Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsberichte?

Testung, Testverfahren, Onlinetests, Diagnosesicherheit, Komorbidität (* -> Für Gäste sichtbar)
Khan
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Khan » Mo 16. Nov 2020, 21:16

Ich habe anfang nächsten Monat einen Termin zur Diagnostik. Mir hat man nur mitgeteilt, meinen Überweisungsschein und meine Krankenkassenkarte mitzubringen.

Also kein Wort von Zeugnissen erwähnt, wobei ich meine von der 1.bis zur 13. Klasse geordnet im Ordner liegen habe...
Wir kommen von Gott und kehren zu ihm zurück.
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Nelumba_Nucifera
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Nelumba_Nucifera » Mo 16. Nov 2020, 21:41

@Khan

wenn die passendes aussagen , Kopien mit einpacken, wenn die die zeugnisse dann nicht wollen , ist es ja egal.
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UlBre
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von UlBre » Mo 16. Nov 2020, 21:52

@Rocco
Was n Unfuch.
Ich bin ja wahrlich kein großer Fan von DSM und ICD aber weder im einen noch im anderen steht was davon, dass bestimmte Grundschulzeugnisinhalte zwingende Voraussetzung wären. Was kommt als nächstes ? Sie hatten in der zweiten Klasse eine zwei in Mathe, damit können Sie kein AD(H)S haben ?

Und was ist mit late onset ? Alles Fakenews, oder was ?

Grmpfzt...
Schräghaftigkeit ist so ähnlich wie Huchbegabt. Nur ganz anders.
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Hedwig » Mo 16. Nov 2020, 23:07

Ich habe meine kompletten Schulzeugnisse sauber geordnet in einem Ordner, den vermutlich meine Mutter mal angelegt hat und der liegt irgendwo auf irgendeinem Tisch vermutlich im Keller zwischen irgendwelchen Papieren und Fotos und ungeöffneten Scheidungsbriefen.

Meine Zeugnisse enthalten glaub ich überhaupt gar keinen Hinweis auf ADHS. Bzw. der Lehrer hatte es nicht sehen wollen, hat mich zum IQ-Test und zum Musikunterricht geshcickt.

Beim Termin bei der Psychiaterin habe ich einfach behauptet, die hätte ich verschlampt.

Dann haben die mich auch nach Aggressivität in der Kindheit gefragt.
Als braves Mädchen ist man dann geneigt, nein zu sagen. Dann ist mir meine Schwester wieder eingefallen. :nothere :aufsmaul

Ich musste wirklich aufpassen, dass ich der Ärztin nicht auch die Version von mir präsentiere, die man halt so für gewöhnlich und gesellschaftstauglich rüberbringt.

Rocco, ich bin ehrlich gesagt etwas schockiert von Deiner Odyssee!!! Du hattest doch vor 2 Wochen den Termin, warum dauert es jetzt 3 MONATE?

DAs ist echt schräg. Ich hätte Anfang Dezember einen Termin bei einem Psychiater zu vergeben, den ich im Frühjahr ausgemacht habe. Wahrscheinlich bist Du zu weit weg.

Lass Dir das nicht gefallen.
Hasta la vista, baby! :twisted:
Hedwig
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Hedwig » Di 17. Nov 2020, 06:51

@Rocco
Musste grad an Dich denken.
Das ist ja schon unterlassene Hilfeleistung von dem Arzt.

Bist Du gesetzlich versichert? Ruf mal bei Deiner Kasse an und erzähl das. Die nehmen das Ernst und geben Dir andere Ärzte und dann telefonier die durch. Ich weiß, das ist schwer.

Mein Sohn war auch bei einer Ärztin wegen Verdacht auf ADS. Seine Grundschulzeugnisse hatte ich ihm wärmstens empfohlen mitzunehmen, weil es darin deutlich wird.

Hat er vergessen. Ärztin fragte, ob er als Kind aggressiv war. Er: Nö. Und noch so ein paar Fragen. Ärztin: ist nix.

Mein Sohn hat nie wieder einen zweiten Versuch unternommen.
Es ärgert mich so, dass diesen Ärzten nicht klar ist, wie schwer es überhaupt ist, einen solchen Termin zu machen und pünktlich zu erscheinen.

