ADHS-Superkraft - was soll das sein?

Ich kenne das von Autismus genauso. Ich lese oft im Internet, dass Menschen glauben, sie seien hochbegabt oder könnten irgendetwas besonders gut wegen Autismus. Sehr oft geht es einher damit zu glauben, die „Normalen“ seien blöd im Vergleich dazu. Es ist ziemlich lächerlich, das so zu sehen, aber relativ weit verbreitet. Ich denke, ein Teil dieser Leute ist wirklich autistisch (oder hat ADHS) und sagt diese Dinge, um sich selbst besser zu fühlen. Es gibt aber auch viele Wiederkäuer im Netz, damit meine ich, dass Leute irgendwo etwas lesen und es nachschwätzen ohne viel dabei zu denken, allein weil es auf den ersten Blick gut klingt. Nicht wenige davon sind auch gar keine Autisten, sondern glauben es nur, deshalb haben sie von den wahren Problemen gar keine Ahnung.
Man merkt, ich bin davon auch ziemlich genervt. Es wäre besser, realistisch und bei der Wahrheit zu bleiben, wenn man über eine Diagnose redet. Mit Verharmlosungen ist niemandem geholfen. Ich möchte ja schon ernstgenommen werden, und ich möchte nicht, dass die erste Frage nach dem Diagnose-Outen lautet „und was ist deine Superkraft?“, vor allem, wenn man so richtig eigentlich keine hat, sondern eher eine Großbaustelle an Schwierigkeiten. (Tatsächlich ist mir das schon 2x so ergangen, dass mir diese Frage gestellt wurde)

Die eigenen Stärken herausarbeiten und nutzen ist immer eine gute Sache, aber das passiert ja in dem Fall nicht, sondern es wird einfach irgendwas behauptet. Interessant, dass das bei ADHS genauso passiert.

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Ich sehe das anders.. Ich mag mich selbst - auch wenn manche Symptome hart sind, so würde ich ohne anderes Dinge nicht sein wollen..

Allerdings habe ich einen anderen Blick auf beides. Ich glaube, dass beides sehr viel häufiger ist, als die offiziellen Diagnosen hergeben (und es gibt in der Forschung ja durchaus einen wachsenden Diskurs über subklinischen Symptomatik, Kompensationsstrategien und masking) und dass der bisherige Blick auf beides sehr defizitorientiert ist, eben weil nur die Menschen betrachtet wurden, die am System scheitern..

Und nein, ich kann nicht überall auseinanderhalten, was bei mir ADHS, was Autismus, was PDA , was Hochbegabung ist, aber vielleicht ist das auch gar nicht so klar voneinander abgrenzbar?

Und nein, ich würde definitiv nicht von Superkräften sprechen, aber ich nehme eben auch wahr, dass viele Probleme in unserer Gesellschaft begründet liegen und eben nicht in der Neurodivergenz an sich..
Ich sehe die Neurodivergenz eher als Brennglas, durch dass die Probleme unserer Gesellschaft als auch individuellen Umgebung nur deutlicher werden. Insbesondere wenn man bedenkt, dass die Symptome von ADHS ja keine auf betroffenen Menschen beschränkte Dinge sind, sondern auch in der Forschung zunehmend als Dimensionen begriffen werden, in denen ALLE Menschen individuell verortet werden können.

Aber ich denke da noch weiter..
Zum Beispiel gehen Menschen zum Psychologen, um dort zu lernen letztlich „autistischer“ im Sinne von direkter zu kommunizieren, eben weil auch neurotypische Menschen mit oder gerade wegen all ihrem sozialen Bimbambrorium an Beziehungen scheitern..
Zudem würde unsere Welt ne gehörige Portion „übermäßigen Gerechtigkeitssinn“, Mustererkennung und ein fehlender bullshit-filter definitiv nicht schaden..

Und ich bin fern davon neurodivergente Menschen zu einer Art besseren Menschen zu stilisierten, aber viele Probleme der Welt wären nicht vorhanden, wenn zum Beispiel die bei neurodivergenten Menschen oftmals notwendige Rücksichtnahme Maßstab für alle wäre..

Und ich weiß, dass man mit sowas immer vorsichtig sein muss, aber sowohl bei Biografien von berühmten Menschen als auch in meinem Lebensumfeld sehe ich viele Anzeichen von Neurodivergenz. Nicht nur im kreativen Kontext, sondern gerade auch in wissenschaftlichen und technischen Bereichen..

Ich glaube, es geht um ein sich gegenseitige Ergänzen und das gegenseitige Anerkennen von jeweiligen Stärken:
Fachwissen und interdisziplinäres Denken gepaart mit der Fähigkeit, Dinge umzusetzen und am Laufen zu halten.. Idealismus/Perfektionismus gepaart mit Praktikabilität.. Detailierte Wahrnehmung gepaart mit dem Blick fürs Große und Ganze… Authentizität gepaart mit Rücksichtnahme.. Ehrlichkeit gepaart mit Diplomatie..
Ich könnte ewig weiter machen..

