ADS und Medikation

Hallo,

Ich bin neu hier und suche den Austausch von betroffenen Eltern.
Mein Sohn wird jetzt 10 und kommt jetzt in die 3. Klasse. Wir haben leider die ersten 2 Schuljahre alle ein Martyrium erlebt. Mein Sohn war schon seit dem Kindergarten auffällig. Wahrnehmungsstörungen und eine Entwicklungsverzögerung wurde uns immer mitgeteilt. Wir dachten, das wird schon. Wurde es aber nicht. Die Schule war für ihn eine nicht bewältigbare Situation. Er war immer zu langsam und konnte sich nicht länger konzentrieren, Hausaufgaben dauerten mitunter 2 bis 3h. Die damaligen Lehrer hatten Null Verständnis, Null Bezug und kein Einfühlungsvermögen. Es gab viele Elterngespräche, auch mit Sozialpädagogen, der Druck auf den Jungen wuchs. Die 2. Klasse beendete er mit Mathe 5 und Deutsch 4. Wir haben ihn wiederholen lassen und sind in den Sommerferien letztes Jahr zum Sonderpädistischem Zentrum. Bis wir eine Diagnose hatten dauerte es bis Januar 2020. In der Zeit hatte er sich in der Schule etwas gefangen, die neue Klassenlehrerin hatte bereits Erfahrung und auch der LRS Kurs, in den mein Sohn musste, war unter ihrer Leitung. Die Diagnose nach mehreren Sitzungen war ADS. Er hatte einen Entwicklungsstand von einem 7,8 Jährigen … mit 9, 3 Jahren! Das Jahr kommt ungefähr hin, wenn man seinen Entwicklungsverlauf im Nachgang sieht. Da die Noten wieder schlechter wurden, weil ihm die Zeit ausging (45 min für eine Mathearbeit, da schaffte er nur die Hälfte der Aufgaben) haben wir uns für eine Medikation entschieden. Zum Einstellen gab es Medkinet, 1 Tabletten 10g. Einnahme 1.5 morgens, 1.5 mittags als wirksames Ergebnis nach der Einstellphase. Schlussendlich wurden dann zur Dauermedikation Concerta retart 36mg verschrieben und morgens noch eine halbe Medikinet, da die Concerta länger brauchen um zu wirken. Das lief anfangs gut und wenn ich nur die Konzentration im Unterricht und im Alltag betrachtet, tun die Tabletten was sie sollen. Die Wochen bis Corona waren für ihn eine tolle Zeit in der Schule. daheim war er etwas ruhiger und nicht so witzig und quatschig wie sonst, aber auch seine „Ausbrüche“ tagsüber wurden weniger. Ich war im permaneten Austausch mit der Klassenlehrerin und der Phsychologin vom SpZ. Alles war soweit ok.
Während der ersten 4 Wochen im Lockdown haben wir die Tabletten abgesetzt. Es ging gut ohne, auch der Lernstoff war bewältigbar. Nach Ostern wurde es mehr Stoff, wir saßen bis zu 4h an den Aufgaben. Das ging ohne Medikamente nicht, er brach sofort in Tränen aus. Er wurde wieder ruhiger nach der Einnahme, aber auch super konzentriert. Seit Juni ist er wieder in der Schule gewesen. Die Lehrerin gab uns das Feedback, das er den Lernstoff kann, aber noch nicht sicher genug ist. Und das sie das Gefühl hat, er ist zu ruhig. Nach Corona waren die Kinder wie Ameisen, ausser unser Sohn. Er war der Ruhepol in der Klasse, ein völlig untypisches Verhalten. Nicht sein Wesen, er ist ein fröhliches lebendiges Kind. Humorvoll und ein Quatschi. Das war er da nicht ansatzweise. Ich bin gerade etwas verunsichert. Ich habe wenig Erfahrung mit solchen Medikamenten.
Mit was wir sonst zu kämpfen haben, er isst in der Wirkzeit nicht viel, selbst das Trinken vergisst er. Und das Einschlafen ist Hölle. Er bekommt sie morgens um Sieben. Ich habe das Gefühl sie wirken bis spät in den Abend.
Ich habe 1000 Fragen … vielleicht bekomme ich hier Antworten.
Gibt es retart Präparate die nicht so eine elendig lange Wirkzeit haben?
Kann es zuviel des Guten sein? Wie verhält er sich dann?
Was kann ich gegen dieses Appetitlosigkeit machen?
Macht ihr in den Ferien Medikamentenpause?
Wie lange braucht ihr bis sie vollumfänglich Wirken? Wir haben das Gefühl… nach 5 bis 7 Tagen entfaltet sich es erst voll mit der unterstützenden Wirkung. Dabei wurde uns suggeriert, daß sie sofort wirken.