Gib nicht auf!
Hasta la vista, baby! :twisted:
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Rocco
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Rocco » Di 17. Nov 2020, 15:44

Hey Leute,
Danke für eure Nachrichten.

Ich bin derzeit in einer sehr guten Phase. Sowas hatte ich noch nie. Also total euphorisch. Das Gespräch von gestern, trübt meine Stimmung derzeit absolut gar nicht.

Also er meinte, mich würde demnächst noch eine Psychologin anrufen, die auf ADHS spezialisiert ist. Die arbeiten anscheinend mit der zusammen in Fällen von ADHS.

Ich habe auch nochmal nach einer ersten flüchtigen Einschätzung gefragt, auch ob ADS oder ADHS und er meinte, was mich sehr überrascht hat, dass ich wohl eher ADHS habe.

Ach und ich muss vor dem Termin im Februar ein Drogenscreening vorweisen, weil da Konzentrationstest und IQ test gemacht werden.
Ich musste ja während der mpu auch immer so ein screening machen, das hat aber immer minimum 2 wochen gedauert, bis das da war. Aber die wollen, dass ich das 1woche vorher mache.

Und wegen den Zeugnissen...
Er meinte das bräuchte er, um am Ende die Diagnose stellen zu können. Ich habe ihm etwas aus der Schulzeit berichtet, darauf hat er gesagt, dass diese Informationen wertlos sind für die Diagnose.

Es gibt bei mir einen Facharzt ca. 30km weit entfernt, der auf adhs spezialisiert ist. Ist aber eine privatklinik. Ich wollte da sowieso meine zweitmeinung einholen.
Wer im Fischglas sitzt, sollte mit Steinen werfen.
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von blauschwarz » Di 17. Nov 2020, 17:19

:shock: Oh nein Rocco, ich habe es jetzt erst gelesen. Was ein Schmu!!!
hast du vielleicht noch andere ... "Schriften" aus der Kindheit? Denn offensichtlich geht es ihm ja um einen schriftlichen Hinweis von damals. Zum Beispiel ein Kurzbericht nach einem Ferienlager/ Verein / Sprachkurs...?
Hast du Photos die deine Träumerei/Abenteuerlust bezeugen? Hast du Photos von zig verschiedenen Sportarten weil du ständig eine neue ausprobiert hast? was weiß ich...
Ich habe ehrlich gesagt vergessen aus welcher Ecke du kommst :rotwerd
In Thüringen / Sachsen / Sachsen-Anhalt hätte ich sonst einen Tipp für dich...
Dass die Symptomatik bis zu einem gewissen Alter angefangen haben muss, ist nicht das Gleiche wie Hinweise in den Zeugnissen :x
Das mit dem Drogentest versteh ich auch nicht. Ein Arzt muss seinen Patient*innen bis zu einem gewissen Grad auch einfach vertrauen. Man kann sich ja auch vorher alles anlesen, was man so sagen soll, wenn man da schwindeln will, schafft man das auch. Ich musste keinen Drogentest machen... Und meine Unterlagen aus der Kindheit waren auch nicht da, weil mein Doc sie verschusselt hat :D
Willst du jetzt in dieser Privatklinik eine Testung machen? Bist du sicher, dass du dann zahlen muss? Bin nämlich auch in einer Privatklinik, aber für die ADxS-Geschichte hat der Doc ne Extra-Zulassung mit den Krankenkassen...

Viele Grüße!!
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Frozenheart » Di 17. Nov 2020, 18:45

Verstehe das auch nicht. Mein Arzt (Spezialist für ADHS bei Erwachsenen) hat mich nicht nach Zeugnissen gefragt. Bei dem läuft das so:

Man ruft an und erhält per Mail einen riesen Fragebogen für sich selbst und einen für den Partner (der muss alleine ausfüllen). Der wird geprüft und bei Verdacht auf ADHS bekommt man einen Termin. Dort wird ein TAP Test gemacht und hat ein Gespräch mit einer spezialisierten Psychologin. Die geht die Fragebogen und einen weiteren genau mit einem durch und hinterfragt auch die Kindheit. Im zweiten Termin macht er ein EEG und hat es mit mir zusammen ausgewertet und genau erklärt was man da so sieht und was es bedeutet. Dann hat er die Diagnose gestellt und die Medikation besprochen. Gegangen bin ich mit Info Material und einem Rezept. Aktuell schaue ich wegen der Dosierung dann geh ich wieder hin.

