Kreativität ohne ADHS?

Symptome, wie fühlt sich AD(H)S an, "Kennt ihr das auch ?" (* -> Für Gäste sichtbar)
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UlBre
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von UlBre » Di 23. Jun 2020, 10:43

Vielleicht hilft Dir das Wissen, dass einige psychische Problemzonen es bewirken, dass negative Gefühle stärker und positive Gefühle schwächer wahrgenommen werden.
Das trifft auch für AD(H)S zu.
Bei Depressionen ist das auch so, aber diese Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit, die Depression ausmachen, sind noch etwas anderes !

Klar, wissen ist nicht alles.
Aber es kann mithelfen, zu spüren: Das ist hierbei Teil dieses Störungsbildes, das bin nicht ich...
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allmighty
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von allmighty » Di 23. Jun 2020, 08:49

Meine Kreativität äußert sich beim Ausmalen von worst case szenarien, beim Reinsteigen, Ausreden finden, mir Krankheiten auszudenken etc.
Was absurde Zusammenhänge verknüpfen angeht, bin ich auch eine Weltmeisterin, z.B. bin zufällig in der Stadt, sehe eine Jacke, dir mir gefällt, dann fällt mir z.B. auf, dass die Quersumme von Tag/Monat/ Jahr eine böse Zahl für mich ergibt, oder ich sehe einen Bekannten, den ich als böse abgestempelt habe (im Sinne von, der bringt mir nur Unglück), dann lass ich es mit der Jacke. Muss nicht sagen, dass Einkaufen von neuen Sachen eine Qual für mich ist.
Oder ich will spontan jemanden anrufen und mich mit ihm verabreden, auf dem Weg stolpere ich an irgendwas, dann interpretiere ich es als schlechtes Zeichen und ich lass es.
Ich weiß, es sind die Zwänge, aber irgendwoher müssen die ja kommen.
Im voraus, ich bin nicht (mehr) esoterisch und absolut nicht religiös angelegt, und ich weiß dass es ein Blödsinn ist, trotzdem will ich halt nicht riskirieren.
Tatsächlich helfen mir die Medikamente etwas gegen das ganze Blödsinn, kann irgendwie besser reflektieren und bin auch bei manchen sachen etwas mutiger geworden, und die Angst ist etwas weniger geworden.
Was künstlerische Kreativität angeht, absolut gar nicht. Kann weder malen (kann nicht mal meine eigene Schrift lesen), noch kann ich nüchtern Musik ausstehen.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Do 5. Mär 2020, 09:25

UlBre hat geschrieben:
Mo 2. Dez 2019, 22:12
Hibbelanna hat geschrieben:
Mo 2. Dez 2019, 08:32
...
Wir therapieren zum Teil Zustände, die man sicherlich in anderen Gesellschaften bzw. zu anderen Zeiten als nicht therapiewürdig angesehen hätte, in denen Menschen mit unseren Ausprägungen glücklich und zufrieden haben leben können ...
Hm, nee, sorry, find ich nicht:
Krankheit / Störung ist per Definition nicht nur ein Verhalten XY, sondern auch, dass derjenige bzw. seine Umwelt darunter leiden.
Leidet keiner, können sie doch mit was auch immer sie wollen glücklich und zufrieden leben ?

Ich kenne niemanden, der auf AD(H)S behandelt wird, ohne dass er drunter leidet.
Ich kenne einige, die meinen, dass sie selbst gar nicht leiden, dafür leidet dann deren Umwelt ganz gewaltig.
Das ist ja das kollossale Missverständnis bei dem ganzen, nicht jeder, der ADHS hat, ist behandlungsbedürftig und erst recht nicht zu jedem Zeitpunkt in der Lebensspanne ... ob ADHS Krankheitswert hat und behandlungsbedürftig ist, das ist abhängig von Schweregrad, aber auch von Sozialisation und auch von Komorbiditäten natürlich, die sich entweder sekundär auf das ADHS drauf gesetzt haben können oder die primär, z. B. bereits von Geburt an vorhanden waren oder angelegt waren, ich selbst habe als primär vorhandene Komorbidität ein leichtgradiges Tourette-Syndrom, Kurt Cobain hatte als primär angelegte Komorbidität Bipolare Störung, eine Freundin hat als primär angelegte Komorbidität Schizophrenie usw...

