Adhs und Double Depression - keine Kraft mehr

Guten Tag,

Ich muss einfach mal mir einiges von der Seele reden weil ich niemanden habe der mir wirklich zuhört im echten Leben.

Bin Mitte 30 und männlich, wohne inner WG weil ich nach dem Studium gezwungen war schnell auszuziehen und wog mitte letzten Jahres ca 72 kilo und jetzt 58 bin 175 cm groß.

Ich suche Unterstützung, weil ich seit längerer Zeit psychisch stark belastet bin und das Gefühl habe, dass mein Leben gerade nicht mehr gut tragbar ist.

Bei mir besteht ADHS. Zusätzlich erlebe ich seit längerer Zeit Symptome wie starke Überforderung, Erschöpfung, Wut, Reizbarkeit, Einsamkeit, Freudlosigkeit und das Gefühl, innerlich ständig kämpfen zu müssen. Ich habe oft das Gefühl, dass mir fast nichts mehr richtig Freude macht, vor allem im Arbeitsalltag. Ich funktioniere viel, aber ich erhole mich kaum.

Ich habe die Diagnose erst mit 32 bekommen also vor ca 2 Jahren und konnte sie erst nicht glauben, unter anderem weil meine Mutter auch ADHS hat aber immer meinte dass ich es nicht haben kann und ich auch keine Depression haben kann. Ich wurde als Grundschüler auf die Realschule statt das Gymnasiums geschickt mit der Begründung dass meine alleinerziehende Mutter sich net genug um kümmern könnte, wohlgemerkt ich war das einzige schwarze Kind in der Klasse und Noten war im 2-3er Bereich.

Ich landete auf einer der beschisstensten Realschulen die man sich Vorstellen kann. In der 8ten Klasse ging ich dann zu einer Nachhilfe für benachteiligten Kinder mit Migrationshintergrund/armen Familien und durfte in der 9ten aufs Gymnasium. Der Preis: ich wachte in der zeit um 6 uhr morgens auf, ging zur schule, danach straight zur nachhilfe und kam ca um 19 Uhr abends nach Hause.

Mein Traum war es damals aufs Gymnasium von meinen alten Grundschulkameraden zu kommen, aber das wurde nicht wahr, stattdessen landete ich auf einem anderem wo ich gemobbt, verprügelt und gebodyshamed wurde. Dafür dass ich damals WoW gespielt wurde ich auch gemobbt. Ich hatte damals Tage an denen ich es enden wollte aber ich habs irgendwie überlebt.

Meine Mutter meinte damals “Tut mir leid aber ich kenne das deutsche System nicht du musst selber schauen”. Ich hab dann irgendwie das Abi geschafft, hatte ein paar Jahre in denen viel scheisse passiert mit ein Traumatas. Hab im Osten studiert und bin wieder zurück in die Heimat im Westen mit einem IT Master. Ich hab sogar als Tutor gearbeitet an der Uni und konnte Leuten helfen. wohl einiges der wenigen Guten Dinge die ich für die Welt konnte.

Beruflich arbeite ich in einem IT-/Entwicklungsumfeld mit viel Verantwortung. Ich habe den Eindruck, dass ich mit zu vielen Aufgaben, Prod-Systemen, Tickets, Budgetdiskussionen und Detailkontrolle belastet werde. Es gibt ein sehr enges Zeiterfassungssystem, das mich zusätzlich stresst. Ich arbeite teilweise sehr lange, auch bis spät abends, und habe häufig das Gefühl, dass meine Belastung nicht wirklich gesehen oder aufgefangen wird. Ich denke inzwischen ernsthaft darüber nach, den Job oder sogar die Branche zu wechseln.

Auch meine Wohnsituation belastet mich stark: Ich lebe sehr beengt auf etwa 9 qm, mit wenig Rückzugsmöglichkeit und wenig Trennung zwischen Arbeit und Erholung. Das verstärkt meine Überforderung.

Privat fühle ich mich sehr allein. Ich bin lange Single und sehne mich stark nach Nähe, Sicherheit, Gesehenwerden und körperlicher Geborgenheit. Gleichzeitig habe ich kaum Menschen, mit denen ich über meine Themen offen sprechen kann. Mein Mitbewohner ist zwar ein guter Mensch, aber kein wirklicher Gesprächspartner für tiefere Probleme, die Gespräche laufen immer gleich, ich erzähle, er hört was zu ist aber selber inner Depression und Kifft den ganzen Tag, dazu hat er angefangen Gras in der Wohnung anzubauen mithilfe einer Growbox.

