ADHS / chronischer Stress / immer wieder „Burnout“

Hallo zusammen

Meine ADHS Diagnose habe ich seit 11 Jahren - bin nun 34j, Familienvater und Unternehmer.

Bis heute mache ich immer wieder die gleichen Zyklen durch - ich komme in regelmässigen Abständen am absoluten Tiefpunkt an - vorallem was die körperliche und geistliche Erschöpfung anbelangt.

Selbstverständlich machte und mache ich alles Nötige dafür - tagtäglich - und im beruflichen sowie familiären Rahmen, dass es für mich/uns so gut wie es geht passt.

Ich bin langsam der Meinung, dass - egal wie gut der Rahmen etc. aufs ADHS + Komorbiditäten ausgelegt ist - man dennoch immer wieder am Tiefpunkt ankommt. Kennt ihr das? Wie könnt ihr das akzeptieren?

Ich muss gestehen, dass ich immer wieder ohne Medis unterwegs bin und sich da die ganze Sache beschleunigt bzw. ich merke, dass egal wie gut ich schaue und was ich mache, jeden Tag ein gewisses % Kraft wieder flöten geht.

Braucht es einfach die Akzeptanz, dass man ein leben Lang Medis nehmen soll/muss, wenn man so wie ich - immer wieder am Tiefpunkt ankommt?

Denn meine Beobachtung ist, egal wie der Rahmen ist - passen tut er nie so, dass das körperliche Gefühl ins Positive adaptiert wird.

Liebe Grüsse und alles Gute euch Kämpfer

Hallo!

Meine Antwort aufgrund persönlicher Erfahrung: ja, ich glaube man muss/sollte ein Leben lang Medikamente nehmen bei ADHS (und wenn diese einem helfen). Vielleicht ändert sich das mit dem Eintritt in die Rente, das kann ich nicht beurteilen, aber im Berufsleben sehe ich persönlich keine Alternative dazu.

Spezifisch auf das Berufsleben bezogen würde ich sagen, es liegt natürlich in systematischen Bedingungen begründet, aber diese sind nun mal die, die wir hier haben. In diesem Kontext erscheint es mir fast unmöglich dauerhaft ohne Medikamente auszukommen, selbst wenn man viele Anpassungen vornimmt, so wie du es ja auch beschreibst. Es gibt vielleicht ein paar Glückspilze, die eine derart passende Nische mit Unterstützungen aller Art für sich gefunden haben, dass sie nichts weiter brauchen. Aber die Mehrheit braucht Medikamente, behaupte ich. Und dazu kommen natürlich auch noch Freizeit und Privatleben.

ADHS ist und bleibt eine Behinderung. Mal leichter und mal schwerer, je nach Lebensphase, persönlicher Ausprägung, Alter, und sonstigen Umständen, aber eben immer eine Behinderung. Bitte nicht falsch verstehen, Medikamente sind kein Wundermittel und man hat die Behinderung damit nach wie vor, gar keine Frage. Aber sie wird, das ist zumindest meine Erfahrung, beherrschbarer und leichter händelbar.

Deshalb sehe ich das ähnlich wie einer Diabetes: ja, wir brauchen lebenslange Hilfsmittel in Form von Medikamenten. ADHS hört nie auf solange Mensch eben lebt.

Danke für die Rückmeldung - ein „Genie“ und doch behindert und ein Medikament ist zwingend nötig - eigentlich der Wahnsinn. Aber dein Punkt trifft es - in der heutigen Welt / Anforderungen ist es wirklich utopisch zu glauben - ohne ginge es. Das sollte ich endlich einmal akzeptieren.

Was mich halt extrem belastet ist die Tatsache, dass der Rahmen etc. eigentlich so gut passt, dass ich die reinen ADHS Medis nicht benötige. Die belasten mich eher - da ich schon extrem strukturiert, pflichtbewusst etc. bin - der Job/Tätigkeit mir schon einen Superfokus gibt und mir Spass macht. Und dennoch bin ich ständig am Grübeln und kompensieren - weil das ADHS einfach nicht anders kann, als immer irgendetwas suchen zu müssen. Egal ob du unter Stress, unterstimuliert oder weiss ich nicht was bist :slight_smile: Es ist halt nie einfach einen Tag - Feng Shui und ausgeglichen. Nur schon ein Tag in der Woche würden wir alle gerne nehmen :wink:

Ich habe schon einmal gepostet, dass mir vor allem Antidepressiva / Sertralin in geringer Dosis, in diesen Zeiten immer sehr hilft. Es gibt mir eine innere Ruhe und mein Körper ist nicht permanent unter Dauerstrom.

