AD(H)S-Verdacht bei meiner Tochter – Schulformwahl (Gymnasium vs. Gesamtschule)

Hallo zusammen,

meine Tochter ist sehr verträumt und extrem leicht ablenkbar (z. B. durch eine Fliege im Raum, das Klingeln der Tür oder indem sie mit ihren Haaren spielt). Sie zeigt ausgeprägte Konzentrationsprobleme und benötigt für Aufgaben deutlich mehr Zeit als andere Kinder.

In der Schule schafft sie ihre Hausaufgaben häufig nicht vollständig und kommt oft nach Hause, ohne alles beendet zu haben. Teilweise muss ich ihr den Stoff erneut erklären, da sie dem Unterricht nicht ausreichend folgen konnte. Wenn ich ihr die Inhalte erkläre, versteht sie diese gut, arbeitet jedoch weiterhin sehr langsam.

In der Hausaufgabenbetreuung sind jeweils 20 Minuten für Deutsch und 20 Minuten für Mathematik vorgesehen. Tatsächlich entspricht ihre Leistung dort häufig nur etwa 10 Minuten wirklich konzentrierter Arbeit. Zu Hause benötigt sie anschließend mindestens weitere 1,5 Stunden, um die Hausaufgaben zu beenden.

Eigentlich sollte Lernen Spaß machen. In unserem Alltag sind Hausaufgaben und Prüfungsvorbereitungen jedoch sehr belastend – nicht, weil wir unmotiviert wären oder unsere Tochter nicht unterstützen möchten, sondern weil wir sie permanent an ihre Konzentration erinnern müssen („konzentrier dich“, „nicht träumen“), teilweise minütlich. Bisher hat dieser Druck unsere Beziehung noch nicht nachhaltig belastet, wir haben jedoch große Sorge, dass sich dies langfristig negativ entwickeln könnte. Genau das möchten wir unbedingt vermeiden.

Ihre Arbeitsausdauer in Klassenarbeiten ist deutlich eingeschränkt. Zu Beginn kann sie sich noch relativ gut konzentrieren, gegen Ende lässt die Konzentration stark nach, und sie schreibt dann „irgendetwas“. Etwa 10–15 % ihrer Fehler sind Flüchtigkeitsfehler bei Inhalten, die sie eigentlich sicher beherrscht. Außerdem verliert sie Punkte, weil sie Aufgaben nicht genau liest. Durch diese Konstellation erhält sie meist eine Note 3, gelegentlich auch eine 2. Ohne unsere intensive Unterstützung hätte sie vermutlich eine 4 oder schlechter.

In letzter Zeit schlägt sie sich während des Lernens mit der Hand gegen die Stirn, um konzentriert zu bleiben. Außerdem sagt sie zunehmend Sätze wie: „Ich bekomme immer nur diese Noten, obwohl ich viel lerne.“ Wir empfinden dies als beginnende Dekompensationszeichen und als Ausdruck einer hohen inneren Belastung.

Ihr Arbeitsstil ist insgesamt chaotisch. Beim Schreiben von Geschichten sind ihre Texte sehr ungeordnet; sie schreibt meist das auf, was ihr spontan in den Kopf kommt, ohne erkennbare Struktur oder Planung. Die Schrift wirkt dabei häufig unkonzentriert und wenig sorgfältig.

An den Hauptfächern zeigt sie nur geringes Interesse, während sie ein sehr großes Interesse an Sachunterricht und Musik hat.

Sie hat erhebliche Schwierigkeiten mit Struktur und Organisation. So vergisst sie beim Packen ihrer Schwimmtasche regelmäßig einzelne Dinge oder vergisst trotz täglicher Routine immer wieder ihre Zahnspange. Morgens muss sie sich stark konzentrieren, um nichts zu vergessen.

