(Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Leben, lieben, leiden, lachen... Was AD(H)S mit einem macht und was man mit AD(H)S machen kann.
allmighty
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von allmighty » Fr 3. Jul 2020, 11:31

Addy Haller hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 13:29
Hibbelanna hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 13:20
Ich prokrastiniere hauptsächlich bei Dingen, die mir emotional wichtig sind und blockiere bei Menschen, die ich mag...
Bei mir ist das ganz anders: Ich prokrastiniere bei Dingen, die mir gerade nicht wichtig sind und für die ich keine Motivation aufbringen kann. Kann mir aber vorstellen, dass einen der Perfektionismus diesbezüglich auch ausbremsen kann.

Ich blockiere eher bei Leuten, bei denen für mich etwas davon abhängt, bei denen ich mich aber nicht 100%ig sicher fühle. Bei engen Freunden und Familienmitgliedern, bei denen ich mich sicher fühle, ist das kein Problem.
Exakt so ist bei mir auch.
Bei mir ist häufig das Problem: nicht die Mitte finden zu können. Bei wichtigen Sachen bin ich gewohnt, trotz Tausend Hürden im Kopf einfach anzufangen und den Rest erledigt sich irgendwei.
Aber mit Kleinigkeiten und wirklich für die meisten Menschen banalen Sachen bin ich jeden Tag überfordert.
Z.B. Habe ich gestern geduscht, das Wasser war wirklich zwei Ticks zu warm. Statt was dagegen zu unternehmen (eine winzige Bewegung), war ich so faul oder wie ihr sagt, einfach blockiert, und habe einfach so weiter geduscht.
Oder wenn es zu heißt ist. Jeden verdammten Tag mache ich mir bereits seit dem Aufwachen Gedanken, wann, wo und wie lange ich Nachmittags mit den Hunden Gassi gehen soll. Mein Mann ist da so locker, schnappt sich die Hunde und geht los. Bei mir endet jeder Spaziergang in unterschiedlichen Katastrophen, nicht für die Hunde, für mich.
Kann tausend solche Beispiele nennen. Es ist wirklich nicht schön. Die Zwänge geben mir auch den Rest :cry: :evil:
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mi 1. Jul 2020, 20:18

Hibbelanna hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 13:17
Hihi, als mein einziger Freund mal krank war, habe ich mir die Überschuhe ausgezogen (wer erinnert sich noch an Überschuhe?) und bin heimgewackelt.
Ich erinnere mich wie heute: die waren alle irgendwie ... bescheuert? gefährlich? keine Ahnung. Menschen halt. brrr....
Als ich mich von einem anderen Kind richtig mies behandelt fühlte, bin ich auch einfach abgehauen und nach Hause gelaufen: 6 km quer durch die Großstadt im Alter von 5 Jahren. Aber es ging nicht anders, ich musste da weg.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Schusselchen » Mi 1. Jul 2020, 14:36

Hibbelanna hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 13:20
Ich prokrastiniere hauptsächlich bei Dingen, die mir emotional wichtig sind und blockiere bei Menschen, die ich mag...
Das mit dem prokrastinieren muss ich noch mal genauer beobachten. Spontan kann ich das wieder bejahen noch verneinen.

Was das blockieren betrifft, auf alle Fälle, hab das ja weiter vorne schon geschrieben. Wobei das nicht unbedingt auf „mögen“ begrenzt ist. Bei Arbeitskollegen trifft das auch zu und da ist es z. T. nicht mal mögen, sondern „nur“ nicht von vornherein begrenzte Zeit mit zu tun haben (müssen) und natürlich auch die Angst davor, Lästereien Futter zu geben ...

edit: bei Menschen, bei denen ich mich sicher fühle, hab ich auch kein Problem.