Kennt das noch jmd, der rein mit Medis unterwegs ist, die nicht ADHS-spezifisch sind?

Liebe Grüsse

Hallo keep_going,

mir ist beim Lesen vor allem ein Satz hängen geblieben: daß Du “immer wieder” ohne Medis unterwegs bist und es dann schneller bergab geht. Ich frag mich, ob das nicht schon ein großes Stück von dem Kreislauf ist. Läuft es gut, läßt man sie weg, und wenn man es merkt, ist der Akku schon leer.

Bevor Du Dich mit der Frage “lebenslang ja oder nein” quälst, würde ich es an Deiner Stelle mal ein paar Monate konsequent durchziehen und schauen, ob die Tiefs flacher werden. Dann weißt Du wenigstens, worüber Du entscheidest.

Hallo Gartenpirat

Danke für die Rückmeldung. Die Medis habe ich schon 4x für eine Dauer von 3 Monaten, 6 Monaten, 2 Jahren und 1 Jahr ausprobiert - sie helfen ganz klar. Irgendwann möchte man aber auch wieder einmal alle Emotionen klar und deutlich spüren - das macht dass ADHS in guten Phasen ja gerade aus.

Aber ja - umso älter ich werde, umso weniger bin ich bereit, die Tiefs zu akzeptieren. Darum ja, Medis und wenn es sein muss - ein Leben lang - nur schon gegenüber meiner Frau / Kinder bin ich das schuldig.

Liebe Grüsse

Sprichst du jetzt von ADHS-Medis oder von Antidepressiva?

Falls es sich um Stimulanzien handelt, könnte es sich lohnen

a) eine tiefere Dosis oder

b) ein anderes Präparat

zu testen, wenn die Emotionen zu stark gedämpft sind.

Hallo Moya

Von Antidepressiva - die ADHS Medis sind bei mir in der Krise leider nicht die 1. Wahl - da ich dann mit chronischen Verspannungen, Ängsten und Depressionen zu kämpfen habe.

Liebe Grüsse

Ich bin neu im Adhs-Medi-Benutzen. Ich kann nur berichten, dass es einen deutlichen Unterschied für mich gemacht hat, ob ich MPH oder Elvanse nehme.

Ich habe nicht verstanden, was du nimmst. Wenn es mph ist, reicht es vielleicht, wenn du nur Teile des Tages oder der Woche damit abdeckst?

Wichtig ist mMn bei drohenden Burnout, dass man möglichst genau versteht, was die Energien weg saugt. Um die Überlastung dauerhaft zu vermeiden, muss man herausfinden, wie man seinen Tag gestalten kann ohne zu überlasten. Wie man auftanken kann, wie man Grenzen ziehen kann, was man braucht und so weiter

Ich habe bei dieser Innenschau festgestellt, dass ich Familie nicht kann. Weder die notwendige Organisation mehrere Leute noch die emotionalen Bedürfnisse, die die Erziehung von Kindern so mit sich bringt, schaffe ich auf Dauer.

Da ich aber keine Alternative zu einem Leben mit meinen Kindern sehe, ist es an mir, im Rahmen der Möglichkeiten meinen Alltag so einzurichten, dass ich funktionieren kann und meine Ansprüche so zu justieren, dass ich ihnen gerecht werden kann.

Dabei hilft Elvanse sehr.

Bei dir lese ich zwischen den Zeilen, dass du von einer guten ADHS kennenden Psychotherapie profitieren könntest. Die hilft bei der Frage, was genau belastet mich immer wieder, was hilft dagegen, was nützt mir, wo ist mein Weg mit meinen Stärken und Schwächen, wie werde ich mir, meiner Familie und meinem Umfeld gerecht ohne immer wieder über meine Grenzen zu gehen.

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Herzlichen Dank für deinen Beitrag in dem ich mich sehr wiederfinden. Ich stelle mir die gleiche Frage ob Antidepressiva den Tiefs besser entgegen wirken als adhs Medikamente und bin wie du auf der Suche nach genau den Antworten auf deine Fragen.

