Moin!
Wie haben „normale“ Menschen es je geschafft, einfach nur da zu sitzen, oder in einem stillen Raum zu bleiben, ohne nicht mit dem Gedanken zu spielen, sich die Zeit mit ner Kippe, oder ner Runde binging zu vertreiben 
Auf deine Überlegungen hin, warum es manchen Menschen so leicht und anderen so schwer fällt, auf „Genussstoffe“ wie Alkohol oder Nikoton zu verzichten:
Wir Menschen lernen insbesondere innerhalb unserer sekundären Sozialisation verschiedene Verhaltensweisen: Im Jugendalter ist das natürlich insbesondere das Sich-Ausprobieren, Sich-selbst-finden. sich gegenüber Peers behaupten oder schlicht als „cool“ zu gelten. Leider gehört zu dieser Coolness oftmals der Konsum von Nikton oder Alkohol. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft mir im Alter zwischen 13 und 17 Jahren Zigaretten angeboten worden sind und wie oft ich ablehnen „musste“. Mein Glück war damals einfach, dass ich null Bock auf Coolness jeglicher Art hatte und daher dementsprechend gut geschützt war. Ähnliches gallt für Alkohol, den ich erst ab Mitte/Ende 20 zweitweise getrunken und dann volllständig wieder aufgehört hatte, weil das Zeug halt einfach ein Zellgift ist, was aber natürlich gesellschaftlich (noch) voll akzeptiert ist - gerade unter Männern und gerade auch in gewissen sozialen Kontexten (Fußbball schauen etc.). Schließt man(n) sich hier nicht dem Verhalten der Gruppe an, ist man(n) schnell Außenseiter, was natürlich niemand möchte. Allerdings habe ich auch sehr selbstbewusste Männer (nein, kein Angriff auf andere) erlebt, die ganz klar sagten: Ich rauche niemals! Dieselben Männer haben dann allerdings auf Partys getrunken und mussten dann anschließend von Freunden ins Bett gebracht werden.
Was ich damit sagen will: Die Freundesgruppe hat einen immensen Einfluss, den viele entweder erst gar nicht als solchen wahrnehmen oder massiv unterschätzen, da es natürlich auch schön ist, Zeit mit Freunden zu verbringen. Man(n) möchte halt dazugehören und nicht ausgeschlossen werden, was ein absolut nachvollziehbares menschliches Bedürfnis ist. Allerdings denke ich immer, dass viele sich hier zu sehr unterordnen. Kann man nicht ein akzeptierter Teil der Gruppe sein und zu seiner eigenen Persönlichkeit stehen? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich viel Anerkennung (vielleicht auch, weil ich eine Frau bin, das mag sehr gut sein!) im Freundeskreis erfahre, wenn ich ganz offen sage, dass ich gar keinen Alkohol (mehr) trinke. Es ist auch noch immer relativ „unangenehm“, das offen auszusprechen anstatt einfach „Nein, danke“ zu sagen, da es eben doch noch - auch in Akademikerkreisen - „unausgesprochenerweise irgendwie“ latent erwartet wird. Das erkennt man z.B. daran, wie der Konsom von Nikotin mit dem Konsum von Alkohol in einer Diskussion verglichen wird. Früher wurde ja in allen Gesellschaftsschichten geraucht UND getrunken, was heute aufgrund des Nichtraucherschutzes gar nicht mehr in dem Maße möglich ist. Auf Empfängen und dergleichen muss man also nach draußen gehen und sich von einem Teil der Gruppe separieren. Nikoton wird (inzwischen) ja sehr verteufelt, ist also gesellschaftlich nicht mehr wirklich stark akzeptiert (zumindest bei den Millenlias und darüber), während der Alkoholkonsum - zumindest auf Feiern und anderen gesellschaftlichen Anlässen - noch sehr akzeptiert ist, wenn sich auch das mittlerweile sehr ändert: Es gibt einen immer größer werdenden Markt für nicht-alkoholische Getränke und das wird - so meine Prognose - auch zunehmen.
Letztlich ist es also so: Wenn ich seit meinem 13./14./15. Lebensjahr an Nikotin und Alkohol gewöhnt bin (Gewohnheiten sind hier das Entscheidende!) und dann mit 42 oder 43 Jahren davon loskommen willl, dann ist das natürlich eine große Herausforderung. Unser Gehirn arbeitet ja zeitgleich immer mit und nimmt die entsprechende Information auf: „Fußball, Sofa, Freunde - und Alkohol!“. Das heißt, dein Gehirn wird ein Signal an welches Zentrum auch immer senden (müsste ich jetzt nachlesen): Es braucht noch den Alkohol (Gewohnheit).
Für mich hingegen ist ein Serienabend ohne Schokolade oder Gummbibärchen dasselbe. Ich setze mich aufs Sofa, schalte Netflix ein und denke an Cola und Schoki.
Ich hoffe, das ist jetzt nicht zu belehrend oder primitiv rübergekommen. Es ist wichtig, sich selbst und seine Gewohnheiten zu reflektieren, wenn man eine Gewohnheit dauerhaft verändern möchte. Ersatzhandlungen sind natürlich auch eine Hilfe. Bei mir z.B.: Serienabend und es steht ein Smoothie und ein Apfel auf dem Wohnzimmertisch. Wenn ich das nun 63 Tage durchziehe, hat mein Gehirn irgendwann auf Apfel und Smoothie „umprogrammiert“.
Alles Gute und ich hoffe, es ist was Hilfreiches dabei! 