Wohngruppe - weltuntergang, Neustart, Rettungsinsel?

Hallo,

Meinem Kind (12) mit AuDHS geht es nicht gut.

Zum 3. Mal in 5 Jahren stationär, Schule war trotz Unterstützung nicht mehr möglich, die Familie zerbricht gerade, Pubertät kommt oben drauf…

Wir haben die dringende Empfehlung, sie für einige Zeit in eine Wohngruppe zu geben.

Viele Leute geben sich gerade Mühe, positive Beispiele zu geben, und mir zu sagen, dass es das Beste fürs Kind ist.

Aber für mich fühlt es sich an, als würde ich planen, mein Kind im Wald auszusetzen.

Kennt jemand diese Situation, aus Kinderperspektive oder aus Erwachsenenperspektive?

Traurige Grüße

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Ich glaube es kommt auch viel auf die Einrichtung und dem Personal an wie hilfreich sowas ist.

Es ist leider auch individuell , bei manchen Kindern ist es weniger schlimm wenn die Gruppe nicht so gut ist, aber der Abstand war die hilfreichen Komponente oder aber der Rahmen stimmt zu 100% , aber der Schuss geht trotzdem nach hinten los.

Ist denn die Situation zu Hause „das Beste fürs Kind“ und für euch ?

Ob einen Wohngruppe zum Weltuntergang, Neustart oder eine Rettungsinsel wird, weiß man ja leider erst hinterher . Es ist aber ein Möglichkeiten die euch angeboten wird. Wohngruppen sind teure Maßnahmen , die vermutlich nicht mal eben so empfohlen werden.

Was sagt denn euer Sohn dazu?

Gäb es auch noch die Option von ambulanter Familienhilfe oder Tagesgruppe ?

Wäre ein auf Autismus spezialisiertes Internat auch eine Möglichkeit, weil es „weniger Schlimm“ klingt ?

Das ist natürlich ein totaler Teufelskreislauf in dem ihr drin seit, wo sich die Katze auch noch in den Schwanz beißt. Und vermutlich benötigt euer Sohn ein stabiles Umfeld, was so aber wiederum so aktuel nicht möglich ist.

Das ist absolut nachvollziehbar wer will schon sowas für sein Kind, aber bei einer guten Institution wäre dein Sohn nicht alleine und ihr mit im Boot.

Ihr habt sicherlich Mitspracherecht , euch wird das Sorgerecht ja nicht entzogen und wenn des wirklich soweit kommt, und die Einrichtung entpuppt sich als schlecht für euch und für das Kind, dann könnt ihr die Maßnahme auch wieder beenden.

Es ist eine Option , die euch zur Verfügung steht , die ihr leider wohl bedenken müsst .

Sollt es keine andere Alternative geben, dann könntet ihr eurem Sohn damit helfen, dass ihr es wirklich als Chance für alle seht, die ihr gemeinsam nutzen wollt. Quasie wie eine befristete Medizin die ihr gemeinsam einige Zeit nimmt. Also eher eine Reha , die länger dauert.

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Also mein Sohn, AuDHS, ist mit frisch 17 Jahren in eine Wohngruppe der Jugendhilfe gezogen, weil er eine von der Agentur für Arbeit geförderte Ausbildung in einer anderen Stadt anfangen sollte, bzw erstmal die Vorbeeitung für die Ausbildung.

Die erste Wohngruppe hieß „heilpädagogisches Wohnen“ und war rückblickend nicht ganz das Richtige, weil bei ihm „Pädagogik“, „Pädagogen“ nicht der richtige Ansatz war.

Er brauchte als frühkindlicher Autist mit Tendenz zur Psychotik eine therapeutische Wohngruppe.

Aufgrund der dann tatsächlich zu Tage getretenen Psychotik und weil er sich in dem beruflichen Bereich sehr gut gezeigt hatte, bekam er einen wirklich extrem seltenen Platz in einer therapeutischen Wohngruppe.

Dort ist fabelhaft. Sagenhaft. Unglaublich gut.

Er fühlt sich dort sicher und geborgen.

Und in dem Heim sind auch Wohngruppen mit Grundschulkindern aufwärts.

Die Gründe, weshalb die Kinder dort sind, sind vielfältiger als in einer Klinik. Aber es gibt immerhin auch einmal in der Woche ein psychiatrisches Konzil für die, bei denen es notwendig ist. Es gibt je nach Bedarf einmal pro Woche eine Sitzung mit einer hauseigenen Psychotherapeutin oder mit einer Heilpädagogin.

→ macht Euch also schlau, ob es eine therapeutische Wohngruppe ist

Die sind wirklich sagenhaft teuer für das Jugendamt.

Fragt also mal nach, wie es mit Konsil, Therapeuten etc aussieht. Wie oft üblicherweise nach Hause dürfen - und vielleicht auch müssen.

Denn letztendlich ist ja das Ziel immer die Rückkehr in die Familie, es sei denn, es gibt da ganz schlimme Risiken bei den Eltern. Aber auch das könnte ja evtl therapeutisch von der Elternseite bearbeitet werden.

Haupt-Ziel ist immer die Rückkehr in die Familie, weil das natürlich trotz vieler Schwierigkeiten das Beste - und das Billigste ist.

Also niemand hat im Jugendamt ein Interesse, jemanden ewig aus der Familie zu nehmen. Da muss dann schon etwas ganz im Argen sein.

Wir haben hier gsd immer extrem gute Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht. Wobei man natürlich auch Pech haben kann. Ich glaube, dass kurz bevor wir wegen Schulassistenz in Kontakt mit dem JA kamen, eine sehr blöde Teamleitung endlich in Ruhestand ging.

