ADHS, Hashimoto, Hormonchaos und mein Traum vom Marathon

Hallo,
Ich hatte heute in einem anderen Thread geantwortet zu einer ähnlichen Thematik und wurde ermutig doch auch einen eigenen Thread aufzumachen. Vielleicht auch einfach nur, um etwas „Gehör“ zu bekommen… Vorsicht, könnte lang werden.

Meine ADHS Diagnose habe ich erst kürzlich im Alter von 46 Jahren erhalten und bin definitiv noch mit der Verarbeitung beschäftigt.
Bis vor 2-3 Jahren war ich noch überzeugt, dass ADHS absolut nichts mit mir zu tun haben könnte… heute ergibt vieles mehr Sinn.
Ende 2016 wurde bei mir Hashimoto festgestellt, als ich irgendwie fühlte, dass etwas nicht ganz stimmt. Zuvor hatte ich mit Intervallfasten knapp 20kg abgenommen und wunderte mich, dass ich eher müder als fitter war.
Ich bekam L-Thyroxin verschrieben. Die Dosis einzustellen war, aufgrund sporadisch sehr aktiver heißer Knoten, seit jeher nicht einfach. Die Schilddrüsen-Entzündungswerte sind ebenfalls seit 2016 deutlich erhöht (zwischen 500 und 600 lU/ml)… Kein Arzt hat das jemals mit mehr als „ist halt Hashimoto“ kommentiert, aber ist das ein Wert den man dann einfach akzeptiert!?

Anfang 2017 fing ich dann mit dem Laufen an… und ich habe mich noch nie so gut gefühlt! Laufen war nicht nur ein schönes Hobby. Für mich war es so, dass ich ein fehlendes Puzzelteil gefunden habe und das Laufen mich näher zu mir selbst brachte. Schnell kamen die ersten Wettkämpfe, Laufgruppen, ein Laufverein und es stellte sich heraus, dass ich zwar nicht unbedingt die schnellste bin, aber extreme Resilienz und Ausdauer habe (heute weiß ich: Natürlich hab ich die… wie hätte ich mich sonst über 40 Jahre durch mein Leben maskieren können…)
Es folgte der erste Halbmarathon, der erste Marathon, der erste Ultra… und der Trainerschein. Seit meiner aktiven Vereinsarbeit habe ich auch 2-3 „echte“ enge Freundschaften entwickelt, was mir vorher nur sehr selten und oft terminiert gelang.
Und auch in der Karriere gab ich Vollgas. Mein Job bzw meine persönliche Entwicklung ist insgesamt ein Hyperfokus-Thema mit dem ich mich auch sehr identifiziere. Ich entwickelte mich vom Generalisten, zum Business Partner, zum Manager und jetzt zum Director.
Viel laufen, viel reisen, viel arbeiten, viel Familienmanagement und ich habe es geliebt.
Natürlich ist das sehr anstrengend, aber ich fühlte immer sehr stark eine Balance.

Mein Leben lang kämpfe ich schon mit meinem Gewicht, dabei war Disziplin nie das Problem. Ich rauche nicht, trinke selten… erst heute begreife ich langsam, dass Essen mir zur Regulation dient. So lange ich viel lief, konnte ich aber eigentlich immer mein Gewicht halten.

