ADHS - Pubertät - oder beides oder doch noch etwas anderes?

Liebes Forum,

Ich lese oft still bei euch mit, weil mich als nicht ADHS-Betroffene interessiert, wie es ADHS-Betroffenen geht, wo ihre Schwierigkeiten und Probleme liegen, einfach wie euer Alltag ist. Das mache ich, weil unser Sohn (13) mit ADHS diagnostiziert wurde und wir sonst keine Kontakte zu ADHSlern haben. Manches können wir dadurch besser verstehen oder sehen auch, dass es anderen so ähnlich geht.

Nun, die Pubertät schlägt anscheinend voll zu, dazu kommt noch, dass unser Sohn jetzt in den Ferien keine Medikamente nimmt, da er sonst zu wenig isst und in das Untergewicht rutschen würde.

Anlass ist, dass er gestern im Garten regelrecht gewütet hat, mit dem Beil von einer Kiefer ein ca. 1m x 30cm großes Stück Rinde abgeschlagen hat, in zwei andere Bäume in die Rinde gehauen hat und die Äste von einem weiteren Baum beschädigt hat. Und zwar weil es ihm gerade so eingefallen ist. Weder aus Frust noch aus Spaß, sagt er, einfach so. Wir sind total entsetzt, besonders mein Mann ist getroffen, weil er dort aufgewachsen ist und den Garten hegt und pflegt und alles in Ordnung hält.

Was unserem Sohn gerade einfällt, muss er sofort machen, selbst mit Medikamenten hat er das kaum im Griff. Dabei ist er gut eingestellt, wir werden auch gut begleitet, er geht schon seit mehreren Jahren zu einer Psychotherapeutin und er hat in einigen Bereichen schon Fortschritte machen können.
Aber ganz schwer wiegt seine Unlust zu allem, was ihn nicht interessiert und seine mangelnde Selbstkontrolle. In der Schule sind seine Leistungen stark zurückgegangen, weil er nicht aufpasst, sich nichts aufschreibt, nirgends richtig Bescheid weiß und sich nicht kümmert. Was eigentlich gemacht werden muss, wird nicht gemacht oder so liederlich, dass es über Grundschulniveau nicht hinausgeht. Die Anforderungen in der 7. und jetzt bald 8. Klasse sind natürlich wesentlich höher. Wenn man ihn fragt, warum er nichts macht, heißt es, er hat keine Lust. Natürlich sind wir hinterher, ich lerne mit ihm, schaue nach den Hausaufgaben, aber wir haben nicht den Überblick, was überhaupt auf ist, weil er ja kaum etwas aufschreibt. Die Schule stellt das auch nicht online zur Verfügung. Er macht lieber das, worauf er gerade Lust hat. Das geht aber so nicht, es gibt so vieles, was man im täglichen Leben machen muss und das muss er einfach lernen. Hilfen, wie Gedächtnisstützen, Zettel mit Erinnerungen, die ich ihm schreibe (und ich achte schon darauf, dass die übersichtlich sind), sind zwar da, aber die liest er nicht. Digitale Erinnerungen über Kalenderfunktionen auch nicht. Wenn er die Hilfen nicht annimmt, was sollen wir dann machen? Das muss schon von ihm selber kommen und er muss die Einsicht haben. Aber ich glaube, die hat er nicht. Und so würde er am liebsten in den Tag hineinleben, aber es kann doch nicht immer einer neben ihm stehen, der antreibt und aufpasst.

Aber seine Zerstörungswut in unserem Garten wiegt schwer und ich fürchte, dass in uns als Eltern damit jetzt ein schwerer Einschnitt passiert ist, gerade mein Mann kann das kaum verkraften. Natürlich fragen wir uns, wie es jetzt weiter gehen soll, weil wir bei unserem Sohn nicht merken, dass er sich wenigstens bemüht. Ist das Verhalten bei ADHS wirklich so impulsiv, dass man selbst solche Handlungen nicht kontrollieren kann? Unser Sohn könnte die Situation, wenn er das bei anderen sehen würde, sehr gut einschätzen und weiß, was richtig und was falsch ist. Aber selber macht er es trotzdem. Habt ihr Hilfen oder Ideen, was wir noch machen können?

