AD(H)S-Verdacht bei meiner Tochter – Schulformwahl (Gymnasium vs. Gesamtschule)

So jetzt kennen wir die Elternsicht, doch wohin möchte denn die Tochter?

Habt ihr mal mit ihr selbsttests gemacht? ? ?

Liegt das Abschalten auch teils daran wie gegordert/ unterfordert sie bei Themen ist?

ADS und z.B. Hochbegabung wenn sie bei Unterforerung würden dann deutlich fürs Gymnasium sprechen.

Wahrscheinlich ist es eh besser zu hoch als zu tief zu greifen und zur Not später in die Realschule oder Gesamtschule zu schicken denn Unterforerung kann auch viel schlechtes auslösen (war so in meiner Schulzeit)…

Eben nicht. Man kann an einer Gesamtschule genauso oder besser gefordert sein. Ich spreche aus Erfahrung, ich war die Unterforderte am Gymnasium :wink: Abi ohne lernen geschafft, aber mit unentdecktem ADHS und schlussendlich Depression. Das wünsche ich niemandem.

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Sorry! ich hätte noch eine Frage: Da wir es bisher nicht anders kennen, gehen wir davon aus, dass unsere Tochter eine klare äußere Struktur, feste Lernziele und eine enge Begleitung benötigt.

Ich würde gern deine Einschätzung dazu hören: siehst du in sehr offenen oder stark selbstorganisierten Lernformen die Gefahr, dass sie ihre Ziele aus dem Blick verliert, sich schlechter selbst motivieren kann und dadurch eher „untergeht“?

Ich weiß nicht, wie es auf der Realschule gewesen wäre, aber ich denke, dass ich dort dann unterfordert gewesen wäre. Was vielleicht gut gewesen wäre, wäre G9 statt G8, also ein Jahr länger Zeit zu haben für den Stoff. Erinnerung vergoldet - irgendwie habe ich es ja geschafft und gar nicht mal so schlecht und ich wollte dann auch auf jeden Fall studieren. Hätte sich aber auch anders entwickeln können und auch gut enden können :slight_smile:

Ich hatte aber auch den Vorteil, dass die Schule einen Real- und einen Gymnasialzweig hatte, ich hätte also in der Schule den Zweig wechseln können. Das stand aber irgendwie nie zur Diskussion.

Meine große Schwester, auch ADHS (EDIT: auch Gymnasium), aber gefühlt stärker ausgeprägt, hatte deutlich mehr Probleme in der Schule, die wären von Realschule aber denke ich eher schlimmer geworden.

ADHS lässt sich ja vielleicht als eine Art Decke beschreiben, die einen Teil von einem selbst verdeckt. Durch die Konzentrations-/Motivationsprobleme kann man dann nicht das zeigen, was man eigentlich könnte. Kannst Du Dir vorstellen, wo Deine Tochter besser aufgehoben wäre, wenn diese “Decke” nicht da wäre? Da kann man sich ja über Psychoedukation und Therapie und Medikamente vielleicht dran annähern.

Das höhere Niveau auf dem Gymnasium kann ja auch dafür sorgen, dass mehr oder wenigstens öfter/schneller spannende Themen drankommen, die bei der Motivation helfen. Sie kann es ja - vielleicht kommen in den guten Phasen in der Schule einfach für sie spannendere Themen dran?

Wenn man das herausfindet, was die intrinsische Motivation und Begeisterung bei ihr aktiviert, kann man vielleicht gucken, auf welcher Schulform mehr von interessanten Themen drankommt. Ich fand es immer cool, mich in komplexe Sachen reinzudenken, studiere jetzt auch was technisch-mathematisches. In Geisteswissenschaften würde ich vermutlich total untergehen, weil da meine Motivation nicht so leicht aktivierbar ist. Auch, wenn es von vielen Leuten als “einfacher” und mein Studiengang als “schwierig” wahrgenommen wird. Kommt halt drauf an, was man gut kann und vor allem, was man gerne macht!

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Hi,

das klingt 1:1 wie bei uns, nur dass mein Sohn noch stark hyperaktiv dazu ist. Er kann sich ganz schlecht organisieren, strukturieren und vergisst auch alles eine Sekunde nachdem man es ihm gesagt hat. Das frustriert ihn (und mich) sehr, weil es oft zu schlechter Stimmung, Disharmonie und negativen Gefühlen führt.