Ich war grad spazieren und hatte einen Flashback einer typischen RS-Situation. Wie ich jetzt aber hier so sitze, fällt sie mir nicht mehr ein. Schade. Ich weiß noch, dass ich unterwegs gedacht hab, dass ich das gerne mit Euch teilen würde.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Mi 1. Jul 2020, 13:33

Addy Haller hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 13:29
Bei engen Freunden und Familienmitgliedern, bei denen ich mich sicher fühle, ist das kein Problem.
Da blockiere ich auch nicht.
Eher so bei Leuten, bei denen ich Eindruck machen möchte, also ChefInnen, Profs oder so.
Und zu den Leuten, bei denen ich Eindruck machen möchte, gehöre ich dummerweise irgendwie selbst :shock: :lol:

vielleicht deshalb auch mein beeindruckendes Avatarbild :mrgreen:
menschmensch, ich bin wohl doch "eigenwilliger" als ich dachte...
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Mi 1. Jul 2020, 13:29

Hibbelanna hat geschrieben:
Mi 1. Jul 2020, 13:20
Ich prokrastiniere hauptsächlich bei Dingen, die mir emotional wichtig sind und blockiere bei Menschen, die ich mag...
Bei mir ist das ganz anders: Ich prokrastiniere bei Dingen, die mir gerade nicht wichtig sind und für die ich keine Motivation aufbringen kann. Kann mir aber vorstellen, dass einen der Perfektionismus diesbezüglich auch ausbremsen kann.

Ich blockiere eher bei Leuten, bei denen für mich etwas davon abhängt, bei denen ich mich aber nicht 100%ig sicher fühle. Bei engen Freunden und Familienmitgliedern, bei denen ich mich sicher fühle, ist das kein Problem.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Mi 1. Jul 2020, 13:20

Mir scheint, da gibt es eine ausgeprägte emotionale Komponente.
Also bei mir zumindest.
Wie seht Ihr das?
Ich prokrastiniere hauptsächlich bei Dingen, die mir emotional wichtig sind und blockiere bei Menschen, die ich mag...

Da gibts doch bestimmt wieder eine biochemische Erklärung...
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Hibbelanna
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Mi 1. Jul 2020, 13:17

Addy Haller hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 13:35
ch hatte schon im Kindergarten Schwierigkeiten, mit anderen Kindern in Kontakt zu treten.
Hihi, als mein einziger Freund mal krank war, habe ich mir die Überschuhe ausgezogen (wer erinnert sich noch an Überschuhe?) und bin heimgewackelt.
Ich erinnere mich wie heute: die waren alle irgendwie ... bescheuert? gefährlich? keine Ahnung. Menschen halt. brrr....

Heute bin ich auch eher kontaktfreudig. Was das betrifft habe ich mir wohl Hornhaut zugelegt.
Aber am Perfektionismus hat sich nichts geändert, bei den Dingen, die mir wichtig sind bin krankhaft perfektionistisch. Und das geht gerne mal nach hinten los - vor allem in Bezug auf Personen, die mir wichtig sind. Ich kann vor Publikum falsch singen - solange da nicht diese eine oder andere Person zuhört, vor der ich mich partout nicht blamieren wollte. Das würde dann in absoluter phobischer Angststarrre enden.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Nelumba_Nucifera » Mi 1. Jul 2020, 06:37

Wenn man mal so durch die Gegend gedacht von der Evolutionstheorie bei ADHS ausgeht, was Sammler und Jäger betrifft.???

Ist es dann nicht "sinngemäß" so , dass man mit der Beute nach erfolgreicher aber anstrengender Jagd zum Lagerfeuer zurückkehrt und sich erstmal erholen muss , weil man alles gegeben hat ???
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Nono » Di 30. Jun 2020, 23:54

Schusselchen hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 14:36
Komischerweise komme ich sehr gut und ungezwungen mit Unbekannten in Kontakt. Mein Umfeld ist auch immer wieder erstaunt, wie schnell die Leute Vertrauen zu mir fassen und mir dann sofort alles mögliche (nein, keine Kontodaten oder Ähnliches 8-) ) anvertrauen. Ich mag keinen Smalltalk mit Arbeitskollegen oder Bekannten, aber mit Fremden ins Gespräch kommen fällt mir meist leicht. Aber, wehe, es sind Menschen, mit denen ich über längere Zeit zu tun habe(n muss) und die keine Freunde oder gute Bekannte sind ... Da hab ich dauernd Angst vor Zurückweisung.
Interessant, jetzt da ich das schreibe, fällt mir das erst richtig auf.