Liebe Grüße
Sonnenstrahl

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:adxs_wink:

Den ersten Teil würde ich anzweifeln wollen, wenn man sich die auf den obigen Satz folgende Geschichte durchliest.

Seit wann nimmt er Medikamente und welche wurden bisher ausprobiert?

Gab es während der Eindosierung auch mal Phasen, in denen es eine wirkliche Verbesserung gebracht hat?

Welches Medikament und welche Dosis zu welchen Uhrzeiten nimmt er aktuell?

Wie viele Tage wurde es jetzt Ferien bedingt schon ausgelassen und hat sich die Lage seitdem deutlich verschlechtert, oder ist sie eher unverändert?

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Hallo SneedleDeeDoo,

Medikamente nimmt er seit gut 4 Jahren. Wir haben mit Medikinet angefangen, aber weil der Rebound mit höherer Dosis so stark war, dass er komplett außer Kontrolle geriet, wechselten wir zu Kinecteen. Das nimmt er seit 3 Jahren. Damit hat es gut geklappt, aktuell ist er bei 54 mg, die er während der Schulzeit morgens gegen 06:30 Uhr einnimmt. Selbst am Abend, wenn die Wirkung schon nicht mehr da ist, reagiert er trotzdem relativ ausgeglichen, je nach Anforderung am Tag.

Verbesserung bringt Kinecteen auf jeden Fall, ohne wäre er wahrscheinlich kaum beschulbar - das muss ich leider so sagen. Bisher hat er sich trotz seiner Unlust in der Schule irgendwie durchgemogelt, es ging halt, weil er sich durch das Medikament besser konzentrieren und besser anpassen kann. Auf 54mg mussten wir vor einem dreiviertel Jahr erhöhen, weil wir negative Rückmeldungen aus der Schule erhielten. Mit 54 mg ging es wieder besser, seine Klassenlehrerin sagte, dass es keine Beschwerden mehr gibt.

Aber trotzdem bleibt seine Unlust und diese Zerstörung. Natürlich weiß keiner, ob das nicht passiert wäre, wenn er während der Ferien Kinecteen nehmen würde. Aber jetzt, da er älter geworden ist, ist er ohne Medikament schwieriger. Er verweigert sich oft bei den einfachsten Dingen und sagt das auch offen.

Und ohne Kinecteen ist er akuell seit zwei Wochen.

Hi Sonnenstrahl,

Ich bin leider nicht fachlich versiert genug dazu um zu sagen was davon ADHS und was „normale“ Pubertät ist. Ich kenne aber die Situation besonders in den Ferien, wo man nicht ausgelastet ist, äußere Strukturen wegfallen, sich Langeweile aufbaut,… in denen ich selber früher auch oft auf sehr dumme Ideen gekommen bin und die dann relativ schnell und Impulsiv umgesetzt habe, oft zum Bedauern meiner Eltern. Ich kann nur ein paar Ideen liefern, die mir, besonders in den Ferien oft geholfen haben.

Vielleicht wäre es eine Idee eurem Sohn ein Projekt anzubieten, dass er über die Ferienzeit machen kann. Oder auch mehrere, damit man nicht so an ein Projekt gebunden ist und eine Auswahl hat. Je nach Interessen könnte es etwas kreatives, handwerkliches, musikalischer,… sein.
Zum Beispiel aus alten Europaletten ein Sofa oder eine Gartencouch bauen, da kann man werkeln, gestalten und hat am Ende sogar etwas, was bleibt. Oder das Zimmer neu gestalten, mit Bildern, neuer Wandfarbe,… Falls er ein Instrument spielt, könnte er sich Stücke von seiner Lieblingsband/-film/-videospiel zum Üben raussuchen.
Eventuell gibt es auch Sachen, wo er sich Austoben kann, oder die ihm eine Aufgabe und Struktur geben, mit denen er den Garten unterstützen kann (z.B. ein Hochbeet).

