Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Alles, was AD(H)S spezifisch bei Erwachsenen betrifft, sofern es nicht besser in den medizinischen Bereich passt (z.B. Diagnose). Dieses Forum ist auch für NIchtmitglieder lesbar.
Dreamy
voll dabei (100 +)
Beiträge: 115
Registriert: Di 17. Dez 2019, 16:57
Danksagung erhalten: 3 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Dreamy » Mi 15. Jan 2020, 16:49

Rusty Mike hat geschrieben:
Di 14. Jan 2020, 19:31
Mein Orientierungssinn ist mies. Wenn man mich dreimal rumdreht, weiss ich nicht mehr, woher ich gekommen bin.
Ist bei mir auch so, nur das einmal rumdrehen reicht ;)
Drei
hält sich hartnäckig (50 +)
Beiträge: 66
Registriert: Mi 1. Jan 2020, 10:47
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 2 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Drei » Mi 15. Jan 2020, 16:39

basti81de hat geschrieben:
Di 14. Jan 2020, 21:52
Also ich hab nen recht guten Orientierungssinn... sollte ja, wenn man der Hunter-Theorie Glauben schenken darf, auch logisch sein.

Ich merke mir einfach so Wegmarken. Gebäude, Weggabelungen, bestimmte Bäume und so. Ist halt teilweise unterbewusst und von daher kann ichs nicht komplett erklären.

Ich liebe es aber neue Wege auszukundschaften. Einfach so ein bissel wie ein Abenteuer.
Exakt so sieht es bei mir auch aus! :)
basti81de
gehört jetzt dazu (5 +)
Beiträge: 8
Registriert: So 12. Jan 2020, 15:02

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von basti81de » Di 14. Jan 2020, 21:52

Also ich hab nen recht guten Orientierungssinn... sollte ja, wenn man der Hunter-Theorie Glauben schenken darf, auch logisch sein.

Ich merke mir einfach so Wegmarken. Gebäude, Weggabelungen, bestimmte Bäume und so. Ist halt teilweise unterbewusst und von daher kann ichs nicht komplett erklären.

Ich liebe es aber neue Wege auszukundschaften. Einfach so ein bissel wie ein Abenteuer.
Windtänzerin
gekommen um zu bleiben (20+)
Beiträge: 31
Registriert: So 12. Jan 2020, 12:13

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Windtänzerin » Di 14. Jan 2020, 21:07

Meine Orientierung ist ebenfalls mehr als bescheiden. Ich verlaufe mich an unbekannten Orten sehr schnell und fange dann auch schnell aus Angst und Verzweifelung an zu weinen. Allerdings bin ich dann leider gar nicht mehr dazu in der Lage, mir ein Taxi zu rufen (dafür hätte ich als HartzIV-Empfängerin eh kein Geld) oder mir anderweitig Hilfe zu holen. Ja, die Kombination AS/ADS ist wirklich sehr ungünstig, da sich beides in manchen Dingen leider gegenseitig verstärkt.
Wasser
gehört jetzt dazu (5 +)
Beiträge: 8
Registriert: Fr 10. Jan 2020, 23:37
Wohnort: im Haus

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Wasser » Di 14. Jan 2020, 21:00

Rusty Mike hat geschrieben:
Di 14. Jan 2020, 19:31
Wenn man mich dreimal rumdreht, weiss ich nicht mehr, woher ich gekommen bin.
Das geht mir ganz genauso. Seit meiner Diagnostik weiß ich, dass das nicht meine ganz persönliche Blödheit ist, über die ich mich so oft geärgert habe sondern eine ganz konkrete Dysfunktion, für die ich nichts kann. Seit dem gehe ich deutlich gnädiger mit mir um.
Wenn ich paar mal im Kreis gelaufen bin, heule ich halt 'ne Runde und rufe mir dann zur Not ein Taxi ...
Wasser
gehört jetzt dazu (5 +)
Beiträge: 8
Registriert: Fr 10. Jan 2020, 23:37
Wohnort: im Haus

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Wasser » Di 14. Jan 2020, 20:47

Bei mir funktionieren weder die Orientierung noch mein Zeitgefühl. Zudem ist mein räumlich-anschauungsgebundenes Vorstellungsvermögen kaum ausgebildet. Ich habe den Eindruck, dass die räumliche Orientierung irgendwie mit dem Zeitgefühl zusammenhängt. Ebenso habe ich auch Prosopagnosie.
Allerdings weiß ich manchmal nicht, wo mein ADS aufhört und das AS anfängt, das kann ich nicht wirklich auseinanderhalten, mir scheint, dass die Übergänge fließend sind.
Rusty Mike
gekommen um zu bleiben (20+)
Beiträge: 20
Registriert: Sa 11. Jan 2020, 16:23