Wir wohnen ebenfalls in Münster und der Schulwechsel steht im Sommer an. Er will nicht auf eine Realschule und hat eine gymnasiale Empfehlung - aber eben auch nur mit täglicher häuslicher Unterstützung, zusätzlichem gestütztem Lernen und einem permanenten Neben-Ihm-Sitzen und Errinnerung an Struktur und Fokussierung. Das macht ihn und mich müde… Er ist doch Kind und soll auch Leichtigkeit erfahren.

Ich habe eine große Angst davor eine „falsche“ Entscheidung zu treffen.

  • Zu hohe Anforderung / Überforderung
  • Zu freies Lernen / Organisieren des Lernstoffes
  • Zu viele Menschen und Angebote / Reizüberflutung

Ich gehe fleißig zu den verschiedenen Infoabenden der Schulen (Fokus: Gesamt, Alternative: kl. Gymnasium und auch Realschulen) und den ToT der Schulen, aber es ist nur ein Ausschnitt und steht und fällt ja auch mit den Lehrern und Klassenkameraden. Wird er sich da denn dann auch wohlfühlen?

Er soll schließlich nicht die Motivation verlieren, aber auch keine Versagensängste entwickeln oder seine Schulzeit und Kindheit nur mit Pauken verbringen, um irgendwie trotzdem nur mit einem mittelmäßigen oder schlechten Resultat zu bestehen. Das macht niemanden glücklich.

Ich kann das daher sehr nachvollziehen und verfolge also Deinen Feed weiter!

Beste Grüße

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Nur aus dem Bauch heraus - Gesamtschule.
Ich verstehe, dass sie mit den Freundinnen mit möchte, aber ich glaube der Druck ist jetzt schon zu groß. Wenn ich an den Punkt komme, an dem ich mir auf die Stirn schlage im mich konzentrieren zu können, dann geht einfach nichts mehr.
Man kann später noch Abitur machen, man kann auch später noch aufs Gymnasium gehen. Wichtig wäre glaub ich eher Struktur und Anforderungen, die sie auch leisten kann, ohne überfordert zu sein. Wenn sie so Anfällig darauf ist, dass andere bessere Noten schreiben und sich mit ihnen vergleicht, tut man ihr auf dem Gymnasium keinen gefallen. Man sollte da eher den Fokus darauf legen, dass sie sich nicht mit den anderen vergleichen soll, weil sie trotzdem ihr bestes gibt, egal was die Note sagt.
Als Betroffener kennt man die Sätze aus der Kindheit: “Sie könnte mehr, wenn sie sich nur mal anstrengen würde.” Das Ding is, sie kann es kognitiv vielleicht Leisten, aber zu welchem Preis.
Das wichtigste ist nicht die Schule, sondern dass es ihr gut geht.

Wenn sich mit der Therapie etwas bessert, dann kann man nachträglich noch die Schule wechseln.. ADS bringt aber mehr Probleme, als nur die schulische Leistung. Auch dafür sollten noch Kapazitäten übrig sein. Da fänd ich glaub eine Ergotherapie auf dem Schwerpunkt sinnvoller, um an der Alltagsstrukturierung usw. zu arbeiten.
Bedenkt auch, dass es nicht ein Wundermedikament gibt, dass von einem Tag auf den anderen Probleme löst. Die Einstellung oder überhaupt das Finden des richtigen Medikaments kann auch seine Zeit dauern.

Und dass die Lehrkräfte ADS verneinen, weil die Noten zu gut sind: Bitte? Ich habe nebenbei meine mittlere Reife gemacht weil ich durch halbes Zuhören 3er geschrieben hatte. Der Abschluss war nicht gut, aber ich hab ihn ^^’ ADS ist nicht immer nur schlechte Noten..

Ich wünsch euch alles gute!

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Danke für deine Antwort :folded_hands::folded_hands: Das hilft uns sehr, die Situation besser einzuordnen und ein bisschen zu verstehen, was auf uns zukommt.

