Stressexposition als Entstehung von ADHS

Wie AD(H)S entsteht - Gene, Umwelt. (* -> Für Gäste sichtbar)
zorayazia
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Stressexposition als Entstehung von ADHS

Ungelesener Beitrag von zorayazia » Di 12. Jan 2021, 11:22

Falschparker hat geschrieben:
Mi 6. Jan 2021, 18:45
UlBre hat geschrieben:
Mi 6. Jan 2021, 16:03
Da AD(H)S eine genetische Disposition ist, die bei optimaler Versorgung nicht zwingend zum tragen kommt (Stichwort: Chance-Risiko-Gene) kann ein optimaler Umgang einiges vermeiden.
(...)
Merksatz: von Zeugung bis 3 Jahren jeden echten Stress vermeiden.
Lieber Ulbre,

komisch, ich habe dich noch nie gefragt, ob du eigene Kinder hast. Aber jedenfalls schreibst du hier ein Bisschen so, als sei es nicht so.

In ADHS-Familien mit kleinem Kind gibt es viel Stress. Das ist ein Stück weit kaum zu vermeiden. Weil das Kind in der Regel nicht das Einfachste ist, und weil ADHS-Eltern Deeskalation schwer fällt. Gut für alle von uns, die von ihrer ADHS wissen und bestenfalls noch selbst behandelt werden. Wenigstens für Väter sollte gelten, sich spätestens dann nicht mehr um Medikation zu drücken - Mütter müssen eventuell noch verzichten, um Risiken durch die Muttermilch zu vermeiden.

Ich war bei beiden Kindern ein großer Fan des Tragetuches. Da fühlt sich ein unruhiges Kind geborgen, und die Nähe stärkt das Vater-Kind-Verhältnis fürs Leben.

Johanna Haarers Erziehungsratgeber wurde noch bis 1987 nachgedruckt
https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2 ... ettansicht
und wirkt bis heute nach. Es ist wichtig, sich bewusst von diesen Prinzipien abzuwenden.

Aber ich möchte sehr davor warnen, ADHS-betroffenen Eltern von eventuell ADHS-veranlagten Kindern zusätzlichen Druck zu machen!! Es gibt bei Kindern keine Machbarkeit. Jetzt müssen wir auch noch die Gene unserer Kinder reparieren. Nee, also bitte nicht.
Hi,
es hatte mich auch getriggert früher.
Ich habe nun die Erkenntnis, das ADHS und Autismus tatsächlich durch Stress Exposistion entstehen könnte, ABER die Sache wird ja vererbt, neue Erkentnisse davon sind von Epigenetik usw. Von ADHS wissen wir ja schon um die genetische Komponente.
Also die Sache ist die: Die genetik ist schon da, und die Sache wird auch ausgelöst, wenn kein Stress vorhanden ist, dann baut sich die Sache langsam wieder ab, und der Mensch wird eher neurotypisch vlt.
Also Aufgrund der Evolutionären Entwicklung: Mensch Tier, Umwelt , Stress, braucht was anderes--> ADHS schnellere Reaktion in Krisen etc. (adie Vorzüge von ADHS) --> in unsicherem Umfeld wird das so weitervererbt, damit der Nachwuchs dann auch überlebt--> je mehr Stress während der Lebeszeit der Mutter und Vater und SS(das ist alleine nicht ausschlaggebend) --> ADHS stärker

Im Umfeld mit Haus, Heizung, Keine Tiere, kein Stress um Nahrung zu beschaffen usw --> die Menschen entwickeln die Fähigkeiten zurück