Ich hoffe, dass viele Gruselgeschichten rund um Jugendämter zunehmend Geschichte sind, einfach weil sich die Arbeitsweise sehr modernisiert hat.

Und fragt auch nach, inwieweit Ihr selber an den Kosten beteiligt würdet. Das hängt immer vom Einkommen ab und es gibt so einen Schlüssel, was jeweils zumutbar ist. In unserem Fall war es - solange unser Sohn unter 18 war - schon merklich und spürbar, aber in unseren Augen irgendwie auch in Ordnung, weil es so eine tolle Chance war.

Unser Sohn wäre nämlich ohne diesen Schritt niemals so verselbstständigt worden, dass er im späteren Leben ohne uns klar gekommen wäre.

Für war das zu dem Zeitpunkt noch gar kein Thema, aber es wurde dann sehr schnell klar, wie viel mehr Unterstützung er braucht als andere und wie viel ich kompensiert habe.

Insofern ist es natürlich überhaupt nicht vergleichbar mit Eurer Frage.

Aber es ist einfach auch eine gute Chance, etwas zu machen, ohne dass es eine Klinik ist.

Es gibt ja dann bestimmt nicht solche Kontaktbeschränkungen, starre Besuchszeiten und so weiter.

Im diesem Setting wird sicher auch geschaut, was jeweils das Beste ist.

Also - bei Fragen gerne fragen…

Hattet ihr sowas denn mal grundsätzlich ausprobiert und dadurch schlechte Erfahrungen gemacht?

Wohngruppe klingt jetzt aber nicht schlechter als Internag wo ich früher war. Wenn die gut geführt wird könnte ich mir vorstellen das es eine gute Erfahrung sein kann und schon mehr gemeinsame Qualitytime gemeinsam geben kann und eure Bindung gestärkt wird.

Das Internat hat damals die Bindung zu meinen Eltern intensiviert aber sie fanden es eher schwierig damit umzugehen das ich halt recht schnell in einer Art selbstständig wurde, denn dadurch gab es mehr Selbstverantwortung und man mußte ja auch wirklich vieles alleine regeln, das wurde ja auch dort erwartet und bewußt gefördert.

Ich glaube wichtig ist, daß ihr euch das ganze mal vor Ort anschaut ggf. mehrere anschaut und dein Kind dann auch wählen kann z.B. welches Konzept besser gefällt, zumindest hab ich das mit Internaten gekonnt - deshalb muß aber das erste halbe ja nicht als leicht empfunden werden, weil das kann schon eine riesen Umstellung sein wo es bei den Abläufen, Pflichten, auch dem emotionalen ist. Es gibt dann tolle Zeiten und dann kommen auch blöde Zeiten, die meist abends sind weil nan dann ja nicht die Umgebung erkundet, vieles von Zuhause gefehlt hat, ob es das Haustier und anderes war - tagsüber beim Erkunden ob Natur, Schwimmbad oder sonst was fehlte nie was und es gab ganz viele Möglichkeiten die es so hätte Zuhause nie geben können auch Sport, Kreativität hätte ich so im häuslichen Umfeld nie erleben können.

Ich denke mal du wirst ja ein gutes Bauchgefühl haben auch wenn ihr euch gemeinsam solche Möglichkeiten anschaut und wahrscheinlich ist das Bauchgefühl dann die beste Leitplanke

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Hallo,

Und vielen Dank für Eure Antworten.

Morgen kommt unser Kind heim (ist ein Mädchen, aber das tut nicht wirklich was zur Sache). Sie hat eine entsetzliche Angst davor, wieder in den Alltag zu müssen. Ist gestern und heute in schlimme Meltdowns gerutscht wo auch eine Betreuerin und ein anderes Kind attackiert wurden.

Zuhause ist, so weh das tut, gar nicht gut, weil es auch an vielen anderen Stellen nicht gut läuft.

Die Ehe ist Totalschaden, und beide Eltern sind spät diagnostiziert und bisher kaum (ich) bis gar nicht (Noch-Mann) therapiert, also voller dysfunktionaler Coping Mechanismen.

Hinzu kommt, dass sie de facto nicht beschulbar ist, zumindest nicht zu den Bedingungen, die das Schulsystem an das Funktionieren von Kindern stellt. In der Klinikschule schafft sie häufig nicht mal 3 Stunden. Und selbst mit einem Schulweg von 3 Minuten und einschlägiger Ausbildung ist es oft unmöglich, sie frühs pünktlich in der Schule zu haben. Zuhause werden wir da wie zuvor schlicht scheitern.

Ich verstehe, dass sie unbedingt einen geschützten Raum benötigt, Strukturen (die wir seit Jahren, auch mit SPFH und ambulanter Eingliederungshilfe thematisieren, wo aber oft alles damit steht und fällt, ob ich sie bei allen anderen durchsetzen kann.) Und sie benötigt eine Schule, die AuDHS inclusiver massiver Verhaltensprobleme, aber auch Hochbegabung kann, und wo ganz wenig Kinder sind.

Alle Förderschulen in annähernd erreichbarer Entfernung von uns unterrichten auf Hauptschulniveau. Ich bestehe ja gar nicht auf Abi, aber Langeweile führt nun mal auch zu Problemen.

Das nächstgelegene Internat wäre in Bonn, aber da hat das Jugendamt schon nö gesagt.

Mit Wohngruppe habe ich, außer der Berichterstattung über Herrn Winterhoff, keine Berührungspunkte. Also so gar nicht gut.

Falls Ihr einen Tip im Rheinland (oder gut mit Öffis von Köln aus erreichbar) hättet, wäre das eine Hilfe.

VG

Arala

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