Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Symptome, wie fühlt sich AD(H)S an, "Kennt ihr das auch ?" (* -> Für Gäste sichtbar)
Drei
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Drei » Fr 22. Mai 2020, 10:42

Addy Haller hat geschrieben:
Fr 22. Mai 2020, 00:25
Dann wiederum wird bei ADHS von einer generellen Entwicklungsverzögerung des Gehirns gesprochen, die zunächst bis zu fünf Jahre betragen kann und mit dem Erwachsenenalter aufgeholt sein soll. Darauf hatte Drei abgehoben.
Genau darauf wollte ich hinaus (und habe damit wohl einen Thread voller interessanter Infos provoziert). In Zukunft werde ich versuchen, mit solcherlei Aussagen vorsichtiger zu sein.
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Hibbelanna » Fr 22. Mai 2020, 10:36

Elementary hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 20:47
Wenn muskuläre Erklärungsmodelle nicht (auch) in den Blick genommen werden, weil "Entwicklungsverzögerung/Un- oder Nachreife im Gehirn" als gesetzt gilt, vergibt man sich m.E. solche Erkenntnisse.
Das ist in der Tat sehr wichtig.
Da greifen Muskeltonus und die ansteuernden Signale aus dem "Kontrollzentrum" ineinander. Das gilt ja auch für Trinken, Schlucken, Sprechen, Krabbeln ... und hat dann Folgen durchs Schul- ins Erwachsenenalter (Skoliose, Verspannungen, CMD...).
Darf man ja nicht vergessen: Der Primat an sich ist für die aufrechte bzw. sitzende Lebensweise nicht wirklich geschaffen, was ja auch ein kulturelles Phänomen ist.
Ich betrachte das allerdings nicht so sehr als Entwicklungsverzögerung denn als Handicap, da die Gesamtkonstellation die Situation ja bedeutend erschwert. Ein einbeiniger Hochspringer braucht auch länger, bis er es das erste Mal erfolgreich über die Latte schafft.

Ich denke auch nicht, dass sich das final über Medikamente ausgleichen lässt. Zumindest nicht in höherem Alter, da da das Kind ja schon im Brunnen ist....
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Andromache » Fr 22. Mai 2020, 00:37

Addy Haller hat geschrieben:
Fr 22. Mai 2020, 00:25
Dann wiederum spricht Barkley von einer Entwicklungsverzögerung der exekutiven Funktionen bei ADHS, die durch Medikamente aufgeholt werden soll. Das hatte ich gemeint.
Na, gut, dass wir das geklärt haben. Hatte mich auch schon etwas gewundert. ;-)
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Fr 22. Mai 2020, 00:25

Danke für den Link. :)

Ich habe mir den anderen Thread nochmal angesehen und glaube, wir haben aneinander vorbeigeredet.

Du benutzt den Begriff Entwicklungsverzögerung offensichtlich im Sinne von bestimmten Abweichungen von der Normalentwicklung in Kindheit und Jugend, bei der verschiedene Entwicklungsbereiche wie Sprache, Motorik etc., aber z.B. auch das Sozialverhalten betroffen sein können und die klar definiert sind. Und klar, das bekommt man bei ADHS nicht zwangsläufig diagnostiziert.

Dann wiederum wird bei ADHS von einer generellen Entwicklungsverzögerung des Gehirns gesprochen, die zunächst bis zu fünf Jahre betragen kann und mit dem Erwachsenenalter aufgeholt sein soll. Darauf hatte Drei abgehoben.

Dann wiederum spricht Barkley von einer Entwicklungsverzögerung der exekutiven Funktionen bei ADHS, die durch Medikamente aufgeholt werden soll. Das hatte ich gemeint.
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Andromache » Do 21. Mai 2020, 23:05

Addy Haller hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 22:25
Verstehe ich dich richtig, dass du nur von offiziell diagnostizierten Entwicklungsverzögerungen in Kindheit und Jugend sprichst? Da hast du wohl recht, sicher gibt es Fälle, wo „nur“ ADHS diagnostiziert wird.
Nein, ich meine das auch rückwirkend betrachtet. D.h., dass es ja viele Fälle gibt, in denen ADHS oder ADS erst im Erwachsenenalter diagnostiziert wird und dann entweder nachträglich noch ein Zusammenhang mit evtl. in der Kindheit bereits festgestellten Entwicklungsverzögerung festgestellt wird oder auch erst dann nachträglich eine Entwicklungsstörung im Zusammenhang mit der AD(HS)-Diagnose realisiert wird.. so nach dem Motto: "Ah jetzt können wir uns dies und jenes aus der Kindheit erklären."

