ADHS bei 14 jährigem und starke Grenzüberschreitungen

Hallo zusammen, ich bin neu hier .

Ich habe mich angemeldet um mich mit anderen Betroffenen auszutauschen.Mein Sohn hat seit seinem 6.Lebensjahr eine ADHS Diagnose und hat ab dem 8.Lebensjahr medikamentöse Behandlung bekommen. Zu letzt hat er Concerta 36mg erhalten was ihm etwas geholfen hat. Mit 12 Jahren wollte er keine Medikamente mehr und wir haben es in Absprache mit dem Arzt abgesetzt. Unser Sohn gab an sich leer zu fühlen und keinen Hunger mehr zu haben.

Inzwischen ist er stark grenzüberschreitend und hat wirklich viel Mist gebaut, Einbruch in die Schule mit anderen Jugendlichen, verkauf und Konsum von Vapes auf dem Schulhof. Er ist erst seit einem Jahr auf der Schule. Vorher war er auf dem Gymnasium. Er meinte er hätte in der neuen Klasse noch keine Anschluss gefunden und ist nur mit Jungen befreundet die ebenfalls Mist bauen. Da die Situation immer häufiger auftreten habe ich Kontakt zum Jugendamt aufgenommen damit wir einen Erziehungsbeistand bekommen. Ich weiß wirklich nicht mehr weiter und habe Angst dass er noch mehr abrutscht.

Vielleicht hat jemand ähnliches erlebt und kann mir Tipps geben.

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Oh je,ich kann gut verstehen, dass du dir große Sorgen machst als Mutter wenn das Kind bereits so früh schon Kriminell wird. Hattet ihr denn mal andere Stimulanzien ausprobiert, z.B.Amphetamine wie Elvanse ( LDX) oder Attentin ( DX)?

Ist er denn eher Mitläufer oder der Anführer Typ bei seinen jetzigen Freunden?

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Danke für deine Antwort. Wir haben einiges am Medikamenten durch . Elvanse hat er ganz zu Beginn mal aufgeschrieben bekommen und es leider nicht vertragen. Zuhause läuft er gut, er kann sich an Regeln und Absprachen halten. Die Situationen entstehen meist wenn er das Gefühl hat nicht dazu zu gehören, er hat ein ganz schlechtes Selbstbewusstsein und lässt sich schnell in gefährliche Situationen reinziehen. Manchmal glaube ich ihm fehlt das Gewissen , ihm ist gar nicht bewusst oder nur kurz wie er sich verhält. Ich glaube er hat ein starkes Gefühl von Sehnsucht zu einem echten Freund und den Wunsch wirklich akzeptiert zu werden. Das ist alles sehr schwer aushaltbar für mich . Ich sehe , wie er leidet und versuche ihn zu unterstützen wo ich kann. Zwischenzeitlich zeigt er auch kurz Einsicht.

Wir hoffen auf eine neue Diagnose denn vieles ist mit der ADHS Diagnose verbunden aber ich denke nicht alles.

Ich bin so froh hier zu sein und mich austauschen zu können :heart:

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Wurde denn ein IQ Test gemacht bei der ADHS Diagnostik wegen möglicher Begabung und evtl. vielleicht auch mal mögliche Autismusspektrums Züge in Betracht gezogen, ist gar nicht mal so selten in Kombination mit ADHS?

leer klingt ein bisschen wie damals ggf. überdosierte Medikation.

Nur weil euch eine Wirkung zusagt muß das ja nicht bri dem der es nimmt sein. Daher könnte ich mir vorstellen, daß weder das richtige Medikament noch die richtige Dosierung gefugefunden hattet und ggf. ihm versprechen das ihr 2 Medikamente ausprobiert und beide nix sind ihr Medikamente erst mal die Medikamente wieder zur Seite stellt. Vielleicht machen dann auch gut „verträgliche“ Medikamente wie Ritalin und Elvanse Sinn?

