ADHS und Lebensbewältigung

Hallo zusammen,

ich bin 18 Jahre alt und habe vor Kurzem meine ADHS-Diagnose bekommen. Die Diagnose kam nach einem sehr starken Burnout mit massiven Angstzuständen, weshalb ich auch in einer Klinik war.

Ich schreibe hier, weil ich gerade ehrlich nicht mehr weiß, was ich machen soll und hoffe, dass vielleicht jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder mir erzählen kann, was ihm geholfen hat.

Ich habe versucht mal alles grob zusammen zu fassen, es ist ein etwas längerer Text geworden. Ich würde mich mega freuen wenn sich jemand die Zeit nehmen würde und mir vielleicht anhand eigener Erfahrungen helfen könnte :slight_smile:

Depressionen, Angst und innere Unruhe

Ich habe schon seit mehreren Jahren vermehrte schwere Depressionen. Irgendwann kamen dann auch Panikattacken und starke Angstzustände dazu.

Ich habe eigentlich fast täglich Phasen, in denen ich mich einfach leer und antriebslos fühle. Gleichzeitig habe ich ständig das Gefühl, nie am richtigen Ort zu sein. Egal, was ich gerade mache – ich denke immer, ich müsste eigentlich irgendwo anders sein. Das macht mich nur noch unruhiger als ich es sowieso schon bin.

Diese Unruhe ist eigentlich die ganze Zeit da. Mein Kopf ist dauerhaft am Denken und ich finde einfach keine Ruhe.

Schlaf

Durch dieses Gedankenkreisen kann ich oft schlecht einschlafen. Manchmal bekomme ich sogar richtige Panik beim Einschlafen, weil mein Kopf einfach nicht aufhört und ich nicht abschalten kann.

Selbstzweifel

Ich habe extrem viele Selbstzweifel und denke oft, dass alle mich hassen oder genervt von mir sind.

Ich bin ziemlich tollpatschig, vergesse viele Dinge und bin sehr unorganisiert. Dadurch passieren mir ständig Missgeschicke und ich denke dann sofort, dass andere mich deswegen ablehnen.

Zudem verspüre ich oft sehr stake Schuldgefühle wegen meiner Ungeschicktheit.

Ich habe generell das Gefühl, nie genug zu sein und irgendwie immer alles falsch zu machen, egal was ich tue.

Emotionen regulieren

Ein weiteres großes Problem ist, dass ich meine Emotionen überhaupt nicht richtig regulieren kann.

Meine Stimmung oder meine Meinung zu einer Situation oder sogar zu einer Person kann sich innerhalb von Sekunden oder Minuten komplett ändern – je nachdem, was gerade passiert ist oder wie ich etwas auffasse. Es fühlt sich an, als würden meine Gefühle ständig zwischen den Extremen hin- und herspringen.

Oft endet das dann in Wut. Nicht unbedingt, weil ich jemandem schaden möchte, das ist das letzte was ich möchte, sondern weil ich so viel Frustration in mir habe. Ich hinterfrage sehr vieles und verstehe oft nicht, warum Menschen so handeln, wie sie handeln oder warum manche Situationen so sind, wie sie sind. Dieses Unverständnis steigert sich dann häufig in Wut, Überreizung und das Gefühl, komplett überfordert zu sein.

Ich habe allgemein das Gefühl, dass ich meine Emotionen überhaupt nicht steuern kann. Oft weiß ich gar nicht, was ich eigentlich fühlen soll oder warum ich plötzlich so intensiv auf etwas reagiere. Ich fühle einfach extrem viel und bin auch sehr empathisch was oft mehr Fluch als Segen ist. Es macht mich einfach unsicher, weil ich das Gefühl habe, meinen eigenen Gefühlen manchmal gar nicht vertrauen zu können.

Burnout und keine Balance

Ich hatte schon öfter Burnout-Phasen, aber der letzte war so schlimm, dass ich schließlich in die Klinik gekommen bin.

Mein größtes Problem ist, dass ich einfach keine Balance finde. Entweder bin ich unterfordert und lande in einer Depression oder ich bin überfordert und lande in Angst, Panik und Burnout. Dazwischen scheint es für mich irgendwie nichts zu geben.

