Leicht OT: Soziale Phobie...

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gargamel
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Mi 13. Mai 2020, 23:33

So, die ersten dreieinhalb Wochen sind rum.

Vom Arbeitsamt kam gar nix mehr, seit ich dem Psychologischen Dienst die Problematik erläutert habe.
Das machen die jetzt als Telefondienst, Coronabedingt.

Ich muß da leider anderthalb Stunden hinfahren. Ging nicht anders.

Das ganze ist eher nicht ADHS mässig ausgerichtet, es geht jetzt erstmal um soziale Unsicherheit.
ADHS-mässig kann man eh nix machen.

Die Mitpatienten haben alle möglichen "Macken", Angststörungen ,traumabedingte Probleme, Depression & Burnout usw.
Menschlich kann man eine Menge lernen.
Extrem viel weiter bin ich mit meinen Problemen noch nicht gekommen, aber ich arbeite dran, es werden wohl 6 Wochen, so wie ich das mitbekommen habe ist das ein typischer Wert. Darüber scheinen die Krankenkassen Druck zu machen...

Viele Leute machen das nicht zum ersten Mal und sind von der ganzen Geschichte sehr angetan. Die Stimmung ist schwer zu beschreiben, wie in Watte gepackt, irgendwann wirds natürlich unangenehm, es gibt Leute die dann einfach mal zusammenbrechen.

Was mir noch aufgefallen ist:
die meisten Leute sind in relativ soliden Arbeitsverhältnissen (die aber natürlich oft Teil des Problems sind). Einige wenige sind beim Amt, so wie ich.
In Prekärer Beschäftigung, Leiharbeit ect. könnte man sich so eine Krankschreibung wohl auch nicht leisten, das ist jedenfalls meine Interpretation.
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Anders
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Anders » Fr 17. Apr 2020, 23:27

Hey, das hört sich doch erstmal gut an ;) Tagesklinik heißt, du gehst morgens hin und abends wieder heim vermutlich.. sind die denn auf Adhs spezialisiert?

Sieh es doch einfach ganz unvoreingenommen als Chance.. ob es noch Grund zum Jubeln gibt, kannst du eh erst hinterher beurteilen.

gargamel hat geschrieben:
Fr 17. Apr 2020, 22:54
Ich werde hinterher mal berichten, was es mir gebracht hat.

Ja, mach das gerne.. Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen, das es dich weiterbringt :)

Liebe Grüße
gargamel
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Fr 17. Apr 2020, 22:54

Update:
nächste Woche Tagesklinik.

Ich dachte eigentlich das es Coronabedingt nicht so bald liefe - jetzt doch.
Ob ich jetzt jubeln soll kann ich natürlich nicht einschätzen.
Aber aus der Arbeitslosigkeit heraus kann ich das ganz locker angehen.

Ich werde hinterher mal berichten, was es mir gebracht hat.
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Sa 1. Feb 2020, 23:36

Hallo gargamel!
gargamel hat geschrieben:
Sa 1. Feb 2020, 22:38
Warum ich denn das MPH nicht nähme. Er hält mich so für gar nicht therapiefähig. Ich soll erstmal MPH dauerhaft und nicht wie bisher nur nach Bedarf nehmen.
Ich denke, damit liegt der Therapeut grundsätzlich richtig.
Wenn ich nichtmal Therapiefähig bin, wie soll ich dann Arbeiten...
Für beides wäre eine gute medikamentöse Einstellung sinnvoll. An deiner Stelle würde ich das MPH erstmal regelmäßig nehmen und gucken, was passiert. Wenn du damit nicht klarkommst und dir dein Neurologe (?) Elvanse nicht verschreibt, gäbe es ja immer noch die Möglichkeit, jemand anderen zu finden.

Beste Grüße!
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Sa 1. Feb 2020, 22:38

Muß mich gerade mal ausheulen...
Termin bei Neurologen: Nein, Elvanse hält er nicht für sinnvoll, kann auch Ängste auslösen.
Probleme müßte Psychotherapeutisch angegangen werden. Nach 4min nächster Patient...

