ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Leben, lieben, leiden, lachen... Was AD(H)S mit einem macht und was man mit AD(H)S machen kann.
Addy Haller
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » So 19. Jan 2020, 19:23

Es freut mich wirklich sehr, dass wir da einer Meinung sind. :)
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Andromache
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Andromache » So 19. Jan 2020, 18:55

Addy Haller hat geschrieben:
So 19. Jan 2020, 18:45
Das ebenso unwissenschaftlicher, gleichwohl gefährlicher Quatsch, wie er von Herrn Hüther verbreitet wird und soll einfach nur dazu dienen, die Taschen dieser werten Herrschaften zu füllen - auf Kosten der Betroffenen, die das glauben und denen damit eine wirklich wirksame Behandlung vorenthalten wird.
OK, so wird ein Schuh draus! Dann bin ich ganz bei dir, denn dagegen kämpfe ich auch. Das ist ein absolutes K.O.-Kriterium und absolut unseriös. Und wenn ich den Namen Hüther höre oder lesen, dann bekomme ich sowieso Schnappatmung. Zum Glück wird er nun nicht mehr so häufig zu TV-Talkshows eingeladen.
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » So 19. Jan 2020, 18:45

Ich lehne mich gar nicht aus dem Fenster, das ist eine Kritik, die von Seiten der Wissenschaft kommt.

Und mir ist die Sache natürlich nicht egal, wenn im Netz überall von selbsternannten HSP-Coaches behauptet wird, viele ADHS-Diagnosen seien falsch, die Leute seien nicht krank, sondern einfach nur hochsensibel.

Das ebenso unwissenschaftlicher, gleichwohl gefährlicher Quatsch, wie er von Herrn Hüther verbreitet wird und soll einfach nur dazu dienen, die Taschen dieser werten Herrschaften zu füllen - auf Kosten der Betroffenen, die das glauben und denen damit eine wirklich wirksame Behandlung vorenthalten wird.
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Andromache » So 19. Jan 2020, 18:26

Addy Haller hat geschrieben:
Sa 18. Jan 2020, 15:55
Die eine Seite der "Hochsensibilität" ist ja die Überempfindlichkeit durch den zu offenen Reizfilter, was ich einfach als ADHS-Symtom bezeichne. Auf die Nähe zum Neurotizismus hast du ja auch hingewiesen. Die andere Seite ist die angeblich besondere Sensibilität für Schönheit, Kunst etc., was damit ja erstmal gar nix zu tun hat. Die nicht rationale Verquickung dieser beiden Merkmale ist ja auch eine zentrale Kritik an dem ganzen Konstrukt.
Was bitte soll an dieser "Verquickung" nicht rational sein? Wenn "zu offene Reizfilter" ein Symptom von Hochsensibilität darstellt, dann finde ich eine überdurchschnittliche Affinität zu Ästhetik, Musik und darstellenden Kunst ziemlich logisch. Denn diese drei Bereiche sprechen alle Sinne eines Menschen an und verfügt dieser über überdurchschnittlich sensible Sinne, dann wird er dafür auch empfänglicher seinals Menschen mit einem normal funktionierendem Reizfilter.
Addy Haller hat geschrieben:
Sa 18. Jan 2020, 15:55
Mit dem ersten Aspekt erhofft man sich vielleicht mehr Akzeptanz bei Überforderung (bei anderen und auch bei sich selbst), mit dem zweiten Aspekt wird man Teil einer privilegierten Gruppe. Beide Aspekte dienen also der Befriedigung eines Grundbedürfnisses, nämlich der Erhöhung des Selbstwerts. Selbstwertdienlich ist natürlich auch, das HSP auf keinen Fall eine Krankheit sein darf.
Meinst du nicht, dass du dich mit solchen Unterstellungen sehr weit aus dem Fenster lehnst?!

