30 mg anfangs deutlich wirksam, danach kaum noch – 40 mg ohne spürbare Wirkung, aber stärkere Nebenwirkungen: Kennt das jemand?

Hallo zusammen :upside_down_face:

ich bin neu hier im Forum und wurde letztes Jahr mit ADHS diagnostiziert. Zusätzlich besteht bei mir der Verdacht auf Autismus, der bisher allerdings noch nicht offiziell diagnostiziert wurde.

Ich würde gerne mal eure Erfahrungen hören, weil ich gerade etwas unsicher bin, wie ich meine bisherige Medikamentenwirkung einordnen soll. Falls eine ähnliche Frage hier schon häufiger gestellt wurde, entschuldigt bitte, ich habe zwar schon etwas gesucht, aber vielleicht nicht die passenden Beiträge gefunden.

Meine Hauptprobleme, die ich durch das Medikament verbessern möchte, sind vor allem meine Impulsivität, Ablenkbarkeit, Reizbarkeit und Schwierigkeiten, bei einer Aufgabe zu bleiben bzw. Aufgaben überhaupt anzufangen und zu Ende zu bringen.

30 mg

Die ersten 3 Tage hatte ich eine sehr deutlich spürbare Wirkung. Ich konnte genau merken, wann die Wirkung eingesetzt hat und wann sie nach etwa 3–4 Stunden nachgelassen hat. In dieser Zeit war ich deutlich fokussierter und konnte meine Aufgaben gut erledigen.

Ab dem vierten Tag konnte ich die Wirkung allerdings kaum noch wahrnehmen. Bei meinen eigentlichen ADHS-Problemen hat sich nach diesen ersten drei Tagen kaum noch etwas verbessert.

Positiv bei 30 mg:

  • Ich war insgesamt etwas positiver gestimmt. (Die ganzen 10 Tage)
  • Negative Gedanken waren deutlich weniger. (Die ganzen 10 Tage)
  • Die starke Müdigkeit/Abgeschlagenheit am frühen Nachmittag, die ich vor der Einnahme regelmäßig hatte, war komplett verschwunden.(die ganzen 10 Tage)

Nebenwirkungen bei 30 mg:

  • In den ersten 3 Tagen Schlafprobleme
  • Kopfdruck (von links und rechts), gereizte Stimmung vor allem nach dem Nachlassen der Wirkung in den ersten 3 Tagen
  • Der Appetit war in den ersten 3 Tagen etwas reduziert, normalisierte sich danach aber wieder.
  • Ich habe eigentlich viel vor und auch die Motivation, meine Aufgaben für den Tag zu erledigen. Trotzdem kann es passieren, dass ich mich an freien Tagen bis zu 6 Stunden am Handy in ein interessantes Thema vertiefe. Dann vergeht die Zeit, ohne dass ich das erledige, was ich mir eigentlich vorgenommen habe.

Nach 10 Tagen habe ich dann nach Rücksprache mit meinem Arzt auf 40 mg erhöht.

40 mg

Bei 40 mg hatte ich von Anfang an keine vergleichbar spürbare Wirkung wie in den ersten Tagen mit 30mg.

Positiv bei 40mg:

  • Weiterhin positiver gestimmt
  • Die starke Müdigkeit/Abgeschlagenheit am frühen Nachmittag, die ich vor der Einnahme regelmäßig hatte, war komplett verschwunden.(wie bei 30mg)

Nebenwirkungen bei 40mg:

  • stärkerer bzw. teilweise dauerhafter Kopfdruck über den ganzen Tag (bei 30mg waren es nur die ersten drei Tage und nicht so extrem)
  • Hitzegefühl bzw. mir wird plötzlich sehr warm (was neu dazu gekommen ist)
  • In den ersten 3 Tagen Schlafprobleme
  • Ich habe eigentlich viel vor und auch die Motivation, meine Aufgaben für den Tag zu erledigen. Trotzdem kann es passieren, dass ich mich an freien Tagen bis zu 6 Stunden am Handy in ein interessantes Thema vertiefe. (Also genau so wie bei 30mg)

Der Kopfdruck und das Hitzgefühl sind weiterhin vorhanden. Ich bin aktuell bei Tag 6 mit 40 mg.