Schau dir die Schulen genau an und frage am besten Eltern und Schüler. Ich hatte 2 Kinder auf der Gesamtschule ( ähnliche Überlegungen) und das dritte Kind ( ähnlich wie deins aber zum Zeitpunkt der Entscheidung grade schon medikamentös eingestellt- es hatte übrigens mit Zensuren überwiegend im 2 er Bereich, nur Mathe 3 keine Gym Empfehlung) geht aufs Gymnasium. Die Gesamtschule ( also „unsere“) war chaotisch, es war laut, es gab viele Probleme und problematische Schüler, es fiel viel Unterricht aus und letztlich wurde auch der nötige Stoff nicht geschafft. In Mathe fehlte bei einem Kind ein Thema vor den Abschlussprüfungen. Das andere hatte in Klasse 10 sehr viele wechselnde Lehrer/ Vertretung und es war sehr sehr schwierig. Bei den ganzen Problemen sind normale Schüler „untergegangen“. Mein „Highlight“ war ein Sprechtag an dem mein Kind gelobt wurde und als ich nach den Noten fragte, kam raus das mein Kind insgesamt um eine Note abgesackt war. Ist dem Klassenlehrer nicht aufgefallen. „jetzt wo sie es sagen…“

Waren die Leistungen nicht okay dann ging es in den Grundkurs ( einfacher) ohne zu schauen warum das so war. Meine Kinder haben nach der 10 gewechselt und in Klasse 11 auf dem beruflichen Gymnasium hatten sie es wirklich schwer trotz einem wirklich guten Abschluss nach der 10.

Kind 3 ist in der 6. Klasse auf dem Gymnasium. Ja, der Stoff ist ordentlich und es muss nachmittags arbeiten ( viele Hausaufgaben). Es ist in den Hauptfächern etwa auf einer 3, mal auch besser aber ne 4 in einer Arbeit war auch schon dabei. Aber: es kommt glücklich nach Hause, es ist dort ein netter Umgangston, auch kleinere Probleme werden geklärt. Es ist ein vernünftiges Arbeitsklima und ruhig, sortiert. Es fällt kein Unterricht aus und : es ist nachmittags zu Hause, und obwohl es gerne mit seinen Freunden zusammen ist , braucht es nachmittags die Ruhe.

Aber wie gesagt: das hängt von der Schule ab. Und noch ein Tipp: frag danach wie die Schule besetzt ist, also mit wie viel Prozent ….

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Ich kann nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen und aus der Erfahrung mit meinem Jungs die bride jetzt erwachsen sind.

Ich habe damals aus den gleichen Gründen wie deine Tochter eine Gesamtschule besucht .

Ich habe die Erfahrung gemacht das besonders Jungs in dem Alter in einer Klasse sehr laut sein können was besonders die Gesamtschule betrifft .

Je lauter es in der Klasse wurde desto schlechter war es mir möglich dem Unterricht zu folgen .

Die Hauptfächer werden ja noch getrennt nach Leistung unterrichtet aber in den Nebenfächern wie Bio,Geschichte usw. hat man auch sehr interessierte Hauptschüler die einem das aufpassen teilweise unmöglich machen.

Meine Jungs die beide keine ADHS Diagnose haben ( ich habe meine Diagnose auch erst nachdem die Jungs 14 und 17 waren )habe ich beide auf das Gymnasium geschickt.

Den großen aufgrund der Empfehlung des Klassenlehrers

Er hatte bis zur 8 Klasse keine vollständige Mappe mit Unterlagen aber musste nicht wiederholen.

Den Kleinen weil er partout nicht auf die Gesamt oder Realschule wollte

Beide haben jetzt ihr Abitur in der Tasche .

Ich habe meine Jungs selber entscheiden lassen .

Er hat es mit einem Nachteilsausgleich wegen Lese Rechtschreibschwäche und einem Jahr wiederholen gut gemeistert und studiert nun im zweiten Semester Umweltwissenschaften

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Dies würde für mich persönlich sehr stark für eine Gesamtschule ohne Hausaufgaben und mit weniger Lernaufwand zu Hause sprechen!