Das mit der Definition von ADHS als Krankheit, das ist eine rein technische Definition für das Gesundheitssystem, ob dann jemand Anspruch auf Leistungen aus dem Gesundheitssystem hat oder nicht, aber diese technische Definition spiegelt die Realität überhaupt nicht zutreffend wieder...
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Andromache » So 16. Feb 2020, 20:45

Addy Haller hat geschrieben:
So 16. Feb 2020, 20:15
Ich habe auch schon Klagen gelesen, die Kreativität ginge unter Medikation zurück. Wie sind da eure Erfahrungen?
Ich denke, dass hängt davon ab, ob ADHS oder ADS vorliegt. Ich habe ADS und meine Kreativität findet ausschließlich im Denken Ausdruck und nicht im künstlerischen Bereich. Mit Elvanse nahm die Intensität zu. Bei allen anderen Medis habe ich keinen Unterschied wahrgenommen.

Bei ADHS müsste ja dann wirklich die Kreativität zurück gehen, zumindest in einigen Fällen. Wobei auch das von der Art des Medikaments und der individuellen Wirkweise abhängen dürfte.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » So 16. Feb 2020, 20:15

Ich denke, es hängt mit dem chaotischen Denken bei ADHS zusammen: es ist einfach nicht richtig zielgerichtet, ständig geht einem irgendwas anderes durch den Kopf, dann ploppt schon wieder ein anderer Gedanke auf, man vergisst, was gerade noch wichtig war usw. Des weiteren ist häufig das sprachliche, handlungsbegleitende Denken unterentwickelt, dafür wird mehr in Bildern gedacht. Ich denke, dadurch kommt man ständig ungeplant irgendwo an, wo man gar nicht hinwollte.

Ich habe auch schon Klagen gelesen, die Kreativität ginge unter Medikation zurück. Wie sind da eure Erfahrungen?
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von hannes » So 16. Feb 2020, 20:01

Hibbelanna hat geschrieben:
Mo 2. Dez 2019, 08:32
Menschen mit ADHS können u.U. gezwungen sein, ungewöhnlich zu denken, weil sie nicht auf routinierte Denkprozesse zurückgreifen können.
Finde ich bis jetzt die beste Erklärung!

Ich mag das mal kurz dekonstruieren, du hattest ja auf neuronaler Ebene gefragt:
  • AD(H)S ist kein AN/AUS, sondern die unterschiedlich starke Ausprägung von Symptomen als Folge von unterschiedlich starker Verbindung von Nervenzellen. Zumindest ist das ein stark vereinfachter Erklärungsansatz, der vertreten wird. Also hat jeder ein bisschen ADHS? Ja, aber Nein!
  • Kreativität könnte man als Neuordnung von Verbindungen zwischen Nervenzellen beschreiben. Als gewollte oder ungewollte Abweichung von der eigentlich gespeicherten Erfahrung, so wurde es hier beschrieben.
  • Wenn ich mich jetzt noch weiter aus dem Fenster lehne, könnte ich behaupten, dass unser Gehirn Gewohnheitstier ist und immer lieber gewohnte Pfade nachschreitet. ( Wissen abrufen, Angewohnheiten verfolgen, Automatismen, Konditionierung...) Weil es weniger anstrengend ist.
  • Wer das gut kann, Gelerntes sicher wiederholen, denkt womöglich weniger häufig "um die Ecke." Bei wem das nicht klappt: Not macht erfinderisch (und verursacht Stress).
Aber ganz klar: Kreativität, assoziatives Denken, Improvisation etc. kann man trainieren und es gibt keinen, der nicht schon mal etwas zusammenassoziiert hat. "Wenn ich einen Stock nehme, komme ich vielleicht dran" ist schon ein kreativer Lösungsansatz.
Vielleicht sind Menschen mit stärkerem ADHS in der Regel besser trainiert als die bei denen es immer einen Lösungsweg auf Abruf gibt?!

