ADHS und Freundschaften mit Hyperfokus auf andere

Ich habe mich viel mit dem Thema Freundschaften als ADHSlerin beschäftigt, weil ich oft Freundschaften nicht lange halten konnte und mich gefragt woran das liegen könnte. (Edit: Das ist heute nicht mehr so, ich habe schon sehr langanhaltende Freundschaften und empfinde das auch als sehr gute intensive Freundschaften. Man sieht sich halt nur nicht mehr täglich, was ja auch normal ist je älter man wird.)

Meine abschließende Theorie dazu ist, dass ich zu Beginn so überangepasst bin, dass ich die andere Person oft über meine Grenzen treten lasse. Und sobald der Hyperfokus auf eine Person nachlässt, dann fange ich wieder an Grenzen zu setzen und das passt meistens den Anderen nicht und es entsteht eine Art Bruch.

Und irgendwie neige ich dazu Menschen in mein Leben zu lassen, die mir nicht „wohlgesonnen sind“ (Aber dazu ein anderes Mal mehr)

Jedenfalls habe ich das Muster, durch Therapie und viel Selbstreflexion durchbrochen und bin jetzt in der Situation, dass ich auf der anderen Seite stehe. Eine befreundete Person hat wahrscheinlich auch ADS und ist grade in der Diagnosephase und ich empfinde die Situation als folgendermaßen:

Ich glaube als Person mit ADHS kann man nicht gut mehrere intensive Freundschaften gleichzeitig führen. Ich glaube man kann dann entweder 110% Freundschaft oder nur eine Bekanntschaft haben. Und neigt dann oft dazu bei den Bekanntschaften die „Fehler“ deutlicher zu sehen. Und kann sie aber nicht ansprechen.

Ich habe das Phänomen bei ihr beobachtet und es klar angesprochen und ihr gesagt, dass die Dinge über die sie mit mir über die anderen redet, doch besser an die Betroffenen adressieren kann. Seit dem ist zwischen uns eine Art Funkstille, wobei der Kontakt vorher schon intensiv und fast täglich war, weil ich das aber auf eine Art nicht mehr leisten kann, wegen Studium, Partnerschaft und eigenes Leben, hat sie sich eine andere Person gesucht, mit der sie so eine intensive Freundschaft leben kann.

Also das beschäftigt mich grade, ich kann da nicht so gut in meinem Umfeld drüber reden, deswegen dachte ich, ich schreib es einfach mal runter. Vielleicht kann hier eine Art Dialog über Freundschaften mit und unter ADSlern und co. entstehen?

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Hallo Liebe @Friedha

Freundschaften, dass Thema ist bei mir persönlich ganz ehrlich gesagt irgendwie schon lange durch.

Klar ich bin inzwischen alt, und in meinem inzwischen alten Leben zu häufig umgezogen, und habe zu oft den Job gewechselt, dann geheiratet und nur noch für die Familie gelebt, dann einen Burnout gekriegt, oder besser gesagt „einen Zusammenbruch“, danach habe ich mich bis heute nicht mehr richtig davon erholt, und bin seither „psychisch angeknackts“.

Bin dünnhäutig, schnell getriggert, Ruckzuck erschöpft, und meistens dauermüde, heisst für Freundschaften bin ich ungeeignet, und das weil ich weder die Kraft noch die Lust dazu habe, um mit anderen Smalltalk zu führen, oder mir alkoholisiert die Nächte um die Ohren zu schlagen, noch ständig Geld ausgeben zu können, da ich eine Langzeitarbeitslose bin seit ich 50 bin, und ausserdem geschieden bin, und, und, und.

Und Naja, jedenfalls ich wie gesagt niemand mehr bin mit dem irgend jemand überhaupt noch Interesse daran hat um mit mir befreundet zu sein.

Jedenfalls lange Rede kurzer Sinn, heisst was ich eigentlich sagen wollte war dass man solche Sachen von wegen wie mit Freundschaften, in Wahrheit eigentlich nicht wirklich steuern kann, denn das Leben macht meistens was es will.

