ADHS bei meinem 12-jährigen Sohn – wann ist die richtige Medikation gefunden? Ich suche Erfahrungen anderer Eltern
Hallo zusammen,
ich hoffe sehr, dass ich hier Eltern finde, die vielleicht etwas Ähnliches mit ihrem Kind erlebt haben und mir von ihren Erfahrungen berichten können.
Mein Sohn ist 12 Jahre alt und hat nach entsprechender Diagnostik die Diagnose ADHS bekommen. Seit der Diagnose versuchen wir gemeinsam mit dem behandelnden Arzt, die passende Medikation für ihn zu finden.
Bei ihm zeigen sich vor allem Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit, Konzentration, Motivation, Impulsivität und der Regulation von Gefühlen. Veränderungen oder Anforderungen fallen ihm teilweise sehr schwer. Er kann schnell überfordert sein und reagiert dann mit Wut oder großer Gereiztheit. Gerade bei Dingen, die ihm keinen Spaß machen oder die er nicht machen möchte, kommt es häufig zu Konflikten.
Medikamentöse Behandlung
Wir haben mit Medikinet retard 10 mg begonnen. Die Einnahme erfolgt morgens. Der Arzt hatte mit uns besprochen, dass bei Bedarf später auf 20 mg erhöht werden kann.
Bei 10 mg konnten wir zunächst keine wirklich deutliche und zuverlässige Verbesserung feststellen. Deshalb wurde die Dosis schließlich auf 20 mg erhöht.
Und genau hier sind wir momentan sehr unsicher.
An manchen Tagen habe ich den Eindruck, dass es etwas besser läuft, an anderen Tagen dagegen überhaupt nicht. Teilweise wirkt er nach der Einnahme sogar lauter, gereizter und aggressiver. Er ist dann sehr schnell auf 180, reagiert empfindlich auf Anforderungen und kann sich über Kleinigkeiten extrem ärgern.
Auch Konzentration und Hausaufgaben bleiben teilweise schwierig.
Besonders schwierig: sein Verhalten uns gegenüber
Was uns zusätzlich sehr belastet, ist sein Verhalten uns Eltern gegenüber.
Er kann teilweise ausgesprochen respektlos und verletzend sein. Er wird laut, diskutiert über alles, reagiert wütend und teilweise sehr provokant. In solchen Situationen scheint er kaum erreichbar zu sein und lässt sich nur schwer wieder beruhigen.
Wir wissen natürlich, dass unser Sohn 12 Jahre alt ist und die Pubertät beginnt. Uns ist auch bewusst, dass Abgrenzung, Diskussionen und gelegentliche Respektlosigkeit in diesem Alter dazugehören können.
Trotzdem haben wir teilweise das Gefühl, dass die Heftigkeit und Häufigkeit seiner Reaktionen darüber hinausgehen. Gerade weil wir ihn als Eltern unterstützen möchten und wirklich versuchen, ihm gerecht zu werden, ist es für uns sehr belastend, wenn der Alltag immer wieder in solche Konflikte ausartet.
Wir fragen uns deshalb auch, wie viel davon zum ADHS gehört, wie viel mit der beginnenden Pubertät zusammenhängt und ob möglicherweise die aktuelle Medikation bzw. die Einstellung darauf einen Einfluss hat.
Unsere große Frage
Ich erwarte gar nicht, dass mein Sohn durch ein Medikament plötzlich ein völlig anderer Mensch wird.
Ich wünsche mir einfach, dass es ihm selbst und uns als Familie etwas leichter fällt.
Dass er sich besser konzentrieren kann, weniger impulsiv reagiert, nicht bei jeder Kleinigkeit völlig ausrastet, Anforderungen besser annehmen kann und sich emotional besser regulieren kann.
Gleichzeitig möchte ich natürlich nicht, dass er sich unter dem Medikament „verändert“ oder nicht mehr wie er selbst fühlt.
Deshalb beschäftigt mich momentan sehr die Frage:
Woran erkennt man eigentlich, dass ein Kind richtig eingestellt ist?
Und woher weiß man, ob die Dosis noch nicht passt oder ob vielleicht der Wirkstoff grundsätzlich nicht der richtige ist?
Mich würden deshalb besonders die Erfahrungen anderer Eltern interessieren:
- Wie lange hat es bei euren Kindern gedauert, bis ihr die passende Medikation gefunden habt?
- Woran habt ihr gemerkt, dass die Einstellung wirklich gut war?
- Wie hat sich das Verhalten zu Hause unter einer guten Einstellung verändert?
- Hat sich bei euren Kindern die Impulsivität und die Frustrationstoleranz verbessert?
- Was hat sich bei Konzentration und Hausaufgaben verändert?
- Habt ihr auch erlebt, dass ein Medikament zunächst kaum Wirkung gezeigt oder das Verhalten teilweise sogar verschlechtert hat?
- Wie habt ihr zwischen einer zu niedrigen bzw. zu hohen Dosis und einem grundsätzlich nicht passenden Medikament unterschieden?
- Musstet ihr verschiedene Wirkstoffe ausprobieren, bevor ihr das passende Medikament gefunden habt?
- Gab es bei euch auch Tage, an denen die Wirkung sehr unterschiedlich war?
Ich bin momentan einfach unsicher, ob wir noch ganz normal in der Eindosierungsphase sind oder ob wir vielleicht grundsätzlich noch nicht beim passenden Medikament angekommen sind.
Mir ist natürlich bewusst, dass jedes Kind anders reagiert und die Einstellung immer mit dem behandelnden Arzt erfolgen sollte. Mir geht es ausdrücklich um eure persönlichen Erfahrungen als Eltern.
Vielleicht gibt es hier Eltern von Kindern im ähnlichen Alter, die gerade etwas Ähnliches erleben oder diesen Weg schon hinter sich haben.
Ich würde mich wirklich sehr über eure Erfahrungen und vielleicht auch den einen oder anderen Rat freuen.