Antidepressiva wurden bei mir nach den 20ern immer wieder eingesetzt (bin jetzt 49) bevor ich mit 46 meine Diagnose adhs erhielt. Habe sie jedoch nie lange genommen da ich die Wirkung abgezweifelt habe. Erst mit der adhs Diagnose fühlte ich ein Verständnis für meine Situation oder gefühlszustände. Bei den adhs Medikamenten habe ich bisher auch kein erwachen und MEIN Medikamente noch nicht gefunden. Und denke vllt doch Antidepressiva um die Überlastung im Alltag zu mildern. Vielleicht kommen noch mehr Erfahrungsaustausche hier, die unseren offenen Fragen etwas Licht einhauchen!?

Liebe Tüdelmama

Vielen Dank für die Rückmeldung.

Ich habe sowohl MPH als auch Elvanse ausprobiert. Beide funktionieren nicht so, wie ich es gerne hätte. Wie bereits geschrieben, ist mein Leben Beruf/Familie bereits stark aufs ADHS ausgelegt. Auch die nötige Selbstreflektion findet täglich statt. Psychotherapien bereits für ca. 3 Jahre gemacht - jedoch nicht ADHS spezifisch. Da habe ich nächste Woche einen ersten Termin.

Auch ich erlebe tagtäglich, dass mein ADHS mit Familie eigentlich gar nicht zusammenpasst. Jedoch würde ich meine Kinder und Frau für kein Geld/Grund der Welt tauschen - sie sind mein ein und alles. Die ganze Problematik liegt ja „lediglich“ in der Dauerüberlastung - alles andere wäre kein Problem. Und die nötigen Pausen bzw. alles so auszulegen, damit der Körper perfekt ausbalanciert ist, ist unmöglich. Ich glaube vieles hängt einfach stark vom Schweregrad des ADHS ab. Ich kenne beide Seiten (Unterforderung / Überforderung) nur zu gut. Beide Arten sind für mich genau gleich schlimm. Alles so auszurichten, dass ich mehrheitlich irgendwo in der Mitte bin, ist natürlich gewünscht und da arbeite ich täglich dran.

Meine Erfahrung ist aber folgende: Mit meinem ADHS gibt es nur den Jetzt-Zustand. Heisst, fühle ich mich jetzt überfordert, gestresst etc. - nützt es mir nur bedingt, ob ich davor 2-3 gute Tage gehabt habe. Wie bereits geschrieben geht da mit der Zeit einfach dennoch jeden Tag 1% an Kraft für den ständigen Kampf ab.

Deshalb habe ich auch vor 3 Tagen klar entschieden, wieder mit Sertealin 25mg zu starten, um einfach wieder durchatmen zu können. Ich habe das Glück, dass Sertralin meine innere Impulsivität und das Grübeln extrem reduziert. Jedoch kommt danach das ADHS mehr zum Vorschein - was in der jetzigen Situation aber Ok ist. Nach meiner nächsten ADHS spezifischen Therapie erhoffe ich mir, eine langfristige medikamentöse Lösung finden zu können.

Ich wünsche dir alles Gute.

Liebe Grüsse

Hallo Savera

Vielen Dank für deine Mitteilung.

Ich hatte das Glück, einen sehr organisierten, strukturierten und zuverlässigen Vater zu haben. Dadurch bin ich der extrem „stukturierte ADHS-Typ“ bzw. generell gut fokussiert. Natürlich nur bei Dingen die wichtig sind bzw. welche ich ungestört und alleine erledigen kann. Dadurch haben die Medikamente - leider kontraproduktiv gewirkt und ich war der Meinung, sie können nicht helfen.

Mein grösstes Problem ist der innere Dauerkampf, sowie alle sozialen Interaktionen. Die saugen mich komplett aus. Früher konnte ich das noch masken - heute habe ich dafür keine Kraft mehr. Für diese Zwecke helfen meiner Erfahrung nach Antidepressiva besser. Deshalb habe ich wieder damit gestartet.

Alles Gute dir

Liebe Grüsse

Danke für deine Rückmeldung!

Ich bin auch der sehr strukturierte Typ im Aussen. Innerlich sieht es da anders aus.

Konzentration ist auch weniger ein Problem, dafür Interaktionen. Mein adhs zu verstehen ist immer noch ein Weg, da ich immer viel maskiert habe. Es ist immer noch eine Entdeckungsreise was mein Akku leert, wo ich besser auf mich achtgeben kann und was ich annehmen muss.

Hast du Erfahrungen mit Atomoxetin?

Hallo Savera

Nein - nur mit Sertralin, Ritalin, Medikinet und Elvanse.

Liebe Grüsse