaminrücktransporten kommen. Außerdem ist von der Wahrnehmung her die 2. Hälfte der Wirkzeit auch nicht intensiver, als der Vormittag. Da gibt es auch garantiert noch einige Mechanismen die in der Grafik nicht ersichtlich sind.
Nach meiner Erfahrung ist das anfluten der Wirkung nach ca 15-20 Minuten spürbar Dann steigt die Wirkung bis ca 1.5h an. Nach ca 4h ist oft ein Wirkungsloch spürbar bevor die 2. Dosis freigesetzt wird.bei mir war da aber oft schon das Ende der Wirkung.

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Hallo,

bitte beachten: Das ist der Spiegelverlauf im Blut, der ist nicht identisch mit der Wirkung! Dazu kommt, dass diese Daten sehr individuell sind - da bei mir die Wirkung nach 6 Stunden nachlässt, kann logischerweise nicht dann der größte Wirkstoffgehalt im Blut sein, sondern eine Weile davor.

Die Kurve ist entweder falsch oder sie reflektiert, dass die Wirkung nicht identisch ist mit dem Wirkstoffverlauf, denn dann wäre man ja entweder in den ersten Stunden unter- oder in den späteren Stunden überdosiert. Anzunehmen ist eher, dass eine gute Wirkung zu erwarten ist, wenn sich der Wirkstoffgehalt in einem bestimmten (und erstaunlich großen) Rahmen bewegt. Unterhalb dessen hätte man nicht die halbe, sondern gar keine Wirkung.

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Also als ich Ritalin genommen habe, merkte ich das Anfluten und auch die Freisetzung der zweiten Dosis. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass bei der zweiten Hälfte mehr Wirkstoff vorhanden war. Diese Spitze in der Grafik habe ich nie so wahrgenommen.

Ich denke die erste Dosis war schon weiter verbraucht, so dass die zweite Spitze weiter unten begonnen hat und nicht doppelt so hoch war. Ein Wirkloch hatte ich aber nicht dazwischen.

Ist halt bei jedem anders.
Und die Grafik zeigt doch bestimmt Durchschnittswerte und nicht die Wirkstoffkonzentration einer einzelnen Person.

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@anon16209635 Mittlerweile merke ich nur noch selten das Anfluten. Die zweite Freisetzung habe ich noch nie bewusst wahrgenommen. Nur Anfangs eine Wirklücke zwischen „Teil 1 und 2“, zum Glück ist diese auch verschwunden :slight_smile:

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Vielen Dank @alle für eure Antworten, ich bin echt gespannt, was @UlBre dazu noch schreibt :slight_smile:

Wie die Konzentration im Blutserum bzw. deren Verlauf und die Konzentration und im synaptischen Spalt korrelieren ist tatsächlich eine spannende Frage. Guter Hinweis, daran habe ich gar nicht gedacht im Moment. Was im Blut ist, kommt innerhalb kürzester Zeit auch im Gehirn an, hatte ich haltlos vereinfachend angenommen, entschuldigt.

@bernard Wie meinst du die Wirklücke ist verschwunden? Wodurch ist sie verschwunden und wann trat sie ca. ein?

Wie schnell wirkt eigentlich Elvanse in voller Stärke? 1h?1,5h? 2h?

Ich hatte immer bei 3-4 h einen „Mini-Rebound“, beim Übergang vom Schnellwirksamen auf den retardierten Teil. Aber mit der Zeit hat sich das gelegt.

