Guten Tag,
Ich muss einfach mal mir einiges von der Seele reden weil ich niemanden habe der mir wirklich zuhört im echten Leben.
Bin Mitte 30 und männlich, wohne inner WG weil ich nach dem Studium gezwungen war schnell auszuziehen und wog mitte letzten Jahres ca 72 kilo und jetzt 58 bin 175 cm groß.
Ich suche Unterstützung, weil ich seit längerer Zeit psychisch stark belastet bin und das Gefühl habe, dass mein Leben gerade nicht mehr gut tragbar ist.
Bei mir besteht ADHS. Zusätzlich erlebe ich seit längerer Zeit Symptome wie starke Überforderung, Erschöpfung, Wut, Reizbarkeit, Einsamkeit, Freudlosigkeit und das Gefühl, innerlich ständig kämpfen zu müssen. Ich habe oft das Gefühl, dass mir fast nichts mehr richtig Freude macht, vor allem im Arbeitsalltag. Ich funktioniere viel, aber ich erhole mich kaum.
Ich habe die Diagnose erst mit 32 bekommen also vor ca 2 Jahren und konnte sie erst nicht glauben, unter anderem weil meine Mutter auch ADHS hat aber immer meinte dass ich es nicht haben kann und ich auch keine Depression haben kann. Ich wurde als Grundschüler auf die Realschule statt das Gymnasiums geschickt mit der Begründung dass meine alleinerziehende Mutter sich net genug um kümmern könnte, wohlgemerkt ich war das einzige schwarze Kind in der Klasse und Noten war im 2-3er Bereich.
Ich landete auf einer der beschisstensten Realschulen die man sich Vorstellen kann. In der 8ten Klasse ging ich dann zu einer Nachhilfe für benachteiligten Kinder mit Migrationshintergrund/armen Familien und durfte in der 9ten aufs Gymnasium. Der Preis: ich wachte in der zeit um 6 uhr morgens auf, ging zur schule, danach straight zur nachhilfe und kam ca um 19 Uhr abends nach Hause.
Mein Traum war es damals aufs Gymnasium von meinen alten Grundschulkameraden zu kommen, aber das wurde nicht wahr, stattdessen landete ich auf einem anderem wo ich gemobbt, verprügelt und gebodyshamed wurde. Dafür dass ich damals WoW gespielt wurde ich auch gemobbt. Ich hatte damals Tage an denen ich es enden wollte aber ich habs irgendwie überlebt.
Meine Mutter meinte damals “Tut mir leid aber ich kenne das deutsche System nicht du musst selber schauen”. Ich hab dann irgendwie das Abi geschafft, hatte ein paar Jahre in denen viel scheisse passiert mit ein Traumatas. Hab im Osten studiert und bin wieder zurück in die Heimat im Westen mit einem IT Master. Ich hab sogar als Tutor gearbeitet an der Uni und konnte Leuten helfen. wohl einiges der wenigen Guten Dinge die ich für die Welt konnte.
Beruflich arbeite ich in einem IT-/Entwicklungsumfeld mit viel Verantwortung. Ich habe den Eindruck, dass ich mit zu vielen Aufgaben, Prod-Systemen, Tickets, Budgetdiskussionen und Detailkontrolle belastet werde. Es gibt ein sehr enges Zeiterfassungssystem, das mich zusätzlich stresst. Ich arbeite teilweise sehr lange, auch bis spät abends, und habe häufig das Gefühl, dass meine Belastung nicht wirklich gesehen oder aufgefangen wird. Ich denke inzwischen ernsthaft darüber nach, den Job oder sogar die Branche zu wechseln.
Auch meine Wohnsituation belastet mich stark: Ich lebe sehr beengt auf etwa 9 qm, mit wenig Rückzugsmöglichkeit und wenig Trennung zwischen Arbeit und Erholung. Das verstärkt meine Überforderung.
