ADHS und Trauma - Elvanse

Hey ihr Lieben Menschen,

bin sehr glücklich mittlerweile mit meiner Medikation 70 mg Elvanse, jedoch habe ich einige Traumata in meiner Bio, wie wahrscheinlich einige hier, und habe immer noch mit Traumafolgestörungen zu kämpfen, die wenn sie auftreten, mich in meinem Leben stark einschränken, wo mir Elvanse dann leider auch nicht mehr hilft, aber wer weiß wie es ohne wäre. Wie sind da eure Erfahrungen?

In NRW ist die Therapieplatzsuche maximal katastrophal, bin nun endlich auf einer Liste für eine ADHS Verhaltenstherapie mit einer Wartezeit von 2 Jahren. Aktuell um mich aufzufangen mit meinen Traumainhalten beschäftige ich mich öfter mit Verena Königs Podcast (Sehr zu empfehlen) und einem Kurs von ihr, zur Arbeit mit inneren Anteilen, dennoch brauche ich einfach mal einen Menschen, der vlt. auch traumabezogen mal eine Diagnose und einen Hilfeplan aufstellen kann.

Kennt jmd. dieses Dilemma?

Liebe Grüße

Nancy

PS.: Gibt es eigtl. etwas zu beachten bzgl. Therapiewahl Trauma + ADHS? Verena König arbeitet traumasensibel, was schon mal echt schön ist

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Traumatherapeut der AUCH ADHS Kompetenz hat wäre ideal.

@UlBre , @AWOL - gibt es eine Antwort auf die Frage, welche Form der Traumatherapie für ADHSler am besten ist?

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Hi,

Wenn du Verena König folgst, kennst du sicher schon einiges. Mit Blick aufs Internet und Bessel van der Kolks „the body keeps the score“ guck ich mal, ob ich was ergänzen kann. :

  • unter den Verhaltenstherapeut:innen gibt es einige, die zusätzlichen Fokus auf Trauma legen - das kann man vllt erfragen, sollte es nirgends online auf Homepage o.ä. stehen.

  • EMDR

  • Neurodfeedback-Training

  • MBSR

  • Somatic Experiencing

  • Integrative Gestalttherapie (da weiß ich nicht wie verbreitet es in Deutschland ist; in Ö, wo ich lebe, ist es eine recht verbreitete Therapierichtung)

  • Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie

  • Additude hatte letztens einen Artikel dazu, in welchem bei ADHS und Trauma empfohlen wird, eine Psychotherapierichtung (sie reden von „somatic therapry“) zu wählen, die den Körper uns das Nervensystem miteinbindet. Ist denk ich nah dran an somatic experiencing; viele Psychotherapeut:innen öffnen sich mittlerweile immer mehr für das Einbinden körperbezogener Übungen.

Ich find im Artikel ist gut wiedergegeben, worum es in einer Traumatherapie bei ADHS gehen soll:

The central objective of somatic therapy is healing or regulating, the nervous system. If the nervous system is stuck in survival mode, the symptoms of ADHD become intensified. Regulating the nervous system may not eradicate symptoms of ADHD, but improving the function of the nervous system (the mastermind of the body) can have ripple effects in every aspect of life.

Am Ende vom Artikel sind noch 5 Tipps, wie man somatic Therapy im Alltag einbinden kann.

Grundsätzlich würde ich jedwede Therapeut:innen einfach zu ihrer Erfahrung mit ADHS und Trauma fragen, wenn das etwas ist, was man braucht. Manchmal stehen die Spezialisierungen nirgends oder die Homepage ist eher rudimentär gehalten etc.
Sensibler Umgang mit Trauma ist einfach essentiell: bevor irgendwas bearbeitet werden kann, gehört in der Therapie zunächst stabilisiert, dann erst die Inhalte bearbeitet und zum Schluss integriert, damit man wieder ein wenig Frieden finden kann.

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Für Traumatherapie wäre mir EMDR auch als erstes eingefallen.
Bei Trauma + ADHS vielleicht die EMDR-Ableger-Therapie von Martin Winkler.

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Cool dankeschön Ihr Lieben, für die schnellen hilfreichen Antworten, dann hab ich jetzt erst mal genug Ansätze :slight_smile:

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In welchem Umkreis käme denn so etwas in Frage?
Die Praxis in der ich meine Diagnose gemacht habe ist spezialisiert auf ADHS und Trauma, macht zb. auch EMDR meine ich. Und zwei Jahre musste ich nicht warten auf meinen Termin.

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Wohne in Iserlohn im Märkischen Kreis NRW, das hört sich mega gut an bei dir

Oh da schaue ich mal auf seiner Seite, ob ich da mehr Informationen dazu finde, habe mir seinen Vortrag zu Lisdexamphetamin gekauft und geschaut, kann ich auch nur empfehlen. Finde ich auch teilweise echt etwas fahrlässig, dass ich nicht vorgewarnt wurde, vor der Einstellung auf die Medis, das ADHS Medis die Komorbidiäten und traumatische Inhalte freilegen können, was ich zwar schnell spürte, aber erst durch diesen Vortrag bestätigt bekam.

Hallo @NAPA,

Bei mir treffen auch diverse Traumata und ADHS aufeinander. Deswegen interessiert mich, wie du das genau meinst mit:

Ich konnte bisher (bekomme seit ein paar Wochen Ritalin) nur feststellen, dass ich etwas klarer erkennen kann, was mit mir passiert wenn ich zB getriggert werde oder woher Ängste kommen. Vorher konnte ich das nur schwer benennen, weil alles ein chaotischer Sumpf war.

LG :heart:

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Genau das :point_up_2:

Als ob es ein komischer Wust an Gefühlen und Wahrnehmungen ist, die ich aber nicht genau identifizieren kann.

Ich hab da ein Bild im Kopf von einem Flies wo es bei anderen gespannte Fäden sind, wo man genau nachvollziehen kann wo sie anfangen, entlanggehen und aufhören.

Als ob ich mein ganzes Leben in einer Waschtrommel herumgewirbelt worden wäre, nur den äußeren Umständen und starken Emotionen von Scham, Selbstzweifel und starker Angst vor Zurückweisung ausgeliefert. Ohne selbst einen wirklichen Einfluss auf mein Leben zu haben.

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Hey ich hab ein paar Erfahrungen machen dürfen…:thinking:… in der Richtung. Gerne einfach anmailen, bei Bedarf Gruß Yasin​:raising_hand_man:t2::v:

Hallo zusammen

auch nochmal Bezug auf deine Nachricht @AWOL und dein Anliegen @NAPA

Danke für den Beitrag @AWOL, er hat eine Erfahrung bestätigt, dessen theoretische Grundlagen in dem Artikel beschrieben wird, mir doch nicht bekannt war.

Ich habe eine Posttraumatische Belastungsstörung und bin mit 20 auf der Suche nach einem Therapeuten gewesen, da ich nicht mehr weiter wusste. Ich habe (während der Therapie ) immer geahnt, dass da noch mehr ist und es hat sich herausgestellt, dass ich auch ADS habe.

Also habe ich glücklicherweise einen Therapeuten an der Angel gehabt, der Experte für Traumatherapie ist (ist eine Gesprächstherapie/Verhaltenstherapie mit Einbindung der Körperlichen Ebene und Achtsamkeit → Gerade das Gedanken-Chaos, was zu dem Zeitpunkt hauptsächlich auf das Trauma zurückgeführt wurde wie auch die fehlende Körper- und Realitätswahrnehmung (Dissoziative-/Derealisations Probleme).

Also war ich da schon mal an einer guten Adresse, ich kann dir dringlich ans Herz legen einen Therapeuten mit Expertise in dem Bereich zu konsultieren.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit ist die Körperintegration , welche wir aus Gründen des Therapiefortschritts bis zu einen gewissen Zeitpunkt nur sehr selten gemacht haben.

Eines Tages bin ich wegen Verdauungsproblemen (stressbedingt) zur Osteopathin gegangen. Diese hat das erste Mal, seit zu dem Zeitpunkt mindestens 19 Jahren das sympathische Nervensystem runtergefahren und das Parasympathische Nervensystem aktiviert. Ganz einfach ausgedrückt, mich aus der Flucht/Erstarrungs-Haltung ein gutes Stück weit rausgeholt. Sie hat das ganze Fasziensystem meines Körpers entspannt, wodurch die durch Anspannung eingesperrten Emotionen und Erinnerungen (ja das funktioniert, der Körper bzw. Die Psyche kann neben weiteren fiesen Verhaltensmustern, diese Emotionen und Erlebnis durch permanent Anspannung blockieren. Da setzt auch die Körperintegration der Therapie an) ein sehr großes Stück weit freigelegt und therapeutisch behandelt werden konnten.

Elvanse kam einmal zu einem früheren Zeitpunkt der Therapie, was mich so deprimiert und traurig gemacht hat, dass ich es abgesetzt habe (30mg). Jahre später, nach Ausschluss von Medikenet und erheblichen Fortschritt der Therapie habe ich es wieder mit Elvanse probiert, da noch 30 mg und aktuell 50mg, was so viel besser verträglich war und mir noch mehr hilft mich auf die Therapie ein zu lassen und mein Verhalten dementsprechend anzupassen, mich nicht mit Verhalten und Substanzen zu betäuben.

Was ich damit sagen möchte, ich kann bestätigen, dass Traumatische Erlebnissen besser von einem Traumaexperten mit Einbindung der Körperlichen Ebene behandelt werden sollten.

Ich kann sehr gut bestätigen, dass (in meinem Fall) Elvanse Posttraumatische Belastungen ans Tageslicht fördern kann (siehe Einnahme erster Versuch total gescheitert, Jahre später mit fortschreitenden Therapie Erfolg wesentlich besser).

Ich kann dir sagen, dass es einen guten Weg gibt und du ihn mit Sicherheit finden wirst @NAPA, Gib nicht auf.

Alles gute

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