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@bernard D.h. du hast dich daran gewöhnt oder ist die Wirkung tatsächlich länger geworden? (oder hast du was an der Dosis verändert)

ich hab nochmal ein wenig recherchiert…
bitte beachten: ich bin kein Arzt oder Wissenschaftler… also nur mit meinem Amateur Verstand gedeutet :wink:

Also wie ich das verstehe besteht Rialin/Medikinet aus einer 1 zu 1 Mischung (Racemat) von d-MPH ( das wirksamere) und i-MPH
Der Großteil des i-MPH und nur ein deutlich kleinerer Teil des d-MPH wird im Blut mithilfe von Stoffen welche in der Leber gebildet werden zur Ritalinsäure abgebaut.
d-MPH ist der Stoff, welcher eine doppelt so starke Wirkung hat. d-MPH hat eine Halbwertszeit von ca 2-3h.
Nur weil es im Blut ist, heißt das nicht das gleichzeitig eine Wirkung entsteht. die Stoffe müssen noch die Blut/Hirn Barriere in das zentrale Nerven System überwinden und dann noch am Wirkungsort ankommen.
Wir wissen aber nicht auf welche der beiden Stoffe (oder beide) sich die Grafik bezieht.

Ausserdem bildet sich auch während der täglichen Wirkdauer eine steigende Toleranz gegen die Wirkung:

"Daher ist nicht nur eine ansteigende Plasmakonzentration erforderlich, um eine akute Toleranz zu verhindern, sondern es scheint auch eine optimale Freisetzungsrate des Medikaments zu geben, die zu einem ansteigenden Plasmakonzentrationsprofil führt, das eine Zunahme der tonischen Signalwirkung ohne Zunahme der phasischen Signalwirkung bewirkt. "

Das heißt, das für eine gleichbleibende Wirkung über den Tag, eine steigende Plasmakonzentration erforderlich ist! (Drogenerfahrene kennen das. man kann eine Wirkung nicht oft verlängern ohne deutlich höhere Dosen einzunehmen.)

„Bei Formulierungen, die pharmakokinetische Profile mit zwei Spitzenwerten erzeugen, ist es wichtig zu berücksichtigen, ob auf den anfänglichen Spitzenwert der Plasmakonzentration eine fortgesetzte Absorption bis zu einem zweiten höheren Spitzenwert oder ein Tiefpunkt vor dem zweiten Spitzenwert folgt. Es wurde behauptet, dass Formulierungen, die Spitzen- und Tiefstwerte in der Plasmakonzentration erzeugen, zu einem „Wachsen und Schwinden“ der therapeutischen Wirkung im Laufe des Tages und möglicherweise zu einem Rebound führen können. Umgekehrt wurde auch argumentiert, dass Tiefpunkte, die mit den Mahlzeiten und der Schlafenszeit zusammenfallen, einen normalen Appetit bzw. einen normalen Schlafrhythmus ermöglichen können.“

Das erklärt dann auch das Wirkungsloch vor der Freisetzung der 2. Dosis bei retardierten Medikamenten.
Durch ein Nachlegen einer 2. Dosis Medikinet Adult oder Ritalin Adult wird dann also die Plasmakonzentration nach ca. 4h erhöht, wodurch der Toleranz entgegen gesteuert wird.

Quelle der Zitate: An update on the pharmacokinetic considerations in the treatment of ADHD with long-acting methylphenidate and amphetamine formulations (11 Aug 2019)

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  1. Nein, natürlich nicht. 2. Ich finde den Wirkverlauf bei beiden ziemlich konstant, der Unterschied ist für mich, dass Medikinet Adult plötzlicher anfängt und etwas kürzer wirkt.
  1. Nehmt ihr Ritalin Adult 1x oder 2x am Tag?

Nähme ich nur Ritalin Adult, nähme ich es 2x am Tag. Einmal täglich reicht nicht aus, und ich glaube das trifft auf die Meisten zu.

Ich nehme allerdings morgens Medikinet Adult, mittags Ritalin Adult und am frühen Abend unretardiertes MPH.

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Dosis wurde nicht verändert, das kam „einfach so“. Man kann also von einer Art Gewöhnung (im positiven Sinne) sprechen. Bereits bei der Eindosierung mit 10mg, bei 20 mg und auch 30 mg merkte ich immer dieses Loch - also hatte die Dosis hierbei (zumindest bei mir) keinen Einfluss auf dieses „Wirkloch“.

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