ALso zusammenfassend würde ich sagen, dass die Aussage nicht ganz so bestehen kann, dass der Stress im frühkindlichen Alter ausschlaggebend ist. Der gesamte Stress ist ausschlaggebend, das fängt schon in der Lebenszeit der Grosseltern und Eltern an, geht in der SchwangerSchaft weiter.
Ausserdem ist das wissenschaftlich nicht so erwiesen, denn die Wissenschaft geht ja meines Wissens von ADHS ab Geburt aus.
Das es mal stärker behindert und mal schwächer liegt sehr viel am Umfeld, eine Behinderung im neuen Begriff ist eigentlich die Sache in Wechselwirkung mit der Umwelt.
Das wir mal stärker und mal schwächer gestresst sind, und die ADHS mal mehr mal weniger stark ist, kennen wir Erwachsene doch auch, und dann eben wie die Umwelt reagiert, und uns eben als Barrieren im Weg stehen. Viele ADHSler sind ja auch noch Systemkritisch, weil das eben die Barrieren sind, weil die Sachen nicht auf die Bedürfnisse von ADHS abgestimmt sind.
Im neuen Verständnis von Menschenrechten nimmt man jeder Mensch als Subjekt wahr. jeder Mensch hat die gleichen Rechte. Deshalb müssen Angebote ja auch auf den Einzelnen abgestimmt sein. Beispielsweise wenn es nur Menschen ohne Beine gäbe auf der Welt, wären die Geschäfte nicht voller Fahrräder sondern voller Rollstühle und es gäbe kein einziges Fahrrad.

Deshalb also möchte ich auch darauf hinweisen, dass ADHS nicht als Defizitär zu sehen ist und dementsprechend verhindert werden muss, sondern das Kind wird ja mit der Stressexposition auf das Leben im Stress vorbereitet. Nur der Stress ist hald heute ein anderer, wie der das der Tiger kommt.
Ausserdem wenn die Eltern also schon ADHS haben, ist es sowieso klar, dass die Mutter Stress im der SS und im Kleinkindalter hat. Alle Menschen mit ADHS haben Stress.

lg Zoraya

PS: Ich mach das in einem neuen Thread, hoffe es ist übersichtlich genug
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Re: Stressexposition als Entstehung von ADHS

Ungelesener Beitrag von Andromache » Di 12. Jan 2021, 12:21

Hallo @zorayazia ,

da hier auch viele Foristen mitlesen, die noch nicht so tief im Thema sind, wäre es hilfreich, wenn du deine Meinung zum obigen Thema als solche kenntlich machen und nicht einfach als Tatsachen darstellen würdest.

Denn zwischen belegbaren Forschungsergebissen und subjektiven Vermutungen besteht ein erheblicher Unterschied.

Danke und Gruß
"Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit."
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Re: Stressexposition als Entstehung von ADHS

Ungelesener Beitrag von UlBre » Mi 13. Jan 2021, 00:41

Hallo,

eigentlich ist das alles unter ADxS.org auf vielen hundert Seiten (allein für diese Fragen) erläutert und bis ins Detail mit Quellen belegt...

Kurzform:

AD(H)S entsteht 1. zu ca. 75 % genetisch.
Das bedeutet 2. im Umkehrschluss: ca. 25 % sind Umwelt.

1. Genetischer Erwerb von AD(H)S

1.1. Genvarianten, die man erbt (umweltunabhängig)
Je nach Genvariante ist ein Gen mehr oder weniger wirksam, d.h. wie stark sie z.B. ein Enzym synthetisieren oder wie empfindlich ein Neurotransmitterrezeptor ist, der von dem Gen codiert wird

1.2. Epigenetische Genveränderungen
Epigenetische Veränderungen werden (hier: von den Eltern) durch Umwelteinflüsse erworben
Erwerb bedeutet, dass die Umwelteinflüsse die Expression der Gene verändern. Das beeinflusst (ebenso wie die Genvariante), wie stark ein Gen seinen Job macht - je nach dem, was das Gen codiert also z.B. wieviel von einem Enzym synthetisiert wird oder wie empfindlich ein Neurotransmitterrezeptor ist
Diese epigenetischen Informationen werden an einige Generationen weitergegeben, c. 2 bis 4 Generationen, aber nicht dauerhaft vererbt, wenn sie nicht durch eigene Erfahrungen der Nachkommen vertieft werden.

