ADHS + Angst/Grübeln etc. + Elvanse

Hallo ihr Lieben, ich hoffe, ich habe meinen Betrag richtig eingeordnet, ich fuchse mich noch in die Struktur hier ein. Ich hoffe aber, dass ich mit dem Beitrag den ein oder anderen abholen kann und ihr vielleicht ein paar Erfahrungen teilen könntet.

Also, folgendes zu mir ich bin w/24 Jahre. Ich nehme seit Dezember Elvanse und bin aktuell in der Eindosierung gestartet mit 20mg und seit 2 tagen auf 40mg. Grundsätzlich hilft es mir sehr: mehr Motivation, bessere Struktur, weniger Chaos im Kopf, kaum Rebound und ich schlafe besser - aber ich hab auch gemerkt gute als auch negative Symptome in jegliche Richtung sind Zyklus abhängig.

Seit so 2-3 Wochen habe ich folgende “Wirkungsabläufe”: Vormittags habe ich oft eine Phase, in der ich sehr motiviert, offen, kommunikativ und im “Flow” bin zbs. ich nehme die Elvanse um 8 und von 9 bis 12/13 Uhr ist ales topi. Sobald diese Euphorie nachlässt, springt bei mir sofort die Angst an: „Ist das jetzt ein Crash? Bin ich jetzt den Rest des Tages niedergeschlagen? Ist die Dosis zu hoch/niedrig?“

Objektiv habe ich keine depressiven Einbrüche, keine starken Stimmungstiefs. Es ist eher eine innere Anspannung, verbunden mit ständigem “In mich Reinhören”, reflektieren meiner Gefühle und der Angst vor Kontrollverlust über meine Stimmung und auch viel auf und ab innerhalb weniger stunden von “super euphorisch und ich krieg mein shit done” bis hin zu “ich will mit niemanden reden und fühle mich leer”.

Wichtig dazu: Ich habe vor einiger Zeit schon einmal eine Verdachtsdiagnose auf eine Angststörung bekommen, vor allem wegen vieler Sorgen und einer starken Angst vor Kontrollverlust über mich selbst. Damals sind mein Arzt und ich davon ausgegangen, dass sich vieles durch die medikamentöse ADHS-Behandlung reguliert, da das Langezeit unbehandelte ADHS bei mir viel innere Unruhe, Überforderung und schließlich Ängste ausgelöst hat. Mein Arzt hat das quasi mit einer Kompensation des ADHS erklärt. (Ein gutes Beispiel ist zbs das “ausgehen” von entspannten Geburtstagen mit 1-2 Sekt bis hin zu Club - früher super gerne 2-3 drinks mehr, Tanzen und ich hatte 0 Problem mit dem Gefühl betrunken zu sein, gan zum Gegenteil ich konnte mich super fallen lassen. Mittlerweile bin ich super angespannt und bekomme schon fast Panik wenn ich merke dass ich betrunken werde, sodass ich nicht mehr so gern los gehe - das war bis vor einem Jahr noch nicht so)

Elvanse gibt mir mehr Sicherheit im Alltag und auf der Arbeit, aber ich habe das Gefühl, dass sich die Angst teilweise verlagert: weg vom äußeren Chaos hin zur Selbstbeobachtung ( zbs: Wie fühle ich mich gerade? Ist das noch normal?).

Zusätzlich spielt vermutlich eine frühere Erfahrung mit Kokain eine Rolle. Ich merke, dass diese Erinnerung meine Erwartungshaltung gegenüber Stimulanzien immer noch beeinflusst, obwohl Elvanse sich anders anfühlt. Merke ich dass mir die Euphorischen und getriebenen Phasen sehr viel geben und die eher “abgeflachten” Phasen mir angst machen.

Und durch diese ganzen Gedanken bin ich auch ein super Kandidat für die Angst vor dem Medikament selbst. Elvanse soll ja eigentlich helfen Symptome wie Dauer grübeln etc. ihr kennt es ja, zu lindern. Aber ich hab das Gefühl ich entwickle auch hier angst zum einen vor abhänigkeit und nicht mehr ohne zu können und auch vor unvorhersehbarer Wirkung - schnellen ups & downs.

Das war jetzt sehr viel Text daher meine konkreten Fragen an euch - ich bin über jede Erfahrung und Teilnahme unfassbar dankbar:
Hat jemand Erfahrung mit ADHS + Angst + Medikament (oder Hyperfokus auf das innere eines selbst, ständiges reflektieren oder sogar eine Kombi Diagnose aus ADHS+Angsstörung)? (und nimmt vielleicht sogar Elvanse oder ein anderes Medikament)
Wie unterscheidet ihr normale Wirkungswellen von angstbedingtem Grübeln? - könnte es auch mit der Dosierung zusammen hängen? Muss sich das evtl noch länger einpendeln?
Hat jemand zusätzlich zur ADHS-Medikation Angsttherapie oder ein weiteres Medikament und gute Erfahrungen gemacht?

