Wirkung nach Medikamentenpause

Hi zusammen,

In letzter Zeit ging es mir ziemlich gut und ich habe über zwei Wochen kein Elvanse mehr genommen. Am Wochenende hatte ich dann einen Abend an dem ich seit Ewigkeiten (Monate) mal wieder zwei Ouzo und ein Gin Tonic getrunken habe.
Am nächsten Tag war meine Stimmung irgendwie gedrückter als sonst und ich habe mich dann auch sehr intensiv mit meinen Spannungsgefühlen und Missempfindungen beschäftigt.

Diese „Laune“ hat sich irgendwie etwas mit durchgezogen bis gestern, sodass ich heute erneut einen Versuch mit Elvanse gestartet habe. Meine Einstiegsdosis war NUR 2.5mg heute morgen. Ich bin überhaupt nicht damit klar gekommen. Habe mich gar nicht konzentrieren können, habe die ganze Zeit Missempfindungen gespürt und war auch Stimmungstechnisch echt kritisch unterwegs. Habe heute Abend sogar meinen Sport vergessen was mir in letzter Zeit nie passiert ist.
Wie interpretiert ihr das? Lege ich wieder zuviel Fokus auf die falschen Dinge durch Elvanse? Mache ich mir zuviel Sorgen um die Wirkung ?

Kann es sein dass ich doch schon recht ausgeglichen bin (wie ich mich eigentlich die letzten Wochen gefühlt habe) und das Elvanse selbst in dieser geringen Dosierung zu stark wirkt ?

Gewagte Hypothese: könnte es auch sein dass ich kein ADHS habe und Elvanse nicht das richtige für mich ist?
Es hat mir in dem halben Jahr seitdem dies bei mir diagnostiziert wurde sehr geholfen, aber jetzt macht es mich im Kopf total durcheinander…:sweat_smile:

Ich bin dankbar über jeden Ratschlag :slightly_smiling_face:

Wir können ja hier immer nur eigene Erfahrung als medizinische Laien teilen… Aus einer solchen heraus:

Ich habe vormittags mal versehentlich die Medikinet-Kapseln verwechselt und dadurch nur ein Viertel meiner sonstigen Dosis genommen. Es war ein furchtbar unruhiger Vormittag, gefühlt „schlimmer als ohne“. Bemerkt habe ich den Irrtum erst, als ich das nächste Mal die falsche Packung in der Hand hatte. So als hätte sich zwar die Selbstwahrnehmung scharf gestellt, aber nicht die Exekutivfunktionen als solche. Wie „besser sehen, dass man denselben Mist wie unmedikamentiert macht“.

Wenn Du mit Dosen von 30 und 45 klarkamst und sogar eine 2. Tageseinnahme probiert oder erwogen hast, scheint mir eine solche Reaktion auf 2,5 eher eine Momentaufnahme, vielleicht zu intensive Selbstbespiegelung, als eine Überdosierung. Selbst mit Zeitablauf dazwischen.

Nach meinem Verständnis ist die Dosishöhe abhängig von Dopaminrezeptoren, ggf. auch von Hormonen, in Grenzbereichen ggf. Körperstatur. Man mag in guten Zeiten besser kompensieren können, aber so ein „sehr durch den Wind sein → 45 ok“ über „sich wieder besser im Griff haben → ca. 20“ und „wieder gut sortiert → sofort überdosiert“… Das scheint mir nicht der Funktionsweise von Elvanse zu entsprechen.

Wenn Du grds. gute Erfahrungen hattest bei der eigentlich Eingewöhnung, würde ich es bei Bedarf nochmal so wie damals machen. Wie gesagt - nur aus meiner eigenen Betroffenenperspektive.

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Nie einen einzelen Tag begutachten - immer den Durchschnitt von 3 -4 Tagen nehmen.
Days come, days go, shit happens :wink:

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Danke für eure Antworten.

Ich hab mich wie gesagt eigentlich in den letzten Wochen auch sehr sortiert gefühlt. Natürlich kommen und kamen zwischendurch auch Momente, in denen ich mich selbst in meinem tun kritisiert habe.

Bevor ich vor 2 Wochen die Medikamente abgesetzt hatte, habe ich dasselbe in etwas stärkerer Form auch bei 15mg und 10mg verspürt. Und ich muss eben gestehen dass die Medikamente bei mir vom Denken oft zusätzlichen Stress erzeugen, weil ich ständig damit beschäftigt bin, ob die Empfindung/Stimmung mit dem Medikament zu tun hat.

Ich muss auch sagen, dass ich mein Leben schon sehr geändert habe seit der Diagnose. Ich treibe viel Sport, gehe alles viel bedachter an, gönne mir viele Pausen und Entspannung. Außerdem esse ich auch sehr bewusst.

