ADHS Diagnostik und Termin - onine als Selbstzahler - Erfahrungen?

Hallo ihr Lieben,

ich lese hier schon sehr lange mit und werde mich auch nochmal in Ruhe selbst vorstellen.

Aber hier erstmal folgende Frage: Hat jemand Erfahrungen mit Online-Diagnostik und anschließender Rezeptausstellung als Selbstzahler?

Wie viele hier ja auch schon berichtet haben, ist es so gut wie unmöglich zeitnah einen Termin zur Diagnostik zu bekommen. Und ganz ehrlich, ich bin mir absolut sicher, dass ich ADHS habe. Schon lange. Bisher habe ich aber immer einen Bogen um Medikamente gemacht.

Inzwischen habe ich aber das Gefühl, dass es mir das Leben vielleicht wirklich etwas leichter machen würde. Eine weise Erkenntnis, mit Anfang 50. Nun ja. Anderes Thema.

Meine Fragen also: 1. Habt ihr schon Erfahrungen mit Online-Anbietern gemacht? Oder Empfehlungen?

Und zweitens: Wie sieht es aus, wenn ich die Diagnose später “offiziell anerkennen” lassen will, um auf Rezpet Medikamente zu erhalten? Die Online-Praxen bieten Rezepte ja als Privatrezepte an. Für den Anfang würde ich das auch machen, egal, hauptsache nicht lange warten. Das kann ich ADHS-bedingt leider überhaupt nicht.

Aber es wäre natürlich schon von Vorteil, wenn ich irgendwann zu einer Praxis in meiner Nähe wechseln könnte, als ganz normale Kassenpatientin.

Dass ich ADHS habe, weiß ich seit ich Jugendliche bin. Hab mich aber bis heute noch nie zu einem Psychiater oder Neurolgen getraut.

Eure Maraxa

Hallo Maraxa,

herzlich Willkommen!

Ich habe mich für die Online Diagnostik bei der Praxis vianova in Berlin entschieden. Sie bieten die Diagnostik vor Ort und auch Online an. Das ist eine psychotherapeutische Praxis, d.h. es gibt hier keine medikamentöse Behandlung. Die Diagnostik wird von Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen in Ausbildung durchgeführt und von der approbierten Inhaberin im Sinne eines qualifizierten Befundes abgesegnet mit einer Unterschrift.

Damit konnte ich mittels Überweisung und Notfallcode vom Hausarzt an eine/n Psychiater/in über die 116117 innerhalb von vier Wochen einen Termin kriegen und nachdem meine Vitalwerte, EKG usw. Ok waren habe ich mit der Medikation mit Elvanse begonnen.

Mir war wichtig, dass die Diagnostik richtig gut durchgeführt wird und bin mit dem, was wie abgefragt und befundet wurde sehr zufrieden. Ich bin selbst Psychotherapeutin in Ausbildung und führe die Diagnostik auch im Rahmen meiner Weiterbildung selbst durch, daher hatte ich eine Meinung und einen Anspruch :grimacing: :laughing: und wurde nicht enttäuscht.

Und wenn ich schon für die Diagnostik bezahle, muss ich nicht auch noch die Kosten für Privatrezepte übernehmen *find, eigentlich wäre ja beides Kassenleistung … :face_with_diagonal_mouth:

Herzlichen Dank für deine Antwort. Ja, stimmt. Eigentlich wäre beides Kassenleistung. Ein Problem ist natürlich, wenn man, so wie ich, extrem ungeduldig ist. Da fällt das ewig lange Warten auf einen Termin besonders schwer.

Ich habe inzwischen auch von sehr unterschiedlichen Diagnostik-Erfahrungen gehört und gelesen. Anscheinend ist das immer noch ziemlich beliebig. Von ewig langen Untersuchungen und Terminen bis hin zu einem einmaligen Gespräch mit Fragebogen.

Was ich eben immer noch nicht so ganz einschätzen kann ist, wie es nach der Diagnostik weitergeht. Einen Notfallcode vom Hausarzt? Und dann trotzdem nochmal 4 Wochen warten?

