ADHS? Oder doch was anderes? Meine Geschichte und Fragen

Hallo zusammen,

ich habe meinen vorigen Beitrag gelöscht, weil ich einfach nicht zufrieden damit war. Vielleicht gehört das sogar zu meinem Leiden dazu, ständig alles perfekt machen zu wollen… Vielen Dank an die beiden, die den vorigen Beitrag noch gelesen und mir Tipps gegeben haben. Das bestärkt mich, den Beitrag erneut und überarbeitet zu veröffentlichen.

Ich möchte mal meine Geschichte erzählen. Vielleicht erkennt sich ja jemand wieder oder hat Tipps für mich.

Ich bin 34 (m) und seit Ende 2025 in Behandlung bei meinem Hausarzt. Der erste Grund war der Verdacht auf Depressionen. Schon mein ganzes Leben leide ich unter Antriebslosigkeit und dem Gefühl, faul zu sein und nichts auf die Reihe zu bekommen. Besonders bewusst wurde mir das, als ich zum zweiten Mal eine Klasse wiederholen musste.

Mit den Jahren, besonders jetzt mit mehr familiärer Verantwortung, wird dieses Gefühl immer stärker. Dazu kommen häufige Angstzustände, in denen ich mich in Gedanken verliere und tagelang über ein einziges Thema nachdenke. Ich bin kein sozialer Mensch und gehe sozialen Situationen aus dem Weg. Familienfeiern oder andere Soziale Veranstaltungen sind mein Endgegner, ich brauche sehr viel Überwindung dafür und am Ende brauche ich gefühlt einen Tag, um mein Stresslevel wieder runterzufahren. Das alles führt bei mir zu extremem Stress.

Ich bin dann zu meinem Hausarzt gegangen und habe ihm erklärt, wie es mir geht. Nach einem sehr langen Gespräch, das ich bei einem Hausarzt nicht erwartet hätte, fragte er mich nach meinen schulischen Leistungen. In meinen Zeugnissen stand unter den schlechten Noten oft: „Er war stets bemüht.“ Daraufhin hat er mit mir einen Test gemacht und den Verdacht auf ADHS geäußert. Wir haben lange darüber gesprochen, wie es in meinem Kopf aussieht und wie meine Gedanken ablaufen. Das war der Punkt, an dem ich nicht mehr wusste, wie ich das alles einordnen sollte.

Ich habe schon immer viele Gedanken im Kopf, auch schon in der Schule. Mal mehr, mal weniger. Meine Mutter hat mir erzählt, dass ich im Kindergarten oft verträumt war und lieber allein in einer Ecke gespielt habe. In der Schule habe ich versucht, im Unterricht aufzupassen, aber mein Kopf wollte sich einfach auf andere Dinge konzentrieren. Ich habe kaum jemals wirklich zugehört, außer in Erdkunde und Geschichte, das war mein Ding. Dieses Muster zieht sich durch mein ganzes Leben: Ich fange Sachen an, aber beende sie nicht. Das belastet mich sehr, weil ich das Gefühl habe, immer wieder von vorne anfangen zu müssen. Ich habe komische Ticks: Ich muss alles mehrmals anfassen, nach einem bestimmten Schema. Wenn ich das nicht mache, denke ich mir Sachen aus, die passieren könnten, wenn ich es nicht richtig mache. Zum Beispiel muss ich meine Schuhe immer gerade hinstellen. Wenn ich das nicht mache, passiert was Schlimmes. Das stresst total, besonders wenn man einen Termin hat und erstmal die Schuhe richtig hinstellen muss… Dazu kommen noch andere Dinge die es mir nicht leicht im Leben machen aber das würde hier glaube ich den Rahmen sprengen.

Ich bin nicht wirklich schlau oder habe Begabungen. Wahrscheinlich, weil ich in der Schule nie richtig aufgepasst habe. Allgemein habe ich eigentlich keine Hobbys, was mir letztens erst richtig aufgefallen ist. Ich muss mich immer extrem anstrengen, wenn ich zum Beispiel auf der Arbeit Aufgaben bekomme, die anspruchsvoller sind. Ich schiebe das meistens bis zum Geht-nicht-mehr auf und habe dann eine sehr kurze Zeit, um die Aufgabe umzusetzen, dann klappt es meistens.

