Kann es sein...?

Testung, Testverfahren, Onlinetests, Diagnosesicherheit, Komorbidität (* -> Für Gäste sichtbar)
Irrlicht
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Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Irrlicht » Sa 24. Apr 2021, 17:15

Hallo liebes Forum,

ich bin Neuling und bis dato ohne ADHS-Diagnose. Dafür habe ich eine andere bekommen. Dazu gleich mehr. Kurze Vorstellung:

Ich bin Ü30, arbeite medizinischen Bereich. Abitur mit Ach und Krach (2,7) gemacht und dann nach einem abgebrochenen Studium die Ausbildung angefangen.
Tja, soweit so gut... oder auch nicht, denn: irgendwie habe ich Probleme...

Ich hatte im März 2019 mal wieder eine depressive Phase, die mich mal wieder so heruntergezogen hat, dass ich gesagt habe: jetzt reicht es. Ich brauche Hilfe.
Also zum Psychotherapueten und aufgrund des Therapeutenmangels bin ich bei einer PiA (Psychothereputin in Ausbildung) gelandet. Seitdem bin ich dort in Behandlung und auch ganz zufrieden. Die Therapie hat mir geholfen mich ein bisschen besser zu verstehen und andere Sichtweisen zu erlangen als meine eigenen.
Nach einem Jahr gab es dann die Diagnose für mich: Bipolare Störung (Mischform). Toll...hatte meine Oma auch. Und ich bin skeptisch.

Beim Erstgespräch mit dem eigentlichen Psychotherapeut der Praxis stand auf meinem Zettel (ich weiß nicht mehr wie er heißt...die "Eintrittskarte für die Psychotherapie"): Depression? Differentialdiagnose: ADHS.
Der erste Hinweis.
Das haben wir dann auch zu Beginn der Therapie thematisiert, ich sollte Zeugnisse mitbringen aus der Grundschulzeit, habe mir aber innerlich gesagt: ach quatsch, das haste nicht. Kriegen nur Jungs etc pp (die typischen Vorurteile)....dabei hatte ich allerdings so einige Gedankenblitze aus der Vergangenheit im Kopf, die mir was anderes sagten. Ich habs aber ignoriert.
Ich habe ihr erst neulich meine Zeugnisse aus der Grundschulzeit geschickt und da standen ziemlich ADHS-typische Sachen drauf, so dass ich es momentan wieder für möglich halte, dass das doch eine Option sein könnte.

Nun habe ich die letzte Zeit mal hier im Forum geblättert und einen Artikel über ADHS im Erwachsenenalter gelesen. Und ich hatte das Gefühl der Autor schreibt über mein Leben...war ein Psychotherpeut aus Koblenz, der sich auf ADHS spezialisiert hat und es selbst auch hat. Ich finde es gerade leider nicht mehr.

Ich erwarte keine Diagnose, das geht im Internet nicht, aber ich finde Erfahrungen von anderen Betroffenen so unglaublich wertvoll und richtungsweisend, dass ich mich deswegen an dieses Forum hier wende.

Dennoch habe ich Zweifel, weil ewas nicht auf mich zurtifft:

Ich gelte auf Arbeit schon ein bisschen als verpeilt und vergesslich. Ich bekomme es aber grundsätzlich hin meinen Arbeitsalltag zu strukturieren und mich zu organisieren. Auch habe ich kein Problem damit Prioritäten zu setzen. Im Gegensatz: ich bin der Meinung, dass ich im Vergleich zu anderen Kollegen manchmal einen größeren Überblick habe. Ich "kicke" aber auch Sachen aus meinem mentalen Ablaufplan, die ich für unwichtig halte. Die andere Kollegen aber wichtig finden und dann sagen sie: Jacqueline, du bist so verpeilt.
Ich halte mich nicht gerne mit für mich unwichtem Zeugs auf sondern fokussiere mich auf das Ziel.
Deswegen habe ich mir damals und heute gesagt: ne, ADHS, das passt nicht.

Wie siehts privat aus:

Momentan tippe ich hier im Forum, dabei habe ich nur noch 6 Tage Zeit um meine Hausarbeit zu verfassen (ich studiere nebenberuflich etwas Pädagogisches), aber ich bin gerade so fokussiert auf dieses Thema, das mich das gerade nicht sonderlich interessiert. Ebenfalls zweifle ich auch schonwieder an diesen Studiengang und überlege abzubrechen. Ich kenne solche Gedanken von mir, habe aber inzwischen eine gewisse Impulskontrolle entwickelt.
Haushalt meistens eher chaotisch, vieles wird auf den letzten Drücker gemacht (zB die Zeugnisse einreichen s.o.), ich produziere viel Leerlauf und weiß nichts mit mir anzufangen bei 10000 Ideen im Kopf, was ich machen könnte.
Sozialverhalten ist normal, wenn ich die Leute mag. Wenn nicht und ich mit diesen abhängen muss, wirds problematisch. Auch hier: ich beiße mir inzwischen auf die Zunge, um Schaden für mich zu vermeiden. Das kostet mich aber unheimlich viel Kraft. Es hat aber auch schon öfters geknallt, in der Schule sowieso. Anfangs auf Arbeit auch, aber inzwischen sind die Grenzen abgesteckt bzw es ist friedlich.