2. Umwelteinflüsse beim Individuum (insb. schwerer oder chronischer Stress):

2.1. Insbesondere frühkindlicher (schwerer) Stress ab Zeugung bis ca. 3 Jahre
Wirkung: Diejenigen Gehirnregionen, die in der Zeit des schweren Stresses gerade einen Wachstumsschub haben, können lebenslang andauernde Veränderungen / Schäden davontragen. Ein Beispiel ist ein dysfunktionales dopaminerges System, das durch schweren Stress in der Wachstumsphase des Nucleus accumbens entstehen kann.
Das ist die ganz herrschende Meinung der Stressmedizin, bestens belegt und an etlichen Störungsbildern nachgewiesen. Das Einzige, was ADxS.org damit noch macht, ist, das konkret auf AD(H)S durchzudeklinieren.

2.2. eigene epigenetische Veränderungen
Umwelteinflüsse auf das Individuum selbst verändern die Genexpression epigenetisch, siehe oben.

2.3. als akute zusätzliche Belastung, die bestehende (AD(H)S-)Symptome akut verstärkt

2.4. neurotoxische Wirkung

2.5. Vertiefung (dysfunktionaler) Nervenzell-Kommunikationsmuster (Langzeitpotenzierung)
Gemeint: Zellen, die auf einen gemeinsamen Auslöser hin gleichzeitig feuern, bilden neuronale Verbindungen (cells, that fire together, wire together)
Stress, der sich zu schnell wiederholt, führt zu einer starken Vertiefung der dysfunktionalen neuronalen Zellverbindungen und verstärkt ihre Bereitschaft, gemeinsam zu feuern, dauerhaft. Bleibt der Stressor aus, bildet sich zwar das Feuern zurück, aber die Bereitschaft, auf einen neuen solchen Auslöser wieder gemeinsam zu feuern, bleibt dauerhaft erhöht.
So graben sich Stressreaktionen nach und nach immer tiefer ins Hirn und bilden immer breitere Autobahnen, die abzureißen immer aufwändiger wird.
Eindrucksvoll und recht gut lesbar beschrieben bei Grawe, Neuropsychotherapie.

2.6. bis 2.20. (oder mehr) .....
Schwerer oder chronischer Stress verursachen so viele dauerhafte Schänden an einem Individuum, das kann man hier nicht sinnvoll alles aufzählen.
Bitte nachlesen bei ADxS.org.
Hieraus könnte sich möglicherweise das Phänomen des late-onset-AD(H)S speisen.


Umwelteinflüsse wirken auf Individuen unterschiedlich, je nach dem welche Genvarianten sie geerbt haben (Gen-Umwelt-Interaktionen).
Hier kommen dann die von uns so genannten Chancen-/Risiko-Gene ins Spiel:
Das sind Gene, die besonders verletzlich gegenüber schlechter Behandlung und besonders empfänglich für gute Behandlung (insbesondere in der frühen Kindheit) machen. Beschreibung mit etlichen Nachweisen findet sich in einem der beiden Beiträge zur Prophylaxe bei ADxS.org - die ansonsten nur die Schlussfolgerung ziehen, welchen Einfluss das in der Erziehung bedeutet.

Das ist alles nichts Neues, das entspricht jeweils alles einem breiten Konsens der jeweiligen Fachrichtung (Stressmedizin, Genetik, Neurobiologie).
Es handelt sich um recht universelle Mechanismen, die bei einer Vielzahl von Störungsbildern bekannt sind.
ADxS.org macht nichts anderes, als diese Mechanismen konkret auf AD(H)S anzuwenden.

Falls jemand meint, irgendetwas davon sei nicht wissenschaftlich belegt, kann ich das gerne nochmal nachweisen. Ist alles auf ADxS.org nachlesbar.
Ich habe nur keine Lust, hier hunderte von Seiten an Quellenangaben reinzukopieren, ohne dass jemand dort ernsthaft gesucht hätte...


Viele Grüße

UlBre
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Re: Stressexposition als Entstehung von ADHS

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Mi 13. Jan 2021, 08:50

UlBre hat geschrieben:
Mi 13. Jan 2021, 00:41
Diejenigen Gehirnregionen, die in der Zeit des schweren Stresses gerade einen Wachstumsschub haben, können lebenslang andauernde Veränderungen / Schäden davontragen. Ein Beispiel ist ein dysfunktionales dopaminerges System, das durch schweren Stress in der Wachstumsphase des Nucleus accumbens entstehen kann.
Mit schwerem Stress sind in dem Fall Traumata (z.b. durch Misshandlung etc) gemeint?

