ADHS / ASS Diagnostik anfechten (Selbstzahler) - Benötige Hilfe

Oh super, lieben Dank!

Verstehe ich es richtig, dass es gemäß der Leitlinie dann gleichgesetzt wird? In Kapitel 1.4 habe ich bisher nur ADHS gelesen, kein ADS oder gar die Kürzel F90/F98.8. Falls du da bereits nachgelesen hast und evtl die Passage weißt.

Und ja, ich denke ihr habt alle recht. Er fing beispielsweise sehr schnell mit der Frage nach Therapie an. Definitiv eine super Sache, WENN man denn einen Platz bekommen würde. Meine zynische Aussage, dass man diese ja leider erst in 2-4 Jahren bekommen würde, konnte er nicht nachvollziehen. Auch gab er mir den besonders wertvollen Tipp, nachdem ich ihm berichtete, dass ich nun Runde 2 meiner selbstgezahlten ASS Diagnostik starte, dass das UKE in Hamburg ASS Diagnostik anbieten würde. Als wenn man so etwas nicht längst recherchiert hätte. Um dann eben festzustellen, dass a) die Warteliste bis auf weiteres geschlossen ist, b) man nicht mal weiß wie lang die Warteliste überhaupt ist und c) die wenigen Plätze dann auf Personen mit Wohnhaft in Hamburg beschränkt sind (ich wohne nahe Hamburg).

Dass das nicht mein zukünftiger Arzt sein wird, war mir insoweit sehr schnell klar.

Empfinde ich als bitter & und traurig zugleich, dass eine Fachkraft aus diesem Bereich, die eigentlich um die vielen Missstände genauestens bescheid wissen müsse, genau solche nicht hilfreichen Kommentare abgibt, wie sie so viele Leute bereits gehört haben - du hast ein “psychisches Problem”? Hey na dann such dir doch Hilfe, wir haben doch so ein gutes Gesundheitssystem in Deutschland.

Nur schade, dass das immer nur für offensichtliche Dinge gilt. Ich selbst werde diesen Weg vermutlich nie gehen aber trotzdem finde ich zb die Thematik um Nachteiksausgleiche/Vergabe von Behindertengrad so unfassbar unfair. Bein amputiert? Klar, Behindertengrad bekommst du. Du musst zwar jedes Mal aufs neue beweisen, dass das Bein immernoch ab ist. Aber Unterstützung bekommst du! Hat aber jemand keine offensichtliche Probleme, wie eine fehlende Gliedmaße, sieht es gleich ganz anders aus.

Da hast du vermutlich recht. Den Grund hatte er im Gespräch schon fast direkt geliefert. Er erachte es erstmal als wichtig herauszufinden warum man ist, wie man ist. Man solle sich verstehen etc pp… ja, stimmt grundsätzlich. Ich kann mich aber auch noch so gut selbst verstehen, wenn da bestimmte körperliche Mechanismen in einem das ganze etwas anders sehen :laughing: gefühlt ist es so, als würde man einem depressiven Menschen sagen “sei doch einfach mal etwas positiver” oder noch besser jemandem mit Schmerzen sagen, er solle diese einfach wegatmen.

Ich will damit Therapien, Strategien usw gar nicht abwerten. Sie haben alle ihre Berechtigung. Und ich denke fast jeder hier im Forum hat mit oder ohne Hilfe in Form von Therapie, diverse Strategien für sich entwickelt, um gut zurecht zu kommen. Sie sind aber auch nicht das Allheilmittel. Und wieso sollte man nicht auf zb Medikamente zurückgreifen, wenn sie doch helfen.

So ich habe selbst noch etwas weiter recherchiert und folgendes gefunden:

Die bundesweite G-BA-Regelung (Anlage III Nr. 44) regelt, dass Stimulantien bei „Hyperkinetischer Störung bzw. Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADS / ADHS)” verordnungsfähig sind.

Nun könnte man (ein Arzt) sich an der Formulierung selbst aufhängen. Weil dort von “hyperkinetischer Störung bzw. Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivität (ADS/ADHS)” die Rede ist = F90.

ABER in der offiziellen F90 Formulierung wird kein ADS verwendet.

Weiterhin wird in der Anlage 3 der Code F90 nicht explizit erwähnt. Die Regelung ist diagnose-beschreibend, nicht code-beschreibend. Das heißt:

  • F90 ist die ICD-10-Kodierung für hyperkinetische Störung/ADHS
  • F98.8 ist die ICD-10-Kodierung für ADS (Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität)

Wenn die Regelung „ADS/ADHS“ akzeptiert und F98.8 die offizielle ICD-10-Kodierung für ADS ist, dann sollte theoretisch F98.8 genauso kassenleistungsfähig sein wie F90.

Ich weiß allerdings nicht, ob es mich amüsieren oder erschrecken/irritieren sollte, dass in der ICD-10 die ADS in einem “Restesammelbecken” von sonstigen Störungen aufgeführt wird und somit auf einer Stufe mit Daumenlutschen und Nasebohren steht…

F98.8 Sonstige näher bezeichnete Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend

  • Aufmerksamkeitsstörung ohne Hyperaktivität

  • Daumenlutschen

  • Exzessive Masturbation

  • Nägelkauen

  • Nasebohren

Ja, das heißt auch, dass die gleiche Indikation aber in Abhängigkeit vom Schweregrad und individuellen Bedingungen empfohlen wird und diese Praxis ist ja auch richtig so. In der Fachliteratur wird die Therapie bei ADS mit MPH ebenfalls ausdrücklich empfohlen, manchmal niedrigere Dosierungen, aber egal. Es ist ja auch gut möglich, dass einige Personen mit der Diagnose 98.8 keinen Subtyp der ADHS haben, aber aufgrund ihrer Symptome die Diagnose erhalten haben, aber das dürfte nur eine kleine Minderheit sein.

Die S3-Leitlinien sind zwar nur Empfehlungen, nicht verpflichtend und dienen in erster Linie dazu mehr Transparenz für Patienten zu schaffen, aber sie dienen dem Arzt auch als wichtige Orientierung.

Unser Kinderpsychiater hat mir mal erklärt, dass er und seine Kollegen nach den Leitlinien arbeiten, weil sie eben auch den Rahmen festlegen, in welchem die Krankenkassen die Behandlungskosten übernehmen. Es ging darum, dass das Kind eine Asperger Diagnose bekommen sollte, weil seine Symptomatik, über die der ADHS hinausgeht, was von uns allerdings abgewehrt werden konnte.