AD(H)S oder doch (nur) ein bestimmter Persönlichkeitstyp???

Als großer Fan der Psychologin und Autorin Stefanie Stahl habe ich heute mal den mit der TU Freiberg entwickelten Persönlichkeitstest absolviert und bin wirklich verblüfft, wie absolut auf den Punkt mein Persönlichkeitstyp beschrieben wird.

Da stellt sich mir wirklich die Frage nach dem Huhn und dem Ei! Hat mein ADS diesen Persönlichkeitstyp bedingt oder hält man meine Persönlichkeit vielleicht fälschlicherweise für ADS?
Ich bin gerade etwas ratlos und sitze mit offenem Mund vor meinem Laptop. Damit ihr euch ein Bild machen könnt, teile ich hier mal mein Ergebnis:

"Sie sind ein Ideenminister!

Für diesen Typ wird folgende Abkürzung verwendet: EAFL

Ideenminister sind begeisterungsfähig, kreativ und energiegeladen. Sie sind Visionäre und Nonkonformisten, die ihr Augenmerk auf die Zukunft und deren Möglichkeiten lenken. Sie bringen Lebendigkeit und Vergnügen in alle Aspekte des Lebens. Sie stecken voller Tatendrang, sind jedoch am besten in der Anfangsphase eines Projektes oder einer Beziehung − Durchhaltevermögen gehört nicht zu ihren Stärken. Sie interessieren sich für die Muster und Beziehungen hinter dem Offensichtlichen. EAFLs erforschen in Situationen, bei Menschen und Dingen lieber die inneren Zusammenhänge als die sichtbaren Fakten. Das, was ist, interessiert sie weniger als das, was sein könnte. Sie haben ein extrem gutes Gespür für Erfolg versprechende Projekte und einen sehr guten Blick für die Potenziale ihrer Mitmenschen. Da sie enthusiastisch und begeisterungsfähig sind, können sie andere mühelos mitreißen und motivieren. Für sie gibt es eigentlich keine Probleme, die sich nicht lösen lassen und oft finden sie unkonventionelle und originelle Problemlösungen. überhaupt liegen ihre besten Fähigkeiten im unkonventionellen Denken, deshalb sind sie auch häufig in kreativen Berufen zu finden und/oder in Berufen, die viel Raum für neue Lösungen und Ideen bieten. Sie sind optimistisch und risikobereit. Ihr Vertrauen, das sie in Menschen und die Dinge im Allgemeinen setzen, führt oft zum Erfolg. Ihre Extraversion (E) in Verbindung mit ihrer gefühlsmäßigen Beurteilung (F) lässt sie gern mit Menschen zusammen sein, und sie sind zumeist beliebt, weil sie Spaß und Lebendigkeit versprühen. Die meisten Ideenminister verfügen über ausgedehnte und tragfähige soziale Netzwerke. Allerdings können sie auch recht impulsiv sein, und manchmal müssen dann andere einspringen, um die Situation zu retten. Ihre Neigung, direkt und gerade heraus ihre Meinung zu äußern, lässt sie jedoch auch kaum nachtragend sein (das sind dann eher mal die Betroffenen). Im Widerspruch zu ihrem impulsiven Temperament steht ihre Konfliktscheu. Es fällt ihnen schwer, ein „heißes Eisen“ in Ruhe und mit angemessenen Worten anzusprechen. EAFLs verfügen über ein gewisses Charisma und sind häufig von Anhängern umgeben, die sich von ihnen Lenkung und Inspiration erhoffen. Dies kann für sie jedoch eine Belastung darstellen, weil sie hierdurch einen gewissen Erwartungsdruck verspüren, der ihrem spontanen und autonomen Wesen widerstrebt. (…)