Diese Schwierigkeiten zeigen sich auch in ihren Hobbys:

Früher hat sie Schwimmen als Leistungssport betrieben, was jedoch nicht funktioniert hat, da sie die erforderliche kontinuierliche Anstrengung nicht aufbringen konnte. Derzeit schwimmt sie im Breitensport weiter, da sie Freude am Schwimmen hat – jedoch ohne Leistungsdruck.

Auch beim Klavierspielen zeigt sich ein ähnliches Muster. Sie hat wenig Motivation, neue Stücke zu beginnen, Noten zu lesen oder regelmäßig zu üben. Bereits eingeübte Stücke spielt sie hingegen problemlos. Der Einstieg in neue Stücke fällt ihr extrem schwer und wird von ihr als sehr belastend erlebt („wie gegen eine Wand schieben“).

Sie ist ein sehr sensibles Mädchen mit ausgeprägtem Mitgefühl und hoher Empathie gegenüber anderen Menschen.

In der Schule (NRW) hat sie eine eingeschränkte gymnasiale Empfehlung. Die Klassenlehrerin meinte, ohne unsere Unterstützung hätte sie eine Realschulempfehlung erhalten. Mit unserer Unterstützung „verdiene sie eine Chance“ auf dem Gymnasium. Die Lehrerin ist der Ansicht, es könne sein, dass sie irgendwann einen „Click“ bekommt und es besser wird – ebenso könne es sein, dass sie in 1 oder 2 Jahren auf die Realschule wechseln müsse.

Wir haben die Lehrerin sowohl beim Empfehlungsgespräch als auch in vorherigen Elterngesprächen auf unseren Verdacht eines ADS angesprochen. Dies wurde von ihr verneint mit der Begründung, die Leistungen seien zu gut; sie sehe unsere Tochter lediglich als hochsensibles Kind. Sie hat zwar schon Kinder zu kinderpsychiatrischer Abklärung geschickt, jedoch eher Kinder mit den Noten 4–5.

Wir haben inzwischen einen Termin bei einer Kinder- und Jugendpsychiaterin vereinbart, da wir der Meinung sind, dass die oben beschriebenen Punkte deutlich für ADS sprechen. Zudem zeigt unsere Tochter erste Dekompensationszeichen, und wir befürchten, dass der Schulstress langfristig unsere Beziehung belastet. Leider ist der Termin erst im Juli.

Nun stehen wir vor der Entscheidung der weiterführenden Schulform und sind sehr unsicher.

Was für das Gymnasium spricht:

  • Sie möchte gemeinsam mit ihren Freundinnen dorthin gehen

  • stärkere Leistungsförderung

  • unsere Hoffnung, dass sich bei bestätigter Diagnose und unter Therapie ihre Leistungen verbessern könnten (z. B. eine Note besser), sodass sie auf durchschnittlichem Niveau arbeiten kann, ihre Hausaufgaben selbstständig schafft und der familiäre Stress deutlich abnimmt

  • die Sorge, später zu bereuen, dass wir ihr nicht die Chance auf das Gymnasium gegeben haben und sie an der Gesamtschule unterfordert ist

Was gegen das Gymnasium spricht:

  • die Befürchtung, dass sie selbst unter Therapie überfordert sein könnte

  • dass sie sich ständig mit leistungsstärkeren Kindern vergleicht und trotz großer Anstrengung weiterhin keine guten Noten erzielt

  • Unsere Sorge ist außerdem, dass – falls es in ein oder zwei Jahren doch nicht gut klappt – ein Schulwechsel notwendig wird. Da es in unserer Nähe keine Realschule mit freien Plätzen gibt, bestünde die Gefahr, dass unsere Tochter dann nicht gezielt wechseln kann, sondern an irgendeine Realschule geschickt wird, was wir ihr gerne ersparen möchten.Gerade bei einem so sensiblen Kind befürchten wir, dass ein solcher Schulwechsel sehr frustrierend für sie wäre und sie diesen als persönliches Scheitern erleben könnte – im Sinne von „Ich bin nicht gut genug“. Das könnte ihr Selbstwertgefühl zusätzlich belasten.