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Ich bin da einer ganz anderen Meinung, was vielleicht daran liegt, dass ich in den USA und nicht in Deutschland die längste Zeit meines Lebens verbracht habe. Vielleicht ist auch der Grund, dass ich erst mit 53 diagnostiziert wurde.
Ich sehe ADHS auch als eine Beeinträchtigung, die mich ziemlich viel im Leben gekostet hat. Aber jetzt nehme ich Medikamente, meditiere, übe Achtsamkeit und mache cognitive Verhaltenstherapie und habe gelernt, dass ich einfach Wege finden muss, mich nicht nur auf die schlechten Seiten zu fokusieren.
Ja, meine Medikamente halfen ganz toll am Anfang und wirken jetzt weniger, aber zumindest kann ich meinen Job wieder normal ausüben. Es hielft mir zu wissen, dass ich einen viel größeren Sinn für Gerechtigkeit und viel mehr Emapthie habe, und deshalb sofort in die Schlacht ziehe, wenn jemand unterdrückt oder mishandelt wird. Warum, weil ich durch genau dieses Verhalten meine ganze Kariere in den USA zerstört habe. Zu wissen, wie ich meine ADHS zu meinem Vorteil in manchen Situation nutzen kann und korrekt mit Impulsen umgehe, hat mein Leben zum Positiven verändert. Ich kann mein Gehirn nicht heilen, aber ich kann wählen, worauf ich meine Energie und meinen Fokus leite und wenn da jemand von Super Power redet, dann ist mir das lieber, als ständig daran erinnert zu werden, dass ich einfach anders ticke. Übrigens, ich bin mit ADHS und Autismus diagnostiziert worden, also doppelt so viel Mist und trotzdem finde ich Happiness. Allerdings habe ich meine Facebook und Instagram Konten gelöscht, was meiner Psyche auch sehr gut tat.

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Das habe ich bisher noch nie gehört. Normalerweise gehen Menschen höchstens zu irgendwelchen Coaching-Anbietern und lernen dort, wie man sich durchsetzen kann oder wie man Konflikte löst, aber sicher nicht auf die Art von Autisten. Die geht nämlich in der Regel schief.

Auch Gerechtigkeitssinn, Mustererkennung oder (fehlender?) Bullshit-Filter im Zusammenhang mit ADHS oder Autismus ist eine reine Behauptung und Besserstellung gegenüber Normalen, die diese Eigenschaften aber genauso haben können. Das sind moderne Mythen oder urban legends.

Genau: „trotzdem“ und nicht wegen. Dagegen spricht nichts. Man muss wegen Diagnosen grundsätzlich nicht Trübsal blasen, man kann das beste draus machen und sich das Leben möglichst schön einrichten, soweit das eben möglich ist.

Etwas, was ich an mir schätze, und wovon ich trotzdem nicht weiß, ob ich das wegen, trotz oder unabhängig von Autismus habe, ist dass ich immer versuche, die Dinge so zu sehen wie sie wirklich sind, ohne Schönfärberei. Weil nur wenn man die Realität kennt, kann man auch richtig damit umgehen, ist so meine Vermutung. Allerdings habe ich auch schon mitbekommen, dass es manchmal ein Segen sein kann, mit rosaroter Brille rumzulaufen und sich die Welt zu machen, wie sie einem gefällt, und das noch nicht einmal zu merken.

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Nein, das sind definitiv keine Mythen. Nur weil etwas noch nicht wissenschaftlich bewiesen ist, bedeutet es nicht, dass es Unsinn ist.
“ Es gibt Hinweise darauf, dass Menschen mit ADHS einen stärker ausgeprägten Gerechtigkeitssinn haben können, aber es gibt keine eindeutigen wissenschaftlichen Studien, die dies eindeutig belegen. Viele Quellen betonen die hohe Sensibilität und den Gerechtigkeitsinn von Menschen mit ADHS.”

Ich habe gerade 7 Wochen in einer psychosomatischen Reha verbracht, und wurde auch in die ADHS Gruppe einbezogen und kann definitiv sagen, dass dies ein seltsames Phänomen ist und auch der Grund, warum viele Menschen mit ADHS als Sanitäter und anderen Rettungsjobs arbeiten. Von mir selber weiß ich, das mein ganzes Leben lang eine Art Hebel umgestellt wird, wenn ich Ungerechtigkeit gegenüber anderen sehe und ich sofort, ohne a die Konsequenzen zu denken helfe. Die einzigen Menschen, die ähnliche oder gleiche Situationen nennen konnten, waren andere Menschen mit ADHS.

Wenn ich rein von der Wissenschaft ausging, wäre ich arm dran. Die haben nämlich teilweise völlig falsche oder keine Diagnosen stellen können, weil sie mangelnde Studien hatten. Deshalb wurde z.B. meine Fibromyalgie erst in den USA diagnostiziert.