Seit 2016 ist kein Arzt oder Psychologe darauf gekommen. Auch in zwei Kliniken wurden mir diverse Diagnosen (Persönlichkeitsstörungen...) gestellt nur kein ADHS. Alles passte nicht wirklich auf mich. Medis halfen etwas gegen meine Depressionen aber nicht gegen die Probleme. Erst meine neue Psychologin kam dann vor einiger Zeit mit ADHS ums eck auch weil meine Tochter anzeichen dafür zeigt. Jetzt setze ich meine Hoffnung auf die Medis und suche auch einen Spezialisten (Therapeuten) auf dem Gebiet da meine bisherige Therapie ausläuft.
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Falschparker » Mi 18. Nov 2020, 11:22

Rocco hat geschrieben:
Di 17. Nov 2020, 15:44
Und wegen den Zeugnissen...
Er meinte das bräuchte er, um am Ende die Diagnose stellen zu können. Ich habe ihm etwas aus der Schulzeit berichtet, darauf hat er gesagt, dass diese Informationen wertlos sind für die Diagnose.
Ja, aber was soll das dann werden wenn es fertig ist? Drogenscreening, Psychologin, und dann stellt er doch keine Diagnose?

Berichte sind wertlos? Jede ADHS-Diagnose fußt ganz wesentlich auf Berichten des Betroffenen (und seiner Angehörigen im Idealfall). Ein Arzt, der mündlichen Schilderungen nicht glaubt und für alles schriftliche Belege braucht, kann der psychische Störungen behandeln? Oder sucht der Gründe, sie nicht zu behandeln?
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Nelumba_Nucifera » Mi 18. Nov 2020, 15:38

Ich kann mir gut vorstellen das manche Ärzte im Bezug zu ADHS und Medikation und BTM auch verunsichert sind und sich vielleicht nichts nachsagen lassen wollen und unbegründet auf 100% sicher gehen wollen.

Ich kann mir gut vorstellen das es den Pro ADHS Fachleuten ähnlich geht wie uns wenn die auf Antifachleute stossen. :aufsmaul

Mein Psychologe der ADHS Diagnostiziert hat, war echt sauer was da eine andere Kollegin meinte zu argumentieren , warum ich kein ADHS haben könnet aber stattdessen....
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 22. Nov 2020, 08:01

Rocco hat geschrieben:
Mo 16. Nov 2020, 11:12
Ich hatte den Termin heute, bin gerade raus. Ich fand es war ein ganz gutes Gespräch. Ging sich hauptsächlich um die Symptome. Er meinte einiges spricht dafür und einiges dagegen. Ohne Zeugnisse, kann er aber keine Diagnose machen, hat er gesagt.

Der nächste Termin ist im Februar 🙄
Bestes Zitat von Neuhaus: "Wer will, sucht Wege, wer nicht will, sucht Gründe."
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 22. Nov 2020, 08:07

Frozenheart hat geschrieben:
Di 17. Nov 2020, 18:45
Seit 2016 ist kein Arzt oder Psychologe darauf gekommen. Auch in zwei Kliniken wurden mir diverse Diagnosen (Persönlichkeitsstörungen...) gestellt nur kein ADHS. Alles passte nicht wirklich auf mich. Medis halfen etwas gegen meine Depressionen aber nicht gegen die Probleme. Erst meine neue Psychologin kam dann vor einiger Zeit mit ADHS ums eck auch weil meine Tochter anzeichen dafür zeigt. Jetzt setze ich meine Hoffnung auf die Medis und suche auch einen Spezialisten (Therapeuten) auf dem Gebiet da meine bisherige Therapie ausläuft.
...und was denkst Du, wie oft das seit Anbeginn der modernen Geschichte der Psychiatrie, so grob seit ungefähr 1950, in ähnlicher Weise der Fall war.... da wurde unzähliges und unsägliches Leid angerichtet durch diejenigen, von denen sich der Patient Heilung und Linderung erhofft hat...