Im familiären Bereich bin ich ebenfalls belastet: Zu meinem Vater habe ich keinen Kontakt, weil er mich zu oft verletzt hat. Hat mich eh nur 2x im Jahr maximal besucht, zu wenig Unterhalt gezahlt und ich hatte ihn als ich 20 wurde 10 jahre nicht mehr gesehen bis ich anfang 30 war. Mit meiner Mutter rede ich selten, das Verhältnis ist schwierig. Ich habe das Gefühl, dass mich viele Menschen in meinem Umfeld nicht wirklich verstehen, vor allem nicht in Bezug auf ADHS, Depression, Einsamkeit und meine Erfahrungen als schwarzer Mann bzw. als halb iranischer, halb kongolesischer Mensch in Deutschland.

Ich habe gemerkt, dass Stress, Überarbeitung, Frust und Einsamkeit bei mir oft in problematische Bewältigung umschlagen. Dazu gehören Pornokonsum, Masturbation, Rückzug, Wut und starke innere Anspannung. Ich habe versucht, Pornos und Alkohol wegzulassen; Alkohol meide ich aktuell, bei Pornos gab es aber unter starkem Stress Rückfälle. Rauchen ist weiterhin da.

Aktuell nehme ich 50 mg elvanse und abends 5 mg medikinet um klarzukommen. Ich hab jahre gebraucht um einen Psychiater zu finden und muss selbst dafür jedes mal inner andere stadt. Meiner Ärztin bei der ADHS Ambulanz habe ich alles erzählt. Sie hat mir Verhaltenstherapie und Ergotherapie verordnet.

Verhaltenstherapie sieht schlecht aus, bei mir in der nähe ist alles voll und diese 116117 Dame am Telefon meint sie hatte schon leute die 2 jahre auf der Liste waren. Ergotherapie habe ich evtl nen Platz ab Juni oder April.

Erstgespräch bei nem Psychologen ergab: ADHS bestätigung + Double Depression. Depression hat mich tbh net überrascht.

Des weiteren hab ich mich auf ADHS Gruppentherapien beworben bislang jedoch keine Rückmeldung. Selbsthilfegruppen hab ich mich ebenfalls auf mehrere beworben, es kam nur 1 Rückmeldung und die war “wir wissen nicht ob das nächste Treffen stattfindet”.

Ich hab mich für Sprachkurs eingeschrieben und auf Zeichenkurse beworben, weil ich früher gerne gemalt aber seit ca. 2 Jahren kann ich den Stift nicht mehr heben. Dass ist für mich sehr schlimm weil Kunst eines der wenigen Dinge in Leben sind die ich als Ventil nutzen konnte. Das ist jetzt quasi keine option.

Dating ist… Naja. Ich bin seit ich 20 bin Single und jetzt Mitte 30. Ich glaube ich hatte in der zeit 1x sex und 2 geküsst, das wars. Kein körperliche Nähe sonstiger art.

Jeder Tag ist ein Kampf, jeder. Es ist entweder Rassismus, ADHS, Depression, das Single Dasein oder dieser wirklich üble Job wo ich gerade hänge. Ich weiss nicht ob das normal, wenn ja bin ich vielleicht einfach schwach aber ich weiss nich wie lange ein Mensch sowas durchhalten soll.

Ich wünschte wäre nicht schwarz oder wenigstens nicht diese Mischung die ich habe. Ich bin nicht weiß genug für die weißen und nicht schwarz genug für die schwarzen.

Ich versuche es… Wirklich.

Es ist egal was ich mache, es reicht einfach nicht…

Und das macht mich aktuell sehr sehr sehr fertig.

Danke fürs Zuhören falls es dieser Post durch die Filter schafft, ich musste das irgendwo rauslassen wo Menschen sind die vielleicht verstehen was ich durchlebe.

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Hi,

Klingt als wär bei dir grad einiges los. Ich denke ganz wichtig ist erstmal, dass du weisst, das du nicht alleine bist. Beim durchlesen viel mir auf, dass aber das Gefühl aktuell bei dir sehr präsent ist, eben das alleine Sein.