Ich wäre dankbar über etwas Austausch. Das Telefonat mit dem SpZ wird nicht ausbleiben, gerade weil das neue Schuljahr jetzt bald anfängt und er eine neue Klassenlehrerin bekommt.

Vielen Dank fürs lesen.

Vielleicht noch ei en kleinen Nachtrag der mir grad beim durchstöbern gekommen ist.
Mein Sohn ist ein typischer Träumer.
Er ist aufgeschlossen, humorvoll, quatschig, verspielt und ratscht viel. Er ist körperlich nicht aggressiv, ausser es drängeln ihn jemand bzw Kinder mehrfach. Er gibt eigentlich eher nach und versteht es noch nicht wirklich, wenn es ein Kind NICHT gut mit ihm meint.
Das was ihm Druck macht ist die Schule. Durch den miesen Einstieg und die Wiederholung der Klasse 2 hat er schnell begriffen, das es hier um viel geht. Wenn der Druck zu gross wird, kommt er in einen Teufelskreis. Dann geht irgendwann nicht mehr viel und wir bekommen die volle Breitseite seines schlechten Benehmens zu spüren. „Scheiß Mama“ ist da noch harmlos.
Hätten wir im Januar nicht mit der Medikation angefangen, wäre es bald wieder so gewesen. Die Lehrerin musste ihn doch sehr oft zurecht weisen, hat auch immer kurz geklappt… aber der Sitznachbar war halt trotzdem interessanter. Wenn man den ganzen Tag nur zurecht gewiesen wird, dann ist man doch sehr gereizt. Das versteh sogar ich.
Wir hatten komischer weise nach lockdown und wieder Schulebetrieb … fast entspannte Sommerferien ohne Medis … nur 2 oder 3 mal scheiss Mama … lach… ich bin aber nicht blauäugig … sobald das Lernen wieder losgeht, geht es nur mit medis.
Im übrigen, abgeschlossen hat er Klasse 2 im zweiten Anlauf mit Deutsch 2 und Mathe 3! Nur bei den letzten 2 unbenoteten Tests nach lock down hatte er wieder Geschwindigkeitsprobleme trotz Medis… das hat mich stuzig gemacht.

Hi,

willkommen hier… Gerne darfst du dich vorstellen, wir haben einen eigenen Bereich dafür. Da finden dann meist der erste spannende Austausch statt.

Trotzdem versuche ich deine Fragen herauszufiltern und zu antworten:

  • Medininet retard und Ritalin LA haben beide ~6h Wirkzeit. Es ist jeweils ein gewisser Anteil sofort freisetzendes MPH enthalten, und eine „zweite Portion“ mit Retardierung. Es sind also quasi 2x unretardierte MPH Gabe. Im Gegenteil zu Concerta, bei dem kontinuierlich durch Osmose MPH freigegeben wird (daher vermutlich auch die einmalige MPH unret. Gabe am Anfang)

  • Ja, kann es sein. Das kann man pauschal nicht sagen… Das solltet ihr mit dem Kinderpsychiater klären. Seid ihr in einer Praxis? Habe ich so nicht rausgelesen. Ihr hattet zum Einstellen Medikinet (unretardiert), 15mg - 15 mg - 0, am Ende, richtig? Und nun gebt ihr 36mg Concerta und 5mg unretardiert, also von 30mg am Tag auf 41mg. Wurde das einfach „auf gut Glück“ gemacht? Gab es einen Grund es nicht mit 30mg Medikinet retard zu probieren (den 2x 15mg unretardiert entspricht)?

  • Ja Appetitlosigkeit ist so ein Thema… Vorher gut essen… Auch hier: Concerta hat einen Spiegel über viele Stunden (den ganzen Tag) ohne Pausen… Mit dem Thema Essen kämpen wir auch

  • Nein, wir machen normalerweise keine Pause in den Ferien - denn die Symptome sind dort ja nicht weg.

  • Die Wirkung ist jeweils unmittelbar vorhanden. Und Abends dann auch wieder unmittelbar weg.

Gegenfrage:

Habt ihr Betreuung durch einen Kinder- und Juendpsychiater? Das wäre mmN die erste ANlaufstelle. Wir können uns hier im Forum austauschen, über Erfahrungen etc… Aber eine Betreuung der medikamentösen Therapie können wir hier nicht ersetzen. Und wenn ich mir die Fragen so anschaue (nicht böse oder persönlich gemeint) fehst euch ein Wenig Betreuung und Aufklärung.

Liebe Grüße
Thorsten

Hallo Meinealleine und herzlich willkommen,

es tut mir leid, dass du zwei Tage keine Antwort bekommen hattest. Ich hatte mir den Beitrag ausgedruckt und wollte ihn noch in Ruhe lesen und eine Antwort überlegen. Immerhin war Thorsten jetzt schneller! :wink:

Also, ich hoffe sehr ich komme bald dazu.

