Abhilfe bei Zwangsgedanken

Alles, was AD(H)S spezifisch bei Erwachsenen betrifft, sofern es nicht besser in den medizinischen Bereich passt (z.B. Diagnose). Dieses Forum ist auch für NIchtmitglieder lesbar.
Elementary
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Re: Abhilfe bei Zwangsgedanken

Ungelesener Beitrag von Elementary » So 17. Mai 2020, 11:45

In der Gesamtschau Deiner Fragen und Beiträge gerade (, die wirklich alle herzlich willkommen sind) vielleicht noch ein alternatives Erklärungsmodell, auch wenn mir die Antworten von Addy und Nelumba schon schlüssig scheinen:

Sei jetzt gut zu Dir und gib Dir etwas Zeit. Vertrau darauf, dass Diagnose und Behandlung (je für sich) zu einer deutlichen Besserung Deiner Lebensqualität führen können auf ganz vielen Ebenen. Nur vielleicht nicht sofort. Klar ist das eine weitere Zumutung. Nach so viel Leidensdruck hätte man ein Anrecht auf quick fix, aber es lohnt sich vielleicht.

Mir selbst scheint eine Beruhigung bei Zwangsgedanken, dass gerade solche Leute kein Baby vom Balkon fallen lassen (weder vorsätzlich noch versehentlich), die sich dauernd überlegen, was passieren könnte, wenn man auf einem Balkon ein Baby auf dem Arm hat... Und wer siebenmal guckt, ob der Herd aus ist, fackelt vermutlich als letzter ein Haus ab, selbst, wenn er nicht achtmal guckt.

Manchmal ist das wohl auch eine Überkompensation infolge eines Vertrauensbruchs zu sich selbst (wobei ich als Laie spreche). Und/oder man erzählt sich selbst solche Gruselgeschichten, um sich zu stimulieren und sich trotz großer Erschöpfung wachzuhalten auf hoher See, bis die Rettungsboje erreicht ist.

Mit Kompensieren, Überkompensieren, Überstimulieren bei Erschöpfung und gebrochenem (Selbst-)Vertrauen haben viele von uns hier viel Erfahrung. Das könnte aus meiner Laiensicht vorsichtig andeuten, dass auch das Thema mit ADxS zusammenhängt. Über die Jahre enttäuscht man nicht nur Fremderwartungen, sondern insbesondere auch die eigenen immer wieder, bis man Verabredungen mit sich selbst irgendwann nicht mehr traut, im Extremfall auch nicht mehr der Selbstgewissheit "Ich lasse keine Kinder fallen".

Ich fürchte, es bleibt bei gewissem Leidensdruck und Verzweiflung über Jahre nicht aus, dass man nach der einen gefundenen Erklärung gleich noch ein anderes Etikett auf sich kleben will und dann noch eins, usw. bis zu "ADS, zwangserkrankt und zur Asperger-Abklärung angemeldet". Kann alles richtig und geboten sein. Aber vielleicht bist Du eben auch schon angekommen in einer tragfähigen Rettungsboje oder am Ufer und es erledigen sich mehr Baustellen von selbst, als Du jetzt denkst.
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Nelumba_Nucifera
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Re: Abhilfe bei Zwangsgedanken

Ungelesener Beitrag von Nelumba_Nucifera » So 17. Mai 2020, 11:25

Ich weiß nicht ob dir mein Gedanke hilft?....weil Gedankeninput und Zwangsgedanken ja was anderes sind

Also so Gedankengänge kenn ich manchmal auch. Ich glaube, die sind im wesentlichen durch Filme, Nachrichten, Märchen und Geschichten gespeist.
Ist man insgesamt feinfühliger und hat zugleich die Kombinationsfähigkeit vom ADHS wird man wohl intensiver mit inneren Bilder/Gedanken in solchen Situationen gespeist. Es hat hat ja auch eine Schutzfunktion, zu wissen was an so einem Balkon passieren kann. Neurotypische Menschen haben ja auch eine natürliche Schutzfunktion mit einem Baby am Balkongeländer und verhalten sich dann einfach in dem Moment passend. Die haben vielleicht nicht so wie wir die Assoziation Balkon = Baby in Gefahr bei "jedem" Balkongeländer eben nur dann mit Baby im Arm.