Wo ist mein Leidensdruck?

Hauptsächlich meine Gedanken. In meinem Kopf ist immer so viel los, ich denke über so viel nach, bin innerlich extrem unruhig. An freien Tagen kann ich mich nicht erholen. Ich liege auf dem Sofa, bin innerlich aber unter Starkstrom. Wenn ich nicht denke, dann laufe ich rum oder ich suche mir ein Thema auf das ich mich fokussiere (z.Zt. ADHS) und suchte mit dem Smartphone rum.
Es ist NIE nichts. Ich hatte vor 4 Wochen meine Coronaimpfung und war am Tag danach krank. Ich habe meiner Therpeutin gesagt, dass das der schönste Tag seit langem war, weil ich endlich RUHE hatte. Kopf aus, nichts, nada.
Da habe ich wieder gemerkt, dass irgendwas nicht stimmt.
Ich lauge langsam aber sicher aus, weil ich nicht abschalten kann. Hinzu kommen diese depressiven Phasen, die eigentlich immer einen Auslöser haben. Sie kommen nicht aus dem Nichts.
Jetzt wo ich auf ADHS fokussiert bin fallen mir natürlich manche Sachen so auf, die passen könnten.
Ich sehe eine größere Schnittmenge mit ADHS als mit der bipolaren Störung.

Meine Frage an Euch: kann ADHS vorliegen auch wenn ich mich beruflich organisieren und strukturieren kann? Ich muss dazu sagen, dass es stark routinierte Abläufe sind. Ich mache die aus dem FF. Vllt gelingt es mir deswegen?
Aber deswegen glaube ich, dass es das nicht sein kann.

Meine Therapeutin hat inzwischen das Ende der Therapie angedeutet, da sie bald ihre Prüfungen hat. Finde ich ein bisschen enttäuschend, da ich diese Hammerdiagnose bekommen habe und jetzt entlassen werde. Sie hat einen Brief für mich angefertigt mit dem ich jederzeit zum Psychiater gehen kann für eine Medikation (die ich strikt ablehne und das habe ich ihr auch direkt gesagt am Anfang). Der Brief liegt seit einem Jahr ungenutzt bei ihr rum. SO groß ist der Leidensdruck noch nicht, aber das kann sehr sehr schnell bei mir kippen. Aber es war noch nie so gefährlich, dass ich sage: ohne Medikamente wirds lebensbedrohlich.
Gerade wegen dieser Labilität finde ich es gewagt mich da jetzt alleine zu lassen. Aber sie hat auch gesagt, sie will mit mir meine weitere Behandlung planen.

Ich hoffe es ist nicht zu ausführlich geraten, ich höre jetzt hier mal auf zu tippen. Für den ein oder anderen Tipp wäre ich wirklich sehr dankbar!

Viele Grüße,

Irrlicht


PS.: danke an den Erfinder des Internets. Man stelle sich die Situation noch vor 50 Jahren vor, wo man keine Möglichkeit hatte sich unabhängig zu informieren und sich mit anderen auszutauschen. Man musste diesem einen Therapeuten vertrauen. Und da ich in der Medizin arbeite weiß ich, dass nicht immer alles Gold ist was glänzt. Leider.
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Falschparker » Sa 24. Apr 2021, 17:40

Hallo,

nein, es ist nicht zu ausführlich geraten. Bloß keine Angst, wer keine Lust hat lange Texte zu lesen tut es eben nicht. Du schreibst angenehm und gegliedert, es macht keine Mühe deinen Text nachzuvollziehen.

Allerdings: Vorname, ungefährer Wohnort, Alter, Beruf und Ausbildung ziemlich detailliert, und das noch in einem von außen lesbaren Thread - bitte sei etwas vorsichtiger, du weißt nicht wer hier alles mitliest und ob du möchtest, dass man es hier noch in 10 Jahren nachlesen kann.

Wenn du möchtest können ich oder sonst jemand von Team diese Daten etwas verfremden.

Du meinst mit dem Koblenzer Psychologen vermutlich Jörg Dreher. Sein ziemlich umfangreicher Text, wenn du denselben meinst, ist wirklich gut.