Auf ein „Click“ würde ich nicht spekulieren, das klingt irgendwie so, als könnte sich von einem auf den anderen Tag alles ‚einfach‘ ändern… Ich kann es natürlich nicht für deine Tochter beurteilen, aber allgemein halte ich es eher für wahrscheinlich, falls sich der ADS-Verdacht bestätigt, dass es mit Medikamenten leichter werden kann, aber einige Dinge dennoch einfach eine größere Anstrengung oder Herausforderung bleiben. Daher würde ich versuchen die Schulumgebung zu wählen, welche für sie am ‚angenehmsten‘ ist.
Ich persönlich glaube, dass es sich dann immer besser lernen lässt und hätte nicht die Angst, dass sie sich deswegen auf einem „niedrigeren Niveau niederlässt“. Es gibt sowieso so viel mehr zu lernen als den reinen Schulstoff und eine gute persönliche Entwicklung ist auch sehr wertvoll für die Schul- / Uni- / Berufs- / was-auch-immer-Laufbahn.

Wie schon viel erwähnt wurde, kommt es natürlich aber auch sehr auf die konkrete Schule an.
Ich hatte große Sorge vor dem Gymnasium und bin bisher sehr positiv überrascht - sowohl von der Offenheit und dem Verständnis der Lehrkräfte als auch davon, wie das Kind mit Noten, Hausaufgaben (die glücklicherweise recht überschaubar sind) und vielen Klassenarbeiten zurecht kommt. Aber ich weiß auch, dass es an vielen Schulen/Gymnasien anders läuft…

Ergänzung (edit): Ich kann verstehen, dass euch die Entscheidung schwer fällt! Mir hat ein bisschen geholfen, mich immer wieder daran zu erinnern, dass man es gar nicht genau vorhersagen kann und im Zweifel muss man neue Entscheidungen treffen, falls sich rausstellt, dass die gewählte Schule für das Kind nicht passt. Es hängt ja auch von einigen Faktoren ab, die ihr vorher gar nicht kennen könnt, z.B. welche LehrerInnen bekommt sie, fühlt sie sich in der Klasse wohl, findet sie FreundInnen, …

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Ich kann Euch nicht explizit zu einer Schulform raten.

Nur, dazu daß ihr das Potenzial Eures Kindes nicht unterschätzt.

Alles was du schilderst klingt derartig schmerzhaft (triggert meine eigene Erinnerung) nach ADHS! Auf alle Fälle in die Diagnose.

Daß das Kind zu gut sei für ADHS ist Mumpitz. ADHS macht ja nicht dumm. Und Intelligenz kompensiert vieles.

Eure Tochter zeigt bereits Anzeichen von seelischer Beschädigung. Sie weiß, daß sie in etwa gleich schlau ist wie ihre Mitschüler, merkt aber an dem vielfältigen täglichen kleinen Versagen und an den Noten, daß “etwas” nicht stimmt. Der nächste Entwicklungsschritt ist Verlust von Selbstvertrauen.

Die Diagnose kann ihr helfen, die Dinge richtig einzuschätzen, die Probleme zu “reframen”.

Für die Hausaufgaben könntet ihr versuchen, im Hintergrund Musik laufen zu lassen. Aber ruhig Musik mit Aufforderungscharakter, nix langweiliges. Oder ein Wettrennen - wer es zuerst schafft, den Text abzuschreiben, darf bestimmen, wer… ( _ ).

Solche Tricks helfen, das Dopamin oben zu halten.

Und dann wäre es noch interessant, wer von euch beiden Eltern auch ADHS hat - der Apfel kugelt ja bekanntlich nicht weit weg vom Baum :wink:

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Gemeinsame Freundinnen können ein großer Motivator sein und sich gegenseitig helfen. Was ich eher als Problem sehe, ist, wenn ihre Freundinnen dann neue Freundinnen finden und sie sich abgehängt fühlt. ADHS/ADS ist bei Mädchen oft eher die verträumte Form als bei Jungen. Jungen sind eher impulsiv.

Was den Schulstress angeht - erstens gibt es viele Wege zum Erfolg. Mein Vater hat sich mit Lernen auch schwer getan und war eher der handwerkliche Typ. Der war auf der IGS (integrierte Gesamtschule) deutlich glücklicher als auf dem Gymnasium, hat nach der Schule eine Lehre gemacht und nochmal BWL studiert. Die Lehre hat ihm in seinem Job geholfen, ernst genommen zu werden, da er sich mit dem, was er verkauft hat (Autos) auch wirklich gut auskannte. ADHS wurde bei ihm nie diagnostiziert (andere Zeit etc), aber es ist recht wahrscheinlich, dass er das hat.