So, das war jetzt sehr stark vereinfacht. Ihr dürft gerne widersprechen.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » So 16. Feb 2020, 16:06

Ja, ich weiß. Der Rest der Band trauerte noch lange, auf ihren Freund und Inspirator verzichten zu müssen. „Rauswurf“ trifft es nicht, du hast recht, es ging einfach nicht mehr zusammen.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Andromache » So 16. Feb 2020, 15:58

Addy Haller hat geschrieben:
So 16. Feb 2020, 15:29
Meiner Meinung nach war ihre eigentlich kreative Phase aber vor dem großen Durchbruch, als ein gewisser Syd Barrett ihre Musik fast im Alleingang hervorgebracht hat - bis zu seinem Rauswurf aus der Band wegen massiven psychischen Problemen. Aus meiner Sicht spricht aus dieser Musik eine Magie, die die Band ohne ihn imho nie wieder erreichen konnte.
Syd Barrett wurde nicht aus der Band geworfen, sondern ist in einem LSD-Trip geblieben und vegetierte danach nur noch vor sich hin. Die Band hat sich musikalisch mit seinem Schicksal auseinandergesetzt und daraus gingen Welterfolge wie: Brain Damage, Shine On You Crazy Diamond, Wish You Were Here hervor.

PS: Mit Shine on you Crazy Diamond ist Syd Barrett gemeint.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » So 16. Feb 2020, 15:29

Die Frage ist für mich, ob das, was Rush gemacht haben, wirklich kreativ im Sinne dieses Threads ist. Klar, sie haben jahrzehntelang vieles ausprobiert und weiterentwickelt und hatten dabei eine treue Fangemeinde, aber ist das Kreativität?

Oder vielleicht doch eher das, was ein John Lennon oder ein Kurt Cobain - ich nenne es mal „aus sich selbst“ - hervorgebracht haben, die zufälligerweise immer wieder mit ADHS in Verbindung gebracht werden?

Um mit einem Beispiel zu verdeutlichen, was ich meine, und auf die Gefahr hin, mir hier Feinde zu machen: Pink Floyd waren zugegebenermaßen eine extrem erfolgreiche Band, weil vorgeblich bahnbrechend, ihrer Zeit voraus usw.

Meiner Meinung nach war ihre eigentlich kreative Phase aber vor dem großen Durchbruch, als ein gewisser Syd Barrett ihre Musik fast im Alleingang hervorgebracht hat - bis zu seinem Rauswurf aus der Band wegen massiven psychischen Problemen. Aus meiner Sicht spricht aus dieser Musik eine Magie, die die Band ohne ihn imho nie wieder erreichen konnte.

Ob Syd Barrett an ADHS litt, weiß ich nicht. Ich vermute aber auch, dass eine gewisse Neurodivergenz wahre Kreativität erst ermöglicht. An dem geflügelten Wort vom Genie und Wahnsinn, die eng beieinanderliegen, ist schon was dran, denke ich.

Allerdings würde ich das nicht auf ADHS begrenzen wollen, das wäre anmaßend.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Maxmalwieder » So 16. Feb 2020, 12:24

Ich habe ja unter Anderem deshalb eine Diagnose und schließlich Therapie gesucht, weil ich am Ende nicht mal mehr meine kreative Arbeit, die mir bis dahin einigermaßen leicht gefallen war, mehr auführen konnte.

Klar gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Kreativität und ADxS, aber ich glaube schon, dass es einen wesentlichen Unterschied gibt.

