Danke für deine Antwort @Kathy .
Im Bericht haben sie nach ICD-10 “ADS” und nach ICD-11 “ADHS - Vorwiegend unkonzentrierter Typ” diagnostiziert.
Nun ist es bei mir aber nicht gerade der Standard-Fall und etwas spezieller - einfach ausgedrückt. Ich versuche es nachfolgend einmal zu erklären:
- Die ADHS Diagnose habe ich (eigentlich) bereits seit 1 Jahr
- Warum “eigentlich”?
- Arzt aus der ADxS Adressliste aufgesucht, Diagnostik mit Fragebögen, Schulzeugnissen & Interview
- “mündliche” ADHS Diagnose ohne großartigen Bericht
- Mit MPH eindosiert, auf Ritalin adult gewechselt
- vor ca. 3 Monaten neues Rezept holen wollen → Info vom Arzt, dass er ggf. bald keine Rezepte mehr dafür ausstellen könne weil Theater mit der Kasse. WENN er einen Bericht von einem Psychiater/Neurologen bekommen könne, könne er das weiter ausstellen. Wer hier jetzt ein bisschen Ahnung hat, versteht das eigentliche Problem dahinter sicherlich, ohne weiteren Text von mir
Praktisch zu diesem Zeitpunkt: Ich hatte meine ASS-Diagnostik bei der Praxis (die mit ADS diagnostiziert hat MIT Bericht usw.) bereits gebucht. Ich hatte bewusst die ADHS-Diagnostik dazu gebucht inkl. IQ Testung weil eine reine ASS Diagnostik aus meiner Sicht nicht sinnvoll ist, wenn man nicht der absolut offensichtliche Härtefall ist. Also eine kombinierte Diagnostik, um auch (gegenseitiges) Maskieren usw. mit zu berücksichtigen.
Und jetzt kommt das Problem / das “Aber”: Die Praxis hat aus meiner Sicht genau DAS nicht berücksichtigt und war auch nicht erfahren genug, um über die Standard Fragebögen und Interview-Leitfäden hinaus die richtigen Fragen zu stellen.
Und mit richtig meine ich, die für MICH richtigen Fragen, sodass ich die Antworten gebe, die sie für die Beurteilung benötigen. Ich Antworte immer sehr “stumpf” auf die Fragen, die mir gestellt werden. “Haben Sie Probleme in einer Schlange zu warten?” → Nein; “Zappeln sie viel herum, wenn Sie im Kino einen Film ansehen?” → Nein. Ich schaue aber zb wirklich gerne Filme und Serien. Und fragt man mich, ob ich die meiste Zeit des Serien Guckens gut konzentriert wirklich nur die Serie gucke, ist meine Antwort “Nein, ich habe fast permanent mein Handy in der Hand und mache nebenher etwas anderes, wirklich auf eine Serie zu 100 Prozent konzentrieren kann ich mich nur, wenn mich die Serie wirklich extrem gefesselt hat - das ist aber höchst selten. Wenn ich kein Handy zur Hand habe, dann wäre ich unruhig. Bzw habe dann eben zig andere Dinge im Kopf und zappel nicht offensichtlich herum (ich habe als Kind gelernt das macht man nicht
).
Dass meine Antworten in den Interviews mich und meine wirklichen Probleme mich nicht widerspiegeln ist mir im Diagnose-Prozess selbst aufgefallen. Weshalb ich einen Zusatztermin gebucht habe und zwei mal zwei sehr ausführliche Zusatzdokumente mit meinen Beschreibungen und Beobachtungen “eingereicht” habe. Die aber aus meiner Sicht nicht ausreichend Beachtung gefunden haben. Und scheinbar habe ich die Themen zum Bereich “Hyperaktivität” nicht genug in den Fokus gesetzt. Was eigentlich auch verständlich ist - ICH bin ja nicht die Diagnostikerin und muss ALLES im Blick haben, was hier relevant wäre. Das wäre ja der Job der Praxis. Gezielt nachfragen, um herauszufinden, ob die Antworten wirklich so passen oder nicht. Das hat z.B. der Arzt, bei dem ich ganz zu Beginn meine ADHS Diagnose erhalten habe, wunderbar gekonnt. Er hat genau die Rückfragen gestellt, die ich brauchte, damit er einen “realen Überblick” bekommt.
Dass die Tests nicht als ausschließliches Diagnose-Tool genutzt werden können und sollen ist denke ich allen bewusst. Die Praxis scheint sich aber sehr an “akademischen” Vorgaben zu orientieren, also sehr nach Standard und Leitlinien-Vorgabe zu arbeiten. Anders kann ich mir die Befundung nicht erklären. Als Beispiel meine Ergebnisse nach dem WRI Interview:
- Aufmerksamkeitsstörung (5): Summenscore 6,5 / Gesamtbeurteilung “mittlere” → Erfüllt JA
- Überaktivität (3): Summenscore 3 / Gesamtbeurteilung “leichte” → Erfüllt NEIN
- Temperament (3): Summenscore 5 / Gesamtbeurteilung “leichte” → Erfüllt JA
- Affektive Labilität (4): Summenscore 5 / Gesamtbeurteilung “leichte” → Erfüllt NEIN
- Emotionale Überreagibilität (3): Summenscore 2 / Gesamtbeurteilung “leichte” → Erfüllt NEIN
- Desorganisation (5): Summenscore 9 / Gesamtbeurteilung “mittlere” → Erfüllt JA
- Impulsivität (5): Summenscore 8 / Gesamtbeurteilung “mittlere” → Erfüllt JA
Diagnose adultes HKS - ADHS vorhanden, wenn Kriterien 1 und 2 sowie mindestens 2 weitere Kriterien von 2 bis 7 nachgewiesen werden können:
Ergebnis Adultes HKS - ADHS: JA / Bemerkung: ADS Hyperaktivität nicht ausreichend erfüllt
Im Test selbst steht zur/vor der Gesamtbeurteilung: “Die Gesamtbeurteilung soll sich nicht allein auf die Summierung der einzelnen Symptome beziehen sondern soll die einzelnen Symptome in Ihrer Ausprägung gewichten, bswp. im Sinne einer Symptomschwere. Auch sollen die Behinderungen und Einschränkungen, die für den Patienten damit verbunden sind in der Gesamtbeurteilung Berücksichtigung finden. Teil der Gesamtbeurteilung ist auch der Eindruck, den der Untersucher in der Exploration vom Patienten gewinnt.”
Die Fragen vom WRI bezüglich der Hyperaktivität (Bereich 2) z.B. waren übrigens genau diese Fragen (Schlange anstehen, Kinobesuch usw.).
So und jetzt wird es NOCH SPEZIELLER: Ich glaube der Praxis war gar nicht bewusst, dass ich während der gesamten Testung und bereits ein 3/4 Jahr davor Ritalin genommen habe. Ich habe das im Eingangstermin erwähnt. In meiner Patientenakte steht aber als Notiz “schon symp. Diagnose bei Hausarzt, nichts off., Ritalin aber nicht weiter wg. Arzt XXX (kann ich nicht entziffern) Kasse”. → Somit gehe ich davon aus, die Diagnostikerin dachte ich nehme keine Medikamente. Habe ich aber - und das beeinflusst ja einfach mal die gesamte Diagnostik.
Ich muss an dieser Stelle leider unterbrechen, weil ich zu einem Termin aufbrechen muss. Möchte diesen Part aber bereits absenden. Ich werde noch einen weiteren Teil dazu schreiben…