"Rejection Sensitivity" - Empfindlichkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisung

Symptome, wie fühlt sich AD(H)S an, "Kennt ihr das auch ?" (* -> Für Gäste sichtbar)
Falschparker
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Re: "Rejection Sensitivity" - Empfindlichkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisung

Ungelesener Beitrag von Falschparker » Sa 14. Mär 2020, 21:35

Addy Haller hat geschrieben:
Sa 14. Mär 2020, 07:11
1. Es besteht die Neigung, sehr direkt seine Meinung zu sagen, ohne in Betracht zu ziehen, wie das beim anderen ankommt.

2. Gleichzeitig ist man aber sehr empfindlich für auch nur die zaghafteste Kritik, und nicht nur das: es wird alles direkt auf sich bezogen und sachliche Kritik am Verhalten wird unmittelbar als Infragestellen der ganzen Person interpretiert.

Dass das durch Medikation unmittelbar besser würde, habe ich bisher nicht feststellen können
Doch, ich schon.

Ich kann mich etwas besser zurückhalten und bin vor Allem nicht mehr superempfindlich und beziehe nicht alles auf mich. Und das tatsächlich unmittelbar, also ohne dass ich bewusst dagegen ankämpfen muss.
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Re: "Rejection Sensitivity" - Empfindlichkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisung

Ungelesener Beitrag von Drei » Sa 14. Mär 2020, 21:15

Addy Haller hat geschrieben:
Sa 14. Mär 2020, 07:11
1. Es besteht die Neigung, sehr direkt seine Meinung zu sagen, ohne in Betracht zu ziehen, wie das beim anderen ankommt.

2. Gleichzeitig ist man aber sehr empfindlich für auch nur die zaghafteste Kritik, und nicht nur das: es wird alles direkt auf sich bezogen und sachliche Kritik am Verhalten wird unmittelbar als Infragestellen der ganzen Person interpretiert.

Dass das durch Medikation unmittelbar besser würde, habe ich bisher nicht feststellen können, ich stimme aber UlBre insofern zu, dass es sich um einen Teilaspekt der emotionalen Dysregulation handeln dürfte und weniger auf biografische Erfahrungen zurückzuführen ist.
Bei mir wirkt die Medikation dahingehend zum Glück sehr gut. Weshalb ich ebenfalls der Meinung bin, dass es Teil von ADHS ist und die Biographie höchstens eine sekundäre Rolle spielt.
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Re: "Rejection Sensitivity" - Empfindlichkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisung

Ungelesener Beitrag von UlBre » Sa 14. Mär 2020, 13:44

Hallo,

hier der Link zu Rejection Sensitivity bei ADxS.org:

https://www.adxs.org/symptome-von-adhs/ ... sung-adhs/
Bin gerade beeindruckt, wie human der homo sapiens in der Not werden kann. Danke dafür, Deutschland !
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Re: "Rejection Sensitivity" - Empfindlichkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisung

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Sa 14. Mär 2020, 07:11

Bei dem Konflikt zeigt sich mMn sehr deutlich, warum ADHSler auch als "Mimosen mit dem Morgenstern" bezeichnet werden:

1. Es besteht die Neigung, sehr direkt seine Meinung zu sagen, ohne in Betracht zu ziehen, wie das beim anderen ankommt.

2. Gleichzeitig ist man aber sehr empfindlich für auch nur die zaghafteste Kritik, und nicht nur das: es wird alles direkt auf sich bezogen und sachliche Kritik am Verhalten wird unmittelbar als Infragestellen der ganzen Person interpretiert.

Dass das durch Medikation unmittelbar besser würde, habe ich bisher nicht feststellen können, ich stimme aber UlBre insofern zu, dass es sich um einen Teilaspekt der emotionalen Dysregulation handeln dürfte und weniger auf biografische Erfahrungen zurückzuführen ist.

Allerdings dürfte Medikation die Chance verbessern, durch Wissen um diesen Zusammenhang, Verhaltenstherapie und Verminderung der Impulsivität besser damit umgehen zu lernen.
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"Rejection Sensitivity" - Empfindlichkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisung

Ungelesener Beitrag von Nono » Sa 14. Mär 2020, 05:36

"Rejection Sensitivity" - Empfindlichkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisung, das scheint ein sehr wichtiges, oft nicht genug beachtetes Symptom von ADxS zu sein.

Aus gegebenem Anlass eröffne ich mal diesen Thread...

Leider erhitzen sich hier im Forum manchmal die Geister etwas zu schnell. Und das hat dann oft auch etwas mit dem ADxS Symptom der schnell entfachten Kränkbarkeit zu tun. Dann giften wir uns an wegen Kleinigkeiten, mit denen man ohne Adxs vielleicht besonnener umgehen würde.

Hierzu als Starter ein Zitat, in dem schon Vieles gesagt wurde:
UlBre hat geschrieben:
Fr 10. Jan 2020, 16:29
Ich glaube ja, dass das Selbstvertrauen bei AD(H)S neben der psychischen Beeinträchtigung durch die vielen negativen Erfahrungen ausserdem durch die Hirnchemie bei AD(H)S unmittelbar beeinträchtigt ist.

Ich frage mich, in welchem Verhältnis das zueinander steht. Was beeinträchtigt das Selbstbewusstsein schwerer ?

Die erhöhte Verletzlichkeit und Kränkbarkeit für tatsächliche und vermeintliche Zurückweisungen (Rejection Sensitivity) wurde zuerst von Dodson in den USA als originäres AD(H)S-Symptom beschrieben, und dass dieses durch Clonidin (dann wohl auch Guanfacin) behandelbar sei. Dodson ist neben anderen AD(H)S-Größen im wissenschaftlichen Beirat von ADDitude.
Unser großer Symptomtest mit inzwischen 1500 Teilnehmern zeigt auch deutlich, dass Rejection Sensitivity bei AD(H)S signifikant erhöht ist.
Etliche AD(H)S-Betroffene haben mir berichtet, dass Rejection Sensitivity durch Stimulanzien unmittelbar verringert wird.
Meine Überlegung ist, dass wenn die Kränkbarkeit unmittelbar auf Medikamente reagiert, dass sie dann weniger eine Folge psychischer Erfahrungen und Erlebnisse sein dürfte.

Das kann übrigens jeder, der mit unretardiertem MPH medikamentiert ist, selbst ausprobieren:
Wenn ihr gerade mal unmedikamentiert in einem Streit mit Eurem Partner seit, wo ihr Euch angegriffen fühlt - unterbrecht ihn kurz, nehmt eine passende Einzeldosis unretardiertes MPH und wartet eine Viertelstunde. Nach meiner Erfahrung müsste der Streit dann direkt ab Wirkungseintritt sehr viel weniger schmerzhaft sein. Und zwar ganz deutlich über das Maß hinaus, dass eine Unterbrechung hoher negativer Emotionen um eine Viertelstunde alleine bringt.

Ein anderer Gedanke dazu ist, dass sich das Selbstwertgefühl AD(H)S-Betroffener nach der Medikamenteneinstellung ganz allgemein bessert, und zwar ebenfalls sehr viel schneller, als das durch ein "Überlernen" der alten Erfahrungen durch neuere, positivere Erfahrungen der Fall sein könnte. Oder täusche ich mich da ?
Wie war das bei Euch ?

Viele Grüße

UlBre
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