ADHS und ASS im Einklang von Medikinet

Hallo zusammen,

ich bin M 26 Jahre alt und habe erst letztes Jahr meine ADHS-Diagnose erhalten.

Schon als Kind gab es Anzeichen: Mit 12–13 Jahren war ich wegen starker Panikattacken für 20 Wochen in einer Tagesklinik. Damals äußerten die Ärzte lediglich einen ADS-Verdacht, aber eine eindeutige Diagnose gab es nicht.

Heute nehme ich täglich 40 mg Medikinet. Beim Wirkungseintritt spüre ich meinen Herzschlag etwas stärker, aber Blutdruck und Puls sind unauffällig. Unter der Medikation kann ich klarer denken, fühle mich insgesamt stabiler und weniger gereizt, und ich kann Gesprächen deutlich besser folgen. Ich habe auch keinen übermäßigen Bewegungsdrang – stattdessen kann ich mich endlich konzentrieren und Dinge besser verstehen, ich spüre auch eine Stimmungsaufhellung das ich “besser gelaunt bin” aber keine starke Euphorie.

Trotzdem habe ich viele Anzeichen, die für ASS (Autismus-Spektrum-Störung) sprechen. Mehrere Tests, die ich gemacht habe, waren sehr auffällig. Am 26.09. habe ich deshalb einen Termin zur ASS-Diagnostik in der PIA.

BSP: Lichter Flackern, Festivals sind für mich aufgrund der Lautstärke, Licht Effekte Total Anstrengend, bekomme bis heute noch Panik Attacken, bzw ein Gefühl von Überforderung.

Unbekannte Orte sind für mich auch sehr Anstregend, es fühlt sich einfach komisch an, ich fühle dass ich nirgends reinpasse, ich kann keinem Mensch in die Augen Schauen, ich verstehe oft vieles Falsch.

Nun frage ich mich: Ist diese Art der Wirkung von meinem ADHS-Medikament normal?

Sind das zusätzlich doch Autismus Symptome?

Brauche ich eventuell andere Medikamente?

Danke fürs Lesen und für eure Erfahrungen oder Hinweise.

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Hallo Just-In,

Wie war es denn vorher ohne Medikament?

Vor der Medikation hatte ich diese ganze “autismus” Symptome nicht gehabt.

Mir ist leider auch aufgefallen das ich mich all die Jahre extra für andere Menschen Verstellt habe damit sie mich mögen.

Ebenso habe ich vor der Medikation meine Ausbildungs berufe abgebrochen, jede andere arbeit abgebrochen, dies ist seit dem Medikament nicht mehr der fall, ich Handel überlegter.

Ohne Medikation habe ich ein Nebel in meinem Kopf, bin sehr Agressiv, kann keine Sätze wirklich bilden wie ich sie in meinem Kopf bilde.( aussprechen)

Jedoch diese Überforderung bei Lichter Flackern, Friseur besuche, Körper Kontakt etc war schon davor, nun jetzt ist es Extremer.

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Hast du Migräne oder ähnliches?

Fühlt es sich unangenehm an oder ist es mehr eine Art Angst davor? Ich nehme mal an du meinst die Berührungen durch den Friseur beim schneiden und das er so nah an einem steht oder ist es mehr der small talk?

Ist ziemlich Belastend sowas durch zu machen, kenne ich leider auch. Schön zu hören, dass das auf jeden fall besser klappt mittlerweile und dir das Medikament dabei hilft. :people_hugging:

Geht im übrigen vielen von uns so, ist nicht immer so einfach, wenn man nicht „sich selber sein darf“ und es allen nur recht machen muss, damit man gemocht wird. :people_hugging:

Nein habe keine Migräne oder ähnliches, habe bis dato nur ADHS diagnostiziert, Asthma.
Keine Depressionen, keine Borderline etc.

Generell alles was ungewöhnlich ist, ist mehr oder weniger intensiv.

Nach Arbeit, oder nach Soziale Kontakte muss ich mich direkt hinlegen, schlafen sonst bekomm ich nichts auf die Reihe.