Viele Grüße
Falschparker

Sorry das mit dem Vorstellbereich seh ich erst jetzt.

Trotzdem Danke für die Antworten

Ich geb mal kurzes Feedback


Ja. Wir sind im Sonderpädiatischem Zentrum in einer Klinik. Dort wird mein Junge von einem Neurologen und einer Kinderpsychaterin betreut. Durch Corona ist der Kontakt leider sehr rar geworden.

Richtig, das war das was am Ende nach 6 Wochen rauskam. Wir haben nach vorgabe schrittweise erhöht und sowohl wir als auch die Lehrerin gab Feedback über sein Verhalten. Mein Sohn ist in der Ganztagesbetreuung, deshalb denk ich ist ein Retart Preperat generell nicht das verkehrteste. Gegen 13 uhr fängt er mit den Hausis an. Die 6h wären dann beim Medikinet retart auch fast rum. Warum die 38 mg gewählt worden sind, wurde uns nicht erklärt. Nur das der Neurologe und die kipsy das so entschieden haben. Die halbe Tabtelle als Anschubser war mir einleuchtend.

Wie gesagt … am Anfang ging das ganz gut. Nur eben in den letzten 4 Wochen vor den Ferien war er zu ruhig. Daheim auch. Und wenn die Wirkung nachgelassen hat, war er ein rechter Kotzbrocken.
Seine Konzentrationsspanne ist weiterhin bei 15 bis 20 min ohne Medis. Wir haben in den Ferien Mathe gemacht, das hab ich deutlich gemerkt.
Im Prinzip geht es nur um die Schulzeit. Den Rest des Tages komm ich klar mit ihm. Wie schon geschrieben, er hat keine Hyperaktivität. Ja er kann beleidigend werden, impulsiv und es knallen Türen ab und an. Konsequenz ist hier angesagt.

Das mit den verschiedenen Retart Präparaten war sehr Aufschlussreich. Danke.

Ich will das Kind nicht ruhig stellen. Ich will ihm helfen. Er war so frustriert in den 2 Jahren. Die Noten, weil er nur 50% der Aufgaben in einer Arbeit erledigen konnte, mehr als bescheiden. Er hat geweint, hat Gelogen und Bauchweh vorgetäuscht um nicht in die Schule zu müssen. Es war Horror.

Hallo Meinealleine,

jetzt wie versprochen meine Antwort. Ich weiß allerdings nicht ob ich es in einem Rutsch schaffe.

Also ich beobachte da beides - eine hohe Schwelle für die Medikation und aber auch eine hohe Erwartung.

Ich würde von den Medikamenten zu allererst erwarten, dass Entspannung herein kommt. Für das Kind und auch für die Familie. Dass es ihm leichter fällt und es auch weniger Zoff gibt. Ob sich das sofort auf Noten niederschlägt ist schon ziemlich ehrgeizig.

Aber eben weil es auch für den Familienfrieden und für das Erleben der Selbstwirksamkeit des Kindes (hochgestochenes Wort, ich glaube du weißt was ich meine) wichtig ist, finde ich auch man sollte nicht so lange warten. Und vor allem die Medis - wenn die richtige Dosierung gefunden ist, mit der sich das Kind auch wohl fühlt - auch am Wochenende, in den Ferien und während Corona-Lockdowns durchgeben!

Denn das Medikament ermöglicht eine bessere Selbst- und Fremdwahrnehmung, die sollte man nicht nur in der Schule haben, sondern mindestens so sehr auch in der Freizeit und im Familienleben. Finde ich.

Ihr stellt das Kind nicht ruhig! Die Kinder erscheinen ruhiger, aber meist deswegen weil wir Eltern oder auch die Lehrer die Kinder als immer hibbelig und lebendig kennen gelernt haben. Dann erschreckt man erst einmal, obwohl sich das Kind vielleicht gar nicht so unwohl fühlt damit, mal zur Ruhe zu kommen!

Ich bin kein Freund von Concerta. Aber abgesehen davon machen manche Ärzte auch den Fehler, Concerta zu niedrig zu dosieren!

Wenn die Einzeldosis vorher 15 mg Tabletten war, dann braucht man Concerta 54 mg - mindestens. Concerta 36 mg ist für die gedacht, die mit 10 mg unretardiert zurecht kamen.

Diese Unterdosierung wird in der ersten Phase - Concerta soll ja dreimal so lange wirken wie die Tabletten - ausgeglichen durch die halbe Tablette, die du extra dazu gegeben hast. Aber in der zweiten und dritten Phase hatte er nur die Wirkung von jeweils 10 mg Tabletten.

Und dann hat Concerta noch den Nachteil wie du schon sagst der Unflexibilität. Man ist die gesamte Wirkzeit auf genau diese Dosis festgelegt.