Kann es auch einfach sein dass diese Umstellung in meinem Fall eben schon ausreichen?

In der medikamenten-freien Zeit habe ich auch wieder begonnen Kaffee zu trinken und habe hier eben gemerkt, dass selbst eine Tasse Kaffee bei mir einen wachmachenden, konzentrationssteigernden Effekt hat (was früher überhaupt nicht der Fall war). Das spricht ja eher dafür, dass ich doch recht ausgeglichen gerade bin, oder nicht ?

Das mit der Momentaufnahme ist richtig, aber wenn ich mir in diesem Moment überlege, dass Medikament heute zu nehmen und wieder einen Tag wie gestern zu haben, habe ich da nicht sonderlich Ludt drauf.

Und days come days go, shit happens passiert ja auch bei „normalos“ oder ?:sweat_smile:

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Das darf nach meiner Information jeder - v.a. jeder Erwachsene - für sich selbst entscheiden. Gleiches gilt für die Beurteilung der eigenen Ausgeglichenheit.

Ist ja - anders als bei anderen Befunden - nicht so, dass Du erblindest oder Dir ein Fuß abgenommen wird, wenn/weil Du Deine Medikamente nicht nimmst.

UND PS: Vor allem Glückwunsch und Kompliment zu den Änderungen im Lebensstil, die sicher enorm viel abverlangen, insb. in der Umstellungsphase. Das ist für mich manchmal eine echte Schattenseite der „Diagnose“: Manchmal kann man solche Leistungen gar nicht richtig genießen, weil so ein leiser Zweifel an sich selbst weiter vor sich hinflüstert.

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Dann ist der Stressor die Übersensibilität (Ängstlichkeit?). Klingt ein bisschen nach Krankheitsangst, die in Hypochondrie ausarten kann.

Wenn Du Dir verinnerlichen kannst, dass einzelnen Tage nie etwas zu bedeuten haben, und es immer nur auf den Schnitt mehrerer Tage ankommt (Und das betrifft auch weitere Gesundheitsfragen) könnte das helfen. Oder Du hinterfragst mal, warum Dich das so sorgt.

@UlBre
Ja das mit der Hypochondrie ist vielleicht gar nicht so abwegig, da ich auch sehr stark dazu tendiere immer Krankheiten zu googeln etc. Es ist auf jedenfall schon besser geworden aber am einen Tag bin ich sehr stabil und an anderen Tagen eher nicht so.

Ich habe eben auch eine „interessante“ Beobachtung gemacht:

Ich habe mich mit meiner Freundin gestritten und gemerkt, dass ich nach dem Streit (der ging so ca. 20 Minuten) mich plötzlich gut gefühlt habe und die Missempfindungen bzw. Das Nach-innen-gekehrte und Auf-mich-bezogene plötzlich weg war.

Hier muss man auch sagen dass ich eigentlich in einem nicht so fröhlichen Haushalt aufgewachsen bin und es immer viel Stress und Streit gab, eigene Empfindungen und das eigene Ego sehr in den Vordergrund gestellt wurden. Negative Empfindungen auch körperlicher Art wurden immer sehr verbalisiert.

Meine Freundin und ihre Familie sind da das genaue Gegenteil mit viel Lachen,Freude, Zusammenhalt, Liebe, Zuneigung etc.

Einerseits möchte ich auch diese Art von Leben/Art aber oft Stelle ich mir auch die Frage ob ich mit dieser Art einfach nicht klar komme und ob ich dieses Entspannte und Gelassene einfach nicht gewohnt bin und das dann meinen ganzen Hormonhaushalt durcheinander bringt.

Wie seht ihr das?

Elvanse sollte mir ja hier eigentlich schon helfen, aber irgendwie tut es es dann auch wieder nicht.
Ich glaube ich bin hier tatsächlich sehr überempfindlich und hinterfrage alles viel zu sehr…

Da fällt mir was zu ein.
Bitte beziehe das aber nicht gleich 1:1 auf Dich. Nur weil der Einzelfall in ein Bild passt, heißt es noch lange nicht, dass das Bild auf Dich zutreffend ist…

