Hallo zusammen,
ich bin 18 Jahre alt und habe vor Kurzem meine ADHS-Diagnose bekommen. Die Diagnose kam nach einem sehr starken Burnout mit massiven Angstzuständen, weshalb ich auch in einer Klinik war.
Ich schreibe hier, weil ich gerade ehrlich nicht mehr weiß, was ich machen soll und hoffe, dass vielleicht jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat oder mir erzählen kann, was ihm geholfen hat.
Ich habe versucht mal alles grob zusammen zu fassen, es ist ein etwas längerer Text geworden. Ich würde mich mega freuen wenn sich jemand die Zeit nehmen würde und mir vielleicht anhand eigener Erfahrungen helfen könnte ![]()
Depressionen, Angst und innere Unruhe
Ich habe schon seit mehreren Jahren vermehrte schwere Depressionen. Irgendwann kamen dann auch Panikattacken und starke Angstzustände dazu.
Ich habe eigentlich fast täglich Phasen, in denen ich mich einfach leer und antriebslos fühle. Gleichzeitig habe ich ständig das Gefühl, nie am richtigen Ort zu sein. Egal, was ich gerade mache – ich denke immer, ich müsste eigentlich irgendwo anders sein. Das macht mich nur noch unruhiger als ich es sowieso schon bin.
Diese Unruhe ist eigentlich die ganze Zeit da. Mein Kopf ist dauerhaft am Denken und ich finde einfach keine Ruhe.
Schlaf
Durch dieses Gedankenkreisen kann ich oft schlecht einschlafen. Manchmal bekomme ich sogar richtige Panik beim Einschlafen, weil mein Kopf einfach nicht aufhört und ich nicht abschalten kann.
Selbstzweifel
Ich habe extrem viele Selbstzweifel und denke oft, dass alle mich hassen oder genervt von mir sind.
Ich bin ziemlich tollpatschig, vergesse viele Dinge und bin sehr unorganisiert. Dadurch passieren mir ständig Missgeschicke und ich denke dann sofort, dass andere mich deswegen ablehnen.
Zudem verspüre ich oft sehr stake Schuldgefühle wegen meiner Ungeschicktheit.
Ich habe generell das Gefühl, nie genug zu sein und irgendwie immer alles falsch zu machen, egal was ich tue.
Emotionen regulieren
Ein weiteres großes Problem ist, dass ich meine Emotionen überhaupt nicht richtig regulieren kann.
Meine Stimmung oder meine Meinung zu einer Situation oder sogar zu einer Person kann sich innerhalb von Sekunden oder Minuten komplett ändern – je nachdem, was gerade passiert ist oder wie ich etwas auffasse. Es fühlt sich an, als würden meine Gefühle ständig zwischen den Extremen hin- und herspringen.
Oft endet das dann in Wut. Nicht unbedingt, weil ich jemandem schaden möchte, das ist das letzte was ich möchte, sondern weil ich so viel Frustration in mir habe. Ich hinterfrage sehr vieles und verstehe oft nicht, warum Menschen so handeln, wie sie handeln oder warum manche Situationen so sind, wie sie sind. Dieses Unverständnis steigert sich dann häufig in Wut, Überreizung und das Gefühl, komplett überfordert zu sein.
Ich habe allgemein das Gefühl, dass ich meine Emotionen überhaupt nicht steuern kann. Oft weiß ich gar nicht, was ich eigentlich fühlen soll oder warum ich plötzlich so intensiv auf etwas reagiere. Ich fühle einfach extrem viel und bin auch sehr empathisch was oft mehr Fluch als Segen ist. Es macht mich einfach unsicher, weil ich das Gefühl habe, meinen eigenen Gefühlen manchmal gar nicht vertrauen zu können.
Burnout und keine Balance
Ich hatte schon öfter Burnout-Phasen, aber der letzte war so schlimm, dass ich schließlich in die Klinik gekommen bin.
