ADHS Diagnose Jahrelang ignoriert

Hallo zusammen,

ich bin 24 Jahre alt und wurde in meiner frühen Kindheit mit ADHS diagnostiziert. Ich war damals sehr verhaltensauffällig und konnte mich kaum in der Schule konzentrieren. Ich war wirklich ein Kind was nirgendwo erwünscht war und eigentlich nur Probleme gemacht hat.

Mein damaliger Kinderarzt hat mit mir sämtliche Medikamente ausprobiert. Ich nahm unter anderem auch medikinet. Desweiteren war ich ambulant auch in einer Kinderklinik speziell für adhs erkrankte.

Ich wurde durch die Medikamente zwar „ruhiger“ und konnte mich besser konzentrieren, doch wohl fühlte ich mich bei der Einnahme der Medikamente nie. Ich fühlte mich so als würde meine „wahre“ Persönlichkeit unterdrückt werden. Das war wirklich ein schreckliches Gefühl. Die anderen Kinder in der Schule machten sich auch ständig lustig über mich, weil ich so ruhig und gedämpft war und vor allem Angst hatte.

Als ich dann in die Pubertät kam, war es mein eigener Wunsch ohne Medikamente zu leben und so meisterte ich auch alles in meinem bisherigen Leben. Ich machte einen guten Schulabschluss sowie absolvierte ich meine Ausbildung erfolgreich.

Jahrelang war für mich ADHS kein Thema mehr. Ich sprach auch nie wieder darüber und erzählte im weiteren Verlauf auch niemanden von meiner damaligen Diagnose. Hin und wieder machten mich im Beruf meine Kollegen auf meine Konzentrationsschäwche aufmerksam, doch ich fand immer einen Weg zufriedenstellend zu arbeiten und so von meiner „Schwäche“ abzulenken.

Die letzten Jahre waren wirklich schön für mich, ich hatte eine tolle Zeit. Ich machte mit meiner Freundin mehrere Ausflüge und Urlaube. Ich hatte einige gute Jobangebote und konnte auch so mein Gehalt etwas durch geschickte Verhandlung verbessern. Ich habe das Gefühl das ich in meinem Job meine Stärken die wahrscheinlich auch durchs ADHS kommen gewinnenbringend einbauen konnte und so den anderen in vielen Bereichen voraus war.

Leider wendet sich hier nun das Blatt : ich habe seit einiger Zeit mit Panikattacken und Ängsten zu kämpfen. Außerdem habe ich häufig auch quälende Zwangsgedanken ( was wäre wenn ich jetzt dies und das tun würde ? ) nach einiger Recherche wurde mir klar das dies mit dem ADHS zusammenhängt und ich wohlmöglich nun mit den Folgeerkankungen eines Erwachsenen zu tun habe. Jahrelang habe ich meine Diagnose verdrängt und meine eigene Realität erschaffen und nun muss ich mir eingestehen das ich ein ernsthafte Problem habe.

Im Internet ließt man auch von einem gesteigerten Suizidrisiko sowie Depressionen usw. Ich habe nun enorme Angst daran zu erkranken und meine Welt die ich mir die letzten Jahre aufgebaut habe ist zerplatzt.

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Ich habe den Text vorhin etwas emotional geschrieben, da mich das Thema aktuell sehr aufwühlt. Ich denke der erste richtige Schritt wäre nun eine erneute Diagnose durchführen zulassen.

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Hallo @Magic1337 und herzlich willkommen im Forum :heart:

Das kann ich gut nachvollziehen! Du bist nicht allein.
ADHS kommt häufig mit Komorbiditäten, vor allem wenn es unbehandelt bleibt. Deine Erfahrungen mit Behandlung klingen auch nicht sehr positiv, deshalb kann ich verstehen, dass du das Medikinet abgesetzt hast und es vielleicht erstmal „leichter“ für dich war, das weitestgehend zu verdrängen.

Es ist nicht zu spät und du kannst sehr stolz auf dich sein, was du alles geschafft hast! Und auch das jetzt wirst du schaffen, du bist hier am richtigen Ort :slight_smile:

Eine erneute Diagnostik ist eventuell durch deine Kindheitsdiagnose erleichtert, wüsstest du denn wohin du dich wenden kannst?