Privat fühle ich mich sehr allein. Ich bin lange Single und sehne mich stark nach Nähe, Sicherheit, Gesehenwerden und körperlicher Geborgenheit. Gleichzeitig habe ich kaum Menschen, mit denen ich über meine Themen offen sprechen kann. Mein Mitbewohner ist zwar ein guter Mensch, aber kein wirklicher Gesprächspartner für tiefere Probleme, die Gespräche laufen immer gleich, ich erzähle, er hört was zu ist aber selber inner Depression und Kifft den ganzen Tag, dazu hat er angefangen Gras in der Wohnung anzubauen mithilfe einer Growbox.
Im familiären Bereich bin ich ebenfalls belastet: Zu meinem Vater habe ich keinen Kontakt, weil er mich zu oft verletzt hat. Hat mich eh nur 2x im Jahr maximal besucht, zu wenig Unterhalt gezahlt und ich hatte ihn als ich 20 wurde 10 jahre nicht mehr gesehen bis ich anfang 30 war. Mit meiner Mutter rede ich selten, das Verhältnis ist schwierig. Ich habe das Gefühl, dass mich viele Menschen in meinem Umfeld nicht wirklich verstehen, vor allem nicht in Bezug auf ADHS, Depression, Einsamkeit und meine Erfahrungen als schwarzer Mann bzw. als halb iranischer, halb kongolesischer Mensch in Deutschland.
Ich habe gemerkt, dass Stress, Überarbeitung, Frust und Einsamkeit bei mir oft in problematische Bewältigung umschlagen. Dazu gehören Pornokonsum, Masturbation, Rückzug, Wut und starke innere Anspannung. Ich habe versucht, Pornos und Alkohol wegzulassen; Alkohol meide ich aktuell, bei Pornos gab es aber unter starkem Stress Rückfälle. Rauchen ist weiterhin da.
Aktuell nehme ich 50 mg elvanse und abends 5 mg medikinet um klarzukommen. Ich hab jahre gebraucht um einen Psychiater zu finden und muss selbst dafür jedes mal inner andere stadt. Meiner Ärztin bei der ADHS Ambulanz habe ich alles erzählt. Sie hat mir Verhaltenstherapie und Ergotherapie verordnet.
Verhaltenstherapie sieht schlecht aus, bei mir in der nähe ist alles voll und diese 116117 Dame am Telefon meint sie hatte schon leute die 2 jahre auf der Liste waren. Ergotherapie habe ich evtl nen Platz ab Juni oder April.
Erstgespräch bei nem Psychologen ergab: ADHS bestätigung + Double Depression. Depression hat mich tbh net überrascht.
Des weiteren hab ich mich auf ADHS Gruppentherapien beworben bislang jedoch keine Rückmeldung. Selbsthilfegruppen hab ich mich ebenfalls auf mehrere beworben, es kam nur 1 Rückmeldung und die war “wir wissen nicht ob das nächste Treffen stattfindet”.
Ich hab mich für Sprachkurs eingeschrieben und auf Zeichenkurse beworben, weil ich früher gerne gemalt aber seit ca. 2 Jahren kann ich den Stift nicht mehr heben. Dass ist für mich sehr schlimm weil Kunst eines der wenigen Dinge in Leben sind die ich als Ventil nutzen konnte. Das ist jetzt quasi keine option.
Dating ist… Naja. Ich bin seit ich 20 bin Single und jetzt Mitte 30. Ich glaube ich hatte in der zeit 1x sex und 2 geküsst, das wars. Kein körperliche Nähe sonstiger art.
Jeder Tag ist ein Kampf, jeder. Es ist entweder Rassismus, ADHS, Depression, das Single Dasein oder dieser wirklich üble Job wo ich gerade hänge. Ich weiss nicht ob das normal, wenn ja bin ich vielleicht einfach schwach aber ich weiss nich wie lange ein Mensch sowas durchhalten soll.
Ich wünschte wäre nicht schwarz oder wenigstens nicht diese Mischung die ich habe. Ich bin nicht weiß genug für die weißen und nicht schwarz genug für die schwarzen.
Ich versuche es… Wirklich.
Es ist egal was ich mache, es reicht einfach nicht…
Und das macht mich aktuell sehr sehr sehr fertig.
Danke fürs Zuhören falls es dieser Post durch die Filter schafft, ich musste das irgendwo rauslassen wo Menschen sind die vielleicht verstehen was ich durchlebe.