Mein größtes Problem ist, dass ich einfach keine Balance finde. Entweder bin ich unterfordert und lande in einer Depression oder ich bin überfordert und lande in Angst, Panik und Burnout. Dazwischen scheint es für mich irgendwie nichts zu geben.
Familie
Ich habe zusätzlich eine sehr belastende Familiensituation. Meine Eltern sind für mich leider kaum eine Stütze, sondern eher eine zusätzliche Belastung. Dadurch fehlt mir einfach ein Ort, an dem ich wirklich zur Ruhe kommen kann.
Freundschaften und Beziehungen
Ich merke oft, dass ich mich an Menschen hänge, die mir eigentlich gar nicht guttun. Trotzdem fällt es mir unglaublich schwer, mich von ihnen zu lösen, weil sie mir kurzfristig irgendwie dieses Dopamin geben.
Obwohl ich weiß, dass mir manche Dinge oder Menschen nicht guttun, mache ich trotzdem weiter, weil es sich in dem Moment gut anfühlt. Danach geht es mir meistens aber nur noch schlechter.
Ich habe außerdem oft Limerenz. Wenn ich eine Person idealisiere, bin ich komplett auf sie fixiert und würde am liebsten alles für sie tun. Das nimmt manchmal wirklich ungesunde Ausmaße an.
Gleichzeitig hinterfrage ich aber ständig, ob Menschen mich überhaupt mögen oder ob sie etwas gegen mich haben. Also irgendwie passiert bei mir beides gleichzeitig.
Zukunft und Selbstvertrauen
Ich weiß gerade einfach nicht, was ich eigentlich will oder was gut für mich ist.
Ich habe das Gefühl, dass ich mich gar nicht auf mich selbst verlassen kann. Stattdessen mache ich mein Selbstwertgefühl sehr davon abhängig, was andere von mir denken.
Ich hinterfrage ständig mich selbst und andere Menschen und habe das Gefühl, mich selbst gar nicht richtig zu kennen.
Reizüberflutung und körperliche Beschwerden
Ich habe starke Reizüberflutungen und bekomme davon oft Migräne. Das macht mich zusätzlich total fertig.
Durch meine Angstzustände ist mir außerdem häufig so schlecht, dass ich kaum essen kann. Dadurch fehlt mir die Energie.
Eigentlich hilft mir Sport dabei, einen Ausgleich zu finden. Aber wenn ich nichts essen kann, habe ich keine Kraft für Sport. Und ohne Sport geht es mir psychisch wieder schlechter. Das fühlt sich wie ein richtiger Teufelskreis an.
Naivität und Misstrauen gleichzeitig
Was ich selbst irgendwie komisch finde: Einerseits hinterfrage ich alles und denke ständig, dass andere vielleicht etwas gegen mich haben.
Andererseits bin ich oft total naiv, wenn mir jemand etwas direkt sagt – vor allem, wenn ich diese Person idealisiere. Dann glaube ich ihr einfach und gerate dadurch leider immer wieder an Menschen, die es nicht gut mit mir meinen. Ich glaube oft, dass andere genauso ehrlich sind wie ich, und werde dadurch leider häufig enttäuscht.
Meine Frage
Ich bin gerade einfach sehr unzufrieden mit meinem Zustand und weiß nicht, wie ich da alleine wieder herauskommen soll. Ich habe das jetzt schon seit ich denken kann und ich habe angst dass ich das alles nicht schaffe.
Hat sich vielleicht jemand in irgendeinem meiner Probleme wiedererkannt oder hat sogar einen Weg gefunden damit umzugehen?
Habt ihr gelernt, eine Balance zwischen Unter- und Überforderung zu finden? Wie habt ihr gelernt, Grenzen zu setzen, euch selbst mehr zu vertrauen und euch nicht so sehr von anderen abhängig zu machen?
Ich freue mich wirklich über jede Erfahrung oder jeden Tipp. Im Moment fühle ich mich mit all dem ziemlich allein und hoffe einfach, dass jemand diese Gefühle nachvollziehen kann.
Vielen Dank für eure Zeit ![]()
