Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Alles, was AD(H)S spezifisch bei Erwachsenen betrifft, sofern es nicht besser in den medizinischen Bereich passt (z.B. Diagnose). Dieses Forum ist auch für NIchtmitglieder lesbar.
Addy Haller
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » So 16. Feb 2020, 11:00

Um das nochmal klarzustellen:

Ich habe nicht von Lernschwäche gesprochen, sondern von einer veränderten Lernkurve, die bei ADHS ein sehr verbreitetes Phänomen im schulischen, aber auch im beruflichen Kontext ist: Das Lernen verläuft zunächst sehr viel langsamer, irgendwann kann man es aufholen und wenn es gut läuft, überflügelt man die anderen irgendwann sogar.

Einfach mal Heiner Lachenmeier, ADHS und Beruf googeln, dann kann man sich u.a. ein Video von seinem Vortrag in Münsingen 2017 ansehen.
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Sayo
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Sayo » Sa 15. Feb 2020, 21:24

Wow erstmal Danke für die vielen Tipps und so ^^
hannes hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 08:38
Eine Frage dazu: @Sayo Wie ist deine Diagnose: ADHS mit Hyperaktivität?
Bei mir wurde mit vier Jahren ADS festgestellt also eher das ruhige (jedoch denken manche Freunde dass ich ADHS habe weil ich unter Freunden sehr aufgedreht sein kann XD)und mit 24 nochmal bei meiner Psychologin

Klar Job wechseln aber so komme ich ja im leben nicht weiter ^^ ich bin ein nacht mensch und habe festgestellt dass ich wenn es nach meinem Tagesablauf ging erst so um 16 uhr aktiv arbeite
Und das mit der lernschwäche weiß ich soll ich angeblich auch haben obwohl ich inzwischen denke das dies auch das ADS ist ausreden lasse ich mir diesen Beruf nicht da ich wirklich sehr dafür gekämpft habe und ich einfach den Umgang mit Kindern liebe und mir spaß mich schon alleine dass die Kinder zu mir kommen mich um Armen oder die Grippe Kinder lächeln wenn sie mich sehen und ich sofort auf meinem schoß setzen (ich könnte dahin schmelzen) und ich einfach es gewöhnt bin dass ich um alles kämpfen muss

Dummerweise habe ich wenn es ganz dumm kommt und ich schlechtes feedback bekomme oder wie neulich kurz vor Ende Weihnachtsferien eine Depressive Phase/n wo ich an mir Zweifel Angst habe es nicht zu schaffen und so doch die halten immer nur einem Tag bis jetzt
Maxmalwieder
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Maxmalwieder » Sa 15. Feb 2020, 16:25

Bei den Anregungen, die verpuffen, kommt mir die Idee, dass das Umsetzungsproblem vielleicht auch ein Übersetzungsproblem sein kann. Will sagen: Andere geben einem immer gerne Anregungen, die für sie völlig klar und plausibel sind - und für andere Neurotypische vielleicht auch. Aber vielleicht brauchen wir etwas anderes?

Anregungen, die ich in verschiedenen Situationen gekriegt habe, waren mir
- zu sehr am Problem, weniger an der Lösung. Klar, wenn jemand immer zu spät kommt oder zu lange für Projekte braucht, kann (und muss wahrscheinlich) man das benennen. Aber viel sinnvoller sind Lösungsvorschläge wie "wenn Du merkst, dass ein Projekt länger braucht als geplant, sag bescheid" oder "verdopple beim Planen die Zeit, die Du glaubst zu brauchen".
- zu unkonkret. Statt z.B. "überlege doch mal, diesen mehrstufigen Arbeitsgang in einer anderen Reihenfolge zu machen" (so als Beispiel) - wie wär's gleich mit einer konkreten Reihenfolge oder, noch besser, einer Checkliste?
- nicht einfach implementierbar: Beim Beispiel der Checkliste etwa ist es schon gut, sie im Email-Postfach zu haben, aber noch besser wäre eine abhakbare Liste in der Projektverwaltung, wie die Checklisten, die Piloten bei jedem Start durcharbeiten.