Was für die Gesamtschule spricht:

  • Lernen im eigenen Tempo

  • weniger Leistungsdruck

  • dennoch die Möglichkeit, später Abitur zu machen

  • wir wohnen in Münster, wo das Niveau der Gesamtschulen relativ hoch ist, da viele Kinder mit gymnasialer Empfehlung aufgenommen werden

Was gegen die Gesamtschule spricht:

  • die Sorge, dass sie dort nur das Minimum leistet

  • dass sie sich in einem sehr offenen „Freestyle-System“ auf einem niedrigeren Niveau einpendelt, obwohl sie eigentlich mehr leisten könnte.

Da wir nicht wissen, was auf uns zukommt, sind wir sehr auf die Erfahrungen von Eltern angewiesen, deren Kinder bereits auf einer weiterführenden Schule sind und eine ADS-Therapie erhalten.

Ich weiß, dass jeder Fall sehr individuell ist. Dennoch würde mich sehr interessieren:

– Wie sind eure Erfahrungen nach Beginn einer Therapie?

– Verbessern sich Konzentration, Arbeitsgeschwindigkeit und Leistungen so, dass ein Kind am Gymnasium tatsächlich etwa eine Note besser wird?

– Und wenn ihr in unserer Situation wärt: Gymnasium oder Gesamtschule?

Vielen Dank für eure Erfahrungen.

Ich würde die nicht auf das Gymnasium packen. Ich habe meine Diagnose seit ca 8 Jahren und bin auf dem Gymnasium unter gegangen und zum 2. Halbjahr der 7. Klasse auf die Realschule gewechselt.

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Ich kann jetzt nur aus meiner Perspektive als ehemaliges Kind berichten :sweat_smile:

Ich hatte eine Realschulempfehlung und war in der Grundschule auch eher schlecht. Hatte aber nicht so starke Symptome wie Deine Tochter, ADHS kann ja sehr verschiedene Ausprägungen haben und bei mir ist es glaube ich generell nicht so stark.

Ich bin dann trotzdem aufs Gymnasium gegangen und in den ersten Jahren waren meine Noten immer auf der schlechteren Seite. Je schwieriger die Schule wurde, desto besser bin ich dann aber geworden - die Herausforderung hat mir sogar geholfen bei der Konzentration und Motivation. Habe dann ein sogar ziemlich gutes Abi gemacht und studiere seit ein paar Jahren. Psychisch komplett unbeschadet bin ich da aber auch nicht durchgegangen, gehört zur Wahrheit dazu :grimacing:

Ob das bei Deiner Tochter genauso funktioniert mit der Herausforderung - keine Ahnung. Was möchte sie denn lieber? Wenn ihre Freundinnen alle aufs Gymnasium gehen, könnte das ja ein positiver Ansporn sein, der ihr bei der (intrinsischen) Motivation hilft. Und damit auch die Konzentration verbessert.

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Zuerst mal - ich bin nicht ansatzweise in eurer Situation.

Ich war alleinerziehend und mein Sohn ist inzwischen erwachsen, aber diese Entscheidung mussten wir (Mutter und Kind) ja damals auch treffen… Und mein Sohn war ganz klar für Realschule, er hat die Demütigung eines Freundes erlebt, der nach dem Scheitern am Gymnasium zum einen das Schuljahr wiederholen musste und dann auch noch bei seinem kleinen Bruder in der Klasse war.

Ein paar Gedanken:

  • Muss ein Kind wirklich unbedingt die Schule an der Leistungsgrenze absolvieren?
  • Schwimmen und Klavier könnte zuviel sein, wenn es nicht eindeutig ein Ausgleich zum Schulstress ist - besser nur eins und mehr Freiraum
  • Lieber eine Stufe niedriger und der Spaß am Lernen bleibt
  • Lieber Konzentration auf Lebenskompetenz als auf Abitur

So, wie du es beschreibst, ist ADS naheliegend. Jedoch könnte auch eure Erwartung als Eltern ihr das Leben zusätzlich schwer machen. Ich will hier nichts unterstellen! Aber Kinder neigen dazu, es den Eltern unbedingt recht machen zu wollen.