Familie

Ich habe zusätzlich eine sehr belastende Familiensituation. Meine Eltern sind für mich leider kaum eine Stütze, sondern eher eine zusätzliche Belastung. Dadurch fehlt mir einfach ein Ort, an dem ich wirklich zur Ruhe kommen kann.

Freundschaften und Beziehungen

Ich merke oft, dass ich mich an Menschen hänge, die mir eigentlich gar nicht guttun. Trotzdem fällt es mir unglaublich schwer, mich von ihnen zu lösen, weil sie mir kurzfristig irgendwie dieses Dopamin geben.

Obwohl ich weiß, dass mir manche Dinge oder Menschen nicht guttun, mache ich trotzdem weiter, weil es sich in dem Moment gut anfühlt. Danach geht es mir meistens aber nur noch schlechter.

Ich habe außerdem oft Limerenz. Wenn ich eine Person idealisiere, bin ich komplett auf sie fixiert und würde am liebsten alles für sie tun. Das nimmt manchmal wirklich ungesunde Ausmaße an.

Gleichzeitig hinterfrage ich aber ständig, ob Menschen mich überhaupt mögen oder ob sie etwas gegen mich haben. Also irgendwie passiert bei mir beides gleichzeitig.

Zukunft und Selbstvertrauen

Ich weiß gerade einfach nicht, was ich eigentlich will oder was gut für mich ist.

Ich habe das Gefühl, dass ich mich gar nicht auf mich selbst verlassen kann. Stattdessen mache ich mein Selbstwertgefühl sehr davon abhängig, was andere von mir denken.

Ich hinterfrage ständig mich selbst und andere Menschen und habe das Gefühl, mich selbst gar nicht richtig zu kennen.

Reizüberflutung und körperliche Beschwerden

Ich habe starke Reizüberflutungen und bekomme davon oft Migräne. Das macht mich zusätzlich total fertig.

Durch meine Angstzustände ist mir außerdem häufig so schlecht, dass ich kaum essen kann. Dadurch fehlt mir die Energie.

Eigentlich hilft mir Sport dabei, einen Ausgleich zu finden. Aber wenn ich nichts essen kann, habe ich keine Kraft für Sport. Und ohne Sport geht es mir psychisch wieder schlechter. Das fühlt sich wie ein richtiger Teufelskreis an.

Naivität und Misstrauen gleichzeitig

Was ich selbst irgendwie komisch finde: Einerseits hinterfrage ich alles und denke ständig, dass andere vielleicht etwas gegen mich haben.

Andererseits bin ich oft total naiv, wenn mir jemand etwas direkt sagt – vor allem, wenn ich diese Person idealisiere. Dann glaube ich ihr einfach und gerate dadurch leider immer wieder an Menschen, die es nicht gut mit mir meinen. Ich glaube oft, dass andere genauso ehrlich sind wie ich, und werde dadurch leider häufig enttäuscht.

Meine Frage

Ich bin gerade einfach sehr unzufrieden mit meinem Zustand und weiß nicht, wie ich da alleine wieder herauskommen soll. Ich habe das jetzt schon seit ich denken kann und ich habe angst dass ich das alles nicht schaffe.

Hat sich vielleicht jemand in irgendeinem meiner Probleme wiedererkannt oder hat sogar einen Weg gefunden damit umzugehen?

Habt ihr gelernt, eine Balance zwischen Unter- und Überforderung zu finden? Wie habt ihr gelernt, Grenzen zu setzen, euch selbst mehr zu vertrauen und euch nicht so sehr von anderen abhängig zu machen?

Ich freue mich wirklich über jede Erfahrung oder jeden Tipp. Im Moment fühle ich mich mit all dem ziemlich allein und hoffe einfach, dass jemand diese Gefühle nachvollziehen kann.