Du solltest vielleicht mal darüber nachdenken, warum du dich geraden an diesem Thema so festbeißt, obwohl du ja der Ansicht bist, dass es Hochsensibilität gar nicht gibt. Eigentlich könnte dir das Thema doch egal sein, aber irgendwie thematisierst du es immer wieder. ;-)
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Cassiopeia » So 19. Jan 2020, 17:50

@Addy Haller

Allervollste Zustimmung zurück!

Du hast das Thema hochsensibelst aufbereitet :P

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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 18. Jan 2020, 23:57

Noch mal kurz zu Hochbegabung selbst: Wer meint, man könne sich etwas einbilden, weil man hochbegabt ist, Hochbegabung ist zunächst mal Potential... was man daraus macht, das ist das Entscheidende... und Hochbegabung kann, aber muss nicht ein Faktor für Erfolge im Leben sein... in sehr vielen Fällen ist Hochbegabung ein Faktor für Scheitern im Leben, die Weltrekordlerin bei den IQ-Tests war ein Sozialfall... was viel wichtiger ist im Leben als hohe Intelligenz, das ist soziale Kompetenz... Jürgen Klopp ist wahrscheinlich überdurchschnittlich intelligent, aber nicht hochbegabt. Der wichtigste Erfolgsfaktor von Jürgen Klopp ist, dass er es sozial unglaublich drauf hat, dass er Charisma und eine positive, sympathische Ausstrahlung hat, dass er Biss, Durchsetzungsvermögen und einen starken Willen hat... solche Qualitäten sind in der Realität wichtiger als bloß intelligent zu sein... ich bin selbst hochbegabt und weiß aus Erfahrung, wie wenig Hochbegabung allein mir gebracht hat... man darf es übrigens den anderen niemals zeigen.... arrogante, noch so schlaue Unsympathen mag nämlich keiner... und anders als Overthesky, der in ADHS-Internetforen regelmäßig durch Klugscheißerei auffällt ist die Person hinter dem Pseudonym Overthesky im realen Leben überhaupt nicht so, sondern ich hänge Wissen im realen Leben niemals zu sehr raus und gelte zwar als recht nerdig, aber als unkompliziert, umgänglich und sympathisch... wie gesagt, das Internet ist nicht das reale Leben und wer zu viel im Internet nur sich bewegt, der verpasst das wahre Leben, man hat nur dieses eine und sollte es nicht zu sehr in virtuellen Welten mit virtuellen Kontakten statt Freunden und realen Kontakte zu Menschen verschwenden...
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Sa 18. Jan 2020, 15:55

Cassiopeia hat geschrieben:
Sa 18. Jan 2020, 10:51
Addy Haller hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 22:36
Die Existenz von Hochsensibilität ist ja sowieso nicht belegt, eine mögliche Dimensionalität also erst recht nicht.
Hi Addy Haller,
Ja, lass uns die HSP-Schleife noch weiter fliegen (ein bisschen wegmeandern vom Thread-Thema). ;)

Naja, dimensionale Ausprägungen sind bei psychologischen Konstrukten wahrscheinlicher als kategoriale Merkmale. Wenn man für ein Merkmal Kategorialitaet behauptet, lehnt man sich weiter aus dem Fenster. Dimensionalitaet wäre eher "Standard" und weniger nachweispflichtig.
Ich glaube es geht bei dem Hochsensibilitaetsthema nicht darum, ob Hochsensibilitaetsthema "existiert", sondern ob es Wissenschaftler überzeugt, aus bereits vorhandenen Konstrukte ein neues zu basteln.
Hi Cassiopeia,

sorry, ich hatte schreiben wollen "eine mögliche Nicht-Dimensionalität" als erst recht nicht.