Außerdem sollte man auch in Betracht ziehen, dass Studien und Wissenschaft nur passieren, wenn es Gelder zur Forschung gibt und Neurodiversity ist da ganz unten auf der Prioritätenliste. Somit wird ADHS immer noch als “Wahl” gesehen, weil wir “ja alle etwas ADHS haben,” und Autismus als schwere Behinderung.

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Hey in die Runde,

danke für den Post.

Superkraft bringt mich auch jedes Mal zum Kopfschütteln.
Ich habe mir oft genug mit meinen vermeintlichen Superkräften das Leben versaut.

Regelmäßig wünsche ich mir wenigstens etwas neurotypischer zu sein, denn ich empfinde, dass mir meine Diagnose (AuDHS) einfach mehr Nachteile als Vorteile bringt.

Klar, man arrangiert sich, aber bequem oder gar „superkräftig“ ist es definitiv nicht.

Mit den Medis kann ich aber nun wenigstens manchmal richtig arbeiten (am Anfang klappte das sogar hervorragend, doch hat sich das etwas gelegt).

Ich glaube, dadurch, dass dieses Superkraft-Geschwafel aufgekommen ist, wird die Diagnose noch öfter in Frage gestellt - eher, weil man manchen die vermeintliche Superkraft damit einfach aberkennen möchte. Oft geht es dann wahrscheinlich gar nicht mehr um ADHS, sondern darum, was viele daraus machen (wollen).
Das findet noch weniger Akzeptanz als ADHS für sich allein betrachtet.

Aber das sind nur meine Gedanken dazu…

Liebe Grüsse
Ida

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Wann geht es „in der Regel schief“? Zumindest nicht, wenn Menschen mit Autismus miteinander reden…

Und ich meine ja gerade Konfliktlösung..
Wenn ich mir potcast von Psychologen zu Paartherapie anhöre, dann geht es generell darum, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu benennen, Grenzen zu setzen und gesellschaftliche (Rollen-) Erwartungen zu durchbrechen.

Die gesamte Entwicklungspsychologie und Elterncoachings kannst du runterbrechen auf „co-regulation, wenn das Kind sich quer stellt, und aufrichtiges Miteinander, wenn Reden wieder möglich ist“..

Der Diskurs in der Forschung ist da deutlich weiter als das dsm 5 oder 10..Stichwort transdimensionaler Ansatz..

Und ich habe in der Psychoedukation gelernt, dass jeder Mensch unter gewissen Umständen adhs-Symptome hat… Es ist der Leidensdruck der durch die Häufigkeit und Stärke entsteht, welche die Diagnose notwendig machen.. Und das galt explizit nicht nur für die Negativ -Symptome!
Was aber viele vergessen ist, dass man auch dann ADHS hat, wenn man sein Leben so eingerichtet hat, dass es auf die eigenen Bedürfnisse abgestimmt ist und man hochfunktional ist..

Es geht mir eben nicht um ein Ausschließlichkeits-Kriterium aka Superkraft, sondern um eine Häufung bestimmter traids.. Wenn es die nicht gäbe, dann gäbe es nicht das Phänomen, dass sich undiagnotizierte Menschen ganz automatisch Rudeln..

Dazu kommt eine hohe Vererbbarkeit von Neurodivergenz.. egal ob Autismus, ADHS, LRS/Dyskalkulie, Hochbegabung, Hochsensibilität…
Ich muss mich ja nur in meiner Familie umgucken… Das Sprichwort „Der Unterschied zwischen Genie und Wahnsinn definiert sich am Erfolg“ ist so dermaßen für uns gemacht…

Wenn ich dazu recherchieren ist die Aussage, dass das alles nur urban legends und moderne Mythen sind nicht haltbar… In Vergleichsstudien reagieren neurotypische Menschen stärker kontextabhängig, strategisch oder gruppenkonform auf moralische Dilemmata.
Neurodivergente Menschen (v. a. im Autismus-Spektrum) zeigen häufiger ein konsistentes, prinzipiengeleitetes Verhalten, auch wenn es soziale Nachteile bringt.

Menschen mit ADHS zeigen oft eine niedrigere Frustrationstoleranz bei wahrgenommener Ungerechtigkeit und eine intensivere emotionale Reaktion (Impuls, Wut, Verweigerung).

Bei AuDHS (ADHS + Autismus) kommt eine erhöhte Sensibilität für soziale Widersprüche hinzu – das verstärkt die Reaktionen oft.

Neuere Forschungsansätze wie die neurodivergenz-sensible Psychologie (z. B. Monotropism-Theorie, Demand Avoidance Framework) betrachten Gerechtigkeitssinn nicht als Symptom, sondern als Ausdruck einer kognitiven Stimmigkeitssuche – also eines Bedürfnisses nach Kohärenz in inneren und äußeren Regeln.

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Sehr interessantes Thema!
Ich klinke mich mal ein.

Ich habe auch viele Probleme durch mein ADHS.
Aber ich liebe es trotzdem wir ich bin und würde niemals mit einem Normalo tauschen wollen.