Nächster Tag Termin bei der Verhaltenstherapeutischen Zentrum:
Der Interviewer bestätigt meine Probleme, meint aber es könnte auch Asperger sein. Warum ich denn das MPH nicht nähme. Er hält mich so für gar nicht therapiefähig. Ich soll erstmal MPH dauerhaft und nicht wie bisher nur nach Bedarf nehmen. Davor graut mir...
Aber dann nächster Termin in 2 Wochen... Mit MPH Dauerdröhnung. Wenigsten ne gute Ausrede zum Alkoholfreien Leben. Kopfweh ist doch ein ziemlich überzeugendes Argument.

Wenn ich nichtmal Therapiefähig bin, wie soll ich dann Arbeiten... Naja gut, ALLEINE wäre es ja kein Problem.. ;)
Nächste Woche Arbeitsamt... mal gucken was da so geht. Vermutlich schickt der mich dann gleich zum psychologischen Dienst. Bin mal gespannt...
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Do 16. Jan 2020, 22:38

Danke für den Tip Andromache. Ich werde das Thema beim ersten "Ich möchte mit ihnen über ihre aktuelle berufliche Situation besprechen"-Termin ansprechen.

Das ganze ist irgendwie blöde:
Fast alles Möglichkeiten die mir helfen könnten sind in jeden Fall nicht "mal eben kurz" zu realisieren.
Nun möchte ich aber nicht ewig arbeitslos sein - man könnte natürlich provisorisch etwas anfangen - und der Lebenslauf wird imnmer länger.

Was ist nun schädlicher, Job-Hopping oder diverse Monate Arbeitslos?
Finanziell kein Problem, das ALG1 wäre hoch genug um damit nen schönen Sommer zu verleben, wenn ich es darauf anlege.

Aber ich würde garantiert irgendwann abstürzen, außerdem bewirbt es sich schlecht aus der Arbeitslosigkeit heraus.



Nein Schnuppi, Du bist voll On-Topic.
Danke für deine Antwort. Durchaus ermutigend. So einen Therapeuten hätt ich auch gerne, ich kriege blos keinen ;)
Selbsthilfegruppen wäre vielleicht eine Möglichkeit, aber die sind alle so weit weg.
Wie gesagt, alles kein Problem solange man nur arbeitslos ist und beliebige Termine wahrnehmen kann...
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von schnuppi » Mi 15. Jan 2020, 13:22

Hey, ich habe ehrlich gesagt nicht alle Beiträge gelesen. Hoffentlich schreib ich nicht ganz am Thema vorbei.

Jedenfalls hatte ich vor einigen Jahren aus einer Depression über die Zeit eine Sozialphobie entwickelt. Ich hatte es nicht gemerkt, weil es so langsam passierte. Ich bekam zunehmend Angst davor, mit unbekannten Menschen in Kontakt zu treten und von vielen Menschen umgeben zu sein. Schüchtern war ich schon immer aber das hat sich sehr gesteigert in der Zeit. Vor Menschengruppen reden war ein Ding der Unmöglichkeit und generell hatte ich Angst davor, (vermeintlich) im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen. Dauernd hatte ich das Gefühl, angestarrt und bewertet zu werden.

Als ich mich vor ca 2,5 Jahren in die vorgeschriebene Psychotherapie ging, um eine Hormonbehandlung starten zu dürfen, kam dieses Thema "nebenbei" auf. Erst da wurde mir wirklich bewusst, wie sehr mich meine Angst eingeschränkt hatte. Die Gespräche mit meinem Therapeuten haben mir in der Hinsicht enorm geholfen. Er hat mich seelisch dabei Unterstützt, mir Herausforderungen zu suchen, die ich bewältigen konnte. Langsam haben wir dann das "Niveau" der Aufgaben gesteigert. Er hat mich bei diesem Prozess sehr gut begleitet und heute kann ich Dinge tun, die ich niemals zuvor für Möglich gehalten hätte. Zum Beispiel Vorträge halten und dabei sogar manchmal Freude empfinden. Ja, aufgeregt bin ich vorher noch immer sehr. Aber das legt sich meist, wenn ich ein paar Minuten gesprochen habe. Und hinterher bin ich froh, einen weiteren Punkt auf meiner persönlichen "Erfolgsliste" hinzufügen zu können. Das gibt wiederum Kraft und Zuversicht für zukünftige Unternehmungen. :-)

