Hi alle zusammen,
ich brauche mal eure Einschätzung.
Ich bin weiblich, Anfang 20 und vermute schon lange Neurodivergenz bei mir, die ich aber nicht einordnen kann.
Ich war schon immer ein impulsiver Mensch mit starken Emotionen. Habe mich in Gedankenkarussels reingesteigert und bin dabei hin und hergelaufen und hab dabei wild rumgestikuliert, insbesondere bei Ideen die ich grad nicht umsetzen konnte.
Empfindliche Ohren hatte ich schon immer, ich halte mir heute noch oft die Ohren z.b. bei Küchenmixern oder Mofas zu. Man sagt mir, ich kneife auch oft die Augen zusammen, also scheine ich auch lichtempfindlich zu sein. Als Kind mussten immer die Zettel aus den Klamotten, und manche Konsistenzen beim Essen gingen gar nicht. Das ist heute abgeschwächter. Ich kann sehr trotzig sein, wenn eine Person mir gegenüber autoritär auftritt, die dazu nicht befugt ist, generell hab ich einen starken Gerechtigkeitssinn. Ich kann sehr ausdauernd sein wenn mich etwas interessiert. Leider möchte ich immer zu viel auf einmal und vor allen schnell fertig werden, trotz meiner Detailverliebtheit und meines Bedürfnisses nach Tiefgang. Mein Haupttalent ist wohl meine Kreativität. Habe eine Neigung zum overthinking und oversharing, habe Probleme mit Entscheidungsfindung, neige aber gleichzeitig zum Aktionismus und in sozialen Kontexten rede ich entweder zu viel oder zu wenig. Mimik und Gestik kann ich sehr gut lesen, kann aber nicht immer adäquat drauf reagieren und habe extreme Angst vor Ablehnung. Mein exzessives Beobachten bis hin zum offensiven starren gewöhne ich mir langsam ab. Früher war ich offen kompetetiv, mittlerweile fehlt mir die Energie dafür obwohl ich innerlich immer noch „die Beste“ sein will. Ich bin als sehr direkt verschrien. Leute erleben mich als zurückhaltend ODER tough. Brauche viel Bestätigung. Und viel Schlaf ![]()
Ich war eine gute Schülerin, die gerne lernte und im großen und ganzen recht zuverlässig war. Das wurde mir von zu Hause vorgelebt und drauf geachtet. War aber berüchtigt für mein ständiges Verbessern und hatte auch öfter mal körperliche Auseinandersetzungen. Das einerseits durch meine Ungeduld, andererseits durch ein Umfeld, in dem sogar Eltern mich gemobbt haben.
Ich saß teils bis 8 und nur in Begleitung an den Hausaufgaben, weil ich mich in Mathe im Unterricht nicht aufraffen konnte, Schreibaufgaben zu erledigen. Während die Hefte anderer Mädchen wie gebügelt waren, waren meine immer leicht verknittert. Manchmal haute ich mir an den Kopf, um die Gedanken zu stoppen und meine Gedankenspiralen hielten mich vom Einschlafen ab.
Mit der Pubertät wurde ich eher zurückhaltend, und entwickelte zahlreiche Ängste, die Tendenz, mir Dinge einzureden, begann, aber die innere Unruhe blieb. Sie äußerte sich nun in an Haut- und Haaren herumzuknibbeln und die Marotte, sehr offensichtlich aufs Klo zu müssen aber nicht zu gehen hielt sich. Ich entwickelte Spezialinteressen und definierte mich stark durch Andersartigkeit und meine sehr guten Leistungen, auch, weil ich die Intrigen meiner Mitschülerinnen nicht verstand und mich von ihnen Abgrenzen wollte. Gleichzeitig litt ich unter meinem Außenseiterstatus und hatte immer wieder Momente psychischer und verbaler Aggression. Ich war wie besessen davon, morgens eine Stunde früher an der Bushaltestelle zu stehen, um einen Sitzplatz zu bekommen. Soziale Aktivitäten strengten mich an. Wenn sich Treffen länger hinzogen, als versprochen, wurde ich unruhig. Tatsächlich wurde ich auch einem Intelligenztest unterzogen, der überdurchschnittlich ausfiel. Mein Verhalten wurde aber als unauffällig eingestuft.
Nach dem Schulwechsel besserte sich mein soziales Umfeld und auch mein Gemütszustand. Ich wurde weniger neurotisch, hatte ein größeres Bedürfnis nach Sozialisation trotz begrnzter social Battery. Allerdings auch nachlässig, weil immer weniger kontrolliert wurde und meinen perfektionismus konnte ich immer weniger aufrechterhalten. Ich hatte regelmäßig Schwächeanfälle, weil ich das Essen und trinken verdrängte. Ich entwickelte eine Ticstörung.
Nach dem (sehr guten) Abitur, fiel der Rahmen, und das, worüber ich mich definierte weg. Ich bin nun sehr schludrig, verspäte mich des öfteren und verpasse Termine. Über das Studium brauchen wir gar nicht erst reden und mein Zimmer ist unironisch eine Gesundheitsgefahr. Internetkonsum ist exzessiv, sodass ich meine (Spezial)interessen vernachlässige. Vor lauter Optionen und szenarien weiß ich nicht, wie ich mein Leben planen soll.
Was glaubt ihr? Habe ich jahrelang eine ADxS maskiert? Könnte es eine andere Form der Neurodivergenz sein? Oder sind es äußere Umstände, weswegen mein Leben gerade ist, wie es ist?
Würde sich eurer Meinung nach eine Diagnostik lohnen?
Vielen Dank für eure Antworten.!