Ich mag die Intensität meiner Empfindungen (zumindest oft)
Ich mag meine Hochsensibilität (auch wenn die Welt viel zu laut und zu hell ist)
Ich mag es, wie mein Gehirn mit Informationen umgeht (auch wenn oft was unter den Tisch fällt)
Meine Kreativität ist überbordend (auch wenn ich vieles nicht umsetzen kann)

Könnte jetzt bestimmt noch weiter machen aber das kam als erstes in den Sinn

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Ach ja, die gute alte angeblich vorhandene Superkraft. Ich suche sie immer noch :slight_smile:
Vielleicht waren die Jahrzehnte ohne Medis etc. nicht dazu geeignet, sie zu finden.

Da ich außerdem seit ebenfalls einigen Jahrzehnten mit meinem Partner zusammenlebe, erfahre ich, was es bedeutet ohne Einschränkungen zu leben. Daher kann ich manchmal auch nur müde lächeln, wenn das Wort Superkraft in Bezug auf ADHS fällt.

Superkräfte, die ich für mich als solche beschreiben würde:

Z.B. sehr lange Konzentrationsspannen, die auch über eine 40 Stunden Woche mit anspruchsvoller Arbeit hinausgehen, wenn noch die Steuererklärung angefangen werden sollte um nicht in einen Verzug zu kommen.

Oder Kreativität im Schreiben von Lied- und Gedichttexten und Kurzgeschichten, diese enden nicht irgendwo im Nirgendwo, manchmal werden auch Melodien dazu komponiert und alles als Video gefilmt, auch hier wenig „Werkzeug“ genutzt.

Oder Bauen von Instrumenten oder Betten aus diversen Holzresten und ohne Werkbank und ohne tolles Werkzeug. Und das auch noch zu Videos verarbeiten, die nachgefragt werden im Netz.

Oder komplizierte Streitsituationen in Ruhe zu deeskalieren, eine echt tolle Superkraft!

Oder schnelles Einarbeiten in neue Themen, ganz ohne Hyperfokus!

Oder auch noch mal Sprachen lernen, ganz ohne Hyperfokus!

Oder der Wunsch, verstehen zu wollen, womit Menschen wie ich sich herumschlagen und all das nicht bewerten! Empathiefähigkeit?

Und hier gelange ich wieder zu dem Thema mit den „Flöhen und Läusen“:

ADHS
Hochbegabung
Autismusspektrumsstörung

Ich hätte es gerne geklärt bekommen, haha. Was steht womit in Verbindung bzgl. Superkraft?

In meiner Familie erlebe ich, dass das Familienmitglied, das hochbegabt ohne die beiden anderen Beigaben lebt, erheblich mehr Energie usw. zur Verfügung hat, als wir anderen, mehr von allem halt.

Amen, es ist Freitag und meine Superkräfte sind schon seit Dienstag dabei sich aufzulösen, so sie denn überhaupt vorhanden waren.

Immerhin habe ich es heute noch ungewollt geschafft, meine Verwaltungsmitarbeiterin „Connected, Du verstehst das einfach nicht, immer wieder ist das so mit Dir“ mit einer sachlichen Nachfrage zu einem Thema soweit zu bringen, dass sie nicht mehr mit mir reden wollte und mich aus ihrem Büro geworfen hat. Als ich noch eine Sekunde stehenblieb, kam der Satz hinterher: „Das ist Freiheitsberaubung.“
Ist das jetzt eine bisher nicht erkannte Superkraft :wink:

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Genau das wollte ich auch direkt verlinken. Russell Barkley hat es hier fabelhaft formuliert.
Mich kotzt diese Romantisierung auch an.

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Und welche Diagnose hat diese Kollegin? :smiley:

Meine Superkraft:

Ich bin oft Superkraft-los.

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Vom Mod:! Hab mal für die Lesbarkeit ein paar Absätze eingefügt!

Hallo Shrimp,
ich möchte dir gerne darauf antworten. Mein Erfahrungsschatz von mehr als 50 Jahren dürfte hierbei wohl für sich sprechen.
Ich müsste jetzt mein gesamtes Leben ausbreiten, um zu verdeutlichen, wie einschränkend diese neuronale „Norm-Funktionsabweichung“ in meinem Leben war. Ich beschreibe gerne bildlich, wie es in meinem Kopf zugeht: eine zehnspurige Autobahn, die aber nicht nur einmal existiert, sondern in mehreren Höhenlagen übereinander, jeweils mit sämtlichen fahrbaren Untersätzen gefüllt und kreuz und quer, vor uns zurück, entgegen jeglicher uns bekannter Verkehrsregeln.

Hätte es in der Schulzeit nur 3 Wahlfächer gegeben, wäre ich vermutlich als Überflieger aus der Schule raus. Deutsch, Kunst und abstraktes logisches Denken in der Geometrie, währenddessen aber Mathematik die sogenannte Beton-fünf behielt. Warum ist das wichtig? Weil die Bedeutung von Abitur, Studium und meinen damaligen beruflichen Träumen an genau dem scheiterten: ohne Abi kein Studium.