Hatte Thorsten schon beantwortet. Concerta wirkt so lange wie dreimal unretardiert, Ritalin LA oder Medikinet Retard wie zweimal. Achtung, Medikinet Retard ist nur etwas für gute Frühstücker; Ritalin LA ist davon unabhängig.

Die lange Wirkzeit ist nicht unbedingt das Problem, sondern wenn es genau zum falschen Moment aufhört. Dann ist man nämlich noch unruhiger, und sollte nicht gerade versuchen einzuschlafen. :oops:

Manche Eltern machen gute Erfahrungen damit, unmittelbar vor dem Schlafen gehen eine Vierteltablette (2,5 mg) unretardiertes MPH zu geben. Klingt paradox, aber kann funktionieren - Das Gedankenkreisen kommt zur Ruhe und man ist „wach genug um einschlafen zu können“. :o

Siehe oben: Wenn 2x 15 mg Medikinet unretardiert gut waren, sind 36 mg Concerta plus 5 mg Medikinet unretardiert nicht zu viel.

Ich möchte euch ermutigen, noch etwas zu experimentieren, mit den etwas kürzer wirksamen Retardkapseln, oder auch mit Amfetamin. Das ist wie Methylphenidat ein Stimulans, wirkt aber etwas anders. Es gibt unretardiertes Amfetamin, das heißt Attentin, und retardiertes, das heißt Elvanse.

Elvanse muss nur einmal täglich genommen werden. Es wirkt zwar richtig lang, vielleicht noch länger als Concerta, aber laut Angaben von Erwachsenen hier im Forum, die es auch nehmen, etwas sanfter als Methylphenidat-Präparate.

Ich selbst komme prima zurecht mit Methylphenidat, unser kleiner Sohn wurde sehr zurückhaltend und ängstlich und nimmt jetzt Attentin, das hat diese Nebenwirkung nicht.

Morgens und abends gut zu essen geben. Unser großer Sohn bekam als Schulkind unretardiertes Methylphenidat, da hatten wir extra eine Lücke gelassen, damit er in der Schule Mittag isst. Das funktionierte aber nur, weil es eine Förderschule war, wo ihm die Lehrerinnen das Medikament nachgaben.

Ich selbst esse tagsüber, wenn mein Medikament wirkt, auch fast nichts, nur kleine Portionen. Aber ich bin ein leidenschaftlicher Frühstücker und ein guter Nach-22-Uhr-Esser. :sunglasses:

Viele Grüße
Falschparker

Edit: Wenn ich schreibe, Ich möchte euch ermutigen, noch etwas zu experimentieren, meine ich natürlich, mit Erlaubnis der behandelnden Ärztin.

Hallo und herzlich willkommen auch von mir!

Ich habe dieser Tage auch grade keine richtige Zeit für das Forum.

Nur kurz: es gibt ja auch noch Equasym als Retardpräparat. Mein Sohn bekam anfangs nur dieses und kein Medikinet Retard oder Ritalin.

Er bekam 20 mg davon und dann passte der Übergang zu Concerta 36 gut.

Wie ist denn euere Kommunikation mit dem Arzt? Geht das auch mal zwischendurch per E-Mail?

Ich denke, dass der Austausch evtl. enger sein müsste. Außerdem wissen manche Ärzte einfach nicht genug über die Feineinstellung.

Elvsanse bekam meinem Sohn auch sehr gut, nur war der Appetit noch etwas weniger.

Hallo @Meinealleine und herzlich willkommen,
Wie beschreibt dein Junge die Wirkung, fühlt er sich wohl mit der aktuellen Medikation?
Ich weiß noch als ich mit Mph oder Elvanse überdosiert war, dass mich meine Umgebung als sehr ruhig wahrgenommen hat, obwohl ich innerlich am kochen war. Ich war extrem introvertiert, hatte keine Lust zu sprechen und wollte einfach in Ruhe gelassen werden.
Jetzt mit der deutlich niedrigen Elvanse Dosierung fühle ich mich prima.
Wie meine Vorredner geschrieben haben, würde ich einen anderen Medikament in Erwägung ziehen, es sei denn dein Junge fühlt sich wohl aktuell mit Concerta

Hey, eure Antworten sind SPITZE! Danke, hilft auch mir…

Bei unserem Junior, der kommt nächste Woche in die erste Klasse sind wir bei 10mg Medikinet retard. Und für Nachmittags haben wir unretardiertes. Aktuell testen wir, wie es mit 15mg retard (oder 7,5mg unret) funktioniert. Machen das aber nur am Wochenende.