Du hattest ja schon einen richtigen Impuls mit der Psychotherapie, ich denke dir würde es richtig gut tun, einen Raum zu haben wo du all diese Themen besprechen kannst. Das die Wartezeiten für Psychotherapien derzeit so lange sind, dafür kannst du nichts.

Es gibt aber auch viele Alternativen zum überbrücken.

Z.B sind Sozialpsychiatrische Dienste super für so Situationen in welcher du grade bist. Oder auch Suchtberatungsstellen, falls du das Gefühl hast das das besser passen könnte. Dort könntest du z.B auch über deinen Pornokonsum sprechen. Google das einfach mal :slight_smile:

Falls die Gedanken mal zu belastend werden gibts es in Bayern z.B den Krisendienst. Da kannst du rund um die Uhr jemanden anrufen zum reden.

Natürlich kann eine stimmige Medikation auch helfen, auch wenn sie nicht alles lösen kann. Bist du da gut begleitet?

Alles gute dir :four_leaf_clover:

Hier gibt es keine Filter, nur ein paar schlecht gelaunte Moderator/innen. Die sich aber mit den wirklich üblen Sachen beschäftigen, wie Anpreisen von Produkten, persönlichen Angriffen oder Ähnlichem. Da bist du weit weg von.

Das tut mir leid, dass du gerade so viel Mist erlebst! :adxs_knuddel:

Und ich würde sagen, wenn so stark abgenommen hast, brauchst du mehr Hilfe als einen Warteplatz auf eine Verhaltenstherapie!

Ja, die oben genannten Beratungsstellen können da super unterstützen in der nähe des Wohnortes, in passende Hilfsangebote zu vermitteln. In so akuten Notsituationen wie sie oben beschrieben wird, sollte da auch schnell was passendes gefunden werden

„nicht gesehen wird“ - Hast du es schon konkret kommuniziert? Du kannst leider nicht erwarten, dass Chefs das immer so sehen. Da musst du hingehen und sagen, was passt. Das ganze muss man natürlich richtig sagen, sonst bekommt man gerne etwas a la „Na, dann arbeite mal an deinem Zeitmanagement…“ ja, kenne ich alles.
Am besten wäre es dazu mal mit Kollegen abzuklopfen, wie man es am besten rüberbringt beim Chef.

Da sehe ich dein Hauptproblem… Deine Wünsche sind nachvollziehbar und dies ist das wichtigste im Leben. Muss auch ehrlich sagen, dass ich meinen Mann kennengelernt habe, hat auch meinem Leben eine ziemliche Wende verpasst. Nun, jetzt ist die Frage: Was kannst du tun, um jemanden kennenzulernen? Was tust du bereits?
Das Thema treibt leider viele junge Menschen um (mich früher auch) und die Antwort darauf ist nicht leicht. Aber eines ist klar, man muss ziemlich raus aus einer Komfortzone… Nur lieber jetzt als später oder nie. Du bekommst hier sicher Tipps dazu. :slightly_smiling_face:

Lieber Gigago,

was eine große Sch… :people_hugging: Alles zu viel, überall Problemberge, wie soll das jemals besser werden, nur der Wille zum Funktionieren hält die Scherben noch einigermaßen zusammen…
Du verdienst rasche Hilfe!
Was mir am Tiefpunkt meiner Krise geholfen hat und für dich ungefähr so aussehen könnte:

  • 116117 anrufen für Terminvereinbarung ohne Vermittlungscode für einen Akuttermin (Checken der Lage bei dir). Ist egal, ob du schon Diagnosen hast, du willst an diesen zeitnahen Termin. Es geht dir scheiße und da muss wer drübergucken!
  • In diesem Termin (50min) macht der/die Psychotherapeutin einen Lagecheck, wie schlecht es dir gerade geht und welche Maßnahmen deshalb nötig wären. Wenn du so ehrlich wie hier mit uns mit dieser Person bist, wird sie/er dir sehr wahrscheinlich einen Klinikaufenthalt ( Vollstationär oder Tagesklinik) empfehlen. Wichtig: Deine Verzweiflung muss für dein Gegenüber sichtbar werden! Am Besten machst du dir vorher Notizen, was du alles erwähnen willst, denn in der Situation selbst sitzt du einem fremden Menschen gegenüber, dem du in kurzer Zeit einen Überblick über dein Inneres zeigen sollst, das ist nicht leicht! Er/sie erstellt zum Ende eine 1-seitige Zusammenfassung über die Diagnosen und was ihr besprochen habt und gibt dir den Zettel mit.
  • Es gibt dann einen Folgetermin, in dem er/sie die Überweisung für die Klinik erstellt und das Prozedere mit dir bespricht. Meist hat er/sie auch eine Empfehlung für eine gute Klinik in der Umgebung.
  • Du gehst mit der Zusammenfassung zu deinem Hausarzt (oder Psychiater) und lässt dich auf dieser Grundlage bis auf weiteres von ihm/ihr krankschreiben.
  • Du bewirbst dich dann, meist online, bei dieser Klinik und erhältst eine Anmeldebestätigung.
  • Die Bearbeitung deines Antrags dauert ca 3-4 Wochen. Die Klinik klärt mit deiner Krankenkasse die Kostenübernahme. Du erhältst eine Zusage.
  • Dann beginnt eine Wartezeit von ca 4-6 Monaten, bis ein Platz frei wird (ja, das ist die ätzende Realität). Gib bei der Anmeldung auf jeden Fall an, dass du auch kurzfristig kommen kannst. Es springen immer wieder Leute ab, so dass ein Platz frei wird.
  • Rufe am besten alle 6 Wochen bei der Klinik an und frage höflich nach dem Stand der Dinge.
  • Bis es mit der Klinik losgeht, kannst du dich auf das Organisieren eines Ergotherapieplatzes konzentrieren und ggfs mit deinem Psychiater oder Hausarzt mit Antidepressiva beginnen.

Ich drücke dir die Daumen, dass du es schaffst, erste Schritte für Hilfe von außen einzuleiten :four_leaf_clover: Und sei es nur, dass du jemanden bittest, dir dabei zu helfen, professionelle Hilfe zu suchen…

Berichte gerne an dieser Stelle, wie es für dich weitergeht. Das Teilen eigenen Leides kann schon etwas Erleichterung bringen…

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Hallo @Gigago ,

das ist eine Menge, was gerade bei dir los ist / nicht passt. Hier sind schon viele gute Sachen geschrieben worden. Ich möchte noch zwei hinzufügen:

Wenn du schon als Kind und Jugendlicher schwierige Erfahrungen mit deinen Eltern, mit Mobbing, Rassismus und Ausgrenzung gemacht hast, kann sich das in einem (Bindungs)trauma niedergeschlagen haben. Auch das wäre ein Weg, auf dem du nach diagnostischer und therapeutischer Unterstützung suchen könntest.

Lass dich krankschreiben. Du bist gerade offensichtlich überlastet. Ausnahme: Das Wegbrechen einer Tagesstruktur durch eine Krankschreibung würde dich noch mehr runterziehen.

Das sind super Ansätze! Wie sieht es bei dir mit Schlaf und Bewegung aus? Wenn du beides ausreichend in deinen Alltag einbauen kannst, kann es zumindest etwas stabilisierend wirken und dein Stresslevel runterfahren. Sei nicht zu streng mit dir, wenn das alles mal nicht klappt.

Hey Gigago
dein Beitrag ist der erste, den ich hier im Forum gelesen habe und ich fühle wirklich jedes Wort davon. Trotzdem nehme ich deine Situation ein bisschen anders wahr als du selbst. Nach dem Lebensweg, den du beschrieben hast, wirkst du auf mich wie eine sehr starke Person.
Außerdem scheinst du jemand zu sein, der ehrlich zu sich selbst ist und offen über seine Probleme oder Herausforderungen sprechen kann. Auch das ist eine große Stärke, viele Menschen schaffen das nicht. Dieses ständige Masking kostet unglaublich viel Kraft. Deshalb überrascht es mich überhaupt nicht, dass du dich gerade so erschöpft oder schwach fühlst.
Mir persönlich hilft es sehr, mich mit Neurodivergenz zu beschäftigen und darüber zu lesen. Dadurch bekomme ich mehr Verständnis für mich selbst und für mein eigenes Handeln und verurteile mich weniger.
Und ehrlich gesagt steht für mich der Austausch mit anderen Betroffenen oft sogar noch vor dem Versuch, mit einem Therapeuten zu sprechen. Menschen, die Ähnliches erleben, verstehen einen häufig sofort. Und manchmal kann man auch von den Strategien der anderen profitieren.