Nunja das Anfassen generell mag ich nicht, die Geräusche tun mir im Ohr weh, war schon immer eher zuhause, immer am PC oder Informatik am lernen.

Es fällt mir nur jetzt alles "bewusster auf” dass, ich viele Autistische Symptome habe seit meiner Medikation.

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Vielleicht eine Blöde Frage, mir hilft zB. enorm mich mit Ohrstöpseln und Sonnenbrille zu wappnen, dass dämpft ein wenig, zumindest bei mir, die Reizüberflutung, die ich jetzt seit Medikation intensiver wahrnehme. Benutzt du so etwas selber?

Und vor allem mich auch mal zurück zu ziehen wenn es mir zu viel wird, auch mal Nein sagen. Ist aber nicht immer so „einfach“, wegen dem „anderen es Recht machen“, die anders sind als ich, da vernachlässige ich schnell mal meine eigenen Bedürfnisse. :heart:

Ja habe mir extra kopfhörer erworben mit Active Noise canceling, das hilft ein wenig.

ich bin gespannt was bei meiner Diagnose nächster Woche Rauskommt, ich hoffe ich finde dann endlich für alles eine Erklärung. kann mir eventuell dann Hilfe suchen z.b Verhaltenstherapie oder ähnliches.

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Ich hatte mal von Betroffenen gehört, dass sie bei viel sozialen Freizeit Kontakten ein bisschen die Medikation senken, damit es nicht ganz so intensiv ist. Das ist aber sehr individuell und auf jeden Fall mit dem behandelnden Arzt besprechen, falls du das in Betracht ziehen möchtest.

ich glaube du passt auf jeden Fall ganz gut zu uns hier ins Forum, der nicht passer. :slightly_smiling_face:

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Bei mir ist dass unter Medikation aushaltbarer geworden aber ich verstehe es trotzdem nicht warum man immer alles so laut aufdrehen muss , selbst wenn die Ohren es aushalten kann ich es im Körper auch nicht gut haben.
Ich verstehe auch nicht warum die Menschen das aushalten und am liebsten noch direkt vor den Boxen herumtanzen.
Vor allem würde weniger Lautstärke für selbigen Spaß ja auch ausreichen.

Ist unsere Empfindlichkeit nicht manchmal auch die „natürliche“ Reaktion während der Rest stumpf alle Signale überhört und seinem Körper sowas aussetzt?

Aber ich wollte nicht abschweifen!!!

Fühlst du dich denn richtig eindosiert oder hättest du mit einer niedrigeren Dosis selben positiven Effekt mit geringerer Reizoffenheit?

Gut das du ASS abklären lässt vielleicht kannst du mit dem Wissen dann die Medikation noch anpassen .

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Tatsächlich kann die Empfindlichkeit gegenüber Reizen sich gerade beim Eindosieren verstärken. Oder bei Überdosierung. Beim Eindosieren war ich tatsächlich reizoffener. Durchaus möglich, dass eine ASS stärker durchkommt, wenn die Medikamente gegen die ADHS wirken. Ich nehme das bei mir auch so wahr. Es kann aber auch sein, dass die Medikamente bei (gleichzeitiger) ASS insgesamt weniger gut wirken. Auch das Problem liegt bei mir tendenziell vor, eine Verbesserung aber leider nicht so groß.

Ich würde demnach sagen: Es kommt auf das Gesamtbild an.

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bin seit einem jahr eindosiert, ich warte ab was mein ass termin erbringt. mal schauen was dann geht

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Also eigentlich ist ADHS der kaputte Reizfilter, der wird durch die Medikation wieder „aufgebaut“, wenn ich das richtig verstanden habe. Man bekommt aufgrund der Medikation halt mit was einem im Grunde auf die „Nerven“ geht ansonsten ist man Unruhig, Unkonzentriert, Durcheinander, Wild etc. und weiß nicht warum, was an für sich auch mal nicht schlecht ist, weniger belastend je nach Situation aber so richtig Alltags-, Schul- und Arbeitstauglich ist man dann natürlich auch nicht. :heart:

Bezieht sich auf die mit Doppel Diagnose. Den sweatspot zu finden ist nicht einfach, und hatte dazu gelesen das viele der AUDHDler die Dosis irgendwann senken oder gar nichts mehr nehmen.

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Hallo und Willkommen!

Ich kenne es so, dass viele ADHSler auch Autisten sind und umgekehrt. Inzwischen gehen einige Forscher davon aus, dass es sogar das gleiche Spektrum sein könnte, weil es eben so viele Überschneidungen gibt.
Das bedeutet für die Praxis, dass Betroffene je nach Lebensphase unterschiedlich stark von ADHS oder ASS Symptomen betroffen sein können. Mal dominiert das Eine, mal das Andere.
Ich stelle mir das wie ein großes Mischpult vor, dessen Regler individuell eingestellt sind und sich je nach Lebensphase umstellen können.

Oft hört man, dass Menschen erst mit ADHS diagnostiziert werden und sich dann nach der medikamentösen Einstellung die vorher abgeschwächten oder überlagerten ASS Symptome stärker zeigen.
Es kann also durchaus sein, dass du das Gefühl hast, durch das Medikinet „autistischer“ zu werden. Die Symptome werden dann aber nicht vom Medikinet ausgelöst, sondern waren schon immer da. Sie wurden nur vom ADHS überlagert oder ausgeglichen.

Ein weiterer Punkt ist das Maskieren bzw. Demaskieren. Im Laufe der Jahre lernen wir, uns anzupassen. Leider nicht immer zu unserem Vorteil und nicht im Einklang mit unseren Bedürfnissen. Durch eine Diagnose beginnen wir, uns mehr mit uns selbst und unseren Bedürfnissen zu befassen. Wir fahren das Maskieren runter und erkennen plötzlich, was uns eigentlich gut oder nicht gut tut. Da können dann eben auch autistische Verhaltensweisen oder Bedürfnisse wiederentdeckt werden.

Mir geht es gerade ähnlich. Ich bin seit einem Jahr in Behandlung und mehr und mehr kommen Dinge zurück, die ich schon als Kind kannte. Im Alltag belasten mich meine ADHS Symptome stark, so dass ich Medikinet nehme. Jetzt habe ich Raum für mehr Selbsterkenntnis und immer mehr vergrabene autistische „Regler“ auf meinem Mischpult sind für mich wahrnehmbar. Und eben auch die Erkenntnis, dass sie schon immer auf einem bestimmten Pegel waren, nur eben überlagert oder gezwungenermaßen mittels Maskieren abgeriegelt.

Soll nicht heißen, das das bei dir alles genauso ist. Aber vielleicht passt es ja.
Ich persönlich würde mich vor der ASS Diagnostik nochmal eingehend mit Masking bzw. Camouflaging befassen. Die Fragebögen, vor allem der Asperger-Fragebogen sind sehr knapp gehalten und schlecht formuliert. Besser ist da schon ADOS bzw. ADOS-2. Aber auch da muss man wissen, auf was die Fragenden eigentlich hinaus wollen. Bei der ersten (halbherzigen und nicht professionellen) Diagnostik unserer Tochter habe ich viele Fragen verneint, obwohl sie zugetroffen haben. Ich wusste einfach mit den Fragestellungen nichts anzufangen und hatte nicht die passenden Beispiele. Außerdem hat die Ärztin bei „kommt drauf an“ immer unauffällig gekreuzt, was auch nicht richtig war. Einige Monate später haben wir das alles nochmal richtig machen lassen und die Diagnostikerin hat viel besser nachgefragt. Die Diagnose war dann mehr als eindeutig.

Weißt du, welche diagnostischen Tools bei der Diagnostik angewendet werden? Also ob ADOS dabei ist?

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Habe meine Diagnose Asperger erhalten letzte Woche, hatte wohl doch ein gutes Gefühl:D

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Hey, total schön, dass du dich hier nochmal meldest!
Ja, manchmal haben wir schon das richtige Gespür für uns :+1: Schön, dass jetzt die offizielle Bestätigung da ist.

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