Was das Lernen angeht - ADHS-Medikamente können super bei Konzentrationsproblemen helfen (sehe ich täglich bei mir, obwohl ich sie erst am Ende vom Studium bekommen habe). Was beim Lernen wohl der Hauptfaktor ist - immer, bei allen Schülern - ist Interesse. Wozu brauche ich das Ganze? Da kann man sich alle möglichen Szenarien ausdenken. Textanalyse und Quellenanalyse - gibts im Deutschunterricht als Gedichtanalyse - das fand ich furchtbar - ist wichtig für kritisches Denken. Die ganze Debatte, die heute über Falschinformation und Medienkompetenz geführt wird, ist im Kern nur das. Ob ich politische Propaganda von 1920 analysiere oder heute wissen will, ob auf Facebook und Co nicht irgendwelcher Müll verbreitet wird - die Methodik hat sich in den letzten 100 Jahren nicht wirklich geändert. Fremdsprachen - sind geil. Öffnen neue Welten. In der Schule fand ich sie langweilig, aber auf englisch Fanfictions zu meinem Lieblingsbuch lesen zu können und später dann Zeitungsartikel aus aller Welt im Original ist super. Ich kann afrikanische Tageszeitungen lesen und wissen, was vor Ort passiert, weil ich Französisch kann. Ich kann in Frankreich Urlaub machen und mit den Leuten vor Ort mich unterhalten. Mit Spanisch kann sie später überall in Südamerika reisen und sich mit den Leuten vor Ort verständigen. Die sind super nett und offen. Mit Englisch steht ihr die halbe Welt frei - nicht nur die USA und England, sondern auch große Teile Asiens und Europas. Da werden in den großen Metropolen viele Gespräche auf Englisch geführt. Physik - bekommt sie später - war für mich in der Schule Mist, kann einem aber unglaublich viel erklären. Alltagsdinge, wieso man beim Sport Körperspannung braucht. Chemie - worauf man beim Putzen achten sollte, wieso der Glitzernagellack glitzert und eventuell im Dunklen leuchtet. Mathe - ist wunderschön als mentale Ablenkung, wenn einem der Alltag auf die Nerven geht und überall zu gebrauchen. Einfache Größenabschätzungen von Preisen und Runden kann ihr zeigen, wieso es bescheuert ist, wenn bei einer Autowerbung geworben wird, dass es eine Sektflasche gratis gibt - die Sektflasche ist ein Witz im Vergleich zum Preis des Autos. Es zeigt ihr, welche Größenrelationen Preise haben - wieso bei Papier sparen, aber viel Geld für Markenschminke ausgeben, wenn es auch die Billigmarke tut. Exponentielles Wachstum - du knickst ein Blatt Papier so groß wie ein Zimmer und nach ein paar Mal Knicken ist es so klein wie eine Postkarte. Geschichte - da kann man in jeder Epoche was Spannendes finden und seien es nur schöne historische Filme mit all den tollen Kleidern. Klavierspielen wäre auch so ein Beispiel. Ich habe Keyboard gelernt und wollte unbedingt in der Lage sein, Modern Talking (über Musikgeschmack bitte nicht streiten) spielen zu können. Das war Anreiz zum Üben. Aber Musikunterricht mit Blockflöte oder diesem Xylophon, wo man irgendwelches steinaltes Zeug übt? Mitgefühl und Empathie - alleine damit kann man eigentlich alle Fächer reinnehmen. Chemie - ist die Grundlage dafür, dass wir überhaupt Milliarden von Menschen versorgen können (Stichwort Haber-Bosch-Synthese und chemischer Dünger). Seitdem haben wir zwar bescheuerte Kriege um andere Ressourcen, aber es müssen an sich keine Menschen mehr sterben, weil der Boden zu knapp ist und man nicht genug Leute ernährt bekommt. Nochmal Chemie - wie heilt man Krankheiten? Wie wirken Medikamente? Biologie - viel mehr als nur Pflanzen benennen und auswendig lernen, in welche Klasse welches Blatt gehört. Geschichte - wieso haben wir heute überhaupt diese Freiheitsrechte? Mathe - deine Tochter will mit ihren Freundinnen verreisen, aber die eine Freundin ist arm und lebt von Hartz IV, die andere hat zwei gutverdienende Eltern. Wenn man jetzt fiktives Einkommen ansetzt, kann man ausrechnen, wieviel jeder zu der Reise zuzahlen sollte, dass es fair ist.