Mir hat sowas immer die Langweile und den Drang zu „dummen Taten“ geraubt, ich weiß aber auch, dass das nicht für jeden klappt und es bedarf natürlich, gerade am Anfang, auch einiges an Aufmerksamkeit und Planung der Eltern.

Ich hoffe ihr findet einen Weg der für euch klappt und wünsche alles Gute!!

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Wer sagt denn bitte, daß er gut eingestellt ist?

Das mit der macht was er will, ist nicht bei der Sache, Zerstören einfach so einfallen etc. klingt eher wie eine unbehandelte Adhs für mich und vor den Medikamenten konnte mir sowas in Worten oder im Aufhängen an Kindlichkeiten passieren.

Wann wurden die Medikamente das letzte man angepaßt?
Welche Medikamente nimmt er?

Da er Medikamente bekommt bleibt nur für mich der Schluß, das die nicht passen/ nicht mehr passen und das ist egal ob es am Wachstum, der Entwicklung, der Verschlimmerung der Adhs, was ja durch die Medikamente eher unbemerkt passieren konnte ind dann leider irgendwann den Punkt haben kann wie bei euch jetzt wo ihr sagt, daß es zu viel ist und so nicht weiter gehen kann.

Es kann ja auch sein, daß durch Entwicklung das Medikament nicht mehr passt, warum auch immer und was sich in einem Körper so verändert hat, ob das Enzyme, andere Stoffwechselprozessrn sind etc.

So könnte es an der Retardierung bspw
liegen Ritalin und Medikinet haben die gleiche Wirkstoffbasis aber verschiedene Retardierungsprinzipien und wirken damit teils bei einzelnen, auch bei mir, als hätte man ein Medikament mit einem böllig anderen Wirstoff bekommen, bei Medikinet könnte es sein, daß das Essen vor der Einnahme nicht mehr das richtige oder ausreichend genug ist und somit sich die Freisetzung beschleunigt hat von der verzögerten Freisetzung und ggf. bei zweiter Dosis nichts oder sehr unzureichend dazu gegessen wird.

Es gibt immer viele Faktoren, die such eine Medikamenteneinnahme und der damit verbundenen Freisetzung negativ beeinflussen können so auch z.B. Magenschutzmittel und Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol ä, Pantoprazol, Esomeprazol etc.

Vielleicht schaut ihr mal darauf, was sich ggf gesamt verändert hat

Also Unterforderung wäre eine Möglichkeit. Unser Sohn hat nichts zu tun und kommt auf dumme Ideen und dann noch auf sowas Schlimmes. Er hat aber auch so gar keinen Antrieb, ein Projekt umzusetzen. Erstmal hat er keine Ideen, und wenn wir ihm etwas vorschlagen, gefällt ihm das nicht. Oder es gefällt ihm und dann muss einer dabei sein, damit er das auch umsetzt. Und wenn er eigene Ideen hat, dann kann man das kaum umsetzen, weil wir dafür ein Labor einrichten müssten. Und aktuell muss mein Mann arbeiten und ich auch. Aber dinosaur, du hattest gute Ideen - danke, das lasse ich mir mal durch den Kopf gehen.

Und Kathy, dass sich der Stoffwechsel ändert und damit das Medikament nicht mehr passt, ist ein guter Hinweis. Nur aktuell nimmt er ja wegen der Ferien keins, ist also tatsächlich unbehandelt.

Aber trotzdem stört uns diese Gewaltbereitschaft. Anscheinend hat er das gemacht, nur um sich auszuprobieren, das vermute ich mal. Jetzt nach dem das passiert ist, tut ihm das schon leid. Aber er muss es schaffen, so einen Gedanken gar nicht erst in die Tat umzusetzen. So schlimm mussten wir noch nicht mal aufpassen, als er noch klein war.