Heisst wenn man oft genug den Job, oder Wohnort wechselt, da ja oft weder das eine noch das andere im Leben „auf ewig“ ist, oder immer gleich bleibt, verlieren sich dadurch eben auch Menschen aus den Augen, ausserdem kommen noch Paarbeziehungen dazu, was auch sehr oft die Dynamik zwischen Freundschaften verändert.

Jedenfalls sind alleine all diese Anforderungen ja schon anstrengend genug, und deshalb hält es auch kaum jemand dauerhaft aus, sich neben allen diesen Anforderungen auch noch regelmässig um seine Freundschaften kümmern zu können, und vor allem auch nicht wenn man sich z.B. dauernd entschuldigen muss weil man halt vielleicht zeitweise mal seine Ruhe braucht, und das dann aber nicht verstanden wird.

Jedenfalls, Freundschaften aufrecht zu erhalten ist in Tat und Wahrheit ein Stück weit Arbeit, vielleicht am besten vergleichbar mit Gartenarbeit, weil wenn man sich nicht um seine Pflanzen kümmert, dann verkümmern sie, oder gehen ein.

Allerdings gilt das auch anders herum, heisst auch die Freude müssen sich um Dich kümmern, heisst auch sie müssen Gärtner sein, und Dich wie eine Pflanze in ihrem Garten sehen, und diese Pflanze, also Dich, genauso hegen und pflegen, wie Du sie.

Heisst alles in allem kann man, wenn man Glück hat, von daher also Freundschaften vielleicht schon aufrecht erhalten, nur halt „wie lange“?, denn trotzdem ist nichts garantiert, oder womöglich für ewig in Stein gemeiselt.

Meine ehemals beste Freundin und ich haben uns dann letztendlich vor Jahren „getrennt“, weil wir uns in unseren politischen Ansichten total unterschiedlich entwickelt hatten, respektive sie sich politisch plötzlich als sehr rechts gerichtet geoutet hatte, und wir uns dann, da ich links bin, nicht mehr verstanden haben, und man solche tiefen Gräben die zwischen uns entstanden waren, halt nicht „übertünchen“, oder „ausblenden“ kann.

Jedenfalls hat insofern auch nicht alles im Leben „nur mit ADHS zu tun“, sondern oft ganz einfach damit, dass Menschen generell verschieden sind.

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Ich würde sagen Jain.
Also ich persönlich bin auch der Meinung, die meisten Leute haben eigentlich wenige Freunde, neigen aber dazu, irgendwie jeden direkt als „Freund“ zu labeln. Dabei gibt es „nur“ eine handvoll Leute, mit denen man wirklich über seine Ängste, Sorgen, usw spricht. Der Rest sind also eigentlich eher gute Bekannte.
Ich sage immer, ich habe nur so viele Freunde, wie ich bereit bin, gleichzeitig für mehrere Menschen wirklich da zu sein. Weil könnte ja sein, plötzlich haben alle gleichzeitig einen Todesfall, eine Trennung, einen schweren Unfall etc. Um wie viele Leute kann ich mich wirklich (emotional) kümmern?! Ohne selber daran kaputt zu gehen. Also bei mir sind es 5. Für diese 5 (kenne ich größtenteils seit der Kindheit) würde ich sofort alles stehen und liegen lassen, und sie für mich. Gabs (leider) schon genügend Gelegenheiten, die das bewiesen haben.
Und der Rest sind für mich gute Bekannte. Mit denen rede ich auch über persönliche Sachen, oder helfe beim Umzug, und ich würde sie wohl auch abholen wenn sie mitten im Regen mit dem Auto liegen bleiben etc. Aber ich könnte für sie wahrscheinlich nicht so krasse emotionale Arbeit leisten, wie für meine 5 Freunde. Weil am Ende des Tages bin ich auch nur ein Mensch, und kann nicht die Last von 20 auf mich laden.