Vielen Dank für eure Zeit :slight_smile:

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Hey, mit Tipps kann ich gerade leider gar nicht helfen, aber vielleicht hilft es dir zu wissen, dass du damit ganz sicher nicht allein bist. Ich habe bei mind. 75% deines Textes gedacht, dass das auch von mir geschrieben sein könnte :people_hugging: :four_leaf_clover:

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Hallo,

manches ist bei mir auch ähnlich.

Nimmst du denn jetzt Medikamente?
Vielleicht wäre es auch gut, zusätzlich einen Therapieplatz zu suchen. Schuldgefühle sind oft ein Symptom von Depressionen. Eigentlich musst du gar keine Schuldgefühle haben, denn du tust ja alles, so gut du es eben kannst. Es ist wichtig, sich selbst auch mit den Schwächen anzunehmen. Es ist okay ungeschickt zu sein. Andere haben andere Schwächen. Mein Zwischenschritt in der Situation war die Aussage „selbst wenn niemand mich mag, ich mag mich“. Darauf kann man später aufbauen, und dann werden meistens auch die Beziehungen zu anderen besser als vorher. Das ist natürlich etwas, was nicht von heute auf morgen geht, aber es geht.

Herzlich Willkommen @imi :slightly_smiling_face:

Ich konnte mich mit einer jüngeren Version von mir in deinem Text sehr gut wiederfinden, ja. Ob ich dafür schon den richtigen Weg gefunden habe weiß ich nicht, aber ich bin definitiv auf irgendeinem Weg.

Ganz ehrlich: auf die Fresse fallen! (Metaphorisch gesprochen)

Was sonst noch geholfen hat ist schwer zu sagen, da gibt’s so viele Möglichkeiten und im Endeffekt hat man sein Leben einfach nicht aufgebaut wie eine wissenschaftliche Studie in der man Effektstärken sehen kann. Und selbst wenn, jeder Mensch ist ja auch anders.

So wie du schreibst habe ich aber den Eindruck dass ziemlich genau weißt wo deine Probleme sind und wie sie zustande gekommen sind. Das ist schon mal der wichtigste Schritt und daraus wirst du auch Lösungen ableiten können.

Was ich dir auf jeden Fall mitgeben möchte, als jemand der selbst immer alles hinterfragt und überdenkt: lass nicht zu dass das das Vertrauen in dich selbst zerstört.

Du kennst dich selbst am besten, und es wird immer Menschen geben die meinen sie wüssten alles besser, mal ganz abgesehen vom Internet wo man ständig mit allen möglichen Tipps bombardiert wird.

Das ist nicht immer unbedingt hilfreich.

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Das ist ein sehr, sehr wertvoller Hinweis. Ich hab den mal gefettet, weil ich ihn so wichtig finde.

(Nimm ihn dir zu Herzen. Sich von NT-Menschen, auch wenn sie es echt gut meinen, sagen zu lassen, wie was funktioniert/funktionieren soll und was man „nur einfach“ machen muss und was einem leicht fallen sollte und woran man sich schon gewöhnen wird, weil „das geht am Anfang jedem so, das gibt sich“, naja… das ist eine recht gute Wegbeschreibung in einen Burnout. #fieldtested)

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Aber nicht nur die!

Alle Menschen haben in gewisser Weise eine „eingeschränkte Sicht“. Manche mehr und manche weniger. Am gefährlichsten sind die Ratschläge von den Menschen, die sich dessen absolut nicht bewusst sind.

Im Endeffekt wird jeder in das was man erzählt irgendwas rein projizieren (müssen), weil wir eben so funktionieren und niemand EXAKT das selbe erleben wird.

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Ich hab auch schon mehrfach gehört, dass Ratschläge generell nicht gut sind, sondern man der Person eher helfen sollte, seine/ihre eigenen Lösungen zu finden.

Z.B. in dem man Möglichkeiten und Optionen aufdeckt, an die der anderen vielleicht nicht gedacht hat.

Manchmal können auch Erfahrungen von anderen helfen. Ich hab mir das angewöhnt (hoffentlich im immer, dazu zu sagen, dass dies oder jedes bei MIR geholfen hat. Damit hoffentlich klar ist, dass es keine universelle Lösung für alle ist.

Aber ein: mach dies, mach das, ist in der Regel nicht hilfreich.