Was ich damit sagen möchte: Sozialphobie fühlt sich furchtbar an und man könnte glauben, niemals aus dieser Angst heraus kommen zu können. Aber tatsächlich ist sie gut therapierbar. Es kostet Mut, damit zu beginnen. Aber das ist es wert, wenn dafür gefühlt ein "neues Leben" möglich wird.
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Andromache » Di 14. Jan 2020, 22:28

gargamel hat geschrieben:
Di 14. Jan 2020, 21:50
Gibts da einen googlebaren Fachbegriff?
Nein, leider nicht. Das sind Projekte, die zum Teil aus EU-Fördergeldern finanziert werden. Die gibt es auch nicht permanent, daher sollte man sich bei der Arbeitsagentur erkundigen.
Das Projekt, an dem ich teilgenommen habe, trug den Namen KORA (Kreativität•Orientierung•Aktivität) und war eines dieser durch die EU geförderten Projekte. Auch wenn diese Bezeichnung etwas seltsam anmutet, so war dies ein tolles Programm, das mir sehr geholfen hat.

Aber wie gesagt, es gibt beim Arbeitsamt spezielle Berater, die für Leute mit Vermittlungshemmnissen zuständig sind und die wissen über solche Programme Bescheid. Ich war damals vollkommen blockiert und konnte keine Bewerbungen schreiben. Das habe ich damals auch genauso kommuniziert und wurde daher an eine dieser speziell geschulten Beraterinnen weitergeleitet.

Wäre ich im normalen Vermittlungsprogramm geblieben, hätte ich ganz sicher irgendwann eine Sperre kassiert.
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Di 14. Jan 2020, 21:50

Das was ich meine, sind keine Harzerbeschäftigungsmaßnahmen, sondern spezielle Förderprogramme (oft aus EU-Fördermitteln), für die man sich sogar extra bewerben muss und in die nur Arbeitssuchende aufgenommen werden, bei denen man ein großes Potential für einen Erfolg sieht. Diese Programme gibt es nicht immer, aber es lohnt, sich danach zu erkundigen.
Gibts da einen googlebaren Fachbegriff?
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Andromache » Mo 13. Jan 2020, 22:16

gargamel hat geschrieben:
Sa 11. Jan 2020, 17:25
Du hast dann erstmal etwas Zeit, um dich zu sammeln und erhälst Bewerbungstraining und wirst meistens von deinem Berater auch etwas gecoacht, wenn es nicht sogar spezielle Kurse dafür gibt.
Wie gesagt, blos keine "Harzerbeschäftigungsmassnahmen"...
Das was ich meine, sind keine Harzerbeschäftigungsmaßnahmen, sondern spezielle Förderprogramme (oft aus EU-Fördermitteln), für die man sich sogar extra bewerben muss und in die nur Arbeitssuchende aufgenommen werden, bei denen man ein großes Potential für einen Erfolg sieht. Diese Programme gibt es nicht immer, aber es lohnt, sich danach zu erkundigen.



Das ist es ja, wovor ich Angst habe.
Ja, das ist mir schon klar und genau deshalb solltest du dich deinem Sachbearbeiter anvertrauen und deine Problematik schildern, sonst erhälst du im schlimmsten Fall noch eine Sperre.
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Mo 13. Jan 2020, 21:57

Ich habe gesehen, das es durchaus Selbshilfegruppen gibt, das werde ich mal anpeilen. Zwar auch nicht wirklich in meiner Nähe aber alternativlos...
Das mit Psychotherapie ist denke ich gestorben. Als Kassenpatient - keine Chance. Nichtmal für das Eingangsgespräch.
handeln und raus... es muss ja nicht sofort alles besser weren, aber bei sozialer Phobie: raus aus dem Haus, runter nach Spanien mit Flixbus oder Auto... gut gegen Stagnation ist reisen... und da gitb es innerhalb von Europa viele Möglichkeiten, die allesamt realtiv preiswert umsetzbar sind...
Alles richtig. Meiner Erfahrung sagt mir aber, das ich da einfach nicht einklinke. Ich stehe in kürzester Zeit außerhalb und bin völlig unfähig, mich in Gruppen einzufügen geschweige denn mich zwanglos zu unterhalten.
Es geht einfach nicht.
Manchmal denke ich auch, das ich einfach nix zu sagen habe. Es gibt einfach nix zu sagen. Schwer zu beschreiben.

