ADHS Diagnose nach über einem halben Leben mit Depressionen

Hallo ihr Lieben, ich bin 41 und habe seit ich 15 Jahre alt bin Depressionen. Vor einigen Monaten wurde bei mir ADHS (vorwiegend unaufmerksam) diagnostiziert. Ich glaube mittlerweile, dass viele meiner Depressionssymptome eigentlich ADHS Symptome waren, auch hat sich die Depression seit der ADHS Diagnose extrem verbessert. Woran das liegt weiß ich nicht.

Morgen habe ich meinen ersten Termin beim Psychiater zur medikamentösen Einstellung. Ich bin unglaublich zuversichtlich, so sehr wie schon lange nicht mehr. Aber, ich hab auch wahnsinnige Angst vor morgen. Kenne weder den Arzt, noch weiß ich genau was passieren wird. Und gleichzeitig habe ich starke Angst die Hoffnung wieder zu verlieren weil nichts helfen wird. Meine Gedanken fahren gerade Achterbahn. Darum habe ich mich nun hier angemeldet, nachdem ich schon sehr viel nützliches und interessantes in diesem Forum gelesen habe.
Vielleicht hat ja jemand etwas Mut für mich übrig.

LG Sacura

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Na wer weiß, vielleicht triffst du morgen einfach auf einen netten hilfreichen Arzt, der dich weiterbringt. :folded_hands:

Ich hatte auch ganz schön Kopfkino , Sorgen und Bedenken.

Mein alter Psychiater hat aufgehört und ich war bei ihm und mein jetzigen Psychiater bisher in besten Händen.

Will sagen, dass kann sehr wohl auch ne unkomplizierte Sachen werden.

Natürlich ist auch alles andere möglich , aber das wird sich ja morgen zeigen .

Ansonsten bist du ja jetzt hier angemeldet und kannst dich über alles austauschen.

Man muss ja heutzutage froh sein überhaupt noch einen Termin zu bekommen.

Wünsche dir alles Gute für morgen

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Waren denn die Depressionen immer gleich intensiv?

Ich hatte vor der Diagnose ja doch weit über 10 Jahre unter starken Depressionen gelitten. Die waren aber schon in Phasen mal besser mal schlechter, im Rückblick hatte sich auch Überforderung, Meltdowns, Overloads etc. darauf ausgewirkt und ganz klar konnte man irgendwo hin hoffnungsvoll schauen oder war hoffnungslos in der Verzweiflung gefangen. Wenn ich in den Urlaub ging waren sie fast weg und auch die 3 Wochen vor den Urlauben und nach den Urlauben waren sie deutlich besser bis fast weg.

Wahrscheinlich geht es dir so viel besser weil du hoffnungsvoll auf eine Verbesserung/ gut Lösung schaust. Sowas wirkt eigentlich immer auch mit hinein.

Hast du zumindest aus deiner Einschätzung „nur“ Adhs Belastungsdepressionen? Oder meinst du du könntest noch andere Arten von Depressionen zusätzlich haben?

Adhs Überlastungsdepessionen sind eigentlich „normal“ und wenn ich das jetzt nicht falsch resümiere das das bei uns spätdiagnostizieren irgendwie bei uns allen ein treibender Motor war und deshalb ja auch oft alle möglichen Antidepressiva die so nicht oder nicht ausreichend wirkten eingestuft wurden.

Bei mir waren sie nicht sofort weg, aber ich war auch nicht über Nacht in Depressionen so entwickelt sich das auch erst mit und mit bei mir zurück und hat mehr als 1/2 Jahr gebraucht bis die Depressionen ganz weg waren. Aber was über 10 Jahre da ist verschwindet eben auch nicht direkt. Medikamente müssen wirken → daraufhin verschwindet für das Gehirn der Stress und die Überlastung wodurch das Gehirn hat Neurotransmitter und viele weitere synaptische Verknüpfungen anzulegen. Das kannst du dir vorstellen wie Straßen und Wegebau. Und wenn das Gehirn nur mit Ausbessern und Reparatur der Hauptstrecken beschäftigt bzw. überlastet ist hat es auch wenig Kapazitäten für neue und zusätzliche Wege zu bauen.