Bevor ich jetzt aber ausschweife, möchte ich auf den eigentlichen Punkt nun endlich zu sprechen kommen (übrigens auch typisch unter den mir bekannten ADS´lern: sich kurz fassen- unmöglich, haha): ich habe in den Wechseljahren einen regelrechten ADS Boost nach meinem Burnout erfahren und ich stand vor der Wahl: mich dauerhaft aus dem Berufsleben, durch vorzeitigen Renteneintritt, zu verabschieden oder mich mal unter der Lupe zu betrachten und mich meinen Besonderheiten zu widmen.

Was mir geholfen hat? Das immer mehr Menschen weltweit sich meinen Symptomen ähnelnden, in die Kamera sprachen und auf sich aufmerksam machten. Das war der Beginn einer regelrechten Metamorphose - klingt pathetisch? Ja, darf es sogar, weil ich mittlerweile so viel positives berichten kann und am liebsten die ganze Welt daran teilhaben lassen möchte.

Nach mehr als 5 Jahrzehnten, einigen Therapierfahrungen und einer erlangten Offenheit, habe ich es gelernt in die Offensive zu gehen, mich nicht mehr „falsch“ zu fühlen. Ich habe betrachtet, worin ich eigentlich gut bin und ernte plötzlich Reaktionen über für mich vollkommene Selbstverständlichkeiten meiner selbst, ohne zu wissen, dass sie auch im positiven Sinn besonders sind.

Neben stark ausgeprägter Empathie, die man mir als Hochsensibiltät diagnostizierte, kann ich dank der divergentem Denken-Fähigkeit, dieses wunderbar für die Kanalisierung in die Kreativität mir zunutze machen. Darum war ich in der Werbe- und Marketing Branche bis zum Burnout auch ganz gut aufgehoben.

Jetzt habe ich den Mut mein eigenes Ding aufzubauen. Ich war schon immer „open-minded“, habe mich aber in der Vergangenheit durch das konventionelle Denken meines Umfeld, immer hemmen und in frage stellen lassen.

Aus meinen bisherigen Gesprächen mit Gleichgesinnten bestätigten mir alle: den Hyperfokus wenn uns ein Thema interessiert kennen alle von sich, Kreativität nicht unbedingt, pauschal lässt sich also nicht unbedingt vereinen, aber es gilt für mich. Und ich drehe den Spieß jetzt um: eine Selbstständigkeit in dem was ich kann, kreative Marketing Strategien entwickeln, lässt mich regelrecht schöpferisch explodieren. Ich baue seit April meine Selbstständigkeit auf, habe Kurse besucht für autobiografisches Schreiben um parallel auch ein Buch irgendwann zu schreiben und habe mein Mindest ändern können.

Mittlerweile bin ich mir bewusst, dass in früherer Zeit, meine Fähigkeiten: alles um mich herum wahrzunehmen, Emotionen zu spüren und zu deuten, ausgeprägte Sinneswahrnehmungen, meine Energie und Impulsivität, abstraktes Denken und die Kreativität wären damals als Vorteil gesehen worden und ich vermutlich irgendwas zwischen Schamanin, Seherin oder als Scout gewesen. In unserer aktuellen Zeit werden diese Fähigkeiten als Störung erklärt, ja klar, weil wir zu funktionieren haben, in Systemen gepresst werden. Wer da nicht in die Form passt, aber unbedingt dem genügen will, könnte es mit Medikamenten versuchen, aber auch das funktioniert nicht immer.

Nun gibt es zweifellos unterschiedlich starke Ausprägungen, die sich im Laufe eines Lebens auch wieder ändern können, wo ich den Beweis für antrete. Ja, ich bin schneller erschöpft, schlafe zudem schlecht, aber versuche mit Heilpflanzen mich zu boostern. Der Endokrinologe (Hormon Spezialist) bestätigte mir aktuell nun auch einen Zusammenhang zwischen Wechseljahren und AD(H)S Steigerungen. Tja und was fange ich nun damit an? Kickt gerade mein ADS z.B. in dem ich Menschen ins Wort falle, weil meine Gedanken schneller sind, sage ich ihnen kurz das ADS mehr ist als eine Aufmerksamkeitsstörung unter der die meisten Menschen das nur kennen. Mein Worte poltern manchmal auch hier im Text aus mir heraus und die Satzstellung entspricht nicht der grammatikalischen Norm? Ja, schuldig in allen Punkten, aber bin ich deswegen eine Null in Deutsch, nur weil mein Hirn lange Schachtelsätze liebt? AD(H)S ist etwas, das, wenn Du dich unter einem anderen Licht als deine Umwelt es von dir verlangt, betrachtest, etwas besonderes - und kann deswegen deine Superkraft sein. Sie unterscheidet dich von anderen, ja, aber die anderen bezeichnen dich als „falsch“ weil sie dir nicht folgen können.