Und ich betrachte alle Entwicklungsverzögerungen, seien sie sozialer, psychologischer oder physischer Art.

Ich kann mit absoluter Sicherheit sagen, dass bei mir nichts dergleichen der Fall war. Aber ich bin eh einerseits ein sehr typischer und andererseits ein seht untypischer ADSler. ;-)

Hier werden die möglichen Entwicklungsverzögerungen aufgezählt. Und auch hier wird lediglich von einem häufigen Vorliegen der Entwicklungsverzögerungen im Zusammenhang mit AD(H)S gesprochen und nicht von einer Zwangsläufigkeit.

https://www.neurologen-und-psychiater-i ... s/verlauf/
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Do 21. Mai 2020, 22:25

Verstehe ich dich richtig, dass du nur von offiziell diagnostizierten Entwicklungsverzögerungen in Kindheit und Jugend sprichst? Da hast du wohl recht, sicher gibt es Fälle, wo „nur“ ADHS diagnostiziert wird.

(Andererseits findet sich im Netz unter dem Begriff Entwicklungsstörung auch ADHS. :shock: )

Man kann Entwicklungsverzögerungein auch globaler fassen, nämlich als deutliche Abweichung von einer, wie auch immer gearteten Normalentwicklung, bei ADHS z.B. in der sozialen Interaktion. Das ist mE das, was Barkley meint.

Vielen Männern mit ADHS wird z.B. auch noch im reiferen Alter vorgeworfen, sie würden sich „unreif“ verhalten, also in einer Weise, die als nicht altersangemessen wahrgenommen wird. Das könnte man natürlich als Entwicklungsverzögerung bezeichnen, die es - ganz im Sinne von Barkley - zu überwinden gilt.

Ich frage ich mich allerdings, ob das realistisch ist und ob die meisten ADHS-Männer nicht doch ewige Kindsköpfe bleiben - und ob das nicht auch in einem gewissen Rahmen völlig ok ist.
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Andromache » Do 21. Mai 2020, 21:38

Anders hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 21:12
Dahinter eine Entwicklungsverzögerung zu vermuten klingt für mich einleuchtend, könnte aber auch mit einer generell schlechten Körperwahrnehmung
Eine schlechte Körperwahrnehmung ist doch auch eine Entwicklungsverzögerung oder etwa nicht?

Aber alles was ich sagen wollte, ist, dass ich aufgrund meiner Erfahrungen nicht unterschreiben kann, dass eine Entwicklungsverzögerung bei ADHS und ADS zwingend ist. Denn bei mir war es nicht der Fall und bei einigen anderen, die ich kenne, ebenfalls nicht.
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Andromache » Do 21. Mai 2020, 21:32

@Anders
Ist doch alles gut! Danke dir!
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Do 21. Mai 2020, 21:12

Elementary hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 20:47
Aber m.E. wird dabei schnell der Blick darauf verstellt, dass es vielleicht einfach neurobiologische Ursachen- und Wirk-Parallelen gibt.
Das ist zwar möglich, aber es gibt bei ADHS mit dem Aufmerksamkeitsdefizit auch ein ganz offensichtliches Erklärungsmodell, zumindest für den Tag:

Das Kind ist so vertieft in seine Tätigkeit, dass es die Anzeichen für einen anstehenden Toilettengang gar nicht mitbekommt oder, wenn doch, ist etwas anderes gerade interessanter, als auf die Toilette zu gehen. Also wird immer wieder aufgeschoben. Eine interessante Tätigkeit zu stoppen bzw. der Tätigkeitswechsel an sich ist für einen ADHSler bekanntlich sehr schwierig, auch auf die Gefahr hin, dass es in die Hose geht - und prompt kann es zu spät sein.

Da müsste sich ein Kinderarzt schon sehr gut auskennen, um diesem Zusammenhang zu erkennen, zumindest, wenn noch keine ADHS diagnostiziert wurde, wovon wir hier ja ausgehen.