Deine Zweifel sind unberechtigt. Das heißt ich sage nicht dass du ADHS hast, das weiß ich ja nicht, aber was du schreibst spricht nicht dagegen.

Auf einer Arbeitsstelle war ich der Einzige, der immer auf Enthärter und Klarspüler in der Geschirrspülmaschine geachtet hat (damals gab es noch keine Tabs, die alles enthielten). Nur ein Beispiel, es gibt überall in meinem Leben etwas, was ich wirklich gut kann und genauer mache als die Anderen. Aber leider längst nicht Alles. :mrgreen:

Medikamente braucht man nicht erst, wenn es lebensbedrohlich wird. Aber das ist natürlich deine Entscheidung und hängt, wie du ja selbst schreibst, vom Leidensdruck ab. Ich kann nur sagen, dass ich die Ruhe und Ausgeglichenheit nicht mehr missen will, die ich dadurch bekommen habe.

Abitur mit 2,7 kenne ich irgendwoher. :o

Viele Grüße und :willkommen
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Irrlicht » Sa 24. Apr 2021, 17:48

@Falschparker

Danke für deine schnelle Antwort. Du hast recht, das sind zu viele Angaben. Ich nehme die Einladung zur Entfremdung sehr gerne an :-) Ich dachte die Angaben wären hilfreiche Angaben. Sind sie auch, aber vllt hier nicht an der richtigen Stelle.

Ja, genau diesen Herrn meine ich! Sehr sehr vieles hat gepasst, aber auch nicht alles.

Deine Gedanken bezüglich der Medikation kann ich nachempfinden. Aber bei mir handelt es sich ja um die Medikation zur Behandlung der bipolaren Störung mit Antidepressiva und Lithium. Davor habe ich zurzeit so viel Respekt, dass ich davon absehe (auch wegen der milden Symptomatik momentan - toi toi toi).
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Prokrastine » Sa 24. Apr 2021, 19:13

Herzlich Willkommen!

Ich hatte mich durch beinahe alle psychischen Störungen gegoogelt; vieles traf auf mich zu, nichts passte ganz. Borderline und bipolar war weit vorne auf der Liste. ADHS hatte ich leider nie in Betracht gezogen, weil von niemandem angesprochen und weil ich selbst dieses "Zappelphilip-Bild" im Kopf hatte, was nicht auf mich zutrifft.

Mir ging es ähnlich; ich erkannte mich im ADHS, habe die Diagnose ganz neu, plötzlich so sehr wieder. Alles machte plötzlich Sinn. Und ja; einiges lässt mich auch manchmal stutzen. Zum Bespiel fiel meine schulische Leistung nicht negativ auf. Und dann rufe ich mir wieder in Erinnerung, dass die Krankheit so viele Gesichter hat, und dass man mit der Zeit auch sogenannte Coping-Strategien entwickelt. Also Bewältigungstrategien, die manchmal die Symptome etwas im Verborgenen lassen.

Bei mir wurde ewig auf den Depressionen herumgeritten und alles als Symptom von diesen angesehen, obwohl ich stets betont hatte, dass die Depressionen nicht der Anfang waren, und dass sie sich aus der ganzen Überlastung entwickeln.

Ich wünsche dir, dass du noch mehr Antworten findest, um herauszufinden, ob die Diagnose passt!
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 24. Apr 2021, 20:10

Natürlich kann ADHS vorliegen, ohne dass man (Frau) als äußerlich sichtbarer Total-Chaot durch die Welt torkelt. Das Gros von ADHS, der Symptome wie auch der Patienten verläuft subtil, unter der Oberfläche...

...was Bipolare Störung angeht: es kann auch beides vorliegen, Kurt Cobain zum Beispiel hatte beides, ADHS und parallel dazu als primär vorhandene Komorbidität ADHS...
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 24. Apr 2021, 20:13

...mehr dazu, zur Quantität und zu häufigen parallel bzw. "komorbid" auftretenden Dingen bei ADHS hier: viewtopic.php?f=7&t=124
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Falschparker » Sa 24. Apr 2021, 20:50

Irrlicht hat geschrieben:
Sa 24. Apr 2021, 17:48
Aber bei mir handelt es sich ja um die Medikation zur Behandlung der bipolaren Störung mit Antidepressiva und Lithium. Davor habe ich zurzeit so viel Respekt, dass ich davon absehe (auch wegen der milden Symptomatik momentan - toi toi toi).
Ach so. Na davor hätte ich auch Respekt, logisch.
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Nelumba_Nucifera » Sa 24. Apr 2021, 21:02

Hallöle und Herzlich willkommen hier !