Wenn sie wirklich ADS haben sollte und entsprechend behandelt wird, sollte euer Schwerpunkt eher darauf liegen, dass der gesamte Alltag für sie einfacher wird. Am Ende wirkt das vielleicht für eure Tochter so, dass sie nur deshalb Medikamente bekommt, damit sie besser in der Schule wird. Das Leben oder die Kindheit ist nicht nur Schule. Und Bildungsabschlüsse kann man nachholen…

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Mich hat der Schulstoff am Gymnasium vollkommen überfahren

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Ich würde sagen aus dem Bauch heraus, lieber Gesamtschule. Wenn ihr dort die Möglichkeit offen steht, ebenso Abitur zu machen wie auf dem Gymnasium, ist das doch super.

Die Wirkung der beabsichtigten ADHS-Behandlung abzuwarten und dann die Entscheidung zu treffen, erlaubt die Zeit nicht mehr, vermute ich? Ist natürlich schade.

Du schreibst, es wäre schwer für sie, vom Gymnasium auf eine Realschule zu wechseln. Wie ist es denn umgekehrt, also falls sie sich mit Stimulans zu einer Überfliegerin entwickelt, könnte sie dann auch noch von der Gesamtschule zum Gymnasium wechseln?

Aber ich vermute, sie kann bei guten Leistungen auch auf der Gesamtschule gut gefördert werden? Ich fand das Gymnasium teils ziemlich schwer, Geschichte, Mathe und Deutsch hatte ich zwar gerne gemacht, aber Naturwisssenschaften und Fremdsprachen waren nicht so mein Ding und die habe ich gerade so eben absolviert.

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Danke für deine Antwort.

Vielen Dank für deine Antwort . Darf ich dich fragen, ob der Wechsel auf die Realschule trotz Therapie erfolgt ist oder warst du zu dem Zeitpunkt noch nicht in Behandlung?

Vielen Dank für deine Antwort.:folded_hands::folded_hands:

Darf ich dich fragen, ob die psychische Belastung für dich im Rückblick so groß war, dass du heute sagen würdest, eine Realschule wäre für dich damals die bessere Wahl gewesen? Oder würdest du trotz allem wieder den Weg über das Gymnasium gehen?

Vielen Dank für deine Antwort :folded_hands::folded_hands:

Gleichzeitig verbringt sie einen sehr großen Teil ihres Alltags in der Schule. Die Kinder vergleichen ihre Leistungen untereinander, und sie fängt bereits an zu fragen, warum andere bessere Noten bekommen, obwohl sie selbst viel lernt. Dieser Aspekt wirkt sich direkt auf ihr Selbstwertgefühl aus, und den können wir aus unserer Sicht nicht ignorieren.

Uns geht es nicht darum, Schule über alles zu stellen, sondern darum, ihr den Alltag insgesamt zu erleichtern – und dazu gehört Schule nun einmal ein sehr großer Teil ihres Lebens.

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Vielen Dank für deine Antwort.:folded_hands::folded_hands:

Leider ist der Termin erst im Juli, trotz mehrerer Versuche am Telefon zu erklären, dass es sich um eine entscheidende Entscheidung handelt und die Schulanmeldung bereits im Februar ist.

Man weiß nie, was die Zukunft bringt. In Münster ist es außerdem nicht einfach, einen Gesamtschulplatz zu bekommen. Deswegen vermute ich, dass ein späterer Wechsel von der Gesamtschule aufs Gymnasium einfacher wäre.

Klingt total nach ADS.

Gymnasium erlebe ich hier als vollkommen unverständig gegenüber Schülern, die Leistung nicht bringen. Und das wird auch so kommuniziert. Ein Kind, dass sich als überfordert erlebt, obwohl es sich so anstrengt, bekommt dort regelmäßig einen aufs Selbstbewusstsein gehauen.

Unsere Gesamtschule hat sowohl einen Blick für unser Pubertier, der sich jede Wertung zu Herzen nimmt, sich weigert zu lernen, nicht Präsentiert, depressiv ist als auch für unser Schlau Kerlchen, der ein bisschen gepusht werden muss, dazu eine enge Beziehung zum Lehrer braucht und dann wunderbar selbständig ist bis er wieder feststellt, dass man für Vokabeltest und Diktate lernen muss. Beide lehnen Hilfe von mir ab, beide wollen ihre Medikamente nur an Schulmorgen nehmen, nicht nachmittags, nicht am Wochenende…

Bei meinem schlauen Mädchen, dass sich weigert das 1x1 zu lernen und gruselig schreibt steht auch nächsten Sommer das Ende der Grundschule und damit eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit mit einer tollen Lehrerin an. Ich fürchte, sie könnte tatsächlich auch in der Gesamtschule untergehen, die Mädchenrealschule ist weit weg und sie müsste sehr früh aufstehen und die rufen Schulgeld auf und die tolle Lehrerin ist für ein Wiederholen der vierten Klasse wegen sozial-emotionalem Nachholbedarf.

Alles nochmal “lernen” finde ich allerdings auch gewagt bei einem ADHSler.

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Wie steht denn deine Tochter zu den ganzen Für und Wieders?.

Einmal aus meiner Erfahrung. Ich hatte nur eingeschränkte Realschulempfehlung wollte aber auf keinen Fall auf die Hauptschule. Das lag aber nur daran, weil Mittags da so komische Leute abhingen.

Schulisch wäre es bestimmt zunächst besser gewesen, wiederum im Sektor von AG‘s war ich auf der Realschule besser aufgehoben. Passte von der Entwicklung her nicht so gut in meine Altersklasse. Bin in der 8ten sitzen geblieben , weil von allem überfordert. Fühlte mich von Anfang an in der neuen Klasse irgendwie passender, und die Wiederholung tat mir inhaltlich gut. Hatte auch bessere Lehrer. Hab mich dann irgendwie durchgeschlagen und einen Abschluss hinbekommen.
In der Ausbildung trotz großem gestruggle wegen unerkanntem ADHS, plötzlich gute Noten. Später im Studium auch mit Medikation und Wissen zu ADHS noch so meine ADHS Probleme , aber es etwas besser hinbekommen und wieder gute Noten.

Ich glaube fürs Gymnasium muss man emotional und psychisch geeignet sein, da kann unbehandeltes ADHS trotz passender Intelligenz einem das Leben ganz schön schwer machen.
Es stehen ja einem selbst ab der Hauptschule alle Wege offen um spätere Abitur zu machen.
Dazu gibt es ja auch das Fachabitur auf Berufschulen, was für viele besser ist.
Durfte mal 5 Teenager im Abitur erleben.

1x Gymnasiastin sehr strebsam und hat für ihre Ziele alle Hobby pausiert, war aber voll ihr Ding und sie empfand es als nicht so schlimm.

1x Gymnasiastin mit ADHS , wo ich zwischendurch dachte , die tut sich was an.

1xnormales Abi nach der Realschule und faul, und nix getan, frei nach dem Motto, „bestehen reicht“ der Rest vom Leben ist wichtiger.

1xtechnisches Fachgymnasium , nach der Realschule. Der war voll entspannt und wirkte von nichts überfordert, als Schule war nie groß Thema.

1x Berufsschule mit sozialem Zweig, nach der Realschule. Der hatte damals gymnasiale Empfehlung, war damals aber mental noch nicht so weit.