Ich habe bald einen Termin bei meiner Psychiaterin und würde das Thema dort gern ehrlich ansprechen.

Ich freue mich sehr über eure Erfahrungen.

Bist du gleich um 20 mg gesprungen oder erdt 30 mg und dann 40 mg?

Hallo liebe Lena,

das Problem mit der inneren Anspannung kenne ich auch. Mit Elvanse mehr als ohne. Und mir sind noch ein paar Sachen mehr aus eigener Erfahrung erfahrung bekannt.

Das ist der Ausgangspunkt um zuschauen, ob es eine Dosierung gibt bei der die negativen Aspekte fast vollständig verschwinden.

Du bist ja nun vor kurzem von 20mg auf 40mg gewechselt. Hattest du die Probleme mit der Anspannung/Angst auch bereits bei den 20mg? Vielleicht ist die Dosisierung nun etwas zu hoch oder es dauert ein paar Tage bis sich die negativen Aspenkte legen.

Ich würde eher sagen das Elvanse beim Grübeln mithilft, was dann dazu führen kann das einem die persönlich wichtigen Dinge präsenter sind.

Also erstmal brauchst du glaube ich keine Angst zu haben was die Wirkung angeht. Du hast ja auch schon beschrieben wie die Effekte sind und das aufgedrösselt nach Stunden :slight_smile: Deine Anspannung ist aber sehr real und muss mit ins Arzt gespräch.

Es gibt Menschen bei denen Elvanse schlicht zu viel Stimulation bringt. Elvanse kann bei Ängsten nur dann helfen wenn man ganz konkret die Angst verursachen Dinge endlich anpacken kann. Was dann auch zu mehr selbstvertrauen führt. Wenn mit etwas Übung die Fähigkeit zur Selbstreflexion erdet ohne als Blitzableiter für die eigene Wahrnehmung herzuhalten.

Es gibt ja noch Methylphenidat und dann Atomoxetin. Letzteres sogar mit Dauerwirkung und Vorteilen bei Ängsten. Du musst also prinzipell keine Angst haben das da bald die Optionen ausgehen könnten. Aber dafür ist es wahrscheinlich zu früh.

Ich habe mit 20 gestartet für ca 3 Wochen habe dann 3 Wochen über Weihnachten etc. Pause gemacht. Dann wieder mit 20 gestartet, weniger bis nix gespürt und dann auf 30 erhöht für 7 Tage - auch sehr wenig gespürt und jetzt hoch auf 40 und komplettes Chaos, aber ist auch erst der 2 Tag.

Hello, vielen Dank für deine Antwort!!

Ich hatte bei 20 als auch 30mg wenig bis keine Nebenwirkung hatte aber das Gefühl auch wenig positive Wirkung. Wahrscheinlich hatte ich erhofft, dass die Wirkung der ersten 1-2 Wochen anhält aber eigentlich ist es ja klar, dass der Körper sich darauf einstellt und mein Ärztin sagte auch, dass Elvanse subtil wirken und im Hintergrund seine Arbeit machen soll.

Zu den Ängsten: was du sagst passt wirklich 1:1 vielen Dank für die Gedanken das hilft mir gerade sehr! Viele Ängste die aktuell so präsent sind, hatte ich auch schon immer nur dass sie, wie du sagst, jetzt klarer und greifbarer erscheinen. Irgendwo ja auch positiv, weil man eben daran arbeiten kann aber aktuell auch sehr überfordernt.

Musstest du bei der Eindosierung quasi abwägen was du “in kauf nimmst” zwischen positiver Wirkung und Nebenwirkungen? Und bleibt man dann Monate lang bei einer Dosis oder wechselt das immer mal wieder?

Ich nehme das alles mit in meinen nächsten Termin, vielen dank!

Selbst wenn du nichts gespürt hattest was sagte das Umfeld? Haben sie dich positiver wahrgenommen? Hattest du mehr geschafft und warst vielleicht produktiver?

Elvanse kann gemein sein, weil man das nicht so deutlich merkt doch man sich kaum gestritten hat, keine Konflikte hatte, alle Aufgaben erledigt hat und nicht prokrastiniert hat etc. Du sollst dich eigentlich gar nicht so anders fühlen nur dein Leben selbstverständlicher und besser gestalten können, außer du wärst down oder depresdiv dann sollte sich die Stimmung verbessern und nicht verschlechtern? ? ?