Dafür braucht es etwas Zeit obwohl bei Methylfinidat als Wirkstoff eine direkte Wirkung vorhanden ist Elvanse braucht für die Stable Wirkung 5 Tage möglichst zur gleichen Zeit (Eindosierung) den Steady-state aufgebaut hat.

Sollte Medikinet vorgeschlagen werden solltest du jetzt schon wissen, daß du vor der Einnahme für die Zeitverzögerung nur gut funktioniert wenn du eine vollwertige Mahlzeit(zwingenderforderlich) zu dir genommen hast und nach der Mahlzeit erst die Kapsel nimmst. vollwertige Mahlzeit => schwer verdauliche Kohlenhydrate + Protein (+Fett) damit der Magen lange beschäftigt ist. Je voller der Magen desto langsamer und gleichmäßig und desto länger wirkt wohl Medikinet.

Wenn du nicht frühstücken kannst dann das dem Arzt sagen und Medikinet eher ablehnen und um Ritalin und Generika bitten ggf. auch Concerta oder Kinecteen bitten.

Ich weiß nur nicht ob Kinecteen oder Concerta als allererstes Medikament geeignet ist weil es länger als Ritalin wirkt.

Nur Medikinet braucht erst die vollwertige Mahlzeit alles andere nicht. Bei den anderen Medikamenten kann man auch später essen.

Essen ist aber wichtig selbst wenn man keinen Hunger hat. Nicht zu essen kann sehr unangenehm sein und wird für Nebenwirkungen gehalten sind aber keine ist die Reaktion vom Körper weil er unterzuckert. Wahrscheinlich kennst du aber noch nicht wie es sich anfühlt wenn man unterzuckert.

Du wirst sehen mit ein wenig Übung wird das alles schon ganz gut werden. Einfach freudig ins Abenteuer stürzen :smiley:

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Vielen Dank! Und ja, das stimmt einen Termin zu bekommen und dann auch noch relativ zeitnah ist ein Glücksfall.

Meine Depressionen waren in den ersten Jahren sehr stark und die Phasen waren sehr lang. Später waren sie nicht mehr so lange. Dazwischen gab es immer Phasen mit kaum Symptomen, aber das konnte dann auch mal nur eine Woche gewesen sein, oder auch einige Monate.
Das war auch der Grund warum ich so oft dachte, sie sind weg, bzw. ein Medikament hat endlich gewirkt. Leider war das dann spätestens nach einigen Monaten wieder vorbei. Irgendwann habe ich dann auch kein neues Medikament gegen Depressionen versucht.

Seit meiner Diagnose haben sie sich extrem verbessert. Vielleicht habe ich erkannt was der Grund war, oder ich konnte besser damit umgehen. Aber ich bin mir auch sicher, dass die neu erweckte Hoffnung einen Großteil dazu beiträgt.

Ich glaube die Symptome der Depression sind zu einem großen Teil auf die Belastung der ADHS zurückzuführen. Ein kleiner Teil hat sicher mit der jahrelangen Unsicherheit und dem Gefühl man ist nichts Wert oder “kann eh nichts” zu tun. Ich denke, das braucht seine Zeit um diese Denkmuster aufzulösen und wird sicher unterstützend mit ADHS Medikation und Psychotherapie besser werden.

Vielen Dank für deine Erfahrungen, das macht mir richtig viel Mut.

Habe Medikinet adult verschrieben bekommen. Und dank dem Forum habe ich mir tatsächlich schon (viel zu viele) Gedanken über das Essen gemacht. Ich Frühstücke eigentlich nicht, aber meine Söhne essen Morgens Porridge mit Nüssen, Obst etc. Das wollte ich jetzt auch essen und dazu ein Ei oder so. Zum glück trinke ich eh schon keinen Kaffee, was mir den Umstieg wahrscheinlich erleichtert.