Eine Kritik in eine anwendbare (und eingewöhnbare) Handlung zu übersetzen, ist ein Extraaufwand. Es hilft, wenn die Kollegen wissen, welche Art von Anregung bessere Chancen hat, umgesetzt zu werden. Noch wichtiger aber ist, das selber zu wissen. Das geht, denke ich, nur über Ausprobieren.

(Das ist jetzt sehr von (m)einer projektorientierten Arbeitsituation aus gedacht, aber es lässt sich mit ein bisschen Fantasie sicher auch auf andre adaptieren.)
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Fr 14. Feb 2020, 08:24

Es bräuchte vielleicht mal eine Sitcom mit einem ADHS-Charakter oder sowas...
„Modern Family“...
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von hannes » Fr 14. Feb 2020, 08:15

Andromache hat geschrieben:
Do 13. Feb 2020, 23:33
Und menschlich passt in unserem Team auch alles. Eben ein Traumjob! :-)
Mega gut. Freut mich voll. Es ist richtig gut wenn Kollegen und Vorgesetzte einen verstehen. Mir geht es vom Typ ähnlich wie dir. Ich habe meinem Chef auch von ADS erzählt. Der konnte damit gar nichts anfangen. Trotzdem habe ich einen guten Job, ähnlich wie du habe ich viel Kontakt nach aussen und Abwechslung. Aber ich merke wie wichtig es ist, ADHS noch breiter bekannt zu machen.
Es bräuchte vielleicht mal eine Sitcom mit einem ADHS-Charakter oder sowas...
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Andromache » Do 13. Feb 2020, 23:33

hannes hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 13:09
Andromache hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 12:47
Ich habe das ganz große Glück, diesen 6er im Lotto sogar zweimal gezogen zu haben.
Erzähl' mal!
Grundsätzlich muss ich anmerken, dass ich ADS habe, zum Teil unter ziemlich starker Antriebsschwäche leide und mein Hauptthema das Prokastinieren ist. Anders als anderen ADSler hier sind mir starre Abläufe ein Graus, ich brauche Abwechslung, stetige Veränderungen und immer wieder neue Herausforderungen. Routinen überfordern mich, während mich neue Themen, in die ich mich einarbeiten muss, stark motivieren.
Und eine enge vertrauensvolle Zusammenarbeit mit meiner/m direkten Vorgesetzten ist mir sehr wichtig.

Bei dem ersten Job, den ich als das großes Los bezeichne, hatte ich einen Chef, der mich irgendwann ganz offen gefragt hat, ob ich AD(H)S hätte und ich habe es zugegeben. Er hat mich immer wieder ins kalte Wasser geworfen und darauf vertraut, dass ich schon wieder ans Ufer komme. So war es auch immer. Er hat über meine Schwächen meistens hinweg gesehen und meine Stärken gekonnt eingesetzt und gefördert.
Die Firma war noch relativ klein, als ich dort anfing und ich war als persönliche Assistentin auch Mädchen für alles. Ich hatte viele verschiedene Aufgabenbereiche und sehr viel Kundenkontakt. Jeder Tag war anders und von Routine meilenweit entfernt. Als die Firma dann immer mehr expandierte, mehrfach umstrukturiert wurde, waren dann ausschließlich Spezialisten gefragt und für eine Universaldilettantin wie mich dann kein Platz mehr. Aber einige Jahre hatte ich dort wirklich eine super Zeit, die ich nicht missen möchte und die für meinen beruflichen Weg enorme Bedeutung hatte.