ADHS kommt gerne mit Hyperfokus. Heißt, wenn man einen Grund findet, wieso man xyz unbedingt will oder spannend findet, lernt man die Dinge fast schon von alleine. Bei der Schwimmtasche - was ist wirklich wichtig? Braucht sie wirklich all den Kram? Badeanzug und Handtuch sind Essentials. Schwimmbrille vergessen ist nervig, weil man nicht kraulen kann und nicht tauchen, aber kein Beinbruch, wenn man die mal vergisst. Haare waschen - kann man notfalls zuhause nachholen. Schulsachen - was ist wirklich essentiell? Kann sie die Bücher in der Schule lagern? Benutzt die Schule Tablets? Blöcke und Stifte kann man viele haben, dann hat man halt 10 Stifte, 2 in jeder Tasche und irgendwo findet sich dann immer mal einer. Die Sachen sind ja selten für immer weg :slight_smile:

Hausaufgabenbetreuung und Unterricht funktioniert nach Schema F. In den unteren Klassenstufen (bis ca. Klasse 10) wird viel auf den ganzen Kleinscheiß Wert gelegt - schöne Handschrift, ordentliche Hefter, in Mathe nicht auf liniertem Papier rechnen. Ich hatte viele Klassenkameradinnen, die immer fleißig gelernt haben, wunderschöne Hefter hatten usw und ich war immer die mit der 2 oder 3 unter den Streberinnen. In der Oberstufe wurde dann mehr aufs selbstständige Denken und Argumentieren wieso man xyz tut, Wert gelegt. Und im Studium war das Thema Ordnung dann komplett durch. Da hat dann niemand mehr gefragt, ob wir die Hausaufgaben auf Karopapier rechnen oder auf parfümierten Zetteln, solange es lesbar war.

Kurzum - es wird besser. Wenn sie sich dann irgendwann das raussucht, was ihr wirklich Spaß macht, kommt die Motivation und sie wird sich an das anpassen, was die anderen tun. Berufe wählt man eh oft genug nach dem, was einem liegt, Spaß macht und wie die anderen drauf sind. Ich habe selten so viel hyperaktive Verpeiltheit und Unordnung gesehen wie bei Physikern. Wenn man andauernd was vergisst, muss man sich mehr merken. Und schafft sich dann sein eigenes System. Spätestens, wenn man später sehr viel auf einmal machen muss, lernt man, Prioritäten zu setzen und findet sein eigenes Ordnungssystem.

Ein Freund aus dem Studium hatte furchtbare Probleme mit Fremdsprachen. Französischer Mathematiker, ist auf einer Eliteuni gewesen und hat trotzdem furchtbar viele Rechtschreibfehler gemacht. Hatte null Freunde, bis ich als Ausländerin an die Uni kam. Und trotz aller Sprachdefizite hat das Erlebnis ihn so geprägt, dass er sogar ein Jahr in Deutschland studiert hat. Seine Exfreundin war auch Ausländerin und dann kam bei ihm das mit der Sprache. Bei mir umgekehrt auch - ich wollte Freunde in Frankreich finden, weil ich nicht gut mit Gruppen klarkam und die Ausländer immer in Gruppen zusammengehockt haben. Da kam das Thema Sprache dann automatisch. War nicht immer einfach, war nicht immer schön, war oftmals sehr einsam. Aber die Erfahrung war genial. Man kann das Abi nachholen. Man kann Fachabi machen. Man kann nach 3 Jahren Berufserfahrung oder so auch ohne Abitur studieren - allerdings nur das Fach, in dem man arbeitet. Nichtlineare Lebensläufe werden oft schief angeschaut und führen zu Selbstzweifeln. Aber dafür lernt man, was man wirklich will und unglaublich viel über sich selbst und über Organisation. Ich habe Freunde, die ganz normal Abi gemacht und studiert haben. Und andere, die eine Lehre gemacht haben, keine Fremdsprache konnten und sich alleinerziehend durchgekämpft haben. Letzere hat dann tatsächlich promoviert als alleinerziehende Mutter und Englisch in ihrer Arbeitsgruppe gelernt mit viel Unterstützung der Kollegen. Diverse Lehrer haben mich gelehrt, Physik zu hassen und am Schluss habe ich das Kackfach tatsächlich studiert, als ich nicht mehr gezwungen wurde, Wurfparabeln von Bällen zu berechnen, sondern die Hoffnung hatte, endlich zu wissen, wie Chemie funktioniert. Das war es wert. 10 Jahre harte Arbeit, aber ich kann sagen, dass ich jetzt so tief rein gegangen bin, wie ich wollte und endlich meine Antworten habe, auf die ich jahrelang gewartet habe. Intrinsische Motivation ist die größte Gabe - wenn Dinge um ihrer Selbst willen Spaß machen. Und Erfolgserlebnisse sind so wichtig. Und wie gesagt, bei der Konzentration können ADHS-Medikamente sehr gut wirken. Sie haben genug Nebenwirkungen und sind nicht für jeden was. Aber wenn sich Erfolgserlebnisse einstellen, geht die Spirale, die bei euch anscheinend gerade nach unten geht, auch schnell wieder nach oben. Wichtig ist nur, dass deine Tochter weiß, dass ihr Glück und Erfolg im Leben nicht an ihren Schulnoten hängt und niemals hängen wird. Der Rest wird kommen. Viel Glück.