Also, angenommen ich habe eine Diagnose, egal ob online oder sonst wie, von einem zugelassenen Psychiater/Neurologen. Und gehe damit zu einem Psychiater in der Nähe mit der Bitte um ein Rezept für Medikamente? Müsste das dann nicht problemlos und schnell gehen?

Wahrscheinlich auch wieder mal so und mal so. Glücksache, Typsache. Je nach Ort, je nach Arzt.

Auch online darf die Diagnose nur ein Arzt (meist Psychiater, manchmal auch Neurologen) oder ein psychologischer Psychotherapeut stellen. Normalerweise bekommt man dann eine Schriftliche Zusammenfassung, wo alles drauf steht - Testverfahren, Ergebnisse und Diagnose.

Auch die „Online-Ärzte“ sind ganz normale Ärzte, die Medizin studiert haben. Genau wie „Privat-Ärzte“. Du kaufst Dir keine Diagnose, nur weil Du selbst dafür bezahlst - auch wenn es sich subjektiv vielleicht so anfühlt, weil du sonst (fast) nie für ärztliche Leistungen zahlen musst. Der Unterschied zum Kassenarzt ist nur, dass ein Arzt in einer Privat-Praxis keinen Kassensitz hat und deswegen sein Geld für die Behandlung nicht von der GKV bekommt, sondern direkt vom Patienten. Und mangels Kassensitz kann er halt auch keine Kassenrezepte ausstellen. „Vollwertiger“ Arzt ist der trotzdem - genau wie ein Kassenarzt.

Ob ein Psychiater vor Ort die Online-Diagnose anerkennt, steht wiederum auf einem andren Blatt. Es gibt durchaus welche, die nur ihrer eigenen Diagnose trauen und andere, die damit gar kein Problem haben. Da wirst Du Dich überraschen lassen müssen.

Medikamente bekommst Du immer nur mit einem BTM-Rezept von einem Arzt (außer Atomoxetin, aber auch das ist verschreibungspflichtig, nur nicht BTM). Der einzige Unterschied ist, dass Du beim Privat-Rezept alles selbst bezahlst und beim Kassenrezept nur die Zuzahlung. Das Rezeptformular ist das Gleiche. Der Arzt macht nur das Kreuz für die Versicherung an anderer Stelle, bzw. schreibt statt (z.B.) „AOK“, „privat“ hin.

„Problemlos“ und „schnell“ kannst Du aus Deinem Wortschatz streichen. Erst mal musst Du einen Psychiater finden, der überhaupt noch Patienten aufnimmt. :person_shrugging: Und dann muss der auch noch ADHS-Medis verschreiben. Das machen nämlich nicht alle. Und dann musst Du auch noch einen zeitnahen Termin bekommen. Der Arzt wird Dir die Medis nicht „blind“ verschreiben, ohne ein ausführliches Gespräch geführt zu haben.

Zumal es mit einem „Rezept für Medikamente“ auch nicht getan ist, wenn Du noch nie ADHS-Medikamente genommen hast. Bei den wenigsten passt direkt das 1. Medikament in der 1. Dosis. Die Eindosierung kann ziemlich langwierig sein und der Arzt muss (eigentlich) die Wirkung der Medis regelmäßig kontrollieren (nach Wirkung und Nebenwirkungen fragen) und ggf. bei den Medis „nachjustieren“, Medikament wechseln usw. bis Du „Dein“ Medikament in „Deiner“ Dosis gefunden hast.

In die Lücke vom gestrichenen „problemlos und schnell“ kannst Du als neues Wort „Geduld“ setzen. Die wirst Du nämlich brauchen. Und zwar reichlich davon.

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@Schusselflummi: Danke für deinen ausführlichen Beitrag.

Der erste Teil ist mir vertraut. Dass es sich bei Online-Ärzten um ganz normale Psychaiter, Neurologen etc. handelt, die eben aus finanziellen Gründen nur Privatpatienten annehmen. Das gibt es ja auch in anderern Bereichen zunehmend.