Was die Nacht betrifft: ADHSler schlafen anders, in der Regel schlechter. Aber auch extremer Tiefschlaf kommt vor, so heftig, dass das morgendliche Wecken für die Eltern zur Qual wird. Da kann es vorkommen, dass das Kind so tief schläft, dass es die Anzeichen für einen Toilettengang nicht bemerkt und erst wach wird, wenn es zu spät ist.
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Anders » Do 21. Mai 2020, 21:12

Addy Haller hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 20:58
davon bekommt der Rest der Welt in der Regel nix mit.
Was für die Psyche des Kindes wohl auch am besten so ist.. aber Addy hat schon recht, ich hab das in der Fachliteratur auch häufiger gelesen, dass es mit Adhs zusammenhängen kann. Dahinter eine Entwicklungsverzögerung zu vermuten klingt für mich einleuchtend, könnte aber auch mit einer generell schlechten Körperwahrnehmung oder so zu tun haben..
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Re: Hello zusammen!

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Do 21. Mai 2020, 20:58

Andromache hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 20:29
Also ich empfinde Einnässen und Einkoten bis ins Schulalter schon sehr dramatisch und auffällig. Und ganz ehrlich, davon wußte ich bisher noch nichts.
Wie gesagt, bei Jungs kommt es deutlich häufiger vor als bei Mädchen, vielleicht hast du deshalb nichts davon gehört. Und es ist natürlich ein Tabu-Thema, das in den Familien bleibt, davon bekommt der Rest der Welt in der Regel nix mit.
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Anders » Do 21. Mai 2020, 20:51

Hmm.. nicht perfekt den Anfang des Themas geteilt bekommen, ist aber auch manchmal schwer weil alles so ineinander über geht, das man garnicht merkt auf einmal ganz woanders zu sein :D Keine Ahnung, vielleicht hätten wir es auch einfach so lassen können/sollen.. ist halt Adhs 'life' :roll:

Dachte nur wg. Vorstellungsthread und und so..
Bin heut eh nicht mehr ganz auf der Höhe.. war ein langer Tag ;)
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Re: Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Elementary » Do 21. Mai 2020, 20:47

Ich halte das auch nicht für das beste Beispiel im Zuge Eurer Diskussion um "Entwicklungsverzögerung".

Es scheint zwar tatsächlich so zu sein, dass sich das Problem bei vielen Kindern unter MPH-Einnahme nicht mehr zeigt.

Aber m.E. wird dabei schnell der Blick darauf verstellt, dass es vielleicht einfach neurobiologische Ursachen- und Wirk-Parallelen gibt.

MPH wirkt auch stark auf diverse Muskulatur im Beckenboden. Daher kommt es selten (!) wohl sogar dazu, dass erst nach der Einnahme in dem Bereich Probleme entstehen: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2947529/: "Adrenergic blockade effect is suggested to cause fecal incontinence by decreasing the tonus of the internal anal sphincter10 and urinary incontinence by decreasing the tonus of the internal urethral sphincter."

Wenn muskuläre Erklärungsmodelle nicht (auch) in den Blick genommen werden, weil "Entwicklungsverzögerung/Un- oder Nachreife im Gehirn" als gesetzt gilt, vergibt man sich m.E. solche Erkenntnisse.

Und vor allem: Falls mal muskuläre Nebenwirkungen entstehen, ist man auch nicht wach genug, das evtl. mit der Medikation in Verbindung zu bringen.
Zuletzt geändert von Elementary am Do 21. Mai 2020, 20:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Hello zusammen!

Ungelesener Beitrag von Andromache » Do 21. Mai 2020, 20:29

Addy Haller hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 20:11
Ich denke, sie fallen weniger auf, weil sie der Umgebung nicht so „zur Last fallen„ und weil die Entwicklungsverzögerungen als nicht so dramatisch eingeschätzt werden.
Beispiel: Bei ADS soll Einnässen und Einkoten bis ins Schulalter sehr häufig sein, was ja eine klassische Entwicklungsverzögerung ist.
Also ich empfinde Einnässen und Einkoten bis ins Schulalter schon sehr dramatisch und auffällig. Und ganz ehrlich, davon wußte ich bisher noch nichts.
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Re: Hello zusammen!