An einem drastischeren Beispiel:
Es gibt Menschen, die einen gewalttätigen Elternteil hatten, der alle 14 Tage besoffen nach Hause kam, den Gürtel rausholte und dann drauflos drosch.
Manche dieser Menschen geht das so nach, dass sie noch als Erwachsene zuweilen ihren Partner so lange provoziert haben, bis der auch gewalttätig wurde. War das passiert, war plötzlich alles wieder gut.
Ein Bekannter erzählte mir, dass ihn seine Exfreundin einmal dazu gebracht hatte, sie zu schlagen - und danach war sie munter und fidel und kochte Essen. Und er war vollkommen über sich selbst entsetzt, wie er das hatte tun können und ebenso, wie sie nun auf einmal so entspannt sein konnte. (So wie ich ihn kannte, war er überhaupt kein gewalttätiger Mensch, ganz und gar nicht. Und sein Entsetzen war noch sehr spürbar, obwohl das schon einige Jahre her war).
Das Muster dahinter könnte gewesen sein, dass eine unbewusste Angst davor da war, dass, wenn es zu lange friedlich ist, der nächste Ausbruch bevorstehen muss. Wenn jemand gelernt hat, dass es alle x Tage / Wochen so massiv eskaliert, dass es für ihn bedrohlich wird - wann fühlt der sich am sichersten? Genau, unmittelbar nach der Eskalation.
Und wann am unsichersten? Klar, wenn die x Tage / Wochen ablaufen.
Dazu kommt, dass es für Menschen sehr hilfreich ist, über etwas Kontrolle zu haben, auch wenn es etwas Furchtbares ist. Die Kontrolle darüber, das Furchtbare auslösen zu können, erleichtert es, das Furchtbare zu ertragen. Das kann im Extremfall so weit gehen, dass das Furchtbare geradezu gesucht wird, weil nur die Kontrolle darüber Sicherheit gibt. Fehlt die Kontrolle, fehlt die Sicherheit (das Furchtbare wird dann nur als nicht sichtbar wahrgenommen - und unsichtbare Gefahren sind nun einmal immer noch viel gefährlicher als sichtbare).
Als Erwachsene, wenn der gewalttätige Elternteil nicht mehr da ist, ist es dann nicht das Furchtbare selbst (z.B. die Gewalt), die gefürchtet wird - sondern die Angst. Und die lässt sich lösen, wenn man es hinter sich gebracht hat.

Dieses Muster war kein Einzelfall. Ich habe das auch bei anderen Menschen miterlebt.
Klar: es ist keine Rechtfertigung für Gewalt, in keinster Weise. Es ist aber schon so, dass Menschen mit Gewalterfahrung sich überdurchschnittlich häufig wieder gewalttätige Partner suchen. Nochmals: auch das ist keine Rechtfertigung für Gewalt - niemals.
Es ist aber ein Beispiel, wie Muster aus der Kindheit, Gewohnheiten und Ängste, in das Erwachsenenleben hineingetragen werden. Die Gewalterfahrung ist nur ein Beispiel.

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Danke für diese ausführliche Antwort.

Bei mir war nie körperliche Gewalt nie wirklich Thema.

Aber wenn ich dies auf Streit und Diskussionen reflektiere fühlt sich das in einer Gewissen Form tatsächlich so an. Es ist für mich wie gesagt (obwohl ich jetzt schon 6 Jahre mit meiner Partnerin zusammen bin und schon über 3 Jahre mit ihr zusammen lebe) immer noch ungewohnt, dass alles immer friedlich und entspannt von statten geht.

Streitereien und Forscher Umgangston waren wie gesagt in meinem Eltern Haus fast schon an der Tagesordnung. Grundsätzlich lief (und läuft auch heute noch) alles viel hektischer und launischer ab.

Auch muss ich dazu sagen, dass ich mich gerade bei diesen Auseinandersetzungen sehr kontrolliert fühle.

Hast du da auch Erfahrungen wie man damit konstruktiv umgeht? Kann man hier auch von einer Anpassungsstörung sprechen ?

Es fühlt sich für mich auch immer so an wie wenn da was in mir brodelt und steckt das rauswill und ich dies zurückhalten muss. Sport und Beschäftigung kompensiert das etwas aber ist oft auch einfach nicht genug.

Dazu kommt dass ich Jahrzehnte lang Computerspiel-süchtig war und viele Tage auch mit 10-12 Stunden vor dem PC verbracht hab. Dadurch war ich mein Leben lang immer dauerbeschäftigt und eben seltenst entspannt

Hey, ich würde meinen, dass das ein klassischer Fall für eine Verhaltenstherapie ist.

Zur Selbstlektüre als Einstieg wäre „Gewaltfreie Kommunikation“ von Rosenberg vielleicht ein guter Anfang.
Der Titel klingt krasser als es ist (es hat nichts mit körperlicher Gewalt zu tun) Das Büchlein ist sehr kompakt und auf den Punkt. Sehr lesenswert jedenfalls.

Okay das Buch sagt mir was, haben wir sogar hier rum liegen.

Ich muss nochmal ein Update geben:
Habe jetzt 2 Tage lang wieder mit 30mg ausprobiert, so wie ich es zu Beginn meiner medikamentösen Einstellung auch getan hatte.