Ich bringe das mal von der abstrakten Ebene auf den Boden, denn:
Ich (als "erfahrenes" ADHS-Muttertier) finde das ganze Thema extrem schwierig.
Und ich finde, es sollte für die Erziehung nur bedingt handlungsleitend sein, sollte aber immer wieder bedacht werden und zwar in unterschiedlichsten Hinsichten.

Dass man Kinder beschützt, für sie nur das Beste will, sie keinen schlimmen Situationen aussetzt, sie in normalem Rahmen fördert und anregt ohne sich und sie verrückt zu machen etc. sollte selbstverständlich sein aber ich schreibe es lieber nochmal dazu. Dazu gehört, dass man sich (auch als Paar gegenseitig) schon irgendwie im Griff hat.

So wie es in diesem - und dem anderen - Thread beschrieben ist, kann man sich als ADHS-Eltern eigentlich nur "schuldig" machen wenn man sich adhssig verhält oder so lebt - und das kann ich so nicht stehen lassen.
Das legt ja praktisch die absolute Stressvermeidung als Handlungsmaxime in der Erziehung von Kindern mit ADHS oder einer entsprechenden Veranlagung nahe - und das halte ich für grundfalsch. Denn damit stresst man die Eltern, zwingt ihnen u.U. ein untypisches Verhalten ab. Und DAS stresst die Familie mal so RICHTIG!

Aus meiner Erfahrung trifft eher zu, dass sich ADHS betroffene Eltern FÜR SICH!!!!!!!!!!! möglichst Stress vermeiden sollten bzw. einen sehr bewussten Umgang mit Stress pflegen sollten. Da steht dann das Thema SELBST-SORGE im Zentrum. Wie bei jedem andere Betroffene auch.
Ich finde es da ungeheuer wichtig, dass sogenannte Risikoeltern schon frühzeitig betreut und beraten werden und dass man bei der Gelegenheit abspürt, ob da ein "neurodiverses" Thema im Raum steht.
Ist die Katze gesund, freut sich der Mensch. Sind die Eltern zufrieden, haben die Kinder weniger Stress. Die Eltern / Bezugspersonen sind, was das betrifft, das Universum für ein Kind.
Ich denke, jungen von ADHS betroffenen Eltern sollten (schon in der Schwangerschaft...) die Möglichkeit auf Beratung und Coaching (als Rückspiegelung eigenen Verhaltens) bekommen, vor allem um sie dabei zu unterstützen,
ihre Reizoffenheit für soziale Signale der Umgebung besser einordnen zu können um entscheiden zu können, was für sie und ihr Kind richtig ist.
Wenn überhaupt, dann
sollten sie für sich ein bestimmtes Maß an Impulskontrolle erlernen (ob mit oder ohne Kind)
sollten sie ihre Schwächen kennenlernen und einen gesunden Umgang damit entwickeln. Viele Eltern stressen ihre Kinder, weil sie sich wünschen, dass diese nicht ihre Probleme übernehmen...
sollten sie lernen, mit der Mentalität ihres Kindes umzugehen und dieses aufmerksam wahrzunehmen (Achtsamkeit!)
sollten sie sich Unterstützung suchen - als weitere Bezugspersonen für das Kind. Vor allem, wenn sie feststellen, dass das Kind andere Bedürfnisse hat. Das kann auch das Schwiegermonster sein - hauptsache das Kind! fühlt sich wohl dort. Da muss man dann halt durch...

Aber sie sollten sich nie never ever! schuldig fühlen müssen, weil sie sind wie sie sind. Sie sollten sich nur selbst kennen und einschätzen können.

ADHS-Eltern können tolle Eltern sein! und so manches Kind würde an einem Bore-Out eingehen wären sie anders.