@imi ich erkenne mich auch in so vielen wieder was du schreibst.

Vor allem die Gegensätze die in mir toben (und selbst meinen Therapeuten zu überfordern scheinen…).

Das Gefühlschaos und das Gefühl, dass ich Situationen gar nicht richtig bewerten kann, weil das was ich heute denke und fühle, morgen wieder das komplette Gegenteil ist… Und ich nicht schlau werde, welcher Version von mir ich trauen kann (vermutlich beiden etwas…).

In deinem Alter war ich ebenfalls mitten in einer sehr heftigen Depression.

Und ich hab damals leider keine Hilfe gefunden.

ich bin damals durch meine Beziehung irgendwann wieder raus gekommen. Weil mir das ein Ziel gegeben hat, etwas für das sich das kämpfen lohnt.

Ausschließlich nur deshalb habe ich meine Ausbildung geschafft und einen Job angefangen.

Für mich alleine, hatte ich das nicht hin bekommen.

In meiner letzten Depression, waren es meine Kinder, für die ich weiter gemacht habe…

Ein Ziel, das mir wichtig ist, kann mir helfen Dinge auf die Reihe zu bekommen. Aber leider auch nur, wenn es Menschen die mir wichtig sind betrifft.

Für mich alleine, schaffe ich fast nichts.

Vielleicht ist das auch eine Art

Was mir früher auch schon Probleme gemacht hat, weil ich so natürlich leicht auszunutzen war…

Auch in meiner Ehe ist das mittlerweile ein echt großes Problem geworden. Ich hab das Gefühl, dass ich so viel gebe und so sehr kämpfe, alleine schon gegen mich selbst, aber ich bekomme eigentlich fast nichts zurück…

Was mir hilft:

Abgesehen davon, dass ich ein Ziel brauche, haben mir Medikamente geholfen. Antidepressiva (Bupropion) und jetzt Methylphenidat zusätzlich.

Ich würde lügen, jetzt zu sagen, dass alles top top ist, weil ich ein paar Tabletten schlucke.

Aber ich habe wieder die Energie, meinen Alltag einigermaßen zu bewältigen. Und wenn ich falle, nicht mehr so tief und vor allem nicht mehr so lange. Ich hatte seither auch erst eine Panikattacke (und die evtl von einer Überdosierung von Methylphenidat und starkem Rebound ausgelöst, zu wenig Schlaf und beginnendem Infekt und Streit mit meiner Frau, also wirklich viel das auf ein mal ziemlich doof gelaufen ist).

Außerdem hilft mir Sport (ich bin der totale Sportmuffel eigentlich). Aber ich liebe es mit dem Mountainbike raus in die Natur/ den Wald zu fahren.

Ich glaube, ich fühle fast nirgends so eine Ruhe und so einen inneren Frieden in mir, als dabei. Das gute Gefühl halt auch meistens noch lange danach an.

Das sind Sachen, die mir helfen.

Ich weiß nicht ob du daraus irgendwas ziehen kannst. Ich bin schon 20 Jahre älter, und noch immer mitten im Chaos. Ich hab allerdings auch erst letztes Jahr, mit der ADHS Diagnose, angefangen vielen an und in mir aufzuarbeiten… Davor hab ich alles verdrängt und wollte nur funktionieren…

Also lass dich davon bitte nicht entmutigen!

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Ich bekomme noch keine Medikamente, ich weiß auch nicht ob ich das will. Ich will nicht auf sie angewiesen sein, andererseits will ich endlich einfach mal Frieden haben.

Ich kenne sehr viele in meinen Umfeld, Familie, enge Freunde die Tabletten und Drogen süchtig geworden sind daher bin ich da auch etwas eigen.

Ich wurde ambulant für Ausgenommen in einer PIA, da bekomme ich momentan einmal im Monat einen Termin. Am liebsten wäre im einmal in der Woche aber naja, leider gibts es einfach zu wenig Kapazität.