Den Hikkomori Artikel kenn ich schon. Ganz so schlimm ist es bei mir nicht, aber es gibt natürlich Parallelen. Ich bin auch erst spät bei meinen Eltern ausgezogen.
Aber wie studiert man denn, wenn man den Baföganspruch verdaddelt hat?
Die Miete wäre so teuer gewesen, da hätte ich Vollzeit arbeiten müssen.
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 11. Jan 2020, 17:31

hier eben nicht off-topic: https://www.youtube.com/watch?v=HWY5hzcG_FY , die Hikikomori in Japan, Japan und ADHS, eine in der Quantität unterschätzte Blackbox, würde ich mal sagen...

an der Threadersteller: handeln und raus... es muss ja nicht sofort alles besser weren, aber bei sozialer Phobie: raus aus dem Haus, runter nach Spanien mit Flixbus oder Auto... gut gegen Stagnation ist reisen... und da gitb es innerhalb von Europa viele Möglichkeiten, die allesamt realtiv preiswert umsetzbar sind...
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Sa 11. Jan 2020, 17:25

Vielleicht hätte das mit dem AA einen Extra Tread verdient. Mein Problem ist soziale Phobie, ein großer Teil meiner Probleme lässt sich darauf zurückführen.
Du bräuchtest jemanden, der Bewerbungen für Dich schreibt...
Nein. Sag das blos nicht, sonst verpassen sie mir noch nen Bewerbungstraining ;)
(Musste mal auf einschlägigen Seiten nachlesen...)
Meine Bewerbungen sind schon OK.
Du hast dann erstmal etwas Zeit, um dich zu sammeln und erhälst Bewerbungstraining und wirst meistens von deinem Berater auch etwas gecoacht, wenn es nicht sogar spezielle Kurse dafür gibt.
Wie gesagt, blos keine "Harzerbeschäftigungsmassnahmen"...
Das Problem ist nämlich, dass jeder Jobwechsel dich für potentielle Arbeitgeber unattraktiver macht. Häufige Jobwechsel führen nämlich dazu, dass jeder Personaler stutzig wird und deine Bewerbung gnadenlos im Fach "Kommt nicht in Frage" landet und du erst gar keine Chance erhälst, in einem Gespräch den Grund für deine häufigen Wechsel klarzustellen.
Das ist es ja, wovor ich Angst habe.

Ich habe schon mal überlegt, bei einer Vorstellung diese Probleme einfach offen anzusprechen.
Problematisch ist, das es so einfach keine Lösung gibt... Ich hatte bisher auch irgendwo unheimlich Glück, ich hatte immer Jobs, wo ich alleine arbeiten konnte. Das wird nicht immer gehen.

Die Bewerbung ist immer so ein Ding, was ich noch hinbekomme. Die Probleme kommen immer dann, wo man sich später in ein Team einfügen muss. Bisher hat mich auch z.B. niemand in Bewerbungsgesprächen nach Hobbys gefragt und somit nicht mitbekommen, das ich nirgends Mitglied bin. Ich gehöre also zu keiner Gemeinschaft und habe so gut wie keine Softskills die man damit verbinden würde. Ich bin kein Mannschaftskapitän ;)
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Andromache » Sa 11. Jan 2020, 10:49

gargamel hat geschrieben:
Fr 10. Jan 2020, 21:55
Ich bin immer vorsichtig mit sowas, weil ich immer denke, das diese Informationen/Daten mir irgendwann schaden.

Meint ihr die können einem neben "mehr Rücksicht" irgendwo auch effektiv weiterhelfen?
Lieber @gargamel,

genau diese beiden Dinge hängen eng zusammen. Die Arbeitsagentur kann dir nur dann effektiv helfen, wenn man dort deine Probleme kennt. Erst dann entwickeln die meisten Sachbearbeiter auch Verständnis. Aber dazu musst du dich öffnen und vertrauen, ansonsten wirst du nur wie ein 0815-Kunde gesehen und auch so behandelt, nämlich als jemand, der die Klappe zu halten und sich so schnell wie möglich wieder in den Arbeitsmarkt einzufügen hat, ohne Rücksicht auf Verluste.