Trotz allem habe ich eine Ausbildung abgeschlossen, nachdem ich die erste abgebrochen hatte. Jetzt, mit 34, habe ich einen Job und eine Familie, aber immer wieder das Gefühl, im Leben nichts zu schaffen. Das fängt bei kleinen Dingen im Haushalt an und hört bei großen Projekten auf der Arbeit auf. Ich bin vergesslich, gehe in einen Raum und weiß nicht mehr, was ich wollte. Manchmal kommt es direkt wieder, manchmal fällt es mir erst nach Stunden oder Tagen wieder ein. Wenn mich etwas interessiert, bin ich voll dabei, wenn nicht, lasse ich es fallen.

Ende 2025 war ich also mehrmals beim Arzt, weil ich einfach nicht mehr klargekommen bin. Er verschrieb mir Bupropion (150 mg), weil wir dachten, die Depressionen wären stärker. Die ersten 5-6 Wochen half es, aber leider hat es dann wieder nachgelassen. Ich ging erneut zu meinem Hausarzt, und wir hatten wieder ein sehr langes Gespräch. Er machte mit mir einen DIVA-5 Test. Soweit ich mich erinnere, waren alle Punkte voll ausgeprägt, inklusive der Angstzustände, die sich noch verstärkt hatten.

Mein Hausarzt kann keine klare Diagnose stellen, zum Beispiel für ADHS. Natürlich sind seine Begründungen irgendwo richtig, und es kann ja auch stimmen, aber: Was habe ich wirklich? Ich weiß, dass ein Hausarzt keine offizielle Diagnose stellen kann, aber er hat sich sehr bemüht, mir zu helfen, und ich bin ihm dankbar dafür. Erst wegen seiner Vermutung traue ich mich das hier überhaupt zu schreiben!

Ich habe nach dem letzten Besuch beim Arzt mit meiner Mutter telefoniert, und sie erzählte mir, dass bei ihr im Kindesalter eine Autismus-Spektrum-Störung festgestellt wurde. Später, mit etwa 30 Jahren, kam die ADHS-Diagnose. Beides wurde nie richtig behandelt. Sie meinte auch, dass meine Oma (ihre Mutter) ebenfalls ADHS hatte, aber das nie behandelt wurde. Meine Mutter ist nie auf die Idee gekommen, dass ich das auch haben könnte, besonders weil ich immer sehr still war und sie dachte, ADHS sei etwas, das sich durch Lärm und Hyperaktivität äußert, zumindest bei Jungs. Mein Bruder hat übrigens ähnliche Probleme wie ich.

Das würde zwar einiges erklären, aber ich bin hin- und hergerissen. Was stimmt mit mir nicht? Aktuell versuche ich, die Schwere meiner Probleme zu ermitteln.

Bin ich wirklich so vergesslich?

Habe ich wirklich so viele Gedanken im Kopf?

Ist es wirklich so schlimm, dass ich mich nicht oder nur schwer konzentrieren kann?

Hält es mich wirklich davon ab, dass ich immer wieder Sachen anfange oder Dinge kaufe, die ich danach nicht mehr beachte?

Ich weiß, dass ich einen Facharzt brauche, aber leider haben alle, die ich angerufen habe, keine freien Termine mehr in diesem Jahr. Ich hänge gerade echt in der Luft.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder Tipps, wie ich damit umgehen kann? Kann man aus meinem Beitrag etwas herauslesen? Ich weiß, dass mir das keine Diagnose gibt, aber vielleicht ein besseres Gefühl. Ich wäre sehr dankbar für eure Meinungen und Ratschläge :slightly_smiling_face:

Vielen Dank im Voraus!

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Mache Selbsttests druck es aus!

Suche dir einen Psychiater, dein Hausarzt bringt nicht und wird nichts bewirken können, da die meisten Teststellen/Testärzte wenn überhaupt auf eine FACHARZTÜBERWEISUNG bestehen weil sie so überlaufen wrtden.

Und überall wo du Termine und wenn nur für die Warteliste vereinbaren kannst machen!

Absagen kann man immer, aber erst dann wenn du definitiv ein Testergebnis in Händen hälst mit dem du dich identifizierst sonst sagst du Termine ab und möchtest dann eine neje Testung weil die Testung und das Ergebnis aus deiner Sicht dann nicht passen und allen anderen Tests widersprechen.