Ansonsten volle Zustimmung. Mit der Inanpruchnahme des Merkmals "kategorial" würde es für die HSP sicher noch schwerer, wissenschaftliche Akzeptanz zu erreichen. Abgesehen davon ist es ja nicht so, dass ich das Thema "Hochsensibilität" einfach "nicht mag", sondern dass es sich bislang einfach nicht in der Wissenschaft etablieren konnte - und das, obwohl es schon mehr als zwei Jahrzehnte virulent ist, und zwar auch in der Öffentlichkeit, was ja sonst eher selten der Fall ist. Und mich selbst überzeugt das Ganze eben auch nicht.

Die eine Seite der "Hochsensibilität" ist ja die Überempfindlichkeit durch den zu offenen Reizfilter, was ich einfach als ADHS-Symtom bezeichne. Auf die Nähe zum Neurotizismus hast du ja auch hingewiesen. Die andere Seite ist die angeblich besondere Sensibilität für Schönheit, Kunst etc., was damit ja erstmal gar nix zu tun hat. Die nicht rationale Verquickung dieser beiden Merkmale ist ja auch eine zentrale Kritik an dem ganzen Konstrukt.

Allerdings halte ich diese beiden Aspekte zentral für die große Beleibheit des Themas in der Öffentlichkeit: Mit dem ersten Aspekt erhofft man sich vielleicht mehr Akzeptanz bei Überforderung (bei anderen und auch bei sich selbst), mit dem zweiten Aspekt wird man Teil einer privilegierten Gruppe. Beide Aspekte dienen also der Befriedigung eines Grundbedürfnisses, nämlich der Erhöhung des Selbstwerts. Selbstwertdienlich ist natürlich auch, das HSP auf keinen Fall eine Krankheit sein darf.

Beste Grüße!

Addy

P.S.: Naja, der Hyperfokus ist passé, aber ich bleibe dran :D

P.P.S.: Danke für den Link. Über folgende Zeile bin ich - nicht zum ersten Mal - gestolpert: "Eine hohe Sensitivität für sensorische Verarbeitungsprozesse ist eng verbunden mit der ersten Strategie: Erst überlegen, dann handeln." Finde den Fehler... :lol:
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 18. Jan 2020, 11:27

Addy Haller hat geschrieben:
Sa 18. Jan 2020, 08:54
Inwiefern kapriziert sich Neuhaus denn auf „Oberschichts-ADHSler“? Ganz allgemein fallen Leute mit reichen Eltetn weicher - egal ob ADHS oder nicht.

Und wen meinst du mit den linksliberalen Aufsteigern?
Schau dir mal Familie Ochs aus "Zappelphilipp und Traumsuse" an https://www.spiegel.tv/videos/140142-leben-mit-adhs , den Namen darf ich hier nennen, da er sowieso öffentlich ist... Neuhaus entstammt einer hochgradig elitären Familie, wo zwar offensichtlich Wert auf Leistung und selbstständige Finanzierung des Lebensunterhalts gelegt wurde, so quasi in preußischer Tradition... aber die Fokussierung in der Wahrnehmung zumindest mir gegenüber auf eben diese Vorzeige-Beispiele wie Bill Gates, die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin und generell ein latentes Denken im Sinne von Anything Goes zumindest mir gegenüber, das entsprach weder meiner Gesamtkonstitution noch meiner Gesamtsituation, Biomedizin (volle Ermunterung dazu von Neuhaus) war ein Luftschloss, ich war in Wahrheit niemals ein Bio-Genie, dazu Verweis auf das eine Bio-Genie, das auch in "Zappelphilipp und Traumsuse" vorkommt, so jemand wie der Junge in der Doku dort, so wie der war ich nie , ich war von meiner Interessenlage immer Allrounder... und selbst für diese tatsächlichen Bio-Genies, auch für die ist die Realität ganz anders als das Paradies (siehe Eröffnungspost im anderen Thread)... ich bin generell für mehr Bodenständigkeit auch unter hochbegabten ADHSlern (das ist somit wieder on-topic in diesem Thread), ich bin gegen ein unkritisches Anything Goes (wir fahren jetzt mit dem Planwagen nach Westen und schauen mal, was dabei raus kommt, die Tellerwäscher zum Millionär Story ist das im Großen und Ganzen) auch unter hochbegabten ADHSlern... Che Guevara: Seien wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche (das endete in Bolivien in einem Canyon mit anschließender Erschießung durch Regime-Soldaten)... eben gerade nicht!... Seien wir realistisch, konzentrieren wir uns auf das Wesentliche im Leben!... und das Wesentliche ist eben nicht "Wir heilen den Krebs", das Wesentliche ist, sich selbst ohne die Eltern finanzieren zu können, materiell und insgesamt unabhängig zu sein und als Person sich im Leben etabliert zu haben...