Den 6er im Lotto habe ich mit meiner jetzigen Position als Personalreferentin gezogen. Wir sind ein Team aus vier Frauen und sowohl meine Chefin als auch meine beiden Kolleginnen wissen über mein ADS und meine Probleme Bescheid. Ich habe das sehr offen kommuniziert.
Auch meine jetzige Chefin setzt auf meine Stärken und kann über meine Schwächen hinweg sehen. Als Quereinsteigerin im Personalwesen habe ich mir meine Arbeitsbereiche autodidaktisch angeeignet und erarbeitet. Zum Glück habe ich eine Kollegin, die ein Faible für Zahlen und Statistiken hat, was dazu führt, dass ich mich damit gar nicht auseinandersetzen muss. Ich bin dagegen die Kommunikative. Insofern ergänzen wir ins prima. Jede in unserem Team hat ihren Platz und kann ihre Stärken voll einbringen. Auch hier bekomme ich immer wieder neue Herausforderungen. Gerade jetzt hat sich durch Zufall wieder ein neuer Arbeitsbereich für mich ergeben und ich kann mich wieder mehr juristischen Themen widmen, da ich abteilungsübergreifend unsere Syndikusanwältin unterstützen darf. Also habe ich jetzt erneut die Möglichkeit, mir neue Bereich zu erschließen. Und menschlich passt in unserem Team auch alles. Eben ein Traumjob! :-)
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mi 12. Feb 2020, 16:09

Du hast recht, die Nischen gibt es und die gilt es zu finden. Insofern relativiere ich meine Aussage von vorhin.

Dummerweise muss erst mal durch die Ausbildung durch und da dürften solche Nischen die absolute Ausnahme sein. :(
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Anders » Mi 12. Feb 2020, 14:49

Addy Haller hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 08:19
Zuguterletzt ist für mich die grundsätzliche Frage, ob Erzieher eine gute Wahl ist bei ADHS. Ich arbeite selbst in einem ähnlichen Bereich und kenne das Problem der Reizüberflutung durch zu viele Menschen und der Überforderung durch ständig wechselnde Anforderungen sehr gut.
Also ich kenne mehrere, die in dem Bereich arbeiten und dafür wie geschaffen sind. Generell findet man Adhs-Persönlichkeiten sehr oft in Helferberufen.. gerade als Erzieher hat man außerdem viele Möglichkeiten die passende Nische zu finden, wo das Reizlevel für einen stimmt und die wechselnden Anforderungen dafür sorgen, daß es nicht langweilig wird.. ;)

@Sayo Meinst du solche Situationen: Man beginnt morgens eine Aufgabe, die bis zum Mittag erledigt sein soll und bis 10Uhr läuft alles wie am Schnürchen.. aber irgendwie verliert man dann den Faden, verzottelt sich in Details und auf einmal :shock: -ist Mittag.. fertig ist nix und man fragt sich "WTF- wo ist die Zeit hin?" :? :?:
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Andromache » Mi 12. Feb 2020, 13:29

hannes hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 13:09
Andromache hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 12:47
Ich habe das ganz große Glück, diesen 6er im Lotto sogar zweimal gezogen zu haben.
Erzähl' mal!
Heute Abend gern. Bin nämlich im Büro. 😉
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von hannes » Mi 12. Feb 2020, 13:09

Andromache hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 12:47
Ich habe das ganz große Glück, diesen 6er im Lotto sogar zweimal gezogen zu haben.
Erzähl' mal!
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Andromache » Mi 12. Feb 2020, 12:47

Addy Haller hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 11:50
Das mit der Ambivalenz in Sachen Routinen halte ich für eines der größten Probleme: Sie sind absolut aversiv, aber ohne geht halt nicht viel. Die Frage ist: Wie löst man das Dilemma?
Die Antwort ist einfach, aber meistens sehr schwer umsetzbar:
Das Dilemma löst man mit dem passenden Job in der passenden Arbeitsumgebung und der passenden Führungskraft.