Ich denke, es ist genau richtig, aber wir trauen uns das noch nicht, wenn er nicht bei uns ist, denn er hat gemerkt, dass er sich „anders“ fühlt (haben es letzten Samstag + Sonntag probiert). Wir haben schon länger ein wachsames Auge auf ihn, und wissen eigentlich schon lange was im Busch ist - da ich es von mir seit der Jugend weiß (auch wenn ich die offizielle Diagnose erst seit wenigen Monaten habe). Daher haben wir ihn im Vorschuljahr diagnostizieren lassen (und dummerweise gleich „Läuse und Flöhe“ gewonnen). Und nun vor der Einschulung mit den Medis angefangen. Und wir sind super happy. Wir haben nun wirklich das Gefühl, dass er in der Schule „ankommen“ kann.

Und ja, unser Familienleben ist auch sonst ausgeglichener. Ich würde für mich immer auch in den Ferien etc die Medis geben.

Ich bin mit unserer KiPsychiaterin auch super happy. Sie war ja erst etwas „reserviert“ was die Medis mit knapp 6 angeht - und wir mussten den Punkt explizit nochmal aufgreifen, aber wir haben das super zusammen diskutiert, abgewogen, und nun geht sie den Weg komplett mit uns. Ich glaube das war ein Glücksgriff!

Und ja, einen Punkt finde ich hyper wichtig: wir stellen unsere Kinder nicht ruhig. Im Gegenteil, die Medis sind Stimulanzien. Und wir geben sie ihnen, weil sie diese benötigen. Es ist so schade, dass man da immernoch dieses Stigma bekommt :frowning:


Das er da frustriert war, ist total verständlich und kenne ich von meinem Sohn auch oder von mir selber.
Da könnte ich ohne Medis aus der Haut fahren bei so Lehrern, wenn’s was bringen würde.
Erstmal vorweg ich möchte nur eine andere Sichtweise wiedergeben mit den besten Absichten für dein oder jedes andere Betroffene Kind ohne Vorwürfe oder dergleichen.
Ich taste mich mal vorsichtig ran an das Minenfeld Kindererziehung anderer Eltern.
:rotwerd
Über den Punkt mit dem Bauchweh vorgetäuscht bin ich doch schon gestolpert ,weil das wurde mir als Kind oft genug unterstellt.
Ich hatte von dem Stress den ich als Kind hatte in der Schule und auch zuhause hatte, wirklich Bauchschmerzen, Kopfschmerzen usw. und eine beginnenden Laktoseintoleranz. Klar wurden die auch besser wenn ich zuhause bleiben durfte, weil ich dem entgangen war und dann Tee statt Kakao bekam :wink:
Auch mein Sohn kam in die Phase und ich kann dadurch wirklich verstehen das es unglaubwürdig aussehen mag wenn das Gesicht vlt auch noch so schelmisch Grinsend aussehen mag bei der Aussage „Ich hab Bauchweh“ Deshalb hab ich das nachsehen mit meiner Familie mittlerweile.
Ich kann da natürlich nur von mir sprechen. Aber es ist denje ich eher diese Unsicherheit das selber einzusortieren oder evtl die schahm jetzt wieder eine Belastung zu sein, die dann überspielt wird mit grinsen.
Es war auch manchmal ein zusätzlicher Tag der Pause einfach nötig.
Ich fand die Hausaufgabenbetreung der Grundschule meines Sohnes allein schon wegen der Lautstärke ne zumutung, da hät ich auch nix hinbekommen und schon gar nicht wenn man die anderen draußen spielen sieht.
Zumindest würde ich das Rückblickend so betrachten.
Und Lügen mit Absicht wäre mir schon nicht möglich gewesen ohne Stammelanfälle :sweat_smile: das ging nur 1 mal in meiner größter Not, da war ich aber älter und das Verhältnis hin.
Bei meinem Sohn war es eher ein falsch verstanden/vergessen/verkramt weil abgelenkt.
Natürlich kann es bei Euch anders sein.
Ich konnte das trotz meiner Erinnerungen nicht immer so oft leisten mit dem zuhause lassen, bei meinem Kind. Zuviele Baustellen Seinerzeit.
Und nun ab mit mir zu meinem Vorstellungspost :smiley:

Ahoi @Meinealleine und auch ein herzlich Willkommen von mir

Also ich will ehrlich sein, ich habe mir jetzt nicht Alle antworten durchgelesen (bin echt im Eimer von 2 Tage Küche renovieren :slight_smile: )

Aber deine Schilderungen erinnern mich sehr an meinen älteren Sohn, nur das er ADHS hat.
Ich versuch mal kurz runter zu brechen wie unsere Erfahrungen sind:

  • mit 3 Jahren wurde uns von dem KiGa gesagt, er sei Verhaltensauffällig und wir sollten mal einen ADHS Test machen
  • nach kurzer suche fanden wir einen KiPsy der sich unserem Sohn annahm
  • aufgrund seiner sehr stark ausgeprägten Hyperaktivität und der Wahrnemungsstörung, dauerte es knapp 3 Jahre, bevor wir den entsprechenden Befund hatten
  • KiPsy und KiAz haben beide zu Medikinet geraten, weil beide sehr gute Erfahrungen mit diesem Präparat bei Kindern mit diesem Befund in seinem Alter (damals fast 7)
  • für die Einstellung haben wir uns fast 6 Wochen Zeit genommen, aber immer nur am Wochenende, damit wir die Rahmenbedingungen kontrollieren konnten
    -es stellte sich heraus, dass er bei 20mg unretadierd die besten „Resulatet“ erreichte
    -da auch meine beiden Kinder in die Ganztagsschule gehen, haben auch wir uns bei beiden für die Retard-Variante entschieden, da wir nicht wollten, das jemand Drittes bei der Medikamentevergabe seine Finger im Spiel hat
    -auch meine Kinder, hatten am Anfang besonders, später nicht mehr so stark, vermindertes Hungergefühl. Aber das hat sich mit der Zeit eingependelt, Unser KiAz meinte immer „er wird schon essen, ehe er verhungert“
    -nach etwa 1 Jahr kamen der Lockdown und es kam immer mehr ein Reboundeffekt
    -seit etwa 1 Woche erhält er nochmal 15mg unretardiert wenn er aus der Schule kommt. Der Rebound fast garnicht mehr zu spüren
    -meine Kinder bekommen Ebenfalls beide morgens gegen 0700 Uhr ihre Tabletten (je nach dem wie sehr sie nach dem Aufstehen fürs anziehen rumtrödeln)
    -einsetzen der Wirkung ist damit fast Zeitgleich zum Schulbeginn um 0800 Uhr
    -da mein Jüngerer unter starken Einschlafstörungen litt, bekommt er jetzt seit 1 Woche Abends eine Tablette mit Melatonin. Wirkt wunderbar und mein Sohn ist auch sehr viel mehr ausgeschlafen
    -bei einer zu großen Menge an MPH konnten auch wir bei den Einstellungen unserer beiden Jungs feststellen, das dieses „typische ruhig sein“ oder schon fast geistig abwesend sein, was man ja aus den Medien kennt, eintritt. Wir sollten sogar min 1x diesen Zustand bei beiden erreichen, damit wir sicher sein können, wo die optimale Dosis ist

Was mich ein wenig wundert, ist, dass nach deinem Eingangstext nach, nicht der Kinderarzt sondern Psychologen und/oder Neurologen die Medikation verordnen. Das hat mich ein wenig stutzig gemacht, weil unser KiPsy abgesehen von Ratschlägen und Erfahrungen bei den Medikamenten Null Mitsprache hat, sondern ausschließlich und NUR der Kinderarzt.

Ich hoffe, dass meine Erfahrungen dir irgendwie helfen können :slight_smile:

LG Big Boss

Obacht. Ich meine mit KiPsy stets unsere Fachärztin für Kinder-und Jugendpsychiatrie. Dass ein (Kinder)Psychologe da fehl am PLatz ist wenn es um Medis geht, ist klar, aber die Medikation fällt genau in das Gebiet von Psychiatern (oder eben Kinder- und Jugendspychiatern). Die meißten Kinderärtze sind da meist wenig qualifiziert (und einige Psychiater leider auch). Meinealleine spricht auch von Kinderpsychiater, nicht Kinderpsychologe… Bitte nicht vermischen :slight_smile:

@Thorsten
Ja okay, da hast du Recht. Bei uns in der Stadt ist das halt so, dass es nur 2 Kinderärzte gibt die Medikamente wie Medikenet oä überhaupt verschreiben dürfen, deswegen nahm ich an, dass das bunesweit gleich ist

„Dürfen“ tut das grundsätzlich jeder Arzt… Es liegt eben in seiner Verantwortung ob er das nötige Fachwissen dazu hat. Aber genau deswegen sind es Ärzte.

Hilfe … ich sitzt jetzt seit 1,5h da und schreib einen Text … dann will ich ihn abschicken, dann sagt das Teil mir, ich muss mich anmelden wenn ich was schreiben will … Text weg. Mit Zurück … nix
Ahhhhhhhhhhhhhhhhhh
Ok, ich mach das häppchenweise. Habe vertanden.

So, jetzt nochmal in kleinen Häppchen

Sorry für die späte Rückmeldung, Schulbeginn und der normale Wahnsinn haben mir kaum Zeit gelassen.


Ich habe mittlerweile mit der Kindespsychologin gesprochen. Das Concerta wirkt 16h!!! 2h nach Einnahme schläg es erst richtig durch. Es gibt wohl eine Wirkung/Zeit Tabelle für das Medikament, mal sehen ob ich das irgendwo finde. Sie sagte das die höchste Wirkstufe 12 ist und er um 16 Uhr ca Wirkstufe 5 hat und zum Schlafengehen 1 bis 2 hat. Concerta setzt also nicht gleichmäßig die gleiche Menge frei, sondern in unterschiedlichen Wirkstufen, je nach Tageszeit. Sie erklärte mir auch, das sie eben eher diese neuen Präparate einsetzten als Ritalin oder Medikinet Retrat.