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Do 21. Mai 2020, 20:11

Ich denke, sie fallen weniger auf, weil sie der Umgebung nicht so „zur Last fallen„ und weil die Entwicklungsverzögerungen als nicht so dramatisch eingeschätzt werden.

Beispiel: Bei ADS soll Einnässen und Einkoten bis ins Schulalter sehr häufig sein, was ja eine klassische Entwicklungsverzögerung ist. Dies kommt aber bei Kindern, insbesondere Jungen, häufiger vor, weil sich Kinder einfach in den verschiedenen Bereichen unterschiedlich entwickeln. Geht man damit zum Kinderarzt, wird dieser abwiegeln und eine Klingelhose o.ä. empfehlen. Da muss ein Arzt schon Ahnung von ADHS haben, um das in einen Zusammenhang zu bringen.

Dasselbe gilt für die Teilleistungsstörungen, die z.B. bei ADS sogar häufiger sein sollen als bei ADHS. Ein Zusammenhang wird in der Praxis häufig nicht hergestellt, weil viele, die in diesem Bereich Unterstützung anbieten, sich entweder nicht mit dem Thema ADHS befassen oder es sogar ganz ablehnen.
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Re: Hello zusammen!

Ungelesener Beitrag von Andromache » Do 21. Mai 2020, 19:58

Addy Haller hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 19:38
Ersteres unterschreibe ich glatt, das zweite leuchtet mir nicht ein. Möglicherweise sind bei ADHS und ADS unterschiedliche Bereiche betroffen, aber wieso sollte es bei ADS seltener vorkommen?
Wenn ADS, wie bereits erforscht, wesentlich später, oft erst im Erwachsenenalter, diagnostiziert wird, weil die Störung im Kindesalter nicht so sehr auffällt, dann heißt das doch eigentlich im Umkehrschluss, dass diese Kinder auch nicht so häufig eine Entwicklungsstörung aufweisen, denn sonst wären sie ja schon in diesem Alter wesentlich auffälliger.
Ist für mich eine logische Schlussfolgerung, die aber nicht stimmen muss...
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Re: Hello zusammen!

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Do 21. Mai 2020, 19:38

Andromache hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 19:08
Die Erfahrung zeigt, dass AD(H)S nicht zwangsläufig selbst eine Entwicklungsverzögerung ist, sondern häufig "nur" mit einer solchen einhergeht.
Und es scheint so zu sein, dass dies wohl bei ADHS häufiger vorkommt als bei ADS.
Ersteres unterschreibe ich glatt, das zweite leuchtet mir nicht ein. Möglicherweise sind bei ADHS und ADS unterschiedliche Bereiche betroffen, aber wieso sollte es bei ADS seltener vorkommen?
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Re: Hello zusammen!

Ungelesener Beitrag von Andromache » Do 21. Mai 2020, 19:08

Addy Haller hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 17:22
Eben. Und deshalb halte ich ADHS als Entwicklungsverzögerung, wie Barkley meint, für falsch.
Addy, ich glaube du hängst dich da etwas an Barkleys These auf. Die Erfahrung zeigt, dass AD(H)S nicht zwangsläufig selbst eine Entwicklungsverzögerung ist, sondern häufig "nur" mit einer solchen einhergeht.
Und es scheint so zu sein, dass dies wohl bei ADHS häufiger vorkommt als bei ADS. Aber vielleicht verläuft auch hier eine Trennlinie in Sachen Symptomatik zwischen diesen beiden Subtypen. Ich denke, dass wird sich erst dann herausstellen, wenn ADS mehr Bedeutung in der Forschung gewinnt.
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Entwicklungsverzögerung bei AD(H)S

Ungelesener Beitrag von Addy Haller » Do 21. Mai 2020, 17:22

Andromache hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 15:32
Addy Haller hat geschrieben:
Do 21. Mai 2020, 14:09
Kommt drauf an, was man darunter versteht. Als Erwachsener ist man möglicherweise schon entwicklungsverzögert, wenn man altersunangemessen notwendige Dinge nicht erledigt. ;)
Aber wir wissen doch mittlerweile alle, dass das mit dem Alter nichts zu tun hat. ;-)
Eben. Und deshalb halte ich ADHS als Entwicklungsverzögerung, wie Barkley meint, für falsch.
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