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Was für ein Elaborat. Und da denkt man, dass man in den MINT Fächern konzentriert die Themen strukturiert. :wink:

Ich bin auch nicht ganz deiner Meinung. Erklärungen, warum man etwas lernen soll prallen oft ab. Der simple Grund ist, dass man einfach nicht bereit dafür ist. Und noch banaler: Man lernt es für die Prüfung und aus.

Alles was du erklärst, warum wieso weshalb ein Stoff wichtig ist und interessant, hast du dir ja auch erst im NAchhinein zurecht gelegt. Vermutlich weil es dich dann interessiert hat und du bereit warst. Vieles von dem „unnützen“ Zeug, ist aber spurlos durch dein Gehirn gespült worden und der Sinn hat sich dir nie erschlossen… Unsere Erinnerung ist außerdem immer verfälscht - Faktum.

Insoferne: Man kann Kindern erklären, warum sie etwas lernen sollen. Sie fragen dann aber schnell im Kreis rum, weil die Eklräung gar nicht ankommt. Das ist der Punkt wo ich auf die universale Schulwahrheit zurückkomme - „Du musst es lernen, weil es Prüfungsstoff ist“.

Ohne diese Wahrheit kein Erfolg im Leben - weil in der Arbeit funktioniert einiges ähnlich, aber da lasse ich dir noch alles offen. :grin:

Vielleicht braucht man beim Verständnis fürs Lernen mehr Aha - Momente wie ich sie quasi in Latain oder auch alle juristischen Grundlagen.

Boah hab ich immer bei beidem geflucht, gespuckt und alkes verdammt…

Im Latein fand ich es schneller weil plötzlich sprachen wie spanisch und italienisch sich erschlossen, ich viele Wortstämme im deutschen aber auch englischem wiederfand und mußte das dann auch jedem unter die Nase reiben weil die Freunde darüber so groß war und mich das faszinierte…

Die juristisch Grundlagen waren so furztrocken und langweilig… seufz… aber irgendwann waren die Grundlagenmodule alle rum und in den Schwerpunkten war es plötzlich spannend. Man konnte immer alles aus dem Köpfen kramen und aus den Grundlagen dann auch viel weitreichendere spannendere Konstruktionen erarbeiten konnte. Da wurde mir sogar bewußt das es ohne die Grundlagen die im Kopf aufploppten dann in mir erzeugten, das es ohne das gruselige Grundlagen lernen nie zu aolch tollen Spiel- und Entfaltungsmöglichkeiten beim Steuerrecht, dem Vertragsrecht etc. gar nicht hätte kommen können.

Vielleicht gibt es ja in den Bereichen die sie nicht lernen mag vergleichbare Möglichkeit für sie selbst zu endecken, daß sie hätte ohne das „blöde lernen“ sich das so nicht erschließen können und auch nicht so schöne Gestaltungsmöglichkeiten hätte entwickeln können.

Solche Aha Erlebnisse pushen ja ganz von aus intrinsischer Motivation - das ist dann ein unschlagbarer Antrieb