Ich hatte mit deinem Text keine Probleme, mag es gar wenn jemand sich ausführlicher vorstellt.
Irrlicht hat geschrieben:
Sa 24. Apr 2021, 17:15
Meine Frage an Euch: kann ADHS vorliegen auch wenn ich mich beruflich organisieren und strukturieren kann? Ich muss dazu sagen, dass es stark routinierte Abläufe sind. Ich mache die aus dem FF. Vllt gelingt es mir deswegen?
Aber deswegen glaube ich, dass es das nicht sein kann.
Ich finde so einiges was du beschreibst passt schon auf ADHS, vor allem wenn ein dieses Forum einfängt und man alles andere dabei vergisst. ;-)

Also beruflich bekomme ich dass alles schon irgendwie hin weil ich es immer wieder versuche zu kompensieren. Aber kreativ Chaotisch sagt man mir schon wohl nach.
Bei mir meinte man z. B. ADHS sei auszuschließen weil ich in Therapiegesprächen konzentriert bin.
Viele die spät diagnostiziert wurden kamen deswegen an ihre Grenze, weil sie an vielen Stellen funktioniert haben , aber eben kompensiert und dann abgeschmiert und dann diagnostiziert.

Mach doch mal ein paar von den Testungen hier und schau mal ob es eine Tendenz gibt
https://www.adxs.org/adhs-onlinetest-umfragen/
Irrlicht hat geschrieben:
Sa 24. Apr 2021, 17:15
Jetzt wo ich auf ADHS fokussiert bin fallen mir natürlich manche Sachen so auf, die passen könnten.
Ich sehe eine größere Schnittmenge mit ADHS als mit der bipolaren Störung.
Da passiert wohl häufiger. Es könnte gar sein, dass deine depressiven Anteile sich durch eine ADHS Medikation verbessern können.
Eine ADHS Medikament ist vielleicht harmloser wie das was man bei dir angedacht hat?
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von allmighty » So 25. Apr 2021, 08:58

Hallo @Irrlicht und herzlich willkommen!

Wie ein leider ehemaliger User @Addy Haller, den ich hier sehr vermisse, immer gesagt hat, gehört ein Zweifel der Diagnose zur Adxs dazu.

Ich bin ebenfalls ein sehr strukturierter Menschen, kann sehr sehr gut Prioritäten setzen, dazu noch super organisiert und pünktlich.
Ich habe aber Adhs. Genau wie du es beschreibst, bin ich ohne Medikamente extrem nervös, meine Gedanken schwirren wie verrückt und ich bin unfähig zu entspannen.

Adxs ist eine Spektrumstörung, d.h. sie hat viele Gesichter. Und wie @Nelumba_Nucifera sagte, man kompensiert vieles und entwickelt für sich Strategien. Aber zum welchen Preis?
Lass dich testen, es tut nicht weh und schließlich hast du nichts zu verlieren.
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Ratte68 » So 25. Apr 2021, 10:16

Ihr sprecht mir alle aus der Seele in euren Beschreibungen erkenne ich mich wieder.
Jetzt muss ich endlich mal in die Puschen kommen und einen Arzt in Bremen finden der mich tetstet und mir auch glaubt das es Adas sein kann :fischglas
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Irrlicht » So 25. Apr 2021, 10:53

Vielen Dank für die Anonymisierung, so ist es gut! Auf PNs kann ich leider nicht antworten.
Prokrastine hat geschrieben:
Sa 24. Apr 2021, 19:13
Also Bewältigungstrategien, die manchmal die Symptome etwas im Verborgenen lassen.
...und die so viel Kraft kosten.
Prokrastine hat geschrieben:
Sa 24. Apr 2021, 19:13
ei mir wurde ewig auf den Depressionen herumgeritten und alles als Symptom von diesen angesehen, obwohl ich stets betont hatte, dass die Depressionen nicht der Anfang waren, und dass sie sich aus der ganzen Überlastung entwickeln.
Vllt ist es der Weg: man erkennt sich selbst in diesem Krankheitsbild. Und dann muss man sich das offiziell attestieren lassen von jmd, der es kann und darf.
Overthesky hat geschrieben:
Sa 24. Apr 2021, 20:10
.was Bipolare Störung angeht: es kann auch beides vorliegen, Kurt Cobain zum Beispiel hatte beides, ADHS und parallel dazu als primär vorhandene Komorbidität ADHS...
Hör mir auf...ja, du hast natürlich Recht. Ich bin auch so aktiv auf Lösungssuche, weil ich diese Diagnose abwenden möchte. Wie gesagt, meine Großmutter hatte es und sie hat sich umgebracht. Damals war das Stigma noch größer und die Behandlungen noch schlechter. Vieles hätte man heute vllt vermeiden können.