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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mi 12. Feb 2020, 11:50

Genau. Aber paradox ist es ja nur auf den ersten Blick: Wenn man berücksichtigt, dass da zwei Dinge entgegengesetzt laufen, ist alles klar. ;)

Das mit der Ambivalenz in Sachen Routinen halte ich für eines der größten Probleme: Sie sind absolut aversiv, aber ohne geht halt nicht viel. Die Frage ist: Wie löst man das Dilemma?
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Andromache » Mi 12. Feb 2020, 11:15

Addy Haller hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 09:11
Parallel dazu fällt ganz unabhängig davon die Morivationskurve ab, wenn etwas nicht mehr neu und herausfordernd ist...
Das ist ja das Paradoxe...erst braucht man etwas länger bis man den Job richtig kann und kann man es dann alles, fällt die Leistungskurve rapide ab, weil es Routine und damit langweilig ist. Also folgt der partiellen Überforderung die sichere Unterforderung. :roll:
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mi 12. Feb 2020, 09:11

Von Lernschwäche habe ich ja auch nicht gesprochen, sondern von einer veränderten Lernkurve: Am Anfang fällt es schwer, Neues umzusetzen, man ist auf Routinen angewiesen und die Stellen sich erst sehr langsam ein. Dies kann aber aufgeholt werden, wenn man einen langen Atem hat, was bei ADHS oft das Problem ist. Der Grund für die veränderte Lernkurve sind die von dir beschriebenen dysfunktionalen Exekutivfunktionen.

Parallel dazu fällt ganz unabhängig davon die Morivationskurve ab, wenn etwas nicht mehr neu und herausfordernd ist...

Mit innerem Sprechen meint Barkley übrigens etwas anderes, siehe den entsprechenden Thread hier im Forum. ;)
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von hannes » Mi 12. Feb 2020, 08:57

Addy Haller hat geschrieben:
Mi 12. Feb 2020, 08:32
Heiner Lachenmeier hat übrigens das Problem der veränderten Lernkurve bei ADHS (es geht erst sehr langsam, irgendwann holt man es aber auf) bei seinen Forschungen zu ADHS und Beruf gut beschrieben, es ist also lästig, aber ganz typisch.
Lernschwäche ist es, wenn ich @Sayo richtig verstanden habe, nicht. Denn zu Beginn ist man motiviert und lernt sehr schnell. Man denkt man könne alles direkt. Doch mit der Zeit wird man immer schlechter in seinem Job. Man kann das gelernte nicht mehr abrufen bzw. man muss sich überwinden, es zu tun.

Meine Erklärung dazu kommt von Russel Barkley. Hier nur ein kurzes YouTube Video: https://youtu.be/GR1IZJXc6d8

Er sagt im Grunde, unser Gehirn verbraucht ne Menge Energie, und beim Versuch Energie zu sparen, also wenn es unwichtiges ausblendet, dann übertreibt unser Gehirn und schaltet wichtige Teile ab, bzw. regelt sie zu stark runter.
1. Die Selbstkontrolle. (Wobei das von ADS zu ADHS nochmal unterschiedlich sein mag)
2. Die Fähigkeit, dich Dinge bildlich vorzustellen. Wir kriegen die Bilder einfach nicht mehr in unseren Kopf. Dazu gehört auch, das wir uns selbst nicht mehr reflektieren können.
3. Mit sich selbst sprechen. Damit meint er im Grunde, dass wir uns einreden können, dass wir es jetzt machen müssen. Es wird aber kein Gefühl von Motivation oder Freude daraus. Nur Druck oder Freude von aussen treibt uns noch an. Wir können es nicht mehr selbst.
4. Emotionale Kontrolle und damit auch nochmal: Motivation. Sehr ähnlich zu dem Punkt davor.
5. Abstrahieren und Probleme lösen. Eigentlich jede Form von kreativer Entscheidung ist eingeschränkt. Also die Fähigkeit, eine Idee aufzugreifen und sinnvoll zu verändern.

Diese Einschränkungen werden stärker, je weniger neu und spannend dein Umfeld ist.
Zuletzt geändert von hannes am Mi 12. Feb 2020, 09:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von hannes » Mi 12. Feb 2020, 08:38

Danke für den Beitrag. Das ist bei mir ein großes Problem und obwohl ich jetzt schon seit etwa 3 Jahren von meinem ADHS weiß, kann ich mir bis heute nicht so ganz erklären, warum meine Leistung im Job nachlässt.