Resilienz ist eine Frage der Veranlagung und auch der ...Mentalität sag ich mal.
Sprich: der Umgang des Kindes mit der eigenen veranlagten Reizoffenheit ist auch abhängig von dieser Resilienz - und von dem, was die Eltern vorleben und wie diese damit umgehen. Mehr, denke ich, kann man nicht tun.
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Re: Stressexposition als Entstehung von ADHS

Ungelesener Beitrag von Andromache » Mi 13. Jan 2021, 11:17

@Hibbelanna
Es wäre schön, wenn es immer so wäre, aber du beschreibst hier einen Idealzustand, den es in ADHS-Familien schon oft deshalb nicht gibt, weil die selbst betroffenen Eltern meistens noch gar nicht diagnostiziert sind und sich schon deshalb keine Hilfe holen. Denn ihnen fehlt einfach das Bewusstsein für die Ursache ihrer verfahrenen Situation.

Ohne Diagnose hatte ich allein beim Gedanken an eigene Kinder immer schon die Erkenntnis, dass mich diese komplett überfordern würden und habe mich deshalb bewusst dagegen entschieden.
Einige ADHSlerinnen machen es wohl genau umgekehrt und "flüchten" sich in die Mutterrolle, da der Beruf sie überfordert.

Aber ich denke, es gibt nun mit zunehmender Diagnostik die Chance, dass immer mehr Betroffene Möglichkeiten erhalten, sich Hilfe zu holen und dies auch tun. Dann erreichen wir hoffentlich in Zukunft irgendwann, dass der von dir beschriebene Zustand zur Normalität wird.
"Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit."
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Re: Stressexposition als Entstehung von ADHS

Ungelesener Beitrag von UlBre » Mi 13. Jan 2021, 20:13

Hi,

vielleicht muss man mal genauer definieren, was mit Stress gemeint ist.
Bei den Stressoren, die die beschriebenen Mechanismen auslösen, geht es nicht um den typischen Alltagsstress, wie ein lärmender Nachbar, eine Baustelle vor dem Haus oder dass die Heizung mal zwei Tage nicht geht - sondern um schwerwiegendere Stressoren.

Bei den Ratten, an denen zigfach untersucht wurde, wie Stress in frühere Kindheit Gehirnfunktionen dauerhaft verändert (und ja, das ist definitiv auf Menschen übertragbar), wird typischerweise eine längere oder wiederholte vielstündige Trennung der Neugeborenen von der Mutter verwendet.
Kürzere Trennungen von der Mutter stressen Ratten- wie Menschenkinder natürlich auch. Aber sie sind verkraftbar und erhöhen sogar die Resilienz.
Nachtrag: auf Kinder übertragen wäre das, sie etliche Stunden schreiend alleine zu lassen. Und wenn es sich häufig wiederholt, reicht auch ne kürzere Zeit. Und das meint nicht die Resilienzerhöhung...

Es geht eher um Misshandlung. Wobei eben Menschen, die die Mechanismen nicht kennen, auch nicht (oder schlechter) erkennen können, wo Misshandlung anfängt.
Körperliche oder sexuelle Misshandlung ist klar als solche erkennbar.
Aber eben auch ein kalter, leistungsorientierter und unempathischer Erziehungsstil kann (da dauerhaft) chronischen Stress auslösen, der bei verletzlichen Individuen (Chance-Risiko-Gene...) seinen Beitrag leistet.

Nachtrag:
Es geht nicht darum, Kinder in Watte zu packen. Das wäre ein Missverständnis.
Aber es kann schon da anfangen, wenn ein AD(H)S-Elternteil ein aggressiv-impulsive Komponente hat, die er nicht in den Griff kriegt, und die ein Kind immer mal wieder abkriegt.
Verbaselte Termine, Unordnung oder sonstiges AD(H)S-Chaos sehe ich nicht als etwas, das Kinder so stressen könnten, dass die beschriebenen Mechanismen greifen.


Viele Grüße

UlBre
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Re: Stressexposition als Entstehung von ADHS

Ungelesener Beitrag von Nelumba_Nucifera » Mi 13. Jan 2021, 20:23

Mich hatte ja dauerhafter Stress vor einigen Jahren wegen plötzlich ausgebrochener aber unerkannter PTBS lahmgelegt.
Das war der blanke Horror was das mit meinem Gehirn und Körper gemacht hat .
:sonne "Ein Lächeln ist eine Kurve, die alles grade setzt." :sonne Phyllis Diller
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