Als ich noch mehr psychische Baustellen hatte und die Problematiken akut angeregt wurden hatte ich auch mehr Probleme mit der Medikation oder mit dem Rebound. Bzw wurde mir durch den Unterschied von Wirkung und Nichtwirkung noch mal einiges bewusster.

Tiefe therapeutische Prozesse fand ich unter Elvanse etwas schwieriger , da kam es mir zu intensiv an mich ran . Bei angefachten PTBS Symptomen kam es unter Methylphenidat eher zur Kontrawirkung.

Bei beiden Medikamenten hat aber zugleich die positive Wirkung wiederum überwogen und mich handlungsfähiger für Alltag und psychische Probleme gemacht. Die Medikation/Diagnose hat mir auch geholfen psychische Probleme von den neurologischen Problemen durch ADHS zu unterscheiden.
Weil das was ADHS ist muss ja nicht mehr tiefenpsychologsich gedeutet werden.

Die positive Auswirkung von Therapie und die Verarbeitung von Themen hat mein System beruhigt und die Verträglichkeit beider Medikamente verbessert. Bzw. wirken die Medikamente ja immer und es sind die psychischen Probleme die dann mit der Medikation korrelieren.

Es hat alles seine Zeit gedauert mit der Medikation und ich musste die ein oder andere schwere Phase durchstehen bis ich den Dreh raus hatte. Zugleich spielten Schlaf und Ernährung auch noch eine Rolle . Also viele Zahnräder die aufeinander Einfluss haben und nicht immer alle so einfach zu justieren sind.

Grundlegend brachte eine Tagesabdeckung mit einem der Medikamente oder auch einer Kombination am meisten Stabilisierung.

Die Grundwirkung von Elvanse fand ich eigentlich angenehmer. Zugleich aber wenn psychisch was reinhaute wiederum unangenehmer und schelchter zu kalkulieren. Methylphenidat war für mich da besser einzuschätzen zumal ich mit den unretardierten das zeitlich viel genauer anpassen kann.

Es braucht leider alles seine Zeit bis man für sich seinen Weg herausfindet wie was am besten wirkt. Leider ist es so individuell dass man es von keinem „kopieren“ kann. Es gehört leider auch dazu sich dann mal ein Eigentor zu schießen weil man falsch angesetzt hat.

Geholfen hat mir immer dass ich wusste , dass z.B. ein Depriloch im Rebound nur vom Rebound kommt und z.B. keine wirkliche Depression ist. Also, dass manche psychische Reaktion nur mit den Medis zusammenhängen und kein dauerhaftes Kernproblem sind.

Fakt ist, noch heute ist eine plötzlich veränderte Wirkung bei mir oft ein Indikator das tiefer im System grade ein anderes Problem aktiviert ist.

Reines ADHS und Medikamente ist in der Eindosierung oft einfacher als Medikamente und Komorbitäten.
Hat man den Dreh aber mal so halbwegs raus ist die Medikation echt hilfreich.

2 „Gefällt mir“

Hallo lena, Das ist leider gerade auch genau mein Thema und ich habe und und hab momentan wirklich einen höllenritt (hinter mir).

Mit Lisdexamfitamin hab ich Anfang Dezember begonnen (15mg) ohne spürbare Veränderung, dann auf 30mg von denen ich irgendwie labiler wurde und viel weinen musste (ging mir mit medikinet extremst auch so), bis ich auf 40mg ganz gut eingestellt war und meine Grübelei und das ständige sich in Frage stellen wegwaren. Das fand ich super weil ich u.a. einfach große Angst davor habe meine Jobs auszuüben, bin freiberuflich, was hohen stress bei mir verursacht. Kurz gesagt, Es lief also auf einmal richtig gut.

Bis ich dachte ich müsste, nach Absprache, nochmal erhöhen auf 50mg und mein Herz anfing zu stolpern (5-6 x/min) worauf ich erst für eine Woche wieder auf 40mg bin weil ich dachte mit der „wohlfühldosis“ gehts wieder weg aber nö. Ich hatte dann niemanden in der Praxis erreicht und war such unterwegs, so hab ich es aus Panik komplett abgesetzt und dann fing der miese Teil so richtig an.

Hatte meinen Zyklus nur 15Tage, wie wenn der Körper sich nur noch aufs negative konzentriert und Ängste sowie extreme dünnhäutig mit unkontrollierbaren heulattacken und die angst kam doppelt und dreifach zurück. Es hat sich angefühlt wie als hätte ich die gute zeit nicht verdient und bekäme jetzt die retour dafür.