Arbeit

Ideenminister verfolgen nicht selten einen unkonventionellen Berufsweg. Man findet bei ihnen am häufigsten Karrierewechsel, weil ihnen ihre alte Beschäftigung zu viel Routine abverlangte oder zu viele institutionelle Zwänge bescherte. Sie beschließen dann, sich neue Herausforderungen zu suchen. Wie bereits erwähnt, findet man sie häufig in Berufen, die abstraktes Denken, Vielseitigkeit und Flexibilität erfordern. Sie haben einen sehr guten Riecher für Zukünftiges und Erfolg versprechendes. Ihr Freiheitsdrang und ihr Autonomiebedürfnis verlangen Arbeitsumgebungen, in denen sie sich möglichst frei entfalten können, deshalb sind unter ihnen auch überdurchschnittlich viele Selbstständige zu finden. Sie hassen es, in Organisationen zu arbeiten, in denen sie sich stark kontrolliert fühlen und in denen starre Hierarchien herrschen. Sie versuchen dann, wo es geht, die Regeln zu verändern oder zu umgehen. Ebenso schauerlich ist für sie die Beschäftigung mit Details und stumpfsinnigen Routinearbeiten. Am besten sind sie an Arbeitsplätzen, die neue Ideen und Konzepte verlangen und an denen andere es dann übernehmen können, diese im Detail auszuarbeiten. Ideenminister sind sowohl gute Teamarbeiter als auch fähige Führungskräfte. Sie fühlen sich von Menschen inspiriert und energetisiert und können auch umgekehrt andere für ihre Projekte begeistern. EAFLs verbreiten zumeist gute Laune und Optimismus. Sie lieben ein kollegiales und freundliches Arbeitsklima und setzen sich hierfür auch ein, unabhängig davon, ob sie als Vorgesetzte oder als Kollegen tätig sind. Ihre Begeisterungsfähigkeit, ihr innovatives Denken und ihr sehr gutes Gespür für die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter verschaffen ihnen hervorragende Führungsqualitäten. Allerdings darf nicht zu viel Planung und Zeitmanagement von ihnen erwartet werden, beides gehört nicht zu ihren Stärken. EAFLs tun sich nämlich aufgrund ihrer Vielseitigkeit und ihrer Aufgeschlossenheit für Neues schwer, sich festzulegen. Sie halten sich gern Entscheidungen, auch bis zum allerletzten Moment, offen, um bloß keine Option zu verpassen. Es liegt ihnen weitaus mehr, flexibel auf Unerwartetes zu reagieren, als Aufgaben langfristig zu planen. Ihre unmittelbare Arbeitsumgebung, zum Beispiel ihr Schreibtisch, ist entsprechend dieser Neigung zumeist von einem chaotischen Durcheinander gekennzeichnet. (…)

Liebe und Freundschaft

Ideenminister sind leidenschaftliche, romantische und liebevolle Partner und das Leben mit ihnen ist spannend und abwechslungsreich. Leider sind sie aber auch in ihren Liebesbeziehungen nicht die Durchhaltestärksten. Wie in allen Aspekten ihres Lebens sind EAFLs häufig in der Anfangsphase am besten und sie neigen − auch in Paarbeziehungen − dazu, schnell das Interesse zu verlieren, wenn der oder die Geliebte hinreichend erforscht wurde und nichts „Neues“ mehr zu entdecken ist, oder wenn die Beziehung ihnen zu festgelegt erscheint. Da sie bis dahin weder in Wort noch Tat mit Beweisen der Zuneigung gespart haben, kann es für den Partner ein schlimmer Schock sein, wenn er plötzlich und unerwartet verlassen wird. Wenn sich Ideenminister jedoch dauerhaft festlegen, sind sie sehr liebevolle und treue Gefährten, die ihren Partnern sehr viel Unterstützung in ihrer persönlichen Weiterentwicklung zukommen lassen. Wie alle AFs lieben sie den persönlichen Austausch und es fällt ihnen leicht über ihre Gefühle zu sprechen. Männlichen EAFLs fällt dies leichter als den meisten anderen männlichen Ministertypen, was ihre Partnerinnen begeistert. Frauen wie Männer EAFLs sind einfühlsam und können sich sehr gut auf ihr Gegenüber einstellen. Sie suchen nach derselben „Wellenlänge“ und „Seelenverwandtschaft“ bei ihren Partnern. Wie alle AF-Typen sind sie romantisch und idealistisch. Was ihre Partner allerdings stressen kann, ist ihr mangelnder Ordnungssinn und ihr schlechtes Zeitmanagement − hier kann es, vor allem mit organisierten Typen (O) immer wieder zu Auseinandersetzungen kommen. (…)