Schön, dass du hier bist :hugs:

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Danke für die liebevollen Worte ! Bin wirklich dankbar hier auf gleichgesinnten zu treffen.

Ich hatte schon bereits das Klinkium in meiner Stadt kontaktiert, dort sind aber keine Kapazitäten mehr vorhanden um eine Diagnose im Erwachsenenalter zu stellen. Überall liest man leider das die Wartezeiten lang wären. Ich nehme mir morgen mal die Zeit und telefoniere etwas rum um hoffentlich etwas zu erreichen.

Morgen bin ich zufällig auch bei meinem Hausarzt ich werde ihn denke ich auch einweihen. Ihm davon erzählen das ich vermute, das meine aktuelle Problematik durch das ADHS entsteht.

Zurzeit nehme ich übrings noch abends 50 mg opipramol

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Hab gerade online nochmal mehrere Klinken abgeklappert, leider steht dort überall das derzeit keine Kapazitäten für Diagnosen oder sogenannten ADHS Sprechstunden vorhanden sind.

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Lieber Magic1337,

herzlich willkommen im ADXS-Forum! :adxs_jaaay:

Wenn du als Kind durch das Medikament zu gedämpft warst und dich in dir fremd fühltest, stimmte sehr wahrscheinlich die Dosis nicht. Leider wurde dieser Fehler rückblickend öfter gemacht, wir habe das hier schon ein paar mal gelesen.

Vielleicht bekamst du auch keine Stimulanzien oder nicht nur. Jemand, der mir mal sagte, er würde nie wieder ADHS-Medikamente nehmen, bei dem stellte sich heraus, dass er als Kind Ritalin/Methylphenidat kriegte und Pipamperon (ein dämpfendes Neuroleptikum).

Formhalber ja, aber eine Überraschung wird es das Ergebnis nicht sein, deine heutigen Probleme, auch wenn es andere sind, haben natürlich die gleiche Ursache wie deine Kindheitsprobleme.

Eine Facharztpraxis wäre gegenüber einer Klinik vorzuziehen, weil ja die Bestätigung der Diagnose nur die halbe Miete ist, du wünschst dir ja eine Behandlung.

Alles Gute wünscht
Falschparker

Schau doch mal hier und fordere die Liste an, vielleicht findest du ja einen niedergelassenen Facharzt oder Psychotherapeuten in deiner Nähe:

Ansonsten hat mir zu Beginn seeeehr geholfen, hier im Forum zu lesen :slight_smile: Eben genau gegen dieses Gefühl, allein zu sein. Auch um eventuelle Wartezeiten zu überbrücken!

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Herzlich willkommen!

Erfahrungsgemäß bekommst du am schnellsten einen Termin zur Diagnostik, wenn du dich bei anderen Betroffenen in deiner Umgebung erkundigst. Einige Adressen findest du in der Liste, die du anfordern kannst, aber dort stehen nicht alle Adressen und nicht alle Erfahrungen und vor allen Dingen nicht die aktuellen Wartezeiten drin. Sehr gute Erfahrungen habe ich in den Selbsthilfegruppen vor Ort gemacht oder auch im Austausch online.

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Braucht es jetzt überhaupt eine erneute Diagnostik? In der Kindheit wurde ADHS ja diagnostiziert, was ja wesentlich ist? Da kommt ja nichts neues raus.

Gibt es nicht irgendwo Unterlagen?
Bei der Krankenkasse?
Bei dem früheren Arzt?
Bei den Eltern?

Beim Wechsel von Kinderarzt zum Hausarzt wurden bei mir bspw. alle Informationen und Diagnosen weitergegeben (wobei ich als Kind noch nicht mit ADHS diagnostiziert war). Die hat mein Hausarzt damals beim Kinderarzt angefordert.

Du bist jetzt nicht so alt. Falls es den Kinderarzt noch gibt, besteht eine Chance dass es da noch Akten gibt… gilt für Deutschland:

Ärztliche Aufzeichnungen sind für die Dauer von zehn Jahren nach Abschluss der Behandlung aufzubewahren, soweit nicht nach gesetzlichen Vorschriften eine längere Aufbewahrungspflicht besteht.

Du warst ja auch ambulant in einer speziellen Klinik. Da könnte auch noch was vorliegen.