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Rusty Mike » Di 14. Jan 2020, 19:31

Mein Orientierungssinn ist mies. Wenn man mich dreimal rumdreht, weiss ich nicht mehr, woher ich gekommen bin. Deswegen kann ich z. B. nicht mal einfach in eine fremde Stadt fahren. Ich verlauf mich dann nur und durch mein AS krieg ich dann einen Overload und dann geht gar nichts mehr. ADS/AS ist ein Sch...-Kombination.
schnuppi
voll dabei (100 +)
Beiträge: 101
Registriert: Mi 20. Nov 2019, 17:45

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von schnuppi » So 8. Dez 2019, 19:36

Mein Orientierungssinn ist eher schlecht. Erst, als ich mir vor ca 7 Jahren ein Navi (so ein Modell zum wandern) gekauft habe, habe ich mich getraut, allein in mir unbekannten Gegenden herum zu laufen. Hatte es vorher auch mit (Stadt-) Karten versucht, war aber immer sehr unsicher und ängstlich dabei und habe mich oft verlaufen. Seit ich ein Navi bzw. nun auch Smartphone habe, muss ich diese Angst nicht mehr haben und kann mich gut zurecht finden. Dadurch habe ich das Wandern und Geocachen für mich entdeckt, interessiere mich für neue Orte und bewege mich insgesamt viel mehr als vorher. :-)
Ob das nun mit meinem ADS zu tun hat... keine Ahnung, glaube es eigentlich nicht.
Benutzeravatar
Hibbelanna
Dauerbrenner (200 +)
Beiträge: 365
Registriert: Mo 18. Nov 2019, 15:18
Hat sich bedankt: 45 Mal
Danksagung erhalten: 99 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » So 8. Dez 2019, 13:20

Overthesky hat geschrieben:
So 8. Dez 2019, 13:13
@ Hibbelanna: für dich noch kurz, wie und unter welchen Umständen ADHS Krankheitswert entwickelt oder als Krankheit betrachtet werden kann:
Dankeschön, aber eigentlich hatte ich danach nicht gefragt.
Overthesky
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 594
Registriert: Sa 30. Nov 2019, 15:46
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 24 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 8. Dez 2019, 13:13

@ Hibbelanna: für dich noch kurz, wie und unter welchen Umständen ADHS Krankheitswert entwickelt oder als Krankheit betrachtet werden kann:

Krankheitswert von ADHS ist abhängig von Schweregrad, Sozialisation und primär vorhandenen Komorbiditäten
...ich z.B. habe als primär vorhandene Komorbidität ein leichtgradiges Tourette-Syndrom, Kurt Cobain hatte als primär vorhandene Komorbidität Bipolare Störung, Michael Phelps hat eine sympathische, fürsorgliche Traumfrau, 2 Kinder und keinerlei materielle Sorgen und ist dennoch bei gleichzeitiger Diagnose ADHS einfach ohne objektiven äußeren Grund depressiv, er hat eine endogene Depression, die vom Gehirn ausgeht als primär vorhandene Komorbidität zu ADHS, eine Freundin hat zusätzlich zu ADHS die Diagnose Schizoaffektive Störung als primär vorhandene Komorbidität, Legasthenie, Epilepsie usw treten ebenfalls sehr oft komorbid mit ADHS auf... die genetische Überlappung der verschiedenen Hirnentwicklungsstörungen ist dokumentiert, ADHS ist dabei die mit Abstand häufigste Hirnentwicklungsstörung aufgrund der evolutionären Vorteile von ADHS und zieht quasi die anderen Hirnentwicklungsstörungen evolutionär betrachtet ein Stück weit mit... zusätzlich zu den primär vorhandenen Komorbiditäten von ADHS die sekundär vorhandenen Komorbiditäten von ADHS als Folgeerkrankungen von ADHS bei ungünstiger Sozialisation oder ungünstigen Umweltbedingungen, so etwa Borderline (auch wieder um die 50% der Borderline-Patienten hat zusätzlich oder primär ADHS ), Burnout oder Erschöpfungsdepression, Suchterkrankungen von Alkoholismus bis Spielsucht bis Sex-Sucht (Stichwort Tiger Woods) quasi alles denkbar, die komplette Antifa gehört im Grunde durchgescreened auf ADHS, zuguterletzt noch der Hinweis, dass ADHS nicht alles oder nichts ist, es gibt ganz leichte und ganz schwere Fälle, Boris Johnson aber auch Sarkozy kann man quasi auch dem ADHS-Spektrum zurechnen, in beiden Fällen jeweils ohne dass man in diesen Fällen von ADHS als Krankheit sprechen kann, die ADHS-Persönlichkeit oder subklinisches "ADHS" jeweils... die evolutionären Vorteile von ADHS sieht man auch recht anschaulich an der immer länger werdenden Liste mit Prominenten, die mit Diagnose ADHS geoutet wurden https://www.adhspedia.de/wiki/Bekannte_ ... n_mit_ADHS , ein Teil in der Liste ist mit unseriösen Quellenangaben, die Mehrheit jedoch mit seriöser Quellenangabe...