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Ja, klar, aber anstatt auf euren Sohn sauer zu sein, tut bitte ihm und euch den Gefallen , dass er medikamentös abgedeckt ist, und zwar mit ausreichender Dosis, von morgens bis abends, an allen Wochentagen und auch in den Ferien!

Er ist impulsiv, das wird jetzt noch verstärkt durch die Pubertät, und ich bin sicher, er hat nicht bewusst die Absicht, euch zu ärgern. Es ist scheiße, seinen Impulsen so sehr ausgesetzt zu sein, auchfürihn selbst, und Gott sei Dank gibt es heute Stimulanzien, unsere Eltern und Großeltern mussten noch ohne diese Hilfe auskommen und wurden alkohokrank, begingen Suizid oder überfielen Nachbarländer. Okay, der letzte halbe Satz war nur halb ernst.

Ja, MPH mindert den Appetit. Guckt doch mal, ob euer Sohn morgens oder spätabends nicht doch eine Menge reinbekommt. Man kann Bratkartoffeln oder Pizza oder was auch immer er wirklich gerne mag, auch um 7 Uhr oder um 22 Uhr zubereiten. Das ist aufwändig, aber den Garten neu bepflanzen macht auch Stress.

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Ich habe auch schon darüber nachgedacht, dass er in den Ferien doch Medikamente nehmen sollte. Während der letzten 2mal Ferien ist mir schon aufgefallen, dass er nicht mehr so wie sonst in den Ferien war, schwieriger, impulsiver. Das gab es früher nicht.
Die Esserei ist halt ein großes Problem, er isst mit Medikamenten sehr schlecht und holt eben auch am Abend, wenn er Hunger haben müsste, kaum etwas nach. Unser Sohn bekommt schon Nahrungsergänzungsmittel verschrieben, damit keine Mangelerscheinungen auftreten. Und Einschlafen funktioniert auch nur mit Melatonin. Deswegen hatten wir uns entschieden, während der Sommerferien die Medikamente wegzulassen. Tja, nun geht das anscheinend nicht mehr.

Nächste Woche fahre ich mit ihm eine Woche nach Österreich, so schnell bekommen wir keine Genehmigung mehr, die Medikamente mitzunehmen. Ansonsten hätte ich das jetzt wohl wirklich gemacht.

Wieso nimmt er keine Medikamente in den Ferien?
Die Adhs macht ja auch keine Ferien.
Oder mag er seine Medikamente nicht und bräuchte ggf. andere die er angenehmer empfindet?

Oder probiert ob Elvanse nicht eine Option ist. Nach der Eindosierung ist das Thema Essen nicht so schlimm wie bei Methylfinidat.

In der Eindosierung kann es schwierig sein, das ist aber ein übliches Problem von Stimulanzien

Doch Gesundheit einfach dort vorbeigehen und das Formular für den Schengenraum ausfüllen und unterschreiben/stempeln lassen

Hey @Sonnenstrahl , tut mir Leid dass es gerade so schwierig ist bei euch. Es wurde schon viel gutes geschrieben, ich wollte nur noch etwas kleines zum Appetit ergänzen: Ich weiss nicht, ob das organisatorisch möglich wäre, aber wäre es ev. eine Möglichkeit, ihm das Medi schon eine Stunde früher zu geben? Also im Sinne von Wecker stellen - Medi nehmen - nochmal eine Stunde weiterschlafen. Mein Mann macht das so, weil für Ihn die Wirkung frühmorgens sonst noch zu wenig ist. Aber ich könnte mir vorstellen dass es vielleicht hilft, wenn der Appetit abends eine Stunde früher zurück ist? Allerdings - falls er dann gar nichts frühstückt ists natürlich auch nicht gut…

Ansonsten vielleicht wirklich mal Elvanse testen, unser Kinderarzt hat gesagt, er hat viele Patienten, die als Jugendliche auf Elvanse wechseln.

Also aus Erfahrung meiner eigenen Pubertät kann ich sagen das mir es ungemein geholfen hat immer was zu tun. Ich muss dazu sagen, ich wurde erst als Erwachsener diagnostiziert, daher hat sich vieles erst rückwirkend mir erklärt.