Ich weiß, dass es kein Handeln mit Diagnosen gibt, aber ich bin grundsätzlich eher kritisch als gutgläubig und meine Therapeutin hat gesagt, dass sie für die Diagnose auch nich 100%ig die Hand ins Feuer legen würde. Es ist die Diagnose für die Krankenkasse, damit wir weitermachen können.
Nelumba_Nucifera hat geschrieben:
Sa 24. Apr 2021, 21:02
Eine ADHS Medikament ist vielleicht harmloser wie das was man bei dir angedacht hat?
Meine heimliche Hoffnung....
allmighty hat geschrieben:
So 25. Apr 2021, 08:58
Ich bin ebenfalls ein sehr strukturierter Menschen, kann sehr sehr gut Prioritäten setzen, dazu noch super organisiert und pünktlich.
Ich habe aber Adhs. Genau wie du es beschreibst, bin ich ohne Medikamente extrem nervös, meine Gedanken schwirren wie verrückt und ich bin unfähig zu entspannen.
Genau so! Ich frage mich bloß, ob es mich extra Energie kostet das zu bewerkstelligen. Ich habe da vorher nie drüber nachgedacht. Das war eben mein Normal.
Mit Unpünktlichkeit habe ich auch keine Probleme, im Gegenteil, ich bin meist ne halbe Stunde eher da.
Aber ich bin auch ...naja, zwanghaft nicht, aber ich habe so meine Strategien: ich gucke oft auf die Uhr. Wenn ich die Wohnung verlasse wird alles kontrolliert, Stecker gezogen. Ich drehe ab und an um, weil ich denke, der Föhn o.Ä. ist noch an.
Wenn ich die Tür abschließe sage ich mir mental: du hast abgeschlossen. Du musst gleich nicht denken, dass du es nicht gemacht hast und wieder zurückgehen.
allmighty hat geschrieben:
So 25. Apr 2021, 08:58
ass dich testen, es tut nicht weh und schließlich hast du nichts zu verlieren.
In der Tat. Ich habe nichts zu verlieren. Ich werde auf jeden Fall weitersuchen und es in der Therapie ansprechen.

Erstmal: Vielen Dank für eure Beiträge!

Hat Euch denn die Diagnose geholfen? Und wenn ja, wie? Abseits der Medikamente? Gibt es eine spezielle ADHS Verhaltenstherapie? Meine Thereputin kommt mir auch mit Achtsamkeit..aber das funktioniert nicht so. Oder noch nicht.
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Nelumba_Nucifera » So 25. Apr 2021, 11:42

Bezüglich deiner Großmutter , vielleicht hatte die ja auch unerkanntes ADHS .
Ich meine das @Overthesky dazu mal einen Beitrag gelinkt hat, dass die suizidrate bei Frauen mit unerkanntem ADHS höher ist.

Sieht du denn ADHS bei Familienmitgliedern?
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Irrlicht » So 25. Apr 2021, 12:23

Nelumba_Nucifera hat geschrieben:
So 25. Apr 2021, 11:42
Bezüglich deiner Großmutter , vielleicht hatte die ja auch unerkanntes ADHS .
Das kann gut möglich sein.
Nelumba_Nucifera hat geschrieben:
So 25. Apr 2021, 11:42
Sieht du denn ADHS bei Familienmitgliedern?
Vllt...? Ich verstehe diese Krankheit auch ehrlichgesagt (noch) nicht. Und diagnostiziert ist gar nichts. Leider.
Es gibt da einen starken Verdacht: mein Vater ist leider alkoholkrank. Er ist ein sehr intelligenter Mann und auch sehr warmherzig, wenn der Alkohol nicht alles verschleiern würde.
Er hat mir mal aus seinem Leben erzählt, dass seine Eltern wollten, dass er unbedingt studiert. Er hat dann ein Ingenieursstudium angefangen, hat aber gemerkt, dass es nicht das ist, was er möchte. Er hat dann eine Lehre zum Tischler gemacht, erfolgreich abgeschlossen und damit war er glücklich. Er hat sich immer riesig gefreut, wenns neue Werkzeuge gab und hat mich über die Vorteile von Holzarten etc belehrt^^
Aber auch schon zu Lehrzeiten hat sich der Alkohol eingeschlichen. Das hat ihn nach und nach zerstört. Er hat dann fast alleine (!!!) ein Mehrfamilienhaus gebaut (also 8 Parteien od. mehr), vom ersten Stein bis zum Dachziegel. Da war ich schon auf der Welt. Und ich glaube, das hat ihn psychisch gekillt (also das Haus xD). Das war zu viel. Danach gings rapide bergab. Ich hab gelesen, dass ADHS oft zu Suchterkrankungen führt.
Ich will ihn mal fragen, wie seine Schulzeit so war.