Anders als ein potentieller Arbeitgeber muss das Arbeitsamt dies sogar wissen und geht vertrauensvoll damit um. Du hast also nichts zu verlieren. Das einzige, was dir passieren kann, ist auf einen unfähigen oder unwilligen Sachbearbeiter zu treffen, aber auch so jemanden kannst du mit Kooperationswilligkeit und Engagement meistens auf deine Seite ziehen.
Du hast dann erstmal etwas Zeit, um dich zu sammeln und erhälst Bewerbungstraining und wirst meistens von deinem Berater auch etwas gecoacht, wenn es nicht sogar spezielle Kurse dafür gibt.

Aber das gibt es natürlich dort auch nicht umsonst, sondern du musst schon mit einer Strategie dort auftauchen und ihnen klar machen, dass du nicht für den 1. Arbeitsmarkt verbrannt werden willst. Das Problem ist nämlich, dass jeder Jobwechsel dich für potentielle Arbeitgeber unattraktiver macht. Häufige Jobwechsel führen nämlich dazu, dass jeder Personaler stutzig wird und deine Bewerbung gnadenlos im Fach "Kommt nicht in Frage" landet und du erst gar keine Chance erhälst, in einem Gespräch den Grund für deine häufigen Wechsel klarzustellen.

Das bedeutet, du musst einen Job finden, der zu deinen Talenten und Fähigkeiten passt und dazu musst du diese kennen und benennen können. Und du musst deinem Sachbearbeiter signalisieren, dass du reflektiert bist und auch eigenverantwortlich nach solch einer Tätigkeit suchst. Einfach nur dort auftauchen und "ich kann aber nicht" formulieren, macht den Sachbearbeiter nicht zu deinem Freund!

Wenn du Hilfe brauchst, kannst du mir gerne eine PN senden, denn ich habe mit meiner Strategie sehr gute Erfahrungen mit der Arbeitsagentur gemacht und habe durch meine Hartnäckigkeit und Geduld mit mir selbst zum Glück die Seiten gewechselt und bin jetzt Personalerin (übrigens mein Traumjob!)... muss also keine Bewerbungen mehr schreiben, sondern sie nur noch lesen und beurteilen... ;-) Ich weiß also wovon ich rede bzw. schreibe.

Liebe Grüße
Andromache
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Andromache » Sa 11. Jan 2020, 10:23

UlBre hat geschrieben:
Fr 10. Jan 2020, 22:49
Du bräuchtest jemanden, der Bewerbungen für Dich schreibt...
Gibts für so was nicht Dienstleister ? Falls nein, wäre es ne Marktlücke...
Klar, kostet, aber keinen Job kriegen weil es zu wenig Bewerbungen gibt ist am Ende deutlich teurer...
Nein, so einfach ist es leider nicht, UlBre.
So schnell wie möglich (irgend)einen Job zu kriegen, hilft gerade ADHSlern nicht weiter, sondern ist - im Gegenteil - absolut kontraproduktiv. Denn meistens führt gerade das dazu, dass man für den 1. Arbeitsmarkt verbrannt wird, denn zu häufige Jobwechsel machen nun wirklich alle Personaler - auch die Mutigen, die Bewerbern mit schwierigen Lebensläufen eine Chance geben - stutzig und man wird als Bewerber gnadenlos aussortiert.

Genau DAS führt auf gerader Strecke und mit absoluter Sicherheit ins soziale Abseits!

Ich werde gargamel jedoch noch ausführlicher antworten.
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von UlBre » Fr 10. Jan 2020, 22:49

Du bräuchtest jemanden, der Bewerbungen für Dich schreibt...
Gibts für so was nicht Dienstleister ? Falls nein, wäre es ne Marktlücke...
Klar, kostet, aber keinen Job kriegen weil es zu wenig Bewerbungen gibt ist am Ende deutlich teurer...
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » Fr 10. Jan 2020, 21:55

Moin,

ich bin immer vorsichtig mit sowas, weil ich immer denke, das diese Informationen/Daten mir irgendwann schaden.

Meint ihr die können einem neben "mehr Rücksicht" irgendwo auch effektiv weiterhelfen?

Das Problem mit dem AA ist ja das mit den ZAF-Rattenfirmen, die nehmen jeden den sie kriegen, selbst dann, wenn man durchblicken lässt das man kleine Lust hat/der falsche für den Jobn ist.