Da ich sehr ländlich wohne habe ich mit einem Kumpel viel im Wald Baumhäuser und Staudämme gebaut, bis wir ca 14 waren. Dann habe ich mit weiteren Freunden einen Bauwagen umgebaut. Auch ich hatte eine Vorliebe für „zerstörung“ ich glaube das ist aber auch in dem Alter zu einem gewissen Teil normal. Im Wald haben wir Bäume gefällt, am Bauwagen auch mal irgendwelche Sachen in die Luft gejagt. Auch Sport, besonders Klettern fand ich mega. Gerade wenn mich Gedanken überfordert haben fand ich Ruhe in Aktivität. Mit der Zeit wurde das weniger und ich habe angefangen zu zocken. Teilweise nach der Schule bis ich ins Bett ging habe ich Minecraft gespielt oder damals noch Nintendo. Das war nur nicht so hilfreich, da ich durch die fehlendere soziale Komponente etwas depressiver wurde. Besser wurde es als wir mit 16 angefangen haben Moped zu fahren, wir sind teilweise wie die geisteskranken durch private Wälder geheizt, haben Stunts ausprobiert und hatten generell viel Aktivität.
In Summe habe ich wohl sehr viele gerade Dopamin treibende Aktivitäten sehr extrem ausgeübt. Aber das war halt mein Ventil. Jeder hat da wahrscheinlich seine eigenen Strategien und das heißt auch nicht das meine unbedingt gut waren. Denn das galt auch für einen teilweise hohen Alkohol und Pornokonsum, zumindest ersteres war aber kollektiv in meiner dörflichen Peer Group vertreten und ich einer der zurückhaltensten.

Ich glaube in vielen Angelegenheiten war es gut, das meine Eltern das nicht mitbekommen haben, denn natürlich war das teilweise gefährlich oder extrem. Es hat mir in dem Moment geholfen. Ich wusste aber auch nicht das ich AdHs habe. Ich habe also wie euer Sohn auch Bäume gefällt nur nicht im eigenen Garten.

Ich glaube was mir geholfen hätte wäre diese angestaute Anspannung kontrolliert loszuwerden. Und da hilft definitiv keine Entspannungsübung oder die Aussage „les mal ein Buch“. Vielleicht hilft körperliche Anstrengung wie Boxen, Klettern oder Schwimmen. Und was auch hilft ist der Aufbau einer Freundesgruppe, denn auch wenn Eltern manchmal wahrscheinlich einen kritischen Blick auf manche Freunde werden würden, unterstützt diese Gruppe einen enorm. Und man kann gemeinsam Sachen machen die Eltern so niemals machen können.

Und wie die anderen auch schon gesagt haben, auf Dumme Ideen kam ich oft nur bei Langeweile.

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Hallo Moon,

danke für deine Offenheit. Mir fällt auf, dass hier Extreme sehr stark vertreten sind. Auch unser Sohn muss immer alles extrem machen, es ist nie genug, wenn ihm etwas gefällt. Sei es in der Grundschule ständiges Stifte spitzen (macht er teilweise heute noch) oder Papier mit einer selbstgebauten Lego-Kreissäge zerfetzen (die ist nur klein und keine wirkliche Säge) oder ständig irgendwelche Klick-Geräusche mit Gegenständen machen, weil das Geräusch so schön ist. Das sind nur wenige Beispiele.
Aber wenn mit einer Wasserpistole (hat er sich selber gekauft) ständig geübt wird, wie schnell der Wassertank raus und rein geht, dann wirkt das zwar noch recht harmlos, ist aber für uns schon alarmierend, weil wir darin eine gewisse Faszination erkennen, die wir so nicht wollen und die es in unserer Familie für solche Themen auch nicht gibt. Wo also soll man hier als Eltern einschreiten? Wegnehmen wollen wir nicht, er ist ja nicht mehr 3, und er ist auch nicht dumm, dann findet er Wege und Mittel für eine Neue. Ja, dieses - das ist ja nur eine Wasserpistole - wo hört das „nur“ auf? Und genauso diese Aktion mit den Bäumen, die er beschädigt hat. Da ist wirklich eine Vorliebe für Zerstörung da. Du sagst, dass dir Bewegung und Aktion viel geholfen hat. Das wäre für unseren Sohn auch sehr wichtig, aber das passt alles nicht so richtig für ihn. Karate und Fußball haben wir versucht, das gefällt ihm nicht. Beim Klettern hat er Angst, genauso wie beim Schwimmen. Einerseits ziehen ihn die Extreme und Risiken an, andererseits traut er sich selbst nicht. Ein guter Sportler ist er jedenfalls nicht. Wir haben hier in der Umgebung nicht so richtig etwas, bei dem sich unser Sohn austoben kann. Boxen wäre etwas, das gibt es hier aber nicht.