Meine 3 Brüder, 2 sind ebenfalls in psychischer Behandlung, aber eher wegen psychosomatischer Symptome und depressiver Verstimmung. Dazu: es sind meine Halbbrüder, sie haben einen anderen Vater.

Aber mein 3 Bruder...ist schon auffällig. Isst schnell, redet schnell, ist unruhig, handwerklich extrem begabt, baut Häuser, kauft Häuser, macht alles selbst.
Er ist aber der Glücklichste würde ich tippen, da er das macht was er liebt. Werkeln, Tüfteln und Rumschrauben.
Als Kind hat er verschiedene Elektrogeräte die Treppe runtergeworfen, damit er sie reparieren kann. Staubsauger etc. Schulische Leistungen eher unterdurchschnittlich und heute ein erfolgreicher Mensch.

Aber diese ganzen Sachen sehe ich erst so, seitdem ich vom Krankheitsbild ADHS weiß. Deswegen weiß ich nicht, ob ich mir das auch zurechtbiege.
Den Verdacht habe ich aber.
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 25. Apr 2021, 17:39

Zu ADHS und Alkoholabhängigkeit schaust du hier: viewtopic.php?f=5&t=1935

Prominente Fälle in Deutschland, bei den sowohl die Diagnose ADHS als auch Alkoholabhängigkeit vorliegt, sind Jan Ulrich und Nadja "Naddel" abdel Farag übrigens...

Was die Schilderungen über deine Halbbrüder angeht, das liest sich jedenfalls recht "typisch", was natürlich keine wasserdichte Bestätigung des Vorliegens von ADHS dort darstellt...
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Irrlicht » So 2. Mai 2021, 20:04

Hallo,

ich melde mich nochmal, liefere ein Update. Bis jetzt hatte ich keinen weiteren Termin bei meiner Therapeutin, der ist erst am Mittwoch.
Habe aber ein bisschen meine Familie befragt, zu mir und zu meinen Eltern und zu meiner (vermeintlich) bipolaren Oma.
Großartig schlauer bin ich nicht...Mhmm...

Aufgrund der Therapie führe ich eh ein Stimmungstagebuch und da trage ich Ereignisse ein, die sehr auffällig sind.
Natürlich ist mein Blick jetzt adhs-geschärft... weiß nicht, ob ich deswegen die Sachen etwas verzerrt wahrnehme...
Ich merke schon, dass ich irgendwie will, dass es ADHS ist. Lieber als diese bipolare Störung....tut mir leid, dass kommt jetzt wahrscheinlich sehr unsensibel rüber...wer wünscht sich schon psychische "Erkrankungen"...

Meine Hausarbeit habe ich übrigens erfolgreich ignoriert. Habe beschlossen einen Fehlversuch in Kauf zu nehmen. Mein Kopf war einfach so voll, ich konnte die nicht anfangen zu schreiben. Zudem das Zweifeln am Studiengang...alles murks...

Ehrlich gesprochen:
Meine allergrößte Angst ist, dass ich meinen Platz in dieser Welt nicht finde.
Ich weiß, dass ich da wo ich jetzt bin nicht hingehöre, ich weiß aber auch nicht, was ich kann und zweifel sehr stark an mir. Ich stehe gefühlt mit dem Rücken zur Wand und nach vorne kann ich irgendwie auch nicht lang.

Ich klammere mich an diese Hoffnung der ADHS-Diagnose, um meine bisherigen Fehlversuche vllt auch irgendwie damit entschuldigen zu können ..was natürlich nicht geht.

Depressiv bin ich gerade nicht, ich bin irgendwie eher aggressiv genervt^^

Ich hätte noch eine Frage:

Nachdem ihr mit ADHS diagnostiziert wurdet, wurde es dann bei euren Eltern auch diagnostiziert?
Bzw müssen die Eltern es haben damit man es auch haben darf?

Liebe Grüße,

jacleen
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 2. Mai 2021, 20:39

Ich wurde Mitte der 90er mit 9 mit ADHS diagnostiziert, meine Mutti wurde ungefähr 2007 in der Burnout Klinik mit ADHS diagnostiziert... mein Vati hat kein manifestes ADHS, aber in bestimmte Persönlichkeitsmerkmale in der Richtung...
Overthesky
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 2. Mai 2021, 20:42

Dass ADHS erblich und genetisch bedingt ist, kann ich als selbst davon betroffene Person bestätigen. Bei einer (nicht-professionellen)Stammbaumanalyse in meiner Familie kann ich ziemlich genau sagen, wer bei mir ADHS hat bzw, hatte. Ich Diagnose Mitte der 90er mit 9 , Mutti Diagnose vor 14 Jahren in der Burnout-Klinik mit Ende 40, Vater der Mutter ganz klarer Fall, Mutter der Mutter nur entsprechende Persönlichkeitsmerkmale, Bruder nicht betroffen, hat aber bestimmte Persönlichkeitsmerkmale in dieser Richtung, Vater ebenfalls nicht manifest betroffen, hat aber auch bestimmte entsprechende Persönlichkeitsmerkmale, Mutter des Vaters definitiv manifest von ADHS betroffen gewesen (plus Kriegstraumata und Vergewaltigung 1945 als negative Sozialisationsfaktoren dort), Vater des Vaters nicht betroffen gewesen, Bruder der Mutter definitiv manifest betroffen (lehnt eine Diagnostik jedoch ab, dessen Tochter jedoch auch wiederum klare Auffälligkeit hinsichtlich ADHS), Schwester des Vaters (Messie-Syndrom gehabt) definitiv betroffen gewesen und mit Mitte 50 recht verwahrlost gestorben, andere Schwester des Vaters nicht betroffen... solche ADHS-Stammbäume sind eher die Regel und nicht die Ausnahme bei ADHS …. im Übrigen bleiben von ADHS Betroffene in der Tendenz unter sich... sozial und auch was Partnerschaft und Beziehung angeht... und auch hier gilt wieder: nicht schwarz-weiß , nicht alles oder nichts, sondern "tendenziell"...und je ausgeprägter das ADHS , desto unwahrscheinlicher ist es, dass der oder die Partner/in gar kein ADHS hat. Mein Vater hat kein manifestes ADHS , aber Mutti hätte sich niemals mit jemandem einlassen können, der nicht entsprechende Persönlichkeitsmerkmale besitzt …. das läuft nach dem allgemein gültigen Prinzip: "gleich zu gleich gesellt sich gern" und auch sämtliche meiner echten Freunde haben ADHS oder zumindest entsprechende Persönlichkeitsmerkmale …
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Prokrastine » So 2. Mai 2021, 22:50

Irrlicht hat geschrieben:
So 2. Mai 2021, 20:04

Ich merke schon, dass ich irgendwie will, dass es ADHS ist. Lieber als diese bipolare Störung....tut mir leid, dass kommt jetzt wahrscheinlich sehr unsensibel rüber...wer wünscht sich schon psychische "Erkrankungen"...
Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Nein, die Erkrankung wünsche ich mir tatsächlich nicht. Aber die ist ja offensichtlich da, also bei mir. Als ich endlich auf ADHS gestossen bin, hatte ich genauso gehofft. Die Diagnose erklärt alles, was bisher schief gelaufen ist in meinem Leben. Ich kann dir also gut nachfühlen!
Würde sich eine gesunde Person die Diagnose wünschen, das käme dann wohl tatsächlich etwas schräg rüber ;)
Nachdem ihr mit ADHS diagnostiziert wurdet, wurde es dann bei euren Eltern auch diagnostiziert?
Bzw müssen die Eltern es haben damit man es auch haben darf?
Ich denke nicht, dass das ein Muss ist. Klar kommen Fragen in die Richtung, aber jetzt meine Eltern zu einem Test nötigen, damit ich eine Diagnose habe... Das wäre wohl etwas viel verlangt.
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Irrlicht » Mo 3. Mai 2021, 08:18

Overthesky hat geschrieben:
So 2. Mai 2021, 20:42
Dass ADHS erblich und genetisch bedingt ist, kann ich als selbst davon betroffene Person bestätigen. Bei einer (nicht-professionellen)Stammbaumanalyse in meiner Familie kann ich ziemlich genau sagen, wer bei mir ADHS hat bzw, hatte. Ich Diagnose Mitte der 90er mit 9 , Mutti Diagnose vor 14 Jahren in der Burnout-Klinik mit Ende 40, Vater der Mutter ganz klarer Fall, Mutter der Mutter nur entsprechende Persönlichkeitsmerkmale, Bruder nicht betroffen, hat aber bestimmte Persönlichkeitsmerkmale in dieser Richtung, Vater ebenfalls nicht manifest betroffen, hat aber auch bestimmte entsprechende Persönlichkeitsmerkmale, Mutter des Vaters definitiv manifest von ADHS betroffen gewesen (plus Kriegstraumata und Vergewaltigung 1945 als negative Sozialisationsfaktoren dort), Vater des Vaters nicht betroffen gewesen, Bruder der Mutter definitiv manifest betroffen (lehnt eine Diagnostik jedoch ab, dessen Tochter jedoch auch wiederum klare Auffälligkeit hinsichtlich ADHS), Schwester des Vaters (Messie-Syndrom gehabt) definitiv betroffen gewesen und mit Mitte 50 recht verwahrlost gestorben, andere Schwester des Vaters nicht betroffen... solche ADHS-Stammbäume sind eher die Regel und nicht die Ausnahme bei ADHS
Das liest sich sehr interessant. Wurden diese Menschen auch damit diagnostiziert (abgesehen von deiner Mutter)? Wobei ich aber davon ausgehe, dass ADHS Diagnosen zu Kriegszeiten nicht so en vogue waren.