Tatsächlich ging es mir damit dann doch sehr gut, nachdem ich mit einer positiven Einstellung an die Sache rangegangen bin (wobei 30mg schon sehr stark wirken, was ich auch an meinem Stoffwechsel dann merke z.b.) Nach ~10std ist dann so ein kleiner Durchhänger gekommen und ich habe Kopfweh bekommen. Kann am Blutzucker gelegen haben.

Habe nur dann, weil es mir am 3ten Tag dann morgens schon ganz gut ging wieder zwei Tage drauf verzichtet und gedacht es passt auch ohne wieder ganz gut.

Worauf ich hinaus will: hat jemand Tips, die Medis nicht immer, sobald es mir gut geht (und ganz generell) als überflüssig und „Feind“ anzusehen? Sondern sie auch einfach Mal weiter zu nehmen :sweat_smile:

Ich bürge mir denke ich viel zu viel auf, dass ich das immer alleine schaffen muss.
(Nach einem Gespräch mit meiner Mutter vor einiger Zeit weiß ich, dass sie schon immer genau die gleiche Denkweise hat, immer alles alleine schaffen zu müssen)

Ich bin da immer in einem Konflikt, an manchen Tagen bin ich der Meinung es hilft mir, doch an der Mehrzahl der Tage mein ich immer ich schaff das schon und brauche/will die Medis nicht…

Habe hierzu nochmal ein Update:

bin mittlerweile Wieder bei 40mg morgens angelangt. Mittags nehme ich je nach Bedarf nochmal etwas nach.

Was ich tatsächlich nun festgestellt habe: Mein Stoffwechsel scheint derart schnell zu sein (auch zusätzlich verstärkt durch Elvanse), dass ich bei kognitiven Aufgaben nach ca. 30 Minuten etwas essen muss, damit die Wirkung wieder einsetzt. Das ist eine ganz schöne Herausforderung, auch bezüglich dem Job. Habe momentan eine Weiterbildung und habe jetzt innerhalb einer Stunde 2x 2 Scheiben Brot gegessen, weil davon extrem die Medikamentenwirkung abhängt.
Auch empfinde ich hier nicht wirklich ein Sättigungsgefühl.

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Das ist ja spannend, das hab ich so explizit noch nie gehört.
Was ich schon mal gehört hatte, war, dass jemand mehr trinken musste und Traubenzucker brauchte um Kopfweh zu vermeiden - das könnte da andocken.

Ich brauche auch 4 Liter Wasser und 4000 kcal am Tag.
um konzentriert zu sein und mein Gewicht zu halten :sweat_smile:

@Polaroid11 Nimmst du dann zusätzlich Medikamente oder reicht das Dann bei dir aus?

Ja, schon. Ich esse ja nicht primär so viel um konzentrierter zu sein, sondern da mein Körper so viel braucht!
Ich glaube das ist gemäß meines Alters, meiner Körpergröße von 2,02m und meiner körperlichen Aktivität auch noch relativ normal. Ich bin ja auch nicht skinny Fat sondern das bisschen Körpermasse was ich hab sind zumindest Muskeln.
80kg sind zwar nicht bedenklich, aber 5-10 kg mehr wären echt nicht verkehrt!
Ich meine nur, dass die Medikamentenwirkung länger anhält
wenn ich ordentlich esse und trinke. Ausreichend trinken ist überhaupt kein Problem, aber zum Essen muss man die Zeit und Muße finden wenn man eigentlich alle 2 Stunden was braucht :sweat_smile:
Also esse ich zum Frühstück neuerdings 300g Haferflocken mit 500g Joghurt. Das hält dann durchaus etwas vor :joy:

Bin ziemlich erkältet und habe heute daher kein Concerta genommen.
Habe nun allerdings seit 7:00 Uhr schon die zweite Tasse Kaffe getrunken.
Wenn ich Concerta nehme trinke höchstens 2 Tassen am Tag
Eine morgens vor der Einnahme und gelegendlich noch eine so gegen 14:30
Jetzt traue ich mich keine dritte Tasse Kaffezu trinken während der Pause aus Angst ich hätte dann morgen Probleme nur max 2Tassen zu trinken

Mir scheint es dass du ein bisschen dem Nocebo zum Opfer fällst. Kann das sein? Ich glaube deine Ängste beeinflussen mehr als deine eigentlichen Handlungen.

Vielleicht hast Du da Recht.
Wenn es mir morgen besser geht nehme ich wieder mein Concerta
Ich war vor vielen Jahren mal extrem Kaffeesüchtig, dann habe ich meimen Kaffekonsum auf 2 Tassen täglich begrenzt

Also so schnell entwickelt man keine Toleranz. Außerdem brauchst du ja automatisch weniger Koffein wenn du wieder MPH nimmst.

Oder was sagt da die innere PTA in dir :thinking::sweat_smile::coffee:

Aber jetzt isses natürlich eh zu spät :sleeping:.