ADHS Arbeitsleben?

Hallo zusammen,
ich bin angestellter Softwareentwickler in einem mittelgrossen Betrieb. Ich nehme an einen ganz normalen Büroalltag teil und führe Projekte durch. Meine Projekte haben keine harten Deadlines. Ich habe vielleicht 3-4 parallel, wobei eines in 2 Wochen abgeschlossen werden kann und eines schon seit einem Jahr vor sich hindümpelt. Kennt ihr diese Art zu Arbeiten?
Mein Problem ist: Ich habe immer (und zwar jeden Tag!) ein schlechtes Gewissen, da ich sehr viel Zeit (mindestens die Hälfte des Tages) mit Prokrastination verbringe. An einem guten Tag habe ich 3 Stunden Hyper-Fokus und kann mehr erledigen als in 2 Tagen, aber wann der Hyper-Fokus kommt und wie er kommt ist überhaupt nicht kontrollierbar! Ich bin über 40 Jahre alt und denke jeden Tag wie ein Lausebengel „Heute werde ich erwischt, jetzt haben sie mich!“. Kritik an meiner Arbeit habe ich aber in den letzten 6 Jahren keine bekommen.
Wie ist es bei euch?

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Hallo,

sehr ähnlich… Ohne Medikation hab ich höchstens die Hälfte der Arbeitszeit konzentriert gearbeitet. Das dann aber so produktiv, dass am Ende immernoch mehr/besseres dabei entstanden ist und kein Grund für Kritik aufkam.

Aus Arbeitgebersicht isses mit Medikation noch besser, weil ich länger durchhalte. Auch wenn ich weniger in etwas abtauche schaffe ich es besser nicht mehr so viel zu verschieben. Aber leider finde ich schwerer ein Ende, was für mich selbst nicht gut ist. Da bin ich aber dran :wink:

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Servus,

Ich kann das vollkommen nachfühlen: mir ging es tatsächlich auch so. Ich arbeite bei meinem Beruf seit mehr als 20 Jahren. Ich kenne mich aus, und weiß, worauf zu achten ist. Das Problem ist, Dass wenn ich einen Fehler mache, alles darauf folgende ebenfalls falsch ist und dadurch viel Material etc. kaputt gemacht wird. Und erst am Ende, wenn’s fertig produziert ist, sieht man, dass in meiner Arbeitsvorbereitung die Ursache war.

Es waren tatsächlich einige Dinge, die ich versaut habe. Wirklich, sehr viele Dinge, die sehr teuer waren. Ich war kurz davor, meinen Job zu verlieren. Doch, ich habe endlich etwas getan und mich um mich selber gekümmert. Diagnose ADHS. Seitdem ich Medikinet einnehme, ist die Fehlerquote tatsächlich seit August bei 0,0. Kein einziger Fehler ist mir mehr unterlaufen.

Das war der erste Schritt. Aber nicht der letzte. Jedenfalls läuft die Arbeit wieder. Tatsächlich habe ich mich auch während die ganzen Fehler passierten, woanders beworben. Weil irgendwann ist es einem so peinlich, dass man gar nicht mehr dort arbeiten möchte und man denkt „das gibt’s doch nicht. Wie kann man solch einen Fehler machen.“ Seitdem ich Medikinet einnehme, ist es eben wie gesagt besser, und tatsächlich bin ich auch entspannter. Das tut gut. Schaft Selbstbewusstsein.