Das unterschreibe ich genau so!
Ich habe Probleme, neue Freundschaften bzw gute Bekannte langfristig zu halten. Nach ein paar Wochen verläuft sich vieles im Sande…oder man wird einfach doch nicht so eng miteinander. Was beides okay ist. Und ich denke inzwischen auch, dass ich am Anfang krass maskiere und es der Person recht machen will etc, aber nach einiger Zeit dann auch wieder meine eigenen Grenzen setze, und dann merkt die Person, ah okay die läuft doch nicht nur nach meiner Pfeife, ja und dann wird´s für manche halt doch wieder uninteressant.
Aber ganz ehrlich - das sind ja keine Verluste. Wenn jemand ein Problem damit hat, dass ich Grenzen setzte, brauche ich die Person sicher nicht in meinem Leben.

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Danke für deine ehrliche Antwort und ich stimme dir in allen Punkten zu! Ich wünsche mir Freund*innen, die auch in schweren Situationen in mich investieren und dann nicht direkt das Gefühl haben immer „geben“ zu müssen.

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Und auch hier kann ich dir wieder vollumfänglich zustimmen! Ich hab auch eine Handvoll Freunde, die ich zwar nicht regelmäßig sehe, aber wenn der Anruf kommt, bin ich da und Geburtstage und wichtige Termine werden schon im vorraus blockiert.

Mit dem überangepasst sein, ich arbeite dadran, aber selbst jetzt, obwohl ich um das Phänomen weiß, bin ich wieder in der gleichen Situation. Ich setze Grenzen, äußere Bedürfnisse und die „Freundschaft“ fliegt mir um die Ohren. Obwohl ich diesmal zu 80% sicher bin, dass es nicht daran liegt, sondern das eher ein vorgeschobener Grund ist. Von der letzten Freundin wurde ich als „Freundschaftshopperin“ bezeichnet. Wobei ich das absolut unfair finde, weil was soll man denn machen, wenn es nicht klappt? Ich probiere es halt immer wieder aber ich stoße jedes Mal auf die gleichen Probleme und selbst wenn ich von Anfang an nicht maskiere, fällt es mir jetzt doch wieder vor die Füße. Es ist zum verzweifeln ._.

Ich fühle das so!!
Aber na ja, also ich hab halt einfach akzeptiert dass ich mit meinen 5 Freunden glücklich bin und nicht unbedingt darauf anlegen sollte, mehr dazuzugewinnen xD wie gesagt - ich habe viele Bekannte und das ist ja auch schön. Auch wenn es eher oberflächlich ist, aber die mag ich ja trotzdem.

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Ich achte immer bisschen auf mich selbst aber zuletzt gravitiere ich auch zu aehnlichen personen. Halte dich fern von Menschen die dich ausnutzen wollen durch ùberfordernde wünsche (eg dich ständig nach einen Gefallen fragen ) eine „influencerin hatte dafür ein tolles t-shirt " guard your yes with your life“ pass auf dein Ja auf als würde dein leben davon abhängen.

Aber „überfalle“ Leute nicht mit Geschenken sei es selbstgemachter Natur, gekauft oder nur deine Zeit wenn sie selber keine Zeit haben)

(auch ein anderes " i am not a complete wreck i am a very competent wreck)

ok achte auf reziprozität , also mach nicht mehr als du bekommst .

schnüffel nicht viel in der vergangenheit rum oder wenn du es tust erzähle es nicht weiter. ( bisschen problem bei mir , meine hauptbuchsorte neben wissenschaftlichen Büchern ist biographien und entwicklung)

Merke dir kleine dinge die sie sagten um es an anderer stelle aufzubringen .

wenn ihr gemeinsame Interessen habt top ansonsten geht das meistens nicht.

und es gibt ja wie gesagt sehr viele Leute die zu anderen ND gravitieren und häufig kommt da ganz viel zeit den bach runter dann erinnert man und sagt ach hab ich ja schon ewig nicht gesehen schreibt sie vielleicht an wegen irgendetwas beobachtes und hey presto ist als wäre keine zeit zwischen den interaktionen gewesen. Das ist auch ok wenn es mit dir und der anderen person ok ist

wenn du mich fragst kann ich auch noch paar fallbeispiele aufführen(aber über pn)

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