ich lese hier schon ne Weile immer wieder mit. Langsam bin ich mit meinen Lösungen am Ende und brauche Rat, daher hab ich mich angemeldet.
Mein Mann und ich sind seit 8 Jahren zusammen und seit 4 Jahren verheiratet. Er hat in der Kindheit eine ADHS Diagnose bekomen. Damals hat er auch Ritalin genommen. Seine Kindheit und die Diagnose ist aber mit viel Ablehnung seitens der Familie und Schmerz verbunden. Daher hat er dies nicht offen mit mir kommuniziert am Anfang.
Seit der Geburt unserer Tochter (4) häufen sich die Ehekrisen aneinander. Die grundlegenden Probleme:
Ich bin wohl zu empfindlich was Kritik angeht (dies sagt er mir oft, dass ich diese immer abwehre und relativiere also mit „Ja aber“)
Er schafft es nicht regelmäßig seine Aufgaben zu erledigen (mit dem Hund spazieren gehen, etc)
Das bleibt dann entweder an mir hängen oder liegt halt dann komplett
Aufgaben die nur er übernehmen kann (handwerklich) werden zeitlich mal sofort, mal ein Jahr lang nicht erledigt, die Deinglichkeit (Stichwort Kindersicherheit) ist dabei egal und es ist auch egal ob ich ihn mehrmals darum bitte
Unsere Streits laufen immer gleich ab: er kritisiert mich, ich antworte häufig mit „Ja ok“, dann kritisiert er so lange bis ich mich rechtfertige und dann eskaliert es. Er wird laut, er wird unfair und beleidigend. Gebe ich nicht nach diskutiert er so lange und ändert seinen Standpunkt niemals.
Spreche ich etwas an was mich stört oder sage ihm, dass es mir mit etwas schlecht geht läuft das ganze in die selbe Richtung. Am Ende erklärt er mir stundenlang warum eigentlich ich das Problem bin und, dass es auf jeden Fall nicht seine Schuld ist.
Bei solchen Streitigkeiten sagt er immer wieder Dinge wie, dass ich mein Leben nicht im Geiff habe, dass ich verantwortungslos bin, usw also schon sehr angreifende und verletzende Dinge.
Er lässt sein ADHS nicht behandeln und will auch nicht zur Therapie.
Er ist sehr perfektionistisch und seine „Standards“ sind dabei sehr unterschiedlich. Mal ist es ihm egal, ist es eine schlechte Woche stört ihn alles und jede Kleinigkeit wird irisiert und diskutiert und so weiter. Dabei reichen die Beispiele von verständlichen Problemen im Zusammenleben (Klamotten aufräumen die in die Wäsche gehören) zu sehr peniblen Eigenheiten (die Sahne darf im Kühlschrank nur an genau diesem Platz stehen und der Deckel muss heruntergezogen sein). Dieser Kritikmix geht in manchen Phasen so weit, dass ich mich wirklich von all den Mini Regeln eingeschränkt fühle. Dies empfindet er als absolut lächerlich und unbegründet da ihm ja eh alles scheiß egal ist sagt er.
Aufgrund seiner familiären Vorgeschichte hat er (glaube ich) massive Selbstwertprobleme. Vor einigen Wochen wurden die Gemeinheiten so extrem und fies, dass ich sehr klar gemacht habe, dass ich so nicht lebe. Seitdem wirft er mir vor, dass ich eine Affäre habe und ihn nicht mehr lieben würde. Er denkt, ich glaube, er kann nichts und schafft auch nichts und sei nur gemein und scheiße. Egal wie oft ich ihm das Gegenteil sage, er glaubt es nicht.
Auf Grund der ganzen Vorfälle hat sich unsere Intimität verändert und ich hatte weniger Lust. Dies stört ihn massiv und er sagt ich benutze das um ihn zu manipulieren. Also wenn er gemein ist entziehe ich aus Berechnung den Sex und überlege mir quasi wie viele sexlose Wochen er sich damit verdient hat.