Wir wollen ihn so gut wie möglich unterstützen, aber manchmal sind uns auf Grund der äußeren Bedingungen auch die Hände gebunden. Minecraft spielt er übrigens auch und wenn wir nichts sagen würden, gäbe es da kein Ende. Die Spielzeit ist reglementiert.

Danke auch moya für deinen Tipp mit dem Essen. Ich glaube, so früh ist das für uns nicht machbar. Wir müssten eher überlegen, wie die Medikation am Nachmittag aussehen könnte.

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Habt Ihr die Möglichkeit ihm Aktivitäten anzubieten, bei denen er den „zerstörerischen Vorlieben“ nachgehen kann, ohne dass es euch oder ihm Schaden bringt? Er schein nun einmal sehr ein Bedürfnis zu haben, dem er nicht nachgehen kann/ das nicht erfüllt wird. Warum er dieses Bedürfnis hat, ob das an der Medikation, der Pubertät oder was anderem liegt, kann ich nicht beurteilen. Es würde sich denke ich sehr lohnen (besonders auch für ihn und das gesamte Familienleben) dem nachzugehen aber bis ihr eine Erklärung/Lösung gefunden habt, könnt ihr verschiedene Sachen ausprobieren, um sein Bedürfnis zu befriedigen.
Ich stelle mir das für ihn ähnlich vor wie wenn ich Hunger habe, mir aber kein Essen gegeben wird, oder nur Essen, was mir einfach nicht schmeckt oder mir wird etwas zu Trinken angeboten. Mein Hunger ist immer noch da und ich bin frustriert, dass meine Umwelt zwar mein Problem sieht, sie aber trotzdem keine adäquaten Hilfen für mich bereitstellen kann.
Vielleicht waren Fußball und Karate einfach nicht die richtigen Sportarten für ihn. Beide haben sehr klare Regeln und verlangen ein bestimmtes Sozialverhalten/ soziales Miteinander ab, welches für jemanden mit ADHS beides alleine schon große Schwierigkeiten darstellen kann und nur noch größere, wenn es zusammen auftritt und dann noch gemixt mit neuen Eindrücken und Empfindung die ggf mit dem Alter kommen.
Weitere Ideen die ich hätte, wo er seine Energie (und evtl Zerstörungsdrang) rauslassen kann wären vielleicht bei bestimmten Sachen in der Küche (Schnitzelklopfen, Beeren/Früchte zerquetschen,…) oder eine Art „Familienwettbewerb“ anfangen, z.B. mit Kategorien wie „meisten Liegestütz“, „höchste Ausdauer beim Laufen“, „am weitesten Werfen“, „meisten Beeren gepflückt“, „am meisten Müll eingesammelt“, „am präzisesten mit der Wasserpistole zielen“,… . Der Wettbewerbsgedanke liefert ihm vielleicht etwas Ansporn, der ihm sonst zur Motivationsfindung fehlt.
Ich persönlich bin für mehrere Jahre besonders in den Ferien „Zirkusaktivitäten“ nachgegangen. Z.B. Diabolo, oder Jonglieren, Handstand, Zaubertricks,…

Sport kann vielen helfen, muss aber nicht. Auch wenn es nervig und zeitintensiv ist, würde es sich denke ich schon lohnen auf die Suche nach einer Aktivität für ihn zu gehen, die ihn auslastet/entspannt und für euch aber auch noch vertretbar ist.