Mit den Papieren würde ich einen Psychiater/Neurologen wegen der Medikamente aufsuchen. Im schlimmsten Fall akzeptiert er die alten Unterlagen nicht, im Idealfall hast du Zeit gewonnen und er beginnt eine Eindosierung mit dir.

Muss trotzdem erneuert gemacht werden.

Es wächst sich nicht aus - aner man könnte es als Erwachsener so gut kompensiert haben, dass die Symptomatik für eine Diagnose nicht mehr ausreicht oder auch ein Leidensdruck nicht mehr gegeben ist.

Nicht alle erwachsenen ADHS benötigen ja eine Behandlung.

Also - es gibt die, denen es auch ohne gut geht und dann gibts natürlich noch die, die es verdrängen.

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Aber wo konkret steht das?

Für die ADHS-Diagnose muss ja fest stehen, dass bereits in der Kindheit ADHS bestand. Kriterium erfüllt.

Dann ist weiterer Aspekt, dass in den letzten 6 Monaten die ADHS-Kriterien/Symptome vorlagen.

Dazu braucht es mMn nicht den gesamten Hürdenlauf der Diagnostik wie ich ihn hier oft lese.

In meinem Fall war die Diagnostik ein langes Gespräch, keine Fragebögen.

In den Unterlagen der Kindheit konnte nachvollzogen werden, dass ich schon da ADHS hatte: Bei einem Kinderarzt stand in den Papieren, dass ich mich schlecht konzentrieren könne und leicht ablenkbar sei in der Schule. Es wurde beim Kinderarzt ein Hörtest gemacht und in Schulzeugnissen standen auch Hinweise. An ADHS dachte damals keiner und meine Eltern gingen dem leider nicht weiter nach, dachten ich wäre dumm…. Aber hier hat @Magic1337 die Kindheitsdiagnose.

Im Gespräch ging es dann um meine Probleme im Erwachsenenalter, vor allem die letzten Jahre. Ja, der Psychiater ist spezialisiert auf ADHS und kennt sich aus.

@Magic1337 Vlt. bist du in neinem PLZ-Bereich, dann könnte ich dir Kontaktdaten senden? Womit fängt deine PLZ an? Kannst du ruhig als Nachricht senden. Bei meinem Psychiater gibt es Diagnosetermine ab Ende März.

Ansonsten würde ich zweispurig fahren: Diagnosemöglichkeit suchen sowie einen Facharzt der die alte Diagnose akzeptiert und eine medikamentöse Einstellung startet.

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Das stimmt - vielen reicht auch eine „Kurz-Diagnostik“.

Also werden meist Fragebögen ausgefüllt.

Es gibt aber auch Psychiater die möchten das ganze Programm und auch nochmals die Zeugnisse sehen. Alles schon erlebt.

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Wow das zu lesen erstaunt mich ehrlich gesagt jetzt doch ziemlich.
Wie kann eine einmal erstellte Adhs Diagnose „verfallen“?, noch dazu eine die bereits im Kinheitsalter durch entsprechende Spezialisten erstellt wurde?, sowas wäre zumindest nach meinem persönlichen Empfinden absoluter Humbug, sogar eigentlich Humbug par Exellance.
Ich gebe @Pedro Recht, ich würde auch den Weg mit dem Kinderarzt gehen, eventuell kann der sich sogar noch gut erinnern und wäre z.B. auch zu einem Gespräch über die Diagnose von damals bereit.

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Hallo zusammen,

Danke erstmal für die vielen Nachrichten und den ganzen Input. Ich war heute bei meinem Hausarzt, dort ging es eigentlich um meinen Blutdruck (der zu hoch ist)

Ich erzählte ihn von meiner aktuell Problematik bezüglich der Ängste und Panik und auch von dem ADHS.

Er war sehr verständnisvoll und empfiehl mir nun einen Psychiater aufzusuchen, dieser soll dann beurteilen in wie fern ich behandelt werden soll.

Ich habe heute den ganzen Morgen verbracht mögliche Ärzte die ADHS diagnostizieren abzutelefonieren. Leider ohne Erfolg. Scheint zurzeit echt dramatisch zu sein. Ich warte aber noch auf die Zusendung der Ansprechpartner, diese habe ich per Mail hier angefordert.