PS: linksliberalen Aufsteigern, Saskia Esken, der neue Betriebsunfall der SPD an deren Spitze , die war mal nebenbei vorher Vize im Landeselterbeirat in Ba-Wü
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Cassiopeia » Sa 18. Jan 2020, 10:51

Addy Haller hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 22:36
Cassiopeia hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 21:52
Wobei sie, wenn ich mich recht erinnere, von Hochsensibilität als nicht dimensionalem Merkmal ausgeht, ich glaube aber, dass dies nicht belegt ist.
Die Existenz von Hochsensibilität ist ja sowieso nicht belegt, eine mögliche Dimensionalität also erst recht nicht.
Hi Addy Haller,
Ja, lass uns die HSP-Schleife noch weiter fliegen (ein bisschen wegmeandern vom Thread-Thema). ;)

Naja, dimensionale Ausprägungen sind bei psychologischen Konstrukten wahrscheinlicher als kategoriale Merkmale. Wenn man für ein Merkmal Kategorialitaet behauptet, lehnt man sich weiter aus dem Fenster. Dimensionalitaet wäre eher "Standard" und weniger nachweispflichtig.
Ich glaube es geht bei dem Hochsensibilitaetsthema nicht darum, ob Hochsensibilitaetsthema "existiert", sondern ob es Wissenschaftler überzeugt, aus bereits vorhandenen Konstrukte ein neues zu basteln.

Für mich macht die Frage, ob HSP existiert, keinen Sinn, da bei allen dimensionalen Merkmalen hohe und niedrige Ausprägungen vorkommen (es gibt logischerweise auch unterdurchschnittlich sensible = "Hyposensible"). Wichtiger ist es, zu erfassen, wie das Konstrukt sinnvoll definiert werden soll (z. B. "negativer Affekt" plus "high sensory-processing sensitivity", das würde sich mit unlecker Neurotizismus überschneiden, oder nur "high sensory-processing sensitivity"; nur auf die fünf Sinne bezogen oder auch auf Gefühle und Empathie oder eins von beidem).

Hier scheint mir das Thema ganz vernünftig aufbereitet:
https://hochsensibilitaet.net/ueberblic ... ibilitaet/

Für den gemeinen ADxSler reicht meiner Meinung nach die Erkenntnis, dass man ggf. wegen loechrigem bzw. out-of-order Reizfilter, leicht reizüberflutet wird und dann an Funktionsfähigkeit einbüßt. Das kann man liebevoll HS nennen oder nicht, Hauptsache, man entwickelt Schutz- und Copingmassnahmen hierfür, damit mehr Strom für das schöne Leben übrig bleibt 8-) .

Voelligst unsensible, aber wohlwollende Grüße,
Cassiopeia

P.S.: Heute schon hyperfokachtsamt? ;)
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Sa 18. Jan 2020, 08:54

Inwiefern kapriziert sich Neuhaus denn auf „Oberschichts-ADHSler“? Ganz allgemein fallen Leute mit reichen Eltetn weicher - egal ob ADHS oder nicht.