Meine Frage an euch

Hat jemand von euch einen ähnlichen Verlauf erlebt?

Also dass die Wirkung anfangs deutlich spürbar war, nach wenigen Tagen aber kaum noch wahrnehmbar war und dass eine Erhöhung der Dosis dann nicht unbedingt mehr Wirkung, sondern eher stärkere Nebenwirkungen gebracht hat? Was hat euch geholfen? Vielen Dank schon mal f :heart_hands:

Welches Medikament nimmst du denn?

Oh, mein Fehler. Nehme aktuell Elvanse 40mg.

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Kannst ja sehen ob es besser oder schlechter bei 50mg wird.

Wow, was eine hilfreiche Antwort.

klingt nach einer Unterdosierung.

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Bezüglich dem Spektrum-Verdacht:

Wie sieht es bei dir aus mit der Wahrnehmung von Reizen wie Wärme, Kälte, Schmerz, Müdigkeit ect. Wie reagierst du auf andere Medikamente?

Mein eines Kind (AuDHS) nimmt alles weniger intensiv war als Neuronormale. Sie sagt auch immer das die Wirkung nach den ersten Tagen weg war. War sie aber nicht. Sie hatte es nur nicht mehr „aktiv“ gespürt. Die Wirkung war aber für uns und für die Schule sichtbar.

Zudem „arbeitet“ Elvanse auch eher im Hintergrund (im Vergleich zu Z.B. Medikinet) - finde ich.

Und ein ADHS Medi ist nur eine Unterstützung. Lernen die Aufmerksamkeit zu lenken, lernt man (bestenfalls) in einer Therapie. Aber auch dann sind mit einem Medi nicht alle Schwierigkeiten weg, es wird durch Medikation & Therapie (im besten Fall) leichter.

Mein anderes Kind (AuDHS) reagiert sehr empfindlich auf Medikamente. Er braucht für eine gute Wirkung nur „Mäuse-Dosierungen“, d.h. nur sehr geringe Dosierungen. Bei „normaler“ Dosierung gehen die Nebenwirkungen für ihn „durch die Decke“. Er nimmt 7,5mg Elvanse morgens.

Auch habe ich letzte Woche in einer Fortbildung gehört, dass es für manche AuDHSlerinnen/Autistinnen hilfreich sein kann, bei der Eindosierung langsamer und in geringeren Schritten zu Erhöhen und mit einer deutlich geringeren Dosierung zu beginnen als bei „nur“ ADHSlerinnen.

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Vielen Dank erstmal für deine ausführliche Antwort! :blush: Das mit deinen beiden Kindern finde ich tatsächlich sehr interessant, gerade weil sie ja offenbar ganz unterschiedlich auf Elvanse reagieren.

Was die Wahrnehmung von Reizen angeht: Bei mir ist das tatsächlich auch ein großes Thema. Gerade Wärme bzw. Hitze nehme ich sehr stark wahr. Ich hasse den Sommer regelrecht, weil mich die Wärme sehr belastet. Auch beim Einkaufen merke ich zum Beispiel sehr schnell, dass ich total überreizt bin und danach erstmal meine Ruhe brauche. Ich bin nach solchen Situationen dann teilweise direkt schlecht gelaunt und einfach komplett erschöpft. Auch emotional nehme ich vieles sehr intensiv wahr, sowohl negative Gefühle als auch Freude. Ich würde also schon sagen, dass ich viele Dinge eher stärker wahrnehme. Wie ich auf andere Medikamente reagiere, kann ich leider nicht sagen, weil ich bisher keine Erfahrung mit anderen Medikamenten habe.

Was die Wirkung von Elvanse angeht, weiß ich, dass man sie nicht unbedingt aktiv spüren muss und dass Elvanse eher im Hintergrund arbeitet. Das habe ich auch schon öfter gelesen. Deshalb versuche ich auch, mich nicht nur darauf zu verlassen, ob ich irgendeinen direkten „Aha-Effekt“ spüre.