Einer meiner Dozenten, mit dem ich auch privat zu tun hab und den ich sehr gut leiden kann, war in anderen Prüfungsgruppen bei den mündlichen Prüfungen dabei. Wäre er das bei mir gewesen, wäre die Prüfung der Alptraum schlechthin gewesen. Er hat mir aber den Gefallen getan und meine Prüfung nicht begleitet.
Ich hab in meiner Außendienstzeit problemlos Vorträge vor kleinen Gruppen (bis ca. 10 Leute) gehalten, aber wehe der Vortrag war vor Kollegen/Chefs ...
Mein Mann und ich haben das auch.. im Beruf geht es, aber im Privaten voll gehemmt...
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Nelumba_Nucifera » Di 30. Jun 2020, 18:10

Ich habe früher diese Diskrepanz zwischen dem Selbstbewusstsein wie ich nach außen wirkte und kontra zu dem wie ich mich innerlich fühlte nie verstanden.

Meine Mutter erzählte mal, das sie bei mir sich nie Gedanken gemacht habe mich im Kindegarten "abzugeben" weil ich so ein aufgewecktes Mädchen war und ich muss in den ersten Tage echt geheult haben.

Gerade in neuen Situationen und in der Anfangsmotovation geht mir vieles einfach von der Hand, und im Nacken sitzt mir schon der Gedanke wenn die von dem wüssten was mir nicht gelingt ;)

Ich kann schon für mich und andere einstehen , aber die Gedankenmühle danach kann den positven Effekt selten so stehen lassen.

...aber dadurch das ich manche Sachen nun weiß warum es so ist, geht es mir ein besser damit, aber ich finde es trotzdem nervig das es so ist.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Rocco » Di 30. Jun 2020, 18:01

Schusselchen hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 14:36
Komischerweise komme ich sehr gut und ungezwungen mit Unbekannten in Kontakt.
Ich war früher öfter mal alleine unterwegs in Clubs und fand das auch immer sehr befreiend, weil ich mich mit fremden besser unterhalten kann.
Ich weiß auch nicht genau wie aber alleine war ich dann nie.

Wenn ich ein Konzert besuche bevorzuge ich es auch alleine dahin zu gehen. Ich sage nie einem Bescheid, aus Angst derjenige möchte mit kommen.

Ich finde es immer schön Menschen zu begegnen, eine schöne Zeit mit denen zu haben und genau zu wissen euch seh ich nicht mehr wieder, obwohl sie mir sympathisch sind.
Das hat aber auch damit zu tun, dass ich häufig Menschen im laufe des kennenlernens unsympathisch finde.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Rocco » Di 30. Jun 2020, 17:51

Meine Vermeidungsverhalten löst immer die totale Konfrontation aus. Es war schon damals in der Schule so, dass ich eher soziale und verbale Konfrontation vermieden habe, zu deren Pech haben das viele als Anlass genommen es als Schwäche zu sehen und dachten ein Opfer in mir gefunden zu haben.
Konflikte sind bei mir immer in Prügeleien ausgeartet.
Obwohl ich mich meistens nur Selbstverteidigt habe, hatte ich im Nachhinein immer ein schlechtes Gewissen.
Bei 2 älteren Brüdern, wusste ich wie man sich zu prügeln hat. Die "Spaß" Kämpfe mit meinen Brüdern waren die härtesten körperlichen Auseinandersetzungen die ich in meinem Leben erfahren habe. (nach der Schulzeit habe ich mich nicht mehr geprügelt und bin auch absolut gegen Körperliche Auseinandersetzungen)

Bei mir muss wirklich seeehr viel passieren, aber wenn man mich nicht ernst nimmt, dann hast du einen Feind in mir. Da bin ich sehr sturköpfig obwohl das absolut nicht zu meinen Eigenschaften gehört.

Mir wird öfter vorgeworfen ich seie Nachtragend und schnell beleidigt, was ich selber überhaupt nicht so sehe.
Kann es sein das ich sowas dissoiziere?
Ich Spiegel da anscheinend etwas nach aussen, was sich so in meinen Gefühlen nicht wieder spiegelt.