Kreatives Denken...
  1. stellt Verbindungen her zwischen Gedanken und Dingen, die nicht selbstverständlich sind,
  2. erkennt den Wert einer so entstandenen Idee (Neuigkeitswert, Orginalitätswert, Witzigkeit) und
  3. übersetzt sie in eine anwendbare Form.
Das Umsetzen selber ist auch Teil des kreativen Prozesses, aber es kommt oft genug vor, dass diesen Teil jemand anders übernimmt, etwa jemand, der besser Gitarre spielt als man selber, oder ein Filmteam, denn man kann wirklich nicht alles selber machen.

1.
Mein (zugegeben anekdotischer, denn ich habe ja nur ein Gehirn) Eindruck ist, dass der erste Schritt uns Neurodiversen deutlich leichter fällt als anderen. Mir jedenfalls geraten ständig Gedankenfetzen in einanders Schwerkraft. Für mich ist das der Kern dessen, was eine Idee ausmacht: Nicht unbedingt ein neuer, ungewöhnlicher oder sonstwie interessanter Gedanke, sondern oft eben auch nur eine neue etc. Kombination von Gedanken. Genaugenommen ist das aber keine kreative Leistung, eher eine Normaleinstellung. Wir können gar nicht anders denken. Oder nur mit Mühe.

Aber andere können auch so denken. Ich denke, die Grundvoraussetzung ist, sich seine Neugier zu bewahren. Letzten Monat ist einer meiner Lieblingsmusiker gestorben, Neil Peart. Peart war Schlagzeuger bei Rush, einer Prog-Band, die ihren Stil über Jahrzehnte weiterentwickelt und dadurch frisch gehalten hat, die immer wieder neu definiert hat, was eine Rockband schaffen kann, technisch wie geistig. Manglende Kreativität kann man den Jungs jedenfalls nicht vorwerfen. Wenn man Peart in Interviews sieht, erscheint er als extrem fokussierter, klar denkender Mensch. Weiter weg von einem ADxS-Gehirn geht das kaum. Aber er war eben auch immer neugierig, immer auf der Suche nach noch besseren Ausdrucksmöglichkeiten.

2.
Der zweite Schritt fällt uns (naja, auf jeden Fall mir) schwerer. Um eine Idee zu beurteilen, müsssen wir zunächst mal einschätzen können, wie ungewöhnlich sie ist. Das ist schwierig, wenn Normal Denken uns schwer fällt. Ein Grund, weshalb ADxS-Menschen oft als kreativ gelten, mag sein, dass wir nicht diesen inneren Stino haben, der diese Ideen gleich wieder verwirft, wenn sie zu durchgeknallt sind. Im Gegenteil, wir sind von so was sehr schnell zu begeistern. Aber eine richtig gute Idee ist eben nicht nur neu und ungewöhnlich, sondern auch anknüpfbar ans Bekannte. Einfach nur schräg reicht nicht. Jedenfalls nicht, wenn's auch jemandem gefallen soll.

3.
Der dritte Schritt aber ist, wo uns neurotypische Menschen so richtig was voraus haben. Selbst wenn wir die Idee nicht selber umsetzen, müssen wir sie doch in einer Weise formulieren, die sie umsetzbar macht. Dazu gehört, die richtige Ausdrucksform zu bestimmen. Nicht alles ist ein potenzieller Ausdruckstanz, manches lässt sich eben besser als Scherenschnitt umsetzen. Diese Entscheidung zu treffen, erfordert ein gewisses Maß an Realismus und Erfahrung.

Andererseits: Ein richtig guter Ausdruckstänzer, der die Möglichkeiten seiner Kunst bis zum Exzess beherrscht, könnte daraus eben doch was machen. Und so ein Meister-Ausdruckstänzer hat seine Fähigkeiten wahrscheinlich über einen jahrelangen, konzentrierten Prozess erlangt. Was uns ja nicht immer ganz so liegt.