Mir ging es wirklcih um die Praxiserfahrung hier im Forum was die Anerkennung und Akzeptanz seitens praktizierender Kassenärzte vor Ort ist. Und so wie du schreibst - mal so und mal so. Man kann also nur sein Glück versuchen.

Das mit der Geduld funktioniert bei mir allerdings nicht. Ist krankheitsbedingt. :wink:

Ist bekannt und üblich.
Willkommen im ADHS-Forum :adxs_grins:

Du schaffst das. Hast eh keine Wahl und wenn du dann einen Behandler gefunden hast, erscheint es dir im Nachhinein auch nicht mehr so unendlich lange.

Wenn du oben über die Suche „diagnostik online“ eingibst und nach Relevanz sortierst, wirst du Themen finden, wo schon einige Erfahrungen mit Online-Diagnostik und der anschließenden Psychiater-Suche geteilt wurden.

Den Ablauf über die 116117 habe ich hier auch mal irgendwo ausführlich erläutert. Der wird aber auf der Homepage auch gut beschrieben bzw. ist als Patienten-Info-Flyer als PDF downloadbar.

Aber das kommt ja erst nach der Diagnostik. Mit dem Befund dann zum Hausarzt und um eine Überweisung mit Dringlichkeitscode bitten.

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Meine Diagnose wurde anerkannt, der Psychiater war kritisch und hat den Befund komplett ü erfolgen um sicherzustellen, dass die empfohlenen Bereiche untersucht wurden. Bei mir wurden eben neben Selbsteinschätzung per Fragebogen die ich vorab ausfüllen sollte und Interviews HASE / DIVA der WURS-K, Zeugnisse der Grundschule, fremdanamnestisch meine Mutter und mein Mann mit einbezogen. Das war was man heute so macht, also laut Empfehlung.

Demgegenüber hat auch schon mal ein sehr “spezieller Psychiater” im Ulm die Diagnose einer meiner Patientinnen nicht anerkannt, weil er sie nicht selbst gemacht habe. Auch hier war alles völlig korrekt, mein Ausbildungsinstitut hat eine Arztnummer, wird von einer approbierten Psychotherapeutin geleitet und der Kollege von mir hat lange in einer Spezialambulanz für Neurodivergenz gearbeitet. Heisst mein Befund war einwandfrei, nicht online, Differentialdiagnostisch gut abgeklärt (Trauma, Depression, Persönlichkeitsstörungen) und die Patientin ist zudem seit einem Jahr in meiner Behandlung, heisst ich weiß was ich da tue. Sie überlegt nun den Arzt bei der Ärztekammer zu melden. Das ist mir aber nur einmal passiert und nicht üblich.

Vier Wochen um an einen Termin beim Psychiater zu kommen ist kurz. Ich hätte ohne diese Überweisung mit Notfallcode mehrere Monate warten müssen, wenn mir überhaupt ein Termin angeboten wurde, da viele keine neuen Patienten aufnehmen.

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Ja leider , mal so mal so.

Du könntest aber wenn du einen Psychiater Termin bekommen hast vorher schon abfragen welche Voruntersuchungen die benötigen.

Ansonsten ist es meist Blutbild , EKG und Blutdruck .

Auch wenn du noch keinen Diagnistik Termin /Diagnose hast könntest du schon auf Suche gehen . Absagen kannst du immer noch.

Auf ADXS.org könntest du dir auch schon die Ärzteliste zusenden lassen und vielleicht noch bei den Selbsthilfegruppen nachfragen was die an Adressen haben.

Vielleicht ist auch noch ne Ambulanz in deiner Nähe.

Grundsätzlich lohnt es sich für einen guten Psychiater ggf. lieber länger Fahrwege in Kauf zu nehmen.

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@SneedleDeeDoo:

Danke dir. Wenn ich das richtig verstehe, kann ich mir, sollte das mit der Online-Diagnose klappen, dort auch erst einmal ein Privatrezept ausstellen lassen, oder? Dann könnte ich zeitnah mit Medikamenten starten, auch wenn ich vor Ort nicht gleich einen Arzt meines Vertrauens finde. Und mir daher etwas Zeit lassen. So zumindest mein aktueller Plan.