Ich arbeite jetzt seit 10 Jahren, habe aber noch keinen Job länger als 2 Jahre behalten. Es ist immer das gleiche Muster:
Die ersten 6 Monate bin ich hochmotiviert und richtig gut in meinem Job. Dann nimmt meine Freude ab und es wird schwerer, die gleichen Tätigkeiten wieder auszuführen.
Nach einem Jahr geht es mir richtig schlecht. Ich zwinge mich, meine Aufgaben zu erledigen. Doch es wird immer schwerer.
Was dann folgt ist eine Depression, ein Burnout und dann ein Jobwechsel.
Meistens habe ich die Reissleine gezogen und gekündigt. Mit der neugewonnenen Freiheit kehrte die Lebenslust zurück und in einem neuen Job war ich wieder hochmotiviert.

Eine Frage dazu: @Sayo Wie ist deine Diagnose: ADHS mit Hyperaktivität?

Ich Frage nur deswegen, weil ich Leute kenne, die eindeutig hyperaktiv sind und in einem abwechslungsreichen und kreativen Job gut klar kommen.
Ich selbst werde mit der Zeit immer introvertierter, entscheidungsunfreudiger. Ich verliere die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu sehen und in die Zukunft zu planen. Für mich wird auch ein Job mit Kontakt zu anderen Menschen zu viel, weil ich nicht mehr auf meine Kollegen eingehen kann und meine eigene Position mir unklar wird. Dann rutsche ich wie von selbst in eine passive Rolle, in der ich Entscheidungen scheue.
Addy Haller
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mi 12. Feb 2020, 08:32

Heiner Lachenmeier hat übrigens das Problem der veränderten Lernkurve bei ADHS (es geht erst sehr langsam, irgendwann holt man es aber auf) bei seinen Forschungen zu ADHS und Beruf gut beschrieben, es ist also lästig, aber ganz typisch.
Zuletzt geändert von Addy Haller am Mi 12. Feb 2020, 08:36, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mi 12. Feb 2020, 08:19

Hallo!

Ja, das mit dem Umsetzen von Anforderungen anderer, das ist ja so ein Problem bei ADHS. Zum einen kann es sehr lange dauern, bis es mit der Umsetzung klappt, zum anderen gibt es da oft so einen inneren Widerwillen, Dinge nicht nach dem eigenem Plan umzusetzen. Gute Ratschläge z.B. sind bei ADHS meiner Erfahrung nach pure Zeitverschwendung. ;)

Zum anderen sprichst du das Problem an, dass am Anfang die Motiation hoch ist und dann weniger wird. Ich würde sagen, das ist ziemlich typisch bei ADHS. Idealerweise kannst du in Projekten arbeiten, wo du dir immer wieder neue Ziele setzen kannst.

Wenn deine Ausbilderin Gedult hat, um so besser. Vielleicht weihst du sie ein in deine Schwierigkeiten und woran das liegt?

Zuguterletzt ist für mich die grundsätzliche Frage, ob Erzieher eine gute Wahl ist bei ADHS. Ich arbeite selbst in einem ähnlichen Bereich und kenne das Problem der Reizüberflutung durch zu viele Menschen und der Überforderung durch ständig wechselnde Anforderungen sehr gut.
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Sayo » Di 11. Feb 2020, 21:46

So wie ich mich verhalten sollte auch was ich achten sollte sind jetzt zu viele Sachen um das zu beschreiben und es geht um den Erzieher beruf
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Re: Am Anfang gut und mit der Zeit schlechter werden im Beruf

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Di 11. Feb 2020, 21:28

Was meinst du mit Lösungsideen? Und um welchen Beruf geht es denn?
„Wenn du als Pinguin geboren wurdest, machen auch sieben Jahre Psychotherapie aus dir keine Giraffe.“ - Eckart von Hirschhausen
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