Ich arbeite zurzeit daran mein Vermeidungsverhalten abzulegen. Obwohl viele Situationen ein Unbehagen in mir auslösen überwinde ich mich zur Konfrontation.
Das tue ich meinem selbstwert zur Liebe, ohne Konfrontation gibt es da kein Wachstum. Zusätzlich werde ich mehr ernst genommen, kann man also auch als Vermeidungsverhalten auslegen, aber mehr im positiven Sinne. 😁
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Hedwig » Di 30. Jun 2020, 14:44

Schusselchen hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 14:36
Komischerweise komme ich sehr gut und ungezwungen mit Unbekannten in Kontakt. Mein Umfeld ist auch immer wieder erstaunt, wie schnell die Leute Vertrauen zu mir fassen und mir dann sofort alles mögliche (nein, keine Kontodaten oder Ähnliches 8-) ) anvertrauen. Ich mag keinen Smalltalk mit Arbeitskollegen oder Bekannten, aber mit Fremden ins Gespräch kommen fällt mir meist leicht. Aber, wehe, es sind Menschen, mit denen ich über längere Zeit zu tun habe(n muss) und die keine Freunde oder gute Bekannte sind ... Da hab ich dauernd Angst vor Zurückweisung.
Interessant, jetzt da ich das schreibe, fällt mir das erst richtig auf.

Einer meiner Dozenten, mit dem ich auch privat zu tun hab und den ich sehr gut leiden kann, war in anderen Prüfungsgruppen bei den mündlichen Prüfungen dabei. Wäre er das bei mir gewesen, wäre die Prüfung der Alptraum schlechthin gewesen. Er hat mir aber den Gefallen getan und meine Prüfung nicht begleitet.
Ich hab in meiner Außendienstzeit problemlos Vorträge vor kleinen Gruppen (bis ca. 10 Leute) gehalten, aber wehe der Vortrag war vor Kollegen/Chefs ...
Das ist bei mir auch so:
Ich hätte kein Problem, mich vor Fremden zum Affen zu machen. Komme auch ganz leicht mit Fremden ins Gespräch, die erzählen mir dann auch immer ganz schnell ihr Leben.
Ich habe Jahre lang mit Musik Geld verdient. Da war ich nicht nervös. Aber manchmal reichte eine bekannte Person im Raum, um mich sehr nervös zu machen.
Bei Kollegen komme ich auch richtig gut drauf klar, wenn die mich nicht leiden können. Beruht ja meist auf Gegenseitigkeit. Da bleibe ich professionell und lästere dann aber auch nicht oder so.


Ich deute Zeichen von Mitmenschen deutlich schneller als Zurückweisung als ich umgekehrt Zeichen der Sympathie erkenne.
:idea: E-Dwig braucht keinen AVATAR.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Schusselchen » Di 30. Jun 2020, 14:36

Komischerweise komme ich sehr gut und ungezwungen mit Unbekannten in Kontakt. Mein Umfeld ist auch immer wieder erstaunt, wie schnell die Leute Vertrauen zu mir fassen und mir dann sofort alles mögliche (nein, keine Kontodaten oder Ähnliches 8-) ) anvertrauen. Ich mag keinen Smalltalk mit Arbeitskollegen oder Bekannten, aber mit Fremden ins Gespräch kommen fällt mir meist leicht. Aber, wehe, es sind Menschen, mit denen ich über längere Zeit zu tun habe(n muss) und die keine Freunde oder gute Bekannte sind ... Da hab ich dauernd Angst vor Zurückweisung.
Interessant, jetzt da ich das schreibe, fällt mir das erst richtig auf.

Einer meiner Dozenten, mit dem ich auch privat zu tun hab und den ich sehr gut leiden kann, war in anderen Prüfungsgruppen bei den mündlichen Prüfungen dabei. Wäre er das bei mir gewesen, wäre die Prüfung der Alptraum schlechthin gewesen. Er hat mir aber den Gefallen getan und meine Prüfung nicht begleitet.
Ich hab in meiner Außendienstzeit problemlos Vorträge vor kleinen Gruppen (bis ca. 10 Leute) gehalten, aber wehe der Vortrag war vor Kollegen/Chefs ...
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Hedwig » Di 30. Jun 2020, 14:19

Addy Haller hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 13:42
Hedwig hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 11:48
Ich bin definitiv H und wenn mich RS trifft, bin ich - glaube ich - immer still.