Vor drei Jahren fing ich an mich immer weniger Leistungsfähig zu fühlen. Wieder dieses Gefühl von „irgendwas stimmt nicht“. Automatisch ließ ich die Schilddrüsenwerte checken… L-Thyroxin wurd evtl etwas angepasst… aber sonst „ist alles super“.
Das Laufen fiel immer schwerer… ich war gereizter, schneller erschöpft. Suchte mir einen neuen Endokrinologen. Dort wurde ein ganz großes Blutbild mit Hormonstatus gemacht. „Alles super, nur Prolaktin leicht erhöht, aber das kann schonmal sein“.
Nach dem Duschen lief mir plötzlich Milch aus… fast surreal.
Drei Monate später Prolaktin immernoch erhöht… besser mal ein MRT.
Ende 2024 Diagnose Microadenom in der Hypophyse. Ich bekomme Cabergolin… damit geht es mir nicht so richtig gut. Also wieder zum Endo.
Der behandelnde Endo war in der Zwischenzeit ersetzt worden… leider nicht positiv. Ich solle Cabergolin noch einmal langsamer einschleichen.
Meine Leistungsfähigkeit nahm weiter ab. Über 2023 kämpfte ich mich noch bis zu ein zwei Halbmarathons, aber es war nur noch ein Krampf… der Spaß war weg… und ich nahm schleichend an Gewicht zu. Keto-Ernährung, Fasten, Kcal-zählen, WW… mein Körper hält an jedem Pfund fest. Weniger Laufen, weniger Freude, mehr Gewicht, mehr Unwohlsein.

Bei der Kontrolle im Mai weiterhin leicht erhöhtes Prolaktin (45.7 ng/ml), Schilddrüse TSH 3,97, FT3 2,01 (2,00-4,40), FT4 0,99 (0,92-1,68). Weiter Cabergolin nehmen und LThyroxin leicht erhöhen (jetzt 125mg), aber sonst ist „alles fein“. Als ich sage, dass immernoch etwas Milch kommt und es mir einfach nicht gut geht, sagt er „was sagt denn Ihre Gyn dazu!?“… naja, die hatte es zur Kenntnis genommen, sagte bei dem geringen Wert wäre es ja eigentlich alles kein Problem…

Mittlerweile war ich seit Wochen nicht mehr laufen.. vor allem, weil mein Gewicht nun so hoch ist, dass das gar nicht mehr funktioniert. Ich habe mich zum einen noch niemals so unwohl gefühlt, zum anderen fühlt es sich aber auch noch immer so an, als würde etwas nicht stimmen.
Ich wache regelmäßig mit stark geschwollenen Händen auf, oftmals auch geschwollene Lider.
Seit ein paar Monaten schwellen mir am Ende des Tages oft die Füße und Knöchel an. In der kürzlich durchlebten Hitzeperiode waren meine Knöchel quasi weg. Das bilde ich mir doch nicht alles ein!?

Und nun blieb auch zum ersten Mal meine Periode länger aus.
Bislang war ich frustriert über sehr kurze (21 Tage) aber regelmäßige Zyklen… nun erntete ich ein „Die Wechseljahre lassen grüßen“, bekam etwas Progesteron verschrieben und habe die Periode aus der Hölle nach 65 Tagen… aber sonst alles gut…NICHT

Ich fühle mich manchmal wie in Trauer, wenn ich ans Laufen denke, oder meine Sportfreunde anfeuere.
Aber ich frage mich: Ist es denn zu viel verlangt, dass die Ärzte auch mal „das Ganze“ sehen… MICH sehen? Gyn checkt Zyklus, Endo checkt Schilddrüse aber keine checkt das Gesamtbild.

Zu erwähnen: Ich bin jetzt am zweiten Tag der Eingewöhnung mit Medikinet adult. Soll morgens 10mg nehmen, aber nur Mo-Fr. und in vier Wochen Kontrolle. Ich war sehr dankbar überhaupt einen Psychiatertermin zu bekommen. Der Doc war cool, erwähnte von sich aus, dass in der zweiten Zyklushälfte ggf. höherdosiert werden muss… erwähnte aber weder etwas bezüglich Koffein, noch weiß ich wie ich mit dem Mo-Fr umgehen soll. Naja, der Folgetermin ist ja nicht mehr weit.

Mein Problem: Ja, ich habe viel um die Ohren, ja das kann stressig sein, aber NEIN ich habe keine Depressionen und ich möchte wirklich alles tun, um wieder laufen zu können. Es muss ja nicht direkt wieder Marathon sein… aber irgendwann schon. Die Realität ist aber, dass ich mittlerweile adipös bin und die Pfunde auch nicht loswerde… durchaus auch, weil ich aus der Balance geraten bin.
Danke an alle, die sich durch diesen langen Text kämpfen! Ich freue mich über Impulse und Tipps, aber auch darüber das einmal so loswerden zu können.