Vielen Dank für deine Tipps, die sind Goldwert. Ohne das Forum hätte ich es wahrscheinlich einfach so eingenommen.

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Habe jetzt drei Tage 10 mg Medikinet genommen. Noch spüre ich leider überhaupt nichts. Bzw. am ersten Tag hatte ich das Gefühl, dass ich etwas entspannter war. Dafür habe ich ab Nachmittag extrem starke Kopfschmerzen. Ich hoffe das gibt sich wieder. Soll diese Dosis drei Wochen lang so einnehmen bis zum nächsten Termin.

Nimmst du Medikinet oder Medikinet Adult? Das letztere ist die retadierte Form.

3 Wochen die selbe Dosis ist aber sehr lange. Meist nimmt man ca eine Woche die Dosis und steigert dann. Aber dein Doc gibt das Tempo vor.
Medikinet adult ist das einzige Präparat was zwingend zu einer vollen Mahlzeit eingenommen werden muss. Es hat aber den Vorteil, dass man es in 5mg Schritten steigern kann. Wenn du jetzt mit 10mg losgeschickt wirdest, kann sein, dass dein Doc das nicht so präsent hat. Die nöchste Dosis muss also nicht 20mg sein, sondern kann auch 15mg sein.

Du solltest auch anfangen zu unterscheiden, ob die Nebenwirkung während oder nach der Wirkzeit auftreten. So lange du noch nicht so genau weißt, wie lange sie bei dir tatsächlich anhält, kannst du mal von den 4-6h ausgehen, in denen ein Großteil liegt.

Und Kopfschmerzen können ganz typische Eindosierungsnebenwirkungen sein. Die einmalig während der ersten Einnahme von Stimulanzien auftreten und nach ein paar Wochen (achtung manchmal kann das auch 8-9 Wochen bedeuten) weg sind und bei späteren Wirkstoffwechsel, Präparatewechsel, o.ä. nie wieder auftreten.

Falls bisher unbekannt, zur Sicherheit: Kein Koffein während der Eindosierungsphase

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Bei mir vergingen die Kopfschmerzen nach 2 Monaten. Die wurden ganz schön lang, aber mein Arzt sagte, das gehe vorbei, und er hatte recht.

Drei Wochen sind lang. Du kannst ja nach einer Woche mal anrufen und fragen, ob du schon steigern darfst.

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Dankeschön, es gibt mir Hoffnung, dass die Kopfschmerzen wahrscheinlich nur temporär sind. Ich nehme Medikinet adult und habe auch relativ gut vor der Einnahme gegessen. Kaffee habe ich schon vorher kaum getrunken und jetzt habe ich zusätzlich auf andere koffeinhaltige Getränke verzichtet.

Das mit der länge der Dosis dachte ich mir auch schon, hab vorher schon einige Erfahrungsberichte gelesen.

Danke für deine Antwort. Das mit dem anrufen würde ich gerne machen. Aber ich weiß nicht ob ich mich das traue. :speak_no_evil_monkey:
Zwei Monate klingt nach einer sehr sehr anstrengenden Zeit. Hast du jetzt noch Probleme?

Das ist ja lange her, 2003/2004. Nein, seitdem habe ich kein Problem mehr mit Kopfschmerzen wegen Methylphenidat.

Nachdem ich täglich am Nachmittag sehr starke Kopfschmerzen bekommen habe, sollte ich Medikinet laut meinem Arzt absetzen.
Habe jetzt Lisdexemfetamin verschrieben bekommen und heute zum ersten mal eingenommen.
Es fühlt sich ganz subtil so an, als wäre mein Kopf etwas freier, als würde sich ein Nebel etwas lichten. Ich weiß nicht ob ich mir das einbilde. Aber ehrlich gesagt habe ich nachdem Medikinet nicht so recht gewirkt hat (zusätzlich zu den Kopfschmerzen), keine Besserung erwartet.

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