ich habe ein Problem. Ich habe eine gute Freundin, die ich auch sehr lieb habe, mit der ich aber immer häufiger so eine Art unterschwellige Konflikte habe. Wir unterhalten uns über etwas, ich stelle eine Frage und sie sagt: „das hab ich dir doch schonmal erzählt.“ Das passiert in letzter Zeit immer häufiger. Sie sagt, ich würde ihr nicht zuhören. Ich habe das Gefühl, sie damit sehr zu verletzen und dass sie immer sehr enttäuscht ist, wenn das passiert. Mich belastet das auch sehr, denn ich habe nicht das Gefühl als würde ich nicht zuhören. Ich kann mir auf jeden Fall viele Sachen nicht gut merken, das stimmt, und ich verstehe, dass das für die andere Person dann frustrierend ist oder dass es sich so anfühlt, als würde es mich dann nicht interessieren, aber das stimmt nicht. Ich mache das nicht extra und weiß einfach nicht wie ich das ändern soll. Hat jemand vielleicht auch schon einmal so etwas erlebt und wenn ja, wie seid ihr dann damit umgegangen? Ich fühle mich wie eine sehr schlechte Freundin und will auch nicht, dass unsere Freundschaft darunter leidet, obwohl ich das Gefühl habe, das hat sie eh schon
Da hilft wohl nur: der Freundin das erklären und mit ihr besprechen.
Man kann ein guter und empathischer Zuhörer sein, auch wenn man sich Fakten aus der Unterhaltung nicht so gut merken kann.
Und das bedeutet auch was anderes als „desinteressiert zu sein“. Wenn es dich in dem Moment, in dem es dir erzählt wird, aufrichtig interessiert, dann heißt das nicht, dass du dir auch alles merken kannst.
Mir geht es auch oft so, ich kenne das schlechte Gefühl…
Naja und manchmal brauch man auch ein bisschen Zeit gesagtes tiefgehend zu verarbeiten. Geht mir zumindest so, weil manches was für den anderen eigentlich Glasklar ist, ist für einen Selber als Zuhörer ziemlich kompliziert zu entschlüsseln.
Ja, das geht mir ganz genau so!! Vor allem wenn es um Personen geht, die ich in echt nicht kenne, fällt es mir wahnsinnig schwer mir die Informationen zu merken!!
Nein, sie weiß davon nicht. Ich habe überlegt ihr davon zu erzählen, aber will auch nicht dass sie denkt, dass ich mich aus der Verantwortung ziehen will oder so etwas. Ich denke aber gerade auch mehr darüber nach und werde ihr das vielleicht wirklich bald sagen.
Seit die Ärzte mich im Winter 2021 mit der Krebsdiagnose meiner Mutter konfrontierten, bin ich der festen Überzeugung, daß dieser schonungslos erscheinende Weg trotzdem die einzige richtige Art zu handeln darstellt.
Nur wer weiß mit was er es zu tun hat, kann auch lernen damit umzugehen.
Liebe @Lala1 , also ich finde ja das Du viel zu lieb mit dieser Freundin umgehst, denn wenn sie Dich Quasi „anblafft“, von wegen „das habe ich Dir schon mal erzählt“, dann finde ich persönlich so eine Art nicht nur extrem unhöflich und unfreundlich, sondern auch ziemlich arrogant.
Denn Sorry, aber was meint die Frau eigentlich?, glaubt die das sich die ganze Welt immer nur um sie dreht, oder was?, oder das sie die einzig wichtige Person auf der Welt ist, und man sich deshalb jedes ihrer Worte im Gehirn abspeichern „muss“?.
Ich sage Dir "drehe den Spiess doch mal um und schlage sie mit ihrer eigenen Waffe, heisst das nächste mal wenn sie Dir was erzählt gähne nur und sage auch irgendwas in „ihrem Stil“.
Und dann kannst Du wahrscheinlich dabei zusehen wie sie einen auf beleidigte Leberwurst macht.
Jedenfalls, mein Tipp an Dich „lass Dich von anderen nicht von oben herab behandeln“, sondern lerne stattdessen selbstsicherer zu werden.
Ich kann es verstehen , wenn es jemand hinterfragt oder verletzt ist, weil mehrmals erzähltes vergessen wird. Das hat nichts mit „beleidigte Leberwurst“ zu tun.
Mich hat sowas früher auch genervt und traurig gemacht, nur seid der Diagnose weiß ich das es nicht nur mir, sondern auch anderen passieren kann .
An mir selbst nervt mich das auch, weil ich es für ein Miteinander sehr schade finde dass mir sowas immer wieder passiert und das ich es nicht ändern kann.
Ich muss es leider akzeptieren dass ich damit Menschen verletze, aber es kann vereinzelt schon helfen wenn man erklärt warum es so ist
Liebe @Nelumba_Nucifera , ich glaube Du hast da etwas missverstanden, denn ich schrieb sinngemäss, würde @Lala1 mit besagter Freundin gleich arrogant umgehen wie sie es mit ihr macht, dann würde diese Freundin garantiert beleidigt reagieren.
Denn das ist in vielen Fällen so, heisst die die andere gerne ein bisschen von oben herab behandeln, vertragen es nicht wenn man mit ihnen gleich arrogant umgeht.
Und ich bleibe jedenfalls bei meiner Einstellung das es gerade für Adhs’ler* extrem wichtig ist das eigene Selbstwergefühl zu stärken, statt sich immer sofort weg zu ducken, oder zu entschuldigen, und das ja vor allem sehr oft gerade bei Frauen aus dem Spektrum so der Fall ist.
Und in dem speziellen Fall von Lala1 würde ich persönlich der Freundin sagen das ich ADHS habe, zwar allerdings nur wenn diejenige meine beste Freundin wäre, oder wenigsten eine wirklich gute.
Ich vergesse glaube ich nicht so viel (bezogen auf Erzählungen von anderen) bin aber auch nicht beleidigt wenn andere das ein oder andere Vergessen was ich erzählt habe. Ich erzähle eben auch viel und ich denke wenn man mir sagen würde, dass es keine böse Absicht ist, weil einem das schwer fällt Dinge zu behalten, dies aber kein Ausdruck von Desinteresse ist, kann ich ja schwer böse sein und wenn jmd ,mir wirklich wichtige Dinge ständig vergisst, dann würde ich drum bitten sich das doch zumindest mal ganz doll versuchen einzuprägen.
Ich hatte mir in meiner Arbeit mit Demenzpatienten angewöhnt, vor Anekdoten immer zu fragen ob ich davon schon mal erzählt habe.
Und wenn die Antwort Ja war, habe ich mich gefreut. Weil ich also der Demenz ein Schnippchen schlagen und eine Erinnerung in den Gehirnen verankern konnte.
Und wenn die Antwort Nein war, dann freute ich mich auch - weil ich dann nämlich das gleiche Thema nochmals benutzen konnte
Jetzt arbeite ich zwar nicht mehr mit Demenzpatienten, aber die Frage habe ich beibehalten. Weil ich dadurch die Oberhand im Gespräch behalte.
Für Lala1 ließe sich das umdrehen: offen nachfragen („Hast Du mir das schon erzählt? Hilf mir kurz auf die Sprünge“), statt zu überspielen, daß sie es vergessen hat. Das nimmt der Freundin den Anlaß zum Anblaffen und ist zugleich ein erster Schritt Richtung Offenheit.
Also ich habe bisher nur gelesen, dass die Freundin enttäuscht oder verletzt ist, wenn @Lala1 etwas fragt das schon erzählt wurde.
Nichts von oben herab behandeln oder anmotzen oder so.
Ich kann nachvollziehen, dass das verletzend ist weil evtl das Gefühl entsteht es sei nicht wichtig, oder schlimmer: sie als Freundin sei nicht wichtig.
Deshalb wäre es vermutlich gut, wenn du @Lala1 deiner Freundin sagst, dass deine Vergesslichkeit nichts mit ihr oder mit Desinteresse zu hat.
Ob du deine Diagnose erwähnen möchtest, ist dann nochmal ein anderes Thema. Manchmal reicht es ja auch die Auswirkungen der Diagnose zu erzählen.
Ich persönlich gehe recht offen damit um, daß ich ADS habe - und daß das z.B. dazu führt, daß ich mir einige Dinge nur sehr schwer oder gar nicht merken kann - und daß das immer wieder zu solchen Situationen führt, die auch für mich sehr unangenehm sind. Diejenigen, die das als Erklärung annehmen und verstehen, fühlen sich nach meinem Eindruck dadurch wieder gesehen und haben (anders als wenn ich es verschweige) die Chance, Mitgefühl und Verständnis für meine Probleme zu entwickeln - immerhin zeige ich mich ihnen und vermittle, daß ich darunter halt auch leide.
Klar, es wird immer welche geben, die es als Ausrede werten. Aber ganz ehrlich - wenn ich das dann nochmal erkläre und dazu sage, daß ich es damit nicht entschuldigen, sondern nur erklären will, und es wird immer noch nicht akzeptiert …
… dann muß ich mir halt überlegen, ob ich die Person als Freund betrachten sollte.
Das könnte ihr aber helfen, dich besser zu verstehen und vor allem, dass deine Aufmerksamkeitsschwierigkeit nichts mit ihr zu tun hat oder gegen sie gerichtet ist, sondern dass es dir sehr sehr schwer fällt. Manchmal gibt es gute Tage, gute Zeiten, da kannst du das, manchmal gibt es schlechte Tage, schlechte Zeiten, da geht es nicht so gut. Und diese guten oder schlechten Tage haben nichts mit deiner Freundin zu tun sondern nur mit dir.
Das Wissen um Symptome und Formen tut im gegenseitigen Verständnis extrem gut.
Hat sie dir die Sache tatsächlich schon vorher erzählt, oder denkt sie das nur? Auch die Erinnerung neurotypischer Personen ist zu einem recht hohen Prozentsatz falsch. Gibt es viele Untersuchungen zu (in anderen Zusammenhängen). ADHSler neigen dazu, vorschnell zu glauben, sie hätten etwas vergessen, weil sie tatsächlich viele, vor allem unwichtig erscheinende Dinge, vergessen. Und zwar aus Kapazitätsgründen. Deshalb lohnt es sich hier, als ersten Schritt mal hinzuschauen, was da eigentlich schiefläuft. Eindeutig ist hier nur, dass deine Freundin sich von dir nicht in der Weise gesehen fühlt, wie sie es sich wünscht. Aber ADHS hattest du schon immer und Freundschaften verändern sich über die Zeit.
Um der Sache auf den Grund zu gehen, würde ich empfehlen, genau das anzusprechen und nich die Diagnose zu thematisieren. Fragen, wie sich das anfühlt, wenn du was fragst, was sie meint, schon gesagt zu haben und warum das so wichtig für sie ist. Dann kannst du dabei zeigen, dass du eben doch interessiert bist. Und zwar an ihr als Freundin und nicht an der (unwichtigen) Story, die im Zweifel gar nichts damit zu tun hat.
Ich gehe hier mal anekdotisch vor, wie immer. Für mich konnte ich das Denken entsprechend umkehren.
Mir ist im Rahmen meiner Reise zur Selbsterkenntnis aufgefallen, dass ich meist nur bei Menschen die mir nahe stehen diese Vergesslichkeit zeige. Andere Menschen mit denen ich flüchtig oder beruflich zu tun habe, da merke ich mir jedes Detail um nicht aufzufallen oder jemanden zu verärgern.
Und da habe ich mir selbst den Entschluss gefasst, dass diese Vergesslichkeit eine Art Beweis der Zuneigung ist. Bei anderen Menschen lege ich meine Maske auf um unbedingt funktional zu wirken. Bei Personen die mir nahe stehen, maskiere ich weniger und habe weniger Sorgen, mich an jedes Detail erinnern zu müssen. Und wer das nicht akzeptieren kann, der möge bitte einfach gehen, denn ich bin wer ich bin.
Sei offen mit Deiner Freundin und erkläre ihr, dass es nichts persönliches ist. Sag ihr, dass Du Dich in ihrer Gegenwart entspannst und weniger kognitive Leistung einsetzen musst. Und wenn sie dafür kein Verständnis hat… Nun. Musst Du selbst entscheiden. Ich persönlich mache da mittlerweile kurzen Prozess.