Vor ca drei Jahr fing

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Nein, denn da ist ja etwas los im Körper und dem wird nachgegangen bzw auf den Grund.

Die Werte, hm, ich finde die schon grenzwertig. Der oft überschätzte TSH an der oberen Grenze, dafür fT3 & fT4 an der unteren, dazu dein Unwohlsein.

Das passt doch irgendwie nicht. Was sagt denn das Sono, Antikörper etc?

Prolaktin, da könnte wohl auch deine noch nicht so passende Einstellung dran liegen. Zumindest taucht die Unterfunktion häufig auf, im Zusammenhang mit erhöhten Prolaktinwerten.

Haben die bei der OP alles erwischt, oder könnte sich da noch Rest versteckt haben?

OK, es gilt, was der Arzt sagt, zumal ich auch ein anderes Medi nehme, aber nur von Mo-Fr, am Wochenende bist du frei, da macht dein ADHS Pause? Ich überlege nur laut, zumal wenn du gerade erst in der Phase der Dosisfindung bist.

Stress tauchte auch als ungünstig auf, bei den Erklärungen zu Prolaktin, aber der ist ja ohnehin selten hilfreich.

Es tut mir leid, das ich dir kein Aha Ergebnis bescheren kann, du brauchst wirklich eine ärztliche Begleitung, die alle losen Fäden zusammen fügt.

Ich habe in meinen, zugegeben älteren Papieren geschaut, aber die oberen Werte werden auch heute noch alle sechs Monate bestimmt.

Was die Spekulationsmasse angeht, ich habe auch sehr gekämpft. Ich habe mir einen Sportmediziner gegönnt, für eine Atemgasanalyse.

Das war ganz hilfreich, gerade fürs abnehmen. Mein Grundumsatz war zB um einiges niedriger, als selbst der Mediziner vorausgesagt hatte.

Nur ein Kalorien Defizit brachte mir auch nichts, obwohl ich alles gezählt habe. Ich brauchte die Kombi, Defizit & Bewegung.

Mühsam, wirklich mühsam, dazu auch langsam, also von der Strecke her definitiv ein Marathon.

Bleib dran und hartnäckig, für dich und besonders bei den Ärzten.

Recherchier soviel wie du findest und dann ergeben sich Fragen, die dir gefälligst beantwortet werden müssen, da gibt es kein abwimmeln.

Alles Gute
:people_hugging:
:four_leaf_clover:

Der Arzt, bei dem ich früher wegen Hashimoto war, sagte, man soll L-Thyroxin erhöhen, bis der TSH unter 1 liegt.

Bei der Hormonersatztherapie wäre wichtig, dass du ggf. auch Östrogen (Östradiol) bekommst, nicht nur Progesteron, und mache es nicht nach der Rimkus-Methode, sondern nach den Leitlinien. Mir geht es besser mit zwei Hüben Dosiergel mit Östradiol und 200mg „Famenita“ abends.

Was Sport betrifft: wenn du wegen dem Gewicht gerade nicht joggen kannst, vielleicht kannst du alternativ Nordic Walking o.ä. machen, um langsam wieder reinzukommen?

Mein Gewicht macht auch, was es will, und es will immer nur nach oben, der Körper gibt nichts wieder her, was er mal hat. Aber mit einem gut eingestellten Hashimoto kann man es wenigstens ein bisschen begrenzen, meiner Erfahrung nach. Abnehmen ist dann immer noch schwierig, wobei ich noch ein Disziplin-Problem habe, du ja nicht.

Schnelles gehen ist optimal, sieht dann nicht mal merkwürdig aus im verlgeich zu NW.