Ich bin übrigens dafür, gegen entsprechende Ärzte und Psychologen vorzugehen...
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Canis Minor » So 22. Nov 2020, 11:44

Hallo Forenmitglieder,

ich bin neu hier im Forum und möchte mit Euch mal meine bisherige Ärzteerfahrung teilen.

Ich hoffe, der Text wird nicht zu lang (ich weiß, lange Texte sind ätzend).

Ein paar Worte zur Vorgeschichte:
Mein Lebenslauf sieht wohl aus, wie von vielen anderen hier. Ständige Wechsel, nichts von Dauer, viel angefangen, viel abgebrochen.

In der Schule bestanden in allen Fächern Probleme, in denen Auswendiglernen oder Matheformlen größere Relevans hatten. Jahr für Jahr war ich in Fächern wie Mathe, Physik, Chemie und Deutsch versetzungsgefährdet. Manchmal hat es zur Versetzung gereicht, Drei Mal hat es nicht gereicht.

Die Probleme blieben nicht unbemerkt und so war ich bereits mit 16 in psychologischer Behandlung. Dort wurde eine Depression diagnostiziert.
Eine Diagnose die sicher nicht ganz verkehrt war. Jedoch glaube ich heute, dass es Resultat und nicht ursächlich war. Es bestand eine gedrückte Stimmung aufgrund von Misserfolg, nicht Misserfolg aufgrund von gedrückter Stimmung. Dies glaube ich auch, da sich diese Depression jedes Jahr mit den Sommerferien für einige Wochen in Luft auflöste.
Ich glaube, es wurde einfach das diagnostiziert, was man kannte. Aber als Kind hinterfragt man eine Diagnose eines Arztes ja nicht. Der wird schließlich schon wissen, was er sagt.....

Es folgten über die Jahre mehrere Psychotherapien, die mir bei meinen Problemen in keinster Weise halfen. Die Medikamente, die ich bekommen habe (Citalopram, Mirtazapin, etc.), halfen mir in den bestehenden Problemen nicht weiter und hatten teilweise gar keine Wirkung.

Erst mit 34 bin ich zufällig auf einen AD(H)S-Verdacht gekommen. Mir war schon länger aufgefallen, das meine Tics morgens und spät am Abend schwächer sind und ich suchte im Internet nach dem Grund. In einem Artikel laß ich, dass solche Tics häufig in Verbindung mit AD(H)S auftreten. Ich laß die Symptome von AD(H)S durch und dachte: BINGO! Das völlige Chaos in meinem Leben fügte sich auf einmal zu einem stimmigen Bild zusammen.
Da es bei meinem Onkel bereits im Kindesalter diagnostiziert wurde und sowohl meine Mutter, wie ihre Schwester auch gewisse Muster zeigen, dachte ich, ich sollte das abklären.

Direkt sprach ich meinen Hausarzt, der auch Psychotherapeut ist, auf meinen Verdacht an. Seine Antwort: „So, wie ich Sie kenne, wäre das mein erster Verdacht“.

Ich sprach die Psychologin, mit der ich zuletzt in Kontakt war, auf meinen Verdacht an. Sie meinte, dass dies gut sein könne, sie jedoch keine Ahnung davon habe.

Da ich auf der Suche nach einer Praxis, die sich mit AD(H)S auskennt, im Internet wenig Erfolg hatte (Arztpraxen und das Internet sind ein Thema für sich), wendete ich mich an die Krankenversicherung und bat um eine Arztvermittlung.

Telefonisch schilderte ich dem Mitarbeiter der Krankenkasse was ich suchte und er teilte mir Praxis und Datum mit, wo ich mich mit meinem Problem einfinden durfe.

Einige Wochen später hatte ich meinen Termin in dieser Praxis. Dort sagte man mir, dass ich mit meinem Verdacht richtig liegen könnte, aber man leider doch keine Ahnung von AD(H)S habe.

Man leitete mich an eine andere Praxis weiter, die Ahnung von AD(H)S habe. Dort also angerufen und einige Wochen später hatte ich meinen Termin.
Nach dem schildern meiner Probleme sagte man mir, dass man ADHS schon für sehr wahrscheinlich halte, diese Praxis aber nur AD(H)S-Patienten betreue. Eine Diagnosestellung würde sie nicht anbieten. Man leitete mich weiter zu einer anderen Praxis, die eine Diagnose stellen könne.