Ich wünsche euch viel Erfolg bei der Suche danach!

Danke für die vielen Tipps. Vielleicht sollte man wirklich in Betracht ziehen, dass unser Sohn auch mal etwas kaputt machen darf. Also in dem Sinn, dass es wieder nützlich ist. Zum Beispiel kann man ja auch Beeren zermatschen und dann Marmelade daraus machen. Ok, da ist etwas dran, aber dieses Denken ist für uns Eltern nicht leicht und schon gar nicht, wenn man nicht von ADHS betroffen ist.
Schwierig sind hier die sozialen Medien - die Kinder sehen etwas, finden das toll und wollen das auch machen. Unser Sohn interessiert sich für Technik, elektrische Schaltungen sind seins. Zuerst haben wir Videos gesehen, in denen gut erklärt wurde, wie man etwas macht. Dann hat er weiter gesucht und Videos gesehen, in denen so getan wurde, dass mit Schaltungen etwas schief ging - das sollte lustig sein. Aber wenn man darüber nachdenkt, ist das nicht lustig. Er fand es jedenfalls toll und fing auch an, das nachzuspielen. Da halfen alle unsere Erklärungen nichts, bis das absolute Verbot sowas zu sehen und nachzubauen folgte. Und wenn die Kinder 13 sind, dann kann man auch nicht mehr die volle Kontrolle darüber haben, was sie sehen. Also, für solche Vorlieben ein Ventil zu finden ist nicht leicht.
Wir wollen wieder das Schwimmen versuchen, vielleicht verliert er seine Angst, wenn er älter wird. Hier könnte er sich auspowern und muss auch nicht die Regeln wie in anderen Sportarten befolgen.

Hey @Sonnenstrahl,

ich kann nachvollziehen, dass euch dieses Destruktive zusetzt und beunruhigt. Echte Technikunglücke sind absolut kein Spaß. Aus Erfahrung kann ich aber auch sagen, dass zum Aufbau von Technikkenntnissen auch das Erleben von kaputtgehender Technik mit dazu gehört. Langfristig schärft das den Blick für kritische Situationen und Initiative mehr als wenn man immer schön brav alles nach Anleitung gemacht hat und dann in ungeplanten Fällen aufgeschmissen wäre. Irgendwann schreckt dich keine technische Herausforderung mehr, wenn du oft genug dein Windows komplett zerschossen und wieder eingerichtet hast. Im besten Fall kann dann auch die Wertschätzung für Intaktes sehr stark werden.

Dieses eigenartige Spannungsfeld „Konstruktion erfordert Kenntnis der Destruktion“ lässt sich natürlich auch künstlerisch und wissenschaftlich wertvoller ausdrücken als in irgendwelchen Prank-Videos. Spontan fällt mir dazu ein:

  • Randal Munroe: What if und XKCD, die Bücher gibts auch auf Deutsch. Die meisten Episoden enden mit einem physikalisch begründeten Weltuntergang. :wink:
  • „Sie belieben wohl zu scherzen, Mr. Feynman“ Wahrscheinlich ist euer sohn dafür noch zu jung oder zum Bücherlesen zu unfokussiert. Im Prinzip ist das ein Prank-Buch eines Physikers. Würde mich nicht wundern, wenn der ne ordentliche Portion ADHS im Gepäck gehabt hätte.

Ich würde euch da ans Herz legen, nicht zu viel zusätzlich in die destruktiven Ausbrüche eures Sohnes hineinzuinterpretieren. Es scheint ihn ja auch selbst irgendwie zu belasten. So was lässt sich oft aber in sinnvollere Bahnen lenken und sublimieren (aufwerten), siehe Beerenmarmelade.

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