PS:
wart ihr schon mal länger Arbeitslos?
Länger als einen Monat halte ich das glaube ich nicht aus. Meine Erfahrung: am Anfang ist es total geil, dann kippt die Stimmung und nach 4-6 Wochen bin ich am Boden ;)
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von Andromache » So 5. Jan 2020, 21:31

gargamel hat geschrieben:
So 5. Jan 2020, 00:09

Ich hätte eigentlich schon zig Bewerbungen schreiben können... Aber ich will eigentlich gar nicht.

Und gleich krankschreiben lassen um Therapie realisieren zu können - hmm ja. Im Grunde bin ich da gnadenlos rot eingestellt was Arbeitnehmerrechte und deren praktische Anwendung angeht. Aber...
OT, aber wichtig:
@gargamel
Es gibt bei der Arbeitsagentur übrigens eine besondere Möglichkeit der Betreuung. Das ist für "Kunden mit "Vermittlungshemmnissen"" gedacht. Diese Berater nehmen etwas mehr Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer "Kunden", coachen dich und bauen nicht diesen Druck bzgl. der Bewerbungsquantität auf. Das setzt jedoch voraus, dass du deine Probleme offenlegst und bei deinem Sachbearbeiter auf Verständnis stößt. Falls ja, nimmt das schon mal sehr viel Druck raus und du musst nicht ständig Alibi-Bewerbungen schreiben bzw. hast keine Sanktionen zu befürchten, wenn du das nicht tust.
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von UlBre » So 5. Jan 2020, 00:22

gargamel hat geschrieben:
So 5. Jan 2020, 00:09
Klar ist, das der Meachanismus ein anderer ist wie bei Opium oder Alkohol, das hab ich verstanden. Ich meine trotzdem mal in der AW gelesen zu haben, das Leute mit der Zeit immer höher dosieren.
Nope.
Es gibt in der Regel eine einmalige Anpassung nach oben so nach 3 bis 6 Monaten. Ein ständiges höherdosieren ist komplett ungewöhnlich und absolut nicht typisch. Dann stimmt was anderes nicht.
Black lives matter.
gargamel
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Re: Leicht OT: Soziale Phobie...

Ungelesener Beitrag von gargamel » So 5. Jan 2020, 00:09

Was julai schreibt ist natürlich ermutigend.

Ich habe das Gefühl, das MPH in der Tat umgänglicher macht. Aber das allein genügt nicht.
Ich weiß auch nicht, ob ich eigentlich wirklich mehr Kontakt mit anderen möchte. Ich kenne eigentlich nur meine Eigenbrödlerei.

Meine Gedanken gehen eigentlich erstmal kurzfristig, wie überlebe ich beim nächsten Arbeitgeber, wie vermeide ich es mir gleich mit den Kollegen dort zu verscherzen.
Im Grunde hab ich da fast null Kontrolle drüber, es passiert mir quasi alles. Ich reagiere nur auf die jeweilige Situation, aber ohne Plan.
Davor hab ich Angst, bzw. null Bock drauf.

Ich hätte eigentlich schon zig Bewerbungen schreiben können... Aber ich will eigentlich gar nicht.

Und gleich krankschreiben lassen um Therapie realisieren zu können - hmm ja. Im Grunde bin ich da gnadenlos rot eingestellt was Arbeitnehmerrechte und deren praktische Anwendung angeht. Aber...
Zuerst einmal kann ich Dich aber beruhigen: Stimulanzien (MPH wie AMP) in medikamentöser Dosierung sind nichts, woran ein Körper sich gewöhnt. Klar
Klar ist, das der Meachanismus ein anderer ist wie bei Opium oder Alkohol, das hab ich verstanden. Ich meine trotzdem mal in der AW gelesen zu haben, das Leute mit der Zeit immer höher dosieren.
Ich müßte das mal im Detail nachlesen.
Jeden Tag MPH ist in jedem Fall nix für mich.


Vor jahren hatte ich mal Amphetamin als Hustensaft, das hatte eher weniger die Rebound Probleme, aber die Dosierung mit Einwegspritze und der schlecht haltbare Saft, das war alles nicht so praxistauglich. Mein Arzt wollte das auch nicht mehr verschreiben
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