Probleme und Entwicklungsmöglichkeiten

Das größte Problem der Ideenminister heißt: durchhalten. Ihre Neigung, sich schnell zu begeistern, versickert allzu oft, wenn ein Projekt oder eine Beziehung in die „Realitätsphase“ übergeht und ermüdende Detailarbeit verlangt oder zu viel Routine eingekehrt ist. Hier besteht auch eine große Gefahr andere mitzureißen: Ein EAFL kann sehr enthusiastisch ein Projekt anstoßen und dann verschwinden, weil er schon wieder das Interesse verloren hat oder andere Aufgaben ihn zu sehr beanspruchen. Diese Gefahr besteht vor allem, wenn ein Ideenminister als Vorgesetzter fungiert. Seine Neigung, Ideen und Impulse sofort umzusetzen, führt nicht selten dazu, einen oder mehrere Mitarbeiter voller Schwung mit einer Aufgabe zu betrauen. Diese, vom EAFL mitgerissen, legen los und bemühen sich, den Auftrag bestens zu erfüllen. Wenn sie dann die Resultate präsentieren, müssen sie manchmal enttäuscht feststellen, dass ihnen bestenfalls noch zerstreute Aufmerksamkeit gewidmet wird. Festlegung, langfristige Planung und Zeitmanagement sind die „Problemzonen“ der EAFLs. Sofern sie es nicht bereits (widerwillig) tun − ein ultimativer Ratschlag: Erledigungslisten erstellen! Außerdem sollten sie ihren Impulsen mehr widerstehen lernen, gleich loszulegen, ohne sich vorher einen Plan gemacht zu haben. EAFLs sollten sich zwingen, Dinge bis zu Ende zu denken und sich eine realistische Zeitplanung zurechtlegen. Hierfür kann es nützlich sein, Personen mit K (Konkret) und O (Organisiert) im Profil zu Rate zu ziehen. Sie sollten auch üben, Prioritätenlisten zu erstellen. Ihre Offenheit und Neugier für neue Eindrücke macht sie leicht ablenkbar. Deshalb geraten sie auch immer wieder unter Zeitdruck. Wenn sie geneigt sind, sich einer Aufgabe oder Ablenkung hinzugeben, sollten sie sich vorher kurz der Frage widmen, ob dies wirklich jetzt sein muss. Ein weiterer Schwachpunkt der EAFLs ist ihr Widerwille, sich mit Fakten und Details zu befassen. Dadurch kann ihnen der Blick für das Objektive etwas verloren gehen und dann vergeuden sie ihren Einfallsreichtum bei den falschen Projekten und Menschen. Sie tun gut daran, ihre rationalen Fähigkeiten (D) und ihre konkrete Wahrnehmung (K) bewusst zu trainieren, indem sie sich − auch wenn es ihnen widerstrebt − mit Details und Fakten beschäftigen. Auch der Umgang mit Geld ist häufig ein Problem für Ideenminister, die in ihrem Wesen zu Großzügigkeit, sogar Verschwendung, neigen. Dies führt im Gegenzug zu Zeiten extremer Sparsamkeit. Es fällt ihnen schwer, eine richtige Balance zu finden. Ein EAFL-Haushalt ist nicht selten mit überflüssigem Luxus ausgestattet, wobei es an notwendigen Gebrauchsgegenständen fehlt. Auch hier ist eine am besten schriftliche Planung und Einteilung des Budgets empfehlenswert. Das ausgeprägte Gefühlsleben der EAFLs, das normalerweise ihre Lebendigkeit und Vitalität ausmacht, kann sich im negativen Fall übersteigern, sodass sich der EAFL starken Stimmungsschwankungen ausgesetzt fühlt. Dies ist der Fall, wenn er unter psychischen Belastungen leidet, zu denen auch eine schwierige Kindheit zählt. Anders als der introvertierte DenkEnscheider (ID), dessen emotionale Temperatur eher zu niedrig ist und der sich unter Stress zurückzieht, laufen die Gefühle des EAFL eher zu heiß unter Stress und er richtet sie gegen die Außenwelt. In diesem Fall kann sich seine Impulsivität zu Aggressivität und Hysterie steigern. Je nach Tagesform und Anlass kann er aber auch in depressive Löcher stürzen und/oder in Euphorie verfallen. Diese starken Stimmungsschwankungen belasten nicht nur ihn selbst, sondern auch seine Beziehungen, was ihn wiederum teufelskreisartig noch mehr runterzieht. Gestresste EAFLs müssen lernen, ihre starken Gefühle besser zu regulieren. Dies kann ihnen gelingen, wenn sie − sobald sich ein negatives Gefühl, wie zum Beispiel Wut, anbahnt, einen kleinen, rationalen Abstand zu diesem einlegen, indem sie von der Feldperspektive auf die Beobachterperspektive umschalten. (Dies kann natürlich nur gelingen, wenn man die Wut am Anfang erwischt und nicht, wenn man schon im Blutrausch angelangt ist.) Wenn man in der Feldperspektive gefangen ist, glaubt man alles, was man fühlt und denkt. Aus der Beobachterperspektive hingegen nimmt man sich selbst und die anderen Personen von außen wahr und hat somit etwas Abstand zu dem Geschehen. Dies kann umso leichter gelingen, wenn der EAFL vorher seine neuralgischen Punkte einmal in Ruhe analysiert hat. Er sollte sich bewusst machen, dass er (wie alle anderen Menschen auch) nicht auf die Ereignisse an sich, sondern auf seine Interpretation der Ereignisse reagiert. Vor allem − vermeintliche − persönliche Kränkungen sind häufige Auslöser für starke Gefühle. Hier sollte der EAFL sich wachsam im Auge behalten und nicht gleich jedem Gefühl Raum geben, sondern sich ganz bewusst vornehmen, sich zu zügeln und seine Interpretationen des Geschehens kritisch zu hinterfragen. Am besten legt er sich in einem ruhigen Moment ein paar Verhaltensstrategien zu, die er anwenden kann, wenn er in eine schwierige Situation gerät. Zu diesen könnte beispielsweise zählen, nicht sofort zu reagieren, sondern das Gegenüber um eine kleine Auszeit oder Bedenkzeit zu bitten. (…)