In der Praxis also angerufen und wieder einige Wochen später hatte ich meinen Termin. Dort sagte man mir, dass ich durchaus Recht haben könnte mit meinem Verdacht und dasss die Praxis auch diagnostizieren würde, aber leider aktuelle keine Kapazitäten frei hätte und auch keine neuen Patienten annähme. Warum auch immer trotzdem ein Erstgespräch angenommen wurde..... ich habe keine Ahnung. Dort gab man mir aber die Adressen einiger Tageskliniken, an die ich mich wenden könne.

Ich machte bei einer Tagesklinik einen Termin und ein halbes Jahr später hatte ich mein Erstgespräch.
Einige Tage später teilte man mir telefonisch mit, dass ich mir ein paar Fragebögen abholen könne.
Ich fuhr am nächsten Tag los, holt die Bögen, füllte sie aus und am nächsten Tag brachte ich sie zurück.
Dann hörte ich nichts mehr.

Als ich zwei Monate später einmal anrief, sagte man mir, man werde sich bald bei mir melden.
Als ich einen Monat später anrief, sagte man mir, man werde sich demnächst bei mir melden.
Als ich einige Wochen später anrief, sagte man mir, man werde sich in ein paar Tagen bei mir melden.
Als ich einige Wochen später anrief, sagte man mir, man werde sich nächsten Mittwoch bei mir melden.
Am Freitag vor Weihnachten habe ich dann schließlich die Psychologin ans Telefon bekommen. Ihre Diagnose: Ich solle doch mal eine Maltherapie machen.
Das wars.

Etwas schriftliches habe ich bis heute nicht bekommen und ich glaube, da kommt auch nichts mehr.

Also neuer Termin in der nächsten Tagesklinik gemacht. Schnell bei einem neuen Psychotherapeuten (der gerade Termine frei hatte) einen Termin gemacht um eine neue Überweisung zu bekommen und wieder ein halbes Jahr später hatte ich mein Erstgespräch.
Dann folgten im Monatsrythmus die Abgabe meiner Fragebögen, Computertest und Abschlussgespräch.

Im Abschlussgespräch teilte man mir mit, dass mein Krankheitsbild nicht eindeutig sei und man deshalb einfach die alte Diagnose Depression beibehalten habe.

Auf meine Frage, wie man sich bei einem nicht eindeutigen Krankheitsbild auf eine Diagnose festlegen könne und ob es nicht besser sei, das Diagnoseverfahren zu vertiefen, erhielt ich keine Antwort.

Zwar sei mein Symptombild recht klar, aber man habe aufgrund der Fragebögen Zweifel, dass es bereits im Kindes- und Jugendalter bestand.

Auf meine Frage, ob es vielleicht wichtig sei, dass ich alles, woran ich nach über 30 Jahren keine Erinnerung mehr hatte, pauschal mit „Nein“ beantwortet hatte, erhielt ich keine Antwort.

Einige Fragen hatte ich nicht beantwortet, weil sie eben Auslegungssache waren und auf meine Frage, ob man nicht den Fragebogen, wie ich es schon bei der Abgabe des Fragebogens erbeten hatte, besprechen könnte, erhielt ich keine Antwort.

Hinzu kam, dass auch meine Grundschulzeugnisse gegen eine AD(H)S-Diagnose sprechen würden. Zwar enthielten sie eine Menge Beschreibungen wie: „beteiligt sich nicht am Unterricht“, „lebt in seiner eigenen Welt“, „betrachtet Ausarbeitungen lediglich als notwendiges Übel“, etc.
Aber erst ab 3. Klasse, 1. Halbjahr. Und dies sei unmöglich! Es müsse spätestens 2. Klasse, 2. Halbjahr auftauchen.

Auf meine Frage, ob es nicht relevant wäre, dass ich ein Jahr früher eingeschult wurde, erhielt ich keine Antwort.

Auf meine Frage, ob es vielleicht relevant wäre, dass nach der zweiten Klasse der Klassenlehrer gewechselt hatte und der neue vielleicht etwas aufmerksamer war, erhielt ich keine Antwort.

