Mir geht in den letzten Tagen etwas durch den Kopf. Mein Mann hat ADHS, ich habe ADHS. Wir sind in vielen Bereichen extrem unterschiedlich. Da er sozial viel kompetenter ist als ich, offener, „experience seeking“/„sensation seeking“, neugierig, mutig, spontan. Ich: nerdy. Gerade im Privatleben bei fremden Menschen zumindest aktuell sehr zurückhaltend. Liebe und brauche Routinen, bestimmte Abläufe und eine bestimmte Struktur, um funktionsfähig zu bleiben, mag Veränderungen nicht wirklich und bin ausserordentlich „stur“, ähm, meinungsstabil. Weil selbst meine Mutter vor Kurzem fragte, ob das bei mir „auch noch in Richtung Autismus“ (ASS) ginge, haben der Mann und ich einen Online-Test gemacht (ich habe ihn gefragt, wie er mich wahrnimmt, wenn ich selbst das Gefühl hatte, es nicht richtig einschätzen zu können).
Ergebnis: unterm Cutoff, aber in so einer Art „Graubereich“, also schon einiges zutreffend.
Ich reisse mich nun nicht darum, meiner Diagnosenliste eine Autismusspektrumstörung hinzuzufügen. Wenn es aber so wäre, wär‘s halt so, vielleicht wäre es eine Erklärung für manche Dinge , vielleicht sind sie aber auch schon durch das ADHS ausreichend erklärbar, schon bei ADHS und ASS gibt es ja Überschneidungen der Symptome.
Andere Dinge, wie ein Astigmatismus, den ich auch habe, kommt sowohl bei ASS als auch ADHS wohl signifikant häufiger vor als bei „neurotypischen“ Menschen (ich recherchiere nachher nochmal, ob es dazu Quellen gibt). Und ein Astigmatismus könnte es theoretisch anstrengender machen, Blickkontakt zu halten (für mich ist es meistens anstrengend).
Meine weitere Überlegung war jetzt: kann über Monate anhaltender Hochstress, Burnout, Depression und 40 Jahre lang sehr, sehr oft zu hören und zu spüren, dass man irgendwie anders ist, seinen Mitmenschen auf die Nerven geht, „nichts“ auf die Reihe kriegt usw usf, (also ständige „kleinere“ Traumatisierungen) dazu führen , dass man vorübergehend Symptome, die auch zu einer ASS passen, aufweist? Also soziale Kontakte als anstrengend empfindet und sie eher meidet (wenns bei uns klingelt, bitte ich meinen Mann, an die Tür zu gehen), keine Veränderungen haben möchte und sich an seine bekannten Abläufe „klammert“, weil alles Neue sich in dem Moment wie eine Überforderung anfühlt etc?
Was denkt ihr zu dieser Idee?