Ich verstehe den Ratschlag. Jedoch hab ich schon so viel durchgemacht wegen meiner Familie von schwerer Trennung bis zu tausend mal umziehen, Missbrauch und Alkoholiker als Eltern. Dazu kommen noch meine eigenen Probleme. Ich bin mittlerweile so oft auf die Schnauze geflogen, will einfach mal das mal gut ist. Ich möchte einfach mal Frieden, es muss nicht perfekt sein, das ist es nie, aber zumindest mal Frieden in meinem Kopf und in meinem Herzen.

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Mein Eindruck (Disclaimer: bin noch Neuling, was Meds angeht) ist, dass die Medikamente sowas sind wie eine Brille oder ein Gehstock. Manche (Stimulanzien) kann man schlicht und einfach auch mal ein paar Tage nicht nehmen, weil die eh eher nur ein paar Stunden wirken und regelmäßig nachgeworfen werden müssen, andere Stimulanzien brauchen wegen Steady-State/Halbwertszeit ein bisschen länger, bis sie aus dem Körper raus sind, aber auch die kann man einfach absetzen.

Bei manchen Antidepressiva ist das nochmal anders, die musst du ausschleichen.

Aber naja, ich denke das Meme „ich habe meine angeblich so abhängig machenden ADHS Medikamente schon wieder vergessen zu nehmen“ gibt es nicht umsonst.

Das heißt natürlich nicht, dass du Medikamente nehmen musst und ich verstehe auch, dass du dir darum Sorgen machst, vor allem wenn du Suchtfälle in deinem Umfeld hast, aber vielleicht möchtest du hierüber mal mit einem Arzt reden, der auf ADHS-Medikation spezialisiert ist?

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Hallo Imi, herzlich Willkommen,

und Ja, ich habe mich in sehr vielen Punkten deiner Geschichte wiedererkannt. Insbesondere wenn ich daran denke wie es mir ging als ich in Deinem Alter war. Ich bin inzwischen Mitte 50 und habe die Diagnose erst seit 2 Jahren. Musste mich also 50 Jahre lang mit genau den von Dir beschriebenen Problemen und Gefühlen durchs Leben kämpfen.

Mit all den Fettnäpfchen, Ausgrenzungen, Stolperfallen, Traumatas, Süchten und so weiter, die Das Leben inmitten lauter neurotypischer Menschen so für Uns Neurodivergente bereit hält.

Ich zum Beispiel rutschte rasend schnell in die Alkohol- und Nikotinsucht. Später kam dann auch noch THC, Kratom und ein paar andere Substanzen dazu. Das war für mich quasi wie eine Selbstmedikation. Kann ich aber absolut nicht empfehlen! Die anfänglichen „Vorteile“ Entspannung, Enthemmung, Gelassenheit oder Coolness sind den unvermeidlichen Absturz, den körperlichen und geistigen Verfall und vor Allem die Suchterkrankung auf keinen Fall wert.
Und wenn Du es dann nach Jahrzehnten mit viel Glück doch wieder herausschaffst, dann mußt Du eh die ganze verpaßte emotionale Entwicklung aufarbeiten und Dir therapeutische Hilfe suchen.

Ich würde Dir raten, lies dich einfach mal durch die Neuvorstellungen. Besuche die Tagebücher (mich findest Du zum Beispiel unter unregelmaessige-gedanken-zum-tag) und beginne vielleicht auch selber mit dem Tagebuch schreiben.
Das bringt Ordnung ins Hirn und ist eine Möglichkeit zum Dampf ablassen. Außerdem findest Du so schnell Gleichgesinnte die Dir oft wertvolle Tipps geben können.

Also keine Angst, viel Spaß und
Wir sehen Uns :slightly_smiling_face:

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Nur ein paar unstrukturierte Gedanken: Du fragst, wie du da alleine wieder rauskommst. Warum schließt du Hilfe und Unterstützung komplett aus?