@fifty_none: Vielen Dank für deine in doppelter Hinsicht praktischen Erfahrungen. Das ist ja echt spannend, dass du Therapeutin und gleichzeitig selbst ADHS-diagnostiziert bist.

Ich hoffe, dass dein Negativbeispiel die Ausnahme ist. Ansonstne schaue ich gleich auf den Webseiten, ob die Ärzte überhaupt ADHS behandeln. Um nicht bei einer Person zu landen, die ADHS sowieso nicht ernst nimmt.

4 WOchen für einen Notfalltermin finde ich krass. Ich hoffe ja ein bisschen, dass es vielleicht auch Psychiater gibt, die froh sind, dass die Diagnose bereits gestellt ist. Dass sie dann weniger “Arbeit” haben mit den Patienten.

@Nelumba_Nucifera: Danke dir für die Empfehlungen. Die Ärzteliste, gibt es die hier auch online oder nur per Post? Das wäre tatsächlich hilfreich.

Per Mail :sweat_smile:

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Bei mir lief es so. Ich war bei meiner Hausärztin und habe ihr mein Leid geklagt. Sie hat mir AD verschrieben (zur Stabilisierung) und hat mich ermutigt eine Diagnosrik durchzuführen. Außerdem hat sie ein Fax an eine Psychiatrische Praxis geschickt, die sollten mich kontaktieren, da Notfall (vorher war dort niemand telefonisch zu erreichen). Ich bekam den Anruf, machte einen Termin (Wartezeit 3 Monate). In der Zwischenzeit entschied ich mich die Diagnostik privat bei neomentix machen zu lassen. Mit der Diagnose wieder zu HÄ, sie hat alle erforderlichen Voruntersuchungen gemacht (EKG und Blutbild). So konnte ich zum ersten Termin in der psychiatrischen Praxis alles bereit mitbringen. Leider hatte ich Pech, die Psychiaterin hat keine Ahnung von ADHS und verschreibt auch keine BTM. Hat mich an andere Praxen verwiesen, wo ich wieder Probleme habe telefonisch durchzukommen.

Will sagen: Man kann Glück haben. Aber in den meisten Fällen geht es eher so in Ministeps weiter….

@Alleinseinkeit: Kingt mühsam. Aber du könntest dir auch Privatrezepte ausstellen lassen, dort, wo du diagnostiziert wurdest, oder?

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@Nelumba_Nucifera : Dann schreibe ich da mal eine Mail hin. Vielleicht gibt es ja in meiner Ecke entsprechende Ärzte, ich hoffe.

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Uns gibt es überall :laughing:

Und so ist das auch ganz oft. Die schauen meist über den Befund, den in aller Regel Psychotherapeutische Praxen erstellen und gucken halt, dass alles passt und verschreiben dann nur.

Mein erster Psychiater fand damals jediglich den Medikationsvorschlag vom Psychotherapeuten nicht passend und hat natürlich sein Ding gemacht . Das verstand der Psychotherapeut dann zwar nicht , aber das gab ansonsten weiter keine Probleme.

Mein neuer Psychiater hat die Akte und Übergabenotizen vom alten Psychiater bekommen. Es gab ein etwas längeres Anamnesegespräch wo er kurz die Medikation hinterfragte. Nachdem die Begründung für ihn stimmig war hat er alles genauso übernommen und weiter verschrieben.
Die Diagnose hat er nicht hinterfragt .

Danke für eure Antworten. Ich bin gespannt wie das bei mir sein wird. Und vor allem wie lange es insgesamt dauern wird mit Diagnostik und Arzt vor Ort finden etc.

Mein Plan ist ja private Online-Diagnostik und dort erstmal in der Anfangszeit bleiben zwecks Medikation und dann zu Arzt in der Nähe wechseln. Da stelle ich mich auf ein paar Monate Warteliste ein. Die ersten Absagen (keine Neupatienten) habe ich schon.