Messer und Gabel und solche Gedanken ???
Ganz selten Mal habe ich auch schräge Bilder in bravsten Situationen, dann finde ich oft einen Bezug woher ich die Assotiation habe (Filme etc) z.B. Beispiel ein harmloses Clownsgesicht und ich verwandel es in ES und und lach mich scheckig wenn sich alle erschrecken. Natürlich würde ich das auch nicht tun selbst wenn ich könnte. ;-)
Ich schmunzel dann innerlich über diesen Quatsch den mir mein Hirn mal eben gezaubert hat und gut ist.
In solchen Situationen muss ich dann auch an so Filme wie Harry Potter oder Star Wars denken wo eben diese Hauptfiguren ja auch immer mal vom "Bösen" gelockt werden und sich dann doch fürs Gute entscheiden.
dann lächel ich in mich rein und denke, schön das ich einfach die Wahl in meine Gedanken habe und dabei das richtige wähle.
Jeder Mensch ist ja rein technisch wirklich in der Lage Messer und Gabel falsch anzuwenden oder solches gedanklich zu spinnen.

Harmloses Beispiel, Versammlung mit Menschen und es ist ruhig. In der Ferne knallen Bauarbeiter Müll in einen Container und ich habe sofort eine Snaretrommel vor Augen kann aber meinen Babbel halten. Genau in dem Moment sagt ein junger Mensch (vermutlich ADHS) , "boh das hörte sich an wie eine Snare!"

oder ich bin alleine im Pausenraum, zu der Zeit hatten noch viele Klapphandys und die lagen da alles so auf dem Tisch.
Mein Assoziation plötzlich: "Jetzt schnell jedes Klapphandy mit einem Kabelbinder zubinden!"

Weiß nicht ob dir dieser Ansatz hilft ?
und im Bezug zu Messer wäre es nicht erst ein richtiger Zwangsgedanke wenn daraus immer die selbe Handlung erfolgt oder du dich mit aller Macht kontrolieren müsstest.?
ich finde deine Idee, dass es eine zusätzliche Sensibilität auf Gefahr ist gar nicht so abwägig.

Ansonsten kann vielleicht ein Therapeut, der dich kennt erklären warum es so bei dir ist ?
Addy Haller
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Re: Abhilfe bei Zwangsgedanken

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » So 17. Mai 2020, 10:47

Es kommt drauf an, wo die Ängste herkommen. Solltest du abklären lassen.
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Abhilfe bei Zwangsgedanken

Ungelesener Beitrag von zualfudisc » So 17. Mai 2020, 09:09

Hallo,

ich habe verdammt oft leider verdammt komische Zwangsgedanken, Vorstellungen, Bilder im Kopf, was passieren könnte ...

Ich sage immer "Adolf ist wieder da! Verschwinde!". Das hilft ein wenig, aber ich möchte aber auch, dass die verdammt nochmal viel weniger bis gar nicht auftreten.

Oder sensibilisieren sie "einfach" "auch" "nur" zusätzlich?

Wenn ich z. B. am Balkongeländer stehe, muss ich verdammt oft dran denken, was jetzt passieren könnte, wenn ich ein Baby aufm Arm halte.

Wenn Messer o Gabel in Reichweite liegen + jemand unmittelbar neben mir sitzt, hab ich leider verdammt oft den Gedanken, Messer o Gabel so zu benutzen, wie man es nicht tun sollte. Ich würds + könnts aber niemals machen!

Kennt ihr das?

Was macht ihr dagegen?

Danke.

Grüße
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