Liebes Forum,
Ich lese oft still bei euch mit, weil mich als nicht ADHS-Betroffene interessiert, wie es ADHS-Betroffenen geht, wo ihre Schwierigkeiten und Probleme liegen, einfach wie euer Alltag ist. Das mache ich, weil unser Sohn (13) mit ADHS diagnostiziert wurde und wir sonst keine Kontakte zu ADHSlern haben. Manches können wir dadurch besser verstehen oder sehen auch, dass es anderen so ähnlich geht.
Nun, die Pubertät schlägt anscheinend voll zu, dazu kommt noch, dass unser Sohn jetzt in den Ferien keine Medikamente nimmt, da er sonst zu wenig isst und in das Untergewicht rutschen würde.
Anlass ist, dass er gestern im Garten regelrecht gewütet hat, mit dem Beil von einer Kiefer ein ca. 1m x 30cm großes Stück Rinde abgeschlagen hat, in zwei andere Bäume in die Rinde gehauen hat und die Äste von einem weiteren Baum beschädigt hat. Und zwar weil es ihm gerade so eingefallen ist. Weder aus Frust noch aus Spaß, sagt er, einfach so. Wir sind total entsetzt, besonders mein Mann ist getroffen, weil er dort aufgewachsen ist und den Garten hegt und pflegt und alles in Ordnung hält.
Was unserem Sohn gerade einfällt, muss er sofort machen, selbst mit Medikamenten hat er das kaum im Griff. Dabei ist er gut eingestellt, wir werden auch gut begleitet, er geht schon seit mehreren Jahren zu einer Psychotherapeutin und er hat in einigen Bereichen schon Fortschritte machen können.
Aber ganz schwer wiegt seine Unlust zu allem, was ihn nicht interessiert und seine mangelnde Selbstkontrolle. In der Schule sind seine Leistungen stark zurückgegangen, weil er nicht aufpasst, sich nichts aufschreibt, nirgends richtig Bescheid weiß und sich nicht kümmert. Was eigentlich gemacht werden muss, wird nicht gemacht oder so liederlich, dass es über Grundschulniveau nicht hinausgeht. Die Anforderungen in der 7. und jetzt bald 8. Klasse sind natürlich wesentlich höher. Wenn man ihn fragt, warum er nichts macht, heißt es, er hat keine Lust. Natürlich sind wir hinterher, ich lerne mit ihm, schaue nach den Hausaufgaben, aber wir haben nicht den Überblick, was überhaupt auf ist, weil er ja kaum etwas aufschreibt. Die Schule stellt das auch nicht online zur Verfügung. Er macht lieber das, worauf er gerade Lust hat. Das geht aber so nicht, es gibt so vieles, was man im täglichen Leben machen muss und das muss er einfach lernen. Hilfen, wie Gedächtnisstützen, Zettel mit Erinnerungen, die ich ihm schreibe (und ich achte schon darauf, dass die übersichtlich sind), sind zwar da, aber die liest er nicht. Digitale Erinnerungen über Kalenderfunktionen auch nicht. Wenn er die Hilfen nicht annimmt, was sollen wir dann machen? Das muss schon von ihm selber kommen und er muss die Einsicht haben. Aber ich glaube, die hat er nicht. Und so würde er am liebsten in den Tag hineinleben, aber es kann doch nicht immer einer neben ihm stehen, der antreibt und aufpasst.
Aber seine Zerstörungswut in unserem Garten wiegt schwer und ich fürchte, dass in uns als Eltern damit jetzt ein schwerer Einschnitt passiert ist, gerade mein Mann kann das kaum verkraften. Natürlich fragen wir uns, wie es jetzt weiter gehen soll, weil wir bei unserem Sohn nicht merken, dass er sich wenigstens bemüht. Ist das Verhalten bei ADHS wirklich so impulsiv, dass man selbst solche Handlungen nicht kontrollieren kann? Unser Sohn könnte die Situation, wenn er das bei anderen sehen würde, sehr gut einschätzen und weiß, was richtig und was falsch ist. Aber selber macht er es trotzdem. Habt ihr Hilfen oder Ideen, was wir noch machen können?
Liebe Grüße
Sonnenstrahl