Persönliche Gebrauchsanweisung

Bitte nimm an meinen Ideen und Visionen teil, ohne sie gleich zu kritisieren oder als unrealistisch abzutun.
Wertschätze bitte wieviel Farbe und Lebendigkeit ich in unsere Beziehung einbringe.
Sprich bitte auch über deine Gefühle und nicht nur über Fakten und Sachthemen.
Bitte kritisier nicht ständig meine Unordnung und mein Durcheinander.
Sei bitte nicht so pingelig, wenn es um Details und Kleinigkeiten geht."

:ai :ai

Dieses Ergebnis beschreibt mich exakt und ich denke, es wird noch zahlreiche AD(H)Sler geben, auf die das ebenfalls zutrifft.

Das ist eine schöne und wertschätzende Beschreibung eines bestimmten Persönlichkeitstyps.
Ich kenne das auch z.B. vom Züricher Ressourcenmodell - das wird ja gerne auch eingesetzt um Teams zusammenzustellen oder gegenseitige Wertschätzung zu lernen.

Allerdings sehe ich bei ADHS tatsächlich immer noch die eindeutig pathologische Komponente.
Sowas:


geht dann halt einfach nicht, ebenso wie in den anderen Textstellen, wo es drum geht, dass „der EAFL“ irgendwas „sollte“.

Mit Medikation passt das vielleicht mit dem EAFL - aber vielleicht zeigt sich dann auch ein ganz eigener, anderer Persönlichkeitstyp? Bei mir ist das tatsächlich so.


Ich denke, da darft Du Dir selbst auch vertrauen.
Ich würde Dich als einen Menschen einschätzen, für den die Medikation am Ende einer Entwicklung steht, die ganz klar von Grenzen geprägt ist die einfach aus eigener Kraft nicht überschritten werden können. Du wirst aber auch vorher ein gutes Gespür dafür gehabt haben, was Dir möglich ist - und dass die Grenzen nicht durch Deine Persönlichkeit sondern eben durch einen behebbaren Mangel hervorgerufen wurden.

Das hast du sehr treffend beschrieben. :slight_smile:
Ich denke, dass mein ADS einfach das Quantum meines Persönlichkeitstyps ist, das dann „über das Ziel hinausschießt“ und die pathologische Ausprägung des Persönlichkeitstyps bedingt.
Mit der korrekten Medikamenteneinstellung ringe ich gerade mal wieder und bin zu 20mg Ritalin zurückgekehrt.

Sowas kann sein - muss aber nicht. Ich konnte tatsächlich mit der Medikation total andere Eigenschaften an mir entdecken, die mich mit mir selbst sozusagen in Deckung gebracht haben. Das ist der Hauptvorteil, den ich aus der Medikation ziehen kann.

Ich stelle mir vor, dass ein (einigeramßen moderates) ADHS, das auf einer Linie mit den Vorlieben, Neigungen und Persönlichkeitseigenschaftlichen liegt, leichter zu bewältigen ist.
Bei mir spürte es sich eher wie ein Dämon an. Dieses „das bin nicht ich!“-Gefühl, das dann noch einen zusätzlichen Leidensdruck erzeugt.

Nun wollte ich es auch wissen :wink:
In meiner Persönlichkeit findet man auch so einiges an ADHS wieder.
Wo bei ich bei manchen Fragen auch beides hätte antworten können.

https://www.stefaniestahl.de/deu/index.php/test/

Dann habe ich den Test mal etwa mehr auf die Arbeit bezogen und zack wurde ich zum Freiheitsminister ernannt :wink:

Nun ja auch da wenn man will findet man da auch ADHS-Anteile aber vielleicht. Interessant war für mich das da ein paar Aspekte bei waren , die mir in der anderen Beschreibung noch fehlten.

Wenn Interesse besteht füge ich es noch ein, wollte nicht zu viel Text aufeinmal posten.