Du scheiterst am Alltag, ja, das kenne ich, weil dich dein ADS überholt, weil du vermutlich Chaos im Kopf, Chaos im Alltag, Chaos auf dem Schreibtisch, Chaos in Ordnung, Chaos im Papierkram, Chaos in Struktur, Chaos selbst beim Versuch des aufräumens - ich wette, das einiges davon zutrifft. Hier geht es nicht um das schön reden, hier geht es darum, das du dich neu betrachtest - was macht dein Hirn anders als andere? Wir spalten gerne mittlerweile in unserer Gesellschaft, weil alles was nicht passt, einfach als falsch bezeichnet wird. Ob selbst unter Gleichgesinnten mehr Verständnis untereinander herrscht? Kann ich hier noch nichts zu sagen, aber es wäre wünschenswert, weil irgendwann muss irgendwer den Anfang machen.

Seit etwas über einem Jahr erlebe ich mich nun neu, ich ernte nicht mehr „Alice im Wunderland“ oder „Träumerin“ oder „konzentriere dich doch mal auf eine Sache!- jetzt ernte ich „krass, was du alles kannst“, wie machst du das alles gleichzeitig ?“- und soll ich dir was sagen: es öffnen sich immer mehr Türen. Ich schreibe gerne, spreche auch gerne und der Zufall hat dafür gesorgt, dass ich bald mit einem 30 Jahre jüngeren Mann zusammen einen Podcast starten werde. Depression und ADS stehen eng zusammen, wenn dazu noch Autismus und Hochbegabung sich dazu gesellen, haben wir hier alle eine Vorstellung, wie es dem jungen Mann bisher erging. Er kommt jetzt aber gerade ins Leben zurück, erlebt eine Eigenmotivation und entdeckt neue Talente in sich. Alleine das mitzuerleben, einem jungen Menschen zuzuhören, ihm Mut gemacht haben zu können und er jetzt seine Fähigkeiten für sich im analytischen Denken festgestellt hat, wird auch seine Weichen im Leben stellen.

Wir wollen aber nicht ÜBER neurodivergente Störungen (furchtbares Wort ) sprechen, sondern teilhaben lassen, WIE unsere Hirne MIT Neurodivergenz an Themen rangehen, wie wir so ticken. 30 Jahre mehr Lebenserfahrung gegen einen IQ höher als manch Tempolimit aber beide mit Turbo ADS Zündung. Wir wollen mit KOGNITANZ in erster Linie anderen Mut machen und zu uns selbst stehen. Joanne K. Rowling hat für die Personen ohne magischen Fähigkeiten das Wort MUGGLE erfunden- wir haben auch Fähigkeiten die nicht jeder hat, leiden teilweise auch sehr stark unter manch eine Ausprägung, aber bitte erklärt uns doch nicht für „gestörte“. @ #allemugglesdadraußen: im Zweifelsfall finden wir schneller eine Lösung, sei diese auch noch so kreativ, unperfekt oder improvisiert, aber wir finden eine, wenn man uns nur lässt.
So, ja das war jetzt anstrengend und ich gönne mir eine Pause.

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Hallo Kascha,

herzlich Willkommen hier im Forum!
Bitte füge doch beim nächsten mal ein paar Absätze in lange Texte ein.

Das würde es zumindest mir erleichtern, auf Anhieb deine Ausführungen durchzulesen.

Danke dir
A.

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Du hast recht, ich wollte nicht entern weil das häufig ein „absenden“ auslöst, kenne mich hier noch nicht aus Ich helfe gerne beim Lesen und puste etwas Luft in die Zwischenräume.

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Hallo und :heart: Willkommen @Kascha , vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag den ich tatsächlich von Anfang bis Ende durchgelesen habe, auch wenn ich mich zuerst ehrlich gesagt etwas erschlagen gefühlt hatte als ich sah das Du keine Absätze eingebaut hattest, was ich dann aber gut für mich lösen konnte, indem ich meine mir selbst beigebrachte Strategie für das Lesen solcher Texte einsetzten konnte.

Wie auch immer, jedenfalls stellst Du im letzten Absatz Deines Beitrags eine Beziehung zu der Harry Potter Buchreihe von J.R. Rowling her, und wenn ich Dich richtig verstanden habe?, dann insofern das Du uns Adhsler’innen und ASS’lerinnen, oder Menschen die von beidem betroffen sind, oder auch anderen Menschen die aufgrund anderer Besonderheiten die sie irgendwie vom grossen Durchschnitt der restlichen Menschen irgendwie unterscheidet, sowas wie Zauberkräfte besitzen?, heisst als wären wir „die mit den magischen Fähigkeiten“, und die „anderen“ im Vergleich zu uns „die Muggel“?.

Habe ich Dich dahingehend richtig verstanden?, oder wenn nicht, würdest Du dann bitte noch mal einen neuen Beitrag schreiben das ich und andere Deine Texte leichter lesen können um Dir zu antworten?.

Wie auch immer bis hierher, und nehmen wir an das ich Dich richtig verstanden habe, dann muss ich persönlich Dir jedenfalls leider wiedersprechen, denn ich persönlich sehe mich jedenfalls nicht als jemand „mit magischen Fähigkeiten“, sprich mit irgendwelchen Fähigkeiten ausgestattet die mir mein Leben in irgendeiner Weise „einfacher gemacht hätte“, sondern sogar im Gegenteil, ich mich z.B. im Vergleich zu vielen ehemaligen Schul, Lehre, oder im Arbeitsleben stehend gegenüber meinen Kollegen/innen, ich nie so viel erreicht habe wie diese Menschen in ihrem gesamten Leben im Vergleich zu mir erreicht haben.

Und von daher ist es für mich persönlich sogar niederschmetternd, wenn ich hier von anderen Adhsler’innen oder von anderen Menschen mit Besonderheiten Betroffenen lesen muss, dass es unter uns „Sonderlingen“ anscheinend trotzdem Leute gibt, wo ihr Leben anscheinend irgendwie total im Griff zu haben scheinen, und sogar noch mehr als DAS, nämlich sogar „etwas erreichen konnten“, uuund man höre und staune: „stolz auf sich sind“, sprich stolz darauf sind das sie Adhsler’innen usw. sind, und ihre „Fähigkeiten“ angeblich sogar „richtig gut in ihrem Leben nutzen konnten“?.

Und natürlich "hört man immer mal wieder von einzelnen menschlichen Exemplaren die trotz ADHS oder ASS, oder ADHS/ASS, oder was auch immer was es ausserdem noch alles gibt, es jemand „geschafft hat“ trotzdem „erfolgreich zu sein“, aber wenn wir ehrlich sind, dann ist das eine kleine Minderheit, während nämlich die meisten anderen von uns meistens genau das Gegenteil „von Erfolg“ in unserem Leben erfahren.

Übrigens fällt mir gerade etwas wichtiges ein, nämlich die Frage ob „Aufschieberitis“ eine Superkraft ist und wie sich die nutzen lässt?. :joy:

Denn das Aufschieben von Dingen ist sozusagen eine Super eigene Spezialität in meinem Leben welche mich schon immer, und auch heute noch, des öfteren in Schwierigkeiten gebracht hat.

Sei es das ich deshalb immer mehr zahlen musste als andere, wegen Mahnungen, oder sei es das ich durch meine Aufschieberitis regelmässig immer wieder in Situationen komme die unangenehm sind.

Aber Ja klar, wenn ich jetzt mal einfach all diese Sachen die mir mein Leben schwer machen „ausblende“, und mich stattdessen nur auf die paar Dinge konzetriere die ich gut mache, oder gut kann, zumindest dann wenn ich gerade die Energie habe, dann gibt es hin und wieder durchaus zur Abwechslung Sachen die gut gelaufen sind, oder ich manchmal auch einfach Glück hatte.

Aber im grossen und ganzen und wenn ich ganz ehrlich bin, überwiegen in meinem persönlichen Leben die Dinge die „nicht gut gelaufen sind“, sondern im Gegenteil, heisst mehrheitlich viele Dinge in meinem Leben früher oder später alles was ich mal angefangen hatte irgendwann dann den Bach runter ging.

Jedenfalls von wegen „Superkraft“, ich persönlich besitze jedenfalls keine einzige, denn in meinem persönlichen Leben war eigentlich bis heute nie irgendwas von langer Dauer, weil ich nie sowas wie Ehrgeiz hatte, sondern eigentlich immer nur sowas wie eine kurzzeitige Begeisterung für etwas kannte.

Aber sobald es nötig war um sich irgendwo „durchbeissen“ zu müssen war mein Interesse schneller verpufft als eine Seifenblase, und unter uns gesagt, spürte ich dann sehr oft sowas wie einen Fluchtinstinkt, was ich auch heute immer noch in mir spüre sobald mich jemand „an etwas binden will“, denn sobald ich dieses Gefühl spüre, will ich nur noch fluchtartig weg.

Wie auch immer, jedenfalls war und bin ich niemals dazu fähig gewesen um „unter normalen Umständen, oder Anforderungen“, die meist langweiligen und sturen Erwartungen von irgendwelchen festgefahrenen und langweiligen Normalos erfüllen zu können, jedenfalls nie nach deren langweiligen und abgestumpften Plänen wo keinerlei Bandbreite außerhalb deren Vorstellungen, innerhalb ihrer geistigen Box in der sie gefangen sind, mich jemals auch nur im geringsten wirklich so gewertschätzt behandelt worden zu sein wie ich es eigentlich oft in Wahrheit verdient gehabt hätte.

Und das vor allem deshalb, weil ich immer jemand gewesen bin wo seine Arbeit sehr ernst genommen hatte, heisst höchstwahrscheinlich die einzige im Betrieb war die sich an die exakte Pausenzeiten gehalten hatte, und nicht ständig überzogen hatte, oder die einzige die nach Arbeit suchte obwohl es laut Mitarbeiter/innen nichts mehr zu tun gab, und diese dann Rauchen gingen, oder ich die einzige war die sich Zeit genommen hatte um mich auf Gespräche mit Leuten einzulassen und mir z.B. deren Sorgen und Nöte anzuhören, während andere oft kaltherzig waren und sich einfach abwendeten, oder wo ich für andere eingesprungen bin obwohl ich auch dringend eine Pause benötigt hätte, und ich kurz gesagt, mich jedenfalls bei meiner Arbeit immer so gut wie möglich eingesetzt hatte, und dies für mich persönlich auch immer selbstverständlich gewesen ist, da Pflichtbewusstsein für mich persönlich am Arbeitsplatz etwas extrem wichtiges ist, und weshalb ich Leute die ihre Arbeit schlampig machten auch nie wirklich leiden konnte, weil ja dann deren Versäumnisse am Schluss immer an Leuten wie mir hängen blieb, heisst das man dann in Wirklichkeit für 2 schaffen muss, aber trotzdem nicht mehr Geld verdient.

Wie auch immer, jedenfalls Superkraft?, für mich persönlich ist solches Gerede über solche Themen ehrlich gesagt nur eine Form von Realitätsflucht.

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komprimiert vergessen

Hallo AbrissBirne (herrlicher Name im Zusammenhang by the way),

erstmal danke ich dir für deine ehrliche und respektvolle Rückmeldung – und dass du dir die Zeit genommen hast, dich mit meinem langen Text auseinanderzusetzen. Dass du dich von meinem letzten Absatz – insbesondere dem Vergleich mit den „Muggles“ – irritiert oder sogar niedergeschmettert gefühlt hast, tut mir leid, weil das genaue Gegenteil war meine Intention.

Ich möchte also unbedingt gerne geradeziehen, wie ich den Vergleich eigentlich meinte:
Nein, ich glaube nicht, dass wir „magische Fähigkeiten“ im Sinne von Superheldenkräften haben (auch wenn ich mir das manchmal tatsächlich wünschen würde :wink:). Was ich mit diesem Bild sagen wollte, war vielmehr der Versuch, unsere oft als „gestört“ bezeichnete Art zu denken und zu fühlen mal umzudrehen – nicht, um uns über andere zu stellen, sondern um eine Perspektive zu öffnen, die oft verloren geht: Dass unser Anderssein nicht automatisch ein „Weniger“ ist.

Denn ich kenne diese andere Seite nur zu gut: das ständige Hinterherlaufen, das Gefühl, immer wieder zu scheitern, das Vergleichen mit Menschen, die scheinbar alles im Griff haben. Ich bin über 50 – und genau das, was du beschreibst, war lange Zeit mein Alltag. Schule, Beruf, Struktur – das alles war für mich ein einziger Hindernisparcours. Ich habe vieles versucht, bin oft gefallen, und ja: Auch ich habe mich oft gefragt, „warum andere scheinbar durchs Leben gleiten, während ich kämpfe – jeden verdammten Tag.“

Was ich in meinem Beitrag beschreiben wollte, war kein „Ich hab’s geschafft“-Posting. Sondern eher: „Ich hab angefangen, umzudenken“. Ich habe erkannt, dass ich manche Dinge gut kann – nicht trotz, sondern vielleicht sogar „wegen“ meines „anders Seins“. Und das war für mich ein kleiner Durchbruch. Nicht, weil plötzlich alles leicht ist (das ist es nicht – ich sitze immer noch mitten im Chaos), sondern weil ich „aufgehört habe, mich dafür zu verurteilen“.

Der Vergleich mit den Muggles war für mich einfach ein Bild: In einer Welt, in der viele neurodivergente Menschen als „gestört“ oder „nicht funktionierend“ gelten, wollte ich für einen Moment das Bild drehen. Einfach mal träumen: Was, „wenn nicht wir das Problem sind – sondern das System, das keine anderen Denkweisen zulässt?“

Ich finde es unglaublich wichtig, dass wir auch die dunklen Seiten von AD(H)S, Autismus & Co benennen dürfen – und ich finde es ebenso wichtig, dass man offen sagen darf: „Mir bringt das nichts, mir macht das Leben schwer zu schaffen.“ Und ich danke dir, dass du es so klar und ehrlich formulierst. Denn nur wenn „alle Stimmen“ gehört werden – die erschöpften genauso wie die hoffnungsvollen – entsteht ein echtes Bild von dem, was es heißt, so zu ticken wie wir.

Wenn mein Text dich frustriert hat, dann vielleicht auch, weil er einen anderen Punkt auf der Reise gezeigt hat. Ich bin nicht „weiter“ oder „erfolgreicher“, sondern vielleicht einfach gerade an einem Abschnitt angekommen, an dem ich ein bisschen Hoffnung geschöpft habe. Aber glaub mir: Ich weiß, wie sehr genau wie es sich anfühlt, „nicht da zu sein“. Ich weiß, wie lähmend es ist, wenn das Leben sich anfühlt wie ein Marathon mit einem Rucksack voller Steine auf einem Laufband.

Ich schicke hiermit viel Verständnis, Wertschätzung und vielleicht aber auch ein klein bisschen Mut – nicht weil du etwas „leisten“ musst, sondern einfach, um zu sagen: „Ich verstehe dich sehr gut.“

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