Ich bin keine Ärztin und nichtmal von Hashimoto betroffen. Allerdings möchte ich dir gerne einen Tip für eine Serien-Reihe geben und zwar „die Ernährungdocs“ Da stellen sich immer unterschiedlich Personen mit den Unterschiedlichsten Erkrankungen vor. Hashimoto war auch schon dabei. Die Personen werden dann von Ernährungsberatern begleitet und individuell Rezepte spezifisch für die jeweiligen Erkrankungen erstellt. Natürlich bekommt man dadurch eine Autoimmunerkrankung wie Hashimoto nicht weg, aber eine Besserung der Beschwerden und gerade eine Reduktion des Übergewichts, lässt sich damit schon erreichen. Übergewicht wird in der Sendung auch oft behandelt. Und online kannst du dir alle Rezepte und Lebensmittel listen, spezifisch für deinen Schwerpunkt bzw Erkrankung ausdrucken.

Gestern war ich nach Wochen zum ersten Mal auf der Waage… und es war schlimmer als befürchtet.
Ich habe wirklich keine Ahnung gerade, wie ich das schaffe… aber ich MUSS Gewicht verlieren. Das geht echt gar nicht.

Tatsächlich sagen sowohl Endokrinologe als auch Radiologe dass meine Schilddrüsenwerte ok sind… Ich habe aber auch seit der Hashimoto Diagnose nicht ein einziges Mal erlebt, dass Ärzte da auf mein Wohlbefinden achten, sondern stumpf auf den TSH.

Was eine Hormonersatztherapie angeht, habe ich in drei Wochen einen Termin bei einer neuen Frauenärztin gemacht und hoffe, dass sie vielleicht etwas näher hinsieht.

Gehen/Walken mache ich bereits… also eigentlich schon immer seit das mit dem Laufen nicht mehr klappt. Zweimal die Woche eine Stunde, eine längere Runde (1,5-2Std) am Wochenende und einmal die Woche eine Stunde Schwimmen. Ich versuche auch auf mindestens 10000 Schritte täglich zu kommen.
Zusätzlich habe ich mir vorgenommen mit Krafttraining zu beginnen… wenn ich mich überwinden kann in ein Fitness-Studio zu gehen…

Aber bislang geht das Gewicht einfach stetig bergauf… und ich habe immer wieder mit starken Ödemen zu tun, besonders jetzt wenn es so heiß ist.

Bzgl. der Ernährungsdocs habe ich schon echt viele der Beiträge dort gesehen und finde es immer wieder faszinierend… ABER: Ich befasse mich mit Ernährung, Nährstoffen, Diäten seit über 30 Jahren… es scheitert definitv nicht am Wissen… es gelingt mir nur nicht eine Methode zu finden, die in meinen stressigen Alltag passt und auch wirklich zu einem Gewichtsverlust führt.

Letztes Jahr habe ich 4 Monate lang die Abnehmspritze gespritzt… NULL Resultat auf der Waage, trotzt zusätzlichem Kcal-Tracking. Das kann doch echt nicht wahr sein… Seitdem sind jetzt noch einmal fast 10kg drauf. Ich könnte nur heulen.

Ein TSH von 3,97 ist aber doch nicht gut. Bei dem Wert wäre ich scheintot… Ich glaube, da musst du hartnäckig bleiben und den Ärzten auf die Zehen treten.

10.000 Schritte am Tag ist für mich extrem viel. Ich komme nur auf 5000 bis 6000 im Durchschnitt.

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Und das ist nun wirklich nur ein Wert von vielen, was ist, wenn die Umwandlung nicht klappt, die Verfügbarkeit nicht gegeben ist?

Dann hängst du weiter in den Seilen, aber der TSH sieht klasse aus, was für’n Mist.

Falls du noch Interesse und vor allem Kapazitäten hast, hier gäbe es Lesestoff und nicht irritieren lassen, von seltsamen allwissenden Usern.

Dort wirst du einige mit supprimiertem TSH finden, denen es erst dann gut geht, wenn sie aus dem Referenzbereich raus sind.

Schade, daß die freien Werte noch immer nicht die Beachtung gefunden haben, die sie verdienen.