Danke nochmals !

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Ich kann dir irgendwie keine direkte Nachricht schreiben. Ich komme aus PLZ Gebiet 44. Also aus dem Ruhrgebiet.

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Ich weis nicht ob du gelesen hast, was ich geschrieben habe. Symptome verändern sich und wenn jemand einige Jahre keine Behandlung hatte muss man neu eruieren, wie die Symptomatik aktuell ist.

Und dafür braucht es validierte Instrumente.

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Ich würde auch mal direkt Kontakt mit der SHG aufnehmen!

Die haben oft WhatsApp Gruppen und Listen, die sie nicht veröffentlichen!

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Liebe @Justine ja doch, habe Deine Beiträge gelesen, dennoch finde ich persönlich eine erneute Diagnose, sagen wir mal?, irgendwie hirnrissig?.
Klar verändern sich die Symptome wahrscheinlich, aber wenn man seit Kindesbeinen an eine Adhs Diagnose hat, also „stichhaltiger“ geht es ja wohl kaum?, odrr?.
Ich habe ja nicht Deine Beiträge in Frage gestellt, habe mich nur sehr verwundert warum irgend ein Arzt oder Psychologe eine Adhs Diagnose im Kindesalter anzweifeln sollte?.
Aber okay, @Magic1337 hat ja geschrieben wie es weiter geht, insofern sind meine persönlichen Gedanken darüber eh unrelevant. :wink::heart:

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Hm, schade. Bin in Süddeutschland. Aber halte mal Ausschau in der näheren Umgebung von dir. Vlt. etwas mit dem Regionalverkehr leicht erreichbares mit vernünftiger Fahrzeit ohne Umstiege…

Und abermals: Dennoch muss für die Diagnostik feststehen, dass die Person bereits als Kind ADHS hatte. Durch den Nachweis einer ärztlichen Diagnose von ADHS im Kindesalter ist ein Kriterium erfüllt und man muss im Idealfall nicht irgendwelche evt. wenig aussagekräftigen Schulzeugnisse ankarren oder die Eltern befragen… bis der Fragesteller überhaupt einen Termin hat, kann er die Zeit dazwischen insofern auch für diese Nachweisorganisation nutzen.

Und liebe Justine, ich weiß dass du es gut meinst. Aber das steife Beharren auf Richtlinien bringt nichts, insbesondere muss jeder Fall individuell betrachtet werden. Und am Ende entscheidet der Arzt im Sinne seiner Verantwortung was er macht oder ob er Richtlinien einhält. Richtlinien dienen den einfachen Fällen und der Orientierung, sind kein Maßstab aller Dinge. Im Grunde unterstützt du mit all dem ein wenig die veraltete Annahme, dass sich ADHS “auswachsen” würde… Während meiner Reha gab es einige Kandidaten für ADHS. Am Ende durchlief jeder von ihnen eine andere ADHS-Diagnostik im gleichen Hause, a) weil jeder Arzt anders entschied und b) weil die vorausgegangene Aktenlage jeweils eine andere war.

Es gibt Betroffene die in der Kindheit diagnostiziert worden sind. Bis über die Pubertät hinaus Stimulanzien genommen haben und auch bei Erlangen der Volljährigkeit die Einnahme fortsetzen. Da kam keiner auf die Idee den Hürdenlauf der Diagnostik neu zu starten nur weil die Person nun volljährig ist. Genauso kommt keiner darauf dann mit 40 erneut eine Diagnose zu machen. Auch da konnte sich zwischenzeitlich die Symptomatik verändert haben oder eine Differenzialdiagnose möglich sein. Ich sag es mal so: ADHS braucht keine Hauptuntersuchung wie ein Auto. Schon so gibt es keine Kapazitäten.

Mir ging es hier nur um eine Erklärung. Das heißt nicht das ich das sinnvoll finde oder das es immer so gemacht wird.

Deshalb schrieb ich - hab schon alles erlebt.

Am besten ist wenn man direkt bei einem Arzt diagnostiziert wird (sofern das überhaupt sein muss) der einen dann auch behandelt.

Tatsächlich kommt es ja sogar auch vor, das der eine die Diagnostik vom anderen nicht akzeptiert.

Auch das hab ich schon erlebt.

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