Gerade wenn andere beteiligt sind, muss die Formulierung, der Plan, auch im Plan-Stadium überzeugend sein. Ich habe schon oft in Brainstorming-Situationen Ideen produziert, von denen ich niemanden überzeugen konnte. ("Nee, das geht doch niemals zusammen!") Dann habe ich meine Umsetzung angefangen (etwa eine Skizze angelegt) und präsentiert, und man konnte richtig das Licht bei allen aufgehen sehen. Das Problem war nämlich nicht die Idee, sondern dass sich niemand im Raum, außer mir, sie vorstellen konnte. Die Kehrseite ist, dass ich oft noch an Ideen glaube und ihre Umsetzung voranzutreiben versuche, lange nachdem andere sie bereits verworfen haben und an etwas anderem arbeiten.

Sogar mir selbst gegenüber funktioniert das: Einige meiner schrägeren Ideen fingen mit einem Gedanken an, den ich sogleich als unmöglich abtat. Dann ertappte ich mich dabei, mir Strategien zu überlegen, wie es doch funktionieren könnte, wenn ich es, rein theoretisch, umsetzen wollte, was ich natürlich nicht vorhatte. Und dann setzte ich es um.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von julai » So 8. Dez 2019, 13:31

Für Freunde der Wissenschaft hier zwei paper zum Thema:

https://www.sciencedirect.com/science/a ... 0012000037
Kurzfassung: Das Arbeitsgedächtnis ist unter Einfluss von Alkohol eingeschränkt. In einer bestimmten Kreativitätsaufgabe, dem Remote Association Test (man soll darin ungewöhnliche Assoziationen bilden) führt das aber zu einer besseren Leistung. Möglicher Grund: die exekutive Aufmerksamkeitsregulation behindert ansonsten das Bilden lockerer Assoziationen, man denkt eher "straightforward" - was für die allermeisten Aufgaben im Alltag auch viel nützlicher ist.

https://www.tandfonline.com/doi/abs/10. ... 16.1195655
Kurzfassung: Studierende mit AD(H)S (Mischtyp) haben ungewöhnlichere, breitere Assoziationen, vermutlich wegen der geringeren "inhibitorischen Kontrolle". Ihnen fallen in diesem Experiment mehr und ungewöhnlichere Ideen ein, welche Features es für ein Smartphone geben könnte. Die Ideen der AD(H)Sler sind auch genauso praktisch.
In diesem Paper steht aber auch, dass die Studienlage bzgl. AD(H)S und Kreativität bisher uneinheitlich ist. Das liegt z.B. daran, dass Kreativität unterschiedlich definiert wurde (eine Definition wäre auch für diesen Thread hier angebracht, oder?) und dass die Stichproben sich unterschieden haben.

Kreativität wird hier als "divergent thinking" definiert. Dazu hab ich dieses Video gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=cmBf1fBRXms
Ich schreibe einen Blog zu Nachhaltigkeit, Neurodiversität und Nonsens!
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Mi 4. Dez 2019, 19:15

die Frage steht übrigens im Raum, ob Kreativität neurobiologisch nichts anderes ist als mind-wandering?
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Di 3. Dez 2019, 19:19

UlBre hat geschrieben:
Mo 2. Dez 2019, 22:12
Ich kenne niemanden, der auf AD(H)S behandelt wird, ohne dass er drunter leidet.
Da haben wir uns missverstanden. Ich meine, es gibt für jeden eine Punkt an dem der Leidensdruck so hoch ist, dass Menschen mit dieser Disposition Hilfe suchen. Was widerum auch mit der Toleranz der Umgebung oder den Umgebungsbedingungen liegt.
In unserer hochtechnisierten, entfremdeten, verkopften Gesellschaft würde ich annehmen, dass dieser Punkt schneller erreicht ist als zB. auf einer Ranch im Outback.
Abgesehen davon, dass ADHS auch unterschiedliche Erscheinungsbilder oder unterschiedliche Problemschwerpunkte hat, abhängig von Persönlichkeit, Geschlecht etc.
Ein Mädchen mit einem tobigen ADHS hätte man zu meiner Zeit deutlich schneller pathologisiert als einen Jungen, bei dem man das Verhalten noch hingenommen bzw. es auf seinen Charakter geschoben hätte.
Das Buch, das Julai empfohlen hatte (van Elst: Autismus und ADHS) beschäftigt sich mit diesem Thema und ist höchst aufschlussreich.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von UlBre » Mo 2. Dez 2019, 22:12