Er fühlt sich sehr gut damit. Er merkt das er sich besser Konzentrieren kann und das es ihm leichter fällt am Unterricht teilzuhaben. Das einzige ist, das er denkt er kann nur mit den Tabletten gut sein. Dabei bin ich echt wie ne Schallplatte unterwegs und erklär ihm, das es nicht die Tabletten sind, denn wenn er dumm wie Bohnenstroh wäre, würden die auch net helfen. Es ist er selber, nur mit einer kleinen Hilfe.

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Ja kenn ich. Uns wurde auch schnell gesagt das er Wahrnehmungsstörungen hatte. Nach ein paar Gesprächen mit befreundeten Ergotherapeuten, wurde uns gesagt, das man erst mit Kinder im Schulalter richtig arbeiten kann und verschiedene Therapieformen anwenden kann. Alles andere sei zwar nett, sicherlich auch nicht falsch, aber die Möglichkeiten seien sehr begrenzt. Medis kamen für uns nicht in Frage. Uns hat es nicht gestört das er Dinge einfach 1 Jahr später konnte … er hat immer alles hinbekommen. Nur in einem anderen Tempo. Das haben wir akzeptiert. Dafür taucht er jetzt wie ein Fisch und kann Bilder malen, das ist der Hammer. Nur halt viel später, wie andere Kinder in seinem Alter.


Ja, nach dem Gespräch mit der Kinderpsychologin hat sie uns auch Melatonin empfohlen. Die letzten Wochen waren Hölle, grad scheint es sich einzupendeln. Sie meinte nur 6 Wochen geben, danach sollte es wieder besser gehen.


Wir sind vom Kinderarzt zum SPZ Sozialpädiatrische Zentrum überweisen worden. Der Kinderarzt hat sofort die weiße Fahne geschwenkt. Ist nicht sein Fachgebiet. Vielleicht kurz zum SPZ: „Das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ) ist zuständig für die Untersuchung und Behandlung von Kindern und Jugendlichen im Kontext mit dem sozialen Umfeld einschließlich der Beratung und Anleitung von Bezugspersonen. Zum Behandlungsspektrum gehören insbesondere Krankheiten, die Entwicklungsstörungen, drohende und manifeste Behinderungen sowie Verhaltens- oder seelische Störungen jeglicher Ätiologie bedingen. Zu den Aufgaben der Sozialpädiatrischen Zentren zählt auch die Untersuchung bei Verdacht auf die oben genannten Krankheiten.“
Solche Zentren gibt es in jeder größeren Stadt. Die Behandlung geht über Epilepsi, Trisometrie, ADHS, usw. Dieses ist an das Kinderklinikum angeschlossen, wo auch die Diagnostik stattgefunden hat. Mein Sohn wird hier von einem Neurologen und einer Kinderpsychologin betreut. Rezepte schreibt nur der Neurologe, in Absprache mit der Kipsy.

Hallo Meinealleine,

nicht schlimm. :knuddel

Ob es 16 Stunden wirkt oder nicht, das ist sehr individuell. Bei unserem großen Sohn war nach 9 Stunden Schluss. Und die Grafiken, die du im Internet finden kannst, zeigen die Konzentration des Wirkstoffes im Blut an.

Die ist aber nicht 1:1 identisch mit der Wirkung selbst!

Na ja, wie gesagt, Concerta hat seine Fans. Es wirkt lange, aber je länger eine Kapsel wirkt desto unflexibler ist man leider. Die anderen Kapseln muss man mehrmals am Tag geben, aber dafür ist man flexibler. Man kann nachmittags eine geringere Dosis geben oder auch nachmittags nur etwas Unretardiertes.

Allerdings wenn die Schule so lange geht, dass die Wirkung aufhört bevor euer Kind zu Hause ist, dann ist Concerta natürlich besser als eine Kapsel die nicht so lange reicht. Oder Elvanse.

Aber ich möchte dich nicht verunsichern wenn es jetzt mit Concerta gut läuft.

Je länger dein Sohn das Medikament nimmt, desto normaler wird es auch und ich wünsche euch, dass er langfristig keine Minderwertigkeitsgefühle deswegen hat.