RS vermeide ich im Vorfeld, indem ich mich z.B. nicht bewerbe, keinen anspreche, sehr zurückhaltend bin.
Da bin ich aber echt überrascht. Du kommst hier immer total selbstbewusst rüber, finde ich
Ich habe da zwei Seiten.
Ich bin/ wirke sehr selbstbewusst und habe aber so meine "schwierigen" Situationen.

Meine RS schwankt da so mit.

Bei Bewerbungen und Männern gibt es Parallelen, stelle ich grade fest. Bei "tollen" Männern und Jobs traue ich mich weniger ran. Bei Männern, die mich auf den ersten Blick faszinieren, kriege ich den Mund nicht auf oder fange an zu stammeln. Ich würde nie im Leben so einen Mann einfach ansprechen.
Genauso mit Jobs. Ich hatte gleich nach dem Studium ein Vorstellungsgespräch zu meinem Traumjob. Erstes Gespräch lief gut. Beim zweiten Gespräch hatte ich einen totalen Blackout. Das ist mir zum Glück nie wieder passiert.

Männer lerne ich am besten in ungezwungenen Situationen kennen, eher so beiläufig. So war es bei meinem Exmann. Oder bei dem Golfer letztes Wochenende. Den hätte ich nie im Leben angesprochen.
Und meinen letzten Job, den ich geliebt habe, habe ich auch am Anfang nicht unbedingt haben wollen.

Was ich dann aber "ständig" mache: Ich bewerbe mich auf Stellen, für dich ich völlig überqualifiziert bin oder kontaktiere online Männer, die offensichtlich nicht im meiner Liga spielen (sondern eindeutig darunter) und bei beidem trifft mich es mich dann viel, viel härter, wenn ich zurückgewiesen werde. Nach dem Motto: "Wenn noch nicht mal der mich will!". Da muss ich dringend meine Strategie ändern, merke ich grad während ich hier schreibe. Gut, dass ich da jetzt mal drauf gekommen bin. Ich war heute bei meiner Psychologin und habe ihr von der Begegnung mit dem Mann am WE erzählt. Sie hat mir echt die Augen geöffnet und gesagt, dass er mich interessant findet und mich wiedersehen will. Ich: "Hä, wie kommen Sie darauf?"
Ich hatte ihr erzählt, dass er mich "interessante Frau" genannt hat und dass wir beim nächsten gemeinsamen Spiel ein Wettspiel draus machen (von weiteren, gemeinsamen Golfrunden ging er ganz selbstverständlich aus) - daraus hat meine Psychologin das interpretiert.


Zu dem was Ihr hier zu RS schreibt: Ich habe mir in den 1990ern durch Therapie angewöhnt, immer gleich zu sagen, was mich stört. Dass ich in mich reinfresse und irgendwann platze (oder Halsweh bekomme) passiert mir nicht mehr. Das konnte ich mir wirklich antrainieren. Von mir wird nie der Satz kommen: "Was ich Dir schon immer mal sagen wollte..."


In Situationen abseits von Männern und Jobsuche leide ich weniger unter meiner RS. Ich glaube, da kann ich mich auch relativ gut einschätzen.
:idea: E-Dwig braucht keinen AVATAR.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Nono » Di 30. Jun 2020, 14:05

Hey, mir geht es genauso...ADS... RS still reinfressen... irgendwann ein ganz schlimmer Ausbruch... und dann kenne ich das Vermeiden auch von mir!
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Di 30. Jun 2020, 13:42

Hedwig hat geschrieben:
Di 30. Jun 2020, 11:48
Ich bin definitiv H und wenn mich RS trifft, bin ich - glaube ich - immer still.

RS vermeide ich im Vorfeld, indem ich mich z.B. nicht bewerbe, keinen anspreche, sehr zurückhaltend bin.
Da bin ich aber echt überrascht. Du kommst hier immer total selbstbewusst rüber, finde ich
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Di 30. Jun 2020, 13:35

Ja, so wie ihr zwei das beschreibt, ist bei mir auch. Reinfressen - und dann kommt vielleicht irgendwann der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Und klar, Vermeidungsverhalten an der Grenze zur sozialen Phobie (oder darüber hinaus? :shock: ) ist natürlich eine uralte Strategie, das zu vermeiden.