In deinem Text fehlt komplett deine "andere"Seite. Was machst du richtig gern? Wofür kannst du dich begeistern? Was gibt dir Ruhe? Falls du das wirklich gar nicht weißt, wäre mein Rat, das herauszufinden. Bei mir ist es Fahrrad fahren, die Natur, Nähen oder basteln und malen, Dinge reparieren, ganz laut Musik hören (gern auch länger ein Song auf repeat). Das ist alles kein Allheilmittel, weil ganz oft fehlt mir der Nerv, mit diesen Dingen überhaupt anzufangen. Aber es klappt doch ab und an, mich damit ein wenig zu regulieren.

Ach schwimmen steht noch ganz oben auf der Liste, mache ich viel zu selten. Total monoton Bahnen ziehen und der Kopf gibt Ruhe, keine Ahnung, wie das funktioniert.

Mit 18 bist du ja eh erst dabei, deinen Platz zu finden und das ist so schon nicht einfach. Mit psychischen Problemen ist das noch schwerer. Mach dir klar, dass das eine schwierige Phase ist und jeder kleine Schritt zählt in dem ganzen Chaos.

Der Weg ist das Ziel.

Ein guter Tipp ist übrigens, Dinge nicht lange zu zerdenken, sondern anzufangen. Ein total dämlicher Trick (also ich fand ihn dämlich, als ich zum ersten Mal davon gehört habe) hilft mir manchmal: ich zähle runter, drei zwei eins und dann fange ich an.

Körperliche Aktivität hilft mir. Kann ganz klein sein: einmal ums Haus gehen oder so.

Alles Gute!

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Das kann ich sehr gut nachvollziehen. :people_hugging:

Vielleicht ist es bei dir auch nicht nötig, aber bei mir war (/ist?) es nötig. Ich lasse mich leider viel zu schnell beeinflussen und verschwende meine Energie auf irgendwelche Ratschläge anstatt das zu tun von dem ich weiß dass es für MICH funktioniert.

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Puh, da beschreibst du einen der Kernpunkte, die mich auch sehr betreffen. Ich bin jetzt 55 und mache das seit meiner Kindheit/Jugend. Ich wünsche mir nichts mehr als endlich anzukommen, Frieden zu finden…

In meinem tiefsten Inneren weiß ich, dass das nichts wird. Trotzdem versuche ich es immer wieder und denke auch zwischendurch ab und an, dass es vielleicht doch möglich ist. Bis zum nächsten Cut, zur nächsten Katastrophe, zur nächsten Diagnose, zum nächsten Wegbrechen von Strukturen, Menschen. Dann ärgere ich mich vor allem über mich selbst, dass ich doch wieder Hoffnung hatte. Da Capo. Ich wünsche mir manchmal, es wäre mir möglich, einfach nichts mehr zu wollen oder zu hoffen. Aber mir ist klar, dass das gar nicht gut wäre.

Mir sagte eine Psychologin, ich hätte ein sehr negatives Weltbild. Sie musste dann aber zugeben, dass ich eher ein sehr realistisches Weltbild habe. Ein rosarotes wäre aber gesünder.

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Hallo Imi und herzlich willkommen,

dein langer erster Beitrag zeigt erstmal eines, du bist nicht nur ein Bisschen von ADHS betroffen. Deine ADHS beeinträchtigt dein Leben stark.

Da wird dir (hoffentlich) jeder Fachmensch sagen: Das ohne Medikamente hinkriegen ist fast unmöglich. Wenn du einen Beruf ausüben, eine Paarbeziehung und vielleicht auch eine Familie haben möchtest, dann steht dir die ADHS im Wege. Es wäre doch schade, wenn du noch 20 Jahre die Medikamente vermeidest und dann siehst, was hättest du in der Zeit erleben können (oder auch dir ersparen können), wenn du schon früher damit begonnen hättest.

Und selbst die Suchtgefahr ist mit medikamentöser Behandlung geringer, nicht größer. Es ist nicht dasselbe, ADHS-Medikamente zu nehmen oder von einem Medikament abhängig zu sein, sondern es ist ziemlich das Gegenteil. Dass mehrere Personen in deiner Familie abhängig wurden, spricht nicht gegen, sondern für die medikamentöse Behandlung.

Du bist nicht auf ein Medikament angewiesen, sondern im Gegenteil es stehen glücklicherweise Medikamente zur Verfügung, die es vor zwei Generationen noch nicht gab.