Du brauchst so oder so auch für Stimulanzien einen Psychiater der verordnen darf und Fachärzte können andere Dringlichkeitscodes und andere Kollegen anders kontaktieren und ggf. andere Wartezeiten für Testungen vermitteln zu können oder ggf. auch noch Hwischenwege bieten zu können. Ohne Facharzt kommst du eh schwer weiter und je länger du wartest desto wahrscheinlicher wird die Wartezeit wachsen, denn es werden auch immer weniger spezialisierte Ärzte je nach Stadt und Region selbst wenn du Selbstzahlertests machst brauchst du einen Psychiater der die bereit wäre anzuerkennen wenn du dann die Medikamente nicht such komplett selber zahlen willst. Nicht jeder Arzt erkennt jede Testung/ Teststelle an, daher unbedingt einen später behandelnden Psychiater fragen ob er Teststelle xy anerkennt/akzeptiert bevor du eine Testung bezahlst sonst kommt dann das blöde Erwachen wenn diese Testung dann nicht akzeptiert wird

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Hallo @MoeVyr und herzlich willkommen,

ein großes Lob an deinen Hausarzt! Es liest sich alles sehr nach ADHS an.

An eine Diagnose wirst du (privat bezahlt, alles Andere nur mit viel Glück oder langer Wartezeit) kommen, die Frage ist die anschließende Behandlung.

Ist das

ein Tippfehler? Meinst du eher mit 10 oder mit 13 Jahren? Und falls es so war, ist es rückblickend traurig, dass dem nicht weiter nachgegangen wurde.

Hat deine Mutter noch Unterlagen?

(Aber falls die 30 doch stimmt, hast du ja alles was du brauchst, das wäre nur vier Jahre her.)

Wie schön, dass du eine Familie hast. Manche suchen erst Rat, wenn Ehe oder Job gescheitert sind. Ich hatte allerdings auch sehr viel Glück, meine Diagnose bekam ich mit 37; ich bin jetzt 60 und habe immer noch dieselbe Frau und dieselbe Arbeit.

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Er redet von seiner Mutter. Sie hat mit 30 die Diagnose ADHS erhalten. Und als Kind schon ASS.

So habe ich das zumindest verstanden :wink:

Herzlich Willkommen @MoeVyr :slightly_smiling_face:

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Oh! Danke, @Pippilotta !

Dann habe ich jetzt keinen Zweifel mehr, dass @MoeVyr es auch hat.

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Ich finde du hast richtig viel geschafft, trotz deiner Herausforderungen und darauf kannst du Stolz sein. :+1:

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Hallo, wie geht es dir? Wir bauen gerade eine AuDHD Selbsthilfegruppe auf, falls du Bock hast lade ich dich ein. :+1:

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Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank für die Antworten und die Tipps von euch! Ich habe ein wenig gewartet, bis ich mir die Antworten angeschaut habe, weil ich mir immer unsicher bin, was ich dann schreiben soll​:sweat_smile:. In der Zwischenzeit habe ich weiter telefoniert und versucht, mich auf Wartelisten setzen zu lassen, leider wieder ohne Erfolg.

Das war jetzt alles in meiner Umgebung, und ich befürchte, dass ich den Suchradius weiter ausbreiten muss und mehr in Richtung Stadt suchen muss. Ich habe da leider immer ein Problem mit, weil Städte für mich die Hölle sind… aber ich glaube, da muss ich durch, es wird ja nicht besser.

Ich habe mich außerdem weiter hier im Forum umgesehen und bin dank einer privaten Nachricht auf die Tests aufmerksam gemacht worden. Ich habe mir mal die Zeit genommen und wirklich alle Tests gemacht. Sehr interessant alles! Die Ergebnisse einiger Tests haben mich zwar nicht überrascht, aber es war trotzdem sehr spannend.

Ich habe noch ein paar Optionen, wie ich weiter mache. Die werde ich jetzt alle nacheinander abarbeiten, vielleicht geht es dann ja voran :slightly_smiling_face:.

Ich bin eigentlich nie der Typ, der etwas schreibt, auch nicht in Foren, aber hier scheint es eine echt familiäre Umgebung zu sein. Viele wollen helfen, und das ist sehr beeindruckend! Ich werde ab und zu mal wieder reingucken, und wer weiß, vielleicht habe ich dann auch mal Positives zu berichten :sweat_smile:.

Nochmals vielen Dank an euch und eure freundlichen und hilfreichen Nachrichten!

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