Ich schicke dir ganz viel Kraft :heart:

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Hallo @Gigago , dass alles was Du durchmachen musstest tut mir wirklich extrem leid für Dich.

Und leider und ganz ehrlich gesagt geht mir Deine persönliche Geschichte im Moment dermassen nahe, dass ich nachdem ich Deinen Beitrag hier gelesen habe, wirklich einen seeehhhr tiefen Schmerzen in meinem Herzen spüre.

Und deshalb bin ich jetzt tatsächlich emotional nicht wirklich fähig dazu, um Dir jetzt im Moment noch mehr zu Deinem Beitrag schreiben zu können.

Ausser das ich Dir jetzt im Moment einfach nur unbedingt schreiben möchte, dass Du genau wie jeder andere Mensch auf dieser Welt erstens ein sehr liebenswerter Mensch bist, und zweitens genau wie jeder andere Mensch auf dieser Welt ein sehr wertvoller Mensch bist, und drittens das Du ein einzigartiger Mensch auf dieser Erde bist, und viertens das es Menschen auf dieser Welt gibt die Dich sehr lieben, und fünftens das man nie damit aufhören darf um 1. an das Gute in sich selbst zu glauben, und 2. nie damit aufhören darf um an das Gute in allen anderen Menschen zu glauben, und das sogar besonders oft dann, wenn einem selbst die gesamte Welt vielleicht nur noch sehr dunkel oder trostlos erscheint.

Ich persönlich wünsche Dir jedenfalls hier an dieser Stelle nur das allerbeste für Dein gesamtes Leben.
:heart: :people_hugging: :four_leaf_clover:

Erstmal vielen Dank für die Antworten. Das zu lesen hat mir tatsächlich geholfen. Wenn ihr Depressionen habt, wisst ihr, wie das ist: Das Gehirn nimmt die ganze Welt ganz anders wahr, fast nur noch negativ.

Ich kämpfe weiter, auch wenn ich nicht jeden Kampf so führe, wie ich es eigentlich gerne würde. In letzter Zeit habe ich trotzdem einiges versucht, ich versuche das mal was strukturierte wiederzugeben:

Therapie
Bei der Ergotherapie bekomme ich eventuell im Juni etwas.
Bei der Verhaltenstherapie sieht es weiterhin schlecht aus.
Eine Gruppentherapie ist vielleicht im September möglich.

Zusätzlich war ich gestern, obwohl es Streiks im öffentlichen Verkehr gab, bei einer Therapeutin für ein Vorgespräch. Sie meinte, es könne bis zu sechs Monate dauern, bis ich eine Rückmeldung bekomme. Falls in der Zeit nichts kommt, müsste ich mich danach nochmal selbst melden.

Von einer anderen Stelle habe ich ebenfalls eine Antwort bekommen. Dort ist eventuell im September etwas frei.

Heute war ich außerdem bei einer Selbsthilfegruppe beziehungsweise habe es zumindest versucht. Ich wusste allerdings nicht genau, wo sie sind, und hatte zu viel Angst, fremde Leute anzusprechen. Ich bin trotz der Streiks hingefahren und dann wieder zurück.

Ich werde auch die Optionen die hier genannt bezüglich eines stationären Aufenthaltes im Auge behalte, sollte der Zustand zu schlecht werden. Sobald ich im April den Termin der Ärztin habe werde ich mich krank schreiben lassen.

Kurse und Alltag
Nächste Woche habe ich eventuell ein Kennenlerntreffen für den Zeichenkurs.
Ab nächstem Monat geht der Sprachkurs los.

Essen und Gesundheit
Ernährungstechnisch geht es langsam voran. Ich bestelle nichts mehr und kaufe nur noch direkt im Laden ein beziehungsweise koche fast jeden Tag. Das ist auf jeden Fall ein Fortschritt. Gleichzeitig schaffe ich es aber nicht, die Menge zu essen, die eigentlich nötig wäre. Das ist irgendwie immer noch zu schwer.

Suchtverhalten und Stress
Der Pornokonsum ist zu meiner Schande fast wieder in voller Stärke zurück. Auch das Rauchen ist gerade sehr stark. Ich zünde mir teilweise sogar in Online-Meetings auf der Arbeit eine an, einfach weil die Menge an Stress und Frustration so groß ist und ich kein anderes Ventil habe, um das abzufedern.

