ADHS als Beamter

Hallo zusammen!

Ich bin als Beamter im Bildungssektor tätig. Bei mir wurde noch nie AD(H)S diagnostiziert. Das liegt aber v.a. daran, dass ich nur sehr ungern zum Arzt gehen würde. Das hat verschiedene Gründe, u.a. hängt das mit meiner privaten Krankenkasse und der Verbeamtung zusammen. Im Moment bin ich mir sicher, dass man als „Staatsdiener“ kein ADHS haben „darf“, da das System einen andernfalls aussortieren würde.

Leider komme ich zunehmend an meine Belastungsgrenze. Ich habe es nur mit sehr viel Fleiß und Mühe dorthin geschafft, wo ich heute bin. Dennoch merke ich, dass ich so nicht mehr weiter machen kann. Gefühlt wird es auch immer schlimmer. Ich schaffe es nicht mehr mich längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren, alle 5 min springe ich vom Schreibtisch auf und mach total blöde Dinge, die nichts mit dem zutun haben, was ich eigentlich machen müsste. Somit steigt auch der Druck weiter an.

Vor einiger Zeit hat mir ein Freund eine Tablette Ritalin 10mg zum „Probieren“ gegeben und das war für mich fast schon erlösend. Ich habe meine Dinge abarbeiten können und hatte Spaß daran.

Ich fühle mich wie in einer Sackgasse. Auf der einen Seite denke ich, dass der Arztbesuch und die Diagnose meine „Karriere“ zerstören würde, auf der anderen Seite sehe ich das als die Lösung für meine Probleme an.

Ich hoffe, dass mir jemand weiterhelfen kann. Ich spiele natürlich mit dem Gedanken einer „Selbstmedikation“, um den Gang zum Arzt und das Offenlegen der Erkrankung zu verheimlichen.

Also ersteinmal kann ich Dir - momentan ist das mein Thema - Achtsamkeitsmeditationen empfehlen… ganz klein anfangen. Als Übergang. Immer auch auf den Schirm haben, dass ADHS und Symptome aus chronischem Stress sich überlagern können. Dh, in jedem Fall eine gesunden Umgang mit Dir und mit Deinem Stress entwickeln.

Kürzlich hast Du geschrieben, dass Du verbeamtet werden möchtest, das ist ja eine andere Voraussetzung.
Wie können wir Dir weiterhelfen - also über das, was Du neulich gepostet hast und die Antworten, die Du bekommen hast, hinaus?


Wie kommst Du zu der Überzeugung? So aus dem Bauch heraus?
Falls Du Gründe für deine Annahme hast, dann schreibst Du die am besten, sonst googlen wir uns hier einen Wolf und finden auch nichts anderes als Du.

Oder: Ruf doch irgendwo an geeigneter Stelle mal an, irgendwo auf irgendeinem Amt, in der Personalabteilung. Kannst ja einen falschen Namen nenne.

<LINK_TEXT text=„https://www.adhs-deutschland.de/Portald … ichten.pdf“>https://www.adhs-deutschland.de/Portaldata/1/Resources/pdf/2_4_recht/BeaStreif_Rechte_und_Pflichten.pdf</LINK_TEXT>
ist ein älterer Artikel zum Thema.

<LINK_TEXT text=„http://www.adhs-deutschland.de/Portalda … eswehr.pdf“>http://www.adhs-deutschland.de/Portaldata/1/Resources/pdf/2_4_recht/2020-01-23_Tauglichkeit_ADHS-Betroffener_fuer_den_Dienst_bei_der_Bundeswehr.pdf</LINK_TEXT>
finde ich auch interessant - da gehts ja um den „Dienst an der Waffe“. Also wenn es da eine Einzelfallbetrachtung gibt, wird es die bei Dir auch geben.

<LINK_TEXT text=„https://www.autismus.de/fileadmin/RECHT … t_2017.pdf“>https://www.autismus.de/fileadmin/RECHT_UND_GESELLSCHAFT/Rechte_von_Menschen_mit_Autismus_1._August_2017.pdf</LINK_TEXT>
Seite 35 zur Offenlegung im Beruf

Andererseits sehe ich mich gerade nach Deinem Problem googlen und denke, dass Du das eigentlich auch ganz gut selbst machen könntest…
Wenn Du ADHS hast bist Du ohnehin darauf angewiesen, selbst Initiative zu ergreifen und Dich über Deine Veranlagung schlau zu machen.

Kannst uns ja hier berichten.

Vor 2 Wochen schriebst du noch, du strebst eine Beamtenlaufbahn an, jetzt bist du schon Beamter. Das ging ja schnell! :wink:

Also, von daher: Sobald du Beamter bist, wirst du wohl auch nicht mehr „aussortiert“. Aber wenn du noch vor der endgültigen Verbeamtung stehst, es gibt da ja irgendwelche Probestadien, kann das natürlich passieren.

Du schreibst aber, du kommest an deine Grenze. Von daher empfehle ich nicht, die Diagnose und Behandlung auf die lange Bank zu schieben. Denn eine Verbeamtung, die an einer unbehandelten ADHS scheitert, ist vermutlich eher schlimmer als eine, die an der Tatsache einer behandelten ADHS scheitert, wenn du verstehst was ich meine.

Sowohl für dich selbst als auch deine Schüler ist ein guter angestellter Lehrer besser als ein schlechter verbeamteter, würde ich sagen. Guck dir also mal an, welche Möglichkeiten es in deinem Bundesland ohne Verbeamtung gibt - für den Fall dass die Verbeamtung an der ADH-Störung scheitern sollte - kann ja auch sein dass es trotzdem klappt.

Klar, du hättest Einkommens- und Pensionseinbußen, weniger Sicherheit usw., das ist sicher sehr unangenehm. Aber ein Burnout noch vor der eventuellen Verbeamtung bringts ja auch nicht. Aufschieben wäre keine gute Option.

Viele Grüße und alles Gute :winken
Falschparker

P. S.: Aus Sicht des Dienstherren, also deines Bundeslandes, ist es natürlich völlig unsinnig, ADHS-ler mit Diagnose und Behandlung abzulehnen, und diejenigen durchzuwinken, die von ihrer ADHS nichts wissen bzw. aus Angst vor Konsequenzen nichts wissen wollen.

Behandelte ADHS-ler sind zwar meist immer noch etwas sprunghaft, schusselig oder nachlässig. Dafür können sie sich in ebenfalls betroffene Schüler viel besser einfühlen!

Das hat damit zu tun, dass es unterschiedliche Stufen bei der Verbeamtung gibt. Man könnte sagen, ich sei bereits „teilweise verbeamtet“…sorry für die undeutliche Formulierung…

Hallo @JTBA24
Wie lange dauert es noch bis du vollständig verbeamtet bist? Was musst du bis dahin noch tun? Ist das machbar für dich, ohne im Burnout oder ähnlichem zu landen? Hast du genug Kraft, um bis dahin durchzuhalten?

Die Fragen musst du nicht mir beantworten, nur dir selbst. Du musst dir sicher sein, dass du nicht mit letzter Kraft dein Ziel erreichst und dann entkräftet zusammen brichst.

Wenn du es dir leisten kannst, könntest du die Diagnostik auch selbst bezahlen und dir für eventuelle Medikamente privat Rezepte ausstellen lassen, dann erfährts niemand.

Der erste Weg geht auf deine Kosten, der zweite auf die deines Bankkontos.

Weißt du sicher, dass du mit einer ADxS- Diagnose nicht verbeamtet wirst? Oder spielt da vielleicht das ADxS typische Katastrophendenken mit rein?

Alles gute auf deinem Weg
Nymphaea

Bitte bitte mit solchen Tipps ganz vorsichtig sein! :shock:

Wir wissen nicht, welche Klauseln ein Beamtenanwärter gegenüber seinem Dienstherrn oder gegenüber seiner privaten Krankenversicherung unterschrieben hat.

Nicht dass er am Ende größte beamtenrechtliche, versicherungsrechtliche oder strafrechtliche Schwierigkeiten bekommt und dann deswegen seinen Job oder seinen Ruf verliert. Auch was man privat macht und privat bezahlt, ist nicht immer privat.

Danke für den Hinweis @Falschparker, dass hatte ich nicht bedacht.

@JTBA24 bitte gegebenenfalls erst das Kleingedruckte deiner (Arbeits-) Verträge prüfen.