...In Wahrheit sind es nicht nur 2 Millionen Erwachsene, die von ADHS oder dem ADHS-Spektrum betroffen sind, sondern bei knapp 10% der Gesamtbevölkerung ungefähr 7 Millionen Erwachsene. Das heißt nicht, dass jeder davon behandlungsbedürftig ist, erst recht nicht zu jedem Zeitpunkt in der Lebensspanne, aber der Blick auf ADHS oder ADHS-Spektrum sollte ganzheitlich sein und nicht nur reduktionistisch den Krankheitswert von ADHS betrachtend ( ADHS kann, aber muss nicht mit Krankheitswert einher gehen)...

...auch nur mit 10% und nicht mit 4% der Erwachsenen erklären sich auch die in der Ärzteschaft "berüchtigten" 59% ADHS in der Psychiatrie laut Studie https://www.thieme-connect.com/products ... 043-119987

Ich verweise auch noch darauf, dass man von fachlicher Seite Intuition und Gefühl von Betroffenen nicht pauschal als bloße Spinnerei abtun sollte, von ADHS Betroffene erkennen sich untereinander so wie in China ein Deutscher einen anderen Deutschen erkennt, am Habitus und an der Persönlichkeit und man wird als ADHS-Betroffener, zumal mit geschulter Wahrnehmung dafür, jeden Tag Personen mit ADHS auf der Straße begegnen, bei denen man in der sozialen Interaktion früher oder später Wesensverwandtschaft wahrnehmen wird... ADHS-Betroffene bleiben übrigens tendenziell unter sich sozial und auch romantisch bzw. amorös: Gleich zu gleich gesellt sich gern und je ausgeprägter das ADHS, desto selektiver der soziale Umgang, desto schwieriger ist es, tatsächliche Freundschaften (tatsächliche Freunde und nicht bloß Kumpels) oder auch Partnerschaften / Beziehungen mit Nicht-Betroffenen einzugehen... das gilt nicht absolut, aber in der Tendenz... neulich übrigens das Outing von Mel B von den Spice Girls in The Sun, die Liste der Outings mit ADHS wird länger und länger: https://www.thesun.co.uk/tvandshowbiz/9 ... diagnosis/

plus: auch interessant Leonardo da Vinci und ADHS https://academic.oup.com/brain/article/ ... 42/5492606
https://www.wissenschaft.de/gesellschaf ... inci-adhs/
Overthesky
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 594
Registriert: Sa 30. Nov 2019, 15:46
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 24 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 8. Dez 2019, 11:22

Hibbelanna hat geschrieben:
Sa 7. Dez 2019, 23:54
Und um wieviel genau liegen diese ADHSler mit dem überdurchschnittlichen Orientierungssinn über dem Durchschnitt?
Und bei wem wurde das wie gemessen?
Ist das tatsächlich so signifikant, dass das der Rede wert ist? Und warum thematisierst Du das hier?
plus: ADHS ist eben längst nicht nur negativ, siehe das:

Das Thema Evolution und ADHS fassen folgende Sätze des deutschlandweit führenden Genetikers (und auch einer der weltweit führenden Genetiker) zu ADHS Prof. Klaus-Peter Lesch von der Psychiatrie der Uniklinik Würzburg zusammen:”…Früher vermuteten die Forscher, einige wenige Gene würden ADHS auslösen; doch das trifft, wenn überhaupt, nur auf ganz wenige Familien zu. Für die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung gilt: Vermutlich sind es 500 bis 1000 Gene, die einen – jeweils minimalen – Einfluss auf das Temperament und die Konzentrationsfähigkeit des Menschen haben. Diese sind mithin auch keine Krankheitsgene, vielmehr gehören sie zur natürlichen Ausstattung des Menschen. “ADHS ist ein Extrem einer Persönlichkeitsvariante, das zunächst einmal gar keinen Krankheitswert besitzt”, bestätigt auch Klaus-Peter Lesch. Diese milden Ausprägungsformen von ADHS seien in einem Fünftel der Bevölkerung vorhanden und hätten sich im Laufe der Evolution des Homo sapiens immer wieder als vorteilhaft durchgesetzt. Lesch: “Der hohe Energiepegel, der Enthusiasmus, sich mit einer Sache auseinanderzusetzen, die große Kreativität, die Fähigkeit zum Querdenken und der Gerechtigkeitssinn – all das sind Ressourcen, die für unsere Gesellschaft wichtig sind.” zu finden in dem Artikel des ADHS-Gegners Jörg Blech im Spiegel: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311928.html