Und wen meinst du mit den linksliberalen Aufsteigern?
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Sa 18. Jan 2020, 01:23

PS: Um auf Cassiopeia zu antworten, ich bin nicht per se gegen Studium... ich bin nur gegen den überzogenen gesellschaftlichen Stellenwert, den Abitur und Studium heutzutage haben und dass der Mensch in gewissen Kreisen unterschwellig als weniger wert betrachtet wird, wenn er kein Abitur oder keinen Universitätsabschluss hat (siehe die linksliberalen Aufsteiger) und auch bin ich gegen die materielle Fata Morgana, den der Akademisierungswahn für das Individuum und für die Volkswirtschaft darstellen... wer es kann, wer es will, wer ausreichendes materielles Backing durch das Elternhaus hat (an der Stelle Gruß an Neuhaus, ich entstamme einer durchschnittlich wohlhabenden Familie und meine Eltern sind sozioökonomisch überhaupt nicht elitär... rein materiell falle ich nicht so weich wie einiger dieser elitären Oberschichtsadhsler(ich meine nicht Neuhaus, der nichts geschenkt wurde, persönlich, sondern die dortige etwas überzogene Priorisierung in der Wahrnehmung auf Oberschichtsadhsler, insgesamt habe ich Neuhaus alles zu verdanken, worüber ich sehr wohl extrem dankbar bin) , auch Bill Gates, Larry Page, Sergey Brin und andere Vorzeige-ADHSler waren materiell durch ein jeweils wohlhabendes Elternhaus gut abgesichert), der kann unter Umständen als ADHSler alles studieren, auch Geschichte, Philosophie, Film... wer ADHS in nicht zu schwergradiger Ausprägung hat und sofern er/sie sicher ist, dass er/sie dieses Leben auch so führen will, auch Medizin, Jura usw.... wer materiell nicht abgesichert ist und dessen ADHS schwergradig ist... Vorsicht! die eigene Gesamtkonstitution und Gesamtsituation vorher gründlichst reflektieren... Informatik, Ingenieurwissenschaften, wer da gut ist als Absolvent, der hat materiell eine glänzende Perspektive... aber wie gesagt, das materielle ist längst nicht alles im Leben...
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Fr 17. Jan 2020, 22:36

Cassiopeia hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 21:52
Wobei sie, wenn ich mich recht erinnere, von Hochsensibilität als nicht dimensionalem Merkmal ausgeht, ich glaube aber, dass dies nicht belegt ist.
Die Existenz von Hochsensibilität ist ja sowieso nicht belegt, eine mögliche Dimensionalität also erst recht nicht.
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Cassiopeia » Fr 17. Jan 2020, 21:52

Overthesky hat geschrieben:
Fr 17. Jan 2020, 20:11
PS: sofern jetzt korrekt in Erinnerung ergibt sich di Quote an Hochbegabung aus dem 95%-Konfidenzintervall bei den IQ-Tests... meine Statistik-Kenntnisse sind leider nicht (mehr) ausreichend dafür...
Hallo Overthesky,

erstmal, Du hast noch grob im Kopf, was ein Konfidenzintervall ist und rätst trotzdem mit messianischem Eifer vom Studieren ab? Hat sich nicht dafür schon Dein Studium gelohnt :lol: ?

on topic: Nein, die 3 Prozent ergeben sich daraus, dass als Hochbegabung eine kognitive Leistungsfähigkeit definiert wird, die zwei Standardabweichungen über dem Mittelwert liegt.
Der Bereich zwischen je einer Standardabweichung unter und über dem Mittelwert wird bei normalverteilten Merkmalen als "Durchschnitt" definiert. Dies ist beim IQ der Bereich von 85 bis 115 (Mittelwert = 100, Standardabweichung = 15). Den IQ kann man in Prozentränge umrechnen und erhält eine Aussage, wieviel Prozent der Personen eine gleich gute oder schwächere Leistung erzielen.
Und da landet man bei einem IQ zwei Standardabweichungen über dem Mittelwert (130) bei einem Prozentrang von 97,72. Demnach sind 2,28 % aller Menschen als hochbegabt definiert, das wird gerundet und meist als "etwa 3%" wiedergegeben. Was auch hinreichend genau ist, da die Tests so eine genaue Festlegung ohnehin nicht zulassen (und da kämen dann das Konfidenzintervall ins Spiel - please don't ask ... :lol: ).