Vielleicht mögt ihr noch drüber nachdenken ggf. bisschen einlesen und ggf. findet ihr noch andere die ihr euch vorstellen könnt

Vielleicht könnt ihr ja mit ihm nochmal reden und klar sagen das es so eben nicht geht und man vielleicht nochmal nach Medikamentensuche gemeinsam gestalten…

Aber ist nur so eine Idee

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Er hat schon einiges an Medikamenten versucht , hat ja mehrere Jahre Medikamente genommen. Medikinet hat tagsüber gut geholfen abends kam ein heftiger Rebound es war furchtbar. Alle Emotionen kamen extrem und er war da kaum lenkbar. Wir haben das Medikament dann abgesetzt, Elvanse hat er danach bekommen hat dann aber sehr depressive Verstimmungen bekommen. Wir waren die ganze Zeit in Ärztlicher Betreuung und haben Rücksprache gehalten. Dann hat er Concerta bekommen dies hat er einige Jahre halbwegs gut vertragen und war auch stabiler im sozialen sowie schulischen Bereich. Der schlimme Einbruch kam nach dem unschönen Wechsel vom Gymnasium auf die Realschule. Die Schule hatte ihm Versprechungen gemacht wenn er bestimmte Noten schafft er in die nächste Klasse versetzt werden und dort bleiben kann. Er hat sich intensiv vorbereitet und alles erfüllt, trotzdem hat die Schule ihr Wort nicht gehalten und haben ihn weder die Klasse wiederholen lassen noch konnte er dort bleiben da er in den meisten Fächern ausreichende Noten hatte. Sie sind null auf seine persönliche Situation eingegangen und es hat sie auch nicht interessiert dass er zu dem Zeitpunkt ohne Medikamente war.

Ich will der Schule nicht die Schuld geben aber dass hat meinen Sohn sehr belastet und sein eh geringes Selbstbewusstsein noch mehr gekränkt.

Derzeit beginnt er gerade wieder mit eine medikamentösen Behandlung und wir haben bald hoffentlich einen Termin zur Diagnostik bei einem Kinder und Jugendpsychiater.

Es ist gefühlt zwei Schritte voran und drei wieder zurück :cry:

Das Problem wird wohl nur mittelbar mit der ADHS zu tun haben. Wahrscheinlich ist er sehr einsam und wünscht sich enge Freundschaften. Für einen kurzen Beifall von den Badboys lässt er sich zu allen möglichen Dummheiten anstiften.
Das ist leider ganz typisch für Jugendliche mit ADHS. :roll_eyes:

Nein, ich denke es hat ziemlich mit ADHS zu tun. Jugendliche mit ADHS ohne Behandlung sind eben noch verunsicherter und verführbarer als andere.

Ein ADHS-Medikament mit 12 oder 13 absetzen ist so ziemlich das Dämlichste, was man machen kann. Das ist jetzt kein Vorwurf an euch, er hatte sich ja selbst dagegen gewehrt. Vermutlich hatte aber auch die Dosis damals nicht gestimmt und er sah damals nur die Nachteile.

Welche medikamentöse Behandlung beginnt er denn?

Ich habe es auch nicht als Vorwurf empfunden. Wir haben damals lange überlegt wie wir das handhaben mit der Medikation. Es waren einige schlaflose Nächte und letzendlich haben wir gesagt wir probieren es . Da er zu dem Zeitpunkt auch Gespräche und Deeskalationstraining hatte war es für mich erst in Ordnung. Im Nachhinein ärgere ich mich darüber dass er diese ganzen Situationen ohne Medikamente schaffen musste.

Er war vorher sehr gegen die Medikamente jetzt hat er selber von sich aus gesagt es würde ohne nicht gehen.

Wir fangen wieder mit einer geringen Dosierung 18mg Methylphenidat an. Die Dosis soll wöchentlich gesteigert werden.

Ich hoffe sehr dass es ihm damit besser geht.

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Vielleicht habt oder findet Ihr jemandem, mit dem er das nochmal verarbeiten kann: Mich erinnert es an Situationen, in denen ich wie ein Esel einer Karotte nachgelaufen bin - und nach der Ziellinie wurde die Karotte dann eingepackt. Das kann ein belastender Risikofaktor sein.

Wenn man Dopamin als „Erwartungshormon“ versteht, mit dem man Ziele ansteuert, und so ein gebrochenes Versprechen als enttäuschte Erwartung sieht, dann ist das eigentlich eine ziemlich logische Entwicklung, wenn so etwas erstmal das Belohnungssystem zerrüttet? Mit ADHS und in dem herausfordernden Alter sicher nochmal mehr.

Schon den Zusammenhang zu durchschauen, kann vielleicht etwas helfen, auch wenn das nur ein Faktor in der Gleichung ist. Auch dieses Video hat hier schon einigen in der Situation geholfen: Hiltrud Bierbaum-Luttermann - Mit Würde wieder zurückkommen – Jugendliche nach großen Krisen

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Hat dein Sohn außerhalb der Schule Hobbies oder Interessen?