Hibbelanna hat geschrieben:
Mo 2. Dez 2019, 08:32
...
Wir therapieren zum Teil Zustände, die man sicherlich in anderen Gesellschaften bzw. zu anderen Zeiten als nicht therapiewürdig angesehen hätte, in denen Menschen mit unseren Ausprägungen glücklich und zufrieden haben leben können ...
Hm, nee, sorry, find ich nicht:
Krankheit / Störung ist per Definition nicht nur ein Verhalten XY, sondern auch, dass derjenige bzw. seine Umwelt darunter leiden.
Leidet keiner, können sie doch mit was auch immer sie wollen glücklich und zufrieden leben ?

Ich kenne niemanden, der auf AD(H)S behandelt wird, ohne dass er drunter leidet.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Mo 2. Dez 2019, 08:32

Overthesky hat geschrieben:
Sa 30. Nov 2019, 19:17
Ja, es kann auch Kreativität ohne zumindest eine kleine Portion ADHS geben... und zwar durch eine Art Training der Kreativität, durch biographische Faktoren, durch Sozialisation... jemand, der in einer Hippie-Gesellschaft aufwächst und dort sozialisiert wird, der wird quasi zu kreativer und offener Denkweise trainiert... jemand, der dagegen in einer Gesellschaft sozialisiert wird, die jegliche Kreativität und Auslebung von Kreativität verbietet, ohne zumindest "ein bisschen" ADHS ist Kreativität dort Fehlanzeige... Cordula Neuhaus wurde mal in der Mainpost mit der Aussage zitiert, dass Menschen mit ADHS die einzigen genuin kreativen Menschen überhaupt seien... zu Kreativität durch ADHS fällt mit mind-wandering ein, siehe dazu J.K. Rowling und die Geschichte zur Entstehung von Harry Potter https://www.tagesspiegel.de/wissen/psyc ... 20226.html
Sorry, aber das halte ich für eine Behauptung.
Auch die o.g. Aussage von Frau Neuhaus - in einer Zeitung - sehe ich sehr kritisch.
Das Spektrum zwischen "Stino" und "pathologischem Aufmerksamkeitsdefizit" ist fließend.
Wir therapieren zum Teil Zustände, die man sicherlich in anderen Gesellschaften bzw. zu anderen Zeiten als nicht therapiewürdig angesehen hätte, in denen Menschen mit unseren Ausprägungen glücklich und zufrieden haben leben können - oder, wahlweise, auch ganz andere Probleme hatten, die aber in unserer heutigen Gesellschaft bestimmten Anforderungen nicht mehr genügen und uns damit am Ausleben unserer Fähigkeiten und Bedürfnisse massiv hindern.
Wo tatsächlich diese Ausprägung beginnt, die wir als behandlungsbedürftige Pathologie betrachten, ist sehr subjektiv und vom eigenen Leidensdruck und den eigenen Persönlichkeitseigenschaften abhängig. ADHS ist keine Persönlichkeitseigenschaft. Kreatives offenes Denken aber durchaus. Menschen mit ADHS können u.U. gezwungen sein, ungewöhnlich zu denken, weil sie nicht auf routinierte Denkprozesse zurückgreifen können.
Ich wehre mich so vehement gegen diese Aussage, dass es ohne ein Fitzelchen ADHS keine Kreativität gäbe - zum einen, weil da Begriffe durcheinandergeraten, aber auch, weil es mir stark nach narzisstischer Selbstüberhöhung klingt und darauf zielt zwischen "Denen" und "Uns" zu unterscheiden, ADHS praktisch zu ethnifizieren. Und das ist eine Denkweise, die ich nicht teile und die Menschen mit ADHS m.E. einen Bärendienst erweist.
Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich in einer Familie aufgewachsen bin, in denen ADHS mit narzisstischer Auslenkung https://www.adhspedia.de/wiki/Selbstwah ... slenkungen einherging, was letzlich in der Selbstüberschätzung eigener Besonderheiten ("wir sind ja sooo sensibel" / "wir sind ja sooo kreativ") einherging - verbunden mit der daraus resultierenden Verhaltensstrarre und Rücksichtslosigkeit. Mag sein.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von K_Punkt » So 1. Dez 2019, 10:32