Unser kleiner Sohn ist schon 8, aber er scheint den Unterschied kaum wahrzunehmen. Manchmal sagt er er will die Tabletten nicht und sie seien ihm unangenehm. Bei Nachfragen ist es aber immer nur die Einnahme selbst, also das trockene Gefühl im Mund und das Nachtrinken müssen, die darauffolgende Wirkung scheint ihn nicht zu stören, oder er sieht den Zusammenhang nicht. Ist ja auch schwierig. Wenn etwas weh tut und man nimmt eine Tablette und nach 20 Minuten tut es nicht mehr weh, kann das jeder verstehen. Aber eine Tablette und dann zankt man nicht mehr rum? Schwierig.

Irgendwo kam die Frage auf, warum wir die Schule als Leistungsmesser nehmen.
Nachdem mein Sohn, dank der Klassenlehrerin und den Medis wieder halt in der Schule gefunden hat und daheim umgänglicher wurde, ist er aus diesem Teufelskreis rausgekommen.
Seither ist er auch ohne Medis für uns händelbar, (Testphase, erste Lockdownhälfte) in der Schule jedoch nicht. Ohne Medis ist er am träumen und am trielen.
Warum ich so auf die Schule poche … weil ich will, das er die größtmögliche Chance hat, nach der Schule das zu tun, was ihm Spaß macht. Den das ist für einen ADHSler enorm wichtig. Wichtiger wie vieles andere, selbständig seinen Lebensunterhalt verdienen mit Dingen die Ihm Spaß machen, weil er nur da die Motivation hat sich voll reinzuknien. → ich weiß wovon ich rede.
Hierbei ist es egal, was für einen Job er machen will oder ob er einen höheren Bildungsgrad haben möchte. Nur wenn ich jetzt aufgebe, habe ich Angst ihm das zu nehmen. Ketzerisch könnte man das ganze auch Leistungsdruck nennen. Im Prinzip ja, nur ist meine Motivation eine andere. Ich weiß, das wir dafür sorgen müssen, eher uns zurücknehmen müssen, dass ihm die Schule auch spaß macht. Hier haben ich und mein Mann sehr viele Fehler zu beginn der Schulzeit gemacht. Fehler, die mein Sohn bis heute nicht vergessen kann. Wir haben sie aus Angst, Sorge und Verzweiflung gemacht.
Wir sind gegenüber der damaligen Lehrerschaft immer hinter unserem Sohn gestanden, bei jedem einzelnen Gespräch und das waren viele. Da ich merkte wie seine damalige Klassenlehrerin ihn versucht hat auf die Förderschule abzuschieben, hab ich angefangen Protokolle über die Gespräche zu führen. Es ist wirklich ernüchternd wen man in den Elterngesprächen nur hört, was das Kind alles nicht kann, anstatt mal erzählt zu bekommen, was es kann. Mit solchen Lehrern bin ich echt durch.
Die Klassenlehrerin bei der Wiederholung der 2. war dagegen ein absoluter Glücksgriff.
Die jetzige ist Jung, frisch nach dem Studium, hat aber sofort Kopfhörer(zum Umgebungsgeräusche ausblenden) organisiert, da es einige Kinder in der Klasse gibt, die ähnliche Probleme haben, mit der Laustärke nicht können und unkonzentriert sind.
Hatte heute ein erstes Telefonat mit ihr, weil mein Junge (wie andere auch bestätigte sie mir) scheinbar nicht mehr rechnen kann. Das war zumindest der Anlass des Telefonats. Ich habe sie gleich auf die Reise mitgenommen und sie scheint sehr aufgeschlossen zu sein. Das mit den Kopfhörern fand ich toll, hab gleich gesagt, bei der nächsten stillen Arbeit/Test (Mathe, Deutsch schreiben) soll sie meinem Sohn welche anbieten.
Ihr Fazit nach 3 Wochen Schule … mein Junge ist völlig unauffällig. Er macht mit, meldet sich, weiß einiges zu erzählen, ist nett und schwimmt einfach im Strohm mit. Um ihn macht sie sich im Moment gar keine Sorgen.
Aber sie ist froh, das ich so offen darüber rede. Wir bleiben im Austausch.
Ihr habt keine Ahnung wie gut das tut das zu hören.


Sag mal, was dich genau stört an Concerta?


Was meinen Sohn stört, ist die Größe der Tablette. Sie ist nur mit gut spülen runterzukriegen. Da tut er mir schon etwas leid, trägt es aber mit Fassung.

Die hatte er schon vorher. Das er an allem Schuld ist, das er nix Wert ist, das ihn keiner Leiden kann in der Klassen und das er keine Freunde hat. Dabei jeder Geburtstag 8 bis 12 Kinder !!! die Ihn wirklich mögen und mehrmals die Woche sitzen hier Fremde Kinder im Haus oder er ist weg. Er sieht es nicht. Das konnte ich auch lange nicht. Dachte auch, niemand kann mich leiden. War aber in Wirklichkeit nicht so. Wenigstens in dem Punkt lass ich bei Ihm nicht locker, bis er sich wieder zu 100% mag!!!