Ich denke, das wird schon früh angelegt. Ich hatte schon im Kindergarten Schwierigkeiten, mit anderen Kindern in Kontakt zu treten. Vielleicht gibt es da bei vielen von uns einfach eine immer schon vorhandene Überforderung in sozialen Situationen, die natürlich zu großer Unsicherheit und zu dem Gefühl führt, den sozialen Normen nicht gerecht zu werden, ein Alien zu sein.

Da ist Rückzug natürlich eine naheliegende, wenn auch ungünstige Strategie.

Eine andere ist Perfektionismus, wodurch man sich unangreifbar machen will, um mögliche Kritik von vorne herein auszuschließen. Auch nicht gesund.

Auch schön: Unsichtbar machen, eine Spielart des Totstellreflexes. Wenn mich keiner sieht, kann auch keiner Kririk üben oder mich zurückweisen.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Schusselchen » Di 30. Jun 2020, 12:18

Ich fresse lange alles in mich rein und dann kann es sein, dass eine Kleinigkeit das Fass zum überlaufen bringt und ich mich dann impulsiv und z. T. auch ungerecht/destruktiv wehre.

Gutes Beispiel ist meine erste Ausbildungsstelle: ein Jahr lang bin ich jeden Mittwoch (warum immer mittwochs weiß ich nicht) heulend aus der Praxis gelaufen, weil Chef mich gekränkt hat.
Am letzen Tag in der Praxis ging Chef mal wieder was nicht schnell genug, worauf ich ihm sagte, dass ich nicht hexen kann (ein Spruch, der laut Kollegin unbedingt zu vermeiden sei, weil Chef dann zum Rumpelstilzchen wird). Was passierte? Chef wird zum Rumpelstilzchen, nennt mich eine unverschämte kleine Göre und ich sage ihm, dass er doch seinen Scheiß alleine machen soll.
Wir haben uns noch in der gleichen Stunde auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt - in der Ausbildung, ohne eine Anschlussstelle :roll: - und ich verließ die Praxis auf Nimmerwiedersehen.
Zum Glück habe ich aber innerhalb von ein paar Tagen eine andere Praxis (mit toller Kollegin und liebem Chef) gefunden und konnte die Ausbildung da abschließen.

Im aktuellen Büro habe ich meine Vorgesetzte nach über eineinhalb Jahren des Reinfressens angeranzt. Leider kann ich mich gerade nicht mehr an den genauen Wortlaut erinnern. Ich weiß nur, dass meine Kollegin, die von der Vorgesetzten sehr ungerecht behandelt wurde, das toll fand (sie wechselte kurz darauf die Abteilung und lässt kein einziges gutes Haar an der Vorgesetzten, bis hin zu, für mich nicht entschuldbarem, Lästern) und meine Chefs, denen ich meinen Ausraster gebeichtet habe, erstaunt waren, dass ich tatsächlich laut werden kann.
Ich habe mich für meine Wortwahl allerdings -gefühlt in der gleichen Sekunde- geschämt.

Nun ja, kurz nach dem Ausraster kam das Jahresgespräch und seitdem versuche ich, wieder arbeitsfähig zu werden.

edit: Ja, vermeiden tu ich auch gerne, ganz wie Du, Hedwig.
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Re: (Prokrastinierend) der Prokrastination auf der Spur...

Ungelesener Beitrag von Hedwig » Di 30. Jun 2020, 11:48

Könnt Ihr mir mal Beispiele nennen, in denen Ihr Eure RS nach außen tragt?
Ich stehe da gerade auf dem Schlauch.

Ich bin definitiv H und wenn mich RS trifft, bin ich - glaube ich - immer still.

RS vermeide ich im Vorfeld, indem ich mich z.B. nicht bewerbe, keinen anspreche, sehr zurückhaltend bin.
:idea: E-Dwig braucht keinen AVATAR.
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