Einer Paartherapie hat er eigentlich zugestimmt aber den ersten Termin da war er dann nicht bereit und es wurde abgesagt. Der Termin wäre aber recht spontan gewesen, weil jemand abgesagt hat.
Wie ihr seht, ist das ein einziger verwirrender und dramatischer Haufen. Ich fühle mich langsam so, dass ich eigentlich Nix mehr ansprechen darf und auf alles was er anspricht muss ich „ja ok“ sagen. Auch mein Selbstwert hat natürlich mittlerweile sehr gelitten weil ich ja immer höre, dass ich unfähig bin und nichts kann usw.
Ich würde mich über Rat sehr freuen, denn ich bin langsam wirklich ratlos.
Hast du mal ganz klar, vielleicht sogar deutlich zusätzlich schriftlich in Stichpunkten verfasst, was sein für dich empfundenes schlechtes Verhalten in dir macht, was das alles an Erotikgefühlen und Liebesgefühlen schon auf längere Zeit ganz masdiv ausschaltet und je mehr du verletzt wirst das in eine sich steigernde Spirale führt?
Wieso versuchst du alles was er wohl erlebt hat dann zu entschuldigen mut, so wie er aufgewachsen ist?
Es ist völlig egal woher das kommt, solches Verhalten verträgst du nicht! Es verletzt dich!
Es ist sein Problem wenn er nicht bereit ist das erkennen/ bearbeiten zu wollen, deshalb darfst du trotzdem konsequent deine Haltung und wenn es dein Bedürfnis ist dich zurückziehen.
Ich würde ihm auch klar sagen, daß es nicht um sonst im Volksmund zum Sprichwort „wer ficken will muß freundlich sein“ gekommen ist und es wohl jedem außer ihm bewußt sein und wohl dringenst für ihn Zeit sei über sowas nachzudenken.
Hast du mal versucht zu sehen, daß er dich, sobald „du dich Frechheit wagst deine Meinung zu Vertreten“ er dich so lange mit Dingen bombadierst die so viele Komplexe und Minderwertigkeitsgefühle erzeugen bis du die „Klappe hälst, null Selbstbewusstsein hast“ und wieder brav unrer ihm stehst
Das ist masdive Manipulation um nichts an sich zu ändern dich aber wie eine Schachfigur nur zu seinem Nutzen zu setzen
Sorry aber es erzeugt sofort solche Gefühle und Bilder
was du beschreibst, passt sehr gut zu ADHS, und zwar beides - die Impulsivität, die Nachlässigkeit, die Überforderung und gleichzeitig die stark verzerrte soziale Wahrnehmung - was er von dir verlangt und wie er seine Probleme herunterspielt ist nicht berechnet, sondern er sieht es tatsächlich so durch die ADHS.
Das Problem, kaum jemand strebt medikamentöse ADHS-Behandlung an, um mit seiner Frau besser auszukommen - wieso denn auch, die sorgt doch selbst für den Zoff!
Ich wollte Ritalin nehmen, um mehr Überblick für die Arbeit zu haben und mich besser zu strukturieren - weniger Streit in der Ehe war der unerwartete Bonus! Und kaum etwas ist seitdem meiner Frau wichtiger, als dass ich regelmäßig meine Medikamente nehme.
Wenn er nicht für dich seine ADHS behandeln lassen möchte, dann vielleicht seiner Tochter zuliebe? Denn für die ist es auch scheiße, wenn Papa so ein Rüpel ist und die Eltern immer streiten.
Diese Methoden in gleicher und ähnlicher Richtung habe ich bisher tatsächlich nur von Frauen und auch persönlich eben von diesen Gehört das sie das machen. Das dir aber zu Unterstellen, bei dem von dir geschilderten Verhalten von ihm, finde ich schon krass.
Ich kann mir gut Vorstellen das man nicht so wirklich mehr Intimität mit so einem Menschen haben will ( Geschlechtunabhängig) und ob das auch alles wirklich noch zusätzlich zur ADHS Symptomatik gehört wage ich stark anzuzweifeln.