Ich bin jetzt 60, bekam meine ADHS-Diagnose mit 37 und nehme seitdem Medikamente. Darauf angewiesen bin ich genau genommen nicht, aber ich möchte nicht mehr darauf verzichten.

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Mal ganz weg von all deinen Problemen.
Wo stehst du im Moment schulisch/beruflich? Was ist deine berufliche Perspektive oder Idee ?

Mir fehlt irgendwie bei dir eine Idee von Zukunft für die es sich lohnt an sich zu arbeiten ,

Eltern sind die schwerst zu erziehbarsten Wesen auf der Erde. :wink:

Am besten so schnell wie möglich aus diesen Fängen entfernen um vor allem einen Ort der Ruhe für sich zu haben.

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Ich habe dieses Jahr mein Fachabitur abgeschlossen und würde nächstes Jahr mein Abitur machen vorausgesetzt ich schaffe es von der Belastung und Psyche her.

Falls ich es nicht schaffe bzw. entscheide mich abzumelden müsste ich ein FSJ machen damit mein Fachabi anerkannt wird.

Leider bin ich sehr planlos was meine berufliche Zukunft betrifft, ich habe bisher nichts gefunden was mir wirklich spaß macht, in den meisten Bereichen „verkümmere“ ich irgendwie einfach nur und bin einfach mega unglücklich. Ich könnte mir aber vorstellen irgendwas im Außendienst zu machen, einfach etwas mit Abwechslung.

Mein Plan ist jetzt einfach mal das Abitur anzufangen und zu schauen wie es läuft, falls ich mich wirklich abmelde wäre das auch nicht tragisch, ich habe ein gutes Fachabi (1,7) und könnte damit viel machen. Die Frage ist nur was.

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Ich hatte nach dem Studium ein Burnout (bedingt durch viele Dinge, Bandscheibenvorfall, toxisches Arbeitsumfeld, eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden, Überforderung, Corona-Ausnahnezustand,…)

Ich kann ziemlich alles, was du schriebst nachfühlen inkl. Panikattacken.

Es folgte dann ein radikaler Schnitt mit Kündigung, Umzug, Antidepressiva und Langzeittherapie. Erst später entdeckte ich, dass die Beschreibungen von ADHS sich vertraut anfühlen und ich suchte mit Anfang 30 eine Diagnostik. Die Diagnose wurde auch direkt gestellt und war eindeutig. Die Medikamente (damals Ritalin) änderten alles grundlegend. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Das war wirklich lebensverändernd. Seitdem ging es stets bergauf, ich setzte die AD ab (in Absprache natürlich) und mittlerweile ist auch fast der letzte Keim Depressivität gar erstickt.

Ich kann dich nur ermutigen dran zu bleiben. Es wird besser und Medikamente können enorm helfen.

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Ich startete einst auch mit einem Fach-Abi in mein Berufsleben. Ähnlich planlos wie Du. Das ist jetzt etwa 35 Jahre her.

Die Versuche meiner Eltern, mir bei der Berufswahl zu helfen erlebte ich als ziemlich übergriffig. Was mir gefiel (Vor allem Handwerkskunst und Musik) wurde abgewertet und so landete ich schließlich in einer Ausbildung zum Industriemechaniker (GF).

Hier lernte ich dann vor Allem die Gesellschaftsschichten kennen, die ich aus der Waldorfschule nur vom Hörensagen kannte. Inklusive Drogen, Gewalt und Kriminalität.
Das Ende vom Lied: Ich versuchte mich anzupassen, fiel auf die Fresse, machte Bekanntschaft mit der Polizei und musste für die Beendigung der Ausbildung den Betrieb wechseln… aber wenigsten langte es dann für den Facharbeiterbrief. Und ich habe nie wieder auch nur einen Tag als Industriemechaniker gearbeitet.

Als Nächstes versuchte ich es mit Studium. Aber so ganz ohne echten Plan und ohne eine Vorstellung wie man studiert… landete ich dann wiederum in der falschen Gesellschaft. Nach 2 Semestern schmiß ich hin. Und ein Semester später schmiß mich die Studentenverbindung raus.