die evolutionären Vorteile von ADHS sind auch der Grund weshalb ADHS so häufig ist...
Overthesky
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 594
Registriert: Sa 30. Nov 2019, 15:46
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 24 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » So 8. Dez 2019, 11:18

Hibbelanna hat geschrieben:
Sa 7. Dez 2019, 23:54
Und um wieviel genau liegen diese ADHSler mit dem überdurchschnittlichen Orientierungssinn über dem Durchschnitt?
Und bei wem wurde das wie gemessen?
Ist das tatsächlich so signifikant, dass das der Rede wert ist? Und warum thematisierst Du das hier?
google es doch einfach mal...

...dasselbe Thema wurde schon auf adhs-anderswelt thematisiert und derselbe Thread dort wurde nicht von mir, sondern von jemand anderem eröffnet... ich thematisiere das schlichtweg deshalb, weil es eine relevante Erfahrung und Beobachtung bei vielen ADHS-Betroffenen ist... abseits davon gibt es natürlich auch viele ADHS-Kranke mit Krankheitswert, die immerzu sagen: ich kann das nicht, weil ich hab ADHS.
Benutzeravatar
Hibbelanna
Dauerbrenner (200 +)
Beiträge: 365
Registriert: Mo 18. Nov 2019, 15:18
Hat sich bedankt: 45 Mal
Danksagung erhalten: 99 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Sa 7. Dez 2019, 23:54

Und um wieviel genau liegen diese ADHSler mit dem überdurchschnittlichen Orientierungssinn über dem Durchschnitt?
Und bei wem wurde das wie gemessen?
Ist das tatsächlich so signifikant, dass das der Rede wert ist? Und warum thematisierst Du das hier?
Overthesky
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 594
Registriert: Sa 30. Nov 2019, 15:46
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 24 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 7. Dez 2019, 17:39

Hibbelanna hat geschrieben:
Sa 7. Dez 2019, 16:02
Verstehe ich das richtig: Entweder man hat einen guten Orientierungssinn oder man verzwergt sich selbst bzw. ist erlernt hilflos?
nein, du verstehst das nicht richtig... ungefähr 30% bis 40% der ADHSler hat einen durschnittlichen oder sogar unterdurchschnittlichen Orientierungssinn... von den restlichen 60% bis 70% sind es nochmals ungefähr ein Drittel von diesen, die objektiv vielleicht sogar einen überdurchschnittlichen Orientierungssinn haben, aber sich dessen aufgrund von Komorbiditäten und Folgeerkrankungen wie Depression, Persönlichkeitsstörungen, erlernter Hilflosigkeit nicht bewusst sind... so war es gemeint.

somit sind es ungefähr 50% der ADHSler insgesamt, die bewusst einen überdurschnittlich guten Orientierungssinn angeben.
Benutzeravatar
Andromache
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 699
Registriert: Di 3. Dez 2019, 21:56
Hat sich bedankt: 176 Mal
Danksagung erhalten: 124 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Andromache » Sa 7. Dez 2019, 17:17

Meiner Meinung ist das nicht unbedingt ein ADHS-Thema. Orientierung hat zum einen mit Wahrnehmung zu tun, aber mit dem Interesse, sich auf seine Umgebung einzulassen.

Wenn ich heute in den Städten die Menschen beobachte, gruselt es mich manchmal. Die meisten tragen Kopfhörer und/oder sind mit ihrem Smartphone beschäftigt. Aber auch unabhängig davon, gibt es viele Menschen, die ihre Umwelt gar nicht mehr wahrnehmen. Da fehlt es einfach am Willen, sich auch mal ohne Navi im Auto oder Google-Maps am Smartphone zu orientieren. Und dann verkümmert der Orientierungssinn nach und nach...
"Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit."
Erasmus von Rotterdam
Benutzeravatar
Hibbelanna
Dauerbrenner (200 +)
Beiträge: 365
Registriert: Mo 18. Nov 2019, 15:18
Hat sich bedankt: 45 Mal
Danksagung erhalten: 99 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Sa 7. Dez 2019, 16:02