(Off topic: Deshalb besagt Elaine Arons Angabe, dass 15-20 Prozent der Menschen hochsensibel sind nur, dass die ca. 16 Prozent, die bei normalverteilten Merkmalen nunmal statistisch über dem Durchschnitt liegen, überdurchschnittlich sensibel sind - ebenso könnte man angeben, dass sie unteren 16 Prozent unterdurchschnittlich sensibel sind und das wäre kein bahnbrechendes Forschungsergebnis. Wobei sie, wenn ich mich recht erinnere, von Hochsensibilität als nicht dimensionalem Merkmal ausgeht, ich glaube aber, dass dies nicht belegt ist.).

Statistische Grüße,
Cassopeia
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Fr 17. Jan 2020, 20:11

außerdem: die Anzahl der Fälle von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in der Psychiatrie, bei denen gleichzeitig ADHS und Hochbegabung vorliegt, die Zahl ist offensichtlich tasächlich höher als die 3%... das liegt aber nicht daran, dass es unter ADHSlern mehr Fälle von Hochbegabung gibt, sondern daran, dass Hochbegabung plus ADHS eine sozial toxische Kombination darstellt, Mobbing in der Schule, Ausgrenzung etc... jemand mit Hochbegabung ist oft speziell und kauzig, jemand mit Hochbegabung plus ADHS ist nochmals extra speziell mit all den sozialen Folgen und den Folgen für die psychische Gesundheit. Bei Betrachtung der Gesamtheit der ADHSler, also den diagnostizierten bzw. denen, die in Behandlung sind plus denen, die ADHS haben, aber nicht in Behandlung sind und/oder nicht diagnostiziert sind, da würde man eine Quote an Hochbegabung finden, die weitgehend den 3% Anteil Hochbegabung an der Gesamtbevölkerung entspricht...

PS: sofern jetzt korrekt in Erinnerung ergibt sich di Quote an Hochbegabung aus dem 95%-Konfidenzintervall bei den IQ-Tests... meine Statistik-Kenntnisse sind leider nicht (mehr) ausreichend dafür...
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von julai » Di 14. Jan 2020, 16:40

Genau, für Narzissmus braucht man eine ganze Menge Symptome. Allein schon müssen die Kriterien für eine psychische Störung erfüllt sein und dann nochmal die Kriterien für eine Persönlichkeitsstörung.
Meine Ex-Therapeutin hat mal angemerkt, sie würde mich ein bisschen für narzisstisch halten, und ob ich hochbegabt bin, hat man mich auch schon... dreimal oder so gefragt. Ich frage mich das auch, weil ich absurd gute Noten habe und ein deutliches "need for cognition". Aber dann denke ich mir, ach was, ich bin nicht hochbegabt, nur narzisstisch-selbstverliebt, sodass ich sowas denke :D
Aber interessieren würde es mich schon. Einen Intelligenztest mit Medis hatte ich noch nicht. Ist aber auch egal letztendlich.

Intelligenz ist nun mal ein Thema, das recht stark emotional besetzt ist. Ich hab im Studium diesen Text zu lesen bekommen, den ich ganz spannend fand, weil er die Validität (Gültigkeit) des Konstruktes Intelligenz und auch von Intelligenztests verteidigt: https://econtent.hogrefe.com/doi/full/1 ... 42/a000290
Ich schreibe einen Blog zu Nachhaltigkeit, Neurodiversität und Nonsens!
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mo 13. Jan 2020, 22:11