Für mich waren (Sport-)Gruppen außerhalb der Schule „meine Rettung“. Meine Schul- und Klassensituation war noch nichtmal wirklich schlimm, aber ich hab mich oft allein gefühlt (zu Hause auch) und ich denke manches, an dem ich in meiner Jugend nur lang geschrabbt bin, hätte auch deutlich ernstere Folgen für mich und meine Gesundheit haben können. Mir ist aber auch klar, dass es bei manchen Interessen vielleicht leichter klappen kann als bei anderen und auch viel Glück dabei ist, ob es in einer Gruppe passt.

Ansonsten versuche ich als Elternteil möglichst viele „Momente für Verbindung“ anzubieten, ohne „Ergebnis-Druck“.
Kleinigkeiten, wie z.B. abends ne Runde um den Block gehen, zusammen den aktuellen Lieblingssong hören (vom Kind versteht sich :wink::sweat_smile:), gemeinsame Serie gucken, ein Eis essen, … Wird auch oft abgelehnt, aber manchmal klappt es und dann versuche ich meine Impulse gut im Griff zu haben und auch keine nervigen Themen anzusprechen - oder zumindest nur jedes dritte Mal oder so :sweat_smile:
Das sollen jetzt weniger gute Tipps sein, als der Versuch, dich darin zu bestärken, dass du deinen Sohn trotz der aktuellen Schwierigkeiten liebevoll und positiv begegnen kannst/darfst. Auch - oder gerade wenn - Stimmen innerer und/oder äußerer Kritiker manchmal anderes behaupten…

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Danke für deine liebe Nachricht, er ist seit Jahren in der Feuerwehr und fährt da auch mit ins Zeltlager, hier gab es noch nie Probleme.

Ich versuche trotz der ganzen Sorgen und gefährlichen Situationen,seine positiven Eigenschaften zu sehen ihm diese deutlich zu machen, damit er nicht vergisst wer er ist und sich abgrenzen kann.

Momentan ist sein moralischer Kompass total gestört und sein Selbstbewusstsein leider auch.

Bei uns geht viel über den Alltag er kann seine Freunde , ja auch die ,wo ich Bauchschmerzen habe mit nach Hause bringen, oft kochen die Jungs und unterhalten sich über Probleme , Wünsche und Sorgen. Ihm würde ein Freund der etwas mehr Orientierung und Vernunft hat gut tun.Denn was ich sage ist eh uncool​:face_with_peeking_eye:

Im Grunde wissen die schon was die wollen aber nur nicht wie.

Es ist eine anstrengende Zeit und ich hin und hergerissen zwischen nicht zu viel Kontrolle, trotzdem an ihm dran bleiben, Job, Haushalt und den ganz normalen Wansinn der noch nebenbei läuft irgendwie gerecht zu werden.

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Hallo Ina,

schön, dass er sich für Medikamente wieder vorsichtig öffnet. Und schön, dass er gerne zur Feuerwehr geht und dort integriert ist.

Er kriegt das Methylphenidat auch am Wochenende? Dann kannst du beobachten, wie er darauf reagiert.

Und denk an die Wirkdauer! Concerta und Vergleichbare wirken bis zum Nachmittag, und die sog. Grenzüberschreitungen und Abenteuer mit richtigen oder falschen Freunden laufen eher später, also ich denke er braucht auf jeden Fall noch etwas für danach!

Alles Gute für euch!! Mein Kleiner wird im August 14, er ist im Gegensatz zu deinem Sohn eher zu brav und trifft leider fast keine Freunde außerhalb der Schule. Immerhin, zur Jugendfeuerwehr geht er auch.

Wie gut, dass dein Sohn überhaupt wieder offen ist, Medikamente zu nehmen (meiner lehnt das kategorisch ab …), und ihr es behutsam angeht. Hat er schonmal Concerta versucht? Das nehme ich seit Anfang des Jahres und war für mich persönlich nochmal ein totaler Gamechanger: eine Kapsel am Morgen sorgt für Stabilität (auch psychisch) bis in den Abend hinein → untertags nicht mehr drankdenken müssen, abends und zwischendrin keine unangenehmen Rebound-Achterbahnen mehr. Ausserdem ist es unabhängig vom Essen. Mein Appetit ist mit Concerta relativ gut ausgewogen. Alle die ich kenne, die es nehmen, sinddavon genauso begeistert wie ich. Gibt es jedoch leider nur mit „Aut idem“ (vermutlich deshalb nicht so verbreitet, weil die Psychiater es natürlich nicht grenzenlos an alle ihre Patienten verschreiben können).