Alle sind ihren eigenen Weg gegangen und kamen klar, die mit ADHS hat von Anfang an mit allem gestruggelt.

Letztendlich spielen so viele Faktoren eine Rolle. Für mich sind die Lehrer und Mitschüler eines der wichtigsten Faktoren und auf die hat man leider am wenigsten Einfluss.

Ich glaube wenn ich auf die Hauptschule gemusst hätte, wäre eine Wunde der Erinnerung geblieben. Und selbst wenn alles gut gelaufen wäre, hätte ich immer die Frage in mir gehabt „was wäre gewesen wenn ich es mit der Realschule durchgesetzt hätte“ ? So war der Weg auf der Realschule komplett meine eigene Entscheidung, zumal ich da wirklich rumgebockt habe um es durchzusetzen und musste so mit den Konsequenezen selber leben, wo ich keinem einen Vorwurf raus machen kann.

Wenn ich eine Tochter in der Situation hätte, würde ich schauen ob die Schulen, einen Tag der offenen Tür haben und in beiden Schulen mit der Tochter einen Termin machen und die Sachlage schildern und dann schauen ob es euch bei der Entscheidung hilft.

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Brrrrrr wie schlimm ich diese Aussage finde. Eine Chance. Als wäre alles andere "nur eine Alternative "

Wir haben 2 Kinder mit 100% Gymnasialempfehlung (das eine ADHS, das andere vermutlich auch) auf der Gemeinschaftsschule angemeldet, obwohl die Freunde teilweise aufs Gymnasium gegangen sind, und:

Es war die BESTE ENTSCHEIDUNG!

Was für die Gemeinschaftsschule spricht:

  • Notendruck fällt weg
  • arbeiten auf verschiedenen Niveaus innerhalb eines Fachs möglich
  • nicht dieses elitaire Verhalten
  • die Schule hat das Kind im Blick statt Auslese mittels Noten
  • die Kinder lernen voneinander und miteinander statt in einer Bubble
  • kaum Hausaufgaben zu Hause, weshalb mehr Zeit für Musikschule und Freunde bleibt.
  • Schule kennt sich mit Inklusion und co viel besser aus als das Gymnasium

Was deine Sorge betrifft bezüglich mangelnder Forderung: dies kann ich nicht bestätigen. Die Lehrkräfte schaffen es sogar, meine teilweise sehr bequemen Tochter auf Gymnasialniveau arbeiten zu lassen.
Wenn es am Ende -achtung, sarkasmus- „nur“ für einen Realschulabschluss reichen würde, dann ist das der Abschluss, der besser zu meinem Kind passt.

Wenn es dann doch irgendwie studieren will, kann das über TG/SG beispielsweise auch prima. Lieber ein Umweg als ein Kampf!

Ich kann natürlich nur von unseren Erfahrungen berichten, alle Kinder und Schulen sind anders.

Gibt es bei euch keine Möglichkeit zu schnuppern? Haben wir damals dankbar angenommen.

Viel Erfolg bei der Entscheidung!

Zum Schluss noch eine Frage: Wie sieht euer Kind die Situation? Und das andere Elternteil?

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Danke für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht – das hilft uns wirklich sehr.

Unsere Grundschullehrerin beschreibt unsere Tochter aktuell als grenzwertig. Das, was wir schildern, tritt eher phasenweise auf:

Es gibt Zeiten, da läuft alles gut und wir denken selbst, dass wir vielleicht übertreiben. Und dann gibt es wieder Phasen, in denen deutlich wird, dass irgendetwas nicht stimmt. Genau deshalb ist auch die Lehrerin unsicher, wo die Reise in zwei Jahren hingehen wird.

Dein Feedback zur Gemeinschaftsschule klingt für uns nach einer stressärmeren Schulumgebung mit mehr Freude am Lernen, und das spricht uns sehr an.