Da ich aufgrund meiner Erfahrungen mit der Exekutive meinen Alkohol- und Drogenkonsum ein Jahr lang massiv drosseln mußte, schaffte ich es eine Steinmetzlehre zu beginnen. Und endlich erlebte ich positive Erfahrungen.
Ich bekam eine sehr gute handwerkliche Ausbildung und ging ein Jahr nach bestehen der Abschlußprüfung als Steinmetz auf die Walz. Erst wild - und dann nach einem Jahr in einer Gesellenzunft.

Jetzt endlich begann echtes Leben. Eigenverantwortlich. Lernen, reisen, arbeiten, feiern. Menschen kennenlernen. Sich einen Ruf erarbeiten. Prinzipien entwickeln.

Einfach war es immer noch nicht. Und ich trat in manchen Fettnapf und legte mich mit manchen Strukturen an. Und galt sogar unter den Wandergesellen als „Anders“. Aber die Community tolerierte mich - und ich lernte auch, für mich - und Schwächere - einzustehen.

Nach der Wanderschaft lebte ich drei Jahre im Bauwagen und arbeitete als reisender Schaubäcker

2006 kehrte ich dem Schaustellerleben den Rücken und begann in Regensburg wieder mit Montagearbeit als Steinmetz in der Denkmalpflege - bis ich aufgrund meines selbstzerstörerisch gewordenen Alkoholkonsums entgiftete und eine Therapie machte. Seither bin ich trocken.

Ohne „Selbstmedikation“ schlug mein ADHS (von dem ich Damals aber noch nix wußte) aber wieder voll zu. Und außerdem hatte mein Alkoholkonsum ziemliche Schäden an Körper und Geist hinterlassen. Ich weiß wie sich Demenz anfühlt…

Aber weil ich in der Therapie gelernt hatte, wie man sein Gehirn selbst umprogrammieren konnte - entschloß ich mich wiederum zu einem radikalen Schritt, und lernte auch noch das Handwerk des Gärtners - in den Strukturen der Rummelsberger Anstalten. Das trainierte mein Hirn und bot genug neue Eindrücke um meinen Dopaminspiegel stets hoch zu halten.

Leider kollidierte ich auch hier wieder mit verkrusteten Strukturen, Intoleranz und Mobbing … und entdeckte dann in der praktisch mündlichen Abschlußprüfung meine Prüfungsangst. Ich bestand also nicht. In den toxischen Lehrbetrieb wollte ich nicht zurück, also kündigte ich dort (was mit der Meister nie verziehen hat - aber das sollte ich erst Jahre später lernen als es darum ging, sich als Gärtner zu bewerben. Erstaunlich wie weit der seine Beziehungen spielen lassen konnte).

Ich absolvierte und bestand also meine vierte Ausbildung. Diesmal zum Betreuungsassistenten für Senioren. Und nach zwei Jahren Arbeit in Seniorenheimen (kurz bevor die Frist ablaufen konnte) kämpfte ich meine Angst vor der Gärtnerprüfung nieder und meldete mich erneut an. Diesmal aber offen als Mensch mit Prüfungsangst. Das wurde daraufhin berücksichtigt -und ich bestand.

Das Firmenhopping hörte damit immer noch nicht auf - aber immerhin hatte ich so viele Qualifikationen gesammelt, daß sich immer wieder eine neue Arbeit finden ließ.

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Das Problem ist bei ADHS natürlich immer der Kopf. In Krisensituationen brauchen wir eine Ebene des inneren Mitgefühls für uns selber. Google mal Nicole Stern Deep Rest Meditation. Das sind geführte Meditationen die man im liegen durchführt. Kannst du kostenlos anhören auf Ihrer Homepage. Keine Meditation bei der man etwas leisten muss oder ein Ziel erreichen will. Sondern einfach nur Zulassen, Loslassen, Seinlassen. Das hilft dabei wieder mehr in die eigene Mitte zu finden. Ich hör es fast täglich, mittags und abends. Es hilft mir und meinem ADHS Gehirn sehr.

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