Leicht OT: Soziale Phobie...

Alles, was AD(H)S spezifisch bei Erwachsenen betrifft, sofern es nicht besser in den medizinischen Bereich passt (z.B. Diagnose). Dieses Forum ist auch für NIchtmitglieder lesbar.
Benutzeravatar
UlBre
Dauerbrenner (200 +)
Beiträge: 335
Registriert: So 27. Okt 2019, 15:14

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von UlBre » Mi 25. Dez 2019, 19:37

Hallo Gargamel,

aaaaalso - eigentlich könnte ich es jetzt kurz machen und mich Nono anschliessen.
Aber vielleicht hilft Dir eine zweite Formulierung noch weiter.

Die gute Nachricht ist: da ist noch ganz viel Land hinter dem Horizont.
Die schlechte ist, dass Du dafür den Mut aufbringen müsstest, es nochmal mit einer richtigen Medikamenteneinstellung zu probieren.
Ja, das ist kein Spaziergang, das ist ne Wanderung. Manchmal kriegst Du Blasen an den Füssen, vor allem, wenn Du zu schnell losläufst. Aber wenn Du durchhältst bekommst Du mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit etwas, was Du Dir so gar noch nicht vorstellen kannst:
Ein neues Leben.
Ernsthaft, so wird es sich anfühlen, wenn Du die richtigen Medis in der richtigen Dosierung gefunden hast - und vielleicht auch noch ein paar andere Sachen angefasst hast.

Zuerst einmal kann ich Dich aber beruhigen: Stimulanzien (MPH wie AMP) in medikamentöser Dosierung sind nichts, woran ein Körper sich gewöhnt. Klar

Heute ist AMP (Elvanse - idR 10 bis 12 Stunden oder Attentin - idR 5 - 6 Stunden Wirkdauer) das Mittel erster Wahl für Erwachsene.
Das haben viele Ärzte, und selbst viele AD(H)S-Spezialisten noch nicht ganz mitbekommen.
Ich kenne welche, die dafür offen sind, und ich kenne ihren Patientenkreis - da stellen immer mehr auf AMP um und sie sind fast durchgängig sehr viel glücklicher damit als mit MPH.
Frag mal Deinen Hausarzt. Wenn er es Dir verschreibt, wäre es das einfachste.
Falls er das noch nicht kennt, dass Amphetaminmedikamente bei Erwachsenen inzwischen die erste Wahl sind, könntest Du ihm den "Aktualisierten europäischen Konsens zur Diagnose und Behandlung von AD(H)S bei Erwachsenen" ausdrucken und mitbringen:
https://www.sciencedirect.com/science/a ... 3818301962, dort unter 7.1.4., mit weiteren Quellen.

Auch bei Elvanse gilt: bitte langsam und geduldig eindosieren. Es kann gut sein, dass Du eine Dosis benötigst, die zwischen den Kapselgrössen liegt. Dazu gibt es hier im Forum einen Thread, der sich recht ausführlich damit auseinandersetzt, wie man Elvanse dann aufteilen kann.
Und wie bei jeder Eindpsierung gilt: Nie nach einem einzelnen Tag beurteilen, immer den Durchschnitt von mindestens 3 Tagen nehmen. Und selbst wenn eine höhere Dosisstufe sich nicht mehr so gut anfühlt wie die vorhergehende, immer noch 1, 2 Stufen weitergehen und abwarten, ob es dann nicht nochmal besser wird. Kommt häufiger vor als man gemeinhin annimmt. Wenn Du dann sicher weisst, nee, das ist jetzt zuviel, dann hast Du sehr viel gewinnen und kannst Dich drauf konzentrieren, um Deine Zieldosis herum die ideale Dosis zu finden.

Wenn MPH was gegen Deine Depression tut, dann wird Elvanse genau so helfen.
Das Symptom der Dysphorie bei Inaktivität ist ein originäres AD(H)S-Symptom. Depression kann unterschiedliche Ursachen haben - Noradrenalin- oder Dompaminmangel sind eine Möglichkeit (insbesondere bei ADS). Es muss nicht immer Serotoninmangel sein (und wenn, dann eher bei ADHS-Betroffenen).

Falls Du nochmal sichergehen willst, ob es wirklich AD(H)S ist, könntest Du den Onlinetest auf ADxS.org machen:
https://www.adxs.org/adhs-onlinetest-um ... test-lang/
Dauert ne halbe Stunde, ist aber schon ziemlich genau (auch wenn es immer noch nur ein Onlinetest ist und er daher keine Diagnose geben kann).

Ich drücke Dir die Daumen.

Beste Grüße

UlBre
Manchmal muss alles neu werden, damit alles beim alten bleiben kann...
zorayazia
voll dabei (100 +)
Beiträge: 199
Registriert: Sa 30. Nov 2019, 19:02

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von zorayazia » Mi 25. Dez 2019, 18:00

Das könnte gut sein, dass die soziale Phobie mit Medikamenten weggeht.
gargamel
gekommen um zu bleiben (20+)
Beiträge: 27
Registriert: Do 19. Dez 2019, 21:46

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Mi 25. Dez 2019, 17:36

Frohe Weinachten :)
@gargamel
Ok, dann habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Dich.

Welche möchtest Du zuerst hören ?
Wie Du es für richtig hälst. Bin offen für alle guten Ratschläge ;)

Dieses Lisdexamphetamin ist ja ein ganz neues Ding.
Ich hatte seit einigen jahren in der Anderswelt gar nicht mehr mitgelesen...

Diese extrem langen Wirkzeiten schrecken mich etwas ab, aber gut, mal probieren. Ich hab demnächste einen Termin bei meinem alten Neurologen, vielleicht geht da was. Das ganze Läuft auf Kasse, richtig?


Das soziale Problem ist allerdings ein separates. Da muß ich irgendwas tun.
Benutzeravatar
Nono
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 409
Registriert: Di 12. Nov 2019, 22:59

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Nono » So 22. Dez 2019, 13:38

Nono hat geschrieben:
So 22. Dez 2019, 09:24
Jedenfalls gibt es ja auch noch Elvanse... ich empfand MPH (in meinem Fall Medikinet Adult) ähnlich wie du, irgendwie gab es was unterschwellig Erschöpfendes. Ich nahm 5mg bis 7,5 mg, 10 waren schon zu viel. Der Wechsel zu Attentin und dann Elvanse war irgendwie eine Erlösung.
... das richtete sich an @gargamel ...
zorayazia
voll dabei (100 +)
Beiträge: 199
Registriert: Sa 30. Nov 2019, 19:02

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von zorayazia » So 22. Dez 2019, 13:07

Also ich hab ja letztens was von Dyspraxie geschrieben und da gibts auch ähnliche Syptome.
Und es gibt ja auch noch andere Sachen.
Also ich denke man sollte schon mal richtig abklären, irgendwie einen Facharzt suchen, der einem wirklich hilft. Ist das denn nicht möglich?
Lg

@UlBre bin auch auf die Nachricht gespannt? :D
Benutzeravatar
Nono
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 409
Registriert: Di 12. Nov 2019, 22:59

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Nono » So 22. Dez 2019, 09:24

Jedenfalls gibt es ja auch noch Elvanse... ich empfand MPH (in meinem Fall Medikinet Adult) ähnlich wie du, irgendwie gab es was unterschwellig Erschöpfendes. Ich nahm 5mg bis 7,5 mg, 10 waren schon zu viel. Der Wechsel zu Attentin und dann Elvanse war irgendwie eine Erlösung.
Benutzeravatar
UlBre
Dauerbrenner (200 +)
Beiträge: 335
Registriert: So 27. Okt 2019, 15:14

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von UlBre » Sa 21. Dez 2019, 23:48

@gargamel
Ok, dann habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für Dich.

Welche möchtest Du zuerst hören ?
Manchmal muss alles neu werden, damit alles beim alten bleiben kann...
gargamel
gekommen um zu bleiben (20+)
Beiträge: 27
Registriert: Do 19. Dez 2019, 21:46

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Sa 21. Dez 2019, 23:30

Was rein ADHS angeht, da hat es niemals eine 100% Diagnose gegeben.
Allerdings habe ich aus meiner Schulzeit Berichte, wo man die typischen Dinge beklagt, es folgten diverse Begutachtungen & Klassenkonferenzen.
In den frühen 90ern hat aber noch niemand von ADHS gesprochen.

Mein Neurologe hat mich vor 10 Jahren mal getestet, anschliessend Versuche mit Methylphenidat & Amphetaminsaft.
IMHO ist die ganze Vorgehensweise hochgeradig unwissenschaftlich. Ich bin damals mit den Medis nicht glücklich geworden, ich hab nix gemerkt - daraus hat der Arzt seine Diagnose in Frage gestellt.

Heute nehme ich manchmal 10mg retardiert, und nicht 60mg verteilt über Stunden - plötzlich wirkt es doch, und zwar gewaltig. Es scheint wohl auch so zu sein, das man eine Unterdosierung stärker spürt wie eine Überdosierung, verstehe ich alles nicht.
Mein Problem ist blos, das ich das nicht regelmässig nehmen kann/will. Der Rebound Effekt macht vieles wieder zu nicht und auch sonst merke ich das mein ganzer Körper irgendwie schneller läuft.

Ich bin vermutlich umgänglicher. Vermutlich. Ohne Sport ist der Rebound kaum zu ertragen. Ich kann aber nicht immer Sport machen.

Als kind war ich wohl zumindestens Teilweise Hyperaktiv, heute eher Träumer.

Autismus eher nicht. Aber wenn man immer alles alleine macht und vermutlich schon als Kind zu wenig soziale Kompetenzen gelernt hat wird man halt irgendwo komisch.


Die ADHS-Behandlung habe ich aufgegeben. Ich habe auch keine Lust, einen Termin immer Monate im Vorraus planen zu müssen, 2 Stunden fahren zu müssen, der Arzt spricht dann 5min mit mir und das wars...
Nächster Termin in 6 Monaten. Dann wieder 5min. Usw.
Geht nicht. Bringt nix außer Ärger.
Glücklicherweise kriege ich Ritalin Adult von meinem Hausarzt.

Vor einem Vorstellungsgespräch oder ähnlicher Stresssituation nehm ich 10mg und bilde mir ein, es hilft.
Wenn ich schwer depressiv bin hilft es auch.

Aber dauernd - nix für mich. Außerdem habe ich Angst, das sich mein Körper dran gewöhnt und dieser "Joker" dann irgendwann nicht mehr gezogen werden kann...


Normalerweise müsste ich mich jetzt bewerben. Das AA nervt auch schon mit Vermittlungsvorschlägen.
Ehrlich gesagt hab ich null Bock, in bin froh wenn mein Vertrag zu Ende ist.

Wenn ich die Stellenanzeigen lese finde ich nur Dinge, die ich zwar theoretisch könnte, praktisch aber wegen meiner "Macken" sofort wieder Stress hätte.
Ich bin einfach nur Müde.
Benutzeravatar
UlBre
Dauerbrenner (200 +)
Beiträge: 335
Registriert: So 27. Okt 2019, 15:14

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von UlBre » Sa 21. Dez 2019, 17:24

Hi Gargamel,

ja, das klingt nach nem ganz schön soliden Päckchen, das Du da mit Dir rumschleppst..
Aber so alles in allem dürften sehr viele (oder sogar die meisten) AD(H)S-Betroffene diese Symptome haben

Was machst Du denn mit oder gegen Dein AD(H)S ?
Therapie, Sport, Medis - was ist Dein Programm ?

Und welcher Typ bist Du ?
Aufmerksamkeitsprobleme beschreibst Du, also kein reiner ADHS Typ.
Bleibt noch ADS und Mischtyp...

Viele Grüße

UlBre
Manchmal muss alles neu werden, damit alles beim alten bleiben kann...
Benutzeravatar
Nono
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 409
Registriert: Di 12. Nov 2019, 22:59

Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Nono » Sa 21. Dez 2019, 14:05

Oje Gargamel, gar nicht einfach, dein Situation! So gemeine Kollegen!! Und doof, dass Therapie nicht zugänglich ist...

... aber natürlich auch erstmal willkommen hier auf dem grünen Seiten, aber wir kennen uns wahrscheinlich schon... du erkennst mich vielleicht am Avatarbild wieder... :)

... sag mal... klar, soziale Phobie ist das Eine... aber wenn du auch nicht so gut mitbekommst, was zwischen den Zeilen geredet wird und vielleicht deswegen mit den andren nicht gut klar kommst und lieber alleine bist... kommt mir eine ganz leise Assoziation, ob es da nicht vielleicht eine Überlappungmit Autismus gibt ... hast du dazu mal ein Wenig gelesen...?

Unabhängig davon könnte dir beim Messieproblem und einigen anderen genannten ADHS Themen die Seite Online-Selbsthilfe.de weiter helfen. Es kostet 10 Euro pro Monat und man kann es eigentlich auch recht zügig durcharbeiten. Klar raten die zum langsamen bearbeiten der Unterpunkte, man soll erst den einen abgearbeitet haben, bevor der nächste kommt, was auch sinnvoll ist, aber wenn du knapp bei Kasse bist... schau es dir halt mal an... ich habe damit angefangen und versuche aber, es langsam zu machen und mich sozusagen über das laufend und kostende Abo auch etwas zur Umsetzung zu zwingen. Daher kenne ich bis jetzt nur die Sachen zum Aufräumen bzw der darauf folgenden Ordnung-Ratschläge. Ich habe bewusst noch nicht vorausgelunzt...
gargamel
gekommen um zu bleiben (20+)
Beiträge: 27
Registriert: Do 19. Dez 2019, 21:46

Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Sa 21. Dez 2019, 12:29

Mir brennt dieses Thema zur Zeit unter den Nägeln, bzw. ich bin einfach gezwungen, das mal anzugehen.
Mal kurz zusammengefasst:

Mitte 30
ADHS
Überempfindlich
Messie-artiges Verhalten, Planlosigkeit
Sozale Phobie

ADHS ist das eine, aber soziale Phobie ist eigentlich das wesentlich schwerwiegendere.
Das hat sich bei mir irgendwann im Kindesalter entwickelt und war für mich irgendwie ebenso unangenehm wie normal.
Ich hatte niemals Ansätze, etwas dagegen zu tun, ich hätte auch nicht gewusst wie.

Man schämt sich ja irgendwo auch für seine Scham, und diese fiese Rückwirkung tut ein übriges.

Das Ding ist, diese Diagnose stelle ich mir selber, aber der Fall ist sowas von klar.
Ich habe im Rahmen von ADHS + Depression diverse Ärzte & Neurologen besucht, seit mittlerweile 10 Jahren.
Keiner von denen hat mir diese Diagnose gestellt. Warum?


Eigentlich wollte ich hier meinen alten Tread aus der AW
"Große vs. kleine Firma für Eigenbrötler m. autistischen Zügen" weiterführen, aber ich weiß gar nicht mehr so genau was ich eigentlich
geschrieben hatte und die Anderswelt ist ja nun nicht mehr da.

Abgesehen davon, das ich seit ewigen Zeiten praktisch kein soziales Umfeld habe ist die Arbeit das drängenste Problem.
Genaugenommen wurde ich gerade entlassen, bzw. mein Vertrag wird nicht verlängert, obwohl mein Arbeitgeber dringend Leute braucht und keine bekommt. Das passiert mir in dieser Form zum ersten mal - aber es war eigentlich auch überfällig.

Probleme:

-Ich kann nicht zuhören
-Ich habe in Sekunden vergessen was man mir sagt (-> die anderen kommen sich verarscht vor)
-"Flache Hierarchie" (bzw Anarchie), ich muß mir meine Arbeit selber suchen...
-Ich traue mich nicht zu fragen, ich vermeide das in endloser Vermeidungstaktik (Angstschweiss)
-Ich führe keinen Smalltalk, gar nicht, und halte ihn auch nicht am Laufen, wenn jemand anderes damit anfängt
-Ich ziehe mich insgesamt zurück
-Obwohl ich rein von der Arbeit im Grunde gar nicht viel Stress habe bin ich nach der Arbeit völlig fertig.
-Durch Überempfindlichkeit wird man quasi übersteuert und kriegt offensichtliche Signale nicht mit. Andere empfinden das als regelrecht abgebrüht/unsensibel.
-Ich bin mir nicht sicher ob andere meine Angst durchschauen. Ich bemühe mich natürlich sie zu verbergen. Tatsache ist wohl, das die anderen denken, ich lehne sie ab.
-Ich werfe anderen Leuten extrem knappe Antworten entgegen, weil ich mehr oder weniger unbewusst den Kontakt so kurz wie möglich halten will. Was die Kommunikation natürlich erschwert.


Bisher bin ich noch immer irgendwie klargekommen, diesmal waren aber auch z.T. recht fiese Kollegen am Start, es wurde abgelästert ohne Ende, wer etwas versaut wird gedisst, aber nur wenn er selber nicht dabei ist... Derjenige selber erfährt es dann auf Umwegen.
Nun kommt so ein Typ wie ich da rein-> klar was dann passiert.

Mich würde mal interessieren, ob es hier Leute gibt, die ähnliche Probleme haben und wie sie damit klarkommen (oder auch nicht).
Ich versuche gerade einen Platz für eine Verhaltenstherapie zu bekommen, aber... Versucht sowas mal berufsbegleitend, Termine nach Feierabend, nicht weit zu fahren ect. - praktisch unmöglich, einfach nicht zugänglich.
Antworten