Ich habe aber von Anfang an jeden Tag Notizen darüber gemacht, wie es mir mit der jeweiligen Dosis geht, was gut war, was schlecht war, welche Nebenwirkungen aufgetreten sind und wie sich der Tag insgesamt angefühlt hat. Und dabei zeigt sich bei mir eigentlich immer ein ziemlich ähnlicher Verlauf.

Wenn ich überhaupt etwas Positives merke, dann, dass ich teilweise etwas positiver gestimmt bin und sich meine negativen Gedanken verändern bzw. weniger im Vordergrund stehen. Das finde ich natürlich sehr gut und ich möchte das gar nicht kleinreden. Ich hatte mir von der Behandlung aber ehrlich gesagt trotzdem etwas mehr erhofft, gerade was die eigentlichen ADHS-Symptome betrifft.

Ich hatte dazu auch schon ein Gespräch mit meinem Psychiater. Er hat mir unter anderem eine Gruppentherapie empfohlen, die ich jetzt auch bald in Angriff nehmen möchte.

Bei den 30 mg war es bei mir tatsächlich so, dass ich die ersten Tage total begeistert war. Ich dachte wirklich: Wow, das funktioniert ja richtig gut. :sweat_smile: Gleichzeitig habe ich mir aber schon gedacht, dass man die ersten ein, zwei Tage vielleicht nicht überbewerten sollte, weil der Körper sich ja erstmal an das Medikament gewöhnen muss und viele Menschen gerade am Anfang eine deutlichere Wirkung wahrnehmen.

Dass die Wirkung dann aber nach ungefähr drei Tagen so abrupt verschwunden ist, fand ich schon etwas komisch. Deshalb habe ich auch weiter genau beobachtet, was passiert.

Wenn ich jetzt 30mg und 40mg miteinander vergleiche, sind mir die 30mg auf jeden Fall deutlich positiver in Erinnerung geblieben. Bei 30mg hatte ich zwar am Anfang stärkere Nebenwirkungen, aber nach ein paar Tagen waren die eigentlich weg. Ich konnte wieder schlafen und hatte keine Kopfschmerzen mehr.

Bei 40 mg war es dagegen anders. Da sind die Nebenwirkungen nicht einfach verschwunden, sondern teilweise geblieben bzw. es kamen sogar noch weitere dazu, zum Beispiel diese Hitze bzw. Hitzewallungen, die ich ja schon beschrieben hatte. Und leider bestehen diese Nebenwirkungen bei den 40mg weiterhin.

Ich habe jetzt in ein paar Tagen wieder einen Termin bei meinem Psychiater und bin selbst gespannt, wie es weitergeht. Letztendlich muss er natürlich entscheiden, wie wir weitermachen, weil er vom Fach ist und das Ganze medizinisch beurteilen kann. Ich hoffe ehrlich gesagt nur, dass er jetzt nicht direkt auf die Idee kommt, noch höher zu dosieren.

Ich weiß natürlich, dass es auch viele Erfahrungsberichte gibt, in denen Leute schreiben, dass es ihnen mit einer höheren Dosierung besser ging. Deshalb will ich das auch nicht grundsätzlich ausschließen. Mein eigenes Gefühl sagt mir momentan aber eher, dass ich mit einer niedrigeren Dosis besser zurechtkomme. Vielleicht wäre bei mir sogar 20mg einen Versuch wert, gerade wenn ich an das denke, was du über die sehr niedrigen Dosierungen bei deinem Sohn geschrieben hast.

Und was den Autismus betrifft: Mein Psychiater hat damals bei meiner ADHS-Diagnose tatsächlich schon gesagt, dass er meinen Autismus sogar höher einstufen würde als mein ADHS. Da damals aber offiziell nur die ADHS-Diagnose gestellt wurde, wollte er sich bezüglich des Autismus natürlich nicht festlegen.