Andromache hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 21:49
Addy Haller hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 21:05
Naja, eine unrealistische Selbsteinschätzung ist schon noch etwas anderes als Narzissmus...
Na ja, unrealistische Selbsteinschätzung ist ein Symptom von Narzissmus.
Genau, unrealistische Selbsteinschätzung ist EIN Symptom von Narzissmus. Es gehört aber schon noch etwas mehr dazu. Die meisten Menschen mit unrealistischer Selbsteinschätzung dürften keine Narzissten sein.
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Andromache » Mo 13. Jan 2020, 21:49

Addy Haller hat geschrieben:
Mo 13. Jan 2020, 21:05
Naja, eine unrealistische Selbsteinschätzung ist schon noch etwas anderes als Narzissmus...
Na ja, unrealistische Selbsteinschätzung ist ein Symptom von Narzissmus.
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mo 13. Jan 2020, 21:05

Naja, eine unrealistische Selbsteinschätzung ist schon noch etwas anderes als Narzissmus...
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Re: ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Mo 13. Jan 2020, 21:02

aus der Esoterik-Ecke und aus Kreisen um einen "Professor", der mal vor ganz langer Zeit in der Neurobiologie tätig war, kam vor einigen Jahren auch auf, dass Kinder begabbar seien und "jedes Kind hoch begabt" sei... das wurde damals von der auf Gleichmacherei bedachten linksliberalen Bildungsszene in Deutschland (siehe damals Warminski-Leitheuser in Ba-Wü) auch begeistert aufgenommen... Intelligenz ist aber ähnlich stark erblich wie ADHS, zu ungefähr 80% (und da sollte man Bildung nicht mit Intelligenz gleichsetzen, Intelligenz ist lediglich die Fähigkeit zu höherer Bildung, ob dieses Potential genutzt wird, ist eine andere Frage) und Kinder sind nur in Grenzen begabbar... man wird aus einem Forrest Gump auch mit noch so viel Förderung niemals einen Einstein machen können... sorry für das Klugscheißen hier, aber das sind alles für ein ADHS-Forum relevante Punkte...
Overthesky
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ADHS und Hochbegabung, ADHS oder Hochbegabung

Ungelesener Beitrag von Overthesky » Mo 13. Jan 2020, 20:47

dazu ein kurzes BBC-Video von gestern.... https://www.bbc.com/news/av/uk-england- ... -a-toddler

Hochbegabung findet man bei ADHS weitgehend genau so häufig wie bei Menschen ohne ADHS, um die 3% und die Intelligenz bei ADHS ist weitgehend normalverteilt. Wahrscheinlich liegt das Intelligenzniveau durch den Schnitt aller Personen mit ADHS sogar leicht unter dem Durschnitt der Gesamtbevölkerung, da Teilleistungsstörungen wie Legasthenie, Dyskalkulie usw, die bei der Hirnentwicklungsstörung ADHS deutlich häufiger sind als bei Nicht-ADHSlern die Scores in IQ-Test bzw. den Durschnitt des Intelligenzniveaus negativ beeinflussen. Nun werden Hochbegabung und ADHS (Hochsensibilität?) immer wieder miteinander verwechselt, wobei natürlich beides auch gleichzeitig vorliegen kann. ADHSler sind tendenziell open-minded, reizoffen, nehmen von der Umwelt mehr wahr (wenn auch unkontrolliert wahr) als Normalpersonen, aber Neugier, Reizoffenheit, Openmindedness, das ist nicht dasselbe wie Intelligenz. Der Patient in dem Video, na ja, "brain of Einstein"...nicht nur Neuhaus verweist auf das im Verhältnis zu Nicht-ADHSlern weitaus häufigere Auftreten von Narzisstischer Persönlichkeitsstörung und narzisstischer Persönlichkeitsakzentuierung (ich mein das allgemein, nicht den Patient in dem Video) bei ADHS... gemeint sind auf gut deutsch Personen, die gerne ein Einstein wären, es bei Lichte betrachtet dann aber doch nicht sind...
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