Im Prinzip schaukelt sich die Angst nun hoch und ich bin sehr ratlos ob ich einfach nur hoffen soll das es vorbei geht oder was ich tun kann, da ich rein theoretisch weis das ich krass übertreibe aber ich keinen lerneffekt aus positiven Erlebnissen habe. Ich glaube jetzt schweif ich aus.

es ist nun auf jeden fall noch das Gefühl der Hoffnungslosigkeit dazu gekommen, plus Bluthochdruck und nochmals mehr Angst.

Zusammengefasst war während der medikamentierung die Angst weg, kam aber nach Absetzen mit voller Wucht zurück….

Wenn man die Medis eine Weile nimmt, passt sich das Hirn an.

Nimmt man es schlagartig wieder weg, braucht das Hirn leider auch wieder eine Zeit sich anzupassen. Das ist dann quasi ein Rebound XXL und man fällt schlimmstenfalls kurzfristig sogar unter das Ausgangsniveau.

Dazu beruflicher Stress → ungünstig.

Nach einer Dosisanpassung braucht das Hirn auch etwas Zeit. Vielleicht wäre die Stabilität nach weiteren 1-2 Wochen mit der ursprünglichen Dosis wieder zurückgekehrt.

Das mit dem beruflichen stress und elvanse hab ich hier auch schon ein paar mal gelesen und da bekam ich auch angst ob das dann das richtige ist, aber während der einnahme hat es sich doch besser angefühlt. Da ich überhaupt nicht stabil bin und mein leben in Wellen abläuft, wäre dann eher garkeine medikamentierung ratsam.

Danke für die Aufklärung, die hätte ich mir sehr von meiner Ärztin gewünscht, statt dessen saß ich da wie ein Häufchen elend in der Praxis und bekam ein schlechtes gewissen da die medis ja keine nahrungsergänzung seien…

1 „Gefällt mir“

Hi Penny, oh man das hört sich wirklich sehr belastend an! Vor allem als Freelancerin (mache ich auch teilweise) und kann ahnen wie stressig das teilweise ist und du auch “funktionieren” musst.

Ich hatte nun zum Glück einen Termin mit meiner Neurologin um genau diese Themen zu besprechen und kann ja mal meine gewonnene Erkenntnisse teilen, da wir uns sehr lang über das Thema unterhalten haben, vielleicht schöpft du daraus etwas kraft und Hoffnung.

Also zum Puls und Herzstolpern: Ich hatte das auch bei 30mg und auch extrem bei 40mg. Tipps der Ärztin waren: großzügig mit der Einnahme zu essen und proteinreich und viel Wasser trinken sodass die Wirkung abgefedert wird und der Blutzucker stabil bleibt. Zum Thema Kaffee und Zucker sagte sie so wenig wie möglich vor allem am anfang oder bei einer neuen Dosis. Mir persönlich haben die Tipps gut geholfen da ich Kaffee liebe und daher auch mit der Einnahme getrunken habe, aber dann kam eben das Herzstolpern. Sie sagte ein erhöhter Puls ist normal sollte er aber regelmäßig über 100 sein müsste man nochmal sprechen.

Dieses Gefühl der Angst, Panik und emotionslos “auf” und labil zu sein ist einfach schrecklich… Hierzu sagte sie, dass das aus Erfahrungen anderer Gespräche mit Patienten oft kommt, wenn man eh schon einen stressigen Alltag hat und dann die Dosis anpasst und sowieso Themen hat und bei Frauen spielen die Hormon ja auch ein große Rolle (ich habe zbs mein Verhütungsmittel in der Zeit auch geändert und das war der Horror mit Elvanse) - das hört sch ja auch ähnlich wie bei dir an …
Ich habe damals, als es mir mit den 40mg so schlecht ging komplett resetet, habe bei 20mg angefangen und mich ganz langsam wieder hochgearbeitet jetzt bin ich auf 30mg und fahre aktuell ganz gut. Aber es ist bei mir auch sehr Zyklus abhängig, ich muss immer noch hier und da rumprobieren und pendle mich zwischen 30 und 40mg ein, ist es bei dir vielleicht auch so?

Willst du Elvanse denn komplett absetzen? Da du es nun komplett von 50mg abgesetzt hast schlägt der rebound wahrscheinlich nochmal stärker zurück… Wäre es eine Möglichkeit, dass du wieder sehr niedrig dosierst startest und Woche für Woche schaust wie es dir geht und vielleicht auch schriftlich dokumentierst wie es dir jede tag geht und gute als auch schlechte dinge beschreibst? Das gibt mir aktuell viel Sicherheit.

Abschließend sagte meine Ärztin noch und das fand ich einen tollen Satz: Das Medikament soll im Hintergrund wirken und dir “Rückenwind” für den Alltag geben. Auch mit Elvanse hat man schlechte Phase wie jeder Mensch.

Ich hoffe dass dir das etwas hilft… es wird besser!

2 „Gefällt mir“