ADHS-Chronotypen?

Hi Leute,

kennt ihr das Phänomen auch, dass eure ADHS-Symptome über den Tag betrachtet nicht genau gleich sind, sondern chronotypisch auftreten und das nicht gelegentlich - sondern quasi regelmäßig/immer?

Bei mir (schon seit Jahren der Fall) sieht das dann so aus:
Bin zwar kein Morgenmensch und komme auch nicht so toll aus dem Bett, ABER:
ADHS-Symptome sind morgens kein (großes) Thema.
Ab vormittags dann, ca. 11 Uhr+/-geht’s bergab und ich bin regelrecht erschöpft und einfach durch.
Ein wirksames Mittel gegen diese Erschöpfung ist bei mir, nichts/wenig zu essen, was ich aber nicht dauerhaft praktizieren möchte. Vermutlich werden dann ausreichend Stress-Botenstoffe ausgeschüttet.
Zum Abend hin bin ich dann typischerweise immer noch erschöpft aber zugleich total hungrig nach Dopamin und kriege es nicht auf die Kette, früh ins Bett zu gehen.

Habt ihr eure ADHS-Symptome also 24/7, d.h. mehr oder weniger eine gleichbleibende Symptomstärke - oder erkennt ihr auch regelmäßige „Chronomuster“ bei euch?

Für die top informierten Menschen unter uns:
Gibt es dazu vielleicht wissenschaftliche Thesen/Erkenntnisse von denen ihr wisst??

Viele Grüße
Schlörn

Google Such-Tipp:

„Diurnal variation of ADHD symptoms throughout the day“

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Habe gerade mal Chat GPT befragt. Klingt logisch, was es ausspuckt:

Das ist eine hochinteressante und typische Konstellation, die ich dir differenziert einordne:


:microscope: 1. Gibt es das Phänomen bei ADHS-Betroffenen?

:white_check_mark: Ja, sehr häufig. Viele Menschen mit ADHS berichten:

  • Morgens: Sie kommen überraschend gut in den Tag, gerade wenn externe Strukturen (Termine, Arbeitsstart) wirken.
  • Mittags/Nachmittags: Ein markanter Leistungs- und Energieseinbruch tritt auf.
  • Abends: Trotz Erschöpfung ein starker innerer Drang nach Stimuli (Dopamin Seeking), z.B. Social Media, Serien, Chatten, Gaming – was den Schlaf verzögert.

:brain: 2. Warum kann das so sein?

a) Cortisol- und Dopamin-Rhythmus

  • Morgens steigt dein Cortisolspiegel natürlich an → dies wirkt aktivierend und kann deine ADHS-Symptome teilweise kompensieren.
  • Gegen Mittag sinkt Cortisol ab, dein „natürlicher Fokusboost“ fällt weg → Symptome wie Antriebslosigkeit, Verzettelung, emotionale Reizbarkeit oder Überforderung treten stärker hervor.

b) Externe Struktur am Vormittag

  • Termine, Deadlines oder Team-Calls bieten sofortigen extrinsischen Reiz, der dein dopaminerges System aktiviert.
  • Nachmittags nimmt dieser Reiz oft ab → deine Eigenmotivation wird stärker gefordert, was bei ADHS schwieriger ist (typisches „Selbstinitiationsdefizit“).

c) Decision Fatigue / mentale Erschöpfung

  • ADHS kostet viele unbewusste Mikro-Entscheidungen zur Alltagsstrukturierung.
  • Gegen Mittag/Nachmittag → Decision Fatigue, dein exekutives System ist „leer“. Das führt zu Erschöpfung, auch wenn du objektiv nicht überlastet bist.

d) Abends: Dopamin Seeking trotz Müdigkeit

  • Deine exekutiven Ressourcen sind erschöpft, aber dein Dopaminsystem verlangt Belohnung (z.B. Scrollen, Essen, Streams), um Wohlbefinden und Erregung aufrechtzuerhalten.
  • Gleichzeitig hemmt ADHS das frühzeitige „Runterfahren“ und Priorisieren von Schlaf.

:warning: 3. Was bedeutet das im Hinblick auf Medikation?

Ritalin Adult wirkt 4–8 Stunden, je nach individueller Pharmakokinetik. Wenn du es morgens nimmst:

  • Es wirkt genau dann, wenn du es weniger brauchst (durch Cortisol und Struktur).
  • Nachmittags, wo dein Dopaminlevel absackt, lässt die Wirkung bereits nach → deine Symptome treten stärker auf.

:light_bulb: 4. Handlungsempfehlungen (ärztlich abzusprechen)

:white_check_mark: a) Einnahmezeitpunkt anpassen

  • Einnahme erst gegen 10:00–11:00 Uhr, um den Fokus-Nachmittag abzudecken (sofern du morgens strukturiert klarkommst).
  • Alternativ: zweite Dosis (wenn vom Arzt verordnet) am frühen Nachmittag, um Wirklücken zu vermeiden.

:white_check_mark: b) Mittagspause optimieren

  • Proteinreiches Mittagessen + 10–20 min Tageslichtspaziergang → stabilisiert Dopamin- und Cortisollevel, reduziert den Tiefpunkt.

:white_check_mark: c) Abendliche Dopaminsteuerung

  • Bewusst „low effort“ Dopaminquellen wählen, z.B. Musik hören oder Journaling statt Scrollen oder Serienmarathon.
  • Feste Schlafenszeit blocken und Belohnung vorziehen (z.B. Abendlektüre oder Podcast bereits im Bett).

:white_check_mark: d) Schlafpriorisierung

  • Wenn du dauerhaft abends nicht zur Ruhe kommst, kann dies die Tagesmüdigkeit verstärken und deinen ADHS-Tag-Nacht-Rhythmus verschieben.

:brain: 5. Fazit

:check_mark: Dein Muster ist kein Zeichen von fehlender „echter“ ADHS, sondern spiegelt einen typischen neurobiologischen und tagesrhythmischen Verlauf bei ADHS wider.
:check_mark: Anpassung der Medikation und Tagesstruktur kann deine Nachmittagsleistung und Abendruhe massiv verbessern.
:check_mark: Besprich mit deinem Arzt gezielt, ob eine spätere Einnahme oder Splitting der Dosis für dich sinnvoll ist.

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ist doch alles voll spannend, oder? :grinning_face:

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Ja, total! Auf jeden Fall beachte ich meine Symptome/Medikation jetzt auch gezielt auf die Tageszeit bezogen…