Wir warten aktuell noch auf den Tag der offenen Tür. Dort möchten wir gezielt mit der Schulleitung sprechen, welche Erfahrungen die Schule mit ADS-Kindern hat, ob die Kinder wirklich ausreichend gefördert werden. Selbstverständlich schauen wir auch darauf, ob unsere Tochter dort ein gutes Bauchgefühl hat.

Unsere Tochter selbst möchte ehrlich gesagt einfach mit ihren Freunden gehen – egal wohin :joy:

Die meisten davon gehen aufs Gymnasium, was die Entscheidung für uns nicht leichter macht. Dazu kommt leider auch dieser soziale Druck im akademischen Umfeld:

„Warum nicht Gymnasium?“, „Das schaffen doch alle“, usw.

Meine Frau und ich sind deshalb beide sehr hin- und hergerissen.

Einerseits haben wir große Sorge, dass ein dauerhaft hoher Schulstress unsere Tochter und unsere Beziehung zu ihr belastet – und das wollen wir auf keinen Fall.

Andererseits haben wir die Befürchtung, dass eine Therapie ihre Leistungen so stabilisiert, dass wir uns später fragen könnten, ob wir sie doch hätten aufs Gymnasium schicken sollen, weil sie dort vielleicht stärker gefordert worden wäre.

Was du geschrieben hast, beruhigt mich aber sehr:

Dass Lernfreude, ausreichende Förderung und Zeit für Hobbys sich nicht ausschließen müssen. Das gibt uns zumindest das Gefühl, dass ein anderer Weg nicht automatisch ein schlechterer ist.

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Dieses Gymnasium wird gerade sehr gehypt als Topschule mit Zukunftspotential. Interessanterweise macht diese Schule das, was die Gemeinschaftsschule meiner Kinder seit Jahren macht.

Vielleicht helfen euch solche Berichte im Dialog mit Bekannten aus dem akademischen Umfeld. Dieses altbackene Modell das viele Gymnasien noch haben, ist nicht zukunftsfähig.

PS: mein Mann und ich haben beide einen "akademischen Hintergrund " und arbeiten im pädagogischen Bereich.

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Wahnsinn! Das klingt nahezu identisch mit dem Konzept der Gesamtschule, die wir uns angeschaut haben – vor allem das selbstgesteuerte Lernen.

Du hast völlig recht: Diese Denkweise muss sich ändern.

Vielen Dank für deine ausführliche Schilderung und dass du deine Erfahrungen so offen geteilt hast. Das hilft uns wirklich sehr.

Bei unserer Tochter ist es im Moment ehrlich gesagt so: Ihr ist vor allem wichtig, dass sie mit ihren Freundinnen zusammen auf eine Schule geht – egal welche :joy:

Die ganzen Für-und-Wider-Argumente spielen für sie selbst noch eine eher untergeordnete Rolle.

Wir wollen deshalb die Tage der offenen Tür nutzen und gemeinsam schauen, bei welcher Schule sie das bessere Bauchgefühl hat. Außerdem möchten wir mit der Schulleitung der Gesamtschule sprechen und konkret fragen, wie ihre Erfahrungen mit ADS sind und was die Schule in dem Bereich anbietet. Eine offizielle Diagnose haben wir allerdings noch nicht :see_no_evil_monkey::see_no_evil_monkey:

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Ja Freunde können ein wichtiger Grund sein :sweat_smile: und es ist schön das sie welche hat. :folded_hands:

Ich denke ihr seid schon auf dem richtigen Weg und werdet dann eine Entscheidung treffen können. :+1:

…. Und diese Probleme mit Musik kenne ich auch …

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Ich würde die Gesamtschule wählen.

Dort sind ja alle Abschlüsse möglich.

Und Schulabschlüsse könnte sie auch später nachholen.

Kindheit nicht.

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Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nichts von ADHS…

Heute hätte ich gesagt Gesamtschule okay und von da kann man ja immer noch schauen wie es weiter geht.

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