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ADHS und Arbeitsleben bekomme ich auch offenbar nur schwer zusammen. Scho in der Uni bräuchte ich meine eigenen Arbeitsbedingungen und hab die meiste Arbeit Zuhause erledigt, statt in die Chaotischen dreckigen und lauten Arbeitsräume zu gehen wie die meisten anderen auch. Ich hab von morgens bis Abends gelernt oder an den Projekten gearbeitet und bin dennoch nicht vorwärts gekommen. Andere haben während dessen sich Geld dazu verdient, haben gefeiert und dennoch zu 50% besser abgeliefert als ich, dabei hatte ich den meisten einiges an Erfahrung und vielleicht auch etwas Intelligenz vorraus. Ich habe bis heute nicht kapiert wo die Zeit geblieben ist, wesshalb ich da so lange gebraucht habe. Bislang dachte ich es sei zu viel Druck gewesen oder ich hätte mir das falsche Fach ausgesucht, inzwischen glaube ich es hängt viel mehr mit der Unfähigkeit zu planen und Zeiten einzuschätzen zusammen.

So nervige Sachen wie Steuererklärung, da bin ich Meister im Prokrastinieren. Bei der Arbeit und dem lernen hatte ich allerdings immer Glück, weil ich mich für fast alles begeistern kann, wenn ich nur tief eintauchen darf. Die Begeisterung bringt natürlich Interesse und damit regelmäßig den Hyperfokus. Der hielt sogar vielen Jahren Großraumbüro erstmal ganz gut stand, bis das Projekt irgendwann immer mehr Schieflage bekam (vorrangig nicht wegen mir, war da ein viel zu kleiner Fisch), ab da ging’s stetig abwärts mit der Leistung.

Anschließend Burnout oder/und Depressionen, neuer Job. Diesmal mit hohem Finanzanteil (Rechnungen prüfen und so ne Scherze). Selbst dort konnte ich mich reinfuxen, hat aber enorm viel Kraft gekostet, auch weil sozial an dem Laden nur dranstand, aber nicht unter Kollegen+Chefs gelebt wurde. Nach nur 6h am Montag war ich fertig wie nach 3 Tagen übertrieben harter körperlicher Arbeit bei 30°C. Mein Alarmsystem war immer am Anschlag trotz 2manBüros. Es fehlte vielleicht das Background-Genuschel des Großraumbüros, jedes Gespräch in einem der umgebenden Räume zog sofort meine Aufmerksamkeit an. Zudem konnte mir niemand wirklich erklären was ich in dem Job eigentlich ganz konkret machen sollte, die Aufgabenstellung war schwammig. Aber als Prüfer ist man quasi der der ja oder nein sagt, da hängen auch mal Existenten oder Gerichtsverfahren dran. War also ein enormer Druck auch ja jeden Rechtschreibfehler zu finden, jeden Zeilenabstand passend und dann bitte noch im Beamtendeutsch. Ich hatte mir fast meine Bewertungsbasis fertig gebaut, da haben sie mir erzählt, sie hätten sich verkalkuliert und müssten mir kündigen. Kurze Zeit später war mein Stuhl wieder besetzt…

Fazit: für mich ist nicht die Konzentration das Hauptproblem. Für mich ist die Schwierigkeit offenbar in meiner Konzentration tatsächlich produktiv zu arbeiten und mich nicht zu verrennen. Das klappt am besten in einem Summe den Bienenschwarm der als Team insgesamt für die gute Sache in eine Richtung zieht. Läuft das Team intern nicht rund, werden Kollegen unfair behandelt, ist das Ziel zum scheitern verdammt oder wird mehr gequatscht, gefeiert und gekifft als gearbeitet, dann funktioniere ich schlecht.

Letzten Endes kamen aber doch immer alle in Krisenzeiten zu mir und ich durfte die Karre unter Zeitnot und dem genörgel über die verteilten Aufgaben aus dem Dreck ziehen. Nur beim letzten Job unterstellte man mir Unlust, Unvermögen, vorbehalte gegen den Vorgesetzten wegen seines Alters und traute mir grundsätzlich nicht. Nichts davon traf im eigentlichen Sinne zu.

Steckste mich aber aufm Bauernhof ins Holzhaus zum Holzhacken, dann fang ich um 6:00 an und bin ohne relevante Pause um 14:00 immer noch dran bis Du mich irgendwann mal stoppst. Später dann merke ich ggf. Was mein Körper von sowas hält.

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