Ich habe meinen Vater gestern ein wenig befragt zu seiner Kindheit, Jugend. Jaaa, man könnte vieles in Bezug auf ADHS intepretieren. Aber ob es dann auch so ist? Ich hab ihn gefragt wie seine Schulzeit so war, aus der Grundschule weiß er gar nichts mehr.
Zu Gymnasialzeiten war er von der Schule massiv gelangweilt, er wollte kein Abitur machen, aber seine Eltern haben ihn gezwungen. Er war seiner Meinung nach weder über- noch unterfordert, sondern hatte einfach andere Interessen --> Sport. Er hat selbst gesagt, dass er Sportfanatiker war im Geräteturnen und das auch recht erfolgreich.
Tja, und über meine Mutter weiß ich aus der Kindheit auch nicht viel, sie hatte auch massive gesellschaftliche Probleme...aber fragen kann ich sie nicht mehr..leider :-(
Sie war wohl sehr sehr impulsiv. Auch noch als junge Frau. Und ich habe es teilweise auch noch miterlebt.

Overthesky hat geschrieben:
So 2. Mai 2021, 20:42
m Übrigen bleiben von ADHS Betroffene in der Tendenz unter sich... sozial und auch was Partnerschaft und Beziehung angeht... und auch hier gilt wieder: nicht schwarz-weiß , nicht alles oder nichts, sondern "tendenziell"...und je ausgeprägter das ADHS , desto unwahrscheinlicher ist es, dass der oder die Partner/in gar kein ADHS hat. Mein Vater hat kein manifestes ADHS , aber Mutti hätte sich niemals mit jemandem einlassen können, der nicht entsprechende Persönlichkeitsmerkmale besitzt ….
Spannend. Den Gedanken hatte ich auch schon. Mein Freund ist mir sehr ähnlich. Auch ADHS?! o.O Gewisse Merkmale wären da. Vor allem Impulsivität. Langzeitstudent gewesen. Mhmmm...
Prokrastine hat geschrieben:
So 2. Mai 2021, 22:50
Das kann ich sehr gut nachvollziehen! Nein, die Erkrankung wünsche ich mir tatsächlich nicht. Aber die ist ja offensichtlich da, also bei mir. Als ich endlich auf ADHS gestossen bin, hatte ich genauso gehofft. Die Diagnose erklärt alles, was bisher schief gelaufen ist in meinem Leben. Ich kann dir also gut nachfühlen!
Würde sich eine gesunde Person die Diagnose wünschen, das käme dann wohl tatsächlich etwas schräg rüber
Das tut gut zu lesen :-) Ich hab das Gefühl, dass ich schonwieder übertreibe. Aber auf die richtige Diagnose "warten" möchte ich nicht. Schließlich leide ich und nicht die Herrn Doktoren. Je mehr ich zur richtigen Diagnosestellung beitragen kann umso besser.
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Re: Kann es sein...?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Di 4. Mai 2021, 17:36

@ Irrlicht: ne, bis auf meine Mutti und mich ist niemand diagnostiziert offiziell... die eine Tante mit dem dem Messie-Syndrom, die es definitiv hatte, die lebt nicht mehr, Oma aus Schlesien lebt auch nicht mehr, Opi ist Januar 2018 gestorben, mein Onkel ist ADHS-"Skeptiker" und ADHS gegenüber nicht aufgeschlossen, meine Cousine ist 10 Jahre alt und zwar "auffällig", aber nicht so auffällig, dass etwa die Kinderpsychologen bei ihr Schlange stehen würden um sich diagnostisch an ihr auszutoben, der Rest der Familie hat bestimmte Wesensmerkmale, die mit ADHS assoziiert sind, aber ist de facto nicht von ADHS betroffen...woher ich das bei den undiagnostizierten ADHSlern bei mir in der Familie mir heraus nehme die ADHS-Diagnose, 20 Jahre bewusste Wahrnehmung von ADHS mit geschultem Auge, mehr dazu hier: viewtopic.php?f=7&t=124
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