Auch wen ich diese These so nicht haltbar finde, (keine Definition, weder von Kreativität noch von "von Natur aus")
fühle ich mich damit ganz gut beschrieben. Es ist eben Denken ohne Box.
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 30. Nov 2019, 19:20

in dem Link https://www.mainpost.de/regional/schwei ... 63,7087276 findet man das Zitat von Cordula Neuhaus, wonach Menschen mit ADHS die einzigen genuin kreativen Menschen überhaupt seien... wie gesagt, es gibt auch Kreativität ohne ADHS, aber diese Form von Kreativität oder "Kreativität" (mit "" oder ohne "", das ist Definitionssache), die ist eben nicht genuin, also nicht von Natur aus...
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 30. Nov 2019, 19:17

Nono hat geschrieben:
Sa 16. Nov 2019, 17:45
Hallo,

kann es eigentlich Kreativität ohne eine zumindest kleine Portion ADHS geben?

Das würde mich doch jetzt mal sehr interessieren...

Was ist Kreativität... neue Ideen, andere Verknüpfungen, andere Assoziationen... ist Voraussetzung nicht dann eigentlich auch sowas, dass die Synapsen Inhalte irgendwie nicht so sauber trennen...?

Irgendwie fehlt mir das fachliche chemische Verständnis und das geeignete Vokabular... aber vielleicht gibt es dazu ja auch schon was auf ADxS.org?

Und gibt es diese kleine Portion ADHS auch ohne starke Ausprägung der Symptome, die das Ganze je nach Stärke der Ausprägung zu einer "Krankheit" machen?
Ja, es kann auch Kreativität ohne zumindest eine kleine Portion ADHS geben... und zwar durch eine Art Training der Kreativität, durch biographische Faktoren, durch Sozialisation... jemand, der in einer Hippie-Gesellschaft aufwächst und dort sozialisiert wird, der wird quasi zu kreativer und offener Denkweise trainiert... jemand, der dagegen in einer Gesellschaft sozialisiert wird, die jegliche Kreativität und Auslebung von Kreativität verbietet, ohne zumindest "ein bisschen" ADHS ist Kreativität dort Fehlanzeige... Cordula Neuhaus wurde mal in der Mainpost mit der Aussage zitiert, dass Menschen mit ADHS die einzigen genuin kreativen Menschen überhaupt seien... zu Kreativität durch ADHS fällt mit mind-wandering ein, siehe dazu J.K. Rowling und die Geschichte zur Entstehung von Harry Potter https://www.tagesspiegel.de/wissen/psyc ... 20226.html
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von UlBre » Di 19. Nov 2019, 20:08

K_Punkt hat geschrieben:
Di 19. Nov 2019, 17:43
Ich habe mich nie für einen kreativen Menschen gehalten.
Ja, wenn man etwas das ganze Leben so gewohnt ist, merkt man das nicht...
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Re: Kreativität ohne ADHS?

Ungelesener Beitrag von K_Punkt » Di 19. Nov 2019, 17:43

Ich habe mich nie für einen kreativen Menschen gehalten.
Kann nicht male, schreiben oder Statuen aus dem Stein schlagen.

Mittlerweile weiß ich aber, dass ich anders denke als viele Menschen um mich herum.
Auch wenn es um technische und konstruktive Dinge geht.

Ein Prof wollte von uns Vorschläge die sich "outside of the box" befinden.
Zu meinem sagte er "das ist ja einer ohne Box".
Finde mich damit ganz gut beschrieben.

Mein Problem ist aber, dass es mir verdammt schwer fällt nicht kreativ zu sein
und mich einfach mal an das halte, was vorgegeben ist.

K.
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