Auf meine Frage, wie es jetzt weitergehen solle, gab man sich großzügig. Man stellte mir in Aussicht, dass ich bei Nachweis einer ausgiebigen Psychotherapie und dem Nachweis eines Drogenscreenings den Computertest in ein bis zwei Jahren wiederholen dürfe.

Auf meine Frage, zu welchem anderen Ergebnis die Diagnose dann kommen solle, wenn zur Diagnosestellung wieder die selben Fragebögen herangezogen werden, erhielt ich keine Antwort.

Ich erklärte, dass ich bereits mehrfach Psychotherapien hatte und das sie ebenso wie die Medikamente nicht weitergeholfen hätten. Ich erklärte, dass mehrere Psychologen bei mir keine Konflikte, sondern nur Symptome sehen und AD(H)S für sehr wahrscheinlich halten.

Aber es blieb dabei.

Unaufgeforderter stellte man mir direkt auch klar, dass ich es gar nicht erst versuchen bräuchte, mich an eine andere Tagesklinik zu wenden, da ich diese Fragebögen ja schließlich überall ausfüllen müsse.

Auf meine Äußerung, dass ein Arzt, ein Psychologe im Besonderen, seinen Patienten doch als Individuum betrachten müsse und dieses Schablonendenken doch völliger Quatsch sei, zeigte man sich empört und nahm dies zum Anlass, mich fortan von jeglicher Behandlung in der Klinik auszuschließen.

Es geht also weiter.

Eine Tagesklinik in der Nähe könne die Diagnosestellung im Moment nicht anbieten, weil Personal knapp sei und sie noch Patienten der Geschloßenen mitbetreuen müssten.
Eine Tagesklinik sieht sich vom Einzugsgebiet her nicht mehr zuständig.
Eine Tagesklinik möchte sich in den nächsten Monaten bei mir melden.
Und in einer Tagesklinik könne ich mich im August nächsten Jahres auf die Warteliste setzen lassen – für 2024.....

So langsam gehen mir die Adressen aus.....
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 22. Nov 2020, 12:14

https://www.klein-kreienkamp-oehler.de/

https://www.menschen-mit-adhs.de/

Diese Adressen empfehle ich wärmstens weiter.
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 22. Nov 2020, 12:18

In welcher Region wohnst Du denn, @ Canis Minor?
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 22. Nov 2020, 12:20

Des weiteren empfehle ich noch die Schön Klinik in Bad Bramstedt und Dr. Martin Winkler https://adhsspektrum.com/ , Martin Winkler am besten per E-Mail anschreiben
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 22. Nov 2020, 12:22

Für die Diagnostik ansonsten auch Thomas W. in Ludwigsburg-Pflugfelden, den ich langjährig kenne
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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von UlBre » So 22. Nov 2020, 12:59

@Canis Minor

Hi,

willkommen im Forum. Leider der fast übliche Leidensweg. Mit AD(H)S kennen sich viele zu wenig aus und die Motivation, sich auf AD(H)S zu spezialisieren ist bei Ärzten und Therapeuten aufgrund der AD(H)S-spezifischen Sprunghaftigkeit und Unzuverlässigkeit der Patienten begrenzt...

Adressen kriegst Du hier und so:
viewtopic.php?f=8&t=409


Viele Grüße

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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von blauschwarz » So 22. Nov 2020, 13:48

@Canis Minor ach du meine Güte, wie lange bist du da jetzt insgesamt hinterher? Du hast auf jeden Fall mein Mitgefühl, das ist ja wirklich furchtbar. Grrr... da fange ich an (offline) zu fluchen....
:jammer

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Re: Verhalten der Ärzte - Wie ist es euch bei Diagnostik und bei einer etwaigen Odysee zuvor ergangen? Erfahrungsbericht

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 22. Nov 2020, 14:44

blauschwarz hat geschrieben:
So 22. Nov 2020, 13:48
@Canis Minor ach du meine Güte, wie lange bist du da jetzt insgesamt hinterher? Du hast auf jeden Fall mein Mitgefühl, das ist ja wirklich furchtbar. Grrr... da fange ich an (offline) zu fluchen....
:jammer

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Derartiges unethisches Verhalten von Ärzten und Psychologen gehört bestraft und muss bestraft werden. Und nicht nur rede, mache!
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