Verstehe ich das richtig: Entweder man hat einen guten Orientierungssinn oder man verzwergt sich selbst bzw. ist erlernt hilflos?
Overthesky
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 594
Registriert: Sa 30. Nov 2019, 15:46
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 24 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 7. Dez 2019, 14:23

Wie gesagt, eine große Minderheit von ungefähr 30% bis 40% hat diesen guten Orientierungssinn nicht... in sehr vielen dieser Fälle wohl mit neurobiologischer Ursache... auf der anderen Seite: dissoziative Störung bei ADHS: die Seele sucht sich ein Ventil, ein Ventil durch "ich kann das nicht" (wodurch man als Person aus der Verantwortung genommen wird), obwohl man es in sehr vielen Fällen objektiv könnte... Martin Winkler hat mal geschrieben, dass ADHS mit Krankheitswert in den meisten Fällen mit einer dissoziativen Störung einher gehe... gemeint ist damit nicht nur die körperliche Dissoziation, sondern allgemein betrachtet dass sich die Seele ein Ventil sucht... "ich kann das nicht, weil ich habe ADHS." (diesselbe Situation gibt es bei ADHS und Autofahren und bei verschiedensten anderen Situationen im Leben ebenfalls) ist dieses Ventil bzw. diese Entlastung für die Seele... diese, wenn man es negativ formulieren will, Selbstverzwergung findet man ganz häufig bei ADHS mit Krankheitswert.
Overthesky
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 594
Registriert: Sa 30. Nov 2019, 15:46
Hat sich bedankt: 3 Mal
Danksagung erhalten: 24 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 7. Dez 2019, 14:16

Bastelfreak hat geschrieben:
Sa 7. Dez 2019, 06:58
Dass der Orientierungssinn besser sein soll finde ich unlogisch, da bei ADS-Menschen neben dem Reizfilter teils auch die Raum-Lage-Wahrnehmung bzw. das Körper-im-Raum-Schema verzerrt ist und das wirkt sich auch auf die Fähigkeit aus, räumliche und zeitliche Abstände einzuschätzen. Zusätzlich ist oft das Kurzzeitgedächtnis schlechter (zumindest bei uninteressanten Aufgaben), ähnlich wie bei Demenzkranken, weiß man dann nicht mehr, ob man an einer Stelle vorher schon mal war. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ADS meist mit Komorbiditäten auftritt.

Aber diese Defizite kann man aber in jungen Jahren recht gut mit Ergotherapie behandeln. Ich hatte als Kind jahrelang Ergotherapie und denke, dass ich ohne diese einen schlechteren Orientierungssinn hätte.
https://books.google.de/books?id=5I6RUu ... nn&f=false

"...oft verblüfft bereits vor dem 2. Lebensjahr der gute Orientierungssinn..."
Benutzeravatar
Andromache
nicht mehr wegzudenken (400 +)
Beiträge: 699
Registriert: Di 3. Dez 2019, 21:56
Hat sich bedankt: 176 Mal
Danksagung erhalten: 124 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Andromache » Sa 7. Dez 2019, 09:56

Ich denke auch, wie schon von einigen angesprochen, dass bei uns die Intuition einen großen Anteil hat. Bei mir ist die auf jeden Fall sehr stark ausgeprägt und ich kann mich auf sie verlassen.
"Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit."
Erasmus von Rotterdam
Bastelfreak
gekommen um zu bleiben (20+)
Beiträge: 31
Registriert: Do 14. Nov 2019, 19:40
Hat sich bedankt: 8 Mal

Re: Haben ADHSler allgemein einen sehr guten Orientierungssinn?

Ungelesener Beitrag von Bastelfreak » Sa 7. Dez 2019, 06:58

Dass der Orientierungssinn besser sein soll finde ich unlogisch, da bei ADS-Menschen neben dem Reizfilter teils auch die Raum-Lage-Wahrnehmung bzw. das Körper-im-Raum-Schema verzerrt ist und das wirkt sich auch auf die Fähigkeit aus, räumliche und zeitliche Abstände einzuschätzen. Zusätzlich ist oft das Kurzzeitgedächtnis schlechter (zumindest bei uninteressanten Aufgaben), ähnlich wie bei Demenzkranken, weiß man dann nicht mehr, ob man an einer Stelle vorher schon mal war. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass ADS meist mit Komorbiditäten auftritt.

Aber diese Defizite kann man aber in jungen Jahren recht gut mit Ergotherapie behandeln. Ich hatte als Kind jahrelang Ergotherapie und denke, dass ich ohne diese einen schlechteren Orientierungssinn hätte.
Antworten