Arbeit und Umfeld
In meiner Freizeit schaue ich mir, wenn ich nicht mit dem bereits Geschriebenen beschäftigt bin, neue Jobs an. Ich schaffe es aktuell nicht mehr, vor meinem Umfeld dieses soziale Script abzuspielen und mich einfach zu fügen. Das heißt, ich sage den Leuten direkt, dass es mir nicht gut geht.

Die Arbeit ist gerade sehr schlimm. Ich bin heute sehr wütend geworden, weil ich viel zu viel auf dem Tisch habe und die Leute nicht aufhören, mir neue Sachen reinzudrücken oder zu erwarten, dass ich sofort springe, wenn sie etwas wollen. Es ist teilweise wirklich respektlos, wegen welcher Dinge ich dort kontaktiert werde. Dazu kommt, dass komplett ignoriert wird, dass ich gerade zu wenig Zeit habe.

Ich kommuniziere auf der Arbeit, dass ich zu viel hab und gerade Ruhe brauche um die Tickets abzuarbeiten. Die Reaktion ist dass das ignoriert wird und man mich trotzdem wegen teils unnötigen Dingen kontaktiert.

Von meinen Kollegen weiß ich dass schon Leute vor mir in den Burnout gekommen sind und dass das auch ein gewisses System hat, da die meisten nach 2-3 Jahren gehen. Die älteren Kollegen erhalten ungefähr das doppelte von dem was ich verdiene und bleiben.

Wohnen und Zukunft
Ich schaue derzeit nach einer neuen Wohnung und habe etwas Geld zusammengespart. Wenn ich meine Schulden aus dem Studium tilge, eine Wohnung finde und dann noch Sachen dafür kaufen muss, werde ich wahrscheinlich kein Geld mehr für den Führerschein haben.

Ich suche auch nach einem neuen Job. Mir ist aber klar, dass ich in der Branche, in der ich gerade bin, eventuell wieder in einer Stelle lande, die genauso heftig oder sogar noch schlimmer ist, nur dass ich dann mehr verdiene. Deswegen versuche ich gerade zu recherchieren, wo es für jemanden wie mich am sichersten wäre.

Das Single-Dasein werde ich wohl noch lange fristen, und nach über 14 Jahren muss ich wahrscheinlich einsehen, dass die Chancen nicht besonders hoch sind, dass sich das bald ändert. Selbst mit Therapie wirkt es gerade so, als wäre schon ein gesunder Alltag etwas, das man nur mit Mühe und Not erreichen kann.

Die Aggression und der Zynismus dürfen nicht überhandnehmen, aber gerade ist das sehr schwer.
Abseits davon prokrastiniere ich weiterhin. Ich schaffe es nicht, den Stift zu heben, es ist zu hart. Ich habe das Gefühl, dass die Leute mich nicht mögen, wenn sie mich sehen. Ich versuche, transparent zu sein, aber ich merke, dass ich am Limit bin.

And Last but not Least:

Es ist Marathon und wenn nicht dann will ich mir wenigstens sagen, dass ich es versucht hab.

Es tut mir wirklich leid, dass ich nicht auf jede einzelne Antwort eingehen konnte. Ich weiß dass dem nicht würdig ist und bitte um Entschuldigung. Ich bin gerade nur wirklich am Limit des möglichen.

Ich habe trotzdem alles gelesen, und es hat mir wirklich geholfen.

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Was du sofort tun könntest, und was wirklich spürbar helfen kann:
Sport. Bewegung in jeder Form.
Jeden Tag ein bisschen, nichts Extremes. Eine halbe Stunde lockeres Joggen Den einen Tag eine Stunde spazierengehen und den zweiten Tag ist besser als einmal die Woche im Gym total auspowern.
Nur so als Nothilfe.

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Vor allem Ausdauersport.. . dieser hat bei mir immer so nach 3 bis 4 Wochen ganz viel bewirkt, weil der Körper Endorphine und Co ausscheidet, sich Stimmung und die schlechte Impulskontrolle deutlich stabilisierte und verbesserte und ich auch insgesamt ruhiger wurde…

Mir haben in solchen Phasen psycholigische Tageskliniken sehr geholfen. Es gibt Struktur aber man bleibt trotzdem noch zu Hause. Und du kannst